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Ein Psalm zwischen den Extremen
Psalm 118. Er steht zwischen dem kürzesten Psalm und dem längsten Psalm. Der kürzeste ist Psalm 117, der längste ist Psalm 119 mit über 165 Versen, 176 natürlich. Es ist ja immer genau geordnet nach dem hebräischen Alphabet. Aber jetzt gehen wir an Psalm 118.
Die Worte dieses Psalms sind so wunderbar, dass Martin Luther ein ganzes Buch über diesen Psalm geschrieben hat. Ich möchte es heute Abend etwas kürzer machen. Aber so voll ist er von Gedanken, von Anregungen, wenn man mit diesem Bibelwort lebt:
Danket dem Herrn, denn er ist freundlich, und seine Güte währt ewiglich. Es sage nun Israel: Seine Güte währt ewiglich. Es sage nun das Haus Aaron: Seine Güte währt ewiglich. Es sagen nun die den Herrn fürchten: Seine Güte währt ewiglich.
Lob als gemeinsamer Anfang
In der Angst rief ich den Herrn an, und der Herr erhörte mich und tröstete mich. Der Herr ist mit mir, darum fürchte ich mich nicht. Was können mir Menschen tun? Der Herr ist mit mir, mir zu helfen, und ich werde herabsehen auf meine Feinde.
Es ist gut, auf den Herrn zu vertrauen und nicht sich auf Menschen zu verlassen. Es ist gut, auf den Herrn zu vertrauen und nicht sich auf Fürsten zu verlassen. Es war in Israel immer eine Erkenntnis, dass auf die Fürsten kein Verlass ist, wie auch der schöne Psalm 146 zeigt. Auch in dem Lied, das nach Psalm 146 gedichtet ist, heißt es: Fürsten sind Menschen vom Weibe geboren und sinken wieder in das Grab.
Die Erweckungsprediger beim Pietismus auf der Kanzel des alten Schlosses haben mit Vorliebe bei den absolutistischen Herzögen, die ja gar nichts neben sich geduldet haben und nicht einmal die Landstände mehr mit ihren alten Standesrechten akzeptiert haben, den Vers in der alten Schlosskirche von Stuttgart singen lassen: Fürsten sind Menschen vom Weibe geboren und sinken wieder in das Grab, ihre Anschläge sind auch verloren. Wenn nun das Grab seinen Raub nimmt, weil denn kein Mensch uns helfen kann, ruft man Gott um Hilfe an. Das geht auf diesen Vers und vor allem auf Psalm 146 zurück.
Bedrängnis, Rettung und das Vertrauen auf Gott
Alle Heiden umgeben mich, aber im Namen des Herrn will ich sie abwehren. Sie umgeben mich von allen Seiten, aber im Namen des Herrn will ich sie abwehren.
Sie umgeben mich wie Bienen, sie entbrennen wie ein Feuer in Dornen, aber im Namen des Herrn will ich sie abwehren. Man stößt mich, dass ich fallen soll, aber der Herr hilft mir. Der Herr ist meine Macht und mein Psalm und ist mein Heil.
Man singt mit Freuden vom Sieg in den Hütten der Gerechten. Die Rechte des Herrn behält den Sieg, die Rechte des Herrn ist erhöht, die Rechte des Herrn behält den Sieg. Ich werde nicht sterben, sondern leben und des Herrn Werke verkündigen.
Der Herr züchtigt mich schwer, aber er gibt mich dem Tode nicht preis. Tut mir auf die Tore der Gerechtigkeit, dass ich durch sie einziehe und dem Herrn danke. Das ist das Tor des Herrn, die Gerechten werden dort einziehen.
Ich danke dir, dass du mich erhört hast und hast mir geholfen. Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Eckstein geworden. Das ist vom Herrn geschehen und ist ein Wunder vor unseren Augen.
Dies ist der Tag, den der Herr macht. Lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein. O Herr, hilf! O Herr, lass wohl gelingen! Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn. Wir segnen euch, ihr, die ihr vom Hause des Herrn seid.
Der Gottesdienst als lebendige Bewegung
Dieser Psalm wurde natürlich beim Einzug Jesu in Jerusalem gesungen. Sie kennen ja die Anspielungen und Zitate, die dort festgehalten sind: Der Herr ist Gott, der uns erleuchtet. Schmückt das Fest mit Maien bis an die Hörner des Altars. Du bist mein Gott, und ich danke dir. Mein Gott, ich will dich preisen. Dankt dem Herrn, denn er ist freundlich, und seine Güte währt ewiglich.
Wenn sie Lieder singen, dann fällt ihnen ja auch auf, dass manche Lieder so flach sind, dass sie oft das Schwere nicht richtig aufnehmen können. Es war ganz am Anfang, vor etwa zwanzig Jahren, als ich hier in der Gemeinde war. Da war hier eine Jugendgruppe, die einen ungeheuren missionarischen Eifer gehabt hat. Sie haben immer diese Chorusse gesungen. Das ist ja schön, diese kurzen Zeilen mit dem immer wiederkehrenden Text. Aber es kann ja auch manchmal so werden wie ein Ohrwurm.
