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Gebet als Krieger Gottes

25.05.2020
Serie•Teil 4 / 4Gebet
Gebet ist nicht nur Bitte – es kann Kampf sein. Entscheidend ist nicht die Lautstärke, sondern ob du in Jesus bleibst und im Blick hast, was seinem Willen entspricht.

Ein neuer Blick auf das Gebet

Kommen wir ein letztes Mal zum Thema Gebet und beenden unsere kleine Reihe zu der Frage: Wie soll man beten? Hinter uns liegen die Themen Gebet als Kinder Gottes und Gebet als Schüler Gottes.
Als Kinder wissen wir, dass Gott weiß, was wir brauchen. Wir teilen ihm unsere Nöte mit und vertrauen darauf, dass das, was er dann an Antworten gibt, die Art und Weise, wie er auf unser Gebet reagiert, dass er es gut mit uns meint.
Als Schüler Gottes haben wir etwas zum Thema anhaltendes Gebet gelernt. Dabei geht es mir nicht darum, dass wir immer wieder dasselbe beten, sondern eher um das, was wir auch beim Thema tägliches Brot sehen. Wir beten jeden Tag darum, dass Gott uns Gelingen für unsere Aufgaben schenkt. Genauso sollen wir als Schüler Gottes dranbleiben an dem Gebet, durch das der Geist Gottes seine Arbeit in unseren Herzen Stück für Stück vollendet.
Wir haben einfach irgendwann gelernt, dass wir nicht ohne ihn leben können, und wir wollen das jetzt auch nicht mehr. Anhaltendes Gebet ist ein Ausdruck für die Ernsthaftigkeit unseres Wunsches, von Gott verändert zu werden. Wir wollen einfach mehr werden wie Jesus.

Gebet mit Autorität und die Frage des Glaubens

Heute soll es um eine dritte Art gehen, wie man beten kann. Ich habe das genannt: Gebet als Krieger Gottes, vielleicht ein bisschen weniger martialisch: Gebet mit Autorität.
Ich möchte an den Anfang zwei Stellen setzen, die genau dieses Thema einleiten. Die erste: Jesus kommt zurück vom Berg der Verklärung, er befreit einen jungen Mann von einem Dämon, und seine Jünger fragen ihn, warum sie das nicht konnten. Sie hatten das vorher probiert. Und seine Antwort ist jetzt nicht: „Na ja, ich bin halt Gott im Fleisch und ihr seid nur Menschen“, sondern er sagt in Matthäus 17,20-21: „Er aber spricht zu ihnen: Wegen eures kleinen Glaubens. Wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr Glauben habt wie ein Senfkorn, so werdet ihr zu diesem Berg sagen: Hebe dich weg von hier dorthin!, und er wird sich hinwegheben; und nichts wird euch unmöglich sein.“
Aha, das ist das Thema: wegen eures Kleinglaubens. Wenn ihr Glauben habt wie ein Senfkorn, dann wird nichts unmöglich sein.
Oder Markus 11, angesichts eines verfluchten und dann kurz darauf verdorrten Feigenbaums, da belehrte der Herr Jesus seine Jünger mit den Worten in Markus 11,24: „Darum sage ich euch: Alles, um was ihr auch betet und bittet, glaubt, dass ihr es empfangen habt, und es wird euch werden.“
Wow! Jesus betont hier die Wichtigkeit unseres Glaubens im Zusammenhang mit autoritativem Gebet. Das heißt, er betont die Tatsache, dass da, wo die richtige Form von Glauben ist, irgendwie nichts unmöglich ist.

