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Identität verloren

1. Mose 3,1-1610.06.2020
Ein Vortrag von Kim Lotz beim Frauentag des Württembergischen Christusbundes in Weilheim unter Teck im Februar 2020.

Ein persönlicher Einstieg in die Wahrheit

Ich hoffe, ich habe euch nicht den Eindruck gegeben, dass ich mein Leben lang so gedacht habe und so gelebt habe, wie ich das im ersten Vortrag beschrieben habe. Denn ich bin erst mit 55 oder 56 Jahren endlich dahin gekommen, das als schön, wahr und richtig zu sehen. Da kann ich nur sagen: Das hat mein Leben erleichtert.
Ich habe so lange mit dem Gegenteil gelebt und dann mit der Wahrheit gelebt. Und ja, durch Gottes Gnade ist es schöner, in der Wahrheit zu leben.
Heute Vormittag haben wir uns mit der Frage beschäftigt, was es für unsere Identität bedeutet, dass wir nach Gottes Bild geschaffen sind. In 1. Mose 1 und 2 haben wir den Bericht über die Schaffung von Mann und Frau gelesen. Dabei haben wir verschiedene Details entdeckt, die für unsere Identität als Frauen wichtig sind.
Wir haben gesehen, dass der Mann und die Frau beide nach Gottes Bild geschaffen und gleichwertig in Gottes Augen sind. Sie haben zusammen den Auftrag von Gott bekommen, die Erde zu füllen und über die Erde zu herrschen. Mit Blick auf diesen Auftrag hat Gott dem Mann und der Frau unterschiedliche Rollen gegeben und sie dazu ausgestattet, dass sie diese Rolle erfüllen.
Der Mann hat als Erstgeborener die Leitung. Die Frau wurde aus dem Mann und für den Mann geschaffen, als notwendige Gehilfin, um den Auftrag zu erfüllen. Dass sie als eine Gehilfin, die ihm entspricht, geschaffen wurde, lässt uns verstehen, dass der Mann und die Frau im Wesen gleich waren, auf Augenhöhe geschaffen, damit sie Gemeinschaft miteinander genießen.
Beide zusammen hatten das eine Ziel im Auftrag von Gott: die Erde zu füllen und über die ganze Erde zu herrschen. Und mit dem ersten Teil dieses Auftrags im Blick hat Gott die Frau auch als Lebensspenderin geschaffen. Diese Rolle wurde bestätigt durch den Namen, den Adam der Frau nach dem Sündenfall gegeben hat, nämlich Eva, denn sie wurde die Mutter aller Lebendigen.
Obwohl sie den Namen erst nach dem Sündenfall bekommen hat, hatte sie diesen wichtigen Bestandteil ihrer Identität schon vorher von Gott. Denn sonst hätte sie nicht mit dem Mann fruchtbar sein können, sich mehren und die Erde füllen.
Als letzten wichtigen Bestandteil der Identität der Frau haben wir in 1. Mose 43,6-7 gelesen, dass Gott Mann und Frau, seine Söhne und Töchter, zu seiner Ehre geschaffen hat.
Wir haben das, was wir heute Morgen erforscht haben, an dem Punkt beendet, an dem Eva in enger Gemeinschaft mit dem Mann und mit ihrem Schöpfer lebte. Sie lebte in Sicherheit und in Freude, in ihrer Vollkommenheit als Frau nach Gottes Bild. Als Gehilfin und als Lebensspenderin zu Gottes Ehre.
Dieses Bewusstsein ihrer Vollkommenheit wird uns in 1. Mose 2,25 bestätigt mit dem Satz: „Und sie waren beide nackt, der Mensch und seine Frau, und sie schämten sich nicht.“ Nackt und ohne Scham, voreinander und vor Gott.

