Generierte Mitschrift
Die nachfolgende Mitschrift wurde automatisch mit KI-Technologie erstellt und kann Fehler enthalten. Im Zweifel gilt das gesprochene Wort.
Ein persönlicher Einstieg mit weitem Horizont
Ja, guten Morgen auch von meiner Seite. Ich freue mich, dass jetzt schon um zehn Uhr so viele da sind. Ich weiß, gestern Abend waren ja noch deutlich mehr da, und ich bin mir auch sicher, im Laufe des Tages werden noch wieder einige dazukommen. Aber schön, dass wir schon relativ volle Reihen haben. Das wird uns gleich auch helfen.
Martin hat ja angekündigt: Hier kommt jetzt also der Bayer nach Hamburg. Und wer die ersten Worte hört, der sagt: Das stimmt ja gar nicht. In der Tat, ich habe mich von Paulus inspirieren lassen, 1. Korinther 9. Ich bin allen alles geworden, damit ich auf alle Weise etliche rette; dies aber tue ich um des Evangeliums willen, um an ihm teilzuhaben.
Ich bin hoffentlich allen etwas, und zwar weil ich selber Niedersachse bin. Also ich bin ja gar nicht Bayer. Ich komme aus Braunschweig, also ich habe mit dem Norden eine enge Verbindung. Ich habe eine Zeit lang in Berlin gelebt, also ich habe auch mit dir, Marten, mit den Menschen aus dem Osten eine Verbindung, kenne den Osten ganz gut. Bin jetzt in München, zwischendurch war ich in Washington, D.C., und in Dubai, also auch den Amerikanern und den Leuten selbst aus dem arabischen Umfeld bin ich nicht fremd.
Das ist aber letztendlich auch egal, weil die Botschaft, die mein Leben verändert hat und die hoffentlich euer aller Leben verändert hat, eine Botschaft ist, die ja nicht an einen Ort gebunden ist. Das ist die Botschaft für die ganze Welt.
Wir haben gestern schon darüber nachgedacht, dass wir als Christen individuell und auch gemeinsam als Gemeinden einen Auftrag haben. Und dass unser Auftrag eben der ist, Anbeter Gottes zu sein, und dass wir das vor allem dadurch tun, dass wir Gottes Herrlichkeit widerspiegeln und so auch der Welt Zeugnis geben von unserem Gott.
Wir haben gestern Abend von Matt Schmacker gehört, dass ein wesentlicher Weg, wie wir das in Gemeinden tun, die Verkündigung von Gottes Wort ist. Im Vertrauen auf die Kraft von Gottes Wort, im Vertrauen auf das Evangelium verkündigen wir dieses Wort und vertrauen darauf, dass es zum einen die Gemeinde und die Gläubigen erbaut und zum anderen die, die dieses Wort noch nicht kennen, zum Leben bringen kann.
Wir haben also gestern auch darüber nachgedacht, dass das Evangelium wirklich in jede Predigt gehört. Aber was wir gestern vielleicht noch nicht so klar definiert haben, von dem wir aber gesagt haben, wir müssen es immer wieder definieren, das ist das Evangelium selbst. Matt hat uns ermutigt, nie das Evangelium als bekannt vorauszusetzen. Und ich will ihn da ernst nehmen. Und deswegen möchte ich sicherstellen, dass jeder hier heute das Evangelium hört. Und ich möchte sicherstellen, dass ihr das nicht nur von mir hier vorne hört, weil das dann vielleicht noch so untergeht, das ist so eine Rede in so einer Konferenz. Nein, ich möchte, dass ihr das jetzt ganz persönlich hört.
Und deswegen möchte ich uns jetzt eine Minute Zeit geben, und du darfst dich jetzt deinem Nachbarn zuwenden, am besten einem, den du noch nicht so gut kennst, falls du zufällig auf der einen Seite einen hast, den du weniger gut kennst. Und du hast jetzt 30 Sekunden Zeit, diesem Menschen das Evangelium zu sagen. Meist gebe ich 60 Sekunden, aber wir sind in Zeitnot. 30 Sekunden: Sag deinem Nachbarn das Evangelium. Und tu das bitte jetzt, die Zeit läuft!
Ja, danke schön, das waren eure dreißig Sekunden. Aber ich hatte ja versprochen, dass jeder das Evangelium hören soll, und zwar nicht aus seinem eigenen Munde. Und wer jetzt noch nicht fertig geworden ist, da darf jetzt der Gegenüber darauf antworten und das noch ergänzen. Oder wer meint, das war vielleicht nicht so ganz korrekt oder da müsste noch etwas dazu gesagt werden, da könnt ihr einander jetzt ergänzen. Also wir machen aber 30 Sekunden das Ganze andersherum.
Ja, danke schön! Wer dieses Evangelium jetzt noch nicht zu Ende erklärt hatte, der darf das gerne dann in den Pausen noch weiter fortsetzen. Wir wollen einander immer wieder das Evangelium zusprechen.
Ich werde gleich noch ein bisschen mehr dazu sagen, warum wir das getan haben. Ich möchte aber ein bisschen anders einsteigen, und dann kommen wir nachher noch genauer darauf. Also, worum es jetzt in diesem Vortrag geht: Martin hat das ja schon gesagt. Es geht jetzt hier um ganz viel. Es geht nämlich erst einmal um das Evangelium und dann um die Frage der Bekehrung und dann schließlich auch um die Frage: Okay, und was ist jetzt das Evangelium so gesprochen, dass Menschen dazu das Hören und zum Glauben kommen können? Also, was ist Evangelisation?
