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Apostelgeschichte 13.40-52

Apostelgeschichte 13,40-13,5206.11.2016
Serie•Teil 28 / 64Apostelgeschichte
Echtes Glauben heißt: nicht mehr auf dich selbst bauen. Genau daran stößt sich der Stolz – und genau dort beginnt die Freiheit, die Schuld wirklich loswird.

Einordnung in die Missionsgeschichte und die Frage nach echtem Glauben

Wer noch dabei ist und so ein bisschen weiß, wo wir uns gerade befinden: Apostelgeschichte. Und da stecken wir mitten in einer Begebenheit in Antiochia in Pisidien, das ist die heutige Türkei. Wir sind dort angekommen, wir befinden uns auf der ersten Missionsreise. Das Missionsteam besteht noch aus Barnabas und Paulus, und Lukas nimmt sich ein ganzes Kapitel, Apostelgeschichte 13, Zeit, erinnert sich wirklich viel Zeit, damit wir einen Eindruck davon bekommen, wie Paulus in einer Synagoge, also vor jüdischen Zuhörern, das Evangelium predigt.
Wir haben beim letzten Mal gesehen: Paulus beginnt damit, dass er Gott vorstellt, und zwar einen bestimmten Aspekt von Gott. Er beginnt damit, den Israeliten in ihrer Geschichte zu zeigen: Gott ist ein Rettergott. Er ist ein Gott, der schon immer ein ungerechtes Volk am Leben erhalten hat. Und dann geht er einen Schritt weiter. Er greift zurück auf Verheißungen, die David bekommen hat, skizziert kurz das Wirken von Johannes dem Täufer und zeigt, dass diese alte Idee, Gott ist ein Rettergott, all das kulminiert in dem einen Retter, nämlich in Jesus. Und mit Jesus kommt dann das Evangelium, die gute Nachricht. Und die ist nichts anderes als: Tatsächlich kann jeder Glaubende gerettet werden.
Und wenn man das so durchdenkt, jeder Glaubende kann gerettet werden, dann möchte ich am Anfang noch einmal sagen: Nicht jeder Glaube rettet. Das hört sich erst einmal komisch an. Also: Jeder Glaubende wird gerettet, aber trotzdem rettet nicht jeder Glaube. Es gibt Glauben, der nicht retten kann. Es gibt also etwas, da steht irgendwie Glaube drauf, aber da ist kein rettender Glaube drin.
Und das muss uns immer klar sein, wenn wir Apostelgeschichte lesen, wenn wir uns mit diesen evangelistischen Predigten beschäftigen, dass von den Aposteln immer Glaube gefordert wird in der Originalversion, der richtige Glaube. Also nicht dieses, und Jakobus würde sagen, es gibt zum Beispiel Glauben, der nicht mehr ist als ein Lippenbekenntnis, wo jemand zwar mit dem Mund sagt: Ich glaube, aber wenn man sich das Leben anschaut, steckt da irgendwie kein Glaubensleben dahinter. Könnte das in Jakobus 2, ab Vers 14, mal nachlesen. Ein solcher nur geplapperter Glaube kann natürlich niemanden retten.
Und genauso, wenn Glaube nicht mehr ist als eine momentane Begeisterung. Und in dem Moment, wo das Leben dann mit dem Glauben kompliziert wird, nachteilig wird, dann lässt man es wieder sein. Der Herr Jesus spricht im Gleichnis vom Sämann davon, dass es Leute gibt, die für eine Zeit lang glauben und in der Zeit der Versuchung abfallen: Lukas 8,13. Und solcher Glaube rettet natürlich auch nicht. Also wenn Glaube nur eine Behauptung darstellt, ohne dass da Substanz dahinter ist, oder einfach nur Begeisterung ist, aber in dem Moment, wo es mich etwas kostet, lasse ich das sofort wieder fallen, dann ist das kein rettender Glaube.
Aber das ist auch nicht der Glaube, um den es Paulus oder Barnabas oder Petrus geht. Und die Tatsache, dass es tatsächlich falschen Glauben gibt, dass Menschen meinen zu glauben, ohne dass es echt ist, also ein Glaube, der nur so tut als ob, der aber, so wie bei Hananias und Saphira, da haben wir das ja schon einmal gelesen miteinander, nie vorhat, wirklich Jesus nachzufolgen, nie vorhat, für Jesus zu leben, dieser falsche Glaube, den es gibt und den wir bestimmt schon erlebt haben bei Leuten, der darf uns nie davon abhalten, zu glauben, dass es auch rettenden Glauben, richtigen Glauben gibt.
