Serie•Teil 7 / 21Jesus
Generierte Mitschrift
Die nachfolgende Mitschrift wurde automatisch mit KI-Technologie erstellt und kann Fehler enthalten. Im Zweifel gilt das gesprochene Wort.
Ein persönlicher Einstieg mit einem lebendigen Beispiel
Mein Name ist Jürgen Fischer, für alle, die mich nicht kennen. Ich stehe auch gerne nach dem Gottesdienst noch für Gespräche zur Verfügung, auch zu dem Thema der Predigt.
Ich habe heute wieder Notizen zur Predigt.
Also, ich finde Wunder toll. Wir haben Ende letzten Jahres als Gemeinde für eine halb funktionierende Plazenta gebetet. Ich weiß nicht, ob ihr euch noch daran erinnert. Allein das schon so zu sagen, klingt irgendwie verrückt: Wir haben für eine halb funktionierende Plazenta gebetet.
Wer sich noch daran erinnert: Anni ist heute nicht da, weil es ihr nicht so gut geht. Ihr könnt beten. Martin ist ein bisschen erkältet, und sie dann so um.
Also, Anni, 28. Schwangerschaftswoche. Für alle Männer unter euch: Es gibt 40. Okay, damit man das noch einordnen kann. Also 28. Schwangerschaftswoche, und ihr Würmchen war viel, viel zu klein, 900 Gramm. Es stand wirklich im Raum: unterversorgt, muss als Frühchen geholt werden und dann ab in den Brutkasten.
Und dann haben wir ab der 28. Schwangerschaftswoche erst einzeln und dann am 19.11. als Gemeinde zusammen hier, ich weiß nicht, wer da war, angefangen dafür zu beten, dass dieses Kind wächst. Und plötzlich fängt dieses Kind an zu wachsen. Also einfach so.
Fünf Wochen nach diesem ersten Termin, am 14.12.2017, wiegt es sagenhafte 2000 Gramm. Und heute, in der 30. Schwangerschaftswoche, liegen wir bei 2300 Gramm. Also nichts mehr Frühchen. Nichts mehr holen und ab in den Brutkasten, sondern gemütlich warten auf die Geburt.
Für mich war das im letzten Jahr ein Wunder. Ich mag Wunder. Und wenn dann so ein Wunder passiert, dann denke ich: Boah, ich mag sowas. Und ich will das mal von hier vorne sagen.
Als Gemeinde erleben wir immer wieder solche außergewöhnlichen Wunder. Wir erleben, dass wir beten und dass Gott hört. Allerdings haben wir uns auch angewöhnt, nicht viel darüber zu reden. Wir erwarten, dass Gott uns erhört, wenn wir nach seinem Willen beten und wenn wir heilig leben. Aber wir machen keine Heilungsgottesdienste.
Warum so ein Wunder nicht an die große Glocke hängen? Es gibt doch wahrscheinlich noch mehr Mütter, deren Plazenta nicht richtig funktioniert. Und die Antwort, warum wir das nicht tun, ist relativ simpel und vielleicht auch ein bisschen überraschend: Wir reden nicht viel über Gebetserhörungen und Wunder, weil Jesus selbst nicht viel Aufhebens um seine Wunder gemacht hat.
Wir sind in einer Reihe, die heißt Jesusreihe. Wir schauen uns an, wie Jesus gelebt hat, und heute heißt das Thema Jesus und das Thema Wunder. Ich möchte inhaltlich so vorgehen: Ich möchte gerne drei Vorbemerkungen machen. Dann geht es darum, wie Jesus seine Wunder vermarktet, beziehungsweise eben nicht vermarktet. Und am Schluss treten wir mal einen Schritt zurück und schauen uns an, welche Rolle Wunder eigentlich im geistlichen Leben und im Auftrag spielen, den wir haben.
Drei grundlegende Beobachtungen zu Jesu Wundern
Erstens: Begrenzung statt maximale Ausweitung
Also, Vorbemerkung Nummer eins: Jesus tut viele Wunder, aber er tut nicht so viele Wunder wie möglich. Der Zweck seiner Wunder besteht also nicht darin, möglichst viele Menschen zu heilen. Das ist etwas, was man zutiefst verstehen muss.
