Serie•Teil 23 / 27Der Hebräerbrief
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Einleitung und erste Grundsatzgedanken
Hebräer 10,32
Wir haben jetzt zum Schluss noch ganz kurz ein paar Gedanken. Ich habe gerade gesehen, dass ich da noch etwas vorlesen möchte.
In mir als Christ, also in mir, das heißt in meinem Fleische, wohnt nichts Gutes. Wir sind von A bis Z auf den Herrn Jesus angewiesen. Nur durch die Kraft und den Einsatz Jesu komme ich in den Himmel. Und wenn ich einmal angekommen bin, dann werde ich wegen Christus dort sein und wegen niemand anderem.
Wir müssen aufhören mit Leistungsdenken. Das findet man nicht in der Heiligen Schrift, dass Gläubige ein Leistungsdenken haben. Christus ist mein Heil und nichts anderes. Es ist nie meine Leistung, wenn ich das Ziel erreiche. Und es ist nie meine Leistung, wenn ich ein Lob vom Herrn Jesus im Himmel bekomme. Es ist nie meine Leistung. Es ist Christi Leistung. Und jede Frucht, die in meinem Leben gewirkt wurde, ist eine Frucht vom Herrn Jesus Christus.
Philipper 1,10: Alle Frucht kam von dem Herrn Jesus. Dort heißt es, Früchte, die durch Christus gewirkt sind. Die Schrift spricht von Frucht des Geistes und nicht von Frucht von uns selber.
Und wenn man jetzt meint: einmal gerettet, immer gerettet, dann ist das nicht ganz ungefährlich. Denn man kann sich dann auf die Bekehrung schauen und sich auf die Bekehrung verlassen. Und alles andere läuft ja von selber ab. Das ist jetzt ein bisschen überzogen ausgedrückt. Viele meiner Freunde würden das nicht unterstreichen, weil sie anders leben. Aber es gibt Menschen, die das genau so machen. Sie verlassen sich auf ihre Bekehrung, und das ist keine Basis.
Die Basis ist Christus, und an ihm halten wir fest. Er ist unser Leben, und er ist unser erster Anfang, und er ist das Ziel.
Rückblick als Hilfe zum Festhalten
Kapitel 10, Vers 32 bis 34. Wie sollen wir festhalten? Eine weitere Antwort: indem wir uns erinnern.
Erinnert euch aber an die früheren Tage. Also was er jetzt hier schreibt, ist wiederum eine Motivation, eine weitere Hilfe zum Festhalten und auch dazu, wie sie festhalten sollen. Erinnert euch aber an die früheren Tage, in denen ihr, nachdem ihr erleuchtet worden wart, viel Leidenskampf erduldetet. Eines Teils, indem ihr zum Schauspiel wurdet in Beschimpfungen und auch Bedrängnissen, anderen Teils, indem ihr in Gemeinschaft tratet mit denen, die es auf diese Weise erlebten. Denn auch mit meinen Fesseln hattet ihr Mitleid, und den Raub eures Besitzes nahmt ihr mit Freude hin, in Kenntnis dessen, dass ihr bei euch selbst ein besseres Gut in den Himmeln hattet und ein bleibendes.
Also wir erinnern uns zurück, wir denken zurück an die eigene Vergangenheit, an das, wie es am Anfang war. Das ist eine Hilfe. Jetzt, wo sie ein bisschen ins Wanken geraten sind, sagt er: Denkt doch zurück an früher. Als ihr, nachdem ihr erleuchtet worden wart, als ihr zum Glauben kamt, da habt ihr viel erduldet. Euch sind die Augen geöffnet worden, und dann hat es Kampf gegeben.
Wie hat dieser Leidenskampf ausgeschaut? Sie nahmen Beschimpfungen auf sich und Bedrängnis. Denkt zurück an die persönlichen Beschimpfungen und an diese Verkennung. Man hat euch nicht erkannt, also man hat euch verkannt. Denkt zurück an die persönliche Verkennung. Eines Teils, indem ihr zum Schauspiel wurdet in Beschimpfungen und auch in Bedrängnissen, anderen Teils, indem ihr in Gemeinschaft tratet, nämlich durch Hilfeleistungen in Wort und Tat, mit denen, denen es so schlecht ging um Christi willen, mit den Verfolgten.
Also zurückdenken an die Bereitschaft. Denkt zurück an eure Bereitschaft, wie ihr anderen, die verfolgt wurden, beigestanden habt, wie ihr euch mit ihnen identifiziert habt. Auch mit meinen Fesseln hattet ihr Mitleid, also er selber war im Gefängnis, und ihr habt euch zu mir gestellt. Denkt zurück an die frühere Bereitschaft, um Christi willen allen irdischen Verlust in Kauf zu nehmen und den Raub eures Besitzes, den Raub eurer Güter, nahmt ihr mit Freude hin. Denkt zurück, denkt voraus an den großen himmlischen Gewinn, den ihr danach bekommen werdet, in Kenntnis dessen, dass ihr bei euch selbst ein besseres Gut in den Himmeln hattet beziehungsweise habt und ein bleibendes.
Erinnerung, Vorbilder und geistliche Neuorientierung
Also denkt zurück: Das ist recht praktisch für uns persönlich. Was soll man tun, wenn man merkt, dass man kühl wird, dass der Eifer nachlässt, dass man kalt wird oder nicht mehr so, so, so, so, ja, wie es früher war? Was soll man tun?
Nun, zurückdenken an die eigene frühere Hingabe und an die Hingabe anderer Leute. In Kapitel 11 wird er uns ganz viele vor Augen führen. Den Herrn Jesus neu anschauen, in Kapitel 12 wird er uns das zeigen, neu den Herrn Jesus vor Augen führen, sein Vorbild, aber auch seine Kraft. Er ist die Quelle unserer Kraft. Sich das vor Augen führen. Wieder neu die Belohnung, das Ziel sich vor Augen führen. Wohin gehst du? Wohin gehen wir?
Einfach neu besinnen: Was ist eigentlich passiert mit mir? Viele Leute sind so in den Trubel eingespannt, und man hat keine richtige Zeit mehr, sich mal zurückzusetzen und nachzudenken über sich selber. Denken wir über uns selber nach, und denken wir über das Ziel nach, und denken wir über unseren wunderbaren Herrn nach.
Von Georg Müller erzählt man sich: Als er in jungen Jahren war, war er recht kalt geworden gegenüber dem Herrn. Dann hat er sich hingekniet in den Schnee. Er war gerade irgendwo draußen, und da ist ihm das neu bewusst geworden, seine Kälte. Und da hat er sich in den kalten Schnee gekniet und hat gebetet: Herr, mach mich wieder heiß für dich. Eine halbe Stunde lang gebetet dort auf dem Knie, hat ganz vergessen, wo er kniet, und hat sein Leben neu dem Herrn ausgeliefert.
Und was hat der Herr getan aus diesem Menschen? Man redet heute noch von Georg Müller und von diesen großen Glaubenstaten. Georg Müller hat gesagt: Die Kinder haben mir leid getan, aber nicht wegen der Kinder habe ich das gemacht. Und die Not war groß, nicht wegen der Not habe ich es gemacht. Das Erbarmen, das ich hatte für diese Leute, war auch groß, für die Kinder, aber nicht wegen dem habe ich es gemacht. Ich habe es gemacht, dass in dieser Welt sichtbar wird, dass es einen Gott gibt, dem man vertrauen kann, dass es einen großen Gott gibt, dem man Großes zutrauen kann. Das wollte ich den Gläubigen zeigen, das wollte ich dieser Welt zeigen, dass Gott noch der gleiche Gott ist.
Und was war das? Was hat er dem Herrn zugetraut? Was ist geworden aus diesem Mann Gottes? Er hat sein Leben neu dem Herrn überhingegeben, hat Buße getan, und der Herr hat ihn gebraucht.
Das war nur ein kurzer Ausflug jetzt.