Und deswegen sagt der Apostel Paulus das in 2. Korinther 13,5: Prüft euch, ob ihr im Glauben seid. Und ich möchte euch Mut machen, diese Frage immer wieder an euch heranzulassen: Ist das, was ich behaupte, ist das, wovon ich begeistert bin, echt? Es ist gut, sich diese Frage zu stellen, gerade wenn man vielleicht am Anfang des Glaubenslebens noch steht und wenn man noch nicht so gefestigt ist.
Auf der anderen Seite: Wir dürfen uns auch nicht irre machen lassen. Also man darf nicht ständig sich selber prüfen und sagen: Huch, bin ich jetzt richtig? Sondern man muss auch mal ganz ehrlich sagen: Ja, bin ich. Ja, ich bin richtig. Oh, ich habe den richtigen Glauben, da ist der richtige Inhalt drin, das hat den richtigen Anfang genommen, ja, und das sieht man in meinem Leben. Ich bin nicht perfekt, aber ich bin mit Jesus unterwegs. Und wenn du das sagen kannst, dann freu dich darüber. Dann halt das fest und sag: Ich bin gut, ich gehöre zu den Heiligen. So wie du das vorgelesen hast, ja, ich gehöre zu denen, 1. Korinther 6, wo meine Sünden abgewaschen sind, ich gehöre zu den Geheiligten, ich gehöre zu denen, die gerechtfertigt sind.
Und da sind wir bei dem Stichwort Rechtfertigung. Echter Glaube gibt uns den Zugang zur Rechtfertigung. Und ich habe letztes Mal den Begriff versucht ein bisschen zu erklären. Und ich weiß: Dieser Begriff Rechtfertigung, der geht so unglaublich sperrig runter. Das ist so wie auf Sägemehl kauen. Das ist so ein typisch theologischer Begriff, den du eigentlich nur noch am Sonntagvormittag hörst oder wenn du in der stillen Zeit Paulusbriefe liest.
Und trotzdem: Reformation vor 500 Jahren, wenn wir mal zurückgehen, dieser Begriff treibt den Mönch Martin Luther an, sich ganz neu mit der Bibel zu beschäftigen. Martin Luther stellt sich eine Frage, und die Frage lautet: Wie bekomme ich einen gnädigen Gott? Das ist nichts anderes als zu fragen: Wie werde ich vor Gott gerecht, also gerechtfertigt? Ich weiß, dass unsere Zeit kaum mehr Raum lässt für so eine Frage. Aber Gott, und da war sich Martin Luther einfach so ganz klar, Gott ist heilig und er hasst alles Unheilige. Gott ist gut und er hasst alles Böse. Gott ist Richter, und auch wenn mir das nicht passt: Er wird mich einmal für jeden bösen Gedanken, für jedes böse Wort, jede böse Tat richten.
Also die Frage, wie kann ich Gnade vor Gott finden, diese Frage ist tatsächlich noch wichtiger als: Was ist der Sinn des Lebens? Auch keine blöde Frage, da kann man sich auch mal Gedanken darüber machen. Aber ich verstehe Martin Luther, wenn er ins Zentrum seiner persönlichen Sehnsucht die Frage stellt: Was muss ich tun, damit ich in Gottes Gericht freigesprochen werde?
Und die Antwort, die Luther umgehauen hat, die Antwort, die letztlich ihn in eine Reformation hineingetrieben hat: Luther stand ja nicht einfach 1517 da und hat sich überlegt, was machen wir aus dem Jahr, wir könnten mal die Reformation anzetteln. Das war ja nie seine Idee, neue Kirche. Sondern er steht da und er liest, und er hat die Jahre davor schon gelesen, vor allem den Römerbrief. Und er beschäftigt sich mit der Frage: Wie kann ich gerecht werden vor Gott? Und er kommt aus einem Glaubenssystem, wo es darum geht: Schaff was, mach was, streng dich an.
Und weil Luther ein ganz feines Gewissen hat, merkt er: Es ist völlig egal, wie viel ich mir vornehme, ich schaffe es nicht. Und dann liest er den Römerbrief, und mit einem Mal merkt er: Die Frage, was muss ich tun, damit ich in Gottes Gericht freigesprochen werde, hat die Antwort: Ich muss glauben. Oder anders ausgedrückt: Ich kann gar nichts tun. Ich bin tatsächlich hoffnungslos verloren, aber ich darf mich, und das ist das Geschenk der Gnade, ich darf mich rückhaltlos an einen anderen hängen, der für mich gestorben ist, der für mich auferstanden ist, der für mich lebt. Ich darf mich an diesen Jesus hängen.