Jesus tut nicht so viele Wunder wie möglich. Dass dem so ist, wird eigentlich schon an einer Stelle klar, wenn man sich die Frage stellt, warum Jesus mit seinem Dienst eigentlich über dieses Gebiet Judäa, Galiläa, also das heutige Israel, nicht sonderlich hinausging. Und die Antwort ist: Na ja, Jesus hat sich selbst genau nur dafür gesehen.
Vielleicht kennt ihr die Geschichte: Da kommt eine Frau von wo ganz anders her, so ein bisschen wie heute aus Syrien. Man nennt das Syrophönizien, also eine syrophönizische Frau, und sie kommt zu Jesus mit dem Problem, dass ihre Tochter krank ist. Und sie schreit hinter ihm her: Heile meine Tochter! Jesus reagiert aber überhaupt nicht. Und den Jüngern ist das schon ganz peinlich. Sie sagen: Mag sie nicht mal etwas machen? Sie schreit die ganze Zeit hinter uns her.
Und was sagt Jesus dann? Jesus sagt den Jüngern erklärend: Ich bin nur gesandt zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel. Also: Jesus tut nicht so viele Wunder wie möglich, Klammer auf, der Frau wird schon geholfen, Klammer zu, sondern er hat so einen Fokus im Blick, und das ist Israel.
Aber jetzt gehen wir einmal auf die Israeliten: Auch unter den Israeliten heilt er nicht alle Kranken. Ganz markant für mich ist eine Geschichte, die in Jerusalem stattfindet. In Jerusalem gibt es einen Teich, den Teich Bethesda. Und ich lese euch mal vor, wie diese Heilungsgeschichte von dem einen anfängt. Johannes 5,2-4, und ihr habt das alles auch in euren Notizen stehen:
Es ist aber in Jerusalem beim Schaftor ein Teich, der heißt auf Hebräisch Bethesda. Dort sind fünf Hallen. In denen lagen viele Kranke, Blinde, Lahme, Ausgezehrte.
Hier steht also nicht: In denen lag ein Kranker, und zudem ist Jesus hingegangen und den hat er geheilt. Sondern es heißt: In denen lagen viele Kranke, Blinde, Lahme, Ausgezehrte. Viele. Aber geheilt wird nur einer.
Also: Jesus kommt, heilt einen und geht wieder. Und die anderen bleiben krank, blind, lahm und ausgezehrt zurück. Vorbemerkung Nummer eins ist also ganz wichtig, damit wir das verstehen: Jesus tut nicht so viele Wunder wie möglich.
Zweitens: Wunder erzeugen keine nachhaltige Umkehr
Vorbemerkung Nummer zwei: Jesus ist erstaunt über die Gedankenlosigkeit und Undankbarkeit derer, die er heilt, und auch darüber, dass sie nicht Buße tun. Man müsste ja meinen, dass Wunder, und ich sage mal vor allem Heilungen: Du bist, ich weiß nicht, x Jahre krank, und jetzt bist du plötzlich gesund. Man müsste doch meinen, dass Heilungen Menschen dazu bringen, sofort und rückhaltlos an Gott zu glauben.
Das Gegenteil ist der Fall. Wunder wirken in der Bibel so gut wie keinen Glauben an Gott. Was Wunder tun, ist, sie wirken so eine kurzfristige Begeisterung für den Moment. Unser Mann, ja, Jesus, gehört auch zu Jesus, das ist schon so eine kurzfristige Begeisterung, ja, aber Glauben eigentlich nicht.
Im Lukasevangelium, Kapitel 17, heilt Jesus zehn Aussätzige. Sie hatten so Aussätzige, das ist so eine ansteckende Hauterkrankung, okay? Zehn von denen werden geheilt, aber nur einer kommt zurück, um sich zu bedanken. Und witzigerweise ist das noch nicht mal ein Israelit. Und Jesus sagt in Lukas 17,17-18 dann Folgendes: Sind nicht die Zehn gereinigt worden? Ja, die Zehn sind gereinigt worden, das stimmt. Sind nicht die Zehn gereinigt worden, wo sind die Neun?
