Zum Inhalt

Jakobus 4,1-10: "Nachfolge: Sünde und Buße bei Christen"

Jakobus 4,1-4,1029.12.2013
SerieTeil 8 / 11Jakobus
Streit, Neid und Selbstsucht zerstören Gemeinschaft – und machen innerlich leer. Der Ausweg? Nicht mehr Druck, sondern radikale Demut: Gott den Platz geben, den du ihm längst schuldest.

Einleitung und erste Einordnung

Wir müssen das besser benutzen als wir. Also machen das bei uns dann die Schüler, wenn sie dann so sagen: Bei der Mathearbeit wäre ich beinahe gestorben. Nein, niemand ist gestorben, kein Rotkreuzwagen vor der Tür, sondern einfach nur die Aufgaben gesehen und gedacht: Boah, ist das schwer.
Da verwenden wir das noch, aber sonst sind wir mit diesem Mittel einfach nicht so vertraut. Deswegen brauchen wir diese Vorbemerkung, sonst wird uns der Text heute so ein bisschen erschlagen. Denn Jakobus macht viel in diese Richtung.
Wenn ich in meine Bibel reinschaue, die ihr theoretisch jetzt auch haben könntet, wenn ihr auf Linus zugegangen wäret, dann hättet ihr mit mir sehen können, dass die Überschrift ab Kapitel 3, Vers 13 lautet: Warnung vor Streitsucht. Jakobus spricht zu einer Gemeinde, die ganz, ganz grosse interne Probleme hat. Das muss uns klar sein. Man braucht ja immer so ein bisschen, wenn man so einen Brief liest, eine Idee: Wie ist denn jetzt die Zuhörerschaft aufgestellt?
Stellt euch mal eine Gemeinde vor, wo richtig fette Probleme sind. Wer unsere Geschichte hat, wir hatten solche Zeiten, man erinnert sich mal kurz an Momente, wo man sagt: Eigentlich möchte ich die ausblenden. Die machen mich eigentlich nur traurig. Aber wenn du diese Zerrissenheit, wenn du dir das nochmal vergegenwärtigst, dann steckst du in der Gemeinde, an die Jakobus schreibt.
Und deswegen fragt er in Jakobus 4,1: Woher kommen Kriege und woher Streitigkeiten unter euch? Merkt ihr, das sind ganz starke Worte hier. Und sie zeigen gleich: In der Gemeinde geht es wirklich richtig zur Sache. Hier wird mit harten Bandagen in der Gemeinde gekämpft, und Jakobus gebraucht diese deftige Sprache, damit die Zuhörer merken: Ups, das, was wir hier veranstalten, das sind keine Kavaliersdelikte.
Wenn Geschwister statt miteinander für das Evangelium lieber gegeneinander kämpfen, dann muss die Frage erlaubt sein: Woher kommt das eigentlich? Und in den Versen 13 bis 18 hat man gemerkt, im Raum steht die Antwort: Na ja, das ist klug, so zu handeln. Man muss halt sich einsetzen. Und Jakobus hat schon gezeigt, dass das nicht klug ist, sondern dass das unweise ist, dass das eine Weisheit ist, die sich zwar Weisheit schimpft, aber in Wirklichkeit eine ganz, ganz falsche Quelle hat.
Also: Woher kommt es, dass Christen nicht um ihre persönliche Heiligung ringen oder darum ringen, dass Menschen das Evangelium verstehen, sondern einander das Leben schwer machen? Wo kommt das eigentlich her, wenn so eine Situation in einer Gemeinde gelebt wird?
Die Antwort von Jakobus: Nicht daher aus euren Lüsten, die in euren Gliedern streiten. Also, stell mal gerade auf, dich brauche ich mal gerade, damit wir das verstehen. Die Glieder, ja, das ist ein Glied. Das sind Glieder, ja, also danke schön, damit wir das nur verstehen. Wir bestehen aus Gliedern, ja, und in diesen Gliedern, die unseren Körper ausmachen, die unsere Erscheinung in dieser Welt ausmachen, da steckt was drin.
Was steckt da denn drin? Na ja, da steckt, so blöd das ist, dieser selbstgefällige, ichverliebte, alte Mensch noch drin. Das ist ein bisschen doof, wenn ich das so sage, aber der Teil, der bei unserer Bekehrung eigentlich mit Christus hätte am Kreuz sterben müssen, ich nenne es mal diesen hochmütigen, besserwisserischen, ichsüchtigen alten Jürgen. Das ist der Typ, der immer den Ton angeben möchte, der es hasst, sich um Christi willen selber zu verleugnen, der lieber auf sich selber vertraut statt auf Christus. Der sich eigentlich nicht hingeben möchte, weil es ihm um seine Ehre geht, der seinen eigenen Willen tun möchte, statt das Joch des himmlischen Königs zu tragen.
Der Typ hat eine Idee, und die Idee lautet: Wenn ich nur dem folge, was aus mir so an natürlichen Impulsen, was aus meinen Lüsten herauskommt, dann finde ich das wahre Leben. Und dieser Typ, wie gesagt, der eigentlich Vergangenheit sein sollte, der ist manchmal allzu präsent. In meinem Leben ist das so: Ich wache morgens auf und ich merke, der Alte ist da. Und ich muss eigentlich jeden Morgen neu sagen: Nee, du nicht, sondern Christus. Und wenn ich das nicht tue, dann fängt dieser alte Jürgen Stück für Stück wieder an zu regieren.
Und wo das der Fall ist, wo ich nach diesem Prinzip lebe, wo nicht mein alter Jürgen am Kreuz hängt mit Christus und ich jetzt anfange, für Jesus und durch Jesus zu leben, an der Stelle wird es in meinem Leben nur Frust geben.