Es gibt tatsächlich Vergebung von Sünden, und zwar ein für allemal, aber nicht für den, der sich anstrengt, sondern für den, der glaubt. Und wenn man das so hört und wenn man vor allem das Ringen eines Luther so ein Stück nachvollzieht, und ich weiß nicht, schaut euch wenigstens vielleicht einen Lutherfilm an, jetzt im Reformationsjahr, man muss ja nicht eine ganze Biografie lesen, aber wenn man das so mitbekommt, dann würde man denken: So eine gute Nachricht, so ein Evangelium müsste doch eigentlich einschlagen wie eine Bombe. Was kann sich ein Mensch eigentlich anderes wünschen? Gott wird Mensch, er bezahlt für meine Schuld und er bietet mir an, sein Jünger zu werden. Wow!
Und wenn ich das tue, also wenn ich wirklich an ihn glaube und wenn ich in der Folge dann für ihn lebe, dann verspricht mir Jesus: Hey, wenn ich wiederkomme, dann werde ich dich auferwecken und du wirst alle Zeit bei mir sein. Und übrigens: Du wirst Lohn empfangen, ich werde dir etwas mitbringen, ich werde dir das eigentliche Leben, wonach du dich immer gesehnt hast, mitbringen, und du wirst das in meiner Gegenwart eine Ewigkeit lang leben. Und dann gibt es so herrliche Dinge wie, dass die Bibel von einem Auferstehungsleib redet, neuer Himmel, neue Erde, wo es keine Sünde mehr gibt, keinen Tod mehr gibt, keine Krankheit, keinen Krieg. Und eigentlich müsste man sagen: Halleluja, ganz ehrlich, was kann einem Menschen denn Besseres passieren?
Und trotzdem, wie wir gleich sehen werden, schlägt das Evangelium nicht ein, jedenfalls nicht bei den Juden. Und die Frage ist: Warum? Was macht das Evangelium so unattraktiv? Warum muss Paulus, er hat ja gerade das Evangelium gepredigt, wir haben das in der letzten Predigt miteinander betrachtet, warum muss er sofort seine Zuhörer mit folgenden Worten ermahnen: Apostelgeschichte 13, die Verse 40 und 41. Da sagt er: Seht nun zu, dass nicht eintreffe, was in den Propheten gesagt ist. Und jetzt schaut er zurück ins Alte Testament und zitiert Altes Testament. Und schon im Alten Testament wird angedeutet, dass, wenn das Evangelium den Juden gepredigt wird, es zuerst einmal nicht auf eine breite Akzeptanz stößt, sondern auf Ablehnung. Und Paulus weiß das und er sagt: Passt auf, es gibt da so eine Art negative Verheißung, das soll sich jetzt in eurem Leben bitte nicht erfüllen. Und die heißt dann Vers 41: Seht, ihr Verächter, und wundert euch und verschwindet, denn ich wirke ein Werk in euren Tagen, ein Werk, das ihr nicht glauben werdet, wenn es euch jemand erzählt.
Also hier werden Menschen das Evangelium hören, und schon das Alte Testament spricht davon, dass sie es verachtenswert finden. Was macht eigentlich das Evangelium so verachtenswert? Und zwar bis heute in den Augen von ganz vielen Menschen. Und die Antwort steckt im Herzen des Menschen.
Ich will mal was behaupten. Ich behaupte mal, es fällt uns als Menschen eigentlich nicht schwer zu sehen, dass mit uns etwas nicht stimmt. Ja, es gibt ein paar Menschen, die sind felsenfest davon überzeugt, dass sie nur zu den Guten gehören. Aber meine Erfahrung ist, dass die allermeisten Menschen, jedenfalls nach dem zweiten Bier, davon überzeugt sind, dass auch in ihrem Leben irgendwas nicht stimmt. Ja, so ein bisschen Ehrlichkeit über uns selber und ein bisschen schlechtes Gewissen habe ich eigentlich noch so in jedem gefunden.
Ich kenne kaum jemanden, der nicht zugibt, dass er nicht schon gelogen hat, gelästert hat, ein bisschen Schwarzarbeit hier, ein bisschen Versicherungsbetrug dort. Kennt ihr diesen Spruch: Die Ehrlichen sind eh die Dummen? Ja, warum eigentlich sind die Ehrlichen die Dummen? Na ja, ganz einfach, weil es normal ist, nicht ehrlich zu sein. Und es braucht nicht viel, da reicht ein Blick in die Zeitung, um zu sehen, dass der ganz normale Mensch, also auch du, in seinem Herzen ein unglaubliches Potenzial zum Bösen trägt. Und eigentlich weiß jeder Mensch, dass er ein Sünder ist. Das heißt noch nicht, dass es ihn groß belastet, das habe ich nicht gesagt. Aber so dieses grundsätzliche Ja, ich glaube, dass jeder Mensch weiß, er müsste sich ein bisschen anders verhalten, wenn er wirklich lieb sein wollte. Das weiß irgendwie jeder.
