Zum Inhalt

Apostelgeschichte 1,15-26

Apostelgeschichte 1,15-1,2616.02.2014
Serie•Teil 3 / 64Apostelgeschichte
Gott gebraucht oft keine Superstars, sondern Menschen mit Rückgrat. Die Frage ist: Kennst du die Bibel so gut, dass du in Krisen nicht ins Leere läufst, sondern tragfähige Antworten hast?

Einleitung: Die Frage nach dem Profil brauchbarer Menschen

Wir haben ein Überthema über diese ersten Predigten zur Apostelgeschichte, und dieses Überthema heißt: Was zeichnet Menschen aus, die Gott gebrauchen kann?
Die Frage ist deshalb so relevant und vielleicht auch deshalb so einfach mit der Apostelgeschichte zu beantworten, weil wir dort auf Menschen treffen, die eigentlich ganz einfache Menschen sind. Menschen wie du und ich. Menschen, die vielleicht wenig auffällig sind. Wenn man die im Lidl treffen würde, dann würde man nicht sagen: Oh! Sondern man würde sie einfach übersehen. Man steht dann neben so jemandem an der Käsetheke und denkt sich: Na ja, du nimmst dir dein Stück, ich nehme mir mein Stück, das ist völlig unauffällig.
Und gleichzeitig sind das die Typen, die unglaublich Bemerkenswertes leisten. Vielleicht machen wir uns nicht ganz klar, was sie geleistet haben, weil das schon so lange her ist. Wenn wir damals in dieser Zeit gelebt hätten, dann wäre uns das irgendwie klarer. Aber trotzdem: Hier wird Kirche gebaut, hier wird etwas ganz Neues in die Welt hineingesetzt, von Leuten, die ursprünglich mal, na ja, was war denn Matthäus? Matthäus war so ein Beamter. Petrus war so ein kleiner Geschäftsmann mit seinem Fischereibetrieb. So könnte man da durchgehen. Nichts Auffälliges. Keiner von denen hatte groß studiert, keiner von denen hatte groß Vitamin B, also Beziehungen bis nach ganz oben, so in den Palast des Kaisers hinein oder wenigstens bis zu einem Statthalter hin. Nein, ganz unauffällige, einfache Menschen, die Gott gebraucht, um durch die Gott Bemerkenswertes tut.
Und die Frage ist: Was zeichnet diese Leute aus? Und das nehmen wir dann und stellen uns die Frage: Was zeichnet allgemein Leute aus, die Gott gebrauchen kann? Natürlich stellen wir uns diese Frage, um dann zu schauen: Findet sich das bei mir? Bin ich so einer, den Gott gebrauchen kann?
Die ersten beiden Antworten aus der letzten Predigt über die Apostelgeschichte waren einfach: Es sind Menschen, die warten können. So simpel, oder? Sie können warten. Sie können warten darauf, dass Gott seine Geschichte mit ihnen schreibt, in der Geschwindigkeit, die Gott vorgegeben hat. Und das Zweite, was wir gesehen haben: Es sind Beter. Warten und beten, die ersten zwei ganz simplen Dinge, möchte man sagen. Aber ich glaube, jeder, der letztes Mal da war und versucht hat, in der Zwischenzeit Warten und Beten mal zu trainieren, der hat festgestellt: So einfach ist das nicht immer. Und trotzdem sind das ganz wichtige Dinge, die wir begreifen müssen.
Heute wollen wir weitermachen, das ist nämlich noch nicht alles. Vers 15: Und in diesen Tagen stand Petrus in der Mitte der Brüder auf und sprach: Brüder, hier bitteschön, aus dem Griechischen direkt übersetzt. Die Elberfelder übersetzt dann immer, was da steht. Wir würden das eigentlich besser übersetzen mit „Geschwister“, weil hier Männer und Frauen gemeint sind. Das deutsche Wort „Geschwister“ ist abgeleitet von „Schwester“, und im Griechischen ist es einfach anders, da ist es von „Bruder“ abgeleitet, deswegen „Brüder“. Und weil die Elberfelder immer einen Tick genauer sein will, als es vielleicht manchmal hilfreich ist, deswegen steht hier „Brüder“, meint aber Geschwister.
In diesen Tagen stand Petrus in der Mitte der Brüder auf und sprach: Es war aber eine Menge von etwa hundertzwanzig Personen zusammen. Das sind die, die warten. Vielleicht haben wir vorher an eine kleinere Gruppe gedacht, aber das sind die, die dann am Ende übrig geblieben sind. Und diese hundertzwanzig Personen warten, und sie haben, ich nenne das mal, ein taktisches Problem.

