Serie•Teil 49 / 53Lukas-Evangelium
Generierte Mitschrift
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Einleitung und Hinführung zum Prozess
Wer die letzten Jahre im Lukasevangelium dabei war, der weiß: Wir kommen langsam zum Showdown. Das heißt, wir haben uns das letzte Mal angeschaut, wie Jesus von seinen Anklägern durch einen ganz unfairen Prozess zum Tod verurteilt wurde. Und heute wollen wir uns anschauen, wie dieselben Ankläger versuchen, dieses Todesurteil bestätigt zu bekommen, und zwar von dem höchsten römischen Beamten, den es damals gab, dem Statthalter Pontius Pilatus. Schlagen wir auf Lukas 23.
Und ich möchte heute am Anfang mal den ganzen Text von Lukas 23,1-25 in einem Rutsch durchgehen, damit wir die ganze Geschichte vor Augen haben. Es ist jetzt nicht die überraschende Geschichte, also nicht so, dass jemand sagt: Boah, das habe ich noch nie gehört in meinem Leben. Was mag da auf uns zukommen? Hoffentlich geht das gut aus. Zum einen geht das schlecht aus, zum anderen ist das so eine der Geschichten, die in jeder Kinderbibel steht. Das ist wirklich fast schon so etwas wie kulturelles Allgemeingut. Nur so eng an Weihnachten dran liest man das selten. Das gehört eher so ein bisschen Richtung Ostern.
Ich möchte trotzdem jetzt die Verse 1 bis 25 mit euch einmal durchgehen. Das reicht, wenn ihr so ein bisschen zuhört und ein bisschen versteht, was da eigentlich passiert.
Die erste Verhandlung vor dem römischen Statthalter
Lukas 23,1
Und die ganze Menge stand auf, und sie führten ihn zu Pilatus.
Der Hohe Rat hatte sich früh am Morgen getroffen. Pilatus scheint kein Morgenmuffel gewesen zu sein, denn sobald die Sonne aufgegangen war und der Hohe Rat fertig war, stand er für alle zur Verfügung. Und nun gehen sie zu Pilatus.
Sie fingen aber an, ihn zu verklagen, und sagten: Diesen haben wir als einen befunden, der unsere Nation verführt und verbietet, dem Kaiser Steuer zu geben, indem er sagt, dass er selbst Christus, ein König, sei.
Das ist eine Anklage, und wir wissen schon: Diese Anklage ist von vorne bis hinten erstunken und erlogen. Da stimmt nichts dran. Nicht einmal die Sache, dass Jesus möchte, dass man keine Steuern zahlt. Wenn ihr wissen wollt: Ja, das hatten sie ihn ja schon gefragt: Wie stehst du zu den Steuern? Und was hatte Jesus gesagt? Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist. Also Jesus ist überhaupt nicht gegen Steuern.
Aber sie tun so, als wäre Jesus ein ganz furchtbarer Aufrührer, so ein kleiner Revolutionär. Das sagen sie natürlich nur deshalb, weil sie ganz genau wissen: Wenn du zu Pontius Pilatus hingehst und sagst: Also, wir haben eigentlich nur ein theologisches Problem mit Jesus, ja, aber könntest du den nicht für uns mal ganz eben um die Ecke bringen? Dann würde Pontius Pilatus sagen: Entschuldigung, was habe ich mit euren Streitigkeiten zu tun?
Also brauchen sie eine andere Form der Anklage, und das ist das, was sie vorbringen.
Pilatus aber fragte ihn und sprach: Bist du der König der Juden? Er aber antwortete ihm und sprach: Du sagst es.
Ich würde diesen Text, und das machen namhafte Ausleger auch, nur nicht unser Text in der Elberfelder, gerne einen kleinen Tick anders übersetzen. Ich würde ihn nicht als Aussage „Du sagst es“ verstehen, sondern als Frage. Ihr könnt euch das in eurer Bibel gern notieren. Man kann den Vers übersetzen mit: Was sagst du?
Also müsst ihr euch vorstellen: Da steht ein hoher römischer Beamter, und vor ihm dieses kleine galiläische Wichtelchen, dieser Nobody, dieser Niemand, den man, ich weiß nicht, seit 24 Stunden wach hält, der sich wahrscheinlich kaum mehr auf den Beinen halten kann, der so nach gar nichts aussieht. Und dann kommen Leute und sagen, der will König sein.
Es macht viel mehr Sinn, dass Jesus Pilatus fragt: Sag mal, was denkst du denn von mir? Was ist dein erster Eindruck, wenn du mich siehst, wenn du erlebst, wie ich hier auftrete? Bin ich in deinen Augen ein König?
Und Pilatus schaut da nur einmal kurz hin und sagt: Nee, also Entschuldigung, du bist überhaupt kein König. Du hast überhaupt nichts Königliches an dir, so wie du hier auftrittst.
Pilatus aber sprach zu den Hohenpriestern und den Volksmengen: Ich finde keine Schuld an diesem Menschen.
Das ist das erste Mal, dass er sagt: Ich finde keine Schuld.
Sie aber bestanden darauf und sagten: Er wiegelt das Volk auf und lehrt durch ganz Judäa hin, angefangen von Galiläa, das ist im Norden, bis hierher, also bis nach Jerusalem im Süden.
Und das ist so total interessant, denn die Anklage lautet: Er wiegelt das Volk auf. Es ist eine Ironie der Geschichte, dass sie Jesus genau die Tat unterstellen, die dann am Ende der Geschichte Barabbas, der anstelle von Jesus freigegeben wird, tatsächlich gemacht hat.