Ich möchte eine Vorbemerkung aufgreifen, die auch gestern Abend schon erwähnt wurde. Aber weil ich weiß, dass nicht alle gestern da waren und weil die Aussage so wichtig war, möchte ich sie noch mal wiederholen. Wir haben gestern Abend darüber nachgedacht, dass das Evangelium nicht nur in den Evangelien steht. Das Evangelium ist die Botschaft der ganzen Bibel.
Ich möchte uns dazu noch mal einige Verse aus Lukas 24 vor Augen führen. Dort erklärt der auferstandene Jesus zweimal, an zwei verschiedenen Stellen in zwei verschiedenen Gesprächen, dass die ganze Schrift, und damit meint er das Alte Testament, von ihm zeugt und von seiner Heilsbotschaft, vom Evangelium. Zuerst trifft er die Emmausjünger, die ganz traurig sind, weil Jesus gestorben ist. Sie erkennen ihn nicht, und dann spricht Jesus zu ihnen in Vers 25 und sagt: „O ihr Toren, wie langsam ist euer Herz zu glauben an alles, was die Propheten geredet haben! Musste nicht Christus solches leiden und in seine Herrlichkeit eingehen?“ Und er hob an von Mose und von allen Propheten und legte ihnen alle Schriften aus, was sich auf ihn bezog.
Und dann etwas später spricht er dann zu den Elfen, zu seinen Jüngern, in Kapitel 24, Vers 44. Da sagt er zu den Jüngern: Das sind meine Worte, die ich zu euch gesagt habe, als ich noch bei euch war, also vor seiner Kreuzigung, dass alles erfüllt werden müsse, was im Gesetz Moses und in den Propheten und in den Psalmen von mir geschrieben steht. Da öffnete er ihnen das Verständnis, um die Schrift zu verstehen, und er sprach zu ihnen: So steht es geschrieben, dass Christus leiden und am dritten Tage von den Toten auferstehen werde und dass in seinem Namen Buße zur Vergebung der Sünden gepredigt werden soll unter allen Völkern.
Um das noch mal ganz deutlich zu sagen: Jesus sagt hier, was im Gesetz Moses und in den Propheten und in den Psalmen von mir geschrieben steht. Also alle Schriftteile des Alten Testaments zeugen nach Jesus eigener Aussage von ihm. Und dann heißt es in Vers 45, er öffnete ihnen das Verständnis, um die Schrift zu verstehen. Das heißt, wenn wir die Schrift wirklich verstehen, dann verstehen wir, dass Christus das Zentrum der ganzen Schrift ist, dass die Evangeliumsbotschaft in der ganzen Schrift ist.
Matt hat das gestern so schön erklärt und sagt: Das ganze Alte Testament deutet hin auf Jesus, und nach den Evangelien, die ganzen Briefe und alles, was im Neuen Testament danach kommt, das deutet zurück auf Jesus. Das heißt, wenn wir die Bibel lesen und nicht bedenken, was einzelne Passagen mit Jesus zu tun haben, dann haben wir die Schrift noch nicht verstanden. Dann brauchen wir das, was Jesus hier tut: Er öffnet ihnen das Verständnis, damit sie die Schrift verstehen.
Und wenn du ein Prediger bist und du predigst Passagen der Bibel ohne jeden Bezug zu Jesus und zu seiner Tat am Kreuz, im Evangelium, dann möchte ich dich herausfordern: Ich glaube, du hast dann nicht wirklich die Schrift richtig verstanden und ausgelegt. Jesus sagt, es zeugt alles von ihm.
Das Evangelium ist also das Zentrum der Schrift, denn er sagt in Vers 46 und 47, was steht geschrieben in aller Schrift, und wohlgemerkt, das Neue Testament gab es ja noch nicht, dass Christus leiden und am dritten Tage von den Toten auferstehen werde und dass in seinem Namen Buße zur Vergebung der Sünden gepredigt werden soll unter allen Völkern. Das ist die Botschaft des Alten Testaments, und es ist die Botschaft des Neuen Testaments.
Diese Botschaft ist so zentral, sie ist so wichtig, weil allein diese Botschaft Leben gibt. Paulus schreibt: Wenn du mit deinem Munde Jesus als deinen Herrn bekennst und in deinem Herzen glaubst, dass Gott ihn von den Toten auferweckt hat, so wirst du gerettet werden. Wohlgemerkt, wir sollen mit dem Munde Jesus als Herrn bekennen. Wir müssen also Christus verkündigt haben, damit er gehört worden ist und bekannt werden kann. Und es geht hier offensichtlich um seine Kreuzigung und seinen Tod und seine Auferstehung, denn das sollen wir in unserem Herzen glauben.
Paulus macht deutlich: Wie sollen wir denn glauben, wenn uns nichts gesagt wurde? Und er sagt: Wo kommt der Glaube her? Aus der Verkündigung von Gottes Wort, der Predigt durch Gottes Wort. Und das bezieht sich nicht nur auf die Prediger unter uns, das bezieht sich auf jeden Einzelnen unter uns. Wir alle sollen Zeugen sein, Verkündiger dieser Botschaft.
Was das Evangelium nicht ist
Was ist also diese Botschaft? Noch ein paar Dinge vorneweg: Was ist diese Botschaft nicht?
Das Evangelium wird, befürchte ich, oft verkürzt und damit letztendlich falsch dargestellt. Das Evangelium ist nicht, dass wir grundsätzlich okay sind und nur ein bisschen Hilfe brauchen. Wir brauchen nicht jemanden, der uns einfach nur ein bisschen hilft, unser Leben zu verbessern. Nein, die Bibel sagt, wir haben ein grundsätzliches Problem.
Da ist keiner, der gerecht ist, auch nicht einer. Da ist keiner, der verständig ist, da ist keiner, der nach Gott fragt. Woraus im Übrigen deutlich wird: Dieser Ansatz der sucherorientierten Gemeinde hat hier genau ein Problem. Es gibt nämlich keine Suche außer Gott. Von Natur aus sucht niemand Gott. Da ist keiner, der verständig ist, da ist keiner, der nach Gott fragt. So steht es in Römer 3,11.