Vertrauen, Ausdauer und die Folgen des Glaubens
Wieder zurück: Vers 35 bis 39. Wie sollen wir festhalten? Eine vierte Antwort: Werft euer Zutrauen nicht weg, eure Freimütigkeit, euer Vertrauen, euer Zutrauen, eure Zuversicht. Werft also eure Zuversicht nicht weg.
Durch diesen Text ziehen sich jetzt zwei Linien. Das eine ist: Was ist es, das sie zu tun haben? Und das andere ist: Was sind die Folgen, wenn sie nicht wegwerfen?
Schauen wir uns das jetzt kurz an. Zuerst: Was ist es, das jetzt zu tun ist?
Das Erste: die Freimütigkeit nicht wegwerfen. Also die Sorgen soll man wegwerfen. Die Sorgen, das heißt: Werft eure Sorgen weg. Aber die Freimütigkeit nicht wegwerfen, die Zuversicht, das Zutrauen zu Gott. Pflegen wir die Beziehung, pflegen wir die Vertrauensbeziehung.
Ich muss lernen, mit meiner Frau Beziehung zu pflegen. Denn wenn ich nicht mit meiner Frau Beziehung pflege, dann kriegen wir Probleme. Dann merken wir: Wir haben uns auseinandergelebt. Wir leben für den Herrn und leben uns dabei auseinander. Das geht nicht. Also muss ich lernen, mir mit meiner Frau mehr Zeit zu nehmen und die Beziehung zu pflegen.
Ich bin viel zu Hause, aber gerade weil ich viel zu Hause bin, vergesse ich, dass ich extra intensive Zeit mit meiner Frau brauche. Ich habe mein Büro zu Hause. Das ist eine große Gefahr. Dann arbeitet man nämlich am Abend auch noch im Büro. Dann vernachlässigt man die Beziehung. Dann kriegt man Probleme.
Und so ist es mit dem Herrn auch: Beziehung pflegen. Christenleben ist eine Beziehungssache, und die muss gepflegt werden. Und wenn ich keine Zeit habe für die Beziehung, dann wäre es besser, ich wäre nicht Christ geworden. Wäre besser gewesen, ich lebe mein Leben und lebe es für die Hölle. Aber wenn ich keine Zeit habe, eine Beziehung mit Gott zu pflegen, lassen wir die Sache. Also: Christsein bedeutet Beziehung pflegen. Werft das Zutrauen, das Vertrauen, die Zuversicht zu diesem Gott und das Beziehung-Halten nicht weg.
Und dann weiter: „Nachdem ihr den Willen Gottes getan habt“ heißt in Vers 36 also, den Willen Gottes festhalten. Ich muss mich damit beschäftigen, muss dranbleiben am Willen Gottes. Und das Nächste ist: nicht zurückweichen, Vers 38. Wir sind nicht des Zurückweichens. Und das Vierte ist: „Der Gerechte wird vom Glauben leben“, also vom Glauben her leben.
Und wenn ich die vier Dinge tue, was kriege ich? Was ist die Folge? Was sind die Folgen?
Wenn wir hier Ausdauer haben, bekommen wir Belohnung, Vers 35. Dieses Vertrauen hat eine große Belohnung. Die Belohnung ist ewiges Leben. Nicht Leistungsdenken. Das hat überhaupt nichts mit Leistung zu tun. Wir werden nicht für Leistung belohnt, wir werden einfach belohnt, als Geschenk.
Wenn wir von Lohn denken, wenn wir Lohn hören, dann meinen wir: Da hat man gearbeitet, jetzt kriegt man den Lohn. Das ist nicht gemeint. Das ist ein Lohn als Geschenk, ein großes Ergebnis, ein großes Geschenk.
Wenn wir den Willen Gottes tun, erhalten wir die Erfüllung der Verheißung. Ihr habt Ausdauer nötig, damit ihr, nachdem ihr den Willen Gottes getan habt, die Verheißung davontragt. Wir tun den Willen Gottes, wir bekommen die Verheißung. Das heißt die Erfüllung der Verheißung. Ausdauer, Standhaftigkeit, dann bekommen wir die Erfüllung der Verheißung.
Und dann Wohlgefallen: Wir bekommen Wohlgefallen. Gott hat an uns Wohlgefallen, Vers 37 und 38. Wer zurückweicht, an dem hat Gott kein Wohlgefallen. Folgedessen werden wir, wenn wir nicht zurückweichen, an dem hat Gott Wohlgefallen. Gott freut sich.
Und das Vierte: Gewinnen der Seele, Vers 39. Wir sind nicht des Zurückweichens zum Verderben, sondern des Glaubens zum Gewinnen der Seele.
Ich habe das jetzt auseinandergenommen, einfach bewusst, um das noch einmal so aufzureihen. Schauen wir uns den Text noch ein bisschen an.
Die Wiederkunft Christi, Zeichen und Geduld Gottes
Vor allem diese Verse hier, Vers 37, Vers 37, denn noch ein wenig, wie sehr, wie sehr, Doppelpunkt. Hier müssen wir genau übersetzen. Das Griechische ist hier ganz eigenartig, so bruchstückhaft, aber das ist ja natürlich auch ein Zitat aus Habakuk: denn noch ein wenig, wie sehr, wie sehr, wie klein, wie klein, wenig, der, der da kommt, wird kommen, und er wird nicht verziehen.
Aber der Gerechte wird vom Glauben her leben, und wenn er zurückweicht, hat meine Seele nicht wohlgefallen an ihm. Aber wir sind nicht des Zurückweichens zum Verderben, sondern des Glaubens zum Gewinnen der Seele.
Also der Hebräer-Schreiber zitiert hier wieder gleich drei Verse. Das eine ist zweimal Habakuk 2,3, einmal Habakuk 2,3 und zweimal Habakuk 2,4, ohne dass er lange sagt, dass das im Alten Testament steht. Er sagt nicht: Es steht geschrieben. Sondern er nimmt die Verse direkt auf, ein bisschen in einer anderen Reihenfolge, als sie dort stehen.
Und was heisst das, Vers 37? Denn noch ein Weniges, wie sehr, wie sehr Weniges: der, der kommt, der wird kommen. Das war für mich immer ein schwieriger Vers. Ich habe gerätselt und gerätselt und gerätselt über diesen Vers. Ich habe immer gedacht, dieser Vers heisst so: Es ist nur noch eine ganz kurze Zeit, dann wird der Herr kommen. Aber das steht nicht so da. Es steht nicht da: Noch eine ganz, ganz kurze Zeit, und dann kommt der Herr. Dann müsste man sich sagen: Das stimmt ja gar nicht. Im Jahre 68 eine ganz, ganz kurze Zeit, dann kommt der Herr? Dieses ganz, ganz kurz ist ganz schön lang geworden, über 1900 Jahre, fast bald 2000 Jahre.
Aber was sagt er hier? Er sagt: Dennoch ein Weniges, wie sehr, wie sehr Weniges. Es ist nicht viel, es ist weniger, es ist etwas Geringes hier. Es ist Geringes. Der, der kommt, wird eines Tages kommen, wann wissen wir nicht. Aber hier, im Vergleich zu dem Grossen, was dann kommt, ist es etwas Kleines, Kleines. Was ist unser Leben? Was ist unsere Lebenszeit? Das ist doch nicht viel im Vergleich zur Ewigkeit. Noch ein weniges Leben hier, noch ein weniges Leiden hier, noch ein weniges Verzichten hier, aber der, der kommt, hat versprochen, dass er kommen wird.
Also hier ist ein Doppelpunkt zu setzen. Hier ist nicht ein Komma oder ein Punkt. Man kann auch setzen: Noch ein klein wenig, ein klein wenig, wie sehr, wie sehr klein ist es? Der, der kommen wird, oder der, der kommt, von dem es heisst, dass er kommt, der wird schon kommen, der wird kommen. Das ist also nicht der Ausdruck „wenige“. Es ist nicht eine Angabe der Zeitdauer, wie lange es noch dauert bis zur Wiederkunft. Das ist hier gar nicht vom Griechischen her, auch wenn man das so übersetzt, im Deutschen so wörtlich. Dann muss man das gar nicht da hineinlesen.