Sie verklagen Jesus des Aufruhrs. Sie sagen: Das ist ein Terrorist. Aber Jesus ist es gar nicht. Und sie stellen sich hin als die, die für die Römer sind, die pro Rom eingestellt werden, die hier Sicherheit und Ordnung hochhalten. Aber wenn man ihnen anbietet, einen echten Terroristen freizulassen, dann sagen sie: Ja, den wollen wir haben.
Es ist völlig verquer. Es geht überhaupt nicht um Recht und Ordnung. Es geht überhaupt nicht um die Frage: Ist das richtig, was hier passiert? Nein, es geht von vorne bis hinten nur um eine Sache: Jesus soll weg.
Pilatus merkt das natürlich. Pilatus wäre nicht da, wo er in der römischen Hierarchie angekommen ist, so weit oben, wenn er ein Dummkopf gewesen wäre. Er merkt: Man will ihn instrumentalisieren, man will ihn benutzen. Und deswegen, als er das Wort Galiläa hört, denkt er: Jetzt komme ich raus aus der Geschichte.
Denn wenn Jesus eigentlich ein Galiläer ist, und dazu muss man wissen: Die Juden lebten im Norden in Galiläa und im Süden in Judäa. Pontius Pilatus hatte über den Süden etwas zu sagen, so rund um Jerusalem. Der Norden wurde beherrscht von einem anderen König, auch ein König nach Roms Gnaden, ein Herodes, nicht der Herodes aus der Weihnachtsgeschichte. Man muss ein bisschen vorsichtig sein, die hießen da alle immer wieder Herodes, da kann man ganz durcheinander kommen, also irgendein anderer Herodes.
Und der war natürlich, weil er Jude war und Passa gefeiert wurde, auch gerade in der Stadt. Pilatus denkt sich: Super, ja, ich werde den Fall los, weil ich bin ja formal vielleicht gar nicht so richtig zuständig. Wenn das ein Galiläer ist, dann schicke ich den einfach mal zu Herodes.
Die Begegnung mit Herodes und die zweite Verhandlung
Ver 6 Als aber Pilatus von Galiläa hörte, fragte er, ob der Mensch ein Galiläer sei. Und als er erfahren hatte, dass er aus dem Machtbereich des Herodes sei, sandte er ihn zu Herodes, der auch selbst in jenen Tagen in Jerusalem war.
Als aber Herodes Jesus sah, freute er sich sehr. Denn er wünschte schon seit langer Zeit, ihn zu sehen, weil er vieles über ihn gehört hatte. Und er hoffte, irgendein Zeichen durch ihn geschehen zu sehen.
Was jetzt beginnt, ist dieser Herodes, der sich so denkt: Boah, Jesus, super, ja, den hätte ich schon gerne immer mal kennengelernt. Aber Jesus hatte sich das irgendwie nie so vorgenommen, so bei den Hohen Herren vorzusprechen. Er ist immer bei den einfachen Leuten geblieben. Und er denkt sich: Naja, so ein Zeichen, das wäre schon toll. Ja, du lädst dir Jesus ein und stellst dann so ein Glas Wasser hin und sagst: Mach doch mal Wasser zu Wein. Reicht ein Becher voll, ich will es nur einmal sehen. So eine Kleinigkeit, wie so ein Pausenklauen zwischen den Gängen. Mach doch mal was Nettes, dass wir uns einfach mal freuen können an dem, was du hier so drauf hast, dass wir so ein bisschen sehen, wer du bist.
Und mit dieser Haltung, mit dieser Einstellung hat sich Herodes auf Jesus einfach gefreut. Und er hat dann natürlich weitergemacht. Er bekommt ja einen Job, er bekommt von Pilatus den Job: Schau mal, was an dem Kerl dran ist. Und deswegen heißt es dann, er befragte ihn mit vielen Worten.
Was macht Jesus? Jesus jedoch antwortete ihm nichts.
Es ist eine gruselige Geschichte, denn Jahre vorher hatte derselbe Herodes Johannes den Täufer gefangen gesetzt, den, der auf Jesus hingewiesen hat. Und es ist gruselig für mich jetzt, das zu lesen, weil es bedeutet: Wenn du die Stimme Gottes, da, wo sie in dein Leben hineinspricht, und das war in dem Fall durch Johannes den Täufer geschehen, wenn du die Stimme Gottes in deinem Leben tot machst und du irgendwann später vielleicht so aus Neugierde sagst: Ich hätte doch noch mal Lust drauf, spiel mit Gott nicht herum, es kann sein, dass Gott dann einfach schweigt.
Gott ist kein netter Gott. Jesus schweigt. Gott kennt das Herz von diesem Herodes, und er akzeptiert es. Gott lässt sich nicht rumschubsen. Er schweigt, und anstelle von Jesus reden dann die Hohen Priester und die Schriftgelehrten. Sie standen nun auf und verklagten ihn heftig. Wir merken, Jesus geht da in eine zweite Verhandlung richtig rein.
Als aber Herodes mit seinen Kriegsleuten ihn geringschätzig behandelt und verspottet hatte, also Herodes merkt auch, da ist eigentlich gar nichts dran, das Einzige, was er jetzt machen kann, ist Schabernack mit Jesus zu treiben, warf er ihm ein glänzendes Gewand um und sandte ihn zu Pilatus zurück. Also, der will gar nichts damit zu tun haben. Es geht wieder weiter bei Pilatus.