Also, da kommt einer und bedankt sich, und die anderen neun? Bruder, sind halt geheilt, und jetzt bin ich halt geheilt, das ist auch irgendwie schön. Wo sind die Neun? Haben sich sonst keine gefunden, die zurückkehrten, um Gott Ehre zu geben, außer diesem Fremdling? Ja, genau so ist es.
Das ist die Regel im Neuen Testament: Jesus heilt, und außer einer anfänglichen Begeisterung haben die Wunder keine nachhaltige Wirkung. In den Orten, wo Jesus am meisten Wunder gewirkt hat, da tut sich glaubensmäßig fast nichts. Und ich habe mir erlaubt, euch auf den Notizen auch mal so eine Karte dazu zu machen, damit ihr euch anschauen könnt, wo das alles liegt.
Und ich lese euch mal Matthäus 11 vor. Das ist ein längerer Block jetzt, Matthäus 11, die Verse 20, 21 und 23. Da heißt es: Dann fing er an, die Städte zu schelten. Schelten, das macht man heute nicht mehr, oder? Das ist so ein Wort, so ein schönes altes Wort: ausschimpfen. Jesus schimpft ganze Ortschaften aus. Dann fing er an, die Städte zu schelten, in denen seine meisten Wunderwerke geschehen waren. Warum? Weil sie nicht Buße getan hatten.
Und dann hören wir etwas von: Wehe dir, Chorazin! Wehe dir, Betsaida! Denn wenn Tyrus und Sidon, das sind ausländische Städte, wenn dort die Wunderwerke geschehen wären, die unter euch geschehen sind, längst hätten sie in Sack und Asche Buße getan. Und eine andere Stadt, die wir sogar noch besser kennen, weil sie oft auftaucht: Und du, Kapernaum, meinst du, du werdest etwa bis zum Himmel erhöht werden? Also denkst du, denkt ihr, die in Kapernaum wohnen, dass Gott euch lobt und erhebt für das, wie ihr mit mir umgegangen seid? Nee, nee, bis zum Hades wirst du hinabgestoßen werden.
Chorazin, Betsaida, Kapernaum: drei Orte am Nordufer vom See Genezareth. Die Menschen dort erleben die meisten Wunder Jesu, aber sie tun nicht Buße, sie fangen nicht an zu glauben. Und es ist so schlimm, dieses Erleben, dieses Investieren und null kommt zurück, dass der Apostel Johannes im Johannesevangelium so rückblickend auf den Dienst Jesu fast ein Stück resignierend schreibt in Johannes 12,37: Obwohl er aber so viele Zeichen vor ihnen getan hatte, glaubten sie nicht an ihn.
Es ist ein absolutes Missverhältnis. Der Input, den Jesus bringt an Zeichen und Wundern, an Heilungen und anderen wunderbaren Sachen, und das, was die Menschen damit machen. Das war meine zweite Vorbemerkung, dass Jesus schon erstaunt ist über die Gedankenlosigkeit und Undankbarkeit derer, die er heilt, und eben auch darüber, dass sie nicht Buße tun.
Drittens: Die Wunder weisen auf den Messias hin
Eine dritte Vorbemerkung: Jesus tut Wunder nicht, weil sie Glauben oder Buße hervorbringen, sondern weil er sich damit als Messias offenbart. Also: Die Wunder, das haben wir gesehen, bewirken keinen Glauben, aber sie sind trotzdem wichtig.
Das Alte Testament spricht davon, dass man den Retter erkennen kann, wenn er kommt, wenn der Messias kommt. Die Frage lautet also: Woran kann ich den Retter erkennen? Wenn jetzt der Messias kommt, woher weiß ich, dass das der Messias ist? Die Antwort: Ich kann ihn an den Wundern erkennen.
