Johannes 2,1-25: Das dritte Treffen oder wie Gott wirklich ist.
Johannes 2,1-2,2519.02.2006
Serie•Teil 3 / 8Das Johannes-Evangelium lesen
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Generierte Mitschrift
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Ein unerwarteter Anstoß zum Glauben
Also, vor ein paar Jahren hat ein eher bekannter amerikanischer Autor einen Artikel geschrieben. Der Autor heißt Norman Geissler oder Geissler, ich weiß nicht, wie man das ausspricht. Ich tue mal so, als würde er Geissler ausgesprochen werden, klingt ein bisschen deutsch. Relativ bekannt, wer sich mit dem Thema Verteidigung des christlichen Glaubens auseinandersetzt, wirklich einer von denen, an dessen Büchern du eigentlich nicht vorbeikommst.
Und er schreibt in dem Artikel Folgendes: Er sagt, ich habe ein Bekenntnis abzulegen. Ich war drei Jahre lang der Direktor einer christlichen Jugendorganisation, neun Jahre Pastor und sechs Jahre Dozent an einem Bibelcollege. Trotzdem habe ich in dieser Zeit meinen Glauben an Jesus mit so gut wie niemandem geteilt. Hätte man mich damals nach den Gründen gefragt, dann hätte ich gesagt: Ich habe nicht die Gabe des Evangelisierens, ich bin eher der Prediger und der Lehrer. Oder vielleicht hätte ich auch gesagt: Ich habe da mal jemanden erlebt, der hat durch seine ruppige, kalte, abschreckende Art, wie er versucht hat, Menschen zu erreichen, mich einfach abgeschreckt. Ich möchte durch meinen Lebensstil, durch Wärme und durch Echtheit Menschen gewinnen.
Klingt gut, aber das Resultat dieser Haltung, wie er ehrlich zugibt, war, dass er eigentlich so gut wie nie mit jemandem über seinen Glauben gesprochen hat.
Was hat sein Denken verändert? Es war ein Lied. Also unterschätzen wir nie die Macht von kleinen Liedern. Die mögen noch so harmlos daherkommen, aber sie treffen uns manchmal mitten ins Herz.
Bei ihm hieß dieses kleine Liedchen so: „Lead me to some soul today, oh teach me, Lord, just what to say.“ So viel wie: „Herr, führ mich heute zu einem Menschen und lehre mich, was ich sagen soll.“
Ich weiß nicht, wann man solche Lieder singt. Er hat sie gesungen, und irgendwie ist ihm dieses Lied nicht mehr aus dem Kopf gegangen. Und was macht man mit einer Liedstrophe, die einem nicht mehr aus dem Kopf geht? Man macht sie zum Gebet. Und irgendwann fing Norman Geissler an, so zu beten: Herr, führe mich doch mal zu jemandem, mit dem ich über dich reden soll, und wenn das passiert ist, dann sag mir doch bitte, was ich sagen soll.
Und ihr könnt euch vorstellen, sowas darf man nicht beten. Aber das ist immer irregefährlich. Bete nie, was Gott sowieso von dir erwartet, weil wenn du das tust, ich verspreche dir, Gott wird plötzlich die eine oder andere Gelegenheit schenken, und du wirst dastehen und sagen: Was jetzt?
Und das war bei ihm auch so. Also er betet das für eine Weile, und plötzlich läuft ihm auf seinem Collegegelände eben ein Mädchen über den Weg, mit Problemen und Fragen, und ehe er sich’s versieht, hat die sich bekehrt.
Einmal motiviert, fängt er an, bei einem Dienst in der Gemeinde mitzuarbeiten, so von Tür zu Tür. Weißt du, dieses, ich würde sagen, so Kaltakquise. Du klopfst an und sagst: Guten Tag, mein Name ist so und so, darf ich mal mit Ihnen über den Glauben reden? Für mich persönlich Höchststrafe. Also wenn ich mit jemandem über den Glauben reden will, dann robbe ich mich so ganz langsam ran. Und ich habe ein halbes Jahr Zeit, überhaupt kein Problem. Aber dieses: Guten Abend, mein Name ist Jürgen Fischer, darf ich mal mit Ihnen über den Glauben reden? Oh, furchtbar.
Aber er hat das gemacht. Vielleicht geht das in Amerika auch leichter. Und das Verrückte ist: Immer mal wieder gibt es ein gutes Gespräch, und immer mal wieder, nicht so jede Woche, aber doch immer mal wieder, bekehrt sich jemand.
Und deshalb schließt Norman Geissler seinen Artikel mit folgendem Fazit. Er sagt: Die mit weitem Abstand schönsten und gewinnbringendsten Erfahrungen meines Lebens als Christ kommen nicht aus meinem weltweiten Lehr- und Hirtendienst. Sie entstammen dem Zusammentreffen mit Nichtchristen und dem Erleben, dass einer und dann wieder einer zum Glauben findet.
Der Titel der Predigt heute, ihr könnt es euch schon vorstellen, es geht wieder mal um die Johannesreihe: das dritte Treffen oder Wie Gott wirklich ist.
Und am Anfang, es geht ja um das große Thema, wie lese ich eigentlich mit meinem Freund oder mit meiner Freundin in der Bibel, am Anfang immer ein Tipp. Tipp drei. Till startet schon mal die Predigtnotizen, und während die durchlaufen, sage ich euch Tipp drei.
Tipp drei lautet: Essen und Gemeinschaft ist am Anfang wichtiger als die Bibel. Also noch mal: Die Qualität deines Essens und die Qualität deiner Gemeinschaft ist am Anfang viel wichtiger als dein Bibelwissen oder alles, was du mit der Bibel machst.