Es muss uns völlig klar sein: Jakobus sagt ab Vers 2 Folgendes: Ihr begehrt und habt nichts. Das sind Leute, die wollen mehr, aber sie kriegen nichts. Ihr begehrt und habt nichts, ihr tötet. Achtung, starke Sprache. Da steht keiner am Eingangstür zur Gemeinde mit dem Knüppel, und wenn einer reinkommt, dann bumm, und dann wird irgendwo so ein schwarzer Sack rausgezogen und irgendwo in der Hasel versenkt mit einem Betongewicht dran. Nein, so nicht. Aber ihr versteht: Da wird mit Worten umgebracht.
Mord, sagt Jesus, beginnt an der Stelle, wo wir zornig, ungerechtfertigt zornig sind auf Leute, wo wir Leute mit Worten fertig machen, wo wir uns über sie ärgern. An der Stelle fängt das an. Und das ist tief drin. Ihr begehrt und habt nichts, ihr tötet und neidet und könnt nichts erlangen, ihr streitet und führt Krieg, ihr habt nichts, weil ihr nicht bittet, ihr bittet und empfangt nichts, weil ihr übel bittet, um es in euren Lüsten zu vergeuden.
Die Sprache ist unglaublich stark. Hier sind Leute getrieben von Neid und von Eigennutz, und sie gehen förmlich über Leichen. Sie zerstören ihre Gemeinschaft, und das Verrückte: Am Ende stehen sie mit komplett leeren Händen da, selbst ihre Gebete. Sie beten wenig, aber wenn sie dann schon mal beten, dann gibt Gott ihnen nichts. Warum? Weil Gott ganz genau weiss, was für ein mieses Spiel sie spielen, weil sich Gott dafür nicht vor ihren Karren spannen lässt. Sie wollen immer nur das Leben, was aus ihnen herauskommt.

Die Warnung vor falscher Bindung

Vers vier: Ehebrecherinnen, ihr Ehebrecherinnen! Und jetzt Achtung: Denkt noch einmal an die Poesie. Es geht hier nicht darum, dass Frauen im Blick sind, die ihren Mann betrogen haben. Im Alten Testament wird das Verhältnis zwischen Gottes Volk und Gott oft mit dem Bild der Ehe verglichen. Götzendienst ist dann logischerweise so etwas wie: Ich flirte, ich mache mit einem anderen Gott etwas. Aber wenn ich mit Jachwe verheiratet bin und ich spiele ein bisschen mein Spiel mit Baal oder Chemosh und wie sie alle heißen, dann sagt Gott: Nein, das möchte ich nicht. Das ist Ehebruch, das ist Götzendienst.
Und genauso hier: Wenn das Wort Ehebrecherinnen, ihr Ehebrecherinnen, verwendet wird, dann sind Christen gemeint, die einem falschen Gott nachlaufen. Wie heißt denn dieser Gott? Ihr Ehebrecherinnen, wisst ihr nicht, dass die Freundschaft der Welt Feindschaft gegen Gott ist? Wer nun ein Freund der Welt sein will, erweist sich als Feind Gottes.
Bei solchen Bibelversen würde ich am liebsten hier immer so einen Gong haben, so einen fetten Gong und so einen Schlegel, wo man dann mal so bam machen kann, dass alle merken: Hallo, wichtiger Vers. Wichtiger Vers. Nicht nur für die damals vor zweitausend Jahren. Sind wir weit davon entfernt? Entschuldigung, das glaube ich nicht im Ansatz. Ich glaube, dass wir, und ich werde das ganz am Ende kurz beleuchten, mitten hineingreifen in die große Misere der Christen, gerade der evangelikalen Christen in Deutschland.
Also, worum geht es hier, ein Freund der Welt zu sein? Achtung: Welt meint nicht den Planeten. Du darfst Greenpeace toll finden, du darfst dir auch diese BBC-Naturfilme anschauen, alles geschenkt. Welt meint auch nicht die Menschen hier auf der Erde. Es gibt Stellen in der Bibel, wo tatsächlich der Begriff Welt diese beiden Aspekte meint. Welt meint hier das Wertesystem, das hinter dem steckt, hinter dem der Gesellschaft steckt, in der wir leben. Welt ist das, was Menschen glauben und leben, die ohne Gott glücklich werden wollen.
Also, wenn ich sage, dass da einer Freundschaft mit der Welt pflegt, dann heißt das, dass einer sich hinsetzt und sagt: Ich lebe nach den Grundsätzen der Welt. Ich will haben, was alle haben. Ich will erreichen, was alle für erstrebenswert halten. Ich will so leben wie alle anderen.
Das bedeutet natürlich auch: Nicht Gott ist mein König, sondern irgendwo der Zeitgeist. Nicht Jesus ist mein Herr, sondern die Gesellschaft. Ich folge dann auch nicht Jesus nach, sondern ich folge eigentlich der Welt. Und ich werde an der Stelle, egal was ich behaupte, ganz praktisch durch mein Leben, das heißt hier, erweist sich als Feind Gottes.
Ich will das vielleicht nicht. Aber mein ganz praktisches Leben macht mich zu einem, der nicht mehr auf der Seite Gottes steht. Ich glaube, die Frage, die jeder sich immer wieder stellen muss, und wer länger dabei ist, weiß, dass diese Frage nie erledigt ist, im Sinne von: Ist irgendwann passé. Die Frage, die wir uns stellen müssen, lautet: Will ich in den Augen der Welt ein bisschen komisch sein, so ein bisschen merkwürdige Prioritäten haben, wie zum Gottesdienst gehen, beten, spenden, fasten, Zeit haben, um über die Bibel nachzudenken, Gutes tun? Und wenn ich das tue, dann wie Abraham Freund Gottes genannt werden. Das ist die eine Seite. Will ich das? Oder möchte ich, dass mich meine Umwelt cool findet, dass ich akzeptiert bin und dass ich dabei das Verhalten und die Werte meiner neuen Freunde übernehme? Was möchte ich?