Die zweite Sache, die wir bedenken müssen: Die gute Nachricht ist nicht bloß, dass Gott Liebe ist. Sie ist auch das, aber sie ist nicht bloß das. Die Bibel macht sehr deutlich, dass Gott sehr wohl die Liebe schlechthin ist. Die Definition von Liebe, das ist Gott. Aber Gott ist auch gerecht, und das ist ein Problem für Rebellen, für Menschen, die sich gegen Gott gestellt haben und schuldig geworden sind. Und Gott wird die Missetat nicht ungestraft lassen. Er wird sie heimsuchen, das hat er schon im zweiten Mose angekündigt.
Drittens: Die gute Botschaft lautet nicht bloß, dass Jesus unser Freund sein will oder unser Vorbild. Ja, Jesus will unser Freund sein, und in vielen Dingen sind wir aufgerufen, als seine Nachfolger so zu leben, wie er gelebt hat. Aber wir brauchen mehr als nur einen guten Freund oder ein Vorbild. Jesus selbst hat das ganz deutlich gesagt. Er sagte, er sei nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, und er sei auch nicht in erster Linie gekommen, um unser Freund zu sein, sondern er sei gekommen, damit er diene und sein Leben gebe als Lösegeld für viele.
Schließlich lautet die gute Nachricht nicht bloß, dass wir ein gutes Leben führen sollen. Nein, in der Tat, wir brauchen ein komplett neues Leben. Es sei denn, dass jemand von neuem geboren werde, so kann er das Reich Gottes nicht sehen. So lesen wir die Worte von Jesus in Johannes 3,3 zu Nikodemus.
Was ist also das Evangelium? Wir haben es gestern schon einmal kurz angekündigt bekommen von Christian Wegert in der Begrüßung. Dort hat er nämlich aus 1. Korinther 15 zitiert, wo deutlich wird, dass er ihnen vor allem eine Botschaft weitergegeben hat. Er will sie auf das Evangelium aufmerksam machen und sagt dann: Ich habe euch in erster Linie das überliefert, was ich auch empfangen habe. Und dann kommt es, nämlich dass Christus für unsere Sünden gestorben ist nach der Schrift und dass er begraben wurde und dass er auferstanden ist am dritten Tage nach der Schrift.
Das ist das Zentrum. Also alle anderen Dinge, die verkündigt werden können und die sicherlich auch direkt mit dem Evangelium zu tun haben können, sind nicht das Evangelium, wenn diese Botschaft fehlt. Wenn ich das Ding weglasse, wenn ich das Stück weglasse, dann habe ich das Evangelium seines Herzens beraubt.
Ich möchte uns kurz eine Evangeliumsdefinition geben, die ich nachher noch einmal aufgreifen werde beim Thema Evangelisation. Eine Evangeliumsdefinition, die ich bei uns in der Gemeinde immer gerne weitergebe, weil ich denke, es ist manchmal gut, einen Raster im Kopf zu haben, wenn ich in eine Situation komme wie eben. Ich will das Evangelium weitersagen, und ich habe es ja im Herzen, aber wie kriege ich das jetzt in 30 Sekunden raus? Der hört mir ja jetzt nicht zwingend eine halbe Stunde zu, vor allem wenn ich ihn irgendwo auf der Straße treffe oder jemand fragt mich: Was glaubst du eigentlich? Und der will eigentlich schon weiter, ja, bei der Party, der Nächste lauert schon oder das Bier ist fast alle. Was sage ich?
Ich habe immer im Kopf vier Kategorien: Gott, Mensch, Christus und Antwort.
Gott ist der Schöpfer. Er hat uns geschaffen in seinem Ebenbild, damit wir seine Herrlichkeit widerspiegeln. Wir haben gestern darüber nachgedacht. Gott als unser Schöpfer: Für ihn sollen wir leben, für ihn dürfen wir leben. Er meint es gut mit uns. Er sagt uns, wie gut Leben geht.
Der Mensch, Adam und nach ihnen alle anderen auch, haben sich von Gott abgewandt. Wir haben ein grundsätzliches Problem, weil wir nicht unter Gottes guter Herrschaft leben wollten und wollen, sondern weil wir sein wollen wie Gott. Wir wollen keinen Gott, wir wollen selber unsere Herren sein. Der Mensch ist also ein Sünder, er hat ein grundsätzliches Problem.
Drittens: Gerade weil wir uns von Gott abgewandt hatten und von Gott getrennt waren, kam Gott in seiner Liebe und Gnade zu uns. In Jesus Christus ist Gott Mensch geworden, kam zu uns, hat unsere Schuld auf sich genommen und sie am Kreuz gesühnt, die Schuld all derer, die im Glauben zu ihm kommen. Also Christus, dritter Punkt.
Vierter Punkt: Die Antwort darauf. Diese Botschaft wird nur dann zur guten Botschaft, wenn wir Buße tun, uns von unserem alten Leben abwenden und glauben. Diese Botschaft müssen wir glauben. Sie muss im Glauben angenommen werden.
Das ist das Evangelium: Gott, Mensch, Christus und Antwort. Das ist eine Definition, die ich einfach mal als Vorschlag weitergebe. Ich weiß, es gibt andere gute Definitionen.
Diese Botschaft ist im Übrigen die Botschaft, ich hoffe, das ist euch klar geworden, der ganzen Bibel. Wir beginnen in der Schöpfung und wir hören auf in der Auferstehung Christi und in dem Aufruf zum Glauben. Und wir könnten letztendlich sogar noch sagen: Diese gute Botschaft findet ihre Erfüllung in der Ewigkeit. 1. Mose 1 bis Offenbarung 22, das ist das Evangelium.
