Wir haben heute aus Johannes 8, das Wort Vers 12 auf Seite 121 in Ihren
Bibeln. Vor einigen Monaten hatten wir die Geschichte, wie Jesus zu der
Ehebrecherin sich stellt, die gesteinigt werden soll und direkt im
nachfolgenden Vers spricht Jesus: Ich bin das Licht der Welt. Wer mir
nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht
des Lebens haben.
Ich kann mir kein armseligeres oder elenderes Unternehmen überhaupt
in dieser Welt denken als das Werk der Weltmission. In den Kirchen gibt es
viel Glanz, viel Macht und Geld. Mission war immer am Sterben, war immer
ein ganz erschütternd mickriges Unternehmen. Der erste Missionar der
Neuzeit Justinian von Welz ist hinausgezogen und er fand nicht einen
einzigen, der hinter ihm stand. Die Theologen von Giessen haben ein
Gutachten erstellt, dass die Weltmission gegen den Willen Jesu wäre und
gegen das Wort der Bibel. Das sei nicht nötig. Das würde Gott ganz allein
tun. Das sei Menschenwerk. Davor behüt uns lieber Herre Gott! Und wenn Sie
es dann durch die Jahrhunderter weiter verfolgen, wenn Zinzendorf seine
Boten geschickt hat. Wie hatte der eine gesagt, der nach Grönland sollte?
Dann muss ich mir ja erst noch Schuhe besorgen! Und Sie müssen es einmal in
den Tagebüchern lesen, Zinzendorf konnte nicht einmal seinen Missionsboten
das Schiffsgeld, das Ticket bezahlen. Und dann kamen sie nach Amsterdam und
warteten wie Gott die Tür öffnet, ob sie irgendwo einen Gratistrip kriegen.
Und wie sie bei den Leuten gefragt haben, wo sie in Amsterdam schlafen
könnten und schließlich auf dem Deich geschlafen haben in der kalten Nacht,
weil sie kein Geld hatten für die billigste Herberge. Das ist Mission. Bei
uns ist das ja alles sozial abgesichert, wir können uns diesem modernen
Kram gar nicht mehr entziehen. Das will auch niemand ändern. Es wäre auch
vermessen, wenn wir anders handeln würden, wo wir doch alle unsere eigenen
Sicherheiten haben, die die wir ausschicken wenn auch mit einem Minimum an
Sicherheit, aber ich denke an die vielen zehntausende der Missionare, die
von den jungen Gemeinden in der dritten Welt ausgesandt sind, die gar
nichts haben und gar nichts wissen, was werden wird. Vor ein paar Tagen war
eine liebe Mitarbeiterin da aus Äthiopien, die noch einmal erzählt hat, wie
da unter den Konso im Oktober im Süden Äthiopiens in einem wilden Stamm ein
Evangelist erschlagen wurde. Da gibt es keine Witwenrente und keine
Versorgung. Und sofort haben sie fünf andere gerade noch geweiht und
eingesetzt: Ihr sollt Missionsboten Jesu sein! Ihr sollt hinausgehen! Das
ist euer Auftrag! Zu den Unerreichten, die Jesus noch nicht kennen. Es ist
ja auch ganz merkwürdig, dass die Kirchenorganisationen nie mit vollem
Herzen Mission getrieben haben. Sie fanden immer ein Haar in der Suppe und
haben das immer ein wenig umfunktioniert. Es ist auch gut so, denn eine
Kirchenorganisation würde immer viel mehr Wert auf Mitgliederwerbung legen
oder auf Glanzentfaltung. Und so waren es immer freie Freundeskreise, die
Mission getrieben haben, weil ihnen das so wunderbar war, was Jesus ihnen
geschenkt hat. Das wollten sie weiter tragen und weitergeben. Ich kann es
Ihnen nicht erzählen, wie das war: Peter Cameron Scott, nur ein Beispiel.