Der Bruch im Garten

Und als Letztes haben wir uns die Frage gestellt: Was ist aus dieser fröhlichen, sicheren Identität als Frau im Gottesbild geworden? Um diese Frage zu beantworten, und das wollen wir in diesem Vortrag tun, öffnen wir wieder Gottes Wort und fangen bei 1. Mose 3,1-6 an.
Aber die Schlange war listiger als alle Tiere des Feldes, die Gott der Herr gemacht hatte. Und sie sprach zu der Frau: Sollte Gott wirklich gesagt haben, dass ihr von keinem Baum im Garten essen dürft?
Da sprach die Frau zur Schlange: Von der Frucht der Bäume im Garten dürfen wir essen. Aber von der Frucht des Baumes, der in der Mitte des Gartens ist, hat Gott gesagt: Esst nicht davon und rührt sie auch nicht an, damit ihr nicht sterbt.
Da sprach die Schlange zu der Frau: Keineswegs werdet ihr sterben, sondern Gott weiß: An dem Tag, da ihr davon esst, werden euch die Augen geöffnet, und ihr werdet sein wie Gott und werdet erkennen, was gut und böse ist.
Und die Frau sah, dass von dem Baum gut zu essen wäre und dass er eine Lust für die Augen und ein begehrenswerter Baum wäre, weil er weise macht. Und sie nahm von seiner Frucht und aß. Und sie gab davon auch ihrem Mann, der bei ihr war, und er aß.
Wie hat die Schlange Eva dazu gebracht, gegen Gottes Gebot zu handeln? Sie hat ganz schlicht und einfach die Identität von Eva in Frage gestellt, ihre Vollkommenheit als Frau. Obwohl sie gut war, konnte sie nicht erkennen, was gut und böse ist. Die Schlange hat sie mit einem Mangel in ihrer Person konfrontiert. Sie hat auch angedeutet, dass Gott etwas Gutes von Eva vorenthalten wollte. So stellte die Schlange Gottes Liebe in Frage.
Dazu kam durch die Aussage der Schlange: „Keineswegs werdet ihr sterben“, dass Gott auch nicht die Wahrheit gesagt hatte. Und Evas Vertrauen auf Gott und seine Liebe zu ihr wurde erschüttert. Ihre Freude als vollkommene Frau nach Gottes Bild wurde zerstört, ihre Identität unsicher gemacht.
Was sollte sie tun? Die Schlange hatte sofort eine Lösung für dieses Problem. Durch die Frucht würde der Mangel aufgehoben werden, ihre Vollkommenheit wiederhergestellt, ihre Identität gesichert. Sie würde das bekommen, was ihr fehlte. Sie würde Gut und Böse erkennen. Sie brauchte nur von der Frucht des Baumes der Erkenntnis des Guten und Bösen zu essen. So würde sie wie Gott werden, doch nicht nur als Bild Gottes, wie er sie geschaffen hatte, sondern gottgleich.
So aß Eva von der Frucht und sah alles nun mit anderen Augen, Augen, die nicht mehr gut waren.