Und ich vergesse den Augenblick nicht, als ich da unten ins Gemeindehaus reinkam. Da kommen mir so zwei junge Leute entgegen, und ich wusste, die hatten eine Wohngemeinschaft hinterm Schattenring in Büsnau oben. Da war eine fromme Frau, die hatte irgendwie ein altes Fabrikgelände, und da war sehr viel Raum, wo sie eine Wohngemeinschaft errichtet hatten. Dann sagte er: Ach, bloß, es ist etwas ganz Schlimmes passiert. Von uns ist ein Autounfall passiert. Beim Abbiegen am Schattengrund haben sie mit ihrem Auto die Vorfahrt eines Lkw nicht beachtet und sind mit dem Auto unter den Lastwagen geraten. Alle drin sind verbrannt. Es waren, glaube ich, zwei im Auto.
Und wie der junge Mann so vor mir steht, da habe ich nur gesagt: Blättert heute Abend mal im Gesangbuch und merkt, dass da Lieder drin sind, die euch vielleicht bisher zu schwer waren, aber die die ganze Tiefe des Leides auffangen und euch doch ins Loben führen.
Not und Gebet als Ort geistlicher Wahrheit
Und das ist ja auch bei den biblischen Psalmen so, dass es sich nicht bloß um oberflächliche Loblieder handelt. An ihnen freuen wir uns auch, wir brauchen sie. Wir brauchen auch ganz einfache Lieder bei der Arbeit und beim Autofahren, wo man so gedankenlos singt.
Und doch gibt es Augenblicke, in denen man sagt: Ich bin in großer Not und Bedrängnis. Und dieser Psalm 118 ist deshalb so herrlich, weil er in äußerster Not, in ganzer Verzweiflung eigentlich gedichtet ist.
Und wir können jetzt Gedanken darüber anstellen, wer der Dichter war. Bevor wir das tun, hätte ich gerne noch ein wenig darüber gesprochen, wo er wohl gesungen wurde. Er wurde sicher im Tempel gesungen, vielleicht in Form einer Prozession.
Wenn ich richtig unterrichtet bin, ist bis heute das Geheimnis des Singens im Tempel noch nicht richtig gelüftet. Man weiß ja immer noch nicht, was dieses Wort Sela bedeutet. Nun, so viel weiß ich auch, dass es eine Bezeichnung für den Sangesmeister war, aber was denn? Soll der Sangesmeister jetzt vom Pult heruntergehen, oder soll er auf das Pult hauen, oder soll die Pauke hier donnern, oder haben da die Trompeten eingesetzt? Wir wissen es nicht, was Sela heißt, es kommt eben in den Psalmen vor.
So wissen wir auch nicht richtig, wie sie gesungen haben. Es ist ja ganz deutlich, dass das eine dichterische Ordnung hat. Sie sehen noch etwa in meiner Lutherbibel ist da immer ein Schrägstrich dazwischen, also wie bei einem gedichteten Vers. Es war also ganz entsprechend auch in der Kunst aufgemacht.
Aber das Wunderbare war doch, dass das irgendwie ein Wechselgesang war.
Wechselgesang, Gemeinde und Gottes Güte
Und das Schöne ist: Bevor der Beter von seiner Not redet, preist er den Herrn. Und er preist ihn mit diesen alten Worten: Dankt dem Herrn, denn er ist freundlich, und seine Güte währt ewiglich.
Und dann soll das Israel rufen, das ganze auserwählte Volk. Dann rufen es die Priester wieder von vorne, und dann sollten es all die anderen rufen, die aus den Stämmen der Welt kamen, die Proselyten, so heißt es dort in Israel. Das sind all die, die aus dem Nichtjuden dazukamen. Später waren es diese griechischen Juden aus dem hellenistischen Raum, die rufen dann das noch einmal: Lobe den Herrn, oder: Nun, seine Güte währt ewiglich.
Dieses „Der Herr ist freundlich“ heißt doch: Der Herr ist gut. Der Herr übrigens – heute leben wir in einer so gottlosen Zeit, dass, wenn wir zu unseren Mitmenschen von dem Herrn reden, sie gar nicht wissen, warum wir das meinen. Und dann gibt es natürlich ein paar Feministen, die sich aufregen, dass wir nicht von der Frau reden. Aber wir meinen doch die Herrschaft, das Regieren Gottes. Das ist uns gemeint, nichts anderes. Sein Regieren.
Und jetzt stellen Sie sich einmal vor, so wie wir Israel erlebt haben: in diesen Tagen der Angst und des Schreckens, mit der Gasmaske unterm Arm. Und dann singt es: Dankt dem Herrn, denn er ist freundlich, und seine Güte währt ewig. Das hat Israel nie verloren: den Lobpreis und das Danken.
Und das ist für uns so wichtig, wenn wir das auch hinübernehmen in unsere traurigen Stunden: Der Herr ist gut, er hat Gedanken der Liebe und des Friedens.