Vor knapp über hundert Jahren wollte er seinen Bruder, der Missionar war im
Kongo, ihn besuchen, ihm zu helfen. Als er kommt, kann er gerade noch den
Sarg zimmern und ihn beerdigen. Da geht er wieder zurück nach England und
findet dort diese Grabplatte in der Westminster Abbey von Livingstone das
Wort Jesu: Ich habe noch andere Schafe. Die will ich auch herführen. Das
war die Berufung für ihn. Und dann zog er aus mit sechzehn Freunden nach
Ostafrika. Und noch einmal: Wie elend, wie kümmerlich. Schon der Konsul in
Mombasa hat ihnen nicht erlaubt zu missionieren. Wissen Sie, wie die
Kolonialregierungen mit allen Tricks das zu verhindern wollten, dass
Jesusboten in ihre Länder kommen. Ja natürlich, weil sie die dunklen
Machenschaften der Kolonialmächte immer aufdecken. Mission und
Kolonialmacht waren fast immer ein Spannungsverhältnis. Vierzehn Monate hat
Peter Cameron Scott Zeit gehabt, dann war er tot. Und wenig später war von
den sechzehn keiner mehr übrig geblieben. Und heute ist es die größte
christliche Kirche in Ostafrika, hundert Jahre später, die Afrika-Inland-
Kirche. Das ist Gottes Weg, wie er arbeitet. Peter Cameron Scott schrieb in
sein Tagebuch mit letzter Kraft: Können wir den Menschen, die in der
Finsternis sind, das Licht des Lebens vorenthalten? Also das ist jetzt
zuerst meine Frage: Was ist die Kraft der Mission? Was ist ihre
Durchschlagskraft? Nur ihr Zeugnis von Jesus. Nichts anderes. Mission lebt
nicht von der Macht der Freunde, die hinter ihnen stehen; Mission lebt
nicht von der Unterstützung und vom Geld. Es ist ein Geheimnis, dass das
Jesus-Zeugnis Frucht wirkt. Heute ist ja bei uns gar kein Geheimnis. In
allen christlichen Kirchen ist Mission ein Witzwort geworden, ein
Spottwort. Natürlich, es war schon immer so. Es ist gar nicht neu. Mit dem
Wort Missionar kann man alle spöttischen Witze und Bemerkungen verbinden.
Das ist immer der Sache Jesu zueigen, dass die Menschen die Nase darüber
rümpfen. Jetzt einmal Hand aufs Herz: Sind Sie denn so arg überzeugt, dass
es unsere Pflicht ist den Ungläubigen um uns her Jesus zu bezeugen? Wir
sind ja auch immer wieder stumme Hunde und reden nicht und bellen nicht,
sondern schweigen. Und dann kommt immer schnell bei uns das Argument: Aber
die anderen sind doch auch glücklich und zufrieden. Ist das die Frage,
glücklich und zufrieden? Und dann kennen wir das ganze Problem, das klingt
doch so arrogant, wenn ich den anderen Wahrheit vermitteln könnte. Das geht
doch nicht. Ich will doch dem anderen seinen Glauben nicht absprechen. Der
hat zwar eine andere Erkenntnis, eine andere Religion. Kann man denn einem
anderen das so bringen. Also alle Gedanken, die auch in meinem Kopf sind,
sprechen geben Mission. Ich verstehe alle Kritiker der Mission sehr sehr
gut, die sagen, es sei arrogant und anmaßend, einem anderen den Glauben zu
vermitteln. Nun Mission hat nie mit Machtmitteln gearbeitet. Im
Mittelalter, wo die Kirche Zwangsmissionierung machte, das hat mit Mission
nichts zu tun gehabt. Das hat auch mit der großen Missionsbewegung der
letzten 300 Jahre nichts zu tun gehabt. Ich kenne auch kein Beispiel, wo
mit äußeren Vergünstigungen Menschen geworben wurden. Das hebt ja gar nicht
lang, wenn man Menschen ködert – das wissen Sie doch auch. Es muss ja aus
dem Herzen kommen. Man muss die Bibel aufschlagen und im Wort Gottes hat