Die Folgen des Ungehorsams

Lesen wir weiter 1. Mose 3,7-16. Da wurden ihnen beiden die Augen geöffnet, und sie erkannten, dass sie nackt waren. Und sie banden sich Feigenblätter um und machten sich Schurze. Und sie hörten die Stimme Gottes des Herrn, der im Garten wandelte, als der Tag kühl war. Und der Mensch und seine Frau versteckten sich vor dem Angesicht Gottes des Herrn hinter den Bäumen des Gartens.
Da rief Gott der Herr den Menschen und sprach: Wo bist du? Und er antwortete: Ich hörte deine Stimme im Garten und fürchtete mich, denn ich bin nackt; darum habe ich mich verborgen. Da sprach er: Wer hat dir gesagt, dass du nackt bist? Hast du etwa von dem Baum gegessen, von dem ich dir geboten habe, du sollst nicht davon essen? Da antwortete der Mensch: Die Frau, die du mir zur Seite gegeben hast, die gab mir von dem Baum, und ich aß. Da sprach Gott der Herr zu der Frau: Warum hast du das getan? Die Frau antwortete: Die Schlange hat mich verführt, da habe ich gegessen.
Da sprach Gott der Herr zur Schlange: „Weil du dies getan hast, so sollst du verflucht sein, mehr als alles Vieh und mehr als alle Tiere des Feldes. Auf deinem Bauch sollst du kriechen, und Staub sollst du fressen dein Leben lang. Und ich will Feindschaft setzen zwischen dir und der Frau, zwischen deinem Samen und ihrem Samen. Er wird dir den Kopf zertreten, und du wirst ihn in die Ferse stechen.“
Und zur Frau sprach er: „Ich will dir die Mühen deiner Schwangerschaft sehr groß machen. Mit Schmerzen sollst du Kinder gebären, und dein Verlangen wird auf deinen Mann gerichtet sein, er aber soll über dich herrschen.“
Die Schlange hatte schon den Mangel bei der Frau erwähnt, und jetzt ist dieser Mangel sichtbar geworden. Die Frau erkannte nicht, dass Gott gut ist und die Schlange böse. Und nun merken der Mann und die Frau, dass sie nackt sind, und sie schämen sich. So versuchen sie, ihre Nacktheit, ihren Scham, mit Feigenblättern zu verstecken. Nun haben die beiden Angst, nackt vor ihrem liebenden Schöpfer zu erscheinen, und zu Recht. Aber die Feigenblätter nützen nichts.
Wegen ihres Ungehorsams wurden sie und auch die ganze Schöpfung verflucht. Bei der Frau verstehen wir, dass dieser Fluch sie gerade in den wichtigsten Bestandteilen ihrer weiblichen Identität traf. In Vers 16 sagt Gott: „Ich will die Mühen deiner Schwangerschaft sehr groß machen. Mit Schmerzen sollst du Kinder gebären.“ So sprach er ihre Identität als Lebensspenderin an. Es wurde der Frau ab jetzt kosten, Leben in die Welt zu bringen. Doch es blieb und es bleibt ein von Gott gegebener Aspekt ihrer Widerspiegelung seines Bildes.
Dann sagte Gott weiter in diesem Vers: „Und dein Verlangen wird auf deinen Mann gerichtet sein, er aber soll über dich herrschen.“ Gehilfin sein würde der Frau nicht mehr reichen. Sie würde Macht über den Mann üben und über ihn herrschen wollen. Und die liebende Leiterschaft des Mannes, dem die Frau als Gleichwertige sich freiwillig unterordnen sollte, würde sich zur Herrschaft über die Frau verwandeln, einer Herrschaft, die eigentlich der Mann und die Frau zusammen über die Erde üben sollten.
Ihre Identität als Gehilfin hat die Frau sofort nach dem Essen von der Frucht verloren. Anstatt dass sie dem Mann half, leitete sie ihn eher, und sie leitete ihn dazu, gegen Gottes Gebot zu verstoßen, das Gebot, das Gott dem Mann gegeben hatte, noch bevor er die Frau geschaffen hatte: Von dem Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen sollst du nicht essen. Denn an dem Tag, da du davon isst, musst du gewisslich sterben. Ihre Identität als Gehilfin war nicht mehr.
Und wie sieht es mit ihrer Identität als Lebensspenderin aus? Durch Evas Ungehorsam ist der Tod erst in die Welt gekommen, wie Gott dem Mann versprochen hatte. So könnten wir sagen, dass die Frau diesen Bestandteil ihrer Identität schon verloren hatte, ehe sie überhaupt den Namen, der dies bezeichnet, bekommen hatte. Denn erst nach dem Fluch hat Adam ihr den Namen Eva gegeben.
Durch den Fluch wurde ihre Identität als Lebensspenderin auch auf andere Weise beeinträchtigt. Kinder zu gebären würde nicht mehr selbstverständlich sein. Es würden Schmerzen damit verbunden werden. Wegen des Sündenfalls würden Frauen und auch Babys bei der Geburt manchmal sterben. Es würde Frauen geben, die keine Kinder bekommen können. So ist es tatsächlich, dass sie auch ihre Identität als Lebensspenderin verloren hat.
Am schlimmsten ist aber das, was am Ende von 1. Mose 3 geschieht: Der Mensch, Mann und Frau, werden aus dem Garten, aus der Gegenwart Gottes, vertrieben. Die Beziehung zum Schöpfer, zur Quelle des Lebens und der Identität, wurde durch die Sünde zerstört.
In seinem Buch „Echte Identität“ beschreibt Wilfried Bloch die Situation am Ende von 1. Mose 3 so: Der gefallene Mensch kann seinen Wert und seine Sicherheit nicht mehr in seinem Schöpfer finden. Daher muss er sich seine Identität woanders suchen. Seither ist der gefallene Mensch kontinuierlich auf der Suche nach seiner verlorenen Identität. Nicht nur die Frau, sondern auch der Mann kämpfen seit dem Sündenfall damit, zu wissen, wer sie sind. Ihre gottgegebene Identität als geliebte Geschöpfe Gottes in voller Abhängigkeit von ihm haben sie verloren und versuchen seitdem kontinuierlich und umsonst, ihre Identität außerhalb von Gott zu finden.