Es findet sich aber auch ganz kompakt, wenn man den Römerbrief liest, von Kapitel 1 bis 4. Da gehen wir genau durch diese Stufen durch: Gott als Schöpfer, wir hätten ihn kennen müssen, wir haben uns auch von ihm abgewandt, wir wollten ihn nicht, wir sind von ihm getrennt, wir sind alle Sünder, Jesus kam, hat sich aufgeopfert als Sühneopfer, Gottes Gnade kam zu uns, und wir nehmen sie im Glauben an. Durch Glauben werden wir gerecht, Kapitel 4. Römerbrief Kapitel 1 bis 4, da haben wir das Evangelium, und an vielen anderen Stellen auch.
Das ist die Kernbotschaft.
Wie Gott Menschen erreicht
Was machen wir jetzt mit diesem Evangelium? Erstens: Auch das haben wir gestern schon gehört. Wir setzen es nie als bekannt voraus.
Ein Grund, warum ich das eben so ausführlich gesagt habe, ist, dass ich letztendlich ja nicht euch alle kenne. Und selbst die, die ich kenne, in deren Herzen kann ich nicht hineinschauen. Deshalb möchte ich diese Botschaft immer wieder verkündigen, auch in meiner Gemeinde. Auch wenn ich dafür bete, dass alle gläubig sein mögen, dass alle diese Botschaft im Glauben angenommen haben, verkündige ich sie weiter.
Wir wissen aus der Bibel, dass es eben nicht immer so ist, dass alle in den Gemeinden wirklich gläubig sind. Es gibt welche, die sehen aus wie die besten Schafe in der Herde Gottes, und sie machen wunderbares Mäh, aber es sind Wölfe. Jesus sagt es. Es gibt diese falschen Propheten, diese Wölfe in Schafskleidern. Es gibt diese Menschen, die sogar Jesus bekennen und wunderbare Dinge in seinem Namen tun, und die eines Tages feststellen werden, dass sie Jesus nie gekannt haben und er sie nie in seiner Liebe gekannt hat. Und er schickt sie von sich: Weichet von mir, ihr Übeltäter, ich habe euch nie gekannt.
Unkraut wächst unter dem Weizen. Und, ihr Lieben, es gibt genug Beispiele dafür, dass in Gemeinden Leute sitzen, die aussehen wie die besten Christen. Wir machen das hier als Teil des 9Marks-Workshops, und 9Marks hat im Mitarbeiterstab einen Mann, der auch einige Bücher geschrieben hat: Jonathan Leeman.
Ich kenne Jonathan seit 1998, als ich damals in diese Gemeinde in Washington kam. Ich habe Jonathan kennengelernt, und ich war frisch bekehrt, und wir hatten gute Gespräche. Und irgendwann sagt Jonathan: Ich bin jetzt gläubig geworden. Du bist doch schon Gemeindemitglied und getauft, sagt er, aber ich habe das Evangelium noch nie verstanden gehabt.
Der ist als kleines Kind in einem christlichen Elternhaus aufgewachsen und ist durch alle Dinge durchgelaufen und war brav in der Gemeinde, aber hat nie unter der Herrschaft Gottes gelebt. Es sah ganz gut aus, alles. Er war ein relativ moralischer Typ, aber das Evangelium hatte er noch nie verstanden. Und durch das treue Predigen Woche für Woche kam Jonathan zum Glauben. Dann ist er zum Seminar gegangen, hat seinen Master of Divinity gemacht und dient heute dem Reich Gottes in vortrefflicher Weise.
Aber warum ist er zum Glauben gekommen? Weil nicht vorausgesetzt wurde, dass jemand, der in der Gemeinde sitzt, schon Christ ist. Weil ihm das Evangelium weiter gepredigt wurde.
Ich möchte uns ermutigen, das zu tun. Nicht nur im Übrigen in den Predigten. Ich möchte euch, die ihr vielleicht keine Prediger seid, ermutigen: Nehmt nicht als gegeben an, dass die Leute in eurem Hauskreis alle Christen sind. Unterstellt ihnen nicht, ungläubig zu sein. Das ist nicht besonders nett. Aber stellt sicher, dass sie das Evangelium immer wieder hören.
Von daher meine Ermutigung immer wieder: In jeder Predigt, bei jedem Gespräch im Flur, in der Gemeinde, nach dem Gottesdienst, verkündigt das Evangelium. Wenn ihr einen Gast seht, den ihr vielleicht noch nicht kennt, und der sagt: Ich komme aus der und der Gemeinde, und ihr stellt nicht einfach fest: Na, dann ist er ja auch Christ, dann müssen wir uns nicht weiter darum kümmern, jetzt können wir über Fußball reden, weil er das Evangelium offensichtlich schon kennt, dann stellt sicher, dass dieser Mensch das Evangelium hört.
Satan hat nur einen Wunsch: Das Evangelium soll aus den Gemeinden verschwinden. Satan hat nur einen Wunsch: Das Evangelium muss weg. Denn das ist die Botschaft, die Menschen aus seinem Herrschaftsbereich herauslöst und in Gottes Herrschaft hineinbringt. Das ist das, was Satan will. Und Satan gebraucht manchmal die Leute in euren Gemeinden dazu.
Es wird nämlich Leute geben, diese Wölfe im Schafspelz, die werden sagen: Ich will das nicht hören, immer das Evangelium, es ist langweilig, kenne ich schon, brauche ich nicht, will ich nicht. Das Evangelium ist für manche ein Geruch des Todes, aber für die, die gerettet werden, ist es der Wohlgeruch Christi. Aber lasst uns diesen Wohlgeruch verbreiten!