Gottes Treue in der Angst des Menschen
Gott hat nie Gedanken, um uns irgendwo reinzulegen, um uns platzen zu lassen. Das hat man früher beim Schaukeln gemacht, bei der Wippe: dass man hinten abgesprungen ist, dann hat es die hinten reingedonnert.
Manche meinen immer, so sei Gott mit uns, dass er uns irgendwo auf die Nase fallen lässt und eine diebische Freude hätte, wenn er uns sagt: So, das geschieht dir ja gerade recht. Sondern Gott will uns beistehen, darum ruft er uns doch mit dieser Treue. Er will uns heimholen, und seine Güte währt ewig.
Das ist doch so groß, dass ich auf dieses Erbarmen Gottes bauen darf und dass dieser erbarmende Gott mich unendlich lange sucht und nicht loslässt von mir. Und das hat das Volk Israel erlebt.
Wir können das jetzt nicht aufschlagen im Buch Esra. Das war der Schriftgelehrte, der schon vor Nehemia in der Seniorenbibelstunde, hatten wir das, zurückgekehrt war nach Jerusalem. Dort da schläft irgendjemand, deshalb schnarcht da jemand so. Aber nicht hier im Saal, mach doch nichts, Frau Weber, es ist doch schön. Das ist doch wunderbar, das hält uns ja in Trab. Ich wollte bloß einen dummen Spruch machen.
Aber bei Esra 3 kommt es auch vor, wie sie dort zurückgekommen sind und dann miteinander. Bloß wenn es ein Einbrecher wäre, dann können sie gucken. Beim Esra wird auch das gesungen, da wird genau das zitiert. Und wir sehen, weil das ja am Ende des Psalmes wiederkommt, eingeschlossen, Anfang und Ende, und zwar irgendwie Liturgie, so wie wir in Kehreim haben, wahrscheinlich immer wieder dazwischen gesungen: Der Herr ist freundlich, der Herr ist freundlich.
Ganz ähnlich ist es auch bei einem Psalm. Nach Hundert kommt irgendwo immer das: Danke dem Herrn, der Herr ist freundlich, immer wieder dazwischen gesungen und als Chor aufgerüttelt. So sollen wir danken und uns freuen.
Die Angst vor Menschen und die Freiheit des Glaubens
Also vermutlich in der Prozession, wie sie da in den Tempel einmarschiert sind, wie sie herumgegangen sind.
Der Gottesdienst in Israel war ungeheuer lebendig. Wir sind ja komischerweise beim Gottesdienst ganz festgelegt auf eine intellektuelle Predigt, auf eine Schriftauslegung. Und das ist sicher nicht die einzige Form, Gott anzubeten.
Und nun erzählt er von seiner Not: In der Angst rief ich den Herrn an. Das ist sicher so, dass wir Gott erst richtig suchen, wenn wir in Bedrängnis kommen. Die Engpässe, die Gefährdung unseres Lebens, Krankheitszeiten sind die geistlich fruchtbaren Zeiten. Und wenn es uns gut geht, werden wir meist, meist sehr träge.
Der Ehebruch Davids mit Batzeba passierte, als die Soldaten im Feld waren und David daheim am Palast. Es waren Zeiten, die nicht im Stress waren, und die sind gefährliche Zeiten. Die Zeiten, in denen wir sehr gefordert sind, vor denen uns Angst ist, die sind oft auch später im Rückblick schöne Zeiten. Unsere jungen Leute sagen ja manchmal: Wir haben es nicht so gut gehabt wie ihr, dass wir immer noch Krieg und Hungerzeit erlebt haben. Es ist Wissen aus der Erzählung, dass es ungeheuer reiche Zeiten waren, Zeiten des Erlebens der Güte Gottes.
In der Angst rief ich den Herrn an, und der Herr erhörte mich und tröstete mich. Ich bin überzeugt, dass Sie es erleben, wenn Sie es auch einmal richtig verfolgen. Wir sind manchmal so taub, dass wir gar nicht darauf achten, wie Gott unmittelbar auf unser bedrängtes Gebet antwortet.
Ich kann Ihnen nur immer wieder den Tipp geben: Schreiben Sie sich Ihr Gebet irgendwo auf, oder haben Sie in Ihrer Bibel eine Karte, oder machen Sie sich eine Randbemerkung hin. Sie werden später oft beim Lesen darüber staunen und sagen: Ach, wie wunderbar hat das Gott gelöst! Wir sind sonst so kurz im Erinnern zwischen dem Schrei in der Angst und dann dem Erleben, dass Gott schon geantwortet hat. Das war doch die Antwort, wie er auf mich zuging und mir antwortete.
Mut, Menschenfurcht und göttlicher Schutz
Der Herr ist mit mir, darum fürchte ich mich nicht. Er betet dieses Gebet in der großen Gemeinde, aber er nimmt sich selbst ganz in diese Geborgenheit bei Gott hinein. Er war sich dort ganz aufgehoben und rühmt es, dass dieser Gott, der so freundlich ist, sein Gott ist.