So, und jetzt kommt zu so einem Menschen also das Evangelium, und ihr merkt schon, das Evangelium tut jetzt doppelt weh. Zuerst einmal macht es aus diesem Gefühl, dass vielleicht doch nicht alles gut ist mit mir, eine feste Gewissheit, dass ich ein fettes Problem habe. Warum? Na ja, weil Gott einen Retter schickt. Warum schickt Gott einen Retter? Weil ich einen brauche. Also wenn ich so durch Berlin fahre und da kommt dann von ihm so ein Rettungswagen vorbei, dann weiß ich, dass die sich da nicht nur an Straßenrennen liefern, sondern der fährt da, weil jemand ein Problem hat, deswegen ist er losgefahren. Und Jesus ist der Rettungswagen Gottes. Wenn Jesus auf die Welt kommt, dann deshalb, weil es keine andere Chance gibt, für einen Sünder an der Hölle vorbeizukommen. Wir brauchen einen Retter.
Das Evangelium beginnt damit, dass es uns so die Maske vom Gesicht reißt, so die Maske des Guten, mit denen wir überall durch die Welt gehen, wo wir uns nicht in die Karten schauen lassen, wo wir wollen, dass jeder von uns denkt, dass wir die Superleute sind, die Supermänner und Superfrauen. Und das Evangelium reißt uns diese Maske einfach weg und macht uns unmissverständlich klar: Hey, hör her, du stehst unter Gottes Zorn, leb so nicht weiter, tu Buße.
Und diese Einsicht alleine tut erst einmal weh. Aber wirklich bedrohlich ist das Evangelium, wenn es davon spricht, dass wir glauben müssen. Warum? Glaube ist, so wie ich ihn vorhin skizziert habe, nicht dieses: Oh, ich bin auch ein bisschen dafür, und nicht dieses: Oh, das ist aber schöne Lobpreismusik, sondern Glaube so in diesem echten Sinn ist das Ende aller menschlicher Allmachtsfantasien. Es reicht nämlich nicht, dass uns jemand ein paar Regeln mehr gibt und sagt: So, jetzt spuck mal in die Hände, jetzt wird mal so richtig was geschafft. Ja, also bis gestern waren wir böse, aber ab heute sind wir gut. Das wird nicht funktionieren.
Es ist spannend zu sehen, wie Religionen und auch Ideologien, die sind ja nichts anderes als Religionen, wie sie total reich sind an Ideen, was ein Mensch tun muss, um irgendwie besser zu werden. Das geht von Beten, Meditieren, heilige Stätten besuchen, Almosen geben, zölibatär leben, kein Fleisch essen, das Proletariat befreien und was du dir auch sonst noch einfallen lassen magst.
So, und jetzt kommt das Evangelium und es ist total anders. Ja, also hier auf der einen Seite die, die sagen: Mach was, wirf dich tausendmal auf den Boden und küss den Staub. Und jetzt kommt das Evangelium und sagt: Weißt du was, du kannst dich selber nicht verbessern, du bist total hilflos, du brauchst keine neuen Regeln, du brauchst ein neues Herz. Und du brauchst Gottes Geist, weil er dir die Kraft gibt, die du selber nicht hast.
Dieser Gedanke, dieser Gedanke, ich kann mich selbst nicht retten, ich bin abhängig davon, dass Gott mich rettet, weil ich überhaupt nichts tun kann, ich kann nichts tun, außer mich beschenken lassen und dann als Antwort auf dieses Geschenk mit Loyalität und mit Liebe Jesus nachfolgen. Aber dieser Gedanke, ich kann selber nichts machen, der macht Menschen Angst, weil sie sofort spüren, was echter Glaube kostet. Er kostet ihre Selbstbestimmtheit. Wer an Jesus glaubt, macht ihn zum Herrn in seinem Leben. Und er lebt aus dieser Dankbarkeit heraus für das, was Jesus für ihn getan hat. Wer wirklich glaubt in einem biblischen Sinne, der opfert die Idee der Selbstgerechtigkeit. Also wer glaubt, der gibt zu: Ich habe es nicht geschafft und ich werde es nicht schaffen. Ich bin ohne Jesus völlig verloren.
Und es ist dieser, ich nenne es mal, dieser Frontalangriff auf den menschlichen Stolz, der Menschen zurückschrecken lässt. Wo kämen wir denn dahin, wenn ich mich vor Gott demütigen würde? Antwort: In den Himmel. Logisch. Solange Menschen versuchen, sich selbst, sei es durch gute Werke, durch Rituale, durch das Abnicken von Bekenntnissen, durch irgendwelche selbst ausgedachten Frömmigkeitsübungen, solange Menschen versuchen, sich selber zu retten, solange sind sie für das Evangelium nicht erreichbar.