Ausserdem übrigens: Die Apostel haben gewusst, dass es noch eine Zeit lang dauern wird. Die Apostel haben gewusst, Petrus hat gewusst, dass es dauert, dass er noch sterben wird vorher. Es gibt Leute, die sagen, der Herr Jesus, die Apostel hätten so gelehrt, als ob der Herr Jesus jeden Tag wiederkommen könnte. Das stimmt nicht, Geschwister. Sie haben nicht gelehrt, dass der Herr Jesus jeden Tag wiederkommen könnte. Sie haben sehr wohl gewusst, dass eine gewisse Zeit ablaufen wird.
Wenn Petrus sagt, der Herr habe ihm geoffenbart, dass ich sterben werde, dann weiss er, dass der Herr nicht jeden Tag kommen kann. Dann stirbt er nicht. Wenn Petrus sagt: Ich werde sterben, der Herr habe mir geoffenbart, ich werde sterben, dann weiss Petrus ganz genau: Heute kann er nicht kommen, es sei denn, ich sterbe vorher noch, und dann nachher kommt er, ja, dann wäre es möglich. Aber ansonsten nicht. Vorher muss ich noch sterben, etwas wird noch geschehen vorher: mein Tod. Dann wird der Herr erst kommen.
Oder Paulus hat auch gewusst: Die Zeit meines Abscheidens ist gekommen, sagt er im 2. Timotheusbrief. Oder er sagte: Ich muss noch nach Rom. Ich weiss, der Herr hat mir gezeigt, ich muss noch nach Rom. Dann hat doch Paulus gewusst, dass der Herr nicht jederzeit kommen kann. Er muss vorher nach Rom. Erst wenn Paulus in Rom ist, kann der Herr kommen. Denn er hat gesagt, er soll noch nach Rom kommen. Er hat nicht so gelebt, als ob der Herr jeden Tag kommen könnte.
Ich weiss, es gibt Bücher, die werden stark verbreitet, dass der Herr jeden Moment kommen könnte. Jedenfalls im Neuen Testament haben das die Apostel nicht so gelehrt. Ich will das nur so sagen. Ich kann jederzeit zu ihm kommen, ja, das stimmt. Ich kann heute in zwei Sekunden umfallen, tot sein und beim Herrn sein. Das kann ich, und ich muss bereit sein.
Wie sollen wir lehren? Jedenfalls so, dass wir bereit sind, aber nicht unbedingt so, dass wir sagen: Der Herr kann jeden Moment kommen. Stimmt es? Ist das wirklich so? Lehrt die Schrift wirklich, dass der Herr jeden Moment kommen könnte? Dann bitte, wo steht das in der Bibel, dass es jeden Moment sein könnte? In Matthäus 24 steht es nicht. In Matthäus 24 steht, dass wir uns treu unseren Dienst tun sollen. Und dann steht dort: Der Dieb, wenn der Dieb kommt, der Dieb kommt zu einer Zeit, wo man es nicht weiss. Und gerade weil man nicht weiss, wann der Dieb kommt, soll man auf die Zeichen achten.
Vielleicht sollte man das kurz lesen, aber ich möchte mich nicht lange da ergehen, sondern vielleicht nur einfach ein paar Gedanken, Anregungen. Studieren Sie weiter in dieser Hinsicht. Matthäus 24. Ich habe mich mal längere Zeit damit befasst, weil ich das sehr, sehr oft gehört habe, diese Aussagen: Der Herr kann jederzeit kommen. Ich weiss nicht, wann er kommt, das ist richtig. Aber der Herr hat doch von Zeichen gesprochen, die seinem Kommen vorausgehen. Und wenn Zeichen seinem Kommen vorausgehen, dann soll man wachsam sein und auf die Zeichen achten, die seinem Kommen vorausgehen.
Wachet stets, denn ihr wisset nicht, zu welcher Stunde der Herr kommt. Das ist absolut richtig. Keiner von uns weiss, zu welcher Stunde er kommt. Aber gerade deshalb, weil wir nicht wissen, wann er kommt, kommt er um zwölf, kommt er um zwei, kommt er um drei, um vier, um fünf, sechs, in welcher Nachtwache er kommt. Oder ich nehme jetzt das Bild, das der Herr Jesus gebraucht. Matthäus 24, haben wir es gehabt? Nein, das wollte ich noch nicht. Ich weite weiter hinten. Ja, danke.
Wacht also stets, weil ihr nicht wisst, zu welcher Stunde euer Herr kommt. Jenes aber nehmt zur Kenntnis: Hätte der Hausherr gewusst, in welcher Wache der Dieb kommt, hätte er gewacht und nicht zugelassen, dass man sein Haus durchgrabe. Also, da ist der Hausherr, und er weiss nicht, wann der Dieb kommt. Wenn er gewusst hätte, in welcher Stunde er kommt, dann hätte er gewacht.
Und es ist doch schön, wenn man weiss: Heute kommt der Dieb, aber ich sage dir nicht, wann. Was machen wir, wenn wir wissen: Heute Nacht kommt der Dieb, aber wir wissen nicht wann? Was machen wir? Na gut, dann müssen wir mal eine Nacht wachen. Da werden wir unsere Wächter aufstellen, oder einer wird uns ablösen, oder in der Familie schaut einmal der eine beim Fenster raus und der andere usw. Und jeweils dann horcht man: Gibt es ein Knacken? Gibt es ein Gartentor, das sich bewegt? Oder gibt es irgendwelche Gestalten, die um das Haus herum huschen? Wir schauen. Wir schauen sehr gut, oder? Und dann sind wir nicht überrascht, weil wir schauen. Das heisst, wir schauen auf die Zeichen, so dass wir dann, wenn er kommt, nicht überrascht sind.
Und genauso ist es mit dem Herrn. Der Herr kommt zu einer Stunde, wir wissen nicht wann. Was machen wir da? Wir sind sehr wachsam und schauen, wann er kommt. Und dann sehen wir Zeichen. Das griechische Wort kann sehr wohl rasch, mit Geschwindigkeit, schnell heissen: Ich komme schnell, ich komme bald. Aber das muss nicht heissen, das bedeutet nicht notwendigerweise, dass er jeden Augenblick kommen kann.
Der Herr Jesus selber hat ganz klar gesagt, dass seinem Kommen Zeichen vorausgehen werden. Das haben wir in Matthäus 24, Vers 3. Da fragen sie: Was ist das Zeichen deiner Ankunft? Die Jünger, Vers 3: Was ist das Zeichen deiner Ankunft? Dann sagt der Herr Jesus, sie sollen aufpassen, sie sollen zusehen, dass sie niemanden verführt, und sie sollen darauf achten, dass sie niemanden verführt. Und dann redet er von einigen Dingen, und dann sagt er immer: Das ist erst der Anfang, das ist erst der Anfang, das ist noch lange nicht das Ende, oder?
Und dann sagt er in Vers 14: Und die gute Botschaft wird verkündigt werden allen Völkern zum Zeugnis, und dann, dann kommt das Ende. Und dann sagt er: Wenn ihr also den Gräuel der Verwüstung stehen aufgestellt sehen werdet. Ah, was ist das Zeichen? Haben sie gefragt, und jetzt sagt er: Bitteschön. Dann sage ich euch jetzt das Zeichen. Und jetzt spricht er sehr detailliert ab Vers 15 über ganz, ganz konkrete Zeichen, und zwar in Palästina, nicht in der Schweiz, nicht in Deutschland, aber in Palästina.
Das heisst, die Jünger wissen ganz genau Bescheid, und das ist nicht 70 nach Christus, wovon er hier spricht. Da kann ich jetzt nicht darauf eingehen. Ich will nur so ein paar Gedanken, Anregungen geben. Studieren Sie in dieser Richtung weiter. Der Herr hat gesagt, es gibt Zeichen, die seinem Kommen vorausgehen, und deshalb sollen wir wachsam sein auf die Zeichen. Dann sind wir nicht überrascht, dass er kommt. Mehr wollen wir jetzt nicht sagen, aber die Gedankenanregung ist mal da. Wir müssen ja sowieso alle studieren und nachdenken und schauen, ob das stimmt.