man die richtige Basis auf einmal wieder. Und da steht so drin, dass man's
kaum zitieren will und man sich geniert, wenn man das bei uns so sagt. Was
steht denn drin? Dass es keinen anderen Weg gibt zum Heil und keine andere
Erkenntnis und so wie wir es am Sonntag gehabt haben, dass es keinen
anderen Weg gibt. Wenn Sie Ihre Bibeln gerade dahaben; die Stelle ist mir
ganz neu wieder wichtig geworden: 1. Korinther 10. Paulus klipp und klar,
einfach und unkompliziert, Vers 20. Da spricht er von den anderen
Religionen, was man opfert, das opfert man den bösen Geistern und den
Dämonen und nicht Gott. Das kann nur der lebendige Gott tun, absprechen,
dass diese Wege zum Heil führen. In den Religionen steht ein großes
Erkennen. Wir wollen Religionen nie abwerten oder lächerlich machen oder
verspotten. Das Evangelium sagt. Es gibt keinen Menschen und keine
Erkenntnis, die uns vor Gott retten kann. Der einzige Name ist der Name
Jesus. Es ist auch bei uns wenigen Menschen bewusst, wie andere Religionen
überhaupt reden. Konfuzius hat Gott überhaupt nie gekannt, das wollte er
auch nie. Der Buddhismus will gar nicht zu Gott leiten. Der Buddhismus will
nur, dass die Erscheinung meines Ichs verschwindet im Unendlichen.
Buddhismus will nicht zu Gott leiten. Es sind wichtige Erkenntnisse über
die menschliche Existenz, die flüchtig ist. Aber das Entscheidende ist
aber, wie kann man denn zu Gott kommen? Und dann haben Religionen ein
großes Wissen um die Macht der Finsternis. Bei uns in Europa weiß man wenig
von Teufel und Dämonen. Da müssen Sie einmal in die Mythenwelt, auch in die
Kunst, Bildnisse der Weltreligionen hineinblicken. Wenn Sie auf die Tempel
sehen, mit diesen furchtbaren Fratzen und Gesichtern, und dann lassen Sie
sich's einmal von Menschen erzählen, wie ihr Leben von einer unheimlichen
Angst vor einer schrecklichen Furcht vor der schwarzen Magie beherrscht
wird. Die haben ja etwas von der Wirklichkeit der Welt erfasst. Und dann
hören wir noch einmal die Berichte, wie ein Ludwig Nommensen zu den Bataks
kommt und wie sie ihm ganz schnell sagen, wie er unter ihnen wohnt und
versucht die Kontakte zu knüpfen. Da sagen sie zu ihm: Wir werden dein
Leben auslöschen. Ein Zauberer versucht ihn zu vergiften. Und dann eines
Tages machen sie dieses große Fest mit Zehntausenden von Menschen in der
Ekstase und plötzlich spricht eine Prophetin – es gibt ja das alles im
Heidentum, diese Prophetenstimme, ganz echt – die in Trance redet und sagt:
Nun muss zur Versöhnung der Götter das Blut des weißen Mannes fließen. Und
Nommensen ging trotzt aller Warnungen hin und er tritt ganz ruhig vor über
zehntausend Speere der Kämpfer und sagt: Was ihr redet ist die Macht der
Finsternis. Gott ist ein Gott der Liebe und will nicht, dass Blut fließt,
weil er das Opfer gebracht hat. Und das war der Durchbruch bei den wilden
Kopfjägern der Bataks. In dieser furchtbaren Todesangst lebten und einen um
den anderen ermordeten und dann die Köpfe als Schmuckzeichen trugen ihres
Sieges. Und auf einmal kommt das Evangelium: das Licht, das die Finsternis
überwindet. Das ist so groß, dass Jesus das Licht ist. Mission war immer
nur stark, wo sie wehrlos und kraftlos Zeugnis Jesu Christ war, ganz
allein. Und er hat die Finsternis überwunden und hat Menschen verwandelt.