Und je älter meine religiöse Tradition ist, aus der ich komme, desto schwerer wird es mir wahrscheinlich fallen, das Evangelium anzunehmen. Und da spielt es keine Rolle, ob ich Moslem bin, Katholik oder Marxist. Es fällt mir deshalb schwer, weil es mir schwerer fällt, alles aufzugeben und mit den Worten des Pharisäers Paulus zu sagen: Ich achte alles, mein ganzes Leben, vor meiner Bekehrung, für Dreck. Es hat keine Bedeutung mehr für mich. Warum? Damit ich Christus gewinne. Ich achte alles für Dreck, damit ich Christus gewinne.
Und ihr merkt, das ist eine Spannung. Entweder schaue ich auf meine Herkunft, ich schaue auf mein Wissen, meinen guten Ruf, das, was ich im Leben schon erreicht habe, vielleicht auch auf das, wofür ich ein Leben lang gekämpft habe, und denke: Das ist doch was vor Gott, oder? Ich schaue aufs Evangelium und weiß: All das, wo ich herkomme, zählt überhaupt nichts, solange in meinem Leben nicht Jesus wohnt. Das ist das, was vor einem Lobpreis vorgelesen wurde, die Stelle aus Epheser 3. Worum geht es? Dass der Geist unsere Herzen festmacht. Wozu? Damit der Christus in unseren Herzen wohnt.
Und solange du den Christus nicht in deinem Herzen wohnen hast, sind all deine Bemühungen, irgendwas zu schaffen auf dieser Welt, völlig belanglos vor Gott. Sie sind nicht mehr als Dreck. Und ihr merkt, das ist eine unglaubliche Herausforderung, auf jemanden zuzugehen und zu sagen: Du bist hilflos, du kannst dich nicht retten. Es gibt einen, der dich retten will. Nimm ihn an, im Glauben, hol ihn in dein Leben rein und vergiss das, was hinter dir liegt, und streck dich aus nach vorne, immer mehr und immer intensiver in dieser Gemeinschaft mit Jesus zu leben. Das ist Evangelium.
Und es ist klar: Wo das gepredigt wird, greifen wir den Menschen doppelt an. Wir greifen ihn bei seiner Schuld an, weil er weiß: Ich bin ein Sünder. Aber wir greifen ihn noch viel tiefer da an, wo der Mensch einfach Herr über sein Leben bleiben will, selbstbestimmt leben will, aus einer eigenen Weisheit herausleben will, selber entscheiden will, was gut und richtig ist. Und Jesus sagt: Wahrer Glaube heißt, du hängst dich an mich, ich werde Herr in deinem Leben. Und wenn du dazu nicht bereit bist, dann bleibt der Glaube eben doch nur ein Lippenbekenntnis, der nicht rettet, oder eine momentane Begeisterung, weil die Jugendgruppe so toll ist, aber es geht nicht tief genug. Und das ist das Problem. Das ist das Problem hinter ...
Wir lesen mal weiter, Apostelgeschichte 13, Verse 42 und 43: Als sie aber hinausgingen, baten sie, dass am folgenden Sabbat diese Worte noch einmal zu ihnen geredet werden möchten. Als aber die Synagogenversammlung sich aufgelöst hatte, folgten viele der Juden und der anbetenden Proselyten dem Paulus und Barnabas, die zu ihnen sprachen und ihnen zuredeten, beharrlich bei der Gnade Gottes zu bleiben.
Merkt ihr, was Paulus sagt? Paulus sagt: Bleibt beharrlich wo? Bei der Gnade. Versteht ihr? Nicht dieses: Bildet euch weiterhin etwas darauf ein, wo ihr herkommt und dass ihr als Juden schon so lange mit Gott unterwegs seid und dass ihr die Tora habt und dass ihr eigentlich jetzt schon im Kontext all dieser wilden Heiden hier ganz gut dasteht und euch regelmäßig trefft, den wahren Gott anzubeten. Nein, das sagt er nicht. Er sagt: Ihr müsst aufpassen, dass ihr in diesem Prozess der Bekehrung eine Sache nicht vergesst, an der Gnade hängen zu bleiben.