Das ist eine Frage. Und bitte: Du wachst morgens auf, und du wirst dich morgen für morgen entscheiden müssen, auf welcher Seite will ich stehen. Denn das Angebot, die Seite Gottes zu wechseln, ist jeden Morgen neu da. Und glaub doch nicht, dass das so ein Schalter ist, schnipp, schnapp. Sondern geh mal davon aus: Es ist ein Ich stehe hier auf Gottes Seite. Und dann kommt ein kleiner Kompromiss. Das ist nicht viel, ja, irgendeine Kleinigkeit, ja, irgendwie so etwas, so ein bisschen was, wo halt alle mitmachen, du machst halt auch mit. Irgendein blöder Scherz, wo du mitlachst, irgendeine blöde Serie, die du mitschaust, irgendein bisschen Zeitvergeudung hier, irgendein bisschen was, wo du ... Na, nicht schlimm, ey. Ganz, ganz schwierig, das irgendwo auch vielleicht in der Bibel so zu greifen. Du merkst nur: Ja, so dieses wirklich gerade hier stehen, ja. Das geht so ein bisschen rüber. Es ist nicht schlimm, du bist noch lange kein Götzendiener, es ist noch lange nicht so, dass einer in der Gemeinde murrt, vielleicht im Bauch so ein bisschen, dass der Heilige Geist so mal ganz vorsichtig den Finger hebt und sagt: Ey, Freund, vor 20 Jahren hättest du dir den Film nicht angeschaut, heute schaust du ihn dir einfach an. Vor 20 Jahren hättest du das nicht gemacht, was ist denn da passiert? Und man bewegt sich so ein ganz kleines bisschen. Nicht schlimm, nicht schlimm, ja, nicht schlimm. Aber immer so ein bisschen weiter halt!
Ich bitte euch, das ist eine Entscheidung, die jeder für sich treffen muss. Und ich bin der Letzte, der mit einem Finger auf euch zeigt. Ich muss auf mich zeigen, weil ich mir diese Frage stelle: Wie kriege ich das in meinem Leben hin? Es geht nämlich beides nicht. Es geht nicht. Und es wird sogar noch schlimmer: Die Leute, die hier angesprochen sind, diese Ehebrecherinnen, die Freunde der Welt sein wollen, die sind gleichzeitig Zerstörer der Gemeinde. Warum? Weil die Welt, in der wir leben, und ich glaube, es ist die gleiche Welt, in der die damals lebten, ungefähr Folgendes sagt: Mach was aus dir, setz dich durch, setz dich in Szene, lass dir nichts gefallen, lass dir nicht die Butter vom Brot nehmen.
Und versteht ihr: Wenn jemand sagt, das ist mein Credo, das will ich, dann wird es für so jemanden, der das glaubt und lebt, ganz, ganz schwierig. Das geht gar nicht! Wie soll so jemand sein Kreuz auf sich nehmen? Wie soll so jemand bereit werden, sich selbst zu verleugnen? Wie soll so jemand Ungerechtigkeiten um Christi willen ertragen? Wie soll so jemand sagen: Ich möchte schwach sein, und ich möchte mich meiner Schwachheiten freuen, damit Christus in mir groß wird und in mir stark wird?
So jemand, der diesem Credo der Welt folgt, der wird, glaube ich, von unserem Herrn Jesus nicht lernen, was es heißt zu lieben, was es heißt zu dienen, was es heißt, Lasten zu tragen, was es heißt, demütig zu sein, was es heißt, schweigend zu warten auf den Moment, wo Gott hört und rettet, was es heißt zu leiden, was es heißt, gehorsam zu sein, was es heißt, für Christus zu arbeiten, was es heißt, auf Gott zu vertrauen. Das, was ich euch eben gesagt habe, das sind alles Dinge, die wir dringend von Jesus lernen müssen. Das ist, wie ein alter Prediger es mal gesagt hat, der Weg des Lammes. Und das ist Opposition zu allem, was man in dieser Welt dir verkauft.
Die Welt sagt: Mach dich groß. Und Jesus sagt: Mach dich klein. Die Welt sagt: Lebe dein Leben. Und Gott sagt: Stirb, stirb, damit du es leben kannst. Und jetzt merkt ihr: Wenn jemand an der Stelle einsteigt und sagt: Ja, ich möchte so leben wie alle anderen, dann lebt er eigentlich für sich, egal wie fromm er tut. Und so jemand muss in einer Gemeinschaft immer zum Zerstörer werden, er kann nicht anders. Weil er im Innersten getrieben wird von Neid und von Eigennutz, und was daraus kommt, haben wir die letzten Male schon gesehen. Das ist das Drama dabei.
Was braucht so jemand, was brauchen diese Ehebrecherinnen? Ich glaube, sie brauchen eine ganz radikale Umkehr in ihrem Leben, fast so etwas wie eine Bekehrung. Vielleicht brauchen sie genau die. Ich glaube nämlich, dass, wenn Jakobus hier an die Gemeinde schreibt, in der Gemeinde nicht alle wirklich gläubig sind.
Und der nächste Vers, der jetzt kommt, der gehört zu den schwierigsten im Neuen Testament, muss man einfach mal nüchtern sagen. Also, wenn ihr am Ende eures Lebens nicht genau wisst, was er bedeutet, geschenkt, kommt mal mit in den Himmel, ist nicht so dramatisch, ist nicht Johannes 3,16, ist einfach superkompliziert. Ich versuche, ihn ein bisschen aufzudröseln und vielleicht erst einmal den roten Faden zu finden.