Ich kann mir das vorstellen: Pilatus denkt, boah, dann bin ich los. Hat sich vielleicht gerade hingesetzt und wollte frühstücken, und kaum ist er weg, kommt er wieder. Und Pilatus denkt sich: Super, jetzt habe ich das Ding wieder an der Backe.
Pilatus und Herodes aber wurden an diesem Tag Freunde miteinander, denn vorher waren sie gegeneinander in Feindschaft. Schönes, interessantes Ergebnis.
Das Urteil wird vorbereitet und die Menge setzt sich durch
Vers dreizehn: Als aber Pilatus die Hohenpriester und die Obersten des Volkes zusammengerufen hatte, sprach er zu ihnen: Ihr habt diesen Menschen zu mir gebracht, als mache er das Volk abwendig. Aufrührer, Terrorist. Und siehe, ich habe ihn vor euch verhört und habe an diesem Menschen keine Schuld gefunden.
Das ist das zweite Mal, dass Pilatus sagt, es ist keine Schuld an Jesus. Jesus hat nichts getan, wofür es gerechtfertigt wäre, ihn umzubringen. Und er legt jetzt noch eine Schippe drauf, aber auch Herodes nicht; denn ich habe euch zu ihm gesandt, und siehe, nichts Todeswürdiges ist von ihm getan. Das unterstützt das noch.
Und jetzt weiß Pilatus: Ihn einfach freizugeben, das funktioniert nicht. Also muss ich irgendetwas tun. Ich möchte ihn nicht umbringen, aber ich könnte ihn ja züchtigen. Ich will nun züchtigen und losgeben.
Züchtigen heißt: Du bindest jemanden fest, hast hinten eine Peitsche, eine Geißel oder was weiß ich, einen Stock, und schlägst einfach auf ihn los. Ja, bei den Juden war das immer vierzig weniger einen Streich, also neununddreißig. Nur damit man sich nicht verzählt, weil vierzig halt die Obergrenze war. Und dann wirst du einfach ausgeprügelt.
Und Pilatus sagt: Ich bin bereit, so weit zu gehen, ihn zu züchtigen, aber umbringen möchte ich ihn eigentlich nicht. Ich komme euch ein Stück entgegen.
Die ganze Menge schrie aber zugleich und sagte: Weg mit diesem! Gib uns aber den Barabbas los.
Hintergrund: Am Passafest war es üblich, einen Verbrecher zu amnestieren. Und da gab es anscheinend einen stadtbekannten Terroristen und Mörder. Sie sagten: Den wollen wir haben, nicht diesen Jesus. Sie merkten, Pilatus spekuliert auf diese Amnestiegeschichte. Ja, nee, wollen wir nicht. Wir wollen den anderen haben.
Der war wegen eines Aufruhrs, der in der Stadt geschehen war, und wegen eines Mordes ins Gefängnis geworfen. Pilatus rief sie nun wieder zusammen, weil er Jesus losgeben wollte. Sie aber schrien dagegen und sagten: Und jetzt wird es langsam heikel: Kreuzige ihn, kreuzige ihn!
Er sprach aber zum dritten Mal zu ihnen: Was hat dieser denn Böses getan? Ich habe keine Ursache des Todes an ihm gefunden, also keine Ursache, die des Todes würdig wäre und den Tod nach sich ziehen würde. Ich will ihn nun züchtigen und losgeben.
Er probiert es nochmal mit seiner Taktik. Sie aber setzten ihm zu mit lautem Geschrei und forderten, dass er gekreuzigt würde. Pilatus aber entschied, dass ihre Forderung erfüllt würde. Er gab aber den los, der eines Aufruhrs und Mordes wegen ins Gefängnis gekommen war, den sie forderten. Jesus aber übergab er ihrem Willen.
Hast du diesen rasenden Mob vor dir, der Blut sehen will? Und wenn es hier heißt, er übergab ihn ihrem Willen, dann heißt das, er hat ihn tatsächlich zum Tod durch das Kreuz verurteilt.
Die theologische Deutung des Geschehens
Von außen betrachtet ist das eine absolut üble Geschichte. Auf der einen Seite Jesus, der irgendwie ganz allein dasteht. Auf der anderen Seite dieser von den Hohepriestern und den Schriftgelehrten gelenkte, ein bisschen gesichtslose Mob im Blutrausch, der genau eine Sache will: dass Jesus stirbt.
Dreimal betont Pilatus die Unschuld. Er sagt: Ich finde keine Schuld an ihm. Und auch Herodes, der galiläische König, weiß, dass dieser Wanderprediger eigentlich nichts getan hat, wofür man ihn hätte umbringen müssen. Und trotzdem sind sich am Schluss irgendwie alle einig: Jesus muss weg. Und er wird tatsächlich gekreuzigt.
Ich habe das am Anfang gesagt: eine Osterpredigt. Ja, wenn heute Ostern wäre, dann würde ich jetzt darauf springen und sagen: Schaut mal, dreimal hat Pilatus gesagt, Jesus ist unschuldig. Und dann hätte ich mir vielleicht einen Text herausgesucht, wie es in 1. Petrus 3,18 heißt: Denn es ist auch Christus einmal für Sünden gestorben, der Gerechte für die Ungerechten, damit er uns zu Gott führe.
Also, es ist ein biblisches Thema zu sagen: Diese Stelle spricht davon, dass ein Gerechter für Ungerechte stirbt. Und diese Ungerechten, das sind wir. Und der Gerechte, das ist Gott, Gott in der Person von Jesus auf dieser Erde. Und er stirbt für unsere Schuld. Und wir brauchen ihn, wir brauchen dieses Opfer, um einen Weg zu Gott zu finden.