Dieses persönliche Glaubensverhältnis ist doch das Herz unseres Glaubens. Ich darf meinen Namen da nennen und darf mich selbst darunter stellen. Ich darf diesen Trost haben: Darum fürchte ich mich nicht, was können mir Menschen tun?
In der ganzen Bibel herrscht ja eine Angst vor den Menschen vor. 1969 war ein Kirchentag auf dem Killesberg, und da war damals eine ganz große Begeisterung für die Demokratie. Da wurde also unheimlich viel demokratisch gemacht. Das war das Jahr nach der Studentenrevolte von 68, 69. Und da hat ein Journalist einen Artikel geschrieben, der mich damals ungemein angesprochen hat. Er sagte, es ist eigentlich komisch: Die Kirche setzt so sehr auf den Menschen, auf das, was der Mensch alles kann, und auf die Mitwirkung des Menschen, wenn man das alles jetzt freigibt. Und offenbar ist vergessen, dass die Bibel ein abgrundtiefes Misstrauen gegen den Menschen hat.
Interessant: Die Bibel hat ein abgrundtiefes Misstrauen gegen den Menschen. Nicht, dass sie den Menschen nicht als Gottes Geschöpf annimmt, aber der Mensch ist gefallen, von Gott getrennt. Und Sie können ja selbst sehr viel erzählen, was Menschen einem antun können. Kein Tier kann einem antun, was ein Mensch tun kann. Und manche sagen: Ich zittere schon davor, wenn ich morgen gewissen Menschen gegenübertrete. Die besinnen sich mit ihrer ganzen Intelligenz nur darauf, wie sie mich verletzen können, mir wehtun, mir meine Ehre rauben, mich schmähen können.
Es ist sehr, sehr schwer. Als David einst über dieser Sünde der Volkszählung von Gott gestraft werden sollte, hat ihm Gott ja verschiedene Möglichkeiten offengelassen und ihn gefragt, was er denn als Strafe wählen wollte. Und dann hat David gesagt: Du darfst tun, was du willst, nur eins nicht: Lass mich nicht in die Hände der Menschen fallen, lass mich nicht in die Hände der Menschen fallen.
Die Härte der Welt und die Standhaftigkeit des Glaubens
Menschen können unheimlich gemein und grausam sein. Die Bibel predigt nicht darüber, aber man muss das wissen, damit das nicht irgendwo verschwiegen wird. Und das, was wir auch erleben, nicht nur im Krieg, ich sehe nicht nur den Krieg als unheimlich und schlimm an, wie es heute auch so dargestellt wird, sondern ich sehe das Unrecht als schlimm an. Nicht nur, wenn man heute in Kuwait 65 Babys tot ausgegraben hat, die Ermordeten erschossen. Was geht da in Menschen vor?
Und wir wollen jetzt auch das nicht nur sagen, sondern es sind ja viele, viele Gegenden in der Welt, wo Menschen heute von Menschen gehörig gefoltert, erniedrigt und gedemütigt werden, doch nicht bloß im Krieg. Es ist immer wieder so, dass man da jetzt wieder etwas hat, und dagegen sind wir. Sondern die Sünde ist schlimm, wo Gott nicht geehrt wird und wo Menschen ihre ganzen Gaben gebrauchen, um nur sich am anderen zu rächen. Und da entdeckt man ja sein eigenes Herz. Wie oft hat man Befriedigung darin gefunden, wenn man einem anderen etwas sagen konnte, das wehtat, wenn man ihn höhnen konnte. Sagen Sie bitte nicht, Sie wissen nicht, was das ist.
Menschen können unheimlich gemein sein. Aber er sagt: Was können mir Menschen tun, wenn Gott für mich ist? Und das ist jetzt wichtig. Wir sollten uns nicht vor Menschen fürchten, weil Gottes Schutz viel größer ist. Dann können die Menschen tun, was sie wollen. Und das ist ja eigentlich das Tollste in diesem Psalm. Die Menschen tun das alles. Ich habe Ihnen vorhin schon gesagt, das ist Martin Luthers Lieblingspsalm. Und er hat ihn in den ausweglosesten Situationen seines Lebens immer wieder gebetet, diesen Psalm.
Und ich habe dummerweise wieder mein Büchlein mit der Luther-Auslegung, das schöne Confitemini, so hat er es genannt, nicht gefunden. Vielleicht habe ich es falsch eingesteckt oder jemand hat es nicht zurückgegeben. Aber das ist so gewaltig in diesem Psalm, wenn er sagt: Lass sie doch schmähen, sie können schmähen, aber sie können mich nicht verwunden. Lass sie stoßen, sie können mir nicht das Leben nehmen. Lass sie schlagen, lass sie! Aber sie können mich nicht umbringen. Sie dürfen alles tun, aber ich stehe.
Und das ist ja interessant, wenn man jetzt so einen Mann wie Luther sieht, der dann einfach nicht zurückweicht. Und so: Lass sie. Ich trete aller Macht dieser Welt gegenüber, und ich weiß, Gott ist mit mir. Das macht ihn ja gerade mutig. Er fürchtet nicht die Schläge.