Man sagt, Liebe geht durch den Magen, und ich habe den Eindruck, Bibelverständnis geht auch durch den Magen, irgendwie jedenfalls. Bibelverständnis beginnt dort, wo Menschen Ehrlichkeit erleben, wo sie Gastfreundschaft erleben, wo sie merken: Du hast ein Interesse an ihnen als Person.
Ihr könnt euch vorstellen, wenn jemand einmal denkt: Na ja, ich bin jetzt hier so eine Art Bekehrungsobjekt, ins Fadenkreuz gekommen, und gleich schießt er. Das ist ganz schlecht. Und das wäre auch überhaupt nicht das, was Gott wollte. Was Gott möchte, ist, dass wir Insider sind, dass wir dazugehören, dass wir ein ehrliches Interesse haben an dem Gegenüber und an seinem Leben, dass es uns nicht nur darum geht, eine bestimmte Portion Bibelwissen jetzt in seinen Kopf reinzudrücken, so per Nürnberger Trichter, so pff, rein, sondern dass wir uns die Frage stellen: Wen habe ich da auf der anderen Seite eigentlich gegenüber?
Und deswegen: Wenn die ersten zwei, drei Treffen nicht wirklich der Bringer sind, mach dir keinen Kopf. Für deinen Freund ist alles neu. Stell dir mal vor, du begegnest jemandem, der hat noch nie die Bibel aufgeschlagen. Der muss in den ersten Treffen so ein Stück verunsichert sein. Wenn er das nicht ist, dann weiß er ja schon alles. Der muss verunsichert sein, wenn er sich mit dir unterhält, weil das ein absolutes Neuland ist.
Deswegen möchte ich dich bitten: Wenn du dich mit deinem Freund, mit deiner Freundin zum Bibellesen triffst, mach es ihr leicht. Und leicht macht man es Menschen, wenn es gutes Essen gibt, nette Gemeinschaft. Unterhalte dich nicht nur über die Bibel mit ihr oder mit ihm, frag nach, wie es ihm geht. Wenn es irgendwie geht, versucht doch auch außerhalb des Bibellesens mit ihm Zeit zu verbringen. Du gehst schwimmen? Na, ruf ihn an: Hast du nicht Lust mitzukommen? Du gehst ins Kino? Genau das Gleiche.
Also: Der dritte Tipp, Essen und Gemeinschaft, ist anfänglich wichtiger als die Bibel. Nicht frustriert sein, das ist die Realität für die Junggesellen unter euch. Ich weiß, das bedeutet, dass ihr aufräumen müsst und womöglich in der Küche was einkaufen. Wir haben ja auch in Spandau so einen Männerabend, und die Sitten des Männerabends sind auch eher so handwerklich rudimentär. Also wir verzichten auch auf Messer, Gabel und Teller, weil man Pommes, Würstchen und Ofenkäse auch ohne all das essen kann. Wirkt nicht ganz so gastfreundlich, nur so als kleiner Tipp.
Also wenn ihr da nicht so als Männer vielleicht sagt: Ich weiß gar nicht, wie man das macht, schnappt euch eine nette Schwester, die da Erfahrung hat. Sag mal, wie geht denn das, wie deckt man denn so einen Tisch, was kauft man denn da ein? Und wenn ihr nicht wisst, wie das mit den Dips funktioniert und mit den aufgeschnittenen Karotten und so, einfach mal zeigen lassen. Ich weiß, wir Männer sind da anders, und das kommt manchmal nicht so gut an.
Okay, aber das nur: Tipp drei, halt. Essen und Gemeinschaft sind anfänglich wichtiger als die Bibel.
Kommen wir zu unserem Text. Wir wollen jedes Mal ein Kapitel uns betrachten im Johannesevangelium, heute ist Johannes 2 dran. Ich werde Johannes 2 unter drei Überschriften setzen. Diese drei Überschriften lauten erstens: Jesus und die Freude, dann kommt das Thema Jesus und der Kommerz und dann Jesus und die Oberflächlichkeit. Das sind unsere drei großen Themen, und wir starten in Johannes 2, wer mitlesen mag: Johannes 2,1.
Und am dritten Tag war eine Hochzeit zu Kana in Galiläa, und die Mutter Jesu war dort. Es war aber auch Jesus mit seinen Jüngern zu der Hochzeit geladen. Und als es an Wein mangelte, spricht die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben keinen Wein. Jesus spricht zu ihr: Was habe ich mit dir zu schaffen, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen.
Ja, Jesus weist hier seine Mutter zurecht. Also es gibt sehr viele Auslegungen, die versuchen, den Text so ein bisschen weichzuspülen, das sei alles gar nicht so schlimm und so. Doch das ist so schlimm, wie es da steht. Jesus sagt: Frau, jetzt ist mal Schluss, so geht es nicht. Es gibt Bereiche im Leben Jesu, wo Maria, seine Mutter, tatsächlich kein Mitspracherecht hat. Und ein solcher Bereich ist, wenn sie sagt, es wäre jetzt mal so ein bisschen an der Zeit, jetzt kannst du doch mal ein bisschen was öffentlich und so, ja, mach doch mal ein Wunder, wo Jesus sagt: Stopp, meine Zeit, damit meint er die Zeit für öffentliche Wunder, für dieses öffentliche Auftreten, ist noch nicht gekommen. Das heißt nicht, dass Jesus nicht bereit wäre, Wunder zu tun, aber es geschieht heimlich, es geschieht quasi inkognito, ohne viel Aufhebens.