Da heißt es: Oder meint ihr, dass die Schrift umsonst redet? So, ich möchte euch einen Hinweis geben: Macht das Fragezeichen an der Stelle. Also in eurer Bibel sollte es so sein: Da kommt dieser Satz, dann kommt ein Doppelpunkt, Anführungszeichen, Zitat, Anführungszeichen, Ende, Fragezeichen, irgendwie so. Macht mal das Fragezeichen vorher, macht das mal an der Stelle. Denn das, was danach kommt, dieses „Eifersüchtig sehnt er sich nach dem Geist, den er in uns wohnen ließ“, ist kein Zitat aus der Bibel. Du kannst es ja mal suchen, es lohnt sich immer, die Bibel durchzulesen, du wirst es nicht finden. Mit diesem Wort „Oder meint ihr, dass die Schrift umsonst redet?“ wird noch nicht das Zitat eingeführt. Das Zitat selber aus Sprüche 3,34 kommt erst ein Stück weiter unten, in Vers 6. Es geht um etwas anderes. Also, ich mache das Fragezeichen ein bisschen weiter vorne.
Oder meint ihr, dass die Schrift umsonst redet? Antwort: Nein, tut sie nicht, macht sie nämlich nie. Also wenn Gott etwas sagt, dann ist das immer wichtig. Okay. Und jetzt habe ich ja kein Fragezeichen mehr im nächsten Satz, deswegen lese ich es jetzt ohne Fragezeichen: „Eifersüchtig sehnt er sich nach dem Geist, den er in uns wohnen ließ.“ Du denkst dir: Was ist denn das für ein Vers?
Okay, ganz einfach. Ich habe versucht, ein Bild dafür zu finden. Stell dir vor, deine Tochter wird Au-pair in England. Und sie ruft dich dann an, so per Handy, sagt: Sag mal, Kleine, wie geht’s dir denn? Und die sagt: Boah, das ist echt blöd hier, ich habe jetzt hier so ein kleines Zimmer in der Laube gekriegt, ohne Heizung, völlig dreckig, mit Schimmel an den Wänden, alles ist irgendwie feucht, das Essen ist unglaublich mies, ich muss mehr arbeiten als ausgemacht war, und ich kriege dafür weniger Geld.
Stell dir vor, du bist Vater und du hörst das am Telefon. Wie denkst du in diesem Moment über die Gasteltern? Ich kann dir sagen, wie ich denke: Ich würde denken, Freunde, wir müssen reden. Und das ist das, was Gott denkt. Gott gibt uns seinen Geist. Wie ich meine Tochter als Au-pair in eine andere Familie geben würde, dann ist sie nicht einfach weg und da ist keine Beziehung mehr. Sondern Gott, wenn er uns seinen Geist gibt, hat ein Rieseninteresse daran, dass wir ihm die nötige Umgebung schaffen, dass es ihm gut geht, dass wir seinen Geist nicht einfach dämpfen und mit Füßen treten und ignorieren, sondern dass er tatsächlich sich in uns entfalten kann. So will ich das mal sagen.
Im Alten Testament ist diese Warnung, die hier dahintersteckt, noch ein bisschen gravierender. Ich glaube nicht, dass das noch eins zu eins für das Neue Testament gilt. Aber im Alten Testament ist das so, dass David, wo er so richtig Mist baut, betet: Verwirf mich nicht von deinem Angesicht, und den Heiligen Geist nimm nicht von mir. Also im Alten Testament, wenn du den Heiligen Geist hattest, bei Saul kann man das gut sehen, dann sagt Gott irgendwann: Nee, Freund, den kriegst du nicht mehr, den nehme ich mir wieder zurück.
Und David steht so nach der Geschichte mit Bathseba da und denkt sich: War das jetzt ein Schritt zu weit, ein bisschen zu sehr auf die Seite gegangen? Hat das jetzt richtig fette Konsequenzen? Ich glaube nicht, dass uns das im Neuen Testament auch passiert. Ich glaube, dass uns der Geist Gottes im Neuen Testament als eine ewige Salbung gegeben ist. Und trotzdem: Achtung! Wenn Gott dir seinen Geist gibt, dann ist er ein eifersüchtiger Gott. Er sehnt sich eifersüchtig nach dem Geist, den er in uns wohnen ließ. Er möchte nicht, dass wir das einfach ignorieren, was wir da geschenkt bekommen haben.

Die größere Gnade und der Weg der Demut

Und jetzt kommt es: Worum geht es eigentlich? Was will Jakobus?
Jakobus sagt den Leuten: Ihr Freunde, ihr streitet euch, ihr führt Krieg, ihr tötet, ihr betet eigentlich nur für eure Lüste, ihr seid Ehebrecherinnen. Und jetzt kommt der entscheidende Vers, oder der entscheidende Teilvers, der uns zeigt, worum es eigentlich geht. Was will er denn? Er will die Leute doch gewinnen.
Und was ist sein Argument? Sein Argument lautet am Anfang von Vers 6: Er gibt aber größere Gnade.
Womit Jakobus sie lockt, ist nicht nur die Warnung: Freunde, ihr könnt mit Gottes Geist, der in euch wohnt, nicht einfach so umgehen, wie ihr das macht. Ihr könnt ihn nicht in irgendeiner Laube mit dreckiger alter Laube sperren, sprich: Ihr könnt ihn nicht einsperren in ein Leben voller Neid und Streit und Eigennutz und Krieg und Mord und Totschlag. Das geht nicht.
Das ist die eine Sache. Aber die andere Sache ist die, womit er sie noch viel mehr ziehen möchte: Hey, es gibt größere Gnade. Und die Frage ist: größer als was?
Und ich denke, es geht etwa so, dass Gnade hier meint: das, was mir guttut. Wenn wir einander Gnade schenken sollen, dazu sind wir berufen, dann sollen wir einander Dinge tun, die uns guttun. Und ich glaube, dass hier zwei Ideen im Raum stehen, wie man sich selber Gnade schenkt, sich selber etwas Gutes tut.