Ja, und wir merken: Die Ersten sind offen. Diese anbetenden Proselyten, das ist das bei mir übersetzt, das sind Heiden, die an den Gott der Juden glaubten, ohne völlig zum Judentum übergetreten zu sein. Wörtlich steht da eigentlich nur anbetende, das sind eigentlich noch keine Proselyten im eigentlichen Sinn. Es sind Leute, die merken: Bei diesen Juden gibt es etwas Besonderes, da gibt es nur einen Gott, und dieser eine Gott ist so schön transzendent, der ist so anders und so rein von seiner Ethik, so rein, der gefällt uns, da wollen wir mehr darüber wissen.
Und dann kommt Vers 44: Am nächsten Sabbat aber versammelte sich fast die ganze Stadt, um das Wort Gottes zu hören. Und du denkst dir: Wow, was für eine Erfolgsgeschichte!
Vers 45: Als aber die Juden die Volksmengen sahen, wurden sie von Eifersucht erfüllt und widersprachen dem, was von Paulus geredet wurde, und lästerten. Und du denkst dir: Nein, das kann doch nicht sein. Diese Synagoge besteht wahrscheinlich seit Jahrzehnten in dieser Stadt. Wozu? Ja, damit Leute den Gott der Juden kennenlernen. Die freuen sich über jeden anbetenden Heiden, der da am Samstag auftaucht. Aber jetzt geht es mal so richtig los. Jetzt hast du mal, ich weiß nicht, wie viele Einwohner Oberkrämer hat, aber stell dir vor, Oberkrämer versammelt sich hier. Du hast da hinten das Sportfeld voll und das da alles voll, die Technik überlegt fünf Minuten vor zehn, wie kriegen wir die Beschallung noch hin, da ist endlich mal was passiert. Und dann der alte Feind aller Evangelisation: Neid. Wenn ich schon nicht so erfolgreich bin wie du, dann kann ich wenigstens dafür sorgen, dass auch du nicht so erfolgreich bist, wie du sein könntest. Oder anders: Wenn ich nicht so viele Menschen für Gott gewinne, dann sollst du das auch nicht tun.
Und das ist so traurig, aber es ist so typisch Mensch, es ist so typisch auch für die Kirchengeschichte. Wenn irgendwo was losgeht, kannst du darauf warten, dass andere irgendwie dagegen sind. Und die Bibel ist so anders. Ja, ihr müsst da Philippa 1 mal lesen, da sagt Paulus: Wo immer das Evangelium gepredigt wird, ich freue mich.
Das ist so traurig: Der Messias der Juden wird von den Juden abgelehnt. Warum? Weil sich zu viele Heiden für ihn und die Vergebung der Sünden interessieren. Ist das absurd? Ja, das ist die Absurdität der Welt, in der wir leben.
Und was tut das Missionsteam? Vers 46: Paulus und Barnabas sprachen freimütig. Und jetzt reden sie zu den Juden: Zu euch musste notwendig das Wort Gottes zuerst geredet werden. Also das Evangelium ergeht immer zuerst an die Juden und dann an die Heiden oder wie es im Neuen Testament auch heißt an die Griechen. Weil ihr es aber von euch stoßt und euch selbst des ewigen Lebens nicht für würdig haltet, siehe, so wenden wir uns zu den Nationen.
Das ist das, was Paulus sagt. Ihr wollt es nicht, hey, das ist kein Problem. Also es ist schon ein Problem für euch, weil wenn ihr nicht das ewige Leben haben wollt, dann bekommt ihr es auch nicht. Wenn ihr nicht bereit seid, die Entscheidung im Glauben für Jesus zu treffen, dann kann ich euch nicht helfen, aber ich kann einen Schritt weiter gehen. Gottes Idee von Evangelisation ist nämlich nicht beschränkt auf eine kleine jüdische Synagoge oder auf ein kleines jüdisches Volk. Schon das Alte Testament zeigt, dass wenn der Messias, der Retter, kommt, Vers 47: Denn so hat uns der Herr geboten: Ich habe dich zum Licht der Nationen gesetzt, dass du zum Heil seist bis an das Ende der Erde.
Also das Dich hier ist der Messias. Und schon das Alte Testament beschreibt den Messias als Licht für die Heiden, die Heiden, die in einer religiösen, moralischen Finsternis leben, die Gott nicht kennen, die gefangen sind in Vorstellungen vom Göttlichen irgendwie, ihnen wird der Messias der Juden als Licht der Welt gesandt. Jesus sagt das so schön, und ich möchte euch das noch vorlesen aus Johannes 8,12. Ich weiß nicht, ob ihr noch Bibelferse auswendig lernen wollt, aber das wäre ein schöner Vers, der gehört so für die Top 100, würde ich sagen, einfach weil er so schön ist und sich so leicht lernen lässt auch. Johannes 8,12: Jesus redete nun wieder zu ihnen und sprach: Ich bin das Licht der Welt. Cool, oder? Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis wandeln, sondern wird das Licht des Lebens haben.