Kleinglaube, Rettung und gefährliche Irrwege

So jetzt eine Einordnung, die mir bei dem Thema Glaube, Kleinglaube total wichtig ist.
Kleinglaube ist kein Problem, wenn es darum geht, gerettet zu werden. Woher weiß ich das? Ich schaue mir eine Begebenheit am See Genezareth an, wo Petrus aus dem Boot steigt, zu Jesus hinläuft und sein Glaube ihn auf dem Wasser trägt. Und dann fängt er an, auf die Wellen zu schauen und unterzugehen. Und wisst ihr, was dann passiert? Der Herr Jesus tut in diesem Moment, in dem Petrus zu wenig Glauben hat, Folgendes: In Matthäus 14,31 heißt es: Sogleich aber streckte Jesus die Hand aus, ergriff ihn und spricht zu ihm: Kleingläubiger, warum zweifelst du?
Oder denken wir an den Vater des Jungen, aus dem Jesus den Dämon austreibt. Was sagt er auf die Frage, ob er Glauben hat? Na ja, er sagt: Ich glaube, hilf meinem Unglauben. Spannend. Das klingt auch nicht nach zu viel Glauben, zeigt uns aber: Gott rettet Menschen, wo er Glauben sieht, und sei dieser Glaube noch so klein.
Wir müssen niemals Angst haben, dass Gott uns nicht retten würde, weil unser Glaube nicht groß genug wäre. Ganz wichtig, dass wir das nicht vergessen. Es gibt einfach theologische Richtungen, die aus Glauben eine Leistung machen. Da verschwimmen dann die Grenzen zwischen Glaube und Magie. Da wird dann behauptet: Wenn ich nur genug Glauben habe, dann kann ich die Realität verändern. Dann kann ich der Krankheit, der Armut und meinen Problemen befehlen, dass sie verschwinden sollen. Ich muss nur genug Glauben haben.
Und das ist falsch. Und deshalb ist es auch böse und, in meinen Augen, zutiefst irreführend, wenn man kranken Christen sagt, dass sie gesund werden könnten, wenn sie nur genug Glauben hätten. Oder andersherum, dass sie noch krank seien, oder von mir aus noch arm seien, noch Eheprobleme haben oder keine Ahnung was, und dass das ein Ausdruck davon sei, dass sie nicht genug Glauben hätten. Also: Das ist einfach falsch.
Für alle, die mit dieser Theologie liebäugeln – man nennt sie auch die Wort-des-Glaubens-Bewegung – mein Tipp: Hör damit auf! Diese Bewegung und diese Theologie hat ihren Ursprung nicht in der Bibel, sondern im Spiritismus. Und sie vertritt ein Gedankengut, welches auch von der christlichen Wissenschaft, das ist eine Sekte, gelehrt wird. Sie macht aus Menschen eigentlich einen kleinen Gott.
In dem Wörterbuch der pfingstkirchlichen und charismatischen Bewegungen wird in meinen Augen zu Recht dazu Folgendes geschrieben. Da heißt es: Der Ursprung dieser Ansicht stammt von den Worten der Schlange in 1. Mose 3,4: Ihr werdet sein wie Gott.
Ich denke, dass es stimmt. Das steckt hinter der Idee, dass ich nur genug Glauben haben muss, um mit meinen Worten die Realität nach meinen Wünschen umzugestalten.

Die bleibende Liebe Gottes und der Auftrag der Gemeinde

Nochmal der für mich wichtige Punkt: Wir müssen niemals Angst haben, dass Gott uns nicht retten würde, weil unser Glaube zu klein wäre. Mag sein, dass Gott unseren kleinen Glauben nicht schätzt; tut er tatsächlich nicht und tadelt ihn auch. Aber sein rettendes Eingreifen in unserem Leben hängt nicht an unserem Glauben. Gott liebt uns bedingungslos. Er hat uns schon hundertprozentig geliebt, als wir Sünder waren. Wie viel mehr wird seine Liebe zu uns jetzt feststehen, wo wir Heilige sind.
Gott liebt uns und ist für uns, egal wie viele Zweifel wir haben und wie klein unser Glaube auch sein mag. Gott ist immer für uns. Aber so sehr wir uns seiner Liebe auch bewusst und gewiss sind, so sehr wir wissen, dass er uns trotz unserer Kleingläubigkeit nicht verstoßen wird, sind wir eben auch Krieger Gottes. Wir sind in dieser Welt, um auf Gottes Seite Position zu beziehen, in einem kosmischen Konflikt wirklich auch für ihn zu kämpfen und sein Reich zu bauen. Wir sind als Kinder und Schüler auch Krieger, und als Krieger dürfen wir nicht kleingläubig sein.
Wenn wir als Gottesbotschafter unterwegs sind, um die Mächte des Bösen in die Schranken zu weisen und Menschen aus den Fängen des Teufels zu retten, dann gibt es Situationen, in denen es einfach nur fatal wäre, wenn wir kleingläubig agieren. In solchen Situationen hängt unsere Autorität im Umgang mit dem Bösen tatsächlich von der Festigkeit unseres Glaubens ab.
Die Jünger fragen Jesus: Warum haben wir ihn, gemeint ist den Dämon, nicht austreiben können? Matthäus 17,19. Und Jesus antwortet: Wegen eures Kleinglaubens. Also, sie hatten es versucht. Sie waren vielleicht auch irgendwie davon überzeugt, dass es ihre Aufgabe wäre, dem Jungen zu helfen. Aber im entscheidenden Moment haben sie aufgrund ihres Kleinglaubens versagt. Es fehlte ihnen da etwas, um dem Bösen mit Autorität zu wehren.
Die Frage ist: Wie bekomme ich diese Festigkeit im Glauben? Die Antwort findet sich meines Erachtens im Johannesevangelium. Und es sind wahrscheinlich genau auch die Stellen, die uns beim Lesen des Johannesevangeliums oft irritieren.