Der öffentliche Makel und die Last der Vergangenheit

Warum? Kurz bevor Jesus hingerichtet wurde, hatte er etwas getan, was ihm grösstmögliche Publicity eingebracht hat. Er hat nämlich den Tempel gereinigt.
In Markus 11,15-17 wird dieses Ereignis beschrieben. Da heisst es:
Und sie kommen nach Jerusalem. Und er trat in den Tempel und begann, die hinauszutreiben, die im Tempel verkauften und kauften. Die Tische der Wechsler und die Sitze der Taubenverkäufer stiess er um und erlaubte nicht, dass jemand ein Gerät durch den Tempel trug. Und er lehrte und sprach zu ihnen: Steht nicht geschrieben: Mein Haus wird ein Bethaus genannt werden für alle Nationen? Ihr aber habt es zu einer Räuberhöhle gemacht.
Dieser Moment, in dem Jesus so im Tempel auftritt, wird für die Hohenpriester und die Schriftgelehrten ein ganz wesentlicher Grund, jetzt schnell handeln zu müssen. Man musste diesen sehr unangenehmen Jesus, diesen Prediger aus Galiläa, loswerden. Denn wenn er anfing, die Hohenpriester und die Schriftgelehrten als Räuber und Diebe darzustellen, dann war das hochgefährlich. Das sind ja diejenigen, die eine Räuberhöhle betreiben. Da musste man aufpassen, denn in so einen Messias konnte sich das Volk sehr schnell verlieben.
Er sagte ja Dinge, bei denen jeder sagte: Ja, gib’s ihm, preach it, Amen! Das wollte jeder hören.
Vers 18 dann auch:
Und die Hohenpriester und die Schriftgelehrten hörten es und suchten, wie sie ihn umbringen könnten.
Na klar: Wenn ich da jemanden habe, der das so öffentlich jedem ins Gesicht sagt, ihr benutzt den Tempel, um euch selber zu bereichern, dann ist das heftig. Ja, bitteschön, man kann viel predigen, aber doch nicht so. Klar wird: Jesus hat für Räuber nichts übrig. Und ich glaube, das ging vielen Israeliten ganz genauso.
Tja, jetzt war dieser Messias hingerichtet worden. Frage: Wer hatte ihn eigentlich verraten? Na ja, einer seiner treuesten Diener, der Apostel Judas. Warum hat er das gemacht? Für Geld. Judas war ein Räuber. Er klaute aus der Kasse, aus der gemeinsamen Kasse der Apostel. Und das war noch nicht das Schlimmste: Er hat selbst Jesus dann für dreissig Silberlinge einfach verraten.
Wer wusste davon, von diesem hässlichen Fleck auf unserer ansonsten so weissen Apostelweste? Na ja, in Jerusalem wusste jeder davon. Das heisst es in Apostelgeschichte 1, Vers 17:
Denn er war uns zugezählt und hatte das Los dieses Dienstes empfangen.
Judas war wirklich einer von den Zwölfen.

Die Schande des Verrats und die öffentliche Erinnerung

Vers 18 Dieser nun hat zwar von dem Lohn der Ungerechtigkeit einen Acker erworben, ist aber kopfübergestürzt, mitten entzwei geborsten, und alle seine Eingeweide sind ausgeschüttet worden.
Das ist eine ganz gruselige Geschichte, und ich möchte sie auch nur kurz erzählen, weil ich glaube, dass nicht wirklich viele Leute auf Splatter-Horrorfilme stehen. Das ist so ein bisschen die Richtung.
Judas hatte Jesus verraten, Jesus war gekreuzigt worden, und dann hatte Judas ein schlechtes Gewissen. Er ging zu den Hohenpriestern und wollte ihnen das Bestechungsgeld zurückgeben. Doch die Hohenpriester und die Ältesten lehnten das ab. Und dann stand er allein mit seiner Schuld da. Judas nahm das Geld, warf es in den Tempel und erhängte sich.
Wir können nur mutmaßen, was danach passiert ist. Wenn es so war, dass Judas sich am Freitagabend, vielleicht kurz bevor der Sabbat anbrach, erhängt hatte, und man dann nach dem Beginn des Sabbats diesen schon steifen Leichnam fand, der da irgendwo hing, dann stellt sich die Frage: Was machte man damit? Es ist Sabbat, ja, es ist das höchste religiöse Fest. Es ist jetzt ein bisschen eklig, aber so ein Leichnam wird einfach über die Stadtmauer entsorgt.
Und das ist wahrscheinlich hier passiert. Man wirft ihn einfach hinunter, weil es im Moment ja Sabbat ist, da darf man nicht arbeiten, es ist ein Riesenfest, und man will das Problem einfach nur beseitigen. Er fällt auf der anderen Seite herunter, schlägt unten auf, platzt auf, und genau so bekommt ihn jeder mit, der an diesem Tag vorbeigeht, so lange, bis dann dieser Leichnam, der da liegt, mit Eingeweiden, die aus seinem Bauch quellen, entsorgt wird.
Und genau so hat ihn, und das ist das Brutale, ganz Jerusalem in Erinnerung. Wenn du jemanden fragst: Hast du den gesehen? Na klar, der lag da. Ist ja auch logisch. Stell dir vor, du bist in so einer Stadt. Und es ist ja heute schon so: Wenn du irgendwo bist und da ist ein Verkehrsunfall oder so, dann gaffen immer alle. Wie viel mehr gafft man, wenn da so einer am Boden liegt? Den willst du natürlich nicht anfassen. Die Leute fliegen außen herum, und so, der stinkt auch so ein bisschen, also gehst du einfach vorbei.
Aber es gibt so dieses makabere Interesse an solchen Dingen, die dann da liegen, an toten Igeln und halt auch an toten Aposteln. Und genau so hat ihn, und das ist das Problem, ganz Jerusalem im Blick, im Kopf.
Vers 19 Die ganze Geschichte ist bekannt, und es ist allen Bewohnern von Jerusalem bekannt geworden, dass jener Acker in ihrer eigenen Mundart Hakeldamach, das ist Blutacker, genannt worden ist.