Und er wird nicht verziehen, er wird nicht säumen. Er wird ohne Verzug kommen. Das Ausbleiben, dass er jetzt schon längere Zeit ausgeblieben ist, ist nicht ein Verzug, sondern Rettungswille Gottes. 2. Petrus 3,9. Der Herr ist nicht säumig mit der Verheissung, wie es etliche für einen Verzug, für eine Saumseligkeit achten, sondern er ist geduldig gegen uns. Er will nicht, dass irgendwelche ins Verderben gehen, sondern dass alle Raum zur Busse haben. 2. Petrus 3,9.
Der Herr ist nicht säumig mit der Verheissung. Der Herr ist nicht einer, der, der Herr Jesus, die Sache nicht so ernst genommen hat, der kommt zu spät. Nein, das ist ganz bewusst. Das ist kein Verzug, das ist ein Rettungswille Gottes. Das ist ganz bewusst geplant, damit noch weitere zum Glauben kommen und dass die Gläubigen auch, wenn welche da sind, die es nötig haben, Raum zur Busse haben. Menschen, die nicht gläubig sind, oder Menschen, die jedenfalls einen Bus haben, können ja auch gläubig gemeint sein. Er sagt, er ist geduldig gegen uns, gegen uns Menschen oder gegen uns Gläubige. Er will nicht, dass welche ins Verderben gehen.
Glaube, Gerechtigkeit und das Wohlgefallen Gottes
Also, ja, Vers 38: Der Gerechte aber wird aus Glauben leben. Der Gerechte ist gerecht durch den Glauben. Gerecht gemacht aus Glauben haben wir Frieden mit Gott durch unseren Herrn Jesus Christus. Römer 5,1.
Der Gerechte kommt zum Glauben, das ist der Schlüssel. Der Mensch kommt zum Glauben, dann wird er ein Gerechter. Das ist der Schlüssel. Und wenn er gerecht ist, dann muss er weiterhin glauben. Der Gerechte lebt aus Glauben.
Aber wir sind nicht die, die zurückweichen. Jetzt halte ich inne, ich habe etwas vergessen: Der Gerechte lebt aus Glauben, und dann heißt es: Wenn er zurückweicht. Wer, wenn wer zurückweicht? Der Gerechte. Wenn der Gerechte zurückweicht, dann wird meine Seele kein Wohlgefallen an ihm haben.
Der Gerechte, nicht der Mitläufer. Wenn er, der Gerechtgemachte aus Glauben, zurückweicht, dann ist nicht der Mitläufer gemeint. Der Mitläufer kann nicht zurückweichen, der Mitläufer ist schon zurück. Der ist noch gar nicht nach vorne gekommen, der ist schon zurückgewichen, schon von Anfang an. Der hat nie den Schritt unternommen, so in diese Richtung. Also geht es hier nicht um einen Mitläufer, sondern um den Gerechten, wenn er zurückweicht. Dann hat meine Seele kein Wohlgefallen an ihm.
Manche wollen hier übersetzen: Die alte Elberfelder hat hier übersetzt: Wenn man zurückweicht. Aber das ist eine etwas eigenwillige Übersetzung. Es ist auch ganz selten, dass man eine Bibelübersetzung findet, in der das mit Mann übersetzt wird. Ein paar englische Übersetzungen gibt es noch, die das mit Mann übersetzen. Aber vom Griechischen her würde dann ein Jemand stehen, das kleine Wörtchen tis heißt das auf Griechisch. Das steht aber nicht da. Es steht einfach: Wenn er zurückweicht. Das Subjekt ist vorausgesetzt, das ist schon vorgegeben vom vorherigen Satz. Und es wäre nicht richtig vom Griechischen her, wenn man da jetzt mit Mann übersetzt.
Die Revidierer der Elberfelder haben es wieder korrigiert. Die haben es richtig gemacht. Die revidierte Elberfelder hat es wieder ganz richtig: Wenn er zurückweicht. Ich weiß nicht, ob Sie dort eine Fußnote gesetzt haben. Hat jemand die Elberfelder, die revidierte Elberfelder? Ist dort auch eine Fußnote? Keine? Ja, da haben Sie gut gearbeitet. Sie haben gesehen, die alte Elberfelder hat hier nicht fair übersetzt. Richtig übersetzt ist es mit er, nämlich der Gerechte, wenn er zurückweicht.
Gut, dann hat meine Seele kein Wohlgefallen. Und was heißt das, wenn Gott übrigens sagt: Meine Seele? Gottes Seele, meine Seele. Hier sehen wir: Der Begriff Seele ist sehr breit. Er heißt einfach Person. Meine Seele heißt: ich. Dann habe ich kein Wohlgefallen, sagt Gott, an ihm.
Wohlgefallen ist hier schwarzweiß. Wohlgefallen heißt gerettet, kein Wohlgefallen heißt verloren. Es geht hier um eine ganz ernste Sache. Das können wir aus Vers 39 schließen, wenn wir nicht vom Zurückweichen zum Verderben sind. Also: Die, die zurückweichen, an denen hat Gott kein Wohlgefallen. Die gehen ins Verderben. Die, die bleiben, die aus Glauben leben, die gewinnen die Seele. Das heißt: Sie gewinnen die Seele für ewig, sie gewinnen sie als ewigen Besitz. Das heißt, sie werden gerettet.
Fragen dazu, Gedanken dazu?
Der Blick auf Hebräer 11 und das Wesen des Glaubens
Dann gehen wir weiter zu dem, jetzt kommen wir zu Römer 2, das ist jetzt der zweite Teil des Hebräerbriefes, Kapitel 11. Der erste Teil war Kapitel 1 bis 10. Jetzt kommt etwas ganz Neues, das heißt: ganz neu ist es nicht, aber es ist ein neuer Blickwinkel.
Der Schreiber schildert nun den Glauben, der Gott die Treue hält, oder den Glauben, der festhält. Den Glauben: Wie sieht der aus, wenn ein Glaube seine Zuversicht nicht wegwirft? Und dann gibt es in den Kapiteln 12 und 13 weitere Aufforderungen; das ist dann ein dritter Teil.
Aber hier, im zweiten Teil, also in Kapitel 11, steht das ganz gesondert da: eine Schilderung des Glaubens, der Gott die Treue hält. Und in den ersten drei Versen spricht er vom Wesen des durchtragenden Glaubens, A, groß A, vom Wesen des durchtragenden Glaubens, Hebräer 11,1-3.
Warum kommt er jetzt überhaupt zu diesem Kapitel? Was ist der Zusammenhang mit den anderen Kapiteln? Nun, er hat jetzt mehrmals darauf aufmerksam gemacht, dass der Gerechte aus Glauben lebt, dass es darum geht, in Zuversicht des Glaubens hinzuzutreten. Wir sind es, die glauben, hat er in Kapitel 4 gesagt. Wir sind es also, wir, die glauben, wir gehen in die Ruhe ein.
Und jetzt geht es darum: Was heißt denn jetzt glauben? Was ist das für ein Glaube, der durchträgt? Wenn der ganze Schlüssel meines Heils am Glauben ruht, dann möchte ich jetzt genau wissen: Was ist das für ein Glaube?
Er zeigt also jetzt, dass es bereits im Alten Testament um Glauben ging. Er führt eine ganze Reihe von Glaubenszeugen an. Und er möchte dadurch den Lesern Mut machen, dass sie treu bleiben, dass sie auch so glauben wie diese Glaubenszeugen. Und dann hat er sie vorbereitet auf das, was er in Kapitel 12 und 13 noch sagen wird.
Die innere Struktur des Glaubens
Also, sehen wir uns die Verse an: Was ist also Glaube? Ganz am Anfang sagt er das. Das ist ganz typisch für einen hebräischen Schreiber: Er macht keine langen Einleitungen, sondern geht sofort ins Zentrum. Er kommt gleich zum Punkt.