Bleiben in Christus als Grundlage wirksamen Bittens

Was macht man mit einer Verheißung wie hier in Johannes 14,14: Wenn ihr mich etwas bitten werdet in meinem Namen, so werde ich es tun?
Was machen wir damit, vor allem dann, wenn wir entdecken, dass wir schon manches von Gott erbeten haben, er es aber nicht einfach so getan hat? Ich bete um eine neue Waschmaschine, und dann ist der alte immer noch da. Gott hat sich irgendwie nicht darum gekümmert. Er hat mir keine neue Waschmaschine geschenkt.
Und wie so häufig: Es lohnt sich immer, den Zusammenhang der Stelle anzuschauen. Fangen wir mit Johannes 15,7, einer anderen Stelle, an, wo es heißt: Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, so werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch geschehen.
Schöne Stelle: Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, so werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch geschehen.
Jesus spricht in diesem Zusammenhang davon, dass er der Weinstock ist und wir die Reben sind. Der Vater ist der Weingärtner, der sich um die Reben kümmert. Warum? Damit sie Frucht bringen, und zwar immer mehr.
Frage: Was ist das für eine Frucht? Ich denke, es ist relativ klar: Es ist die Frucht, die an anderer Stelle von dem Apostel Paulus als die Frucht des Geistes bezeichnet wird. Zumindest erst einmal wird es sich darum drehen, darum, dass wir Jesus immer ähnlicher werden, dass wir denselben Charakter entwickeln. So wie der Weinstock, so auch die Reben. Die Reben tragen das Leben des Weinstocks in sich und bringen die Frucht hervor, die der Weinstock hervorbringen möchte.
Es geht eigentlich immer erst einmal um Christus-Ebenbildlichkeit. Alles andere folgt daraus. Wir müssen erst einmal werden wie Jesus. Und dann, wenn wir da angekommen sind, kann Gott mit uns alles andere machen.
Schauen wir uns noch einmal den Vers an, Johannes 15,7: Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, so werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch geschehen.
Also, es geht hier nicht darum, dass wir irgendetwas bitten, was uns gerade einfällt: Herr, ich hätte gern ein neues Auto. Herr, ich hätte gern Urlaub auf den Malediven. Sondern das Thema des Textes, der Kontext, macht klar: Es geht um Bitten, die mit der Entwicklung von uns als Christen zu tun haben. Es geht darum, dass wir Frucht bringen, mehr werden wie Jesus.
Das Bild vom Weinstock, dem Weingärtner und den Reben ist wahr, aber es ist natürlich, wie jedes Bild, unvollständig. Es beantwortet eigentlich gar nicht die Frage: Wie sind eigentlich die Reben an diesem Prozess beteiligt? Machen die gar nichts?
Und jetzt sehen wir im Text: Na ja, wenn wir Reben sind am Weinstock Jesus, dann machen wir schon etwas. Wir bleiben nämlich in ihm. Wir halten die Beziehung zu Jesus.
Wie macht man das? Ganz einfach: indem seine Worte in uns bleiben. Also bleibe ich so nah und eng an Jesus, wie es mir gelingt, seine Gedanken zu denken. Es muss sein Wille sein, der mich durchdringt. Es müssen seine Worte sein, die mich prägen. Und in dem Maß, wie das gewährleistet ist, in dem Maß ist auch Jesus in mir. Und in dem Maß werden wir dann auch klug bitten, und es wird geschehen.
Noch einmal: Es geht nicht darum, dass wir irgendetwas bitten, was uns gerade einfällt. Es geht darum, dass wir im Prozess der Heiligung eng an Jesus dranbleiben, indem wir uns viel mit seinem Wort beschäftigen und immer mehr verstehen, was ihm wichtig ist. Und dann erkennen, was er sich für uns und unsere geistliche Entwicklung wünscht.
Und mit dieser Festigkeit, da gibt es etwas, was Jesus sich wünscht, da steckt eine Verheißung im Wort Gottes, auf die ich zurückgreifen kann, mit dieser Festigkeit dann im Gebet den Vater bitten, dass er uns die jeweilige Bitte um Veränderung und Reinigung erfüllt.
Also: Festigkeit im Glauben hat damit zu tun, dass ich in Jesus bleibe und seine Worte in mir bleiben. Ein Gebet, das Kraft hat, ist ein Gebet, das sich nicht um meine eigenen selbstsüchtigen Gedanken und Träume dreht, sondern das aus dem Wort Gottes heraus erwächst, aus der Gemeinschaft mit Jesus und mit dem Ziel, Frucht zu bringen, die Frucht, die Gott sich wünscht. Angefangen in meinem Leben, aber natürlich darüber hinaus. Es ist irgendwie logisch: Es bleibt nie bei mir stehen.