Auf der einen Seite der mit den Ellenbogen, der denkt: Wenn ich mich durchsetze, wenn ich dafür sorge, dass ich hier nicht zu kurz komme, dann findet sich Gnade in meinem Leben, dann habe ich es, dann geht es mir gut.
Die Leute, die hier geprägt sind von Neid, Eigennutz, von Anpassung, die wollen ja nicht von vornherein Gemeinde zerstören, die wollen ja nicht Gott zum Feind haben, die wollen ja nicht, dass ihr Leben misslingt. Das passiert einfach nur. Die haben doch eigentlich die Idee: Wenn ich mich so verhalte, dann geht es mir am Ende gut.
Und jetzt kommt Jakobus und sagt: Es gibt größere Gnade. Was du denkst, was dir guttut, es gibt etwas, was weit darüber hinausgeht, und zwar die Gnade Gottes. Die Gnade, die er mir geben will, wenn ich meine Freundschaft zur Welt aufgebe, wenn ich, was wir letztes Mal hatten, Weisheit von oben auslebe oder wenn ich bereit bin, die Frucht der Gerechtigkeit zu säen, statt Neid und Eigennutz.
Wisst ihr, Gott kann uns so viel mehr geben, als wir uns selber jemals erwirtschaften könnten. Wir müssen uns einfach nur auf seinen Weg einlassen.
Und jetzt kommt das, was die Schrift nicht umsonst redet: Das Prinzip, was quasi über unserem Leben steht, wenn wir Gnade haben wollen, wenn wir uns wünschen, dass unser Leben gelingt, lautet in Vers 6b: Deshalb spricht er: Gott widersteht den Hochmütigen, den Demütigen aber gibt er Gnade.
Das ist der Weg zu der größeren, weil echten und wahren Gnade, die es im Leben eines Menschen gibt. Der Hochmütige kann diese größere Gnade nie bekommen, einfach nie. Warum? Weil Gott gegen ihn ist. Das ist brutal.
Nochmal: Gott widersteht den Hochmütigen. Deshalb auch der Frust in 1. Korinther 5,3-12, was wir vorhin gesehen haben: die ständig probieren, und das klappt einfach nicht. Ihr Leben ist wie ein Haschen nach Wind.
Ja, logisch: Wenn Gott gegen dich ist, dann kannst du so viel laufen und kämpfen und investieren, wie du willst. Wenn Gott für dich ist, gibt es so einen schönen Vers, im Psalm 127 ist das ja, dass er denen, die zu ihm gehören, im Schlaf schenkt. Also die anderen können quasi den ganzen Tag arbeiten.
Wenn du Gott auf deiner Seite hast, dann gibt es Gnade. Wenn du Gott als Feind gegen dich hast, wenn Gott ständig zu deinem Leben, zu deinen Zielen, zu deinen Werten, zu deinem Umgang mit Zeit, Geld und was weiß ich, deinem Partner und deinen Kindern immer nur sagen muss: Nein, nein, nein, nein, nein, da kommst du nicht weiter. Ich meine, die Zeit geht schon herum, keine Frage. Aber du kommst nicht wirklich weiter.
Gott möchte, und das muss uns klar sein, Gott möchte uns wirklich beschenken. Gott ist ein Gott, der Geber aller guten Gaben ist, aber zu seinen Konditionen. Das heißt, er möchte, wenn er uns beschenken möchte, vorher, dass wir demütig sind.
Was ist Demut? Ein alter Prediger, Georg Steinberger, hat mal gesagt: Demut ist die Kraft, welche diejenigen, die weit unter ihr stehen, als Brüder behandeln kann. Finde ich schön.
Von Jesus, der mit Sicherheit das Vorbild in Demut ist, heißt es, dass er sich selbst zu nichts gemacht hat. Demut ist die Haltung in mir drin, den anderen wirklich höher zu achten als mich selbst, meine eigenen Bedürfnisse wichtig, aber nicht wichtiger zu nehmen als die des anderen. Demut heißt: Ich bin bereit, für den anderen zu leben, wirklich mein Leben zu lassen, zu sterben, die Augen aufzumachen und zu sehen: Wo kann ich dienen? Wo kann ich meinem Herrn auf seine Weise folgen? Das ist Demut.
Und wo Gott das findet, wo Gott das im Leben eines Menschen sieht, da sagt er: Hey, total, total super, dich kann ich beschenken.
Was heißt das praktisch? Was muss ich tun, damit ich nicht ständig nur mal hier stehe und mal da stehe? Was muss ich tun, um nicht nur so halb zu Gott zu gehören? Halb im Sinne von: Ich gehe zur Gemeinde, ich nenne mich Christ, aber ich merke, in meinem Herzen ist eine Teilung. Da sind so zwei Gesichter, und natürlich zeige ich die beiden nicht immer gleichzeitig.
Eine Sache vorweg: Was du nicht tun musst, ist dir Gnade erarbeiten. Das muss ganz klar sein. Diese größere Gnade, von der wir reden, ist ein Geschenk. Du kannst sie dir nicht verdienen.
Aber ich weiß nicht, ob euch das Bild gefällt: Kennt ihr dieses, es fällt dir auch nicht einfach in den Schoß wie so ein Vogelschiss aus dem Himmel, der dich einfach trifft? Du kannst eigentlich nichts dafür. Gnade ist etwas, was man wollen muss. Du kannst sie dir nicht verdienen, du kannst dich anstrengen, wie du willst, Gott sagt: Das ist nicht der Weg. Aber du musst sie wollen.
Und die Frage ist: Was muss ich tun, damit Gott in mein Leben hinein Gnade fließen lassen kann? Also wir reden jetzt, ich stelle mir bei Gnade, weil das ein so riesiges Konzept ist, das ich es mir eigentlich kaum vorstellen kann. Gnade ist, wenn ihr das mal in der Bibel studiert, etwas, was wir in dem Moment unserer Bekehrung geschenkt bekommen, was Gott uns jeden Tag schenken möchte, und wenn Jesus wiederkommt, um uns abzuholen, was er mitbringt, weil wir es immer noch brauchen. Also Gnade ist riesengroß.