Vertrauen ohne Absicherung
Wir machen es ganz anders. Wir sagen: Ach, jetzt habe ich wieder eins abgerichtet, und diese Ehrverletzung, und wie gemein die mit mir umgehen. Schütteln Sie es doch ab. Wenn Gott für Sie eintritt, dann dürfen Sie sich doch von Worten der Menschen nicht mehr verletzen lassen. Dann dürfen Menschen Ihnen alles sagen; Sie wissen: Gott streitet für mich.
Diese Festigkeit braucht man, wenn man für Gott etwas wirken will. Ich las neulich irgendwo in einem Lebensbild einen Satz: Man dürfe nie vor Menschen Angst haben. Das ist biblische Grundhaltung: nie vor Menschen Angst haben. Wir sind sonst sicher viel zu ängstlich und wagen nichts mehr. Die Generation des Dritten Reiches weiß noch, wie nötig das war. Aber mein Vater hat immer gesagt: Im Vierten Reich braucht man so viel Courage wie im Dritten.
Dass es heute genauso nötig ist, nie vor Menschen Angst zu haben, darf Sie nie irgendwo von etwas abhalten. Wenn Sie es müssen, dann tun Sie es. Und dann sagen Sie: Jetzt mache ich das, und jetzt sage ich das, auch wenn alle dagegen sind. Und die können mit mir machen, was sie wollen. Wenn Gott für mich ist, wenn er hinter mir steht, dann muss ich wissen: Ist es mit Gott in Einklang, was ich hier tue? Dann kann ich unbekümmert entgegentreten. Und dann ist das auch eine Tat, die weiterwirkt und in unserer Welt Frucht trägt.
Was können mir Menschen tun? Ich möchte Sie heute einfach bitten, dass Sie etwas Mutiges tun. Mit Gott im Rücken wird man sicher nicht auf die Pauke hauen müssen, man muss auch sicher gar nicht groß Krach machen, aber man kann das in einer behutsamen und vornehmen Weise sagen. Als Bote des großen Königs durch Wort und Tat bezeugen: Ich nicht, und ich denke anders, und ich tue das anders.
Vor Menschen zurückzuweichen, das ist eines Christen immer unwürdig. In unserer Zeit wird so viel von der Angst gesprochen. Wir sollten aufpassen, dass wir uns nicht von der Angst einschnüren lassen. Die Angst darf nicht unser Leben prägen, sondern wir sollen im Mut reden, weil der Herr mit mir ist.
Sieg, Rettung und der verworfene Stein
Der Herr ist mit mir, mir zu helfen, und ich werde herabsehen auf meine Feinde. Im rechten Sinn verstehen Sie das, nicht despektierlich, sondern so, wie ein Mann mit zwei Meter zwanzig sagen würde: Was möchtest du? Du kannst mir doch nichts tun.
Es ist gut, auf den Herrn zu vertrauen und sich nicht auf Fürsten zu verlassen. Es war immer ein ganz blöder Missgriff, wenn man meinte, man müsse die Sache Gottes retten und irgendwo einen Kompromiss mit Menschen bauen. Und es ist so schön, dass das in dem Psalm auch ausgeschlossen ist. Ich brauche keine weltliche Macht.
Es war ein Übel der Reformation und Martin Luthers, dass er gemeint hat, er müsse seine neue Ordnung des Evangeliums auf die Macht der Fürsten bauen. Und wir wissen heute, dass es 500 Jahre lang dieses schreckliche Unikum gab, dass der Landesfürst oberster Bischof der Kirche war. Es war doch grausam, dass Eberhard Ludwig, dieser Mann mit seinem unmoralischen Lebensstil, oberster Herr der Kirche war. Es war doch eine babylonische Gefangenschaft.
Und solche Kompromisse sind immer schädlich, und sie sind nicht aus Glauben geboren. Wir kennen das ja auch aus unserem Leben, dass man meint, man müsse jetzt, um das Geschickte unterzubringen, sich rückversichern. Ich hoffe, dass es auch bei Ihnen ganz konkrete Hilfen jetzt gibt für Ihre Entscheidungen.
Nie sich verlassen auf Fürsten, nie auf mächtige Leute schielen, nicht auf einen, der das große Wort hat, übrigens auch nicht auf Parteien. Gottes Reich braucht keinen Schutz von Politikern. Es mag sein, dass Gott sich hier und da Politiker bedient, aber wir wollen die Sache Gottes nicht an Politiker binden, auch nicht an Gesellschaftssysteme. Wollen wir aufpassen, dass wir das nie vermischen.
Es mag sein, dass Sie hier und da sagen: Ich wähle so, und ich habe da meine Sympathien. Aber wollen Sie die Sache des Reiches Gottes nie daran binden. Das ist wichtig. Darauf verlassen und sagen: Da liegt das alles. Sonst werden wir bitter enttäuscht. Gott hängt sich nicht an die Anzündung. Gott kann die Entwicklungen ganz anders geben und tun.