Das wäre so der klassische Ansatz, um diesen Text zu predigen. Ich würde heute aber gern einen anderen Text herausgreifen. Das können wir ja an Ostern machen, da kommt das, denke ich, auf alle Fälle immer wieder.
Was Sünde scheinbar gewinnt
Ich möchte heute eine andere Frage stellen, denn die Frage lautet: Was haben eigentlich die Leute, die jetzt hier mit Jesus falsch umgehen, was haben die eigentlich davon? Habt ihr euch das mal gefragt, was haben die davon?
Und die Antwort lautet: Sie haben eigentlich eine Menge davon. Ganz unten angefangen bei dem Barabbas, der kommt frei. Ja, der ist eher so ein Abfallprodukt von der ganzen Aktion, aber er kommt frei. Am Ende geht der nach Hause und sagt: Haha, hier bin ich wieder.
Herodes und Pilatus, was haben die davon? Nein, die werden Freunde. Die mochten sich vorher nicht so richtig, und jetzt sind sie plötzlich miteinander befreundet. Hohenpriester, Schriftgelehrte und der Mob? Na ja, die halten ihren Willen. Es wird genau das gemacht, was sie wollten. Pilatus hat seine Ruhe. Herodes bekommt sogar ein bisschen seine Neugierde befriedigt, vielleicht nicht ganz so, wie er sich das vorgestellt hat, aber doch ein bisschen schon.
Also: Ich habe eine Situation, die auf der einen Seite völlig durchtränkt ist von Lüge, von Gewalt, Verrat, Manipulation. Es geht überhaupt nicht um Wahrheit. Aber wirklich schlimm ist diese ganze Situation nur für einen, nämlich für Jesus. Für alle anderen zahlt sich Sünde in diesem Moment irgendwie aus. Und ich finde das total spannend.
Könnt ihr sehen, warum Sünde so unglaublich attraktiv ist? Der Punkt ist der, dass Sünde ihre teuflischen Risiken und ihre hässlichen Nebenwirkungen versteckt und dass sie das irgendwie schafft, so rüberzukommen, dass sich Sünde für den Moment auszahlt.
Vielleicht kennt ihr diesen Witz: Kommt eine Frau vom Gottesdienst nach Hause, fragt der Mann sie: Na, wie war’s? Sie sagt: Gut. Er: Wie war die Predigt? Sie: Schön. Worüber hat er gepredigt? Sie: Über Sünde. Was hat er gesagt? Sie: Er war dagegen.
Prediger sind immer gegen Sünde, richtig? Warum? Weil Sünde tatsächlich, wenn man sie im Detail untersucht und wenn man sich anschaut, was die Bibel über Sünde sagt, immer alles kaputt macht. Es gibt unglaublich viele Warnungen in der Bibel vor Sünde. Sünde ist das, was den Heiligen Geist in unserem Leben betrübt. Du möchtest mit dem Heiligen Geist leben, du möchtest ihm das Echteste gegenüber erfahren. Sünde macht das unmöglich.
Sünde ist das, was in deinem Leben Gott entehrt, denn du bist gemacht, Gott zu verherrlichen, und Sünde macht das irgendwie unmöglich. Sünde verhindert, dass deine Gebete erhört werden. Sünde raubt uns etwas von den guten Gaben Gottes. Gott möchte uns beschenken, und er kann uns nicht beschenken, weil da Sünde ist.
Du freust dich daran, dass du Kind Gottes bist, dass du mit Gott leben kannst. Wenn Sünde in dein Leben kommt, bleibt diese Freude auf der Strecke. Du möchtest geistlich wachsen? Sünde sorgt dafür, dass das nicht gelingt. Sünde sorgt sogar dafür, dass Gott strafend in dein Leben eingreifen muss. Sie macht uns für den Dienst unbrauchbar. Sie belastet unser Miteinander, in der Familie, in der Gemeinde, in der Gesellschaft.
Man könnte, wenn man sich das alles anschaut, einen Strich drunter machen und sagen: Sünde ist nie wirklich gut. Und trotzdem ist Sünde unglaublich attraktiv, so attraktiv, dass Menschen immer und immer wieder darauf reinfallen. Das liegt daran, dass sich Sünde scheinbar für den Moment auszahlt.
Der scheinbare Nutzen von Sünde im Alltag
Gehen wir es noch einmal durch: Wie sehr sich das auszahlt.
Da ist Barabbas, der freikommt. Eben noch Verbrecher im Gefängnis, aber dann gilt eben doch: In dieser Welt kommen sogar Verbrecher, sogar Mörder, manchmal ungeschoren davon. Wer nicht davonkommt, das ist Jesus.
Oder Herodes und Pilatus, die Freunde werden. Ist dir klar, dass Sünde Beziehungen bereichern und vertiefen kann? Sünder sind nicht die Einsamen, die irgendwie als Lonely Rider durch die Welt ziehen und keinen guten Freund haben. Stimmt überhaupt nicht! Sünde kann dazu beitragen, dass man wilde Partys feiert, viele Kontakte hat, Vitamin B besitzt, Teil des Systems ist. Sünde kann sich ziemlich auszahlen. Wenn du Teil der Gang bist, bist du nicht allein. Und das macht Sünde.