Johannes der Täufer sitzt im Gefängnis. Und während er dort im Gefängnis sitzt, kommt er selbst in eine Zeit des Zweifels. Was er dann macht: Er hat ja auch Jünger, und die schickt er zu Jesus. Er stellt ihm eine Frage: Sag mal, bist du der Kommende, sprich: Bist du dieser Retter und der Messias, oder sollen wir auf einen anderen warten?
Das ist die Frage: Bist du es, oder bist du es jetzt nicht? Und Jesus, wir würden jetzt erwarten, dass Jesus einfach Ja oder Nein sagt, aber Jesus antwortet verklausuliert, und trotzdem klar. Da heißt es in Matthäus 11,4-5, dass die Antwort, die Jesus diesen Johannesjüngern gibt, lautet: Geht hin und verkündet Johannes, was ihr hört und seht: Blinde werden sehend und Lahme gehen; Aussätzige werden gereinigt und Taube hören; Tote werden auferweckt, und Armen wird gute Botschaft verkündigt.
Also: Bist du der Messias? Na, schau dir doch an, was ich tue. Ja, was passiert denn da? Blinde sehen, Aussätzige werden gereinigt, Taube, die nie etwas gehört haben, fangen wieder an zu hören, Tote werden auferweckt, Armen wird gute Botschaft, das Evangelium, gepredigt.
Und warum ist das eine Antwort? Na ja, weil im Alten Testament, und ich werde das jetzt nicht vorlesen, aber zum Beispiel in Jesaja 35,5-6, da geht es um Blinde, Taube, Lahme und Stumme, die von wem geheilt werden? Vom Messias. Und in Jesaja 61,1 da geht es genau darum, dass armen Leuten, die sonst wenig Gutes in der Gesellschaft mitbekommen, das Evangelium gepredigt wird. Von wem? Na, vom Messias.
Und Jesus ergänzt hier sogar in der Aufzählung noch Sachen, die im Alten Testament so gar nicht dastehen, wie Totenauferweckung oder die Reinigung von Aussätzigen. Also das, was wir an Zitaten aus dem Alten Testament haben, ist einfach nur die Idee: Wenn der Messias kommt, dann wird er im umfassenden Sinn auf wunderbare Weise den Menschen Gutes tun. Und besondere Heilungswunder sind das Erkennungszeichen des Messias.
Deswegen: Vielleicht habt ihr euch mal gefragt, warum kommen in Matthäus 12 die Pharisäer eigentlich so in heftige Erklärungsnot, wo Jesus einen Mann heilt, der blind und stumm ist, also quasi eine Doppelbehinderung hat? Der hat noch nie gesprochen, und der hat noch nie gesehen. Und jetzt kommt Jesus und macht schnipp, schnapp, und plötzlich fängt er an zu sehen und plötzlich fängt er an zu sprechen. Müsst ihr euch mal vorstellen: Ein blinder Stummer wird komplett geheilt.
Und es ist klar, außenrum fragen die Leute natürlich zu Recht: Könnte das, könnte jemand, der so etwas tut, der Messias sein? Und die Pharisäer, die Jesus nicht als Messias anerkennen wollen, denen bleibt in ihrer Hilflosigkeit nur eines übrig: Sie können das Wunder ja nicht wegerklären, der ist ja da! Also bleibt ihnen nur zu sagen: Ja, ja, Jesus, der hat das gar nicht mit Gottes Hilfe gemacht, sondern mit der Hilfe des Teufels. Das ist natürlich Unsinn, aber was klar ist: Jesus heilt auf ganz außergewöhnliche Weise, so dass sich die Frage, ob das der Messias ist, förmlich aufdrängt.
Das waren meine drei Vorbemerkungen: Punkt eins, Jesus tut gar nicht so viele Wunder wie möglich. Punkt zwei, Jesus wundert sich über die Unbußfertigkeit derer, die Wunder erlebt haben. Und Punkt drei, Wunder bewirken keinen Glauben, aber sie offenbaren Jesus als den Messias.
Wie Jesus mit seinen Wundern umgeht
Kommen wir noch einmal ganz zurück zum Anfang. Ich wollte ja nur Vorbemerkungen machen.
