Weherufe gegen Schriftgelehrte und Pharisäer – Teil 3
Jesu Leben und Lehre | Episode 733
Matthäus 23,16-1910.07.2026
Serie•Teil 3 / 3Weherufe gegen Schriftgelehrte und Pharisäer
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Gott wird Mensch
Gott wird Mensch
Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter, Weg, Wahrheit und Leben ist.
Episode 733
Weherufe gegen Schriftgelehrte und Pharisäer, Teil 3
Der dritte Weheruf und die Frage nach wahrer Verbindlichkeit
Kommen wir zum dritten Weheruf. Matthäus 23,16: Wehe euch, ihr blinden Führer! Die ihr sagt: Wenn jemand bei dem Tempel schwören wird, ist das nichts; wenn aber jemand bei dem Gold des Tempels schwören wird, ist er gebunden.
Jetzt wird Jesu Anklage noch schärfer. Er nennt die geistlichen Leiter nicht nur Heuchler, sondern blinde Führer. Eigentlich sollten geistliche Leiter den Durchblick haben, aber bei den Schriftgelehrten und Pharisäern ist das überhaupt nicht der Fall. Und das merkt man besonders an ihrem Umgang mit dem Thema Schwören.
Was ist ein Schwur? Ein Schwur ist in der Bibel die feierliche Bekräftigung einer Aussage. Wer schwört, ruft Gott ausdrücklich oder mindestens indirekt als Zeugen an. Und damit bekommt ein Schwur immer auch ein bisschen die Form einer bedingten Selbstverfluchung: Gott soll mich richten, wenn ich lüge oder mein Wort breche. Ich rufe beim Schwur Gott also zum Zeugen und Richter an. Ein Schwur oder Eid ist deshalb auch nie nur Sprache, sondern immer auch ein Akt vor Gott.
Im Alten Testament ist das Schwören nicht verboten. Israel darf und soll beim Namen des Herrn schwören. 5. Mose 6,13: Den Herrn, deinen Gott, sollst du fürchten und ihm dienen, und bei seinem Namen sollst du schwören.
Das Schwören war also erlaubt, in manchen Fällen sogar geboten. Aber immer musste der Schwur wahrhaftig und ehrlich gemeint sein. Es war verboten, falsch zu schwören. 3. Mose 19,12: Und ihr sollt bei meinem Namen nicht falsch schwören, dass du den Namen deines Gottes entweihst; ich bin der Herr.
Und das macht auch Sinn, weil ein Schwur ja genau dazu da ist, die Wahrheit einer Aussage zu versichern. Indem ich mich selbst unter das Gericht Gottes stelle, gebe ich meiner Aussage Gewicht.
Wenn der Eid zum Alltagssystem wird
Das ist vor allem dann wichtig, wenn ich nicht mehr als einen Schwur leisten kann. Hier ein einfaches Beispiel zum Thema Veruntreuung.
2. Mose 22,9-10: Wenn jemand seinem Nächsten einen Esel, ein Rind, ein Schaf oder irgendein Tier in Verwahrung gibt und es stirbt oder sich einen Knochen bricht oder weggeführt wird, und niemand sieht es, dann soll ein Schwur beim Herrn zwischen ihnen beiden sein, ob er nicht seine Hand nach der Habe seines Nächsten ausgestreckt hat. Dann soll sein Besitzer es annehmen, und jener braucht nichts zu erstatten.
Hier kann der, dem ein Tier anvertraut war, nicht mehr als die Aufrichtigkeit seiner Aussage beschwören. Niemand hat gesehen, was wirklich geschehen ist. Also muss der Geschädigte auf den Schwur vertrauen. Der Eid ist, um mit Hebräer 6,16 zu sprechen, ein Ende allen Widerspruchs. Ich kann als Geschädigter nicht länger der Behauptung des Beschuldigten widersprechen, weil dieser nicht mehr tun kann, als seine Aussage durch einen Eid zu bekräftigen. Ein Schwur ist dazu da, die Wahrhaftigkeit einer Aussage abzusichern.
Bis dahin ist die Sache mit den Schwüren einfach. Aber jetzt kommen die Schriftgelehrten und Pharisäer und machen aus dem Schwören ein System. In diesem System sind manche Schwüre gültig und andere nicht. Beim Schwören beim Tempel ist es nicht bindend, beim Schwören beim Gold des Tempels ist es bindend. Beim Schwören beim Altar ist es nicht bindend, bei der Gabe auf dem Altar ist es bindend.