Hat Jesus seine Mutter nicht lieb? Doch, das hat er. Und wenn wir das wissen wollen oder wenn wir das sehen wollen, wie lieb er sie hat, dann reicht ein Blick ans Kreuz. Dort hängt er am Kreuz und er sieht unter dem Kreuz seine Mutter stehen, und er weiß, dass sie als Witwe jetzt ein echtes Problem hat. Und jeder hätte Verständnis dafür, dass jemand, der am Kreuz hängt, an alles denkt und auch alles vergisst. Aber Jesus nicht. Er sieht seine Mutter unter dem Kreuz, und er hat sie lieb, und er kümmert sich in diesen letzten Momenten darum, dass sie versorgt bleibt, dass sie versorgt ist, und zwar, indem er sie einem anderen Jünger, Johannes, anbefiehlt.
Also Jesus hat seine Mutter lieb, aber er springt nicht, wenn sie ruft. Jesus ist nicht manipulierbar. Und es beeindruckt mich. Ich hätte wahrscheinlich nicht genau verstanden, was Jesus hier meint, aber Maria scheint genau zu verstehen, was Jesus meint, denn an ihrer Reaktion merken wir, dass das für sie nicht so abgebügelt rüberkam, sondern dass sie genau wusste: Okay, hier wird was passieren, aber eben ohne großes Aufsehen.
Wir lesen weiter, Vers 5: Seine Mutter spricht zu den Dienern: Was er euch sagen mag, tut. Also Maria denkt sich schon, da wird jetzt was passieren, ich weiß noch nicht wie. Es waren aber sechs steinerne Wasserkrüge dort aufgestellt nach der Reinigungssitte der Juden, wovon jeder zwei oder drei Maß fasste. Jesus spricht zu ihnen: Füllt die Wasserkrüge mit Wasser. Und sie füllten sie bis oben an. Und er spricht zu ihnen: Schöpft nun und bringt es dem Speisemeister. Und sie brachten es. Als aber der Speisemeister das Wasser gekostet hatte, das Wein geworden war, und er wusste nicht, woher es war, die Diener aber, die das Wasser geschöpft hatten, wussten es, ruft der Speisemeister den Bräutigam und spricht zu ihm: Jeder Mensch setzt zuerst den guten Wein vor, und wenn sie betrunken geworden sind, dann den geringeren. Du hast den guten Wein bis jetzt aufbewahrt.
Diesen Anfang der Zeichen machte Jesus zu Kana in Galiläa und offenbarte seine Herrlichkeit, und seine Jünger glaubten an ihn. Danach ging er hinab nach Kapernaum, er und seine Mutter und seine Brüder und seine Jünger, und dort blieben sie nicht viele Tage.
Die Überschrift über diese Geschichte lautet: Jesus und die Freude. Ich finde es einfach fantastisch, dass das erste Wunderzeichen, was Jesus tut, gleich so gar nicht zu dem Gottesverständnis der meisten Menschen passt.
Welches Gottesverständnis hat so der Normal-Berliner, wenn er überhaupt irgendwie an Gott glaubt? Also ich denke, er hat so die Vorstellung: Gott, das ist so eine Art Himmelspolizist, einer, der irgendwie alle schönen Sachen verbietet. Und wenn dann Menschen das trotzdem tun, dann gibt es eins auf die Finger. Gott, das ist so was, na ja, so eine Spaßbremse, so ein Freudenkiller, so ein Allesvermieser. So ein alter Mann mit so ganz komischen Ideen, die vielleicht vor zweieinhalbtausend Jahren mal trendy waren, aber heutzutage wirklich nicht mehr in unsere Zeit passen. Gott, das ist wie Eltern, die alles verbieten, alles vermiesen, schlecht drauf sind und das im XXL-Format. Das ist so der Eindruck von Gott.
Also Gott und Freude, nee, wenn ich mich irgendwie Gott nähere, da höre ich ja schon: Du sollst das nicht und du sollst das nicht und das darfst du auch nicht. Und der Eindruck, der bei den Leuten da ist, ist: Gott hat überhaupt kein Interesse an meinem Leben, an der Freude meines Lebens, sondern Gott hat nur Interesse daran, mir zu sagen, was ich nicht tun darf.
Und jetzt kommt die Geschichte als allererste. Und sie passt nicht, sie passt einfach nicht zu diesem Gottesbild. Sie passt aus verschiedenen Gründen nicht.
Erstens passt sie nicht, weil Jesus hier extra eingeladen wird. Ihr habt das ja gelesen, ja? Er war extra zu der Hochzeit eingeladen. Also vielleicht ist da in Jesus’ Bild so das Bild von jemandem, der in irgendeinem Schrein sitzt mit gekreuzten Beinen und immer vor sich hin meditiert und ab und zu darf mal jemand hingehen und eine Frage stellen. Aber das war nicht so. Jesus ist eingeladen, persönlich hat er so ein Kärtchen gekriegt, da stand drauf: Für Jesus aus Nazaret, ja, zur Hochzeitsfeier eingeladen. Und er geht da hin.
In dem Sinn ist Jesus tatsächlich Insider gewesen, er war mitten dabei. Er ist nicht als Backup für den Fall, dass der Wein ausgeht, eingeladen worden, sondern er war als Jesus eingeladen. Er ging hin, um an einer ganz normalen Hochzeitsfeier teilzunehmen.
Das Zweite, was nicht passt im Blick auf das Gottesbild, ist, dass Jesus hier überhaupt hilft. Geht es euch nicht auch so, dass Jesus Lahme und Blinde heilt und all das? Geschenkt, das gehört irgendwie zu seinem Job dazu. Aber hier, wir haben es doch eigentlich nur mit einem kleinen Ding zu tun. Jemand macht eine Hochzeitsfeier, er bereitet sie vor, das sind damals so größere Dinge gewesen, so sieben Tage lang, und in der Getränkeplanung hat er sich verkalkuliert. Ich kann mir vorstellen, das war schwer zu kalkulieren. Jesus muss ja auch ordentlich nochmal nachlegen, sechshundert Liter, also da hat schon richtig was gefehlt.