Der gesellschaftliche Vorbehalt gegen die Botschaft

Also, genau genommen hatte Judas den Acker nicht persönlich gekauft. Die Hohenpriester und die Ältesten fanden dann das Geld im Tempel, und das war ihnen dann doch ein bisschen zu viel: Geld, mit dem man quasi einen Mord finanziert hat, auch noch in den Tempelschatz zu legen.
Also überlegt man sich: Was machen wir damit? Die Hohenpriester denken dann: Na ja, dann kaufen wir uns eben einen Acker. Wir brauchen ohnehin mal so ein Stück Land, wo man all die Leute begraben kann, die nicht so richtig zu uns gehören. Dann kaufen wir so ein Stück Land im Namen von dem Judas da und verwenden das Geld halt dafür.
In Matthäus 27 steht das in den Versen 6 und 7. Ich möchte euch das kurz vorlesen.
 Matthäus 27,6 Die Hohenpriester aber nahmen die Silberlinge, die Judas in den Tempel geworfen hatte, und sprachen: Es ist nicht erlaubt, sie in den Tempelschatz zu werfen, weil es Blutgeld ist.
Also, diese Scheinheiligkeit ist immer wieder herrlich. Es ist erlaubt, den Mörder damit zu bezahlen, aber es ist nicht erlaubt, es zurückzunehmen. Na ja, gut. Also hielten sie aber Rat und kauften dafür den Acker des Töpfers zum Begräbnis für die Fremden.
Und dieser Acker, den man da irgendwo hat, dieses Stück Friedhof, das da eingerichtet wurde, hat ganz schnell innerhalb von wenigen Wochen in der gesamten Bevölkerung einen Spitznamen bekommen. Einen Spitznamen, weil er mit Blutgeld gekauft war, und der, der ihn gekauft hat, sich umgebracht hat, daran gestorben ist. Und deswegen heißt dieses Ding Blutacker.
Und diese hässliche Anekdote vom Verrat des Judas ist in ganz Jerusalem bekannt. Und jetzt stell dir vor, du hast folgenden Job: Du weißt, ich warte jetzt hier, und vielleicht bin ich in ein paar Tagen beauftragt, Zeuge zu sein. Ich soll mich vor die Bevölkerung in Jerusalem hinstellen und soll verkünden, dass Jesus genau der Messias ist, auf den alle jahrhundertelang gewartet haben.
Wie erklärst du, dass dieser Räuber Judas einer seiner engsten Mitarbeiter war? Wie erklärst du das? Versteht ihr das taktische Problem?
Also, wenn du Glück hast, dann wird der gemeine Mann auf der Straße vielleicht Folgendes sagen. Er wird sagen: Weißt du was, schön, dass du mir das erzählst, aber machen wir uns nichts vor. Egal, ob wir uns dieses religiöse Establishment anschauen, so Priester mit Tempel und allem, oder ob ich mir eure kleine Sekte da rund um diesen Wanderprediger aus Galiläa anschaue: Ganz am Ende, wenn man das alles mal eindampft, dieses ganze religiöse Gesudel, wenn man es runterbricht auf das, worum es wirklich geht, weißt du, was ganz am Ende immer steht? Geld. Am Ende geht es immer nur ums Geld. Geld, Felder kaufen, das ist es.
Und das ist noch die harmlose Variante, wie man darauf reagieren kann. Unangenehm wird es, wenn jemand folgende Frage stellt: Sag mal, du willst mir verkaufen, dass Jesus der Messias ist, und du sagst mir, dass das nicht nur der Messias ist, sondern der Sohn Gottes? Kannst du mir erklären, warum er überhaupt so einen Judas in sein Team geholt hat? Warum er überhaupt Judas erwählt hat, ein Apostel zu sein, und ihn dann noch den Räuber zum Kassenwart gemacht hat? Wie erklärst du das?
Wenn das dein Messias ist, dieser tolle Sohn Gottes, hätte der das nicht ein Stückchen besser wissen müssen, ein bisschen mehr Geschmack beweisen müssen? Und übrigens: Wenn er einen Betrüger in seinem Team hatte, wer sagt mir eigentlich, dass du nicht auch einer bist?
Boah, das sind echte Probleme, wenn du da rangehst, eine Welt evangelisieren zu wollen. Wie geht man damit um?