Das ist immer wieder eindrucksvoll, wenn man das dann hört den Ländern wie
dort bei den Nagas in Ostindien, die auch solche Kopfjäger waren, wie es
auf einmal eine Befreiung gibt in einem Volk. Man spricht ja heute viel,
dass man die Kultur zerstört. Ist es eigentlich schlimm gewesen, dass die
Menschenfresser immer Menschen fressen? Oder hätte man die Kultur erhalten
sollen? Die Angst im Totenkult und unheimlich viele magische Zauberriten,
die die Menschen krank machen mit unreinem und schmutzigem Wasser? Es gibt
ja heute noch Bücher, die der Mission vorwerfen, sie würde gegen die
Beschneidung der Frau kämpfen. Wir wissen, welch ein Unheil das bringt über
Millionen in Afrika heute, die letztlich aus der Finsternis kommt. Aber
jetzt ist bei uns in Europa und in unserem eigenen Herzen genau so viel
Finsternis. Darum ist Mission bei uns geboten. Und noch einmal: Mission ist
keine organisatorische Frage, sondern ob wir Jesus das Licht bezeugen
können, ob Jesus in unserem Leben diese Wandlungen gemacht hat, bei uns die
Finsternis durchbrochen hat, die Finsternis meines Denkens, die Finsternis
meines Hasses, meiner Ichsucht – durchbrochen hat und so hell
hineinleuchtet. Jesus hat einen hellen Schein in unsere Herzen gegeben. Hat
er das? Dass durch uns andere Menschen auch dieses Licht entdecken können.
Wenn wir heute immer davon reden, die Kultur müsse erhalten bleiben,
stellen Sie sich einmal vor, wenn man die Kultur der alten Germanen
erhalten hätte, gäbe es dann in unserer Welt eine moderne Wissenschaft, die
diese Welt behandelt. Schon ein Massai in Afrika weigert sich Gemüse
anzubauen, weil er sagt, er will der Mutter Erde nicht auf dem Bauch
herumkratzen. Das ist für ihn eine göttliche Begegnung. Er hat gar keine
Offenheit, die Erde als Erde zu nehmen und damit zu arbeiten. Das ist ja
erst durch das Evangelium gekommen, die Befreiung aus all diesen Mythen,
dass ich die Welt gebrauchen kann. Nur was jetzt so furchtbar ist in
Europa: Wir haben Menschenrechte. Ich kann die Menschenrechte, die Geltung
etwa der Gleichberechtigung aller Menschen nur durchs Evangelium von Jesus
verstehen. In vielen Religionen gibt's das nicht. Aber wir haben heute die
ganzen Errungenschaften, soziales Denken, den Solidaritätsgedanken, die
alle aufs Evangelium zurückgehen, aber haben das Licht, dass das alles
geschaffen hat, vergessen, das Licht Jesus. Und unsere Kultur braucht
dieses Licht, denn sonst werden all diese Errungenschaften für uns wieder
unheimliche Dinge, wenn wir sie nicht wieder vom Licht Jesu her sehen und
anwenden können. So wie eine reine Humanität ohne Jesus sehr schnell in die
Bestialität führt. Die herrliche Erkenntnis, was das Humanum ist, kann ich
nur durchs Evangelium sehen, was ein Mensch bedeutet. Was ist die Kraft der
Weltmission? Das Licht, das leuchtet. Und jetzt das andere: Die Finsternis
kämpft dagegen. Das wird im Evangelium immer gesagt: Die Finsternis, die
hat's nicht begriffen oder man kann vielleicht sagen, die hat's sofort
begriffen, was los war. Darum hat sie sich gegen das Licht gestellt. Wie
ist das bei Ihnen, wenn Sie schlafen und plötzlich blinzelt Ihnen einer mit
einer strahlend hellen Lampe in die Augen? Das ist ärgerlich. Da wacht man
auf. Da zuckt man zurück. Da will man sich die Augen zuhalten. Man will im
Finsteren bleiben. Es gehört zur Weltmission, dass alle Widerstände mobil
sind und der Teufel alles alarmiert gegen die Weltmission. Vor vielen
Jahren als wir an einer Missionarskonferenz von Indianermissionaren waren,
da lag eine junge Mutter im Sterben und sie holten mich noch vor dem
Frühstück. Wir sollten noch einmal beten. Und wie ich sehe, wie der Zustand
dieser Frau ist, sagte ich: Da müsst ihr schnell den Notarzt holen und die
Frau ins Krankenhaus bringen. Und ihr Mann war Arzt. Und der lag auf den
Knien und sagte: Wir wissen, was das für Mächte sind: das ist kein
medizinischen Phänomen, das sind dunkle Mächte. Die Mutter wurde gesund.