Beten im Namen Jesu

Eine andere Stelle, ebenfalls aus dem Johannesevangelium, ist Johannes 14,12-14:
„Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer an mich glaubt, der wird auch die Werke tun, die ich tue, und wird größere als diese tun, weil ich zum Vater gehe. Und was ihr bitten werdet in meinem Namen, das werde ich tun, damit der Vater verherrlicht werde im Sohn. Wenn ihr mich etwas bitten werdet in meinem Namen, so werde ich es tun.“
So, bitte wieder den Zusammenhang betrachten. Hier spricht Jesus davon, dass seine Jünger größere Werke tun werden als er selbst. Das heißt, sie werden mit demselben Auftrag in die Welt hinausgesandt, den er hatte. Er hat den Auftrag als Erster vom Vater bekommen, reicht ihn weiter, und sie sollen das Werk, das er angefangen hat, vollenden. Und im Blick auf diesen Auftrag bekommen sie jetzt ein Versprechen.
Ich bringe noch einmal eine andere Stelle, die dasselbe Versprechen zum Ausdruck bringt, in Johannes 16,23:
„Und an jenem Tag werdet ihr mich nichts fragen. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Was ihr den Vater bitten werdet in meinem Namen, wird er euch geben.“
So, es geht um die Frage: Welches Gebet hat Kraft? Kraft, weil es eine Verheißung trägt. Die Verheißung, dass Gott dieses Gebet erhört. Und wir wissen schon: Es ist ein Gebet, das sich aus dem Wort heraus nähert. Und jetzt hier das Gebet, das wir im Namen Jesu bitten.
Die Frage muss erlaubt sein: Was heißt es, im Namen Jesu zu bitten? Zuerst einmal gilt, dass der Name in der Bibel für eine Person steht. Das ist immer so. Wenn ich also im Namen Jesu bete, dann hat das nichts damit zu tun, dass ich am Ende meiner Gebete so eine Floskel anhänge: „Das bete ich im Namen Jesu.“ Ich kann das machen, aber das ist nicht damit gemeint, okay?
Wenn ich im Namen Jesu bete, dann bete ich zum Vater an seiner Stelle. Ich möchte ein Beispiel machen. Ich bin der Typ, der dieses Jahr viel zu spät daran gedacht hat, seine Sommerräder aufziehen zu lassen. Ich lasse das von der Werkstatt machen. Die lagert dann auch meine Räder ein. Und jetzt nehmen wir mal an, ich mache das, und ich habe einen Termin, um das bei der Werkstatt machen zu lassen. Ich habe jetzt aber keine Zeit, mein Auto abzuholen, und du bietest mir an, das für mich zu erledigen. Dann gehst du in meinem Namen zur Werkstatt.
Alles, was ich dort tun darf, darfst du auch. Du darfst die Rechnung quittieren, du bekommst den Fahrzeugschein, die Schlüssel, du darfst das Auto dann auch mitnehmen, darfst damit davonfahren. Alles hat einen Grund. Es ist der Grund, dass du dort in meinem Namen bist. Du bist in meinem Namen dort hingegangen, hast mein Recht, meine Autorität.
Jetzt verstehen wir: Wenn wir im Namen Jesu bitten, dann beten wir mit der Autorität Jesu. Dann beten wir mit seinem Recht, bei Gott gehört zu werden. Aber Vorsicht! Wenn du in meinem Namen in die Werkstatt gehst, dann bedeutet das nicht, dass du mit meinem Auto machen kannst, was du willst. Du kommst in meinem Namen, um das Auto abzuholen. Und wenn du jetzt auf die Idee kommst, ich könnte ja eigentlich auch noch auf Jürgens Kosten einen Ölwechsel machen lassen, dann ist das nicht mehr in meinem Namen. Irgendwie klar, oder?
In meinem Namen bedeutet, dass du das tust, was ich getan hätte und was ich von dir will. Das heißt, im Namen Jesu beten. Im Namen Jesu beten heißt, dass ich zu Gott bete und dabei im Blick habe, was Jesus gebetet hätte, was ihm in der Situation, in der ich mich befinde, wichtig geworden wäre. Im Namen Jesu beten heißt, aus derselben Abhängigkeit, aus derselben Motivation, aus derselben Hingabe heraus zu beten, wie Jesus gebetet hätte. Das heißt, im Namen Jesu beten.