Das Fundament: Schriftkenntnis als Antwort auf Fragen

Und im Rahmen dieses Problems würde ich jetzt gerne die Frage beantworten: Was zeichnet Menschen aus, die Gott gebrauchen kann?
Und ich habe wieder eine ganz simple erste Antwort. Sie ist wirklich simpel. Und vielleicht ist das Ganze, was ich jetzt in diesen drei Predigten über Menschen, die Gott gebrauchen kann, predige, simpel.
Das Erste ist: Sie können warten. Das Zweite ist: Sie können beten. Und der dritte Punkt ist: Sie kennen ihre Bibel. Sie kennen ihre Bibel.
Wir werden immer wie schon Petrus in unserem Leben vor komischen oder wirklich schwierigen Fragen stehen. Das wird sich gar nicht vermeiden lassen. Und ich behaupte einfach mal, das Einzige, was uns wirklich retten kann, ist ein sehr gutes Bibelwissen.
Wenn wir uns die Frage stellen, warum nimmt sich Jesus nach der Auferstehung so viel Zeit, den Jüngern genau zu erklären, was die Schrift über ihn sagt? Das haben wir in Lukas 24,27 miteinander gelesen. Erinnert ihr euch zum Beispiel an die Emmausjünger? Das ist aber nur der Prototyp, da kann man es nur sehen. Er hat das die nächsten Wochen hindurch immer wieder getan. Er hat sich mit den Jüngern getroffen und ihnen erklärt, was in der Schrift steht, was ihn betrifft, damit sie das verstehen.
Er wollte, dass sie verstehen. Er wollte, dass sie wissen, was in der Bibel über ihn steht. Er wollte, dass ihr Bibelwissen größer war als die Probleme, die vor ihnen lagen. Das ist wichtig: dass unser Bibelwissen größer ist als die Probleme, dass wir tragfähige Antworten haben auf die Fragen unserer Mitmenschen, die, wenn wir ganz ehrlich sind, doch immer auch Fragen sind, die wir uns selber stellen, oder?
Es ist doch nie so, dass wir durch diese Welt gehen und uns nicht ab und zu auch mal die Frage stellen, warum ist das eigentlich so, wie es ist. Ein Artikel diskutiert, warum es so schwer ist, in christlichen Gemeinden darüber zu reden, dass wir Zweifel haben. Dass es fast schon so ein Unding ist, mal zu sagen: Ich habe Zweifel. Ich weiß eigentlich gar nicht so, wie ich mit meinen Zweifeln umgehen soll.
Ich habe überlegt, wie kann man das in Gemeinden hineintragen, diese ehrliche Auseinandersetzung mit den Zweifeln, die wir haben. Dass nicht am Sonntag hier sich eine Gruppe von Leuten trifft, die munter fröhliche Lieder singt und einander so vorspielt, als hätten wir nie mal einen Zweifel. Das stimmt doch nicht!
Und sich das einzugestehen und zu sagen: Die Zweifel meiner Mitmenschen sind manchmal meine Zweifel. Und ich muss es lernen, diesen Zweifeln richtig zu begegnen. Und ich begegne ihnen nicht dadurch richtig, dass ich sie unter den Teppich kehre und sage: Ein frommer Christ darf nicht mal zweifeln. Hallo, das steht doch nicht in der Bibel.
Ein frommer Christ sucht die Antworten auf seine Zweifel. Und deswegen habe ich euch einmal mehr, und ich mag mich da wiederholen, euren besten Freund mitgebracht, den ihr beim Bibellesen habt. Er ist so klein, dass man ihn in die Hosentasche stecken kann: ein Druckbleistift. Das ist euer Freund.
Wenn du die Bibel liest und wenn du irgendwo beim Bibellesen an einen Punkt kommst, wo du sagst: Ich weiß es nicht. Ich verstehe dich nicht, Gott. Dann bitte ich dich darum von ganzem Herzen: Mach an die Seite ein Fragezeichen. Druckbleistift kann man wieder wegmachen, bleibt nicht für ewig da. Aber schreib dir das auf. Erlaube dir doch bitte diesen Grad von Ehrlichkeit, dass du sagst: Ich verstehe dich nicht, Gott. Fragezeichen.
Und dieses Fragezeichen, das nimmst du dann mit und gehst in die Gemeinde und suchst dir jemanden, wo du glaubst, der hat Ahnung. Und dann sagst du so: Ich verstehe den Punkt nicht. Ich verstehe nicht, erklär mir das. Und wenn der Erste sagt, ich verstehe es auch nicht, gehst du zum Zweiten.
Es kann manchmal sein, und es gibt vielleicht Fragen. Ich habe eine Frage im Alten Testament, die hat mich fünfzehn Jahre lang begleitet. Fünfzehn Jahre. Da weiß ich heute noch, da lag ich in Rehen am Doppelstock weg bei einer Pfingstjugendkonferenz oben, habe diesen Text gelesen und hatte nur Bahnhof im Kopf und dachte mir: Hallo, was soll denn das?
Und dann war das durchaus eine etwas schwierigere Frage. Und etwa Mitte, Ende 30 war ich dann mal wieder an dieser Stelle, so ein bisschen tiefer drin. Und plötzlich machte es krr. Da dachte ich: Super, ist eigentlich gar nicht schwer, die Antwort. Ich habe auch nur 15 Jahre gewartet. Stimmt. Aber ich habe gewartet, und mir war klar, ich habe da eine Frage.
Und ich möchte euch Mut machen dazu, eure Bibel zu lesen, eure Bibel zu kennen. Und dazu gehört, dass wir Fragen an die Bibel stellen. Je besser deine Fragen sind, umso besser die Antworten, die du bekommst, umso mehr wird es sein, dass du die Antworten, die du selber hast, auch verwenden kannst.