Was ist also Bekehrung? Bekehrung ist die Annahme des Evangeliums. Bekehrung ist deshalb notwendig zur Rettung. Bekehrung ist kein Prozess, auch wenn uns das manchmal so vorkommt.
Also, ich kann sagen: Meine Bekehrungsgeschichte war ein Prozess. Und ich kann ehrlich gesagt nicht genau sagen, wann Gott mich bekehrt hat. Ich kann nur sagen, dass ich in dem Prozess zwischen Dezember 96 und Januar 98 mit dem Evangelium in Kontakt kam, dass es mich mehr und mehr bewegt hat und ich im Januar 98 das Evangelium im Glauben angenommen habe. Also ich würde immer sagen: Ich habe mich am 11. Januar 98 bekehrt. Aber ich weiß nicht genau, wann Gott mich bekehrt hat.
Bekehrung hat verschiedene Dimensionen, darauf will ich hinaus. Das eine ist: Bekehrung ist das, wozu die Bibel uns Menschen aufruft. Jesus geht gleich zu Beginn seines Dienstes los. Im Markusevangelium lesen wir zum Beispiel davon, und er verkündigt: Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist herbeigekommen, tut Buße und glaubt.
Buße tun, bekehren, umkehren, sich abwenden von dem alten Leben hin zu ihm. Also wir sind aufgerufen zur Bekehrung, und das haben wir auch schon im Alten Testament. Der Prophet Joel schreibt: Wer den Namen des Herrn anrufen wird, der soll gerettet werden. Joel 3,5.
Also kann eindeutig gesagt werden: Bekehrung ist etwas, das der Mensch tun muss. Aber gleichzeitig ist Bekehrung immer auch das souveräne Werk Gottes, denn von sich aus wird sich kein Mensch bekehren. Der Mensch kann es nicht, weil er geistlich tot ist. Der Mensch kann es nicht, weil Gott uns das in seinem Wort hier erklärt. Ja, er sagt, dass niemand zu ihm kommen kann, es sei denn, ihn ziehe der Vater, sagt Jesus uns in Johannes 6,44.
In 1. Korinther 2 schreibt Paulus: Der natürliche Mensch vernimmt nichts von Gottes Geist. Es ist ihm eine Torheit, und er kann es nicht erkennen, denn es muss geistlich beurteilt werden. Der Mensch ist geistlich tot, das heißt, Gott muss etwas tun.
Und der Mensch ist nicht nur so, dass er es nicht kann, sich von sich aus bekehren, der Mensch will es auch gar nicht. Wir haben ein steinernes Herz, wir sind Rebellen gegen Gott, wir sind nicht seine Freunde.
Was wir also brauchen, ist das, was Hesekiel beschreibt: Wir brauchen einen Gott, der unser Herz nimmt und uns ein anderes Herz gibt, der uns einen neuen Geist gibt, der uns ein fleischernes Herz gibt, der, wie es in Epheser 2,4 heißt, eingreift.
Das wichtigste Wort der Bibel, Epheser 2,4: Das erste Wort, weiß jemand, was dieses Wort ist? Aber. Das wichtigste Wort der Bibel: Aber Gott. Aber Gott, der reich ist an Barmherzigkeit, hat in seiner großen Liebe, mit der er uns geliebt hat, auch uns, die wir tot waren in unseren Sünden, mit Christus lebendig gemacht. Er hat uns auferweckt.
Das muss geschehen. Gott muss uns auferwecken, und er macht das, wann immer er will. Im Kapitel 9 sagt Paulus dann im Römerbrief: Der Ratschluss Gottes wird bestehen bleiben und seine freie Wahl. Und er zitiert dann Mose und sagt: Da hat schon Gott gesagt, wem ich gnädig bin, dem bin ich gnädig, wessen ich mich erbarme, dessen erbarme ich mich. So liegt es nun nicht an jemandes Wollen oder Laufen, sondern an Gottes Erbarmen.
Also: Bekehrung ist etwas, was Gott tun muss. Aber wenn Gott es tut, dann tun wir es auch. Bekehrung ist also immer die zwingende Konsequenz der Bekehrung Gottes in einem Menschen.
Aber wie tut Gott das? Wie bekehrt Gott Menschen? Ich sprach hier gerade von der Souveränität Gottes, und es gibt manchmal Leute, es gibt theologische Schulen, die sagen: Na, dann ist ja alles klar, dann brauchen wir gar nichts mehr zu machen, weil Gott macht ja eh. Die Bibel sagt das aber nicht. Die Bibel sagt immer wieder: Der Weg, wie Gott Menschen zur Bekehrung bringt, wie Gott Menschen effektiv beruft, ist durch die Verkündigung seines Wortes.
Wir sehen das in Hesekiel 37. Hesekiel ist berufen, toten Knochen zu predigen, und sein Wort geht aus, und diese Knochen kommen zusammen. Dann haucht der Geist Gottes hinein, und die Knochen werden lebendig.
Das Gleiche sehen wir in der Apostelgeschichte 9. Ja, da erscheint Jesus dem Paulus, und doch ist Paulus erst noch blind. Dann schickt Gott Hananias zu Paulus, und dann wird er sehend, und der Geist kommt in ihn. Gott gebraucht Menschen.
Petrus und Kornelius: Gott spricht nicht direkt zu Kornelius, nein, er sendet Petrus. Oder er sagt dem Kornelius: Schick nach Petrus, Petrus komm, verkündigt Gott das Wort.
Und du, jeder von uns hat genau diesen Auftrag. Wir sind diejenigen, denen etwas anvertraut wurde, damit wir es weitersagen, damit Gott dadurch wirken kann. Gott steht also am Anfang der Bekehrung, aber er braucht immer Menschen.