Die Gemeinde im geistlichen Kampf

Lasst uns einfach ein schönes Beispiel anschauen: Apostelgeschichte 4. Dort geht es um den ersten Angriff auf die Apostel. Gerade war die Gemeinde entstanden, Tausende waren zum Glauben gekommen, und da werden Petrus und Johannes verhaftet und genau vor das Gericht gestellt, das wenige Wochen vorher den Herrn Jesus verurteilt hatte, den sogenannten Hohen Rat.
Der kann ihnen jetzt nicht viel antun, aber es wird trotzdem ein offizielles Predigtverbot ausgesprochen. Da heißt es in Apostelgeschichte 4,18: Und als sie sie gerufen hatten, geboten sie ihnen, sich überhaupt nicht in dem Namen Jesu zu äußern noch zu lehren. Wow, Predigtverbot!
Sie müssen sich jetzt entscheiden, was sie tun sollen. Und das Erste, was sie tatsächlich tun, ist: erst einmal beten. Guter Tipp: Wenn du nicht weißt, was du tun sollst, bete.
Und jetzt hören wir uns dieses Gebet der Gemeinde an. Da heißt es in Apostelgeschichte 4,23-31: Als sie aber entlassen waren, kamen sie zu den Ihren und verkündeten alles, was die Hohenpriester und die Ältesten zu ihnen gesagt hatten. Sie aber, als sie es hörten, erhoben einmütig ihre Stimme zu Gott und sprachen: Herrscher, der du den Himmel und die Erde und das Meer gemacht hast und alles, was in ihnen ist, der du durch den Heiligen Geist, durch den Mund unseres Vaters, deines Knechtes David, gesagt hast: Warum tobten die Nationen und sannen Eitles die Völker? Die Könige der Erde standen auf, und die Fürsten versammelten sich gegen den Herrn und seinen Gesalbten.
Übrigens ist das ein prophetisches Zitat aus Psalm 2. Denn in dieser Stadt versammelten sich in Wahrheit gegen deinen heiligen Knecht Jesus, den du gesalbt hast, sowohl Herodes als auch Pontius Pilatus mit den Nationen und den Völkern Israels, alles zu tun, was deine Hand und dein Ratschluss vorherbestimmt hat, dass es geschehen sollte.
Das ist Gebet im Namen Jesu. Sie beginnen erstens damit, dass sie die Größe Gottes anbeten, den Gott, der den Himmel und die Erde und das Meer gemacht hat, und alles, was in ihnen ist. Und mit diesem Blick auf die Größe Gottes werfen sie jetzt einen Blick in die Bibel und analysieren ihre Position. Sie analysieren sie aber nicht auf der Grundlage ihrer Gefühle oder ihrer Wünsche, sondern auf der Grundlage von Gottes Wort. Und sie werden fündig.
 Psalm 2 beschreibt die Opposition, die ihr Herr erfahren musste und der sie nun als seine Nachfolger auch ausgesetzt waren. Sie waren tatsächlich in die Fußstapfen Jesu getreten, und sie waren jetzt von denselben Männern verurteilt und verfolgt worden, die bereits ihren Herrn ans Kreuz hatten schlagen lassen.
Aber Psalm 2 macht noch etwas klar: Hier wird Schrift erfüllt. Die Opposition ist prophezeit, sie ist real, aber im Hintergrund wirkt Gott. Das Kreuz ist kein Unfall, die Erlösung des Menschen ist kein Versehen. Sie stehen als Jünger tatsächlich im Zentrum der Heilsgeschichte, und Gott hatte sie damit beauftragt, das Evangelium zu predigen.
Und liest man Psalm 2 weiter, dann sehen wir, was Gott über diese Männer denkt, die versucht hatten, sich seinem Willen in den Weg zu stellen. Da heißt es in Psalm 2,4: Der im Himmel thront, lacht, der Herr spottet über sie.
Bis ja auf Golgatha wurde der ewige König gekrönt, um seine Herrschaft auf der Erde anzutreten. Was für ein irrer Gedanke, dass der Hohe Rat sich hinstellt und jetzt verbieten will, dass die Apostel, die Gesandten des Königs, im Namen Jesu reden. Wer sind diese Männer? Wofür halten sie sich? Hatten sie wirklich nichts aus der Auferstehung gelernt? Hatten sie nicht begriffen, dass Gott seinen Christus gerechtfertigt hat, dass er ihn aufgenommen und zur Rechten Gottes gesetzt hat? Er hat den Ehrenplatz im Himmel, und niemand, wirklich niemand, darf diese Botschaft aufhalten, die mit der Predigt von Jesus selbst ihren Anfang genommen hat.
Und deswegen beten jetzt die ersten Christen mutig in dieser Linie weiter. Apostelgeschichte 4,29-31: Und nun, Herr, sieh an ihre Drohungen und gib deinen Knechten, dein Wort mit aller Freimütigkeit zu reden, indem du deine Hand ausstreckst zur Heilung und Zeichen und Wunder geschehen durch den Namen deines heiligen Knechtes Jesus. Und als sie gebetet hatten, bewegte sich die Stätte, wo sie versammelt waren, und sie wurden alle mit heiligem Geist erfüllt und redeten das Wort Gottes mit Freimütigkeit.
Halleluja, genau das ist Gebet im Namen Jesu. Sie starten mit Anbetung, sie schauen in das Wort Gottes und erinnern sich: Wenn mein Wort in euch bleibt, haben wir vorhin gelesen. Sie schauen, was Gottes Wort ihnen zu sagen hat, sie haben Gottes Auftrag im Blick, und dann bestätigt Gott ihr Gebet.
Und deswegen beten sie eben nicht zuerst um Bewahrung. Ich glaube, das wäre das, was uns zuerst eingefallen wäre: Gott bewahre uns, jetzt werden wir hier verfolgt, huuuh. Sie beten gar nicht um Bewahrung, sie beten um Freimütigkeit.
Für sie ist völlig klar: Verfolgung gehört dazu, das ist normal. Und sie verstehen: Die größte Gefahr besteht für sie nicht darin, ins Gefängnis geworfen zu werden. Die größte Gefahr für sie besteht darin, aufgrund fehlender Freimütigkeit zu schweigen. Davor haben sie Angst, dass sie schweigen, dass sie sich nicht trauen könnten, die ihnen anvertraute Botschaft weiterzugeben.
Davor haben sie Angst. Und weil sie das beten, was auch Jesus in dieser Situation gebetet hätte, weil sie seinen Gebetssinn teilen, weil sie seine Vision teilen, weil sie seinen Auftrag teilen, Reich Gottes zu bauen, deshalb das kleine Erdbeben, deshalb die Erfüllung mit dem Heiligen Geist und deshalb in der Folge dann auch die Erhörung ihres Gebets. Das heißt, sie redeten das Wort Gottes mit Freimütigkeit.