Ich sagte, wir reden als Gemeinde nicht viel über die Wunder, die Gott unter uns tut. Und der Grund dafür ist ein ganz einfacher: Jesus beziehungsweise die Art, wie Jesus seine eigenen Wunder vermarktet. Er tut das nämlich gar nicht.
Ich gebe euch mal ein Beispiel, das mich immer wieder umhaut. Da gibt es sogar ein Lied zu dieser Stelle. Da kommt ein Synagogenvorsteher namens Jairus. Er kommt zu Jesus, weil seine Tochter im Sterben liegt. Und noch bevor Jesus es schafft, in sein Haus zu kommen, stirbt das Mädchen. Sie ist tot, so tot, dass draußen die Leute stehen und Totenklage halten.
Jesus geht trotzdem in das Zimmer hinein, erweckt die Kleine zum Leben, und wisst ihr, was dann da steht?
Lukas 8,56
Und ihre Eltern gerieten außer sich.
Ja, das kann ich mir vorstellen. Stell dir vor, du hast eben noch erlebt, dass deine Tochter tot war, und du hast gemerkt, wie sie starr wird und ganz weiß. Und dann nimmst du sie 20 Minuten später wieder in den Arm, sie ist warm, sie küsst dich, und sie ist total lebendig. Logisch, dass die Eltern außer sich gerieten.
Und jetzt hört euch an, was Jesus sagt:
Und ihre Eltern gerieten außer sich, er aber gebot ihnen, niemand zu sagen, was geschehen war.
Ey, stell dir den PR-Strategen dahinter vor! Das geht doch nicht! Ich meine, ich weiß nicht, wie das gehen soll. Wäre mir das passiert, ich hätte jedem, wirklich jedem, ob der das hätte gerne hören wollen oder nicht, davon erzählt, dass Jesus meine Tochter zum Leben erweckt hat. Und Jesus verbietet das.
Ey, Totenauferweckung! Wenn sich ein Wunder vermarkten und ausschlachten lässt, dann ist es das! Das ist es!
Oder denken wir an die Speisung der Fünftausend. Man nennt das Speisung der Fünftausend, in Wirklichkeit wurden nur die Männer gezählt. Es waren also viel mehr, sagen wir fünfzehn bis zwanzigtausend Menschen. Auf wundersame Weise macht Jesus mit fünf Broten und zwei Fischen satt. Und das waren keine Wale, sondern kleine Fische. Ja, es gibt schon Fische, mit denen man auch ein paar mehr Leute satt kriegt, aber das waren kleine Fische, die ein kleiner Junge transportieren kann. Also fünf Brote, zwei Fische: Auf wundersame Weise macht Jesus so viele Menschen, vielleicht 15 bis 20 Tausend Menschen, satt. Am Ende bleiben zwölf Körbe übrig, mehr als am Anfang da war. Total irre!
Und wisst ihr, wie die Geschichte ausgeht?
In Johannes 6,14-15 heißt es:
Als nun die Leute das Zeichen sahen, das Jesus tat, also sie haben wirklich gecheckt, hier ist ein Wunder passiert, sprachen sie: Dieser ist wahrhaftig der Prophet, der in die Welt kommen soll.
Also, sie haben da so eine Idee: Da kommt einer von Gott. Sie haben das noch nicht ganz gerafft, dass es der Messias ist, aber Prophet ist schon dicht dran. Das war so eine andere Figur, die im Alten Testament vorhergesagt wurde. Das ist schon dicht dran.
Da nun Jesus erkannte, dass sie kommen und ihn ergreifen wollten, um ihn zum König zu machen.
Boah, das ist doch mal ein Ansatz! Zwanzigtausend Leute, hey, wir sind deine Fangemeinde! Was hältst du davon, wir errichten hier unser eigenes Königreich? Hm, wir sind für dich!
Was macht Jesus?
Ja super, schön, dass ihr da seid. Ja, jetzt machen wir erst mal ein schönes Logo, und dann machen wir eine schöne Homepage, und dann schauen wir mal. Da brauchen wir so einen Slogan, ja, Jesus Brot, Brot Jesus, keine Ahnung.