Der einzige, der hier allein ist, das ist Jesus. Alle anderen haben irgendwie ihre Gemeinschaft gefunden. Die Hohenpriester und die Schriftgelehrten, die erhalten ihren Willen. Da wird diese lästige Konkurrenz aus Galiläa tatsächlich ausgeschaltet, und sie kommen mit ihrer Scheinheiligkeit und mit ihrer Heuchelei durch. Sie haben das religiöse System so gut im Griff, dass sie am Ende als die Angesehenen und die Guten vor aller Augen bestehen können. Der einzige, der nicht bestehen kann, ist Jesus. Ihre Ungerechtigkeit, ihr Desinteresse an Wahrheit bleibt auf der Strecke, das kommt durch, aber die Wahrheit bleibt auf der Strecke.
Pilatus hat seine Ruhe. Ja, das Problem ist vom Tisch. Ich muss zugeben, dass das nur fast stimmt, denn Pilatus hat am Ende ein klein wenig ein schlechtes Gewissen. Man merkt das nicht bei Lukas, sondern man kann das bei Matthäus lesen. Da stellt sich dann Pilatus hin und denkt: Jetzt habe ich den da umbringen lassen, das ist eigentlich nicht ganz in Ordnung. Und dann macht er etwas ganz Putziges. Er stellt sich vor alle hin, holt ein Waschbecken und sagt: Ich wasche meine Hände in Unschuld. Und ich weiß nicht, ob ihr das schon einmal gelesen und herzhaft gelacht habt. Denn das ist das, was du tun müsstest an der Stelle.
Da ist ein hoher römischer Beamter, der Herr über Leben und Tod, und er lässt sich von diesem Mob manipulieren. Er merkt es, er geht darauf ein, und das Einzige, was er schafft, ist: Ich wasche meine Hände in Unschuld. Ihr seid schuld, bin ich schuld, ihr seid schuld. Beliebtes Konzept. Ich merke, ich sündige, und dann kommt so ein schlechtes Gewissen hoch, und das Einzige, was mir einfällt, ist: Ich hänge meine Schuld anderen an. Ich will meine Ruhe.
Der einzige, der seine Ruhe nicht bekommt, der von einem zum anderen getrieben wird, ausgepeitscht wird, angeschrien und dann zu Tode gefoltert wird, der einzige ist Jesus.
Und Herodes, der mit seiner Neugierde, der so halbwegs das gekriegt hat, was er wollte, klar, er hätte sich noch ein Zeichen gewünscht, das hat er nicht gekriegt. Auch das ist im Prinzip so: Sünde gibt dir immer nur halb so viel, wie du dir wünschst. Sünde ist nie wirklich voll befriedigend. Aber trotzdem machen wir uns nichts vor: Er hatte seinen Spaß. Wer keinen Spaß hatte, das ist wieder Jesus. Die Sache mit dem glänzenden Mantel und dem Spott und der Erniedrigung durch all die Menschen, denen er Gutes getan hat, das war kein Spaß.
Die bleibende Attraktivität der Sünde und ihr zeitlicher Gewinn
Und mein Fazit ist: Wenn ich mir das anschaue, dann ist mein Fazit, dass sich Sünde auszahlt. In der Tat aber nur für den Moment. Wer die Bibel kennt, weiß, dass wir einen Gott haben, der richten wird. Gottes Gericht kommt. Aber die Bibel kennt dieses Prinzip. Es steht in Hebräer 11,26 vom zeitlichen Genuss der Sünde.
Sünde hat für eine bestimmte Zeit eine ganz positive Seite. Sie bringt etwas, den zeitlichen Genuss der Sünde.
Die Frage ist: Warum erzähle ich euch das? Ich erzähle es euch, weil wir Jesus nicht noch einmal zum Tod verurteilen können. Wir waren damals nicht dabei, wir waren nicht Teil dieses Mobs. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie ich mich verhalten hätte, wenn ich damals dabei gewesen wäre. Ich werde mich hier nicht hinstellen und so tun, als hätte ich nicht mitgemacht. Aber ich war damals nicht dabei.
Was ich heute noch tun kann: Ich kann die Haltung dieser Christusmörder imitieren. Ich kann heute noch falsch mit Jesus umgehen. Ich kann Sünde so attraktiv finden, dass ich aufhöre, Jesus nachzufolgen.
Nachfolge als Weg in den Fußspuren Jesu
Ich möchte mit euch gerne in den ersten Petrusbrief hineinspringen, 1. Petrus 2,21. Da wird die gleiche Geschichte, die wir eben betrachtet haben, Jesus vor Pilatus und Herodes und auch vor dem Hohen Rat, noch einmal aus einer anderen Perspektive betrachtet.
Da schreibt Petrus: Denn hierzu seid ihr berufen worden. Also es geht um unsere Berufung, die wir als Christen haben. Denn hierzu seid ihr berufen worden, denn auch Christus hat für euch gelitten und euch ein Beispiel hinterlassen, damit ihr seinen Fußspuren nachfolgt.
Geistliches Leben ist eigentlich eine ganz simple Sache. Es geht darum: Ich habe ein Vorbild, das ist Jesus. Und Jesus ist auf eine bestimmte Weise seinen Weg gegangen, Schritt für Schritt, Schritt für Schritt. Jeder Schritt, den er in seinem Leben getan hat, steht für eine Entscheidung, die er getroffen hat. Eine Entscheidung gegen Sünde, eine Entscheidung für die Wahrheit.