Verlorene Sicherheit und neue Ersatzidentitäten

In 1. Mose 3,7 lesen wir, wie der Mann und die Frau versuchen, das, was sie verloren haben, irgendwie wiederherzustellen. Da wurden ihnen beiden die Augen geöffnet, und sie erkannten, dass sie nackt waren. Sie banden sich Feigenblätter um und machten sich Schürzen.
Vor dem Fall waren sie nackt und ohne Scham. Sie brauchten keine Verkleidung. Nun haben sie ihre sichere, gottgegebene Identität verloren. Jetzt sind sie nackt und müssen ihre Scham verstecken. So kann man sagen, dass die Identität, die die Frau ab diesem Moment und bis heute sich zu schaffen versucht, eine Art Feigenblatt ist. Und es wird nichts nützen, es wird nicht reichen.
Vielleicht kann es uns helfen, diesen Identitätsverlust besser zu verstehen, wenn wir den Unterschied zwischen dem, was bei der Frau vor dem Fall war, und dem, was seitdem ist, im Allgemeinen betrachten. Was merken wir?
Erstens ist der grösste Unterschied, dass die Frau durch die Sünde von Gott getrennt ist. So findet sie nicht mehr bei Gott ihre Identität, sondern ausserhalb. Plötzlich ist das, was andere von ihr halten, wichtig. Sie kann nicht mehr nackt und ohne Scham vor dem Mann stehen. Anstatt dass sie sich von Gott geliebt und angenommen weiss, befindet sie sich in einem Leben der Leistung, damit andere sie lieben und annehmen. So wird Menschenfurcht statt Gottesfurcht am wichtigsten für ihre Identität.
Zweitens hatte Gott dem Mann und der Frau in ihrem Auftrag ein gemeinsames Ziel gesetzt. Nach dem Fall wird es nicht nur schwieriger, dieses Ziel zu erreichen, sondern die meisten Menschen versuchen überhaupt nicht mehr, dieses Ziel zu erreichen. Woher kommen heute unsere Ziele? Gott wurde nicht nur vom Selbst, sondern auch von den anderen ersetzt. Auch wenn wir meinen, wir streben Ziele an, die wir selbst gesetzt haben, ist das meistens nicht der Fall. Unsere Ziele kommen hauptsächlich von aussen und verbergen Menschenfurcht.
Drittens: Wenn wir versuchen, so zu leben, dass andere uns annehmen, so dass wir anderen gefallen, machen wir Menschen zum Götzen. Sie nehmen Gottes Platz in unserem Leben ein. Wer seine Identität beim Gefallen von anderen sucht, hat es schwer, denn Menschen sind anders als Gott. Sie brauchen und gebrauchen uns. Sie sind unterschiedlich in ihren Erwartungen. Was dem einen gefällt, gefällt dem anderen nicht, und was dem einen heute gefällt, gefällt ihm schon morgen nicht mehr. Menschen als Götzen zu dienen, unsere Identität bei ihnen zu suchen, macht uns kaputt. Wir sind nicht dazu geschaffen.
Viertens war auch Evas Zuhause ein Aspekt ihrer Identität. Im Garten waren Adam und Eva zuhause. Dort lebten sie in herrlicher Gemeinschaft mit Gott. Doch nach dem Fall wurden sie als Fremdlinge aus dem Garten verstossen. So suchen wir Frauen stets ein Zuhause: wo wir wohnen, wie wir wohnen, was für Möbel wir haben, wie wir unser Haus zu verschiedenen Jahreszeiten schmücken. Das alles kann auch zu Götzen werden. Wer hier Zufriedenheit und Erfüllung sucht, sucht eigentlich eine Identität. Und genau wie bei der Menschenfurcht ist diese Suche ziemlich anstrengend und vergeblich.
Fünftens lebte die Frau vor dem Fall in Sicherheit, von Gott geliebt, ohne Scham nackt vor Gott und vor dem Mann. Sie hat wahrscheinlich gut geschlafen und war von jeglicher Art von Ängstlichkeit frei. Aber jetzt, aus dem Garten getrieben, von Gott durch Sünde getrennt, lebt sie in Angst, in Unsicherheit. So kann die Sicherheit zum Götzen werden. Eine Frau, die alles kontrollieren muss, die wissen muss, wie es mit den Finanzen steht, die vielleicht nie allein sein kann, ist der Angst untertan. Angst um das Leben, Angst um die Zukunft, schlaflose Nächte und anstrengende Tage sind die Folgen dieser Suche nach Sicherheit. Anstatt Gottes Ebenbild zu sein, zu Gottes Ehre zu leben, ist sie ihr eigener Gott. Sie lebt jetzt zu ihrer eigenen Ehre. Sie findet jetzt keine Bedeutung in ihrer Identität als Gehilfin und Lebensspenderin und sucht nach dem Sinn des Lebens.