Schrift als Deutung der Geschichte

Und weil Petrus so ein Typ ist, den Gott gebrauchen kann, der seine Bibel kennt, der zugehört hat, was Jesus ihm gelehrt hat, sagt er auch nicht: Brüder, wir haben ein Problem, so Houston, wir haben ein Problem, Judas. Nein, das hat er nicht gesagt.
Er sagt, Vers 16, Apostelgeschichte 1, Vers 16: Ihr Brüder, es musste die Schrift erfüllt werden, die der Heilige Geist durch den Mund Davids vorhergesagt hat über Judas, der denen, die Jesus festnahmen, Wegweiser geworden ist.
Ah, spannender Ansatz, oder? Petrus sagt, oder Petrus kann erst mal souverän auf das Problem eingehen, weil er die Schrift kennt. Das Judas-Problem ist eigentlich keines. Weil Judas überhaupt nicht der Ausrutscher ist, weil Judas in einem gewissen Sinn geplant war.
Achtung, jetzt müsst ihr ganz, ganz arg aufpassen, dass ihr mich nicht falsch versteht: Judas war von Gott vorhergewusst, aber nicht vorherbestimmt. Da müsst ihr ganz sauber auseinanderhalten. Also Judas war, das ist ein großer Unterschied. Gott weiß, was kommt. Gott kennt die Zukunft. Also wenn du noch nicht weißt, was du morgen frühstücken wirst, Gott weiß das.
Und trotzdem ist es so, dass, obwohl Gott das weiß, er dich nicht dazu zwingt, genau das zu tun, was er weiß, sondern er weiß, was du aus freien Stücken tun wirst. Wenn du sagst, das geht doch gar nicht, ich gebe dir nur einen Vergleich: Weißt du noch, was du gestern getan hast? Ja, also du weißt, was du gestern getan hast, und du hattest gestern einen freien Willen, das so zu tun. Also, du weißt noch, was du gestern gefrühstückt hast und warum du das gestern gefrühstückt hast.
Und das, was für Menschen nach hinten funktioniert, das funktioniert für Gott einfach auch nach vorne, weil vielleicht das Vorne für ihn hinten ist. Das weiß ich nicht genau, aber ich stelle es mir einfach so vor, dass Gott irgendwie so oben drüber steht. Und deswegen weiß er, wie Judas tickt. Und er kann diesen Verrat, der im Herzen von Judas sitzt, den Judas für sich vorgenommen hat, in seine Pläne einbauen.
Und es ist nicht so, dass Judas der vorherbestimmte Verräter ist, der einmal den schwarzen Peter gezogen hat und dann halt Pech gehabt hat. Das ist es nicht. Das ist mir ganz wichtig, dass wir das verstehen.
So, Gott weiß, was kommt, und deswegen kann er schon prophetisch auf das, was kommt, auf diesen Judas etwa tausend Jahre vorher Bezug nehmen. Das ist nämlich die Zeit, wenn David seine Psalmen schreibt. Und es wird euch öfter so gehen, wenn ihr Psalmen von David lest, dass ihr den Eindruck gewinnt: Hier schreibt David unter der Leitung des Heiligen Geistes Dinge, wenn ich die lese, dann habe ich irgendwie den Eindruck, er schreibt gar nicht nur über sich selber.
Er nutzt seine eigene Erfahrung wie so ein Sprungbrett, um dann unter der Leitung des Geistes Dinge zu schreiben, die eigentlich Jesus betreffen, den Wichtigsten seiner Nachkommen.
Und ich hoffe, dass, wenn ich das so sage, dass es in der Bibel Prophetie gibt, dass ihr nicht überrascht seid, denn das ist das Merkmal, an dem wir den wahren Gott erkennen können. In Jesaja 41,23 fordert Gott geradezu die Götzen heraus und sagt da: Verkündet das später Kommende. Das sagt er zu den Götzen, zu den falschen Göttern: Verkündet das später Kommende, damit wir erkennen, dass ihr Götter seid. Es macht einen Gott aus, dass er die Zukunft kennt.
Für mich persönlich die Frage: Warum glaubst du, dass die Bibel Gottes Wort ist? Und da habe ich so verschiedene Punkte, die das für mich völlig klar machen. Aber ein Punkt davon ist, weil die Bibel Prophetie enthält. Und wenn ich das so sage, dann meine ich nicht diese billige Form von Prophetie im Sinne von: Am 22. Februar 2014 geht die Welt unter. Das ist die billige Form. Die gibt es auch ein bisschen in der Bibel.
Also wenn du denkst, die gibt es gar nicht, sage ich: Doch, doch, du könntest zum Beispiel Daniel 9,25-26, da ist so ein Rechending drin, da könntest du mal durchrechnen, wann wird es denn sein, dass der Messias stirbt. Das gibt es schon.
Aber viel spannender ist, dass biblische Prophetie so funktioniert, dass Gott in das Leben und in die Erfahrungen von alttestamentlichen Leuten, wie zum Beispiel David, Ereignisse einpflegt, die Dinge erleben und beschreiben, wo man einfach den Eindruck hat, da ist ja irgendwie das Leben von Jesus schon vorgezeichnet. So macht Gott das hauptsächlich.
Und deswegen, wenn du das Alte Testament liest, wirst du ganz oft so die Erfahrung machen, dass: Das kenne ich irgendwo anders her, das kenne ich doch schon aus dem Neuen Testament. Einer, der das erlebt hat, ist David. Ich schaue mir seine Lebensgeschichte an, schaue mir seine Psalmen an, und ich finde in diesen Psalmen, in diesen Liedern, ich finde Erfahrungen, die eigentlich Jesus entsprechen.
Wenn ihr das heute Nachmittag noch mal probieren wollt, lest mal Psalm 22. Das ist vielleicht der bekannteste. Du hast einen ganzen Psalm, und du denkst: David, wo passt das in deine Geschichte so richtig gut rein? Obwohl es bei David gar nicht so reinpasst, liest das, liest Psalm 22 und denk dann mal an das Kreuz. Und du denkst dir: Hallo, das ist ja so, als würde David beschreiben, was der Messias am Kreuz empfindet, was Jesus am Kreuz gelitten hat. Und genau das ist es, genau das.
Und das ist die tiefe Form biblischer Prophetie. Und wie das mit Psalm 22 geht, geht das eben auch mit anderen Psalmen, zum Beispiel Petrus wird hier zitieren, Psalm 69, Psalm 109. Ich lese mal Apostelgeschichte 1,20: Denn es steht im Buch der Psalmen geschrieben: Jetzt haben wir es. Petrus sagt, Judas ist kein Ausrutscher, denn dann springt er zurück, zeitlich tausend Jahre, in meiner Bibel etwa in die Mitte, und sagt: Da habe ich Texte, die beziehen sich bereits auf Judas.
Denn es steht im Buch der Psalmen geschrieben: Seine Wohnung werde öde, und es sei niemand, der darin wohne. Das ist das Sterben. Und sein Aufseheramt empfange ein anderer.