Und was Petrus hier sagt, ist: Als Christen stehen wir in dieser Tradition. Jesus ist unser Vorbild. Und so wie er Schritt für Schritt die richtigen Entscheidungen trifft und uns vormacht, wie man richtig lebt, Schritt für Schritt, so sollen wir ihm folgen.
Das geht jetzt im Winter immer ganz gut. Vielleicht habt ihr das auch schon gemacht: Ihr habt so eine Schneespur vor euch. Man geht spazieren, kommt an ein Feld, und da ist vielleicht so eine Spur. Und ich mache dann gerne Folgendes: Ich versuche dann, wenn ich die Trippelchen sehe, genau da hineinzugehen. Ich weiß nicht, warum man das macht, aber ich mache das halt.
Also ich versuche dann genau von meinem Vorgänger da hineinzugehen, wo genau diese Fußspuren liegen. Es sieht dann immer ganz lustig aus, wenn man zurückschaut, weil man es natürlich nie ganz genau schafft. Es sieht dann immer so ein bisschen wischiwaschi aus, aber man probiert es doch.
Und das ist geistliches Leben. Ich schaue mir an: Wie macht Jesus das? Und ich versuche es zu imitieren.
Das Vorbild des leidenden und schweigenden Christus
Wie hat Jesus das gemacht? Vers 22, der keine Sünde getan hat, noch ist Trug oder Betrug in seinem Mund gefunden worden, hat immer die Wahrheit gesagt, hat an keiner Stelle gesündigt, der geschmäht nicht wieder schmähte.
Schmähen heißt, dass man einem anderen etwas Böses sagt: Du Trottel, du Depp, was bildest du dir denn ein, und so weiter. Und das ist Jesus die ganze Nacht lang passiert, dass man ihm die übelsten Vorwürfe an den Kopf geworfen hat und ihn runtergemacht hat. Und er sagt nicht zurück. Wenn zu mir einer sagt: Du Trottel, dann ist der erste Impuls, den ich habe, etwa so: selber Trottel. Das ist dieses Schmähen wieder Schmähen.
Jesus, übermüdet und aufs Ungerechteste mit solchen Vorwürfen konfrontiert, sagt gar nichts. Und es geht noch weiter. Das ist ja nicht nur Jesus, der kleine Wanderprediger, sondern da steht Gott. Es geht hier weiter mit: Der geschmäht nicht schmähte, leidend nicht drohte.
Ich stelle mir das so vor: Da hast du so einen römischen Soldaten oder vielleicht so einen Herodesanhänger, der anfängt, mit Jesus solche Spielchen zu treiben und ihm Backpfeifen gibt. Stell dir vor, da traut sich einer, Gott ins Gesicht zu schlagen. Weißt du, wenn ich Gott wäre, dann würde ich an der Stelle sagen: Freund, das war zu viel. Ich werde dich und deine Kinder und deine Familie ausrotten. Ich werde von dir und von dem, was es von dir gibt, nichts, kein Atom, auf dieser Erde zurücklassen. Man wird sich an dich nicht erinnern. Ich werde deinen Namen tilgen bis in alle Ewigkeit.
Das wäre so Gott. Gott sagt das nicht. Er macht es nicht. Er lässt das einfach zu. Er droht nicht einmal, er lässt es einfach über sich ergehen, sondern sich dem übergab, der gerecht richtet. Das war, was in Gethsemane passiert ist. Jesus hat ein Ja gefunden zu dem Willen Gottes.
Das Kreuz als Maßstab gegen die Macht der Sünde
Und dann kommt dieser wunderbare Satz in Vers 24, der unsere Berufung jetzt im Blick auf die Sünde auf den Punkt bringt: der unsere Sünden an seinem Leib selbst an das Holz hinaufgetragen hat, damit wir, den Sünden abgestorben, der Gerechtigkeit leben. Bis dahin.
Jesus nimmt unsere Sünde und trägt sie förmlich, wie man einen Rucksack aufsetzt. Und er trägt sie ans Kreuz. Und er gibt uns damit einen Auftrag. Er sagt: So wie ich eure Sünden ans Kreuz hinaufgetragen habe, sie von euch weggenommen habe, so möchte ich jetzt, dass ihr den Sünden abgestorben seid, dass ihr euch fühlt wie jemand, der im Blick auf die Sünde tot ist. Und dass ihr der Gerechtigkeit lebt, dass also die Sünde für euch, egal wie attraktiv sie ist, in eurem Leben keinen Platz mehr hat.
Nachfolge heißt, Dinge so zu machen, wie Jesus sie gemacht hat. Und sein Leben war ein Kampf gegen die Sünde. Er wurde überhaupt nur Mensch, weil es Sünde gibt. Er hat diese Sünden, die wir hatten, genommen und hat am Kreuz dafür gelitten. Er hat für uns bezahlt, obwohl er selber sündlos war. Für Jesus hatte Sünde keinerlei Attraktivität. Für Jesus war Sünde einfach nur Last, die er für uns getragen hat, damit wir, und ich lese das nochmal hier, den Sünden abgestorben der Gerechtigkeit leben.
Und jetzt merken wir etwas. Ich schaue mir den Barabbas an, ich schaue mir den Pilatus an, den Herodes, die Hohenpriester, die Schriftgelehrten, den Mob: Keiner von denen hat wirklich Interesse an Gerechtigkeit. Jesus schon. Jesus erduldet lieber Ungerechtigkeit, als dass er den Spieß umdreht. Und diese Haltung zur Sünde, dieses Nein zur Sünde, egal wie es mir gerade geht, egal unter was für einen Druck ich gesetzt werde, egal was es mir für einen Vorteil bringen würde, dieses bedingungslose Nein zur Sünde, das ist genau das, was Jesus von seinen Jüngern verlangt. Für ihn ist Sünde keine Option, und sie sollte für uns auch nie eine Option sein.