Und mir geht es so, ich sage mir: Jesus, das ist irgendwie vom Wunder her ein bisschen unter deinem Niveau. Das ist ein Orga-Versehen. Da kann man dem Speisemeister oder vielleicht irgendjemandem im Planungsteam einen Vorwurf machen, das ist doch wirklich nicht wichtig. Für das Brautpaar ist das schon wichtig, das ist mir klar, das ist ein Fiasko, was da passiert. Stell dir mal vor, noch die Enkel werden wahrscheinlich mit der Geschichte aufgezogen. Weißt du noch damals bei deinen Großeltern, da ging nach drei Tagen der Wein aus und wir haben alle dann dumm herumgeschaut, ja? Das ist schon also für das Brautpaar schon in dem Moment ein großes Problem.
Aber jetzt, Jesus ist auf diese Erde gekommen, um die Sünden der ganzen Menschheit zu tragen, das haben wir gelesen. Im Blick auf die Sünden der ganzen Menschheit ist eine verpatzte Hochzeitsfeier irgendwie eine ziemlich kleine Sache. Und ich hätte volles Verständnis, wenn Jesus sagt: Weißt du, das ist schon ein schönes Problem, was du hier hast, ja, aber das ist einfach nicht meine Kragenweite, da stehe ich einfach drüber, das interessiert mich eigentlich nicht. Wenn du schlecht planst, tut mir auch irgendwie leid für dich. Ich hätte volles Verständnis dafür.
Und jetzt kommt Jesus, und er ist irgendwie ganz anders. Er zeigt, dass Gott nicht nur an meiner Sünde interessiert ist, sondern dass Gott mein ganzes Leben im Blick hat, dass Gott nicht die Spaßbremse ist, der irgendwann so mit süßgesäuseltem Lächeln sagt: Na siehste, hab ich dir doch gleich gesagt, funktioniert nicht, sondern dass Gott ganz anders ist, dass Gott Freude will und dass Gott bereit ist, in Freude zu investieren, ja hier eigentlich Freude zu garantieren: 600 Liter feinen Rotwein.
Wir müssen uns nochmal das auf der Zunge zergehen lassen, was das eigentlich heißt. Also das verstehen jetzt nur Rotweintrinker. Also bei Rotwein gibt es ziemliche Unterschiede zwischen schlecht und gut. Ich habe überlegt, ob ich mir eine Ausleihe habe. Wisst ihr, was die Flasche, ihr kennt doch in der Rheinfahrt, ist da vorne so eine Flasche dran gemalt oben an dem Eingang hier bei Centro Italia, so eine große Flasche mit so einer Sonne. Habt ihr eine Idee, was die kostet, die eine? Was schätzt ihr? Größenordnung stimmt, ich weiß es nicht mehr genau, als ich zuletzt da war, 63. Also ich habe mir überlegt, ob ich mir eine ausleihe und sie hier vorne hinstelle, habe es dann aber gestern doch nicht gemacht, vor allem wenn das runterfällt. Stell dir mal vor. Also oder jemand macht sie nachher beim Gemeindemittagessen auf und schenkt sie an. Nein.
Also guter Rotwein ist etwas, wo man schon investieren kann. Also ich denke mir, so ein Speisemeister, wenn der ein bisschen beeindruckt ist, das ist eine Flasche für zwanzig Euro gewesen. Für zwanzig Euro kriegst du schon ein richtig gutes Tröpfchen. Das ist so etwas, wo auch so jemand, der ein bisschen Ahnung hat, sagt: Hm, nett, sehr nett. Keine Sorge, das ist nicht meine Preisklasse.
600 Liter sind 800 Flaschen mal 20 Euro sind 16.000 Euro. Mich haut sowas um. Ich denke mir: Was soll das? Der Speisemeister ist ja auch perplex. Ey, die sind eh schon halb. Die schmecken sowieso schon nicht mehr richtig, was sie trinken. Der hätte auch Aldi-Tetra-Pak gereicht. Da kriegst du dann 800 Liter für deutlich unter tausend Euro. Da reicht eigentlich auch das, was es so in Zwei-Liter-Flaschen gibt.
Also, und jetzt kommt Jesus, und sein erstes Wunder ist, für alle Antialkoholiker muss das sowieso der absolute Graus sein: Ich schenke einer schon leicht bedudelten Hochzeitsfeier noch 600 Liter besten Rotwein. Das heißt auch: Alle, die dachten, jetzt schmeckt es eh nicht mehr so, sagen: Schmeckt wieder richtig gut.
Wisst ihr, was der Unterschied zwischen dem Teufel und Gott ist? Der Unterschied ist, der Teufel wird dich mit seinen Versprechungen über den Tisch ziehen, und er wird genau so viel bezahlen, wie er bezahlen muss, damit er dich kriegt. Kein bisschen mehr. Er wird dich fangen, für seine Ziele einspannen, und dann wird er dich fallen lassen. Das ist der Unterschied. Der Teufel zahlt nur das, was er bezahlen muss, um dich zu kriegen, und Gott stellt sich hin und sagt: Ich will deine Freude, und ich bin bereit, zu investieren. Ich bin bereit, mehr zu geben, als du dir jemals erträumt hättest. Ich bin bereit, Freude in deinem Leben bis an die emotionale Schmerzgrenze zu fahren, wo du sagst: Ich kann nicht mehr noch einen Schluck trinken. Ich bin voll. Das ist Gott. Und das ist diese erste Geschichte.