Es könnte doch sein, dass auch das rasche Ende dieses Krieges eine Erhörung vieler Gebete war und dass Gott viel, viel tut. Ich erlebe täglich viele Dinge, wo ich einfach aufhorche und sage: So massiv hätte ich das Eingreifen Gottes nicht erlebt.
Ich war gestern an der Debatte und war im kleinen Kreis vor und sagte mir: Bis nicht, wie wir es anpacken sollen. Und nachher im großen Kreis war plötzlich das ganze Thema zwei Stunden lang bloß von dem Bestimmten. Wir haben uns nur angesehen und gesagt: So hat Gott unsere Gebete erhört und hat es geklärt. Es war so ein Thema, das uns gerade wichtig war.
Ich glaube, dass Gott ganz konkret auch Ihre Gebete beantwortet, und es ist gut, auf den Herrn zu vertrauen.
Der Stein, der zum Fundament wird
Nun erzählt er wieder von seiner Bedrängnis, und zwar so, dass deutlich wird, wie tief sie geht.
Wenn Sie jetzt fragen: Wer war denn das? Es steht ja vorne nicht ausdrücklich, dass es David war. Wir können es uns aber vorstellen, dass es David war. Wenn Sie den Psalm durchbeten, können Sie wirklich nur sagen: Das ist ein Psalm, der sich auf den Messias, auf Christus bezieht. Auf Jesus von Nazareth. In einer solchen Tiefe hat nur er gelebt, und er hat das auch wirklich ans Licht gebracht.
Aber deshalb dürfen Sie ihn dennoch beten. Und hier dürfen Sie Jesus nachfolgen, in seine Spur treten.
Alle Heiden umgeben mich, aber im Namen des Herrn will ich sie abwehren. Sie umgeben mich von allen Seiten, aber im Namen des Herrn will ich sie abwehren.
Vers 10, Vers 11: Sie umgeben mich wie Bienen. Da hat unter uns so mancher Imker die Ziene-Maske auf, um sich gegen die Bienen zu schützen. Es wäre furchtbar, wenn einmal so ein Bienenschwarm hereinkommt. Vielleicht ist ihm das irgendwo im Leben schon einmal passiert. Das ist gefährlich. Und das Schlimme ist: Sie wissen ja gar nicht, wo sie hinschlagen, sondern versuchen, diese Bienen noch wegzutreiben, diese wilden Wespen. Es ist ein tolles Bild, wie sie von allen Seiten bloß hinsitzen, und der kann sich überhaupt nicht wehren.
Sie entbrennen wie ein Feuer in Dornen. Das ist natürlich im heißen Land so, dass es im Nu wegbrennt. Aber im Namen des Herrn will ich sie abwehren.
Er ist also den Angriffen ausgesetzt, er spürt auch die Stiche, und dennoch wehrt er sich dagegen. Er steht im Kampf. Es ist ein ausgesprochener Kampfpsalm. Und da sieht man, dass es auch die Fortsetzung ist dessen, was wir am letzten Dienstag hatten mit der geistlichen Waffenrüstung.
Man stößt mich, dass ich fallen solle. Er wird angerempelt, aber der Herr hilft mir. Der Herr ist meine Macht und mein Psalm und ist mein Heil. Er kann gar nichts anderes mehr sagen als: Er, er. Sein ganzer Glaube liegt nur noch darin, und er weiß: Er ist da.
Unser Glaube ist ja oft viel komplizierter. Und wir sollten es wieder so einfach lernen, in den schwierigen Notstunden unseres Lebens: Der Herr ist da.
Die Freude der Geretteten
Ich stehe in meines Herrn Hand. Ein fester Burg ist unser Gott. Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal, du bist da. Ich brauche gar nicht mehr. Du bist da, und ich falle in deine Hände.
Und er ist meine Macht. Wir sind schwach und haben auch gar keine Kraft, uns dagegen mehr aufzulehnen. Er ist mein Psalm. Ich kann gar keinen anderen Vers mehr sagen als nur noch er. Das ist mein ganzer Inhalt.
Der Zinzendorf, der ein interessantes Leben hatte, lebte in der Weite, auch in der großen geistigen Weite des Barock. Es hat schon angefangen bei seiner Großmutter, die ihn aufgezogen hat. Dass er dort im Chemielabor arbeitete, dass ihn die Diener in der Sänfte durch den Garten trugen, und die ganze Weite des Hochadels kennengelernt hat. Die Großmutter hat ja mit Leibniz philosophische Briefe gewechselt. Das waren schon bedeutende Leute.
Aber dieser Zinzendorf, der ja mit Glanz ein juristisches Staatsexamen machte, war dann immer unterwegs vor seinem Herrn. Er hat einmal gesagt: Ich habe nur eine Leidenschaft, und die heißt er. Nur eine Leidenschaft, und die ist er.
Schon schön, wenn man das wirklich so will. Aber hier heißt es in der Geborgenheit: Er ist da. Ich verlasse mich auf ihn, und nichts kann mich von ihm wegreißen und trennen.