Jesus hat Sünde dorthin gebracht, wo sie hingehört, nämlich an ein Kreuz, an einem Kreuz, wo Sünde gerichtet wird. Am Kreuz wird deutlich, wie schlimm Sünde tatsächlich ist. Vielleicht muss man noch sagen, dass das Kreuz, genauer gesagt, wenn wir einen Blick ans Kreuz tun und sehen, wie sehr Jesus da für uns gelitten hat, wie grausam das war, dass damit, mit diesem Blick ans Kreuz, auch für uns die Attraktivität von Sünde eigentlich weg sein sollte.
Die neue Perspektive auf die Welt
Galater 6,14 beschreibt Paulus unsere Einstellung zu dieser Welt, in der wir leben. Ich lese es erst einmal vor und erkläre dann, was mit Welt gemeint ist.
Galater 6,14: Mir aber sei es fern, mich zu rühmen, als nur des Kreuzes unseres Herrn Jesus Christus.
Paulus sagt: Wenn ich mit irgendetwas angeben wollte, dann nicht mit dem, was ich bin oder was ich habe. Damit fange ich gar nicht erst an. Aber wenn du mich fragst, was mich begeistert, dann ist das nicht mein neues Handy. Es ist auch nicht ein neues Paar Schuhe, ein neues Auto oder sonst irgendetwas. Auch nicht der nächste Sprung auf der Karriereleiter. Und auch nicht das kleine süße Baby, keine Ahnung.
Wenn du mich fragst, was mich begeistert, dann ist es das hier: Mir aber sei es fern, mich zu rühmen, als nur des Kreuzes unseres Herrn Jesus Christus.
Wenn es in meinem Leben eine Sache gibt, für die ich einstehen möchte, dann ist es das Kreuz. Wenn du mich reduzieren möchtest, wenn du mir etwas wegnehmen willst, dann lass mir das Kreuz. Wenn ich über eine Sache wirklich hemmungslos, restlos, fasziniert und begeistert sein möchte, dann vom Kreuz.
Warum? Weil dieses Kreuz und das, was am Kreuz passiert, etwas mit mir macht. Weil es meine Perspektive auf mein ganzes Leben verändert. Weil ich, wenn ich an das Kreuz glaube, nicht mehr derselbe sein kann in dieser Welt wie vorher.
Mir aber sei es fern, mich zu rühmen, als nur des Kreuzes unseres Herrn Jesus Christus, durch das mir die Welt gekreuzigt ist und ich der Welt.
Bekehrung ist ein Abschied von dieser Welt. Wir leben in dieser Welt, aber ich erkläre einmal, was Welt bedeutet. Welt ist nicht der Planet. Welt ist das System, in dem Menschen leben, die ohne Gott glücklich werden wollen. Es ist das System, in dem erlaubt ist, was allgemein akzeptiert ist. Wo jeder im Grunde das tut, was er gerade noch vor sich und vor der Gesellschaft verantworten kann.
Die Welt mit ihren sündigen Spielregeln: Wo Verbrecher tatsächlich nicht bestraft werden. Wo Beziehungen oft alles sind. Wo Selbstdarstellung wichtiger ist als Charakter. Wo man ein schlechtes Gewissen dadurch loswird, dass man anderen die Schuld in die Schuhe schiebt. Oder wo der Spaß irgendwann jede Perversion erlaubt.
Mit dieser Welt haben Jünger Jesu abgeschlossen. Wir spielen nach neuen Regeln. Wir wollen Gerechtigkeit leben.
Ein abschließender Ruf zu einem neuen Lauf
Und deswegen dachte ich mir, ich beginne meine erste Predigt in diesem Jahr mit einem Wunsch an euch alle. Und dieser Wunsch findet sich in einem Leitvers zusammengefasst in Hebräer 12,1-3. Und damit mache ich dann Schluss.
Hebräer 12,1-3. Davor ist Kapitel 11 so eine Aufzählung von Glaubenshelden, von Leuten, die im Leben mit Gott einfach durchgehalten haben. Die Fehler gemacht haben, aber immer wieder aufgestanden sind. Die bis zum Schluss gesagt haben: Ich möchte vor der Sünde nicht einknicken. Das war Kapitel 11.
Und dann kommt Kapitel 12:
Deshalb lasst nun auch uns, da wir eine so große Wolke von Zeugen um uns haben. Weil es so viele Typen in der Kirchengeschichte gibt, die es geschafft haben, wo du sagen kannst: Boah, nimm dir an dem ein Vorbild, und an der. Weil es so viele Typen gibt, die mit ihrem Leben bewiesen haben, dass das stimmt. Dass das Kreuz tatsächlich verändernde Kraft besitzt. Dass das Kreuz dich heil machen kann. Dass wir tatsächlich, und wir könnten jetzt 1. Petrus 2 weiterlesen, einen Hirten gefunden haben. Weil das stimmt. Weil wir eine so große Wolke von Zeugen um uns haben.
Deshalb lasst nun auch uns jede Bürde und die uns so leicht umstrickende Sünde ablegen und mit Ausharren laufen den vor uns liegenden Wettlauf. Was hier steht, ist: Dein geistliches Leben ist kein Sprint. Es ist eher ein Marathon. Es ist ein Wettlauf. Es ist etwas, wo du aufpassen musst, dass du über die Jahre hinweg nicht langsamer wirst. Dass du nicht irgendwann stehen bleibst. Dass du tatsächlich bis zum Schluss läufst.