Das heißt, wir dürfen Gott alle Ehre geben für jeden Menschen, der zum Glauben kommt, und wir dürfen ihn im Gebet darum bitten, weil nur er es tun kann. Und doch dürfen wir aktiv werden, weil Gott in seiner Gnade gesagt hat: Ich will euch dazu gebrauchen.
Und damit bin ich auch dann bei meinem letzten Punkt, beim biblischen Verständnis von Evangelisation. Ich glaube, wir haben heute eine gewisse Verwirrung darüber, was Evangelisation ist. Es ist heute recht populär zu sagen: Wir wollen das Evangelium verkörpern. Und das ist gar nicht so neu. Wer denkt, das ist so eine Erfindung der missionalen Gemeinde?
Franz von Assisi hat gesagt: Bezeuge das Evangelium zu jeder Zeit, wenn nötig, gebrauche Worte. Ich glaube, ich weiß, was er damit meint, und ich schätze das sehr. Wir wollen nicht nur reden, wir wollen auch tun. Aber wenn nötig, gebrauche Worte: Es ist immer nötig. Ohne Wort geht nichts.
Eure guten Taten allein helfen nicht. Gute Taten können extrem hilfreich sein. Wir wollen Gottes Wort verkündigen, und wir wollen es dem Menschen vorleben. Unser Zeugnis sollte immer aus beiden Komponenten bestehen. Aber wenn wir dem Menschen es nur vorleben und nicht verkündigen, dann möchte ich sagen: Ich befürchte, dass wir Gott lästern. Das ist provokant, aber ich glaube, wenn wir Gottes Wort nur vorleben und nicht verkündigen, dass wir Gott lästern.
Denn was ist die Konsequenz, wenn ich ein gutes Leben lebe und nichts vom Evangelium weitersage? Die Menschen werden meine guten Taten sehen und werden mich preisen, weil sie keine Ahnung haben, warum ich das tue. Die denken: Der Matthias ist aber ein guter Typ, so nett. Aber es ist unser Auftrag, dass die Menschen unsere guten Taten sehen und unseren Vater im Himmel preisen. Das werden sie aber nur tun, wenn wir ihnen von diesem Vater im Himmel erzählen, wenn wir ihnen erklären, dass er dafür verantwortlich ist, dass wir so leben, weil er uns verändert hat.
Also gute Werke sind gut und wichtig, aber ohne Worte geht es nicht.
Evangelisation ist aber auch nicht das Überreden. So Menschen, die vielleicht so gestrickt sind wie ich, mehr reden als sie sollten, ich weiß, ich bin gleich fertig, die also eher auf der verbalen Schiene aktiv sind, die könnten dazu geneigt sein, Menschen überreden zu wollen. Und wisst ihr was, ich glaube, es gibt eine ganze Menge Leute in euren Gemeinden, in unseren Gemeinden, die wurden irgendwie überredet. Vielleicht wurden sie ein bisschen manipuliert, die richtige Musik zum richtigen Zeitpunkt, die emotionale Geschichte, dann haben wir ihnen etwas abgerungen.
Lasst uns keinen Fehler machen: Wir bekehren keinen Menschen. Gott tut das.
Es gibt diese Geschichte, von Spurgeon hat sie erzählt, ich weiß nicht, wer eigentlich derjenige war, dem sie geschehen ist, aber es war dieser englische Prediger, der nachts durch die Straßen ging, und dann kam ein Betrunkener auf ihn zu und sagt: Hey, Pastor! Ja, ich bin einer deiner Bekehrten! Und der Pastor sagt ganz trefflich: Das muss wohl so sein, einer des Herrn bist du wohl nicht.
Das ist eine harte Aussage. Ich möchte uns nicht ermutigen, das zwingend so zu machen, aber ich möchte uns ermutigen, zu erkennen: Wir können Menschen nicht bekehren. Aber es ist wichtig, dass sie von Gott bekehrt sind, und damit wollen wir uns in seinen Dienst stellen und wollen sein Wort treu weitergeben. Wir wollen nichts weglassen und wir wollen nichts hinzufügen. Wir wollen sein Wort treu sprechen, denn sein Wort allein gibt Leben.
Und wenn wir meinen, wir müssten beim Evangelium einen Teil weglassen, dann haben wir ein Problem. Evangelisation ist also das Bezeugen des ganzen Evangeliums. Ich habe vorhin gesagt, diese vier Kategorien: Gott, Mensch, Christus und die Antwort. Der Grund, warum ich das für ein hilfreiches Konstrukt für mich persönlich angenommen habe, ist einfach der: Wenn ich einen Menschen treffe, von dem ich merke, dass er das Evangelium vielleicht noch gar nicht kennt oder wo ich zumindest Fragen habe, dann versuche ich mir in meinem Kopf immer klarzumachen: Wo hat er eigentlich sein Problem?
Glaubt er grundsätzlich nicht an Gott, dann müssen wir erst mal über die Existenz Gottes reden. Vielleicht glaubt er ja an Gott, vielleicht ist er zum Beispiel Moslem oder Jude und glaubt an Gott, also eine Existenz Gottes, das kann er erst mal akzeptieren. Aber er versteht nicht, dass wir ein grundsätzliches Sündenproblem haben. Er denkt, wir sind eigentlich gut genug, wir müssen vielleicht noch ein bisschen irgendetwas verbessern, ein paar Dinge tun. Vielleicht hat er ein Problem mit unserem grundsätzlichen Sündenproblem. Vielleicht versteht er das nicht, dann setzt man da an.