Und sie sagten: Wir kämpfen Tag für Tag mit unheimlichen Hindernissen.
Deshalb brauchen Sie sich auch nicht wundern, wenn böses Gerede über
Missionen entsteht und wenn manches Verächtliche gesprochen wird. Ich habe
das oft auch erlebt. Hier in unserem Land: Wenn Menschen die ersten
Schritte mit Jesus gingen. Und auf einmal kamen andere und die haben ihr
gesagt: Was, du lässt dich dort beeinflussen? Und dann kamen ein paar böse
Worte und dann wurden die Jungbekehrten unsicher und dann wurden sie in
manche Bräuche wieder hineingeführt. Ich denke an eine junge, psychisch
etwas labile Frau. Und da hat einer aus der christlichen Gemeinde gesagt:
Lass dich doch von diesen Pietisten nicht so beeinflussen. Sie zog in eine
Wohngemeinschaft, wurde schwanger, musste abtreiben und versank zum Schluss
in völliger Dunkelheit, Selbstvorwürfen. Das kann einen so bitter machen:
Warum hat die Finsternis so viel Raum in einem Menschen, der so wunderbar
einmal das Licht sah, so fröhlich sein Christsein lebte? In der
Apostelgeschichte wird erzählt, wie der Paulus nach Zypern kam und der
Landpfleger dort das Evangelium von Paulus hören will. Und da ist ein
Zauberer. Das waren diese Magier, die dort gehalten wurden an den Höfen.
Und der hat das verhindern wollen. Und Paulus tritt auf ihn zu und sagt: Du
sollst blind sein. Der Herr straft dich. Wir haben nicht die Vollmacht,
andere Menschen so zu strafen wie es Paulus konnte. Aber wir müssen wissen:
Das ist ein großer Geisteskampf, der angebrochen ist in dem Augenblick wo
einer sich Jesus zuwendet und das Heil erkennt. Da ist in der Hölle
Großalarm. Und deshalb braucht es viel Sorgfalt und viel Fürbitte, um
Menschen dort auch zum Durchhalten zu bewegen. Wir wollen hinter unseren
jungen Leuten stehen, wenn sie die ersten Schritte im Glauben gehen. Wir
wissen welche Einflüsse dann kommen, von ihren Kameraden. Und wie schwer
das oft ist, wenn man allein seinen Weg geht, weil die Finsternis alles
tut, um das zu verhindern. Die Finsternis hat's nicht begriffen. Sie wollte
es nicht begreifen, was das Licht ist. Das Licht Jesus, das scheidet ja
Licht und Finsternis. Wir vergleichen das Licht gern mit der Sonne, aber im
Schöpfungsbericht heißt es: Bevor Gott die Sonne geschaffen hat, hat er
Licht und Finsternis geschieden, dass überhaupt ein Mensch wieder erkennt,
was gut und was böse ist, was recht und unrecht ist, was wahr und was
unwahr ist. Und das ist ein Prozess, wo man sich zunächst dagegen sperrt,
wenn das Wort uns trifft und dieses aufdeckt. Aber es ist herrlich, wenn
dieses geschieht. Und wir wünschen uns das. Wir wünschen uns auch wieder
unruhige Zeiten, wo wir in diesen Kampf um die Vormacht der Geister
hineingerissen werden.
Jetzt bloß noch ein Letztes: Lass doch das Licht Jesu hell leuchten!