Und wer gut gestartet ist, der kann ermüden und ermatten. Das heißt dann in Vers 2: indem wir hinschauen auf Jesus, den Anfänger und Vollender des Glaubens, der um der vor ihm liegenden Freude willen die Schande nicht achtete, das Kreuz erduldete und sich gesetzt hat zur Rechten des Thrones Gottes. Den betrachtet, der so großen Widerspruch von den Sündern gegen sich erduldet hat, damit ihr nicht ermüdet und in euren Seelen ermattet.
Praktische Ermutigung zum Loslassen und Weiterlaufen
Geistliches Leben – und das merke ich über die Jahre und Jahrzehnte immer mehr – lässt sich nicht konservieren. Jeder will jedes Jahr neu gewonnen werden.
Wir alle, ich stehe da mit drin, stehen in der Gefahr, uns irgendwann Bürden und leicht umstrickende Sünde ins Leben hineinzuholen. Bürden, das sind unnötige Belastungen. Es sind Dinge, die vielleicht noch keine Sünde sind. Ja, es gibt so eine Vorstufe. Aber sie machen mein Leben unnötig kompliziert, sie binden mich unnötig, und sie schränken meine Freiheitsgrade, Entscheidungen zu treffen, unnötig ein.
Und der Text sagt: Wenn du so etwas in deinem Leben hast, schmeiß es raus. Du hast einen Wettlauf zu laufen, du hast ein Leben zu leben für Gott, du hast mit dem alten Leben abgeschlossen. Es geht um etwas Neues.
Dann geht es darum, dass wir leicht umstrickende Sünde ablegen. Leicht umstrickende Sünde, das ist so heimlich eingedrungene Sünde ins Leben. Das sind Dinge, die klein anfangen, irgendeine dumme Gewohnheit. Irgendetwas, das man einfach hat, das war so dumm. Und anfänglich ist es vielleicht nur ärgerlich, und dann wird es irgendwann normal, und irgendwann wird es zerstörerisch.
Und der Text sagt: Wir müssen mit Sünde eigentlich an einer Stelle schon richtig umgehen, wo es fast noch keine Sünde ist, wo es eher nur eine Last ist, lange bevor Sünde in unser Leben hineinkommt.
Mein Wunsch für euch: Es liegt ein neues Jahr vor uns, 2013. Damit liegt eine neue Chance vor uns, dass wir alte Fehler hinter uns lassen. Das wünsche ich euch, und das tue ich auch persönlich, weil ich nicht glaube, der Überflieger zu sein, der nie wieder von dem guten Kurs mit Gott abkommen kann.
Was ich uns wünsche, ist, dass wir uns einen kritischen Blick auf unser Leben gönnen. Und je älter wir werden, umso mehr. Und dass wir uns diese Frage stellen: Bin ich in dem Wettlauf eigentlich noch dabei? Oder ist das über die Jahre so geworden, dass ich, wie wenn ich in einen Sumpf hineinlaufe, mit jedem Schritt irgendwo tiefer komme? Immer langsamer voran. Und irgendwann stecke ich fest.
Ich möchte dir sagen: Wenn du jetzt sagst, ich fühle mich wie einer, der stecken geblieben ist, dann möchte ich dich heute ermutigen, wieder loszulaufen. Ich weiß nicht, was das für dich bedeutet. Ich weiß nicht, wo du welche Stellschrauben in deinem Leben verändern musst. Ob da Vergebung passieren muss, oder ob du dich von Dingen trennen musst, ob du dich neu organisieren musst – keine Ahnung, ich weiß es nicht. Aber ich möchte dich darum bitten, dass du mit Menschen ins Gespräch kommst und mit Gott ins Gespräch kommst darüber, was sich ändern muss, um in diesem Wettlauf wirklich dabei zu sein, um wieder loszulaufen.
Und wenn es Sünde gibt in deinem Leben, die dich lähmt, vielleicht nur so eine kleine dusselige Gewohnheit, dann möchte ich dich darum bitten: Wirf sie aus deinem Leben raus. Spiel nicht länger mit ihr herum. Triff doch jetzt die Entscheidung: Ich werde das loswerden.
Ich finde so einen Rückblick auf ein Jahr sehr gut. Und ich stelle mir die Frage: Was hat im letzten Jahr mein Leben, wenn ich auf Sünde schaue, am meisten kaputt gemacht? Und ich weiß nicht, ob du so etwas führst wie ein Journal, wo man sich alle zwei, drei Tage mal aufschreibt, was ist eigentlich in meinem Leben schiefgelaufen. Ich weiß nicht, ob du ad hoc auf deiner Gebetsliste oben deine Top Ten Sünden stehen hast, wo du sagst: Gegen die kämpfe ich gerade, das sind so meine Hauptgegner. Ich weiß nicht, wie du mit Sünde umgehst, aber ich möchte dich bitten: Spiel nicht mit Sünde herum.
Und wenn du ein Vorbild brauchst, dann schau auf Jesus. Dann schau auf Jesus, der unter Druck lieber schweigt und Sünde erträgt, als selber zu sündigen. Er ist unser Vorbild, und er wünscht sich, dass wir im Umgang mit Sünde es genau so machen wie er.
Und das wünsche ich uns. Amen.
Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!
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