Und ich denke, es ist eine Geschichte, die deshalb so beeindruckend ist, weil Gott sich so anders präsentiert. Das ist auch eine Geschichte, die wir im Kopf haben müssen. Gott ist jemand, der unsere Freude will, der unser Glück will. Und lasst uns das auch dann nicht vergessen, wenn wir für Dinge beten und Gott nicht so erhört, wie wir uns das vorstellen. Oder wenn wir den Gedanken haben, jetzt Gott nachzufolgen und Gott treu zu sein, das kostet mich etwas, da muss ich auf Dinge verzichten, da verpasse ich etwas. Das stimmt nicht. Gott will sein Glück. Oder wenn andere Christen dich enttäuschen, lass uns nicht vergessen: Gott will unsere Freude. Das ist im Zentrum von Gottes Charakter verankert.
Und ich denke, dass die meisten Menschen, wir überlegen ja, wie wir das auch evangelistisch verpacken können, dass die meisten Menschen sich irgendwann in ihrem Leben in der Position dieses Hochzeitspaares befinden. Sie wollen Freude, sie wollen Glück, sie wollen, dass ihr Leben gelingt. Und dann gibt es irgendwann diesen Moment, einen Moment im Leben eines Menschen, wo er nicht mehr verbergen kann, dass sein ganzes Überlegen und sein ganzes Planen nicht ausgereicht hat, dass der Wein seiner Lebensfreude versiegt ist. Kann sein, dass er ihn selber ausgetrunken hat, kann sein, dass andere ihn ausgetrunken haben. Aber irgendwie steht er vor einem Leben und er weiß nicht mehr weiter.
Wisst ihr, es ist unser Vorrecht, wenn wir das verstanden haben, dann zu kommen und zu sagen: Ich weiß, wo es neue Freude, dauerhafte Freude, wirklich qualitativ hochwertige Freude für dich gibt, bei Jesus.
Zweiter Punkt: Jesus und der Kommerz. Also der Titel heißt ja: das dritte Treffen oder Wie Gott wirklich ist. Jetzt schauen wir uns mal unter der Überschrift Jesus und der Kommerz die Verse 13 bis 22 an.
Also Johannes 2,13:
Und das Passa der Juden war nahe. Und Jesus ging hinauf nach Jerusalem, und er fand im Tempel die Ochsen- und Schaf- und Taubenverkäufer und die Wechsler sitzen. Und er machte eine Geißel aus Stricken und trieb sie alle zum Tempel hinaus, auch die Schafe und die Ochsen. Und die Münzen der Wechsler schüttete er aus, und die Tische warf er um. Und zu den Taubenverkäufern sprach er: Nehmt dies weg von hier, macht nicht das Haus meines Vaters zu einem Kaufhaus. Seine Jünger gedachten daran, dass geschrieben steht: Der Eifer um dein Haus verzehrt mich.
Die Juden nun antworteten und sprachen zu ihm: Was für ein Zeichen deiner Vollmacht zeigst du uns, dass du dies tust? Auf gut Deutsch: Was erlaubst du dir eigentlich? Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Brecht diesen Tempel ab, und in drei Tagen werde ich ihn aufrichten. Da sprachen die Juden: 46 Jahre ist an diesem Tempel gebaut worden, und du willst ihn in drei Tagen aufrichten? Er aber sprach von dem Tempel seines Leibes. Als er nun aus den Toten auferweckt war, gedachten seine Jünger daran, dass er dies gesagt hatte. Und sie glaubten der Schrift und dem Wort, das Jesus gesprochen hatte.
Jesus und der Kommerz. Wieder kommt Gott ganz anders. Jesus ist hier der Gegenentwurf zu, na ja, es gibt so amerikanische TV-Prediger, die sich durch einen Spendenaufruf nach dem anderen so manche goldene Nase verdient haben. Es gibt sie leider. Und das ist genau das Gegenteil hier.
Das Problem ist: Jeder unserer Freunde, mit denen wir in der Bibel lesen, kennt Geschichten über irgendwelche Gurus, Prediger, Scharlatane, die die Gutgläubigkeit von einfachen Menschen ausgenutzt haben und ihren Fuhrpark dann auf ein halbes Dutzend Rolls-Royce aufgestockt. Das ist das Problem. Leute gehen so an Leute ran, die predigen. Woher weiß ich, dass du als Prediger es eigentlich ernst meinst? Was ist dein Indiz dafür, dass ich dir vertrauen kann?
Und hier sehen wir, was Jesus macht. Der Tempel in Jerusalem hatte drei Vorhöfe. Was ein Vorhof ist, das ist einfach so ein Bereich, der ist durch eine Mauer abgegrenzt. Da gab es den innersten Vorhof, also da, wo nur gläubige Männer, jüdische gläubige Männer, hinein durften. Außenrum war der Vorhof der Frauen und noch mal außenrum der Vorhof der Heiden. Also wenn ein Heide Gott anbeten wollte, da konnte er gläubig sein, wie er wollte, dann durfte er nur in diesen äußersten Bereich rein.
Und in diesem Bereich war nun Folgendes passiert: Eigentlich sollte dort Ruhe sein, um Gott anzubeten, weil Leute kamen zum Tempel, um einfach Gott zu begegnen. Und du gehst durch dieses Tor rein, und das Erste, was du hörst, ist ein langgezogenes: Muah! Warum? Na ja, da stehen die Ochsenverkäufer. Und dann gurrt es da hinten in der Ecke, es sind die Taubenverkäufer. Und dann mäht es und macht noch ein paar andere Sachen in anderen Ecken. Und dann klimpert es mit dem Geld. Du kommst rein und denkst, du bist bei Kaufhof irgendwie reingegangen, und alles verkauft und schachert und redet und tut, und du hast überhaupt nicht mehr den Eindruck, in einem Tempel zu sein.