Der Kampf gegen unsichtbare Mächte

Was ihr hier seht, sind Krieger Gottes in Aktion. Wir kämpfen nicht gegen Fleisch und Blut. Menschen sind nie unsere Gegner, sondern es sind die geistlichen Mächte, die hinter ihnen stehen.
Wir wollen Menschen befreien. Menschen, die verblendet sind, die Lügen glauben, die oft nicht einmal erkennen können, dass sie Erlösung und Befreiung brauchen. Menschen, die von ganzem Herzen vielleicht glauben, dass es nicht mehr gibt als das, was sie sehen, und die auch keine Hoffnung auf ewiges Leben haben.
Wir sind die, die sich selbst verleugnen, jetzt unser Kreuz tragen, um einen Auftrag in dieser Welt zu erledigen. Wir sind Krieger Gottes, die keine Zeit haben, sich jetzt groß mit diesem Leben, in dem wir drinstecken, zu beschäftigen.
Was heißt es in 2. Timotheus 2,3-4? Nimm teil an den Leiden als ein guter Streiter, wörtlich Soldat Christi Jesu. Niemand, der Kriegsdienste leistet, verwickelt sich in die Beschäftigungen des Lebens, damit er dem gefalle, der ihn angeworben hat.
Ihr Lieben, wir haben einen Job zu erledigen. Wir haben eine Mission zu erfüllen. Wir haben einen Brückenkopf zu verteidigen, und die Waffe unseres Kampfes ist Gebet. Gebet, das glaubt, empfangen zu haben, bevor es sieht. Gebet, das weiter betet und fastet, bis es erhört wird, weil es weiß, dass wir nicht allein sind, dass wir Teil eines kosmischen Konfliktes sind, in dem unser Gebet ein wichtiger, aber bei weitem nicht der einzige Bestandteil ist.

Daniel als Fenster in den geistlichen Konflikt

Lasst uns diesen Gedanken abschließend in Daniel 10 betrachten. Es ist ein eher merkwürdiger Text, der uns einen der ganz seltenen Blicke in die Welt der Engel und Dämonen gewährt.
Kurz zum Hintergrund: Der Prophet Daniel bekommt eine Offenbarung über eine große Mühsal am Ende der Zeit. Er möchte besser verstehen, was er da gesehen hat, wahrscheinlich in einer Vision. Er betet, beginnt zu fasten, und dann heißt es in Daniel 10,2-3:
In jenen Tagen trauerte ich, Daniel, drei volle Wochen. Köstliche Speise aß ich nicht, und weder Fleisch noch Wein kamen in meinen Mund, und ich salbte mich nicht, bis drei volle Wochen um waren.
Und wir lernen: Wenn wir im geistlichen Kampf stehen, dann braucht es Gebet. Hier geht es Daniel darum, dass er besser versteht, was Gott ihm zu sagen hat. Und wir könnten an ganz andere, genauso wichtige Entscheidungen denken: wenn wir zum Beispiel ein neues Auto kaufen wollen und dafür so viel Geld ausgeben, wie man bräuchte, um das Neue Testament in eine neue Sprache zu übersetzen; oder wenn wir uns fragen, wie wir es schaffen, dass unsere Enkel in einer Gemeinde groß werden können, in der die Bibel noch Wort Gottes ist; oder wenn ich vor der Frage stehe, wie ich in einer schwierigen Ehe leben kann, ohne mutlos zu werden; oder wenn ich vielleicht Sünde habe, die an mir klebt, und ich habe mich schon viel angestrengt, aber ich schaffe es einfach nicht, sie abzuschütteln; oder wenn wir Weisheit brauchen für den nächsten Schritt im Beruf, in der Ausbildung.