Wenn man die Kirchenfenster oft sieht, mit ihren Farben und dann, wenn man
dahinter eine Lampe stellt oder wenn gar die Sonne durchleuchtet, wie auf
einmal die Farben anfangen zu leuchten. So ist es ja bei uns auch. Es wäre
immer ein Missverständnis, wenn man meint: Ich müsste leuchten. Es gibt bei
Christen immer wieder die Verkrampfung, die dann etwas Frommes als Theater
vorspielen wollen. Das ist ja nicht gemeint. Herr, lass durch meine
menschliche Schwäche hindurch, durch meine Prägung hindurch, dein Licht
leuchten. Und dann ist es eine ganz wunderbare Vielfalt: Frauen und Männer,
Alte und Junge, so Veranlagte mit ganz verschiedene Ansichten: Durch alle
scheint das helle Licht Jesus hindurch. Darum gibt's eine große Vielfalt
unter Christen. Und keiner braucht den an deren kopieren. Aber dieses
Licht, das durchleuchtet, macht das so schön. Ich bin immer traurig, wenn
manche meinen: Christentum würde Uniformierung bedeuten. Nein, überhaupt
nicht. Vielfalt der Formen und der Ansichten und der Meinungen. Und das
betrifft auch die Völker und die Nationen. Die denken anders als wir, die
haben andere Eigenarten. Aber da wo Jesus hindurch leuchtet und das Böse
und Sündige weggenommen wird, so ist es eine ganz wunderbare Vielfalt. Es
ist immer ein ganz persönliches Geschehen, dass Jesus uns erleuchtet, dass
ich das Licht Jesus entdecke, in meinem Leben breche mit der Finsternis. Da
steht da vom Wandeln. Das heißt doch herumlaufen, spazieren gehen im Licht
Jesus. Ich erlebe auf einmal: Wie ist das, wie sind meine Ansichten mit
Jesus über diese Welt und über das Geld und über meinen Beruf und über die
Mitmenschen? Und ich entdecke immer mehr vom Licht und lasse dieses Licht
durch mein Leben hindurch leuchten. Es wird erzählt als Mose von dem Berg
Sinai kam, dass die Leute sein Angesicht nicht anschauen konnten. Was war
denn das für ein Glanz? Es war nur das Widerspiegeln des Lichtes. Und je
mehr wir im Licht leben, umso werden wir Kinder des Lichts, wird das Licht
uns durch und durch prägen. Und nun kann man eben nicht Missionsdienst
machen, ohne selbst im Licht zu stehen. Das ist auch für unsere
Missionsmitarbeiter die schwerste Anfechtung, weil man oft auf einsamem
Posten steht, da ist die Ehe etwas angekränkelt und etwas spannungsreich
oder mit den Kindern sind die Probleme riesengroß. Es kommt zum Streit mit
den Mitarbeitern. Ich werde in dem Augenblick unbrauchbar, wenn ich mich
das Licht nicht dauernd reinigt und heiligt und in den Dienst nimmt. Ich
kann nicht predigen und von dem Licht Zeugnis ablegen, wenn ich nicht
selber dieses Licht lebe und habe. Wir haben die Jahreslosung, die uns
soviel Mut macht, wo Jesus sagt: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und
auf Erden und ich bei euch alle Tage bis an der Welt Ende. Und da wird ganz
vergessen, dass diese Gegenwart Jesu versprochen ist gerade da, wo wir eine
bekennende, weltweit missionierende Gemeinde sind, die das Zeugnis Jesu
weiter tragen. Und noch einmal: Dann können wir sagen: Verwechsele das
nicht. Bei uns gibt es viele menschliche Eigenheiten, die noch nicht
weggeputzt sind und viel auch was uns stört, aber blick doch auf dieses
Licht Jesus, das uns so fasziniert. Und dass wir in unserem Leben als die
große Erneuerung und Wende erlebt haben, das war Jesus wichtig. Mit seinem
Kreuzestod hat er ein Testament uns hinterlassen, dass alle Menschen, die
Kraft seiner Erlösung erfahren. Zu einer Erlösung für viele. Es ist ein
Verbrechen, dass die Christen das für sich behalten und im eigenen Saft
schmoren. Die Erlösung Jesu muss in der Welt bekannt werden. Ich habe es
oft nicht verstehen können, warum Gott diesen Auftrag uns anvertraut hat,
wo wir doch so nachlässig damit umgehen. Es wäre wirklich besser gewesen,
er hätte selbst es getan oder seine Engel beauftragt. Er hat es in die
Hände seiner Nachfolger, seiner Jünger gelegt. Und das ist Mission so
schlecht aufbewahrt worden. Es ist das Bekennen des Lichtes Jesu vor denen,
die noch nichts davon wissen. Mit der Auferstehung, mit der Himmelfahrt
noch einmal ganz deutlich der Befehl: Geht hin in alle Welt und verkündigt
das allen Menschen. Nun heißt das nicht bloß, dass man in ferne Länder
geht, aber das heißt, dass wir hier reden. Dass wir Menschen das in aller
Freude bezeugen und weitersagen.