Was ist Glaube? Es ist der Glaube als standhafte Zuversicht des Gehofften. Und dieses Wort hier müssen wir uns ein wenig näher anschauen, denn es ist ein ganz schwierig zu übersetzendes Wort. Es beinhaltet aber so viel, dass man hier, wir haben hier in Klammern, Herbert Janssen hat in seiner Übersetzung drei Klammerbegriffe hinzugefügt, weil alles zutrifft. Man könnte auch Fußnoten setzen, aber man will es im Text haben, weil das alles sehr wichtige Ausdrücke sind.
Also, es ist der Glaube, die standhafte Zuversicht, die Substanz oder Gewissheit, das Vorwegnehmen des Gehofften. Das ist der Glaube: die Zuversicht dessen, was man hofft, die Gewissheit dessen, was man hofft, ein Vorwegnehmen dessen, was man hofft. Und dann ist da noch das Zweite: das Überführtsein von Dingen, die man nicht sieht, die nicht gesehen werden.
Also, die Substanz dessen, was man hofft. Was ist es, was wir hoffen? Wir hoffen auf diese herrliche Verheißungserfüllung, auf das, was er uns verheißen hat. Wir hoffen auf ein wunderbares Erbe. Und jetzt nehme ich im Glauben schon das vorweg. Ich rechne hier mit einer Wirklichkeit, die ich nicht sehe.
Vorher haben wir darüber gesprochen, dass der Christ in zwei Wirklichkeiten lebt. In der einen Wirklichkeit leben wir sehr stark, aber wir sehen sie nicht. Das ist in Christus. Paulus redet immer wieder davon, dass wir in Christus sind und was wir in Christus haben. Wir sind in Christus, wir sind in ihm. Und das ist äußerst wichtig, weil das unser eigentliches Leben in Christus ist. Aber wir sehen es nicht. Wir sitzen da in Höningen in einem Saal und sehen nichts. Wir sehen nicht einmal den Herrn selbst, geschweige denn das, was wir alles in ihm haben. Wir sehen das nicht, aber es ist eine Wirklichkeit.
Unsichtbare Realitäten im Alltag des Glaubens
Und von daher: Wenn ein Christ das versteht, mit dieser Wirklichkeit zu rechnen, mit dieser unsichtbaren Wirklichkeit, dann hat er viel verstanden. Dann hat er einen grossen Vorteil. Dann hat er das Eigentliche verstanden.
Er rechnet mit zwei Wirklichkeiten, nämlich mit der Wirklichkeit, die er sieht, aber noch viel mehr mit der Wirklichkeit, die er nicht sieht, die aber trotzdem real ist in Christus. Ein solcher Mensch hat sich heute auf diese Dinge eingerichtet, die noch unsichtbar sind. Wir haben uns auf Dinge eingerichtet, die unsichtbar sind, die wir aber eines Tages alle sehen werden.
Ich gebe ein paar Beispiele, dann ist es leichter. Mit Beispielen ist es leichter. Ich gebe hier sechs Beispiele.
Eines Tages wird Gott mir sichtbar sein, oder? Ganz klar, eines Tages werde ich Gott sehen. Und was mache ich jetzt? Ich lebe einfach so, als ob Gott sichtbar wäre. Ich knie mich hin und bete zu ihm, hebe meine Augen auf oder schliesse meine Augen, je nachdem, und bete zu ihm und spreche mit ihm laut, als ob er vor mir stehen würde. Aber er ist gar nicht sichtbar da. Was die sichtbare Welt betrifft, ist er nicht da. Was die Wirklichkeit betrifft, ist er in Christus sehr wohl da, aber ich sehe ihn nicht.
Das heisst, ich tue so, als ob ich ihn sehen würde, und gehe mit ihm so um, spreche mit ihm so, als ob er jetzt da wäre. Ich bewege mich so stark in dem Bewusstsein seiner Gegenwart, dass ich sogar, wenn ich mit anderen Leuten spreche, daran denke: Der Herr ist da, und ich soll aufpassen, wie ich rede. Das hilft mir sehr. Es hilft mir ungemein.
Mose hat das auch gemacht. Er lebte so, als sähe er den Unsichtbaren. Kapitel 11, Vers 27, wir werden von ihm gleich noch lesen. Er lebte so, als sähe er den Unsichtbaren. Vers 27.
Zweites Beispiel: Eines Tages wird Gottes Königreich öffentlich sichtbar aufgerichtet werden. Und was mache ich jetzt? Ich lebe heute in dem Bewusstsein, dass dieses Königreich unsichtbar ist. Ich lebe so, wie wenn es sichtbar wäre. Ich lebe so, wie wenn es sichtbar wäre, und ich denke dann: Es wird bald sichtbar aufgerichtet werden.
Das heisst, ich setze mich ein für das Königreich, und ich möchte mit diesem König zusammenarbeiten. Ich diene im Reich Gottes. Ich sehe es nicht, oder? Ich sehe einige Gläubige, das ist schon Reich Gottes. Da sehe ich ein bisschen etwas. Da sehe ich schon etwas, wenn sie singen, wenn sie beten, wenn sie das Wort Gottes weitergeben. Dann merkt man: Ah, da ist etwas. Da ist das Reich Gottes schon Realität.
Aber das meiste sehen wir nicht. Und wenn ich im Zug sitze und mir sitzt ein Christ gegenüber und er macht den Mund nicht auf und ich auch nicht, dann weiss ich gar nicht, dass sich jemand vom Reich Gottes mir gegenüber sitzen hat. Aber erst wenn wir sprechen und wenn wir vom Herrn reden und wenn die Augen leuchten und so weiter, dann merkt man: Ah, da ist etwas los, da ist Reich Gottes.
Drittes Beispiel: Eines Tages werde ich erben, werde das neue Jerusalem sehen, und einmal werde ich völlig von der Sünde enthoben sein. Das heisst, ich werde nicht mehr in der Gegenwart der Sünde sein, von Sünde behaftet sein und so weiter. Und jetzt lebe ich im Glauben an diese unsichtbaren Realitäten. Ich lebe nicht mehr ich, sondern ich konzentriere mich darauf: Christus lebt in mir.
Paulus hat so gelebt. Er hat gesagt: Ich lebe nicht mehr ich, sondern Christus lebt in mir. Ich bin gestorben, sagt er. Die Welt hat mich verloren, ich bin tot, was die Welt betrifft. Und er nimmt diese Wahrheit ganz praktisch für sich in Anspruch. Ich bin tot, und Tote reagieren nicht, wenn man sie reizt. Lass mich nicht reizen von der Welt.
Viertes Beispiel: Ich werde in der Ewigkeit nichts ohne Christus tun können. Das wissen wir, denn wir sind Abhängigkeitsgeschöpfe. Wir sind Menschen der Abhängigkeit, und Gott hat uns für Abhängigkeit geschaffen. Wir funktionieren nur, wenn wir in Abhängigkeit von Gott leben, oder? Und das wird in der Ewigkeit so sein, und zwar absolut vollkommen so sein.
Und jetzt nehme ich das im Glauben voraus. Ich lebe heute schon so und übe mich darin, dass ich lerne, nichts ohne den Herrn Jesus zu tun. Ja, das gelingt mir natürlich sehr oft nicht, aber ich bin dabei, das zu üben. Wir alle üben uns darin. Wir leben jetzt heute schon so in dieser Abhängigkeit von Jesus Christus, den wir nicht sehen.
Weitere Beispiele für gelebten Glauben
Fünftes Beispiel
Ich werde in der Ewigkeit ganz viel mit dem Herrn Jesus kommunizieren. Das weiß ich aus der Bibel, das wissen wir aus der Bibel. Denn Gott hat uns zum Kommunizieren geschaffen. Wir sind Kommunikationswesen, und der Schöpfer wollte ja immer schon mit seinen Geschöpfen kommunizieren. Das wissen wir von Eden: Adam und Eva haben kommuniziert.