Und vielleicht versteht er das, aber begreift nicht, was die Lösung dieses Problems ist. Also vielleicht kennt er Gott und sagt: Ich habe ein Problem. Und er denkt, jetzt muss ich ganz besondere Dinge tun, um irgendwie dieses Problem zu lösen, so wie Matt das gestern von sich selber beschrieben hat, bevor er zum Glauben gekommen ist. Diesen Menschen muss ich von Jesus Christus erzählen und von der Tat am Kreuz. Da setze ich an, das andere kann ich als bekannt voraussetzen.
Und dann gibt es Menschen, die glauben, die sagen: Ja, das weiß ich ja alles mit Jesus am Kreuz und so, das ist alles schon gehört. Das Problem ist nur, sie haben Jesus Christus nicht als ihren Herrn. Sie leben nicht unter seiner Herrschaft. Und da muss ich da anfangen und sagen: Mein lieber Freund, das alles zu wissen allein reicht nicht. Du musst es glauben, du musst ihm nachfolgen, du musst in deinem Herzen zeigen, dass du es wirklich glaubst.
Denn wenn du es wirklich glaubst, dann folgst du ihm nach, weil du dann weißt, dass er es gut mit dir meint, weil du dann weißt, dass er dein liebender Vater ist. Und so sind die Kategorien für mich immer sehr hilfreich, beim Evangelisieren darüber nachzudenken: Wo setze ich eigentlich an?
Evangelisation ist der Auftrag aller Christen, und ich als Pastor gestehe euch: Es fällt mir nicht immer leicht. Wie oft schon hatte ich Gelegenheit, meinem Nachbarn das Evangelium zu sagen, und ich habe sie ausgelassen. Das war der Grund, warum ich euch am Anfang allen die Möglichkeit gegeben habe, mal über euren Schatten zu springen. Sondern ein bisschen einfacher als an so einer Konferenz, wenn neben einem wahrscheinlich auch ein Pastor sitzt oder zumindest ein Christ. Und vielleicht hatte trotzdem der eine oder andere im Moment lang so ein bisschen eine Hemmung, vielleicht so ein bisschen die Hemmung: Den kenne ich ja gar nicht.
Ich möchte uns Mut machen, baut diese Hemmungen ab. Wir haben die beste Nachricht. Wir haben eine frohe Nachricht. Wir haben eine Nachricht, die, wenn Menschen sie nicht hören, wird es ganz schlecht für sie ausgehen. Wir haben die Botschaft, die sie hören müssen. Ein Akt der Liebe ist, diesen Menschen das zu sagen. Habt keine Hemmung davor, die Menschen um euch herum zu lieben.
Und zum Zweiten: Manchmal tun wir uns schwer, es auf den Punkt zu bringen. Ich weiß nicht, vielleicht hat der eine oder andere geschluckt: 30 Sekunden Evangelium, was sage ich denn jetzt? Und deswegen auch diese Übung. Ich mache das in jedem Aufnahmegespräch bei uns in der Gemeinde, nicht weil ich den Leuten abspreche, dass sie glauben. Ich sage in jedem Aufnahmegespräch: Sag mir das Evangelium in 60 Sekunden oder weniger.
Manche machen das super, da denke ich: Wow, toll, wir haben einen tollen Evangelisten bei uns in der Gemeinde, da sind die Leute schon gut geschult. Aber manche können es auch nicht so richtig. Und die kommen stotternd, dann helfen wir ein bisschen, sagen: Pass auf, ich weiß von dem, was du sagst, das ist richtig, mir ist schon klar, scheinbar verstehst du das Evangelium, aber du kannst es noch nicht vermitteln. Und dann gebe ich dir eine Hilfe mit, so wie ich das hier gerade gemacht habe, dass sie einfach in Zukunft als Zeugen auch für den Leib Christi besser sprechen können.
Und manchmal passiert etwas ganz Erstaunliches. Manchmal erlebe ich dann, dass ein Mensch sagt: Evangelium? Das ist eine gute Frage. Also ich glaube, ich bin irgendwie doch gut genug. Und das ganze Aufnahmegespräch, du bist einfach wunderbar, und du denkst, die Menschen nehmen mich auf, und auf einmal denkst du: Warte mal, der kennt das Evangelium ja noch gar nicht.
Hier hätte ich potenziell ein bisschen Unkraut zwischen den Weizen gesetzt, aber dadurch, dass ich diese Frage stelle, dadurch, dass ich nicht davon ausgehen darf: Wenn die schon ein Aufnahmegespräch bei uns in der Gemeinde haben wollen, dann sind sie ja sicherlich gläubig. Ich habe in meinen drei Jahren jetzt in München Mitte nicht viele Fälle gehabt, aber wir haben einige Fälle gehabt, wo wir gesagt haben: Die können wir gar nicht aufnehmen, die ist gar nicht gläubig. Manche von denen sind dann durch den Glaubensgrundkurs gegangen, die kamen aus echtem Interesse, und da wurde manches klar, und die konnte man dann aufnehmen. Andere sind traurig weggegangen.
Und das ist etwas, was wir den Menschen deutlich machen müssen: Das Evangelium, wenn wir es verkündigt haben, sollten wir immer drei Dinge betonen. Die Annahme des Evangeliums kostet etwas. Manche Menschen haben das noch nicht bedacht. Manche Menschen haben gehört, dass unser Leben einfach eine neue Vision bekommt, wenn wir das Evangelium annehmen. Wir werden etwas mehr erfüllt sein, uns wird es besser gehen, manche werden erfahren: Ihr werdet Wohlstand haben, wenn ihr Christen werdet.
Wir müssen den Menschen sagen: Nein, wenn ihr Jesus Christus nachfolgt, dann folgt ihr dem nach, der am Kreuz für eure Sünden gestorben ist. Und der gesagt hat: Folgt mir nach und nehmt euer Kreuz auf euch. Es ist ein gutes Leben, aber es ist kein Leben ohne Leiden. Wir müssen die Menschen vorbereiten, damit, wenn das Leiden kommt, die Menschen nicht sagen: Oh, das Evangelium wollte ich aber nicht.