Ihm nachfolgen heißt, zu sehen, wo ich hingehe, Licht zu haben für mein Leben, kluge Entscheidungen zu treffen und am Ende wirklich beim Ziel anzukommen. Und das ist das, was Jesus sich wünscht. Und das ist das, was in diesem Moment so auf der Strecke bleibt: dieses Ablehnende, dieses Lästernde, dieses Verunglimpfende. Aber Gott lässt sich nicht aufhalten.
Dann heißt es in Vers 48: Als aber die aus den Nationen es hörten, also als die Heiden es hörten, freuten sie sich und verherrlichten das Wort des Herrn. Die freuen sich über das Evangelium. Und es glaubten so viele, wie zum ewigen Leben verordnet waren.
Ich weiß nicht, wie es euch geht, manch einer stolpert über diesen Vers und über seine Übersetzung, weil er irgendwie vom Zusammenhang nicht reinpassen will. Eine Seite lang erklärt Paulus das Evangelium, und dann glauben, Übersetzung, die zum ewigen Leben verordnet waren? Heißt das, dass am Ende doch nur die glauben können, die Gott zum ewigen Leben vorherbestimmt hat? Und die Antwort lautet: Nein. Warum nicht? Punkt eins: Vers 46 macht schon deutlich, dass es die Menschen sind, die das Wort Gottes wegstoßen und die Nein sagen.
Frage: Warum ist das dann hier so übersetzt? Tja, ich hätte mir für euch mindestens eine Fußnote gewünscht. Und ich gebe euch mal eine kurze technische Antwort. Wer jetzt sagt: Grammatik war nie meins in Deutsch, der kann damit leben. Aber ich möchte, dass ihr euch eine Fußnote an den Text dran macht. Im Griechischen gibt es aktiv und passiv. Das kennen wir ja. Aktiv heißt: ich schlage, passiv heißt: ich werde geschlagen. Und die Griechen sind so fröhlich und sagen: Wir könnten doch noch eine dritte Form einführen, nicht nur ich schlage oder ich werde geschlagen, sondern ich schlage mich.
Und jetzt ist das Problem, dass dieses ich werde geschlagen und ich schlage mich, oder um es hier mal mit dem, was hier steht zu machen: ich werde zum ewigen Leben verordnet oder ich verordne mich selbst dazu, dass im Griechischen diese beiden Formen dummerweise identisch sind. Ich also aus dem Zusammenhang heraus erschließen muss, was meint Paulus? Meint Paulus, nachdem er eine ganze Seite lang einlädt, jetzt bekehrt euch, tut Buße, passt auf, dass ihr nicht dran vorbeilauft, meint er dann: Naja, ansonsten haben sich eh nur die bekehrt, die halt sowieso vorherbestimmt waren? Oder meint er, was im Zusammenhang viel mehr Sinn ergibt, und deswegen macht euch da eine Fußnote, dass man diesen Text auch übersetzen kann nicht nur mit die verordnet waren, sondern auch die sich selbst zum ewigen Leben verordnet hatten, ja, die für sich jetzt die Entscheidung treffen.
Und das passt sehr gut vom ganzen Zusammenhang, denn hier sind die Juden, die sagen: Wir wollen nicht. Und auf der anderen Seite stehen die Heiden mit gespitzten Ohren und denken: Hallo, haben wir das richtig verstanden? Dieser jüdische Messias gibt uns ewiges Leben und Vergebung aller Schuld. Und wir müssen nur glauben? Also das ist schon richtig, es geht um Glauben, haben wir das richtig verstanden? Nicht dieses Proselytentaufe, Beschneidung, Gesetze lernen, sondern haben wir das richtig verstanden, dieses rundum sorglose Paket aus dem Alten Testament? Ist für uns durch Glauben erreichbar? Ja, genau richtig. Und sie trauen sich, sie verordnen sich selber zum ewigen Leben. Sie entscheiden sich dafür, das ewige Leben zu kriegen, Vergebung zu kriegen, sie entscheiden sich für Jesus. Das ist das, was sie tun. Sie entscheiden sich für Rechtfertigung.
Und deswegen habe ich bei mir in meiner Bibel da eine kleine Fußnote dran und sage: Es macht von der Übersetzung her mehr Sinn, zu übersetzen: die sich selbst zum ewigen Leben verordnet hatten, statt es hier passiv: die verordnet waren. Das ganze Thema ist noch ein Tick komplizierter, also wenn uns das irgendwie noch einmal belastet, kommt noch einmal auf mich zu. Einfach nur, dass ihr wisst, wenn ihr über den Vers stolpert, wie man das auch übersetzen, richtig übersetzen kann und wie es vielleicht etwas mehr Sinn macht im Gesamtzusammenhang.