Und ich stelle es mir immer wie so einen Staudamm vor, voll von Gnade, und dann gibt es da so einen Auslass. Und an diesem Auslass, das ist jetzt technisch Unsinn, aber ich finde es einfach schön, so ein Schuber, und ich entscheide darüber, wie groß der Durchmesser ist, von dem, was da durchfließen kann. Ich kann den Schuber richtig aufmachen, und dann habt ihr bestimmt gesehen, wenn so ein Staudamm mal abgelassen wird, wenn da ein bisschen viel Wasser drin ist und dann die Fontänen vorne so rausspritzen. Genial, oder?
Oder ich mache den Schuber halt runter. Das tröpfelt dann auch so ein bisschen in mein Leben, die Gnade, aber es ist halt nur tröpfchenweise. Jetzt kennen wir die Werbung: Tröpfchen für Tröpfchen Qualität. Das war so früher die holländische Kondensmilch-Werbung. Ja, Tröpfchen sind schon gut, und Tröpfchen können auch ein Fass zum Überlaufen bringen, aber wenn es um Gnade geht, sind Tröpfchen einfach blöd. Da braucht man viel.
Und die Frage ist: Wie mache ich diesen Schuber auf, dass Gottes Gnade, diese größere Gnade, die ich mir doch eigentlich wünsche für mein Leben, wenn es nicht mit Ellenbogen geht, in mein Leben hineinfließt?
Und da sagt er in Vers 7: Unterwerft euch nun Gott! Also es beginnt damit, dass ich eine klare Einstellung zu Gott habe. Ich muss wissen, was ich will, und mich dann entsprechend verhalten.
Und der erste Schritt, und bitteschön, das ist morgens von mir aus der erste Gedanke, den du hast: Der Gedanke ist cool. Unterwerft euch nun Gott. Morgens die Augen aufzumachen, das Hirn einzuschalten, bei manchen ist das erst nach dem Kaffee möglich, aber für die, die jetzt wie ich es gleich können, bei denen sich überlegen: Will ich? Ja, Gott, du bist mein Gott.
Unterwerft euch nun Gott, widersteht aber dem Teufel, und er wird von euch fliehen. Ich mag diesen Vers. Ich mag es, weil er so simpel ist, er einfach so klasse ist.
Gott muss jeden Tag neu Gott in meinem Leben werden. Ich muss mich entscheiden, wer das Sagen hat. Ich muss wissen, wer der Commander in Chief, der Oberbefehlshaber meines Lebens ist. Wessen Befehlen folgst du? Und bitte, glaub nicht, dass das automatisch am Morgen passiert. Alles in dir schreit nach: Ich, meiner, mir, mich. Und dann gibt es so diese leise Stimme vom Heiligen Geist, der sagt: Jesus. Und dann musst du dich entscheiden.
Ich verspreche dir, dass es so läuft. Irgendwie so, vielleicht mit anderen Worten, mit anderen Empfindungen, aber irgendwie so. Du triffst morgens die Entscheidung. Und du musst Schluss machen mit den Spielchen.
Der Teufel ist der Gott dieser Welt, 2. Korinther 4,4, und er will uns manipulieren. Und wer zu Gott gehört, ist tatsächlich ein Feind des Teufels, er nimmt diesen Kampf auf. Er sagt einfach: Ja, ich will dem Teufel widerstehen. Ich will wie Jesus in der Wüste sein und, wenn die Versuchung kommt, sagen: Es steht geschrieben. Und ich will das erleben, dass der Teufel tatsächlich vor mir fliehen muss.
Wir sind nämlich keine hilflosen Spielbälle des Schicksals oder irgendwelcher bösen geistlichen Mächte. Wir können widerstehen. Wenn wir uns Gott unterworfen haben, können wir widerstehen. Wir können den geistlichen Kampf tatsächlich gewinnen.
Also: Erster Punkt, triffende, klare Entscheidung.
Zweiter Punkt: Schaffe Nähe. Jakobus 4,8: Naht euch Gott, und er wird sich euch nahen. Ich mag auch diesen Vers. Das ist sowieso: Jakobus hat so viele tolle Verse. Ich mag das, weil hier wird so deutlich: Ich glaube nicht an ein Buch, ich glaube nicht an eine Philosophie, ich glaube auch nicht an eine Gemeinde, aber ich glaube an eine Person.
Und genau so, wie meine Beziehung zu einem guten Freund oder zu meiner Ehefrau immer tiefer wird, je mehr ich mich auf sie einlasse, ihr nahe und sie in der logischen Konsequenz auch mir näherkommt, ist auch logisch. Wenn ich merke, da meint einer es gut mit mir, dann will ich die Beziehung. So ist das hier.
Nähe braucht Zeit. Gott wünscht sich, dass wir Experten sind in den Sachen Gottes. Ewiges Leben besteht darin, den Herrn Jesus und Gott zu erkennen, diese tiefe Erkenntnis, zu wissen, wie der andere tickt. Das macht ja letztlich auch eine gute Freundschaft, eine gute Ehe aus: den anderen zu kennen und zu wissen, ist jetzt so, ja, ist einfach so.
So, ihm nahen, was heißt das? Es braucht Zeit. Wir müssen Zeit mit Gott verbringen. Es braucht Interesse daran, Interesse an dem anderen, aber vor allem braucht es eine Sache, und das ist Reinheit, weil wir haben es mit einem heiligen Gott zu tun. Und solange wir an sündigen Gewohnheiten festhalten wollen oder halbherzig so viel Gott wie nötig und so viel Welt wie möglich abgreifen wollen, wird das nicht klappen, dass sich da Nähe aufbaut.