Mit Gott wissen wir, dass das das Wesen des Himmels sein wird, eine herrliche Kommunikation mit Jesus Christus zu haben.
Was mache ich jetzt? Wir machen es im Glauben jetzt schon. Wir beten, und wir lernen, viel mit dem Herrn Jesus zu sprechen. Wir lernen es, wir rechnen mit einer Realität Gottes. Und egal, was wir fühlen, was wir empfinden, wir sprechen mit ihm. Und wir sprechen zwischendurch, wenn wir auf dem Fahrrad sitzen oder wohin fahren oder im Auto sitzen und alleine sind, wir sprechen mit ihm. Wir leben in diesem Bewusstsein: Er ist da, und ich darf mit ihm sprechen.
Sechstes Beispiel
Eines Tages werde ich belohnt werden, und jetzt habe ich die Belohnung schon innerlich vor Augen und freue mich auf diesen Tag. Ich nehme das schon in einem gewissen Sinne vorweg, wie das Kind, das mal etwas sagt: Wenn du das und das machst, dann kriegst du eine Belohnung, oder? Wenn der Papa heimkommt, dann kriegst du etwas.
Und das Kind freut sich, wenn der Papa heimkommt. Ja, es freut sich jetzt schon, obwohl der Papa noch gar nicht da ist. Aber es bemüht sich, der Mutter Freude zu machen, weil es weiß: Wenn der Papa heimkommt, dann wird es schön. Das heißt, es wirkt sich auf das Leben des Kindes aus. Und genauso auch auf uns.
Wir sollen in der Vorfreude auf dieses herrliche Ziel leben. Das ist Glauben. Es ist ein Vorwegnehmen dessen, was man hofft, dessen, was man in der Zukunft ganz gewiss bekommen wird. Der Glaube ist das Vorwegnehmen des Gehofften. Eine standhafte Zuversicht, ein ganz zuversichtliches Beharren auf dem, was man hofft: Ich werde es ganz sicher bekommen.
Und ein Überführtsein steht hier noch im Text. Der Glaube ist ein Überführtsein von unsichtbaren Realitäten, ein Überführtsein von dem, was nicht gesehen wird, also mit den irdischen, physischen Augen nicht gesehen wird. Das setzt voraus, dass es eine Mitteilung gibt. Überführt sein von einer Wahrheit setzt voraus, dass man die Wahrheit gehört hat und dass Gott uns diese Wahrheit mitgeteilt hat.
Das heißt, man setzt voraus, dass es etwas gibt, was Gott gesprochen hat, und jetzt bin ich davon überführt, überzeugt: Ja, Gott hat das gesagt, und jetzt glaube ich das. Das heißt, so ist also unser Glaube gegründet auf etwas, was Gott gesagt hat, und ich bin jetzt überzeugt: Das ist so.
Und auch wenn es unsichtbar ist und auch wenn ich nichts sehe und spüre und fühle, ich merke doch nichts, von meinen Fühlen merke ich gar nichts, dass der Herr Jesus zur Rechten Gottes sitzt. Aber ich bin überzeugt, dass er dort sitzt. Warum bin ich überzeugt? Weil das Wort Gottes in den anderen Punkten auch zuverlässig war. Dann glaube ich auch in dieser Sache, wo ich es nicht sehe. Was ich nicht sehe, glaube ich auch: ein Überzeugtsein von Dingen, die man nicht sieht, weil Gott gesprochen hat, gegründet auf das Wort der Verheißung.
Zeugnis der Alten und der Schöpfung
Weiter, Vers 2: Jetzt spricht er von dem Zeugnis. Denn in diesem, in dem Glauben oder durch den Glauben, wurde dem Älteren oder dem Alten Zeugnis abgelegt.
Das heißt: Wo ist denn der Beweis, dass Gott so glaubwürdig ist? Gibt es einen handfesten Beweis, einen weiteren Beweis für die Glaubwürdigkeit Gottes? Ja, sagt er, in der Geschichte. Und zwar in der Geschichte, in eurer Geschichte, in der israelitischen Geschichte des Alten Testaments beweist Gott, dass er glaubwürdig ist.
Und dann schaut man sich diese Leute an, die vertraut haben, und merkt: Ja, das war kein blinder Glaube. Die hatten ein Wort, worauf sie vertraut haben, und dann haben sie es erlebt. Viele sind gestorben und haben es nicht bekommen, aber sie haben es im Glauben festgehalten.
Also diese Leute, die hier uns vorausgegangen sind, diese Glaubensmenschen, sind ein Zeugnis dieses Glaubens und sind eine Hilfe für uns.
Vers 3: Das Modell des durchtragenden Glaubens.
Im Glauben vernehmen wir, dass die Welten mit ihren Zeiten, die Weltzeiten, durch Gottes Wort bereitet worden sind, so dass das Gesehene nicht aus dem geworden ist, was in Erscheinung tritt.
Da gibt es einen biblischen Bericht über die Schöpfung. Und wir vernehmen das im Glauben. Im Glauben vernehmen wir und verstehen wir, wir hören und verstehen, wir erfassen das, dass Gott die Welten durch das Wort Gottes bereitet hat.
Erste Glaubenszeugen vor der Sintflut
Vers 4 bis 40, der Rest des Kapitels also: Groß B, Beispiele dieses Glaubens, der durchträgt.
Die Beispiele kann man jetzt gruppieren. Hier ist eine Gruppierung, die in unserer Gliederung von Herbert Jantzen übernommen wurde. Es ist eine Gliederung, eine Gruppierung dieser Glaubenszeugen. Da haben wir:
A. Beispiele von durchtragendem Glauben in der Zeit vor der Sintflut, Verse 4-7
Im Glauben möchte jemand von euch bitte Hebräer 11,4-7 lesen:
Durch Glauben brachte Abel Gott ein besseres Opfer dar als Kain; durch dieses wurde ihm bezeugt, dass er gerecht war, da Gott über seine Gaben Zeugnis ablegte; und durch ihn redet er noch, obwohl er gestorben ist.
Durch Glauben wurde Henoch entrückt, sodass er den Tod nicht sah, und er wurde nicht mehr gefunden, weil Gott ihn entrückt hatte; denn vor seiner Entrückung wurde ihm das Zeugnis gegeben, dass er Gott wohlgefallen hatte.
Ohne Glauben aber ist es unmöglich, ihm wohlzugefallen; denn wer zu Gott kommt, muss glauben, dass er ist und dass er die belohnen wird, welche ihn suchen.
Durch Glauben baute Noah, als er eine göttliche Warnung empfangen hatte über die Dinge, die man noch nicht sah, von Gottesfurcht bewegt, eine Arche zur Rettung seines Hauses; durch sie verurteilte er die Welt und wurde ein Erbe der Gerechtigkeit auf Grund des Glaubens.
Er brachte ein Opfer, heißt es. Er brachte ein Opfer dar im Glauben. Nun, Glauben setzt voraus, dass er eine Offenbarung hatte. Das heißt, ein Glaube setzt ein Wort Gottes voraus, oder ein Wort von Adam und Eva, ein Wort Gottes, das Adam und Eva weitergegeben haben, an Abel.
Sein Opfer bestand aus Gaben, auch Kains Opfer bestand aus Gaben. Und der Unterschied zwischen Abel und Kain, das haben wir vor einem halben Jahr, wer dabei war, herausgearbeitet. Der Unterschied war, dass er was? Was war der Unterschied zwischen Kains und Abels Opfer? Weiß das noch jemand? Das war der große Unterschied. Ja, er gab vom Besten. Abel gab vom Besten, Kain gab irgendetwas von seinen Sachen. Aber Abel gab vom Besten der Herde, brachte Gott das Beste dar.
Es ist schwer zu übersetzen. Heißt es, soll man übersetzen: durch Glauben? Soll man übersetzen: im Glauben? Das Griechische hat einen bloßen Dativ, man müsste also übersetzen: im Glauben. Durch Glauben ist fast schon zu stark, nämlich: im Glauben an die unsichtbare Welt hat er gehandelt.