Judas als Prüfstein und Anknüpfungspunkt

Frage: Von wem ist hier die Rede?
Ich weiß nicht, ob du es gemerkt hast, als du den Psalm zum ersten Mal gelesen hast. Petrus würde sagen, hier ist Judas gemeint. David schreibt zwar von seinem eigenen Leben. Er hat Verfolgung erfahren, er hat Verrat erfahren, und jetzt benutzt der Heilige Geist diese Erfahrung, um auf eine Zeit hin zu prophezeien, die erst noch kommen soll.
Und ja, Petrus setzt voraus, dass hier Judas gemeint ist. Und deswegen ist Judas für ihn überhaupt kein Problem für die Verkündigung. Es geht eher andersherum. Hätte er einen Messias gepredigt, ohne Verrat und ohne Verfolgung, das wäre ein Problem gewesen. Wäre Jesus einfach, ich sag mal, so durchs Leben gelaufen, alle hätten ihn gemocht, und dann wäre er aus Versehen ans Kreuz geschlagen worden, das wäre nicht der Weg gewesen, den der Messias hätte gehen müssen. Der wirkliche Messias, der stirbt für unsere Schuld, der braucht einen Judas. Das ist verrückt, oder?
Ihr merkt: Das, was eben noch ein Problem ist, wie kann das sein, wird plötzlich zu einem Prüfstein für die Echtheit dieses Anspruchs, Messias zu sein. Und wenn das Alte Testament, nehmen wir mal Psalm 69, uns einen Mann vorstellt, ich lese euch mal Psalm 69, Vers 10 vor, der so beschrieben wird: Psalm 69,10 Denn der Eifer um dein Haus hat mich verzehrt, und die Schmähungen derer, die dich schmähen, sind auf mich gefallen.
Da sind wir mitten in dem Psalm, den Petrus zitiert. Wer ist denn da gemeint? Wo kennst du das denn her, diesen Satz? Also, ihr treuen Bibelleser, das ist Neues Testament, hier ist Jesus gemeint, nach der Tempelreinigung genau an dieser Stelle: Der Eifer um dein Haus hat mich verzehrt.
Und dann gehe ich durch diesen Psalm 69 und erfahre, wie die Menschen auf diesen reagieren, der so beschrieben wird. Was erntet der dafür? Und dann lese ich: Der erntet Hass, Hohn, Entfremdung, Schmähung, Todesangst. Und dann heißt es in Psalm 69,22: Und sie gaben mir zur Speise Galle, und in meinem Durst tränkten sie mich mit Essig.
Ey, sorry, wenn es jetzt nicht Klingeling in deinem Schädel macht, dann kann ich dir einfach nicht helfen. Wer wird denn mit Galle und mit Essig getränkt? Es ist Jesus am Kreuz. Und dann ergeht über die Menschen ein Gericht, die dem Mann am Kreuz, die Jesus das antun.
Und dann heißt es eben in Vers 26, das ist das Zitat von Petrus, und ihr werdet gleich sehen, er hat es ein klein bisschen verändert. Hier steht nämlich die Mehrzahl: Verödet sei ihr Lagerplatz, in ihren Zelten sei kein Bewohner. Petrus nimmt das Schicksal derer, die den Messias verfolgt und gekreuzigt haben, und sagt: Überlegt mal, wir wenden das mal an auf den unter uns, der genau das getan hat, auf Judas.
Aber es gilt natürlich nicht nur Judas. Der Psalm steht im Plural, weil es auch die Hohenpriester betrifft. Und wir warten noch ein paar Jahre, und wir stellen fest, dass im wahrsten Sinne des Wortes auch ihr Haus, oder ihr Lagerplatz, ihr Zelt, das, wo sie wohnen, der Tempel, zerstört werden wird und dass auch sie alles verlieren werden. Aber jetzt erst mal, und das ist die Geschichte in Apostelgeschichte 1, erst mal ist nur Judas dran.
Und Petrus sagt, es gibt nicht nur diesen einen Vers, sondern es gibt noch einen aus Psalm 109. Da steht: Sein Aufseheramt empfange ein anderer. Judas ist kein Versehen. Er ist der Prototyp für Menschen schlechthin, die mit Gottes Liebe nichts anzufangen wissen. Er ist der Prototyp für Menschen, die bis zum Schluss nicht zu echter Buße durchdringen. Es genügt nicht, wie ein Judas am Ende so ein bisschen betroffen zu sein über das, was man angestellt hat. Betroffenheit ist noch keine Buße, die nötig ist. Es ist nötig, dass wir unsere Fehler erkennen, aber einfach nur Fehler zu erkennen, ist nicht genug. Und dafür steht Judas.
Und weil Petrus jetzt seine Bibel kennt, kann er das Problem Judas richtig einschätzen. Es ist kein Problem. Judas ist ein super Anknüpfungspunkt für ein gutes evangelistisches Gespräch. Er zeigt uns nämlich auf der einen Seite, wie man voll am Ziel vorbeischlittern kann. Du bist mit Jesus unterwegs, und jetzt lasst uns das ruhig übertragen: Du bist in Gemeinde, du erfährst das Wirken des Heiligen Geistes in deinem Leben, du hast vielleicht irgendwo sogar mitgearbeitet, und du merkst, dass Gott dich da auch unterstützt hat. Judas war einer von denen, die nach der Aussendung der Siebzig zurückkam und sagt: Boah, wir haben das gesehen, was der Heilige Geist, was die Kraft des Heiligen Geistes durch uns gewirkt hat.
Judas ist der, wo ganz am Ende Jesus sagt: Freund, verrätst du mich mit einem Kuss? Ist das wirklich dein Ernst, dass du mich mit einem Kuss verrätst? Ey, ich weiß nicht, wie ihr diese Stelle lest. Für mich wird es an der Stelle ganz leise, und da steht eine Spannung im Raum. Und es ist mehr als nur: Verrätst du mich mit einem Kuss? Es ist ein: Kannst du spüren, was du falsch machst? Kannst du merken, wie groß die Spannung zwischen dem, was du tust, und dem, was in deinem Herzen ist? Kannst du das spüren? Und wenn du das spüren kannst, bist du bereit, jetzt in diesem Moment umzukehren? Freund, boah, ja, Wahnsinn!
Also für mich ist das einfach so: Wenn ich sehe, wie Jesus mit Judas umgeht, dann denke ich mir, da ist einer, der schlittert an Gott vorbei, an der Errettung vorbei, obwohl Gott ihm alle Chancen gibt. Ihm zutiefst erkennen lässt, wie kaputt sein Herz ist, ihn vielleicht deshalb sogar als Kassenwart einsetzt, denn manchmal müssen wir in Situationen kommen, wo wir durch das, was wir tun, sehen, wer wir wirklich sind. Und er tut nicht Buße. Ein super Anknüpfungspunkt für ein Gespräch.
Und dann, das ist das Zweite: Der Fall Judas beweist, dass Jesus genau das durchgemacht hat, was Gott für den Messias vorgesehen hat. David wird verraten, er verarbeitet seinen Verrat prophetisch in einem Psalm und zeichnet den Weg vor, den der wahre Messias unter der Leitung des Heiligen Geistes gehen muss und was er erfahren muss, nämlich Verrat.