Jesus formuliert es so in Matthäus 23,16-19: Wehe euch, ihr blinden Führer, die ihr sagt: Wenn jemand beim Tempel schwören wird, ist das nichts. Wenn aber jemand beim Gold des Tempels schwören wird, ist er gebunden. Narren und Blinde, was ist denn größer: das Gold oder der Tempel, der das Gold heiligt? Und wenn jemand beim Altar schwören wird, ist das nichts. Wenn aber jemand bei der Gabe schwören wird, die auf ihm ist, so ist er gebunden. Blinde, was ist denn größer: die Gabe oder der Altar, der die Gabe heiligt?
Jesu Kritik an frommen Ausweichmanövern
Merkt ihr, was die Schriftgelehrten und Pharisäer tun? Nicht nur, dass sie auf alles Mögliche schwören. Wo doch Gottes Wort sagt, dass wir nur auf den Namen Gottes schwören sollen.
Es wird noch schlimmer. Sie unterscheiden zwischen Schwüren, die angeblich nicht bindend sind, und solchen, an die man sich halten muss. Ein Pharisäer kann beim Tempel schwören, dass er mir für die Fahrt in den Urlaub sein Auto leihen wird, und mir dann, wenn ich ihn darum bitte, erklären, dass dieser Schwur nicht bindend war, weil er nur beim Tempel, aber nicht beim Gold des Tempels geschworen hat.
Total schräg, oder? Und zwar doppelt. Zum einen, weil der Schwur genutzt wird, um mich zu täuschen, wo er doch abschließend die Wahrheit einer Aussage bekräftigen soll. Zum anderen, weil diese Unterscheidung einfach Quatsch ist.
Völlig zu Recht nennt Jesus seine Gegner Narren und Blinde. Wer kommt auf die abstruse Idee, dass das Gold im Tempel bedeutender ist als der Tempel selbst, oder dass die Gabe auf dem Altar mehr Wert besitzt als der Altar?
Matthäus 23,17-19: Narren und Blinde, was ist denn größer, das Gold oder der Tempel, der das Gold heiligt? Blinde, was ist denn größer, die Gabe oder der Altar, der die Gabe heiligt?
Jesus offenbart die Erklärungen der Schriftgelehrten und Pharisäer als das, was sie sind: Spitzfindigkeiten, um nicht die Wahrheit sagen zu müssen. Wahrheit wird durch diese Art von Schwur nicht länger geschützt, sondern verschleiert.
Wahrhaftigkeit statt religiöser Ausflüchte
Deshalb formuliert Jesus auch im Blick auf seine Jünger in Matth. 5,34.37:
Ich aber sage euch: Schwört überhaupt nicht. Es sei aber euer Wort: Ja, ja; nein, nein. Was aber darüber hinausgeht, ist vom Bösen.
Gemeint ist hier nicht, dass jeder Eid unter allen Umständen Sünde wäre. Paulus ruft mehrfach Gott als Zeugen an. Auch Gott selbst schwört in der Schrift, um seine Verheißung zu bekräftigen. Der Eid oder Schwur an sich ist nicht das Problem.
Problematisch ist der inflationäre oder betrügerische Gebrauch des Schwurs, wenn nicht mehr nur im Ausnahmefall beim Namen Gottes geschworen wird, sondern plötzlich im Alltag bei allen möglichen Dingen. Wenn der Schwur zur Selbstverständlichkeit wird, weil es nicht mehr normal ist, die Wahrheit zu sagen. Wo das passiert, wird die vermeintlich richtige Schwurformel ganz schnell wichtiger als die Wahrheit selbst.
Und genau das verbietet Jesus seinen Jüngern. Er will keine frommen Ausweichmanöver, sondern ehrliche Rede vor Gott. Und was darüber hinausgeht, das ist vom Bösen.
Was könntest du jetzt tun? Denke darüber nach, ob du gern und immer die Wahrheit sagst. Kann man sich auf dein Ja und Nein verlassen?
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Der Herr segne dich, erfahre seine Gnade und lebe in seinem Frieden. Amen.
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