Bei all diesen wichtigen Fragen, wo wir uns einfach nicht irren dürfen, da, wo es auch darum geht, dass wir als Krieger Gottes unseren Auftrag erfüllen, da brauchen wir Gebet und Fasten. Mal drei Wochen auf Fleisch, Alkohol und Parfüm zu verzichten, das geht. Du kannst auch auf andere Weise fasten. Aber es ist wichtig, dass wir begreifen: Bei diesen wichtigen Dingen wird die Art, wie wir beten, ob wir das mit Fasten tun, flehentlich tun oder auch mit Gelübde tun, ein Ausdruck davon sein, wie sehr wir wirklich bemüht sind um die Antwort.
Ganz einfach: Es gibt solche Dinge, da brauchen wir Gottes Weisheit. Und da sollte das für Krieger Gottes, was wir hier sehen, völlig normal sein.
Nur ein Nebengedanke. Machen wir weiter.
Wichtig ist mir der Moment, als Daniel nach drei Wochen eine erschreckende und furchteinflößende Begegnung mit einem Engel hat, der ihm dann die Antwort auf seine Gebete bringt. Und zitternd hört Daniel jetzt die Erklärung in Daniel 10,12-13:
Und er, das ist der Engel, sprach zu mir: Fürchte dich nicht, Daniel! Denn vom ersten Tag an, als du dein Herz darauf gerichtet hast, Verständnis zu erlangen und dich vor deinem Gott zu demütigen, sind deine Worte erhört worden, und um deiner Worte willen bin ich gekommen. Aber der Fürst des Königreichs Persien, das ist ein mächtiger Dämon; wir wissen nicht mehr über ihn als das, was hier steht. Aber der Fürst des Königreichs Persien stand mir einundzwanzig Tage entgegen, und siehe, Michael, einer der ersten Fürsten, kam, um mir zu helfen, und ich wurde dort entbehrlich bei den Königen von Persien.
Was für eine schräge Sache! Daniel betet um Weisheit, Gott erhört sofort das Gebet Daniels. Das heißt im Text: Denn vom ersten Tag an, als du dein Herz darauf gerichtet hast, Verständnis zu erlangen, sind deine Worte erhört worden. Aber Erhörung heißt nicht gleich, dass Daniel auch die Antwort bekommt. Bitte merken wir uns das. Das ist ein wichtiger Punkt. Erhörung eines Gebets bedeutet nicht Erfüllung.
Gott schickt seinen Engel los, aber der wird aufgehalten, genau genommen in einem Konflikt, der für Menschen unsichtbar ist, 21 Tage lang. Und Daniel muss warten. Er muss weiter fasten, weil er nämlich nicht weiß, was los ist.
Wie gesagt, ein ganz schräger Text. Wir lesen wenig über die Welt der Engel in der Bibel, aber eines wird deutlich: Wir sind mit unseren Gebeten nicht allein. Es ist eben nicht so, dass es nur Gott im Himmel und mich und mein kleines Leben gibt. Nein, wir sind Teil eines riesigen, eines gigantischen kosmischen Konflikts, der Zeit und Welt überspannt. Und wir stehen als Punkt mittendrin.
Und wir dürfen hier einen kurzen Blick hinter die Kulissen tun, aber wir sind weit entfernt, die Hintergründe und die Zusammenhänge dieses Konflikts wirklich zu erfassen. Wir dürfen einfach nur verstehen, dass viel, viel mehr passiert, als uns klar ist. Und das muss uns reichen. Es muss reichen, um zu begreifen: Geistlicher Kampf ist keine einfache Disziplin, kein einfaches Thema. Und es muss reichen, zu verstehen, dass ich, wenn ich Krieger Gottes sein will, Gebet lernen und üben muss, und zwar Gebet mit Fasten, Flehen, Gelübde, das komplette Programm.