Praktische Konsequenz: Bibelwissen als geistliche Stärke

Was war mein Punkt? Was für Leute kann Gott gebrauchen? Und bitte, das ist so simpel, verzeiht mir das, aber hier merkt man es halt: Bibelleser wissen mehr.
Was soll ich sagen? Wenn du sagst: Ich brauche Durchblick, ich möchte wissen, wo es langgeht, dann kann ich dir nur den Rat geben: Egal, was für 2014 auf deiner Agenda steht, egal, was du noch machen musst. Vielleicht musst du irgendwo im Garten noch eine Ecke bepflanzen, vielleicht muss dein Auto durch den TÜV, vielleicht musst du noch irgendwo eine Fortbildung machen. Aber überleg mal, ob es nicht supergut wäre, dir für 2014 auch zum Thema Bibelwissen, zur Vertiefung meines Bibelwissens, irgendetwas vorzunehmen und zu sagen: Stimmt, wenn ich merke, wie komplex und schwierig mein Leben ist, und wenn das stimmt, dass wir dazu berufen sind, Zeugen zu sein, für Gott aufzutreten, dann ist es einfach wichtig, dass ich ihn kenne, dass ich sein Wort kenne und dass ich Antworten habe.
 Apostelgeschichte 1,21-22.
Jetzt machen Sie was: Es muss nun von den Männern, die mit uns gegangen sind in all der Zeit, in welcher der Herr Jesus bei uns ein und ausging, angefangen von der Taufe des Johannes bis zu dem Tag, an dem er von uns hinweg aufgenommen wurde, von diesen muss einer Zeuge seiner Auferstehung mit uns werden.
Klar, wir brauchen die Zeugen. Ist schon irgendwie spannend, dass es genau zwölf sein müssen, oder? Warum tun es nicht auch elf? Zumal wenn man in der restlichen Apostelgeschichte eigentlich nur noch von einem aus der Truppe so richtig viel liest und dann kommt noch einer dazu. Aber es ist okay. Wir gehen den Weg, den Gott vorzeichnet. Und dann machen die das. Und ich möchte euch wirklich kurz zeigen, wie sie das tun.
Und sie stellten zwei auf: Joseph, genannt Barsabas, mit dem Beinamen Justus, und Matthias. Und sie beteten und sprachen: Du, Herr, Herzenskenner aller, zeige von diesen beiden den einen an, den du erwählt hast, damit er das Los dieses Dienstes und Apostelamtes empfängt, von dem Judas abgewichen ist, um an seinen eigenen Ort zu gehen.
Also, in dem Psalm entsteht sein Aufseheramt, oder sein Aufseherdienst, empfange ein anderer. Und sie sagen: Super, machen wir. Sie werfen das Los, und das Los fiel auf Matthias, und er wurde den elf Aposteln zugezählt. Jetzt sind es wieder zwölf.
Also wie bei den zehn kleinen Negerleinen, die zieht man immer runter, die zieht man immer hoch: elf, zwölf.