Als er das mitkriegt, dass sie ihn zum König machen wollen, dann heißt es, zog er sich wieder auf den Berg zurück, er allein.
Ey, das ist wieder so eine verpasste Chance, ein Wunder zu nutzen, um sich so eine richtig fette Anhängerschaft zu sichern. Und das Leben Jesu ist, wenn ihr mal die Evangelien durchlest, voll solcher, in Anführungszeichen, verpasster Chancen. Es sind ja nicht wirklich verpasste, weil Jesus das ja ganz bewusst macht. Aber es ist total spannend. Man bekommt den Eindruck, dass Jesus auf der einen Seite Wunder tut, das muss er, weil er das als Erkennungszeichen hat, als Messias. Auf der anderen Seite ist er gar nicht so glücklich damit. Er hat Angst, dass diese Wunder Menschen begeistern, aber vom Eigentlichen ablenken. Es ist eine ganz komische Spannung, in der das Leben Jesu da gelebt wird.
Wenn Jesus gewollt hätte, dann wäre sein Leben voller Möglichkeiten gewesen, seine Wunder auszuschlachten. Ich mache noch ein Beispiel, wo ich denke: Wahnsinn! Überlegt euch nur einmal, was man hätte aus der Auferstehung machen können. Jetzt stell dir vor, du hättest die Auferstehung einfach mal ausschlachten dürfen. Auferstehung, wie hätten wir es gemacht? Also deutlich mehr Show.
Es ist Sonntagmorgen, die Sonne geht auf, der Engelchor, und dann rollt der Stein weg. Ein strahlender Jesus tritt aus der Gruft, leuchtend, singend, und geht zu Pilatus und dem Hohen Rat und schmettert ihnen ein fröhliches „Ich hab’s euch ja gesagt“ entgegen. Mindestens so etwas. Und die erschrecken erst, dann verstummen sie, und dann verfallen sie zu Staub. Dramatik pur, da muss man Hollywood mal ranlassen. Also Auferstehung, da ist so viel mehr drin, wenn man das vermarkten möchte. Hallo!
Und wenn du dann liest in der Bibel, was wirklich passiert, diese heimliche Auferstehung, die keiner so richtig mitkriegt, es ist keiner dabei, kein Engelchor, kein strahlendes Raustreten, dann zeigt er sich seinen Jüngern. Aber auch diese Begegnungen bleiben, wenn man das liest, eigentümlich blass.
Nicht mal die Leute, die die Evangelien schreiben, schreiben viel über diese Zeit zwischen Auferstehung und Himmelfahrt. Das ist alles so das Wunder schlechthin, und dann sowas. Ja, warum?
Und die Antwort wissen wir schon: weil Wunder, egal wie groß sie sind, keinen Glauben bewirken. Und Jesus weiß das, in meinen Augen weiß er das besser als jeder andere. Er durchschaut das menschliche Herz, erkennt die Sehnsucht des menschlichen Herzens nach Neuem, nach einer Attraktion, nach Zerstreuung. Aber er weiß auch, wie wenig ein Wunder, das ich erlebe, dafür sorgt, dass ich Buße tue.
Wunder als Begleitung des Evangeliums
Also nicht, dass jetzt jemand den falschen Eindruck bekommt: Ich bin nicht gegen Wunder. Ich finde Wunder total klasse. Ich habe es ja ganz am Anfang gesagt: Ich bin absolut pro Wunder.
Ich glaube, dass jemand, der heilig und abhängig von Gott lebt, ganz natürlich Wunder erleben wird. Das gehört einfach dazu. Und ich habe für mich so eine Sammlung, ich nenne das mal Best of Wunder. Wenn dann manchmal jemand kommt und sagt: Wie kannst du als nüchterner Naturwissenschaftler überhaupt an Gott glauben?, dann krame ich die manchmal raus und bringe sie den Leuten, um zu zeigen: Schau, ich bin sicher, dass es Gott gibt, aus verschiedenen Gründen. Und dann habe ich so ein paar Sachen mit Gott erlebt. Das sind Erfahrungen über mein ganzes Leben verteilt, die so außergewöhnlich sind, dass ich als Naturwissenschaftler sagen muss: Die sind statistisch signifikant.