Die Heiden bekehren sich. Kommen wir zum Schluss. Was machen die Juden? Na ja, die sind gar nicht glücklich, und sie nutzen ihren Einfluss, um jetzt die Missionare zu vertreiben. Die Juden aber erregten die anbetenden vornehmen Frauen und die Ersten der Stadt und erweckten eine Verfolgung gegen Paulus und Barnabas und vertrieben sie aus ihren Grenzen. Und dann so ein schönes altes Bild: Sie aber schüttelten den Staub von ihren Füßen gegen sie ab und kamen nach Iconium. Staub abschütteln, das hatte Jesus schon gesagt. Wenn sie euch nicht aufnehmen, dann schüttelt selbst den Staub von euren Füßen. Das ist eine Geste. Es ist eine Geste für Distanz. Wenn du mich nicht magst, okay, dann will ich auch nicht einmal deinen Staub mitnehmen. Das ist die Geste. So dieses: Okay, wir haben es verstanden, aber wir ziehen weiter. Aber, Freunde, diese Distanz, damit müsst ihr jetzt leben. Wenn ihr uns hier rausschmeißt: Vorsicht, ihr habt gerade die Apostel des höchsten Gottes rausgeschmissen.
Was war mir heute wichtig? Mir war heute wichtig, einen Aspekt zu betonen, und dieser eine Aspekt lautet: Das Evangelium ist eine tolle Botschaft, aber sie polarisiert. Wir können auf der einen Seite Menschen einladen und ihnen das Evangelium erklären. Aber wir können nicht machen, dass sie glauben. Paulus konnte nicht machen, dass die Juden in der Synagoge in Antiochia glaubten. Evangelisation heißt immer, eine Einladung aussprechen. Und ich glaube, wir dürfen und wir müssen uns dabei so geschickt anstellen, wie es irgendwie geht. Aber dann müssen wir loslassen. Wir bringen unsere Botschaft, wir warnen davor, wie gefährlich es ist, diese Botschaft zu überhören, aber dann müssen wir loslassen. Und das gilt bei unseren Kindern, das gilt bei unseren Arbeitskollegen, das gilt bei unseren Nachbarn, wir müssen loslassen. Und wir müssen damit rechnen, dass, wenn wir das Evangelium predigen, dass wir wie Paulus Widerspruch, vielleicht sogar Verunglimpfung erfahren. Und das darf uns einfach nicht verwundern, und das darf uns auch nicht aufhalten. Am Ende ist nämlich eines nur wichtig: dass wir weiterziehen und dass wir den Nächsten, denen wir begegnen, diese großartige Botschaft, die Gott uns gegeben hat, dass wir ihnen auch das Evangelium anbieten.
Und wie großartig das ist, was wir haben, das merkt man im letzten Vers. Das ist ein Blick zurück auf die Jünger, auf die, die gläubig geworden sind, die, die bei der Gnade geblieben sind, die, die, ich lese es erst einmal: Die Jünger aber wurden mit Freude und mit Heiligem Geist erfüllt.
Was kann ein Mensch mehr finden als Freude und Fülle des Heiligen Geistes? Und beides kommt durch das Evangelium: Freude, weil mir wirklich vergeben ist. Weil ich Gott gefunden habe, weil mich in diesem Leben nichts mehr schrecken muss. Und Max hat das richtig gesagt: Unser Leben, unser geistliches Leben, ja, rauf, runter, rauf, runter, rauf, runter, ja, das ist wahr. Und trotzdem darf im Hintergrund immer die Freude stehen, zu wissen: Es spielt letztlich keine Rolle, ob ich gerade oben oder unten bin, mir ist vergeben, ich habe Gott gefunden und mich braucht nichts schrecken.
Und dann ist da die Fülle des Heiligen Geistes, die mir bestätigt, die mir garantiert, dass Gott das, was er angefangen hat, zu Ende bringen wird mit mir. Ist das nicht wunderbar? Das ist das Großartige des Evangeliums. Und ich wünsche mir, dass ihr mit diesen Gedanken, mit diesem Großartigen, was ihr geschenkt bekommen habt, in diesen Sonntag geht. Und dass ihr euch traut, in der nächsten Woche mit Menschen darüber zu reden und zu sagen: Hey, ich habe hier etwas für dich. Das hört sich vielleicht erst einmal komisch an, und ich weiß, es wird deinen Stolz herausfordern, und ich weiß, du wirst das nicht ganz gerne hören wollen, aber du brauchst es, um wirklich froh zu werden. Amen.

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

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