Und Jesus geht da rein, und er sieht das, er sieht, was da passiert, weiß natürlich, dass diese ganze Geschichte eine von der Priesterschaft geleitete Abzockerei von den einfachen Leuten ist. Denn die Opfer, die Tiere, die du da kaufen konntest, die waren natürlich ein bisschen teurer. Dafür hatten sie den Stempel priesterlich autorisiert, konntest du als Opfertier verwenden, musst du dir keinen Kopf machen. Und wenn du, jeder männliche Jude ab zwanzig, musste einmal im Jahr eine Tempelsteuer zahlen, wenn du jetzt schon ein bisschen weiter herkommst und dachtest, na ja, ich habe die gängige Währung, die ich da brauche, nicht dabei, dann konntest du das natürlich da wechseln. Und dann bist du an so einen Wechseltisch gegangen und dachtest: Das ist ja ein interessanter Wechselkurs.
Kennt ihr dieses Gefühl, wenn ihr den Eindruck habt, ihr werdet über den Tisch gezogen? Ich meine, ich tue jetzt einer ganzen Berufssparte wirklich Unrecht. Aber ich hatte sowas schon im Verhältnis zu Leuten, die mein Auto repariert haben, wo ich den Eindruck hatte: Er sagt jetzt was, und ich muss das jetzt akzeptieren, so wie er sagt, weil ich kann nicht raus aus der Situation.
Das ist hier auch so. Leute kommen in den Tempel, sie wollen sich ein Tier kaufen, überteuerte Preise, sie wollen ihr Geld wechseln, schlechte Wechselkurse. Und wer verdient an dem ganzen System? Na, die Priesterschaft. Und jetzt kommt Jesus da rein, sieht das, und was tut er? Na ja, er ist gar nicht mehr freundlich, er schmeißt das alles raus.
Das heißt, statt zu sagen: Na ja, das ist doch irgendwie normal, ist es nicht immer so, dass man, wenn man so ein bisschen Religion macht, auch was daran verdienen soll, ist Jesus total dagegen. Er ist bereit, sich anzulegen mit den Leuten, die hier als „die Juden“ bezeichnet werden, in Vers 18. „Die Juden nun antworteten“, also „die Juden“, das ist quasi ein Pseudonym für die politisch aktiven Einflussreichen hier in diesem religiösen Establishment, die so ein bisschen was zu sagen hatten, die Anhänger, die zum Hohen Rat gehören, also alle die, die so die politischen Fäden in der Hand haben und natürlich an so einem System, so einem Tempel, an so einem Tempelkaufhaus ordentlich mitverdienen.
Und Jesus weiß genau: In dem Moment, wo ich da jetzt reingehe und die alle raustreibe, vielleicht sogar das tue, was alle Leute sich gewünscht haben, weil ich kann mir vorstellen, dass es vielen Leuten auf den Keks ging, wenn du in den Tempel gehen willst und das Erste, was du hörst, sind langgezogene Muahs. Er ist bereit, sich mit diesen Leuten anzulegen, die sehr, sehr viel Einfluss haben. Warum? Weil er gegen jede Kommerzialisierung, jede Geschäftemacherei mit Glauben ist.
Warum tust du das, Jesus, wird er gefragt. Na ja, wenn wir das durchlesen, dann sagen wir: Ist doch ganz einfach. Das Zeichen, was er tun wird, ist: Er wird sterben und nach drei Tagen wieder auferstehen. Zugegebenermaßen war das für seine Gegner nicht ganz so leicht zu verstehen. Aber wir wollen ja nur begreifen, was es für uns bedeutet.
Die Leute fragen ihn: Was gibt dir das Recht, hier so aufzutreten und diesen ganzen Religionsbetrieb so durchzuschütteln? Und Jesus sagt: Recht gibt mir mein Leben. Ich werde kommen, ich werde sterben, ich werde auferstehen und dann mit Tod und Auferstehung das ultimative Zeichen dafür setzen, dass ich das Recht hatte, den Tempel tatsächlich zu reinigen.
So wie er formuliert, vergleicht Jesus den Tempel in Jerusalem mit seinem eigenen Leib. Warum tut er das? Er tut es, weil wenn du Gott begegnen wolltest in der damaligen Zeit, was musstest du tun? Du musstest nach Jerusalem ziehen. Das war der Ort, wo man Gott begegnen konnte.
Und wie ist das heute? Wie ist das heute, wenn wir Gott nahe sein wollen? Der Tempel in Jerusalem ist schon lange zerstört, 70 nach Christus, platt, nichts mehr über. Wie ist das heute, wenn du Gott begegnen möchtest, wenn du Gott nahe sein möchtest, wo geschieht das, wie geschieht das? Haben wir noch einen Tempel? Können wir Gott überhaupt nahe sein?
Und die Antwort ist: Ja, es gibt einen neuen Tempel. Und eigentlich sind wir dieser Tempel selber, weil Gott nämlich sich entschieden hat, einen neuen Tempel zu bauen, in dem er durch seinen Heiligen Geist in allen Gläubigen wohnt. Du bist Tempel Gottes jetzt. Du bist Gott so nah, wie es nur irgendwie geht. Weißt du, wie es dazu kam? Weil Jesus dir die Tür aufgemacht hat, Gott zu begegnen. Deswegen ist er der Tempel, er ist der Weg zu Gott. Du möchtest Gott begegnen, du möchtest Gott nahekommen, dann musst du Jesus begegnen. Und wenn du Jesus begegnest, dann ist das genauso, als würdest du im Alten Testament in den Tempel hineintreten und deine Augen aufrichten und anfangen, Gott zu sehen, obwohl du nur diese Steine siehst. Jesus wird tatsächlich zum Inbegriff des Tempels. Und das ist heute noch so. Du möchtest Gott begegnen? Bitte, dann begegne Jesus.