Das sind also nicht Dinge, die jedem mal passieren. Und mir sind sie halt auch passiert. So nach dem Motto: Na ja, ich hatte halt einen Parkplatz direkt vor der Haustür. Das ist noch nicht das, wo ich sage: Wunder. Das ist nett und vielleicht ein bisschen Führung, aber das ist noch nicht so prickelnd. Ich meine schon andere Sachen.
Was ich gerne Leuten erzähle: Ich habe als Gemeindegründer mal sehr wenig Geld gehabt. Und wir sagen nie Leuten, wie es finanziell um uns steht. Haben wir nie gemacht, werden wir auch nie machen. Und es gab eine Zeit, da habe ich gesagt: Herr, wenn diese Woche nicht ein größerer Betrag reinkommt, dann schreibe ich eine Bewerbung. Dann ist das halt vorbei, dann gehe ich wieder meinem Job nach, und fertig.
Und genau in dieser Woche kriege ich am Samstag einen Anruf, der beginnt etwa mit folgenden Worten: Jürgen, ich wollte dir eigentlich zweieinhalbtausend Euro schicken, aber Gott hat mir klar gemacht, dass es fünftausend Euro sein soll.
Jetzt kannst du dir die Frage stellen, wie oft es passiert, dass mich jemand anruft und so etwas sagt. Es ist nie wieder in meinem Leben passiert. Das ist eines meiner Best of Wunder, wo ich sage: Da habe ich gemerkt, Gott steht zu seinen Verheißungen. Ein echtes Wunder. Du lebst abhängig, du lebst heilig, Gott kümmert sich um dich.
Aber noch niemand, dem ich das erzählt habe, hat sich aufgrund dieser Erzählung bekehrt. Ist das verrückt? Alle so: Ja, ist halt so. Und ich denke mir: Okay, ich könnte jetzt in dieser Qualität noch ein paar Wunder hinterherschieben. Vielleicht auch unsere halbe Plazenta, die ist ja auch gut. Wir haben eine halbe Plazenta gebetet, das Kind ist groß geworden, jaha!
Leute werden deshalb nicht gläubig. Warum nicht?
Das eigentliche Ziel: Das Evangelium braucht die Bestätigung Gottes
Letzter Gedanke: Weil Wunder wie Gemüse sind.
Okay, das muss ich erklären. Das, was ich jetzt sage, gilt nicht für Vegetarier. Ich grille gerne, und ich meine jetzt nicht Auberginen oder Tofu-Würstchen, sondern ich meine Steaks. Und wenn ich fertig bin, kommt so ein Steak auf den Teller, und dann kommt etwas Gemüse dazu, vielleicht so ein schöner Maiskolben mit ein bisschen Kräuterbutter.
Wunder im geistlichen Leben sind wie Maiskolben. Maiskolben runden das Essen ab, sie sind Beiwerk, sie sind Beilage. Aber sie sind nicht das Eigentliche. Und so ist das auch mit den Wundern. Wunder sind nicht sinnlos. Sie können, und das habe ich ja gerade klar gemacht, in meinem Leben meinen Glauben stärken. In einer schwierigen Situation erinnere ich mich an diese eine Gelegenheit und an jenes und an jenes, und weiß: Gott ist da. Sie können Glauben stärken, und dazu sind sie in meinen Augen auch da.
Und sie können, und darauf kommt es mir jetzt ganz besonders an, im entscheidenden Moment zeigen, dass das Evangelium, das ich einem anderen erkläre, dass dahinter wirklich der lebendige Gott steht. Das ist es, wozu Wunder eigentlich da sind. Sie sind dazu da, das Steak, das ist die Predigt des Evangeliums, mit etwas Nettem zu ergänzen. Sie sind nicht das Eigentliche, das Eigentliche ist das Steak, das Eigentliche ist die Predigt.