Und deswegen geht Jakobus weiter und sagt: Säubert die Hände, ihr Sünder. Und ihr versteht wieder die Bilder, oder? Meine Hände stehen für das, was ich tue, und dreckige Hände stehen für dreckiges Tun. Jakobus sagt: Schau dir deine Hände an, schau in dein Leben hinein. Was ist denn da wirklich? Was tust du, was redest du, was machst du praktisch, wie gehst du mit deinem Leben, mit deiner Zeit um? Wie gehst du damit um? Was ist denn da wirklich?
Und wenn du merkst, es ist eigentlich Dreck, dann musst du das abwaschen. Dann musst du, und jetzt geht es mal nicht um: Jesus, wasch meine Sünde ab, sondern hier geht es darum, dass du zum Wasserhahn gehst, ihn aufmachst, so: Jetzt mache ich dich mal sauber, jetzt mache ich mal richtig sauber, jetzt schmeiße ich mal den ganzen Dreck weg und spüle ihn aus meinem Leben fort.
Das ist die eine Seite, und die andere Seite: Reinigt die Herzen, ihr Wankelmütigen. Die Wankelmütigen sind die, die nicht wissen, wo sie hingehören. Hier oder da? Wo gehöre ich denn jetzt hin? An manchen Montagmorgen stehe ich meistens hier, und Sonntagmorgen stehe ich dann vielleicht eher hier, und am Mittwoch stehe ich in der Mitte, keine Ahnung.
Und Gott sagt: Wenn das dein Leben ist, wenn du nicht weißt, wo du hingehörst, wenn du so ein Typ bist, der schon im Ehevertrag regelt, was man im Fall der Scheidung wie aufteilt. Verstehst du? Wo ich mal frage: Was willst du denn? Ja, noch bevor man heiratet, klärt man schon, wie man das Zeugs aufteilt. Das ist doch irgendwie komisch.
Aber manchmal sind Leute so, dass sie sich nicht ganz auf eine Sache einlassen wollen, so eine Hintertür offen lassen, so einen Plan B, irgendwie: Wenn es schiefgeht mit Gott, dann falle ich wenigstens nicht zu tief, so einen doppelten Boden irgendwo eingebaut. Und dann sagt Gott: Vergiss es, das wird nicht funktionieren. Schmeiß die Sünde raus und schmeiß aus deinem Leben alles Halbherzige raus.
Und wenn du sagst, das fällt mir schwer, und wenn du das sagst: Ich verstehe dich, dann schau dir den nächsten Vers an. Es ist eines meiner liebsten Gebetsanliegen. Ich bete, dass Gott mich das fühlen lässt, was Jakobus hier beschreibt.
Jakobus spricht zu Leuten, die in der Gemeinde sich durchzusetzen verstehen, die wahrscheinlich auch etwas darstellen, die glauben, mit Gott unterwegs zu sein und sich dabei irren, die wahrscheinlich, wenn du sie so normal kennengelernt hättest, nicht wirklich zerknirscht sind über ihr Leben, sondern denken: Wir machen doch alles richtig, wir sind die Klugen, wir sind die, die wissen, wie es geht.
Und jetzt kommt Jakobus und sagt: Fühlt euer Elend und trauert und weint.
Ich bete das für mich, dass Gott mich an der Stelle, wo es richtig ist, das Elend spüren lässt über mein Leben. Euer Lachen verwandle sich in Traurigkeit und eure Freude in Niedergeschlagenheit. Nehmt mich als ein bisschen komisch, wenn ich das so sage: Ich bete das.
Ich bete das, weil ich glaube, dass wir in Deutschland in einem Land von lachenden Christen leben, deren Leben befleckt ist von der Welt, die nichts haben, weil sie nicht bitten, die oft genug nicht einmal wissen, was es heißt, dem Teufel zu widerstehen, die am liebsten auf allen Partys tanzen würden. Das ist das, was ich sehe.
Ich habe mir vor kurzem ein bisschen Ärger eingeheimst bei einer anderen Predigt, in einer anderen Gemeinde, weil ich mich vorne hingestellt habe und gesagt habe, und ich habe ein Beispiel gebracht, und ich habe vielleicht sinngemäß gesagt: Wenn sich die paar Leute letztes Jahr bei euch bekehrt haben, was ist denn das schon? Und das kam nicht gut an. Aber es stimmt doch, oder?
Wir feiern die ein, zwei Leute, die zum Glauben kommen. Hat irgendeiner von euch auf seiner regelmäßigen Gebetsliste, über die er immer wieder weint, ich hab die da. Wir haben heute Morgen im Auto gebetet, und mir hat das Herz zerdrückt, wo ich über einzelne Leute nachgedacht habe.
Wisst ihr, wir sind so schnell dabei, uns zu freuen und zu lachen und zu feiern und zu sagen, wie toll wir sind, von mir aus gerne mit so einem Unterton: Na ja, ganz so toll sind wir doch nicht, aber eigentlich sind wir doch die Tollen.
Wo bitteschön in diesem Land? Und wir leben in einer evangelikalen Szene, ich rede doch gar nicht über Landeskirche, ich rede über uns. Wir sind in einer niedergehenden evangelikalen Szene. Jahr für Jahr gibt es weniger von uns, weil mehr sterben, als durch Bekehrung dazukommen.
Und das betrifft alle, ob du dir die Pinzler anschaust, die Methodisten, die Mennoniten, die Brüder, die Effigees. Ja, wir freuen uns, wenn wir irgendwo eine Gemeinde aufmachen, da schaust du genau hin und denkst dir: Naja, haben einige Spalten, ja wunderbar, zwei draus geworden, super.