Nun dreht das ganze Lied in den Lobgesang: Man singt mit Freuden vom Sieg in den Hütten der Gerechten. Ich wundere mich immer, warum da nicht von den Villen steht, sondern von den Hütten. Es sind also einfache Buden. Aber vielleicht ist es so, dass die Gerechten nicht immer begüterte Wohnungen haben. Man singt mit Freuden vom Sieg in den Hütten der Gerechten. Die Rechte des Herrn behält den Sieg.
Das ist die Hand, mit der Gott wirkt. In diesem Bild hat man immer in der Bibel gesprochen: die Rechte Gottes, die wirkt, mit der Gott handelt, weil das der stärkere Arm ist. Nun gibt es auch Linkshänder, die können links mehr tun. Aber das ist ja gerade so, dass die Ausnahmen die Regel bestätigen. Die rechte Hand ist die wirkende Hand, die kräftiger ist als die linke. Das ist die Hand Gottes.
Und diese Hand Gottes behält den Sieg, auch wenn das in diesen Tagen so aussehen mag, wie wenn die Sache Gottes am Boden liegen würde. Die Rechte des Herrn behält den Sieg. Er wird siegen. Das ist ja auch so schön im Lied: Dass Jesus Sieg bleibt, ewig ausgemacht sein wird die ganze Welt.
Wir wollen uns freuen, dass Gott diese ganze wirre Weltgeschichte zum Ziel bringt. Und wir dürfen das Lob jetzt schon singen. Denn es dauert gar nicht mehr lang, dann sind wir in der Ewigkeit. Dann blicken wir zurück und wundern uns immer, warum wir damals, als wir noch hier waren, so ängstlich gesungen haben und kaum gewagt haben, die Lippen aufzumachen. Wir wussten doch um den Sieg. Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat.
Wir brauchen uns keine Angst zu machen vor den Gefahren, die uns drohen, vor den Schwierigkeiten, denen wir gegenübertreten müssen.
Hoffnung bis zum Ende
Den nächsten Vers hat Luther ja als Losung genommen. Er hat sie, glaube ich, in Coburg oder wo das war, auch an die Wand geschrieben: „Non moriar sed vivar“ – ich werde nicht sterben, sondern leben. Ich werde nicht sterben, sondern leben.
Herr Luther war ja furchtbar geplagt mit Nierenkoliken. Und wer das gehabt hat, weiß schon, dass das vielleicht mit die schlimmsten Schmerzen sind, die man bei Koliken haben kann. Und dann gibt es sicher auch Augenblicke, bei mancher Enttäuschung durch Freunde und bei viel, viel Ausweglosigkeit, in denen man einfach hinschreiben möchte: Ich werde nicht sterben, sondern leben. Daher weiß er, wie lange er mich braucht, und dann will ich auch im Kampfe ihm treu bleiben und ihn verkündigen.
Wenn Sie jetzt auf dem Weg zur DDR sind und dann einmal eine Urlaubsreise machen, dann halten Sie kurz inne in der Feste Coburg, Feste mit V geschrieben, so hatte man das früher. Es ist eine ganz herrliche Burg, nördlich von Bamberg an der Grenze nach Sonneberg, liegt auf der anderen Seite der DDR. Und da müssen Sie das Lutherzimmer besichtigen. Da war Luther ein halbes Jahr oben, als der Reichstag zu Augsburg war, 1530.
Der Kaiser Karl V. hat ja vom Thesenanschlag Luthers an, 1517, 13 Jahre lang versucht, eine staatliche Entscheidung gegen die Reformation zu fällen. Er hat es aber nie fertiggebracht, weil immer Krieg kam. Er hat einen Reichstag zusammengerufen in Speyer und so weiter, und immer kam Krieg. Und der Kaiser musste den Reichstag abbrechen, und die Sache gegen Luther konnte nie verhandelt werden. Er hat ja schon den Bann ausgesprochen und die Reichsacht in Worms, wissen Sie, wie Luther vogelfrei war. Aber Luther kam ja dann wieder aus seinem Versteck. Auf der Wartburg geht er raus, Wartburg ist was anderes bei Eisenach, und die Feste Coburg.
Und das war so: 1530 hat der Kaiser Karl V., der bis Spanien herrschte, bis Italien, diese Sache des Glaubens und der Kirche einmal klären wollen. Er war entschlossen, endgültig dem Evangelium das Licht auszublasen. Er hat alle nach Augsburg eingeladen, weil das ein sicherer Platz war, wo er die Oberhand hat. Es waren nur ganz wenige evangelische Fürsten, die gewagt haben, noch für die Sache des Evangeliums einzutreten. Es war Reutlingen bei diesen zwei Reichsstädten vom ganzen deutschen Reich, die noch gewagt haben, ihre Unterschrift zu geben. Und es war der Kurfürst von Sachsen, der dem Luther gesagt hat, er darf nur noch auf der äußersten Burg bleiben, wo er ihm für seine Sicherheit garantieren kann.