Es wird im nächsten Jahr fünfzig Jahre her sein, dass unser
Kirchgebäude eingeweiht wurde. Und mit dem möchte ich schließen. Ich habe
Ihnen immer wieder erzählt, dass Prälat Karl Hartenstein hier einen Vortrag
anlässlich der Einweihung unserer Kirche vor neunundvierzig Jahren gehalten
hat, der mir so programmatisch ist, wo er das auch so deutlich sagt, dass
es keine andere Existenz mehr gibt für eine christliche Gemeinde in
Deutschland nach dem zweiten Weltkrieg als eine missionarische Gemeinde. Wo
er den Mut hatte 1950 offen zu sagen, dass Israel das Zeichen der
Weltmission sei, die Sammlung Israels. Aber dann redet er sehr ernst von
der Kraft des Antichristen. Und er sagt: Ihr dürft euch in Württemberg
nicht täuschen, aber die Zeiten sind unwiederbringlich vorbei, wo das
Christentum die Gesellschaft beherrscht. Es steigt in dieser Generation
eine neue Zeit herauf, nicht eine heidnische – die Geschichte geht nie
zurück – , sondern es wird eine antichristliche Zeit sein, wo die Gemeinde
der Zukunft lebt. Die erste Welle ging über uns im dritten Reich hinweg,
die zweite Welle bereitet sich vor. Er kam ganz stark von dem Denken her,
des antichristlichen Denkens in Europa. Und dann spricht er davon, wie der
Mensch sich an die Stelle Gottes setzt und sich selbst erlöst und Gott
nicht mehr braucht, wo die Kirchenüberflüssig werden und dann sagt er: Die
Urgemeinde hat sich einst versammelt als eine lebendige Gemeinde im
Angesicht der römischen Herrscher von Nero über Trajan bis Decius und
Diokletian, die damals nichts anderes wollten als Gemeinde Jesu ausrotten.
Und gerade in dieser Zeit hat Gott das schönst Wachstum geschenkt. Und nun
lese ich einfach: Mich dünkt, je mehr das Dach des großen Christentums
abgedeckt und die Zeit dieses christlichen Abendlandes zu Ende geht, umso
mehr kann Gott uns wieder das Geheimnis der wahren Christusgemeinde
schenken. Es war der Wunsch des Prälaten auf dieser Kanzel. Das heißt:
Jetzt Christ sein, nicht einfach in der Tradition unserer Väter als
selbstverständliche Sitte und Erbgut. Jetzt heißt Christsein wieder, den
Sprung wagen, von dem Ludwig Hofacker in jeder Predigt sprach: Die
persönliche Christusentscheidung und die persönliche Christusnachfolge, es
wird – und davon ist auch diese neu erbaute Kirche ein Zeichen – es wird in
einer antichristlichen Welt wieder Kirche Christi geboren. Senkrecht und
nüchtern als die Gemeinde der Christusgläubigen. Mich dünkt, dass in diesem
Augenblick, da das christliche Abendland zu versinken beginnt, Gott uns neu
das Geheimnis der Christusgemeinde sehen lässt und schenken wird in aller
Schwäche, in aller Ohnmacht. Ich freue mich so, dass Gott uns die Erfüllung
dieser Verheißung auch hat sehen lassen auch an diesem Platz. Und dann wird
niemand das auslöschen können, wo wir nur dies Eine sein wollen, dass
Christus Menschen erleuchten kann. Amen.