Durch welchen ihm bezeugt wurde, ein Gerechter zu sein. Also, im Glauben hat er gehandelt, und durch diesen Glauben bekam er das Zeugnis von Gott her, nämlich dass er ein Gerechter ist, weil Gott Zeugnis über seine Gaben ablegte. Gott hat sich an seinen Gaben gefreut. Das war die Bezeugung, dass er richtig gehandelt hat, gerecht gehandelt hat.
Und durch diesen Glauben redet Abel noch immer, noch heute, nachdem er gestorben ist. Das ist nur so weit.
Dann Vers 5 und 6:
Also, Abel ist der eine Glaubenszeuge. Er hat offensichtlich auf eine Verheißung, auf ein Wort Gottes hin reagiert. Er hat auf ein Wort Gottes hin gehandelt, und weil er auf dieses Wort Gottes hin gehandelt hat, hat er von Gott eine Bestätigung bekommen. Und die Bestätigung war, dass Gott das Opfer wohlgefällig angenommen hat, im Gegensatz zu Kain. So viel einfach nur.
Gute Frage! Vieles weiß man nicht genau, weil es so wenige Informationen sind. Aber vielleicht ist es deshalb so, dass Abel ja nicht mehr diese Beziehung zu Gott gehabt hat wie Adam und Eva. Adam und Eva haben ja mit Gott kommuniziert, mit Gott gesprochen usw. Abel offensichtlich nicht mehr. Die sind aus dem Paradies verstoßen worden. Abel musste ja eigentlich nur noch glauben, was ihm die Eltern berichtet haben. Und vielleicht ist es das, dass Abel, obwohl er jetzt Gott gar nicht gesehen hat, einfach auf das Wort, auf das geoffenbarte Wort, in dem Fall wahrscheinlich das, was ihm die Eltern überliefert haben, wirklich vertraut hat und dass er deshalb so gehandelt hat. Es ist sehr schwierig, etwas Genaues zu sagen, weil die Schrift schweigt. Aber das wäre eine Vermutung jetzt von meiner Seite. Hat jemand andere Vermutungen? Oder zusätzliche? Es ist nicht so einfach.
Hat das etwas zu tun mit dem, was er im Wagen gemacht hat?
Ja, das hat man sich auch gefragt. Manche haben gesagt, weil das Tier ein Blutopfer war, da musste das Tier getötet werden, war ein Blutopfer, und Gott gefällt das Blutopfer. Dieser Gedanke ist sehr schön, aber der ist halt nicht im Text. Denn wir erfahren ja aus der Bibel, dass Gott nicht nur Blutopfer haben möchte. Wir haben sie sogar im Hebräerbrief gelesen: Opfer und Gaben, Opfer einerseits, Blutopfer und Speiseopfer und andere Gaben andererseits. Es gab ja auch unblutige Opfer, die Gott dargebracht wurden. Und Erstlingsfrüchte: Bei der Ernte hat man dem Herrn die Erstlingsfrüchte gebracht oder die Erstlinge der Ernte, die Gabe hat man ihm gebracht, schon bei der Getreideernte, oder? Und dann die Früchte hat man Gott gebracht.
Also, dass das etwas Schlechtes gewesen sei von Kain, dass er Früchte gebracht hätte, das ist nicht richtig, ganz sicher nicht richtig. Ja, wir wollen gerne das Blut hineinlesen, aber vergessen wir nicht: Im Alten Testament sagt Gott ausdrücklich, sie sollen von der Ernte bringen. 5. Mose, ich weiß nicht, 5. Mose, ich habe es nicht mehr im Kopf, zwölf oder so, gibt es ja diese Regelungen von der Ernte, dass sie die Ernteopfer, dass sie dem Herrn von der Ernte bringen sollen. Das ist also ein ausdrückliches Gebot, dass man von der Ernte etwas gibt. Das darf man dem Kain nicht ankreiden, dass er das getan hat. Es ist doch schön, dass er das getan hat, aber er hat nicht das Beste.
Und die Bibel sagt uns, das Neue Testament sagt uns, dass das Herz des Kain nicht in Ordnung war, oder? 1. Johannes 3 lesen wir, dass es innerlich mit Kain nicht stimmte. Das war 1. Johannes, ich weiß nicht mehr, Vers 8, Vers 10, 12, 12: Aus dem Bösen war er, 1. Johannes 3,12, nicht so wie Kain, aus dem Bösen war er, und er schlug seinen Bruder, er war aus dem Bösen.
Da kann man sich jetzt immer noch fragen: Ja, wann? Seit wann? Wann kam das Böse in ihn? War das schon vorher oder nach dem Opfern? Das ist natürlich auch nicht geklärt. Die Werke seines Bruders waren gerecht, und seine Werke waren böse. Aber es fällt auf, dass im biblischen Bericht steht, dass Abel das Beste brachte, und bei Kain nicht. Das, denke ich, sollen wir nicht unbeachtet lassen. Aber mehr können wir nicht sagen.
Henoch, Gericht und das Leben im Glauben
Zum Henoch, Verse 5 und 6:
Im Glauben wurde Henoch versetzt. Ob es eine Entrückung war, im klassischen Sinn? Das biblische Wort hier ist nicht das gleiche wie für entrücken in 1. Thessalonicher 4. Dort ist ein anderes Wort verwendet. Das Wort heißt einfach, von einem Ort an den anderen versetzen: metatithemi. Meta heißt sozusagen hinüber, und setzen. Das andere Wort heißt setzen.
Wörtlich übersetzt ist es versetzt. Nur klingt das Wort für uns ein bisschen ungewohnt. Aber man möchte ja möglichst genau übersetzen. Im Glauben wurde Henoch versetzt. Natürlich war es letztlich das Gleiche wie eine Entrückung. Gott hat ihn einfach weggenommen, woanders hingesetzt, nämlich in die unsichtbare Welt hineingesetzt, so dass er den Tod nicht sah. Das heißt nicht, er lebte, und er wurde nicht gefunden.
Ja, was lesen wir? Er hielt Schritt mit Gott, lesen wir. Also er wandelte mit Gott, lesen wir im biblischen Bericht. Er hielt Schritt mit Gott, er wandelte mit Gott. Und das heißt, er ging jeden Schritt mit Gott. Er lernte Gott wirklich gut kennen. Arg zu viel hat er nicht gewusst von Gott. Einiges wusste er von Gott, von der Überlieferung über Adam und Eva, was dann auf ihn gekommen war. Aber was er wusste, das reichte ihm aus. Mit so wenig Erkenntnis reichte es ihm aus, um mit Gott ein enges Verhältnis zu pflegen.
Ich habe ein Buch gelesen von Oswald Sanders. Es hat mich sehr bewegt. Es ging um Leitung, Leiterschaft, Verantwortung, Dienst, glaube ich, ist das Buch. Und da schreibt er: Wie eng deine Beziehung zu Gott ist, das bestimmst du. Es hat mich getroffen. Du bestimmst, wie eng du in deinem Leben mit Gott leben wirst. Und diese Wahl überlässt Gott dir.
Henoch hat gut gewählt. Er hat sich entschlossen, sehr eng mit Gott zu leben, ein sehr enges Verhältnis zu pflegen, obwohl er wenig gewusst hat, im Gegensatz zu uns, die wir sehr viel wissen. Er lernte Gott aus der Erfahrung kennen. Aber man kann Gott nur dann aus Erfahrung kennenlernen, wenn man ihn zuerst im Wort Gottes kennengelernt hat oder durch Offenbarung kennengelernt hat. Also etwas musste ihm geoffenbart worden sein, über Adam und Eva oder sonst wie. Jedenfalls hat er sich dann entschieden, mit diesem Gott zu leben, und dann hat er Erfahrungen gemacht mit diesem Gott.
Wir erfahren im Judasbrief, dass Henoch ein Prophet war. Das heißt, er hat prophetische Worte gesprochen. Nun, wenn jemand ein Prophet ist und prophetische Worte spricht, dann heißt das, dass er von Gott her redet. Dann heißt das, dass er von Gott eine Botschaft bekommen hat, sonst wäre er kein Prophet. Das zeigt uns wieder, dass Henoch eine Botschaft von Gott bekommen hat.