Und täglich ist ein Bote hinuntergeritten, das ist ein weiter Weg von Coburg nach Augsburg, und hat die Briefe Luthers runtergetragen. Diese Briefe Luthers gehören zum Allerschönsten, was er als Glaubenszeugnis hinterlassen hat. Da hat er auch die Auslegung von dem Konfitemini geschrieben, in dieser hoffnungslosen Lage. Der Kaiser hat ja gleich von Anfang an die Evangelischen gar nicht zu Wort kommen lassen, und dieses berühmte Augsburger Bekenntnis, das ja bis heute noch für viele in Österreich das Kennzeichen war: Wir sind eine Gemeinde augsburgischen Bekenntnisses. Eigentlich ein sehr zaghaftes Bekenntnis, es ist gar nicht viel. Ja, es ist evangelisch, aber es geht eigentlich an die äußerste Grenze, um gar nichts zu provozieren. Und trotzdem waren sie verloren, sie waren eingesperrt in diese Stadtmauer. Es ist ja durch einen Trick von Philipp von Hessen dann gelungen, die ganze Sache aufzulösen.
Philipp von Hessen, der einzige evangelische Fürst, hatte auch nicht die Erlaubnis, die Stadt zu verlassen. Und er hat einen Torwächter bestochen und hat gesagt: Lass mich doch raus, ich muss nach dem Abendessen noch ein bisschen reiten, ich habe ja nicht mal Mandel dabei. Und ist auf dem Gaul gesessen und ist die Nacht durchgeritten bis nach Marburg und hat seine Heere in Alarmzustand versetzt. Und dann musste der Kaiser den Reichstag zu Augsburg abbrechen. Das hat die ganze deutsche Geschichte geändert.
Aber ich will bloß davon sagen, dass diese schönen Briefe, die von der Feste Coburg geschrieben wurden, ich meine, da ist das auch, wo dieses Wort noch festgehalten ist: Ich werde nicht sterben, sondern leben. Es war für Luther so unheimlich schwierig. Er selber konnte nicht eingreifen, er hätte so gern das Wort ergriffen und saß dort irgendwo auf dieser Burg versteckt zu seiner Sicherheit und hat bloß die anderen aufrufen können. Er hat ja immer gesagt, der Melanchthon, der Melanchthon hatte nachts immer nur drei Stunden geschlafen, und er hat dann nicht richtig die Nervenkraft gehabt, um diesem massiven Druck entgegenzustehen.
Er sagt: Jetzt steht doch, ihr braucht doch nicht zurückzuweichen, ihr vertretet doch eine gute Sache. Und da sollte man sich merken: Wir sollten uns gar nicht irritieren lassen, ob uns die Menschen hören, ob sie uns akzeptieren. Ich bin doch Gott nur verantwortlich, dass ich mein Wort sage und ein treuer Diener meines Gottes bin. Auch das, dass der Herr mich züchtigt, schwer züchtigt, aber er gibt mich nicht dem Tode preis.
Der Einzug in die heilige Stadt
Nun auf einmal geht die Prozession wieder weiter. Irgendwie muss das jetzt in Vers 19 in der Prozession eine Rolle gespielt haben: Die Tore werden aufgetan, damit man dort einziehen kann, und schon wird der Dank gesagt: Du hast mich erhört. Dabei sieht man noch gar nicht, ob das so ist.
Diese Verse, die dort stehen, aus dem alttestamentlichen Gottesdienst, wahrscheinlich aus der Zeit Davids, sind ja nicht anders zu verstehen als eine Weissagung auf Jesus hin. Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Eckstein geworden. Von Jesus selbst zitiert, und er hat gesagt: Da wisst ihr doch, von wem hier gesprochen wurde. Die Leute haben gesagt, mit dem Stein kann man nichts anfangen, und er ist daher das wichtigste Fundament geworden, auf dem der ganze Bau errichtet wird.
So baut Gott Seine großen Bauwerke. Er nimmt selbst die Leute, die umstritten waren und bei denen die anderen sich geziert haben und meinten, das ist gar nichts. Das hat der Herr gemacht. Lasst uns freuen an dem, was der Herr tut. O Herr, hilf! O Herr, lass wohl gelingen! Das ist das, was die beim Einzug Jesu in Jerusalem auch gesungen haben.
Es war ein Psalm, der sicher auch im Passafest oder in einem anderen besonderen Zusammenhang seine Bedeutung hatte: Gelobt sei der, der da kommt im Namen des Herrn. Schmückt das Fest mit meinen. Es klingt aus in eine wunderbare Dankfeier und in den Jubel über die erlebte und erfahrene Rettung Gottes.
Es ist einfach schön, wenn man solche Psalmen betet. Und wenn man dann, und das soll auch jetzt dazu dienen, wieder einfach seine Bibel auf dem Nachttisch liegen hat und sie in Augenblicken der Sorge und der Angst liest. Wenn man das laut liest und mit diesen Worten den Herrn preist, darf man erfahren, wie dieses Lob sich tatsächlich einstellt.