Aber das Wunder kommt dazu, damit Menschen checken, wenn ich ihnen erzähle, wie man gerettet wird, dass es einen lebendigen Gott gibt, der am Kreuz für sie gestorben ist, der heute noch real da ist. Es lohnt sich, über die Frage nachzudenken: Könnte es Gott wirklich geben? Könnte Gott mehr sein als ein Mythos, den sich die Kirche ausgedacht hat, um die Gläubigen zu schröpfen? Könnte Gott eine persönliche Realität sein?
Wenn ich das jemandem erkläre: Jesus ist auf die Erde gekommen, um für dich zu sterben, um all das, wofür du dich schämst, zu nehmen, wegzunehmen und eine Brücke zu Gott zu bauen. Wenn ich dir diese Geschichte erzähle, was im Neuen Testament steht, woher weißt du, dass es nicht noch eine blöde Geschichte mehr ist, die unter die große Rubrik Fake News gehört?
Und die Antwort ist: weil ich dafür beten werde, dass, wenn ich dir das Evangelium erzähle, Gott sich an meine Seite stellt, so wie du das brauchst. Und wenn du der Typ Wunder bist, dann wirkt Gott in dein Leben hinein und tut ein Wunder, damit du merkst: Gott ist wirklich lebendig. Das ist mehr als eine Theorie und eine Philosophie, sondern da ist wirklich der lebendige Gott am Werk, und Jürgen ist irgendwie sein Botschafter. Das, was Jürgen sagt, ist nicht das, was Jürgen sich ausgedacht hat, sondern Gott selber stellt sich dazu und sagt: Gut so, genau richtig.
Und dafür sind Wunder da. Das ist eine Frage der Betonung: Predigt, Wunder. Und ich möchte zum Schluss aus dem Markus-Evangelium, Kapitel 16, kurz vorlesen, die Verse 15 bis 18, wo diese Betonung uns vorgestellt wird. Der Herr Jesus spricht zu den Jüngern, und er sprach zu ihnen. Und das ist das letzte Kapitel im Markus-Evangelium, das ist wirklich ganz am Schluss. Und er sprach zu ihnen: Geht hin in die ganze Schöpfung und predigt das Evangelium der ganzen Schöpfung.
Das ist das Steak, das ist das Zentrum, das ist unser Job: hingehen und predigen. Und dann, wenn du das tust, was passiert dann? Na, dann wird sich Gott zu dir stellen. Das ist doch logisch, was soll er denn sonst machen? Soll er sagen: Na ja, ich habe gerade anderes zu tun, predige du mal, wir sehen uns dann in 80 Jahren wieder? Nein, du predigst, du nimmst deinen Mut zusammen, Menschen das Evangelium zu sagen, zu Menschen hinzugehen und zu sagen: Du musst gerettet werden. Es tut mir ganz arg leid, wenn das jetzt komisch rüberkommt, aber du musst gerettet werden. Und ich weiß, wie man gerettet wird: durch Glauben an Jesus.
Und wenn du das tust, dann stellt sich Gott dazu. Also: Geht hin in die ganze Welt und predigt das Evangelium der ganzen Schöpfung. Und dann heißt es: Diese Zeichen aber werden denen folgen, die glauben. Und dann kommen solche Dinge, die wundersam sind: In meinem Namen werden sie Dämonen austreiben, werden in neuen Sprachen reden, werden Schlangen aufheben, also nicht nur aufheben, sondern aufheben, gebissen werden und nicht sterben. Und wenn sie etwas Tödliches trinken, wird es ihnen nicht schaden. Schwachen werden sie die Hände auflegen, und sie werden sich wohl befinden.
Versteht ihr, es geht mir nur um die Betonung. Wir predigen, und Gott stellt sich dazu. Und wenn das wahr ist, erst die Predigt, dann die Wunder, dann wäre es ja ganz spannend zu sehen, welche Rolle das Predigen im Leben von dem Herrn Jesus hatte, oder? Genau, und das machen wir nächste Woche. Amen.
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