Jesus hat also etwas gegen die Kommerzialisierung des Glaubens. Wenn persönlicher Glaube zum Religionsbetrieb wird, und bitte, das kann uns passieren, dass wir unseren eigenen Glauben nur noch als so eine Routine ablaufen lassen. Wenn sich die Hirten an den Schäfchen gütlich tun, dann wird Gott richtig sauer. Und ich finde es beeindruckend, dass Jesus hier an dieser Stelle nicht Teil des Systems geworden ist.
Habt ihr euch mal überlegt, du hast einen Zwölfjährigen, der sitzt im Tempel, und seine Antworten bringen die Theologieprofis seiner Zeit zum Staunen, wirklich zum Staunen, die wissen nie mehr ein noch aus, sie wissen mit den Fragen nichts anzufangen und mit den Antworten schon gar nichts. Glaubst du nicht, dass so jemand die Möglichkeit hat, in einem System, das auf Religion ausgerichtet ist, das auf Diskutiererei ausgerichtet ist, wo es darum geht, die Bibel gut zu kennen, dass so jemand in so einem System relativ schnell nach oben kommen kann?
Wir haben ein anderes Beispiel, oder? Wir haben so einen anderen Fitten, Paulus von Tarsus. Er war auch nicht dumm, und er ist in dem System relativ schnell nach oben geschwommen. Warum? Weil er nicht dumm war, weil er diskutieren konnte, weil er Antworten hatte, weil er Leute auch mit seinen Worten beeindrucken konnte. Und Jesus ist nicht anders, eher noch mit Zehnerpotenz besser. Aber Jesus, er ist einfach nicht Teil des Systems, er beteiligt sich nicht an diesem Spiel um Macht, er bringt nicht sein eigenes Schärflein ins Trockene. Er lässt sich nicht vor den Karren von Politikern und Machtmenschen spannen. Er ist nicht einer, der sagt: Ich predige Wasser, aber ich trinke Wein. Er ist irgendwie total echt.
Und es geht ihm bei dem Ganzen nur um eine Sache, und er ist bereit, sein eigenes Leben dafür zu investieren. Es geht ihm genau um eine Sache, es geht ihm um Gott. Und wenn er sich mit der ganzen Mannschaft der Priester und ihrer Verbündeten anlegen muss, wird er das tun. Warum? Weil er grundehrlich ist. Und die Frage war: Warum kannst du Jesus vertrauen? Aus genau diesem Grund. Weil er nicht so ist wie die Leute, die du normalerweise im Religionsbetrieb findest. Weil es ihm nicht darum geht, abends noch mal zu schauen, was ist denn durch die Spende alles reingekommen. Weil es ihm nicht darum geht, noch ein Häuschen mehr zu haben oder noch irgendwo ein bisschen bekannter zu werden.
Und das war ein dritter Punkt: Jesus ist extrem vorsichtig, wenn es darum geht, dass Leute sich schnell begeistern lassen.
Jesus und die Oberflächlichkeit. Johannes 2,23-25:
Als er aber zu Jerusalem war, am Passa, auf dem Fest, glaubten viele an seinen Namen, als sie seine Zeichen sahen, die er tat. Jesus selbst aber vertraute sich ihnen nicht an, weil er alle kannte und nicht nötig hatte, dass jemand Zeugnis gebe von dem Menschen, denn er selbst wusste, was in dem Menschen ist.
Jesus legt es nicht darauf an, reich zu werden, und Jesus legt es auch nicht darauf an, eine möglichst große Anzahl von Anhängern zu haben. Das werden wir im Kapitel 6 noch mal deutlicher finden, aber hier wird das schon klar.
Eigentlich hört sich das super positiv an. Auf dem Fest da glaubten viele an seinen Namen. Und eigentlich denkt man: Ja, Wahnsinn, das fängt ja richtig gut an. Er kommt da, und dann geht ein bisschen Zoff, und dann, ach, aber eigentlich sind die Massen doch für ihn. Wenn hier steht, sie glaubten an seinen Namen, dann heißt das, sie glaubten an seine Person, Name und Person sind austauschbar in der Bibel.
Und während man sich noch freut und denkt: Ach super, kommt der nächste Satz. Jesus selbst aber vertraute sich ihnen nicht an. Und man merkt: Irgendwas stimmt nicht. Die Menschen glauben an Jesus, aber Jesus glaubt nicht an die Menschen. Das finde ich eine ganz spannende Sache, weil man doch normalerweise immer denkt, wenn jemand Jesus glaubt, das muss doch reichen. Und hier merkt man, was Glauben eigentlich ist. Ein ganz wichtiger Vers, um zu verstehen, worin Glauben besteht.
Es reicht nicht, dass du sagst: Ich glaube an Jesus. Die viel wichtigere Frage ist: Glaubt Jesus an dich? Das heißt, Glaube ist eine Beziehung, und eine Beziehung reicht, ich habe noch nicht eine Beziehung, wenn ich sage: Boah, ich finde dich toll, solange du sagst: Aber ich dich nicht. Das funktioniert nicht. Eine Beziehung funktioniert so: Ich sage, ich finde dich toll, und du sagst, ich finde dich auch toll. Und dann können wir mal sehen, wie wir da gemeinsam, dass wir uns beide toll finden, zu einer schönen Beziehung aufbauen.