Was es für eine Botschaft war, Judas sagt, es war eine Gerichtsbotschaft, über das Gericht. Wir können das aufschlagen, Judas. Da geht es um den Siebten von Adam an, Henoch, Vers 14. Judas 14:
Aber Henoch, der Siebente von Adam, prophezeite, sagte dies mit den Worten: Siehe, es kam der Herr inmitten seiner heiligen Zehntausenden, um über alle Gericht zu halten, um die und all ihre Ehrfurchtslosigkeit zu strafen wegen all ihrer ehrfurchtslosen Werke, mit denen sie sich in ehrfurchtsloser Weise vergingen, und wegen alles Harten, das ehrfurchtslose Sünder gegen ihn redeten.
Also, Henoch hat sehr stark von der Ehrfurchtslosigkeit gesprochen und von dem Gericht Gottes über die Ehrfurchtslosigkeit. Nicht Gottlosigkeit, nicht Gottlosigkeit, steht nicht im Text. Gottlosigkeit ist ein ganz anderes Wort als ehrfurchtslos. Das Wort, das hier steht, ist asebeia, und sebeia ist die Ehrfurcht, und a-sebeia heißt ohne Ehrfurcht. Menschen ohne Ehrfurcht und Handeln ohne Ehrfurcht. Also ehrfurchtslose Menschen, respektlose Menschen. Das ist genau das, was wir heute auch haben. Kein Respekt vor Autorität und schon gar nicht vor der himmlischen Autorität.
Und Henoch hat von diesem Gericht gesagt. Ob das auch auf die Zeit Noahs zutraf? Ganz sicher auch, oder? Denn da waren ja auch sehr viele ehrfurchtslose Menschen, und es gab ja auch da ein Gericht. Ob er auch über die Sintflut prophezeit hatte? Wir wissen wahrscheinlich alle nicht viel davon, denn woher sollen wir es wissen? Aber eines ist klar: Er hat eine Botschaft von Gott gehabt, er war also auch ein Prophet. Und er hat aufgrund von dem, was Gott ihm geoffenbart hat, aufgrund von dem hat er reagiert, hat gelebt, aus Glauben. Das heißt, er hat Gott absolut ernst genommen und hat damit gerechnet, dass es so sein wird.
Wisst ihr, wie sein Sohn hieß? Sein erster Sohn, sehr interessant, sein erster Sohn heißt Metuschelach. Und Metuschelach heißt: Sein Tod schickt es. Sein Tod heißt: Sein Tod schickt es. Sein Tod schickt es, sein Tod wird es schicken. Was denn? Das Gericht. Wenn Metuschelach stirbt, dann kommt es. Und was war? Als Metuschelach starb, kam die Sintflut im gleichen Jahr. Metuschelach starb im Jahr der Sintflut. Kann man nachrechnen, wenn man die Jahreszahlen alles nachrechnet. Im Todesjahr des Metuschelach kam die Sintflut. Sein Tod schickt es. Ob das nur Zufall ist, das möchte ich Ihnen überlassen.
Weiter: Henoch war ein Mann des Glaubens. Er glaubte an das, was Gott ihm zeigte, dass ein Gericht kommen werde. Und das hat ihn wahrscheinlich auch sehr angespornt in seiner Beziehung zu Gott, im Gebet. Er wusste: Gott wird ein Gericht schicken. Ob er jetzt an die Sintflut dachte oder an das Endgericht, das weiß ich nicht. Aber Gott wird ein Gericht schicken. Und er wandelte mit Gott, nachdem er den ersten Sohn gezeugt hatte, dreihundert Jahre. Und Gott hatte seine Freude an Henoch, steht da, Hebräer 11,5. Gott hatte seine Freude an Henoch. Henoch, ich bin stolz auf dich.
Im Glauben wurde Henoch versetzt, entrückt, so dass er den Tod nicht sah. Sein Sohn sollte den Tod sehen, und dann kommt das Gericht. Er sah den Tod gar nicht. Und dann haben sie ihn gesucht, oder? Dann haben sie ihn gesucht, das heißt, er wurde nicht gefunden. Wenn er nicht gefunden wurde, dann haben sie ihn gesucht. Sie haben ihn gesucht, der Opa und sein Sohn mit Metuschelach. Sie haben Papa gesucht. Der Opa hat den Sohn gesucht. Sie fanden ihn nicht. Die müssen mit einer heiligen Scheu erfüllt gewesen sein und daran gedacht haben: Könnt ihr euch erinnern, was er noch verkündigt hat, wie er geredet hat vom Gericht, wie er gepredigt hat vom Gericht? Jetzt ist er weg. Wann wird das kommen, das Gericht?
Der Opa war 527 Jahre alt, Jered hieß er. Metuschelach war dreihundert Jahre alt, und der Enkel Lamech war 178 Jahre alt. Noah war noch nicht geboren, er ist erst vier Jahre später geboren, nachdem Henoch wegentrückt wurde. Aber sie haben ihm sicher davon erzählt. Metuschelach und Lamech usw. haben sicher erzählt von Henoch.
Vers 6: Aber ohne Glauben ist es unmöglich, wohl zu gefallen. Bei uns steht in der Bibel: Ohne Glauben ist es unmöglich, Gott wohl zu gefallen oder ihm wohl zu gefallen. Ja, das ist ergänzt, das Wort Gott oder ihm, das ist ergänzt, das steht in Klammer. Aber in der Bibel steht: Ohne Glauben ist das Wohlgefallen unmöglich. Das heißt, die Betonung liegt auf dem Wort Wohlgefallen.
Henoch war einer, an dem Gott Wohlgefallen hatte. Henoch hat dem Herrn Wohlgefallen. Aber Wohlgefallen, das kann man nicht ohne Glauben. Das ist gemeint. Aber Wohlgefallen, dieses Gott einen Wohlgefallen zu bereiten, das wird betont, das kann man nicht ohne Glauben. Es ist absolut unmöglich ohne Glauben. Denn wer zu Gott kommt, der muss glauben, dass er ist und dass er denen, die ihn mit Fleiß suchen, ein Vergelter sein wird.
Also, wir erfahren hier, was ein Glaubender tut, wenn er mit Gott lebt: Er kommt immer wieder zu Gott. Wer zu Gott kommt, das ist im Präsens Partizip, der im Griechischen heißt hier so: der zu Gott kommende, der ständig zu Gott kommende, einer, der ständig zu Gott kommt. Man muss das im Glauben tun, man muss glauben. Er kommt immer wieder zu Gott. Und als ein solcher muss er glauben. Was muss er glauben? Dass Gott der Gott der Schrift ist, dass Gott tatsächlich ist, der ist, der er ist, der Gott der Bibel, und dass Gott denen, die ihn suchen, die ihn mit Fleiß suchen, heißt es im Griechischen, denen, die ihn aufsuchen, die ihn fleißig aufsuchen, denen wird er ein Vergelter sein.
Gemeint ist: Gott aufsuchen heißt also, ins Gebet gehen. Das heißt nicht, Gott irgendwo suchen, wo könnte Gott sein, das ist nicht so gemeint, sondern Gott suchen heißt, ihn aufsuchen, zu ihm kommen im Gebet. Und wer das fleißig tut, dem wird der Herr vergelten, im positiven Sinn. Dem wird er Belohnung geben. Wann und wie Gott vergelten wird, wie, das steht da nicht. Aber ohne dieses Kommen zu Gott, ohne Beten geht es nicht. Ohne Beten wird man Gott nicht gefallen.
Das können wir hier von Henoch lernen. Das ist auch die Lektion, die der Hebräerschreiber uns gibt. Er sagt: Wenn du Gott wohlgefallen möchtest, dann musst du ins Gebet gehen. Du musst in einer Gebetsverbindung stehen, in einer Vertrauens- und Gebetsverbindung.
Wir machen hier Pause. Vielen Dank.