Wir müssen den Menschen sagen: Es wird dich etwas kosten. Du wirst einen neuen Feind bekommen, und das ist ein mächtiger Feind. Aber du bekommst auch einen neuen Freund und Retter an deiner Seite, und der ist noch mächtiger.
Wir müssen den Leuten klarmachen: Die Entscheidung ist dringend. Evangelium, damit beschäftige ich mich, wenn ich alt bin. Wie alt wirst du? Weißt du das? Stehst du morgen früh noch mal auf? Heute früh, als Wolfgang und ich aus dem Frühstück saßen, kam der Anruf: Ein Bruder ist gestorben. Morgen kann ein Anruf bei dir zu Hause eingehen. Wir wissen es nicht. Lasst uns nicht annehmen, dass wir noch ganz viel Zeit haben. Es ist eine dringende Botschaft, die muss dringend angenommen werden.
Das heißt nicht, dass wir das Ding immer überstürzen müssen. Manchmal ist es gut, eine Beziehung aufzubauen. Aber wir müssen uns klar sein: Irgendwann ist es auch zu spät. Und das sollten wir den Menschen sagen. Und wir sollten den Leuten sagen: Das lohnt sich. Es gibt keine bessere Entscheidung in deinem Leben, als das Evangelium im Glauben anzunehmen.
Ich stehe heute hier, weil Gott in mein Leben eingetreten ist, als er sich mir offenbart hat und ich das Evangelium vor dreizehn Jahren kennengelernt habe. Ich bin Gott so dankbar, mein Leben ist besser. Ich verdiene etwas weniger, als ich sonst verdient hätte, das kann ich mir mit ziemlicher Gewissheit sagen, und es ist mir völlig egal. Mein Leben ist besser. Ich habe eine bessere Frau, als ich sie jemals gehabt hätte, weil ich eine Christin geheiratet habe, als ich zum Glauben gekommen bin. Oh, Gott ist gut. Ich habe den besten Herrn, den ich haben kann, und vor allem: Jetzt habe ich eine Hoffnung, die weit über dieses Leben hinausgeht. Ich weiß, es wird immer besser werden.
Liebe Geschwister, ich komme zum Ende: Verkündigt das Evangelium in jeder Predigt. Lebt es vor, aber sprecht es auch. Lasst niemanden durch die Türen in eurer Gemeinde kommen, der das Evangelium nicht hört, bevor er wieder rausgeht. Und geht selber raus und bringt diese gute Botschaft den Menschen. Das ist die Botschaft, die unser Land braucht, das ist die Botschaft, die die ganze Welt braucht.
Und dann lasst uns beten, denn Gott bekehrt. Und das möchte ich zum Abschluss tun.
Himmlischer Vater, wir wollen dich preisen. Wir wollen dich preisen dafür, dass, als wir uns von dir abgewandt hatten, als wir nichts von dir wissen wollten, als wir Rebellen und deine Feinde waren, als wir tot waren in unseren Sünden und Übertretungen, dass du Mensch geworden bist, dass du dich geopfert hast für uns. Wir wollen dich preisen dafür, dass du dein Leben gegeben hast als Lösegeld für viele.
Und wir wollen dir danken, dass du das nicht nur getan hast, sondern dass du dann auch die Jünger beauftragt hast, hinauszugehen und diese Botschaft weiter zu verkündigen. Ja, wir wollen dir danken, dass du uns alle aufgerufen hast, immer wieder Rede und Antwort zu stehen für die Hoffnung, die wir in uns haben, dass wir berufen sind, hinauszugehen in alle Welt und sie zu lehren und sie zu Jüngern zu machen.
Dieses Evangelium haben wir nicht so klar verkündigt in unseren persönlichen Gesprächen, in Predigtdiensten, in allen möglichen Situationen, wie wir es hätten tun sollen. Herr, wir bekennen dir, dass wir oft mehr Angst vor den Menschen haben, als dass wir dich lieben und diese Menschen lieben. So mach uns zu Menschen, die Menschen lieben und ihnen deshalb die gute Nachricht bringen. Tu das in unseren Herzen. Zu deiner Ehre und zum Wohle der Menschen. Amen!
Wer über das Thema weiter nachdenken möchte, dem möchte ich zwei Bücher ans Herz legen. Ich habe nur eins davon in der Hand, das andere haben einige schon bei der Registrierung bekommen, und wer es nicht bekommen hat: Die paar Euro lohnen sich.
Was ist das Evangelium? von Greg Gilbert. So ein weißes Buch liegt beim Dreier-Tisch. Greg Gilbert ist ein junger Pastor, der in fantastischer Art und Weise über das Evangelium schreibt. Es ist übrigens für euch Pastoren ein Buch, wo ich euch raten würde: Wenn ihr das irgendwie finanziell hinkriegt, schenkt das jedem Menschen beim Aufnahmegespräch, schenkt das jedem, der bei euch in die Gemeinde kommt. Das ist ein hervorragendes Buch über das Evangelium.
Ein Buch, das ich auch ans Herz legen kann, das noch ein bisschen weitergeht, ist das Buch von Mark Dever: Persönliche Evangelisation. Das beinhaltet so ziemlich genau das, worüber ich heute gesprochen habe. Ich habe es zwar jetzt eben nicht in der Vorbereitung gelesen, aber es hat mich sehr geprägt. Dieses Buch ist extrem hilfreich, gerade um darüber nachzudenken, wie kann ich als Mensch, nicht nur als Pastor, sondern als Mensch in der Gemeinde, als Christ überhaupt im persönlichen Umgang mit Menschen weiter evangelisieren.