Wisst ihr, wir lachen so fröhlich darauf hin. Lest euch die ganzen Zeitschriften durch. Wo bitteschön ist der Kongress, wo jemand sagt: Ich würde gerne einen Kongress machen, drei Tage weinen für Deutschland. Drei Tage Buße tun für unser Versagen, drei Tage ehrlich hinschauen, dass wir einen Scheißjob in diesem Land machen und uns gut erklären, warum wir zwar gesellschaftlich toll dastehen, alle unsere Karrieren machen, na logisch, ja, wir kriegen das schon auf die Reihe, aber Reich Gottes, ey komm, ja, wenn da halt nicht mehr läuft, ist halt harter Boden, was willst du denn da, ja?
Und ich lese diesen Vers und ich habe jetzt seit einiger Zeit, seitdem ich über Erweckung nachdenke, kommt dieser Vers, und ich sage mir: Gott, ich wünsche mir was. Ich wünsche mir, dass du mein Herz anrührst, und ja, ich will mich freuen über das, was gut ist in meinem Leben. Ich will nicht die Transuse sein, aber ich möchte auch, dass du mein Herz berührst über das, was wirklich Sache hier ist.
Und eigentlich müsste man sagen: In Deutschland ist Schicht im Schacht. Hier ist vorbei, das Auslaufmodell, das, was wir leben. Wir haben uns gut damit angefreundet, gut damit abgefunden. Es gibt ein paar, die noch kämpfen, klar, das sind unsere Helden. Lesen wir die Blogs dann und die Biografien, wenn sie tot sind.
Ich möchte heulen lernen. Also wenn du mich fragst: Was möchte ich in 2014? Dann das hier. Wenn du mich fragst: Was wünschst du dir für diese Gemeinde für 2014? Blöder Wunsch, ich weiß. Aber eigentlich würde ich mir wünschen, dass wir gemeinsam heulen und es schaffen, so ein heiliges Erschrecktsein hinzukriegen und zu sagen: Was machen wir hier eigentlich?
Wir können ohne Ende Zeit investieren in irgendein Trullifax. Ihr müsst nur mal, ihr habt jetzt wahrscheinlich zu wenig Facebook-Freunde, aber wenn du genug Facebook-Freunde hast, dann musst du dir nur mal anschauen, worüber sich Leute Gedanken machen, worauf sich Leute freuen, sogenannte Christen. Ist der Hammer, es ist der Hammer. Und du stehst da und denkst dir: Hm, habe ich von demjenigen schon irgendwann mal irgendeinen geistlichen Impuls gesehen? Nein, wirklich nicht, kann ich mich nicht daran erinnern. Dann gehe ich manchmal auf das Profil und schaue: War da irgendwas? Aber es ist irre, es ist absolut irre, und ich denke mir: Wie kann das sein?
Und der Punkt ist ganz einfach, der Punkt ist so simpel: Wir können das ganze Ausmaß unseres Elends nicht fühlen. Wir können es irgendwie nicht, oder wir wollen es nicht, ich weiß es nicht. Ich weiß nicht, wo wir da genau stehen. Und ich merke, wie diese Welt, in der ich lebe, in dieser Spaßgesellschaft, in der ich bin, mir ihren Stempel aufdrücken will. Und ich merke, wie ich plötzlich zu viel Kopf mir mache um Dinge, die in der Ewigkeit keine Bedeutung haben.
Boah, merk dir, wie aktuell Jakobus ist? Vielleicht sagst du: Ich bin nicht der, der jetzt gerade in der Gemeinde den großen Streit anzettelt. Ja, das bist du nicht. Du hast auch genug wahrscheinlich durchgemacht in den letzten Jahren, um das nicht zu tun. Aber das hier, das trifft mich.
Wenn ihr es könnt, lasst uns dafür beten, dass Gott uns weinen lässt über den Zustand von Gemeinde Gottes, von Reich Gottes in diesem Land. Und wenn du denkst: Aber mir geht es doch gut, ich habe gerade letzte Woche wieder ein Kilo zugenommen. All diese Schokopralines und den Stollen und die Pute und ich weiß nicht, den guten Sekt. Ja, stimmt, wir sind so gewohnt zu lachen.
Ich wünschte mir, wir könnten weinen. Und ich bin davon überzeugt: Würden wir weinen, dann würde Vers 10 gelten, demütigt euch vor dem Herrn. Wenn wir zugeben könnten: Herr, wir schaffen es nicht, und wir wissen nicht, wie es geht, und keine Missionsgesellschaft in Deutschland hat irgendeinen Plan – das ist meine persönliche Sicht der Dinge. Wisst ihr, woher ich das weiß? 23. Dezember, 19.00 Uhr, 27.000 1. FC Union Fans singen in Köpenick im Stadion Weihnachtslieder. Das ist der größte Gottesdienst, wenn du so willst, den wir dieses Jahr hatten in der Stadt. Hammer! Nur mit Christsein hat das nichts zu tun. Ist das irre? Ist das irre?
Von daher lasst uns heulen und lasst uns ringen darum, wie man diese 27 Leute, gute deutsche Mittelschicht, gute deutsche Arbeiter, für die niemand irgendein Konzept hat, wie man sie erreicht, wie man die erreichen kann mit dem Evangelium. Und lasst uns Gott bekennen, dass wir keinen blassen Schimmer haben, wie das gehen soll, dass er, wenn wir uns demütigen, uns erhöht zu sich und uns Weisheit schenkt von oben und uns Mut schenkt, so lange zu trauern, bis er uns tröstet.
Da ist ja nichts Schlimmes dran, einfach nur zu sagen: Wir wissen nicht, wie es geht. Wir sind ja nicht schlechter deshalb, nicht weniger geliebt, aber wir sind vielleicht mehr so, wie Gott uns braucht, damit er uns gebrauchen kann. Das wünsche ich mir für. Amen.

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

Seine App "Frogwords" gibt's für Android und iOS.

Jürgens aktuellste Gebets-Infos gibt's hier zum Lesen und Abonnieren.