Nicht eigenmächtig, sondern in der Spannung von Handeln und Vertrauen

Was ist das, was die Leute hier auszeichnet? Und ich finde es nicht so einfach zu sehen, und vielleicht sagt ihr das mir einen Tick zu abstrakt, aber nehmt es trotzdem mal mit.
Was diese Leute hier auszeichnet, fasse ich mal unter dem Begriff zusammen: Sie sind nicht eigenmächtig. Das heißt, sie sind mehr als gehorsam. Wenn ich einfach nur gehorsam hätte sein wollen, dann hätte ich mir, aha, wir sind elf, elf plus eins ist zwölf, dann hätte ich mir genau einen gesucht, und dann wäre gut gewesen. Das machen sie aber nicht. Sie suchen zwei aus und überlassen die Auswahl Gott. Und das ist ein ganz merkwürdiges Vorgehen. Es ist ein: Sie wollen Gottes Werk tun, also: Ich tue Gottes Werk.
Und wenn ich das so formuliere, dann will ich euch eine Spannung zeigen, in der wir als Gläubige drinstehen. Eine Spannung, die Paulus auf den Punkt bringt: Und nicht mehr lebe ich, sondern Christus lebt in mir. Da hören dann manchmal so die Bibel-auswendig-lernen- Verskärtchen leider auf. Das geht nämlich weiter: was ich aber jetzt lebe. Und wenn du das alles zusammenlegst, hast du innerhalb von zwei Versen die Frage: Wer lebt denn jetzt?
Also noch mal: Nicht mehr lebe ich, Galater 2,20, sondern Christus lebt in mir. Und du denkst dir: Ey, super, Christus lebt in mir, Amen. Und dann liest du weiter: was ich aber jetzt im Glauben lebe. Also ich lebe nicht, und ich lebe doch. Christus lebt in mir, und irgendwie lebe auch ich. Versteht ihr die Spannung? Es ist eine Spannung, die man aushalten muss.
Es wäre genauso falsch zu sagen: In meinem Leben kommt es nur auf meine Kraft und meine Planung an, ich lebe. Wie es falsch wäre zu denken: Gott macht schon alles, auch wenn ich faul bin. Das stimmt halt auch nicht. Menschen, die Gott gebrauchen kann, sind Menschen, die einerseits seine Pläne ernst nehmen. Ja, zwölf Apostel, zwölf Apostel, gut. Sie nehmen die Pläne von Gott ernst, setzen sich dafür ein, aber werden vor lauter Eifer andererseits nicht eigenmächtig.
Das heißt: In einem geistlichen Leben fließen menschliche Logik und göttliche Erwählung zusammen. Ich tue das, was dran ist, aber ich bin auch offen für Gottes Führung. Derselbe Gott, der mir die Weisheit gibt, die ich brauche, um für die Auswahl an Aposteln die richtigen Kandidaten zu finden, ist der, der durch das Los bestimmt, wer von denen dann der Richtige ist, nämlich Matthias.
Und diese Spannung, die sich hier zeigt, die ist ganz schwer aufrechtzuerhalten. In der Kirchengeschichte passiert es immer wieder, dass Christen entweder in die eine oder in die andere Richtung vom Pferd fallen. Entweder fangen sie an, ihr eigenes Ding durchzuziehen, und auf die Dauer werden dann Gottes Plan und Gottes Maßstab aus dem Blick verloren. Oder auf der anderen Seite: Es sind Menschen, die Mystiker werden, die auf eine falsche Weise darauf fixiert sind, dass Gott ihnen bitte in jedem Moment zeigt, was er genau von ihnen will.
Hier die Mystiker, hier die, die einfach ihr Ding durchziehen. Und jetzt sehen wir, wie Leute drauf sind, die Gott gebrauchen kann: Sie bleiben in der Mitte stehen. Es sind Menschen, die erstens ihre Bibel kennen und Antworten und Ideen haben, weil sie ihre Bibel kennen. Und zweitens sind sie Menschen, die es schaffen, diesen Spagat zu leben zwischen Aktion und Abhängigkeit oder, wenn ihr es anders ausdrücken wollt, zwischen Handeln und Händefalten.
Und das wünsche ich euch. Ich wünsche euch diese beiden Aspekte, dass ihr darüber nachdenkt, wie kann ich meinen Umgang mit der Bibel vertiefen, um einer zu sein, der Antworten hat? Und wie stehe ich vor Gott? Bin ich auf einer der zwei Seiten runtergefallen, dass ich eigentlich nur noch mache, was ich will, und Gott darf dann noch so am Sonntag als Goodie in meinen Liedern vorkommen, aber eigentlich mache ich mein Leben selber? Oder bin ich einer, der quasi immer hofft, dass Gott mir von oben sagt, was ich zu tun habe, und auch merkt, dass das nicht funktioniert?
Jetzt bin ich bereit, in dieser Spannung zu bleiben, und das wünsche ich euch. Es ist wirklich eine Spannung, aber es ist deshalb auch eine gute Spannung, weil ihr in dieser Spannung erleben werdet, dass Gott euch, so wie er euch gemacht hat, ernst nimmt und für sein Reich gebraucht. Amen.

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

Seine App "Frogwords" gibt's für Android und iOS.

Jürgens aktuellste Gebets-Infos gibt's hier zum Lesen und Abonnieren.