Leben für die Mission

Was ist dabei wichtig? Der Krieger lebt für seine Mission. Ich sage das noch einmal: Der Krieger lebt für seine Mission. Er weiß, dass er nicht scheitern darf. Er weiß, dass er Teil einer größeren Sache ist. Deshalb bleibt er so eng wie möglich mit dem Oberkommando verbunden. Der Herr Jesus würde sagen: Bleibt in mir, und meine Worte in euch.
Der Krieger handelt im Auftrag und im Namen seines Herrn. Es geht ihm nicht mehr um sein Leben. Das ist ganz wichtig. Als Christ geht es mir nicht mehr um mein Leben. Das ist nicht mehr das Wichtigste, sondern es geht um die Sache, der ich mich verschrieben habe. Ich lebe für den Kampf gegen die geistlichen Mächte des Bösen. Dafür lebe ich. Und wie ich das möglichst effektiv ausrichten kann, darüber denke ich nach. Mein Gebetsleben ist von diesem Konflikt geprägt. Ich weiß, dass ich in einem Konflikt stehe, und ich weiß, dass es in diesem Konflikt tatsächlich um Leben und Tod geht. Dass mein eigenes geistliches Überleben und das Überleben meiner Familie und meiner Freunde davon abhängt, dass ich bete.
Und so möchte ich diese vierteilige Gebetsreihe folgendermaßen beenden: Beter sind Kinder, Schüler und Krieger. Als Kinder bringen wir Gott unsere Nöte und Wünsche. Als Schüler legen wir ihm beständig unseren Wunsch nach Veränderung und Heiligung hin. Und als Krieger treten wir in den Kampf ein, der um Seelen tobt, um Seite an Seite mit den anderen Heiligen und den Engeln den guten Kampf zu kämpfen, zu dem wir berufen sind. Amen.

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