Und hier sind Leute, die sind irgendwo oberflächlich begeistert, die blubbern so ein Lippenbekenntnis heraus: Klar, du gehörst ja auch zu Jesus. Na logisch gehöre ich zu Jesus, doch gar keine Frage. Ja, hast du nicht gesehen, was ein Tempel gemacht hat? Und dann: Kennt Jesus dein Herz? Er weiß, dein ganzer Glaube, der liegt nur auf deiner Zunge, du hast nicht wirklich begriffen, was es heißt, gläubig zu sein, die Konsequenzen nicht abgewogen, du bist nicht bereit für eine Beziehung, die dein Leben ordnen darf, die in dein Leben eingreifen darf, du bist nicht bereit dazu, dass Jesus in deinem Leben klar Schiff macht.
Du willst ihm folgen. Bonhoeffer hat das billige Gnade genannt, das finde ich einen tollen Begriff. Du möchtest schon all das, was Jesus dir anbietet, aber bitteschön, lass mich mit Jüngerschaft in Ruhe, lass mich mit Verzicht in Ruhe, lass mich mein Leben so weiterleben und komm so als kleines Bonbon noch dazu. Und wenn Jesus das im Herzen von Menschen sieht, dann wird er immer sagen: Ich möchte mit dir so nichts zu tun haben. Das reicht mir nicht, das ist tatsächlich zu wenig.
Er kennt unser Herz. Wir werden die nächsten Male Geschichten sehen, zum Beispiel die von Nikodemus, zum Beispiel die von der Frau am Jakobbrunnen, wo wir hoffentlich ein Stückchen erschrecken, wie genau Jesus unsere Herzen kennt, denn da sind Personen, die stellen noch gar keine Fragen, da sagt Jesus ihnen schon die Antwort. So genau kennt er unsere Herzen, wir können ihm nichts vormachen, und ich empfinde das als eine Chance. Ich hoffe, nicht nur so als erdrückend, jetzt wieder so eine Selbstprüfung, dreht es mal um! Wenn du Jesus nichts vormachen kannst, dann ist das eine einmalige Chance, dass wir es gleich lassen. Wir brauchen ihm nichts vorzumachen. Wir dürfen ihm gegenüber absolut ehrlich sein.
Er will die Beziehung. Es ist ja nicht so, dass Jesus sagt: Danke, ich habe zwölf Jünger, mehr wollte ich eh nie haben. Und wenn ihr jetzt kommt, tut es mir auch irgendwie leid, aber mein emotionaler Tank ist voll, ich kann jetzt nicht mehr mehr. Das ist nicht so. Das sagt er ja gar nicht. Aber er lenkt den Blick, unseren Blick, auf das, worum es wirklich geht: Deine persönliche Beziehung zu Jesus.
Und wenn wir das mit jemandem besprechen, der nicht gläubig ist, dann müssen wir ihm sagen: Hey, bitte, nicht vorschnell. Nicht so schnell sagen: Klar, ich glaube jetzt auch an Jesus, super, ich will auch in die Gemeinde kommen, klasse, ich lasse mich auch taufen und so. Aber, hey, hey, cool da, also ein Stückchen vorsichtig. Die Frage lautet nicht: Bist du bereit, irgendwie zu bekennen, dass Jesus toll ist und begeistert von ihm zu sein? Die Frage lautet: Bist du wirklich bereit, dich auf eine lebensverändernde Beziehung einzulassen, wo du an Jesus glaubst und Jesus in diese Beziehung sein Vertrauen in dich investiert und hier etwas wächst, was wirklich neu ist, wo du nicht sagst: Ich mache mein altes Ding weiter und dann gibt es halt jetzt noch ein neues Bubble, so ein Sticker auf meinem T-Shirt: Jesus loves you, und früher waren es halt andere Sticker, die sind auch noch drauf, und dazu kommt halt noch ein neuer Sticker, sondern du sagst: Ich will eine neue Beziehung, ich will eine radikale Lebensveränderung, ich will wirklich glauben.
Und das müssen wir rüberbringen, das muss klar werden. Wenn jemand glaubt, dann wird er nicht Teil der Gemeinde in Mariendorf, dann kommt er nicht in irgendeinen Klub, dann unterschreibt er nicht ein Credo und sagt: Das war’s, vielen Dank, Vereinsmitglied. Darum geht es nicht, es geht um eine Beziehung. Und in einer Beziehung gibt es zwei Seiten. Und wenn du an Jesus glaubst, dann sei sicher, dass Jesus an dich glaubt, dass Jesus dir vertraut.
Fassen wir noch mal zusammen. Das dritte Treffen oder wie Gott wirklich ist.
Erster Punkt: Jesus und die Freude. Die Hochzeit von Kana zeigt uns, dass Gott kein Spaßmuffel ist, der alle Freude verdirbt, sondern genau das Gegenteil. Er will Freude, und er will sie absolut in unser Leben hineinbringen. Auch wenn Freude nicht immer das ist, was du unter Freude verstehst.
Zweiter Punkt: Die Tempelreinigung, Jesus und der Kommerz. Gott ist kein Ausbeuter, sondern statt zu nehmen ist er derjenige, der sich gegeben hat, um den Weg frei zu machen für echte Anbetung, und das für alle.
Dritter Punkt: Jesus und die Oberflächlichkeit. Gott ist nicht an Lippenbekenntnissen interessiert, sondern an einer echten Beziehung. Wisst ihr, in einer echten Beziehung darf man Fehler machen. Ist gut, oder? An einer echten Beziehung, in die beide Seiten, er wie du, Vertrauen investieren.
Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!
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