Die beiden weiblichen Rollen im Licht des Falls

Schauen wir uns jetzt diese zwei Hauptbestandteile unserer Identität als Frauen ein bisschen genauer an. Welche Auswirkungen des Sündenfalls sehen wir für unsere Identität als Gehilfen?
Vielleicht ist unsere eigene Bauchreaktion auf das Wort Gehilfen ein Indiz. Wie viele von uns sehen dies als eine minderwertige Rolle und lehnen sie gleich ab? Wir wollen nicht, dass ein anderer oder auch eine andere die Hauptrolle spielt. Unsere Reaktion ist meistens egoistisch. Andere dürfen uns gerne helfen, unser Ziel zu erreichen, das fänden wir gut. Aber wir denken an uns zuerst. Wir dienen uns selbst und sind unsere eigene Götze geworden.
Die Aussage von Paulus in 1. Korinther 2,3-4 geht unter. Da steht: Tut nichts aus Selbstsucht oder nichtigem Ehrgeiz, sondern in Demut achte einer den anderen höher als sich selbst. Jeder schaue nicht auf das Seine, sondern jeder auf das des Anderen.
Die Kultur, in der wir heute leben, dreht diese Aussage um hundertachtzig Grad. So bekommen wir zu verstehen: Tut alles aus Selbstsucht und Ehrgeiz, in Hochmut achtet euch selbst höher als alle anderen, jeder schaut nur auf das Seine und gar nicht auf das des Anderen.
Ob im Fernsehen, in Filmen oder im Internet, bekommen Frauen diese Botschaft immer wieder als etwas Gutes zu hören und zu sehen. Unterordnung jeglicher Art ist unter Frauen zu einem Fluchwort geworden. Wir wollen herrschen. Eine Frau, die über Männer herrscht, ist eine Heldin. Es wird besonders bestritten, dass eine Frau sich ihrem Ehemann unterordnen soll.
Man könnte eigentlich sagen, dass der Feminismus unserer Tage den Verlust unserer Identität als Gehilfen am stärksten darstellt. So suchen viele Frauen ihre Identität als Chefin. Erfolg in der Familie, im Beruf, sogar in der Gemeinde bestätigt ihren Wert. Sie will immer die leitende Rolle spielen. Sie dient nicht mehr ihrem Schöpfergott, sondern diesem Erfolg, der jetzt als ihr Gott herrscht.
Ich will nicht damit sagen, dass eine Frau nicht dem Erfolg nachstreben darf. Die vorbildliche Frau in Sprüche 31 brauchen wir nur anzuschauen, sie zeigt uns das Gegenteil. Oder Lydia im Neuen Testament, die auch als erfolgreiche Geschäftsfrau dargestellt wird. Aber solcher Erfolg nimmt heutzutage oft den Platz Gottes ein, und viele Frauen bauen ihre Identität darauf.
So wird die Rolle als Gehilfin, die als wichtiger Bestandteil der Identität der Frau vom Schöpfer gedacht wurde, nicht mehr gerne angenommen. Identität wird gesucht in Erfolg, in der Rolle als Herrscher, nicht mit dem Mann, sondern über dem Mann.
Und wie sieht es heutzutage mit der Rolle als Lebensspender aus? Fangen wir mit dem klarsten Beispiel an: Freuen sich Frauen darüber, dass sie von Gott so geschaffen wurden, dass sie Kinder gebären können? Viele Frauen schon. Ich sage nicht, dass alle Frauen sich nicht darüber freuen. Aber wir finden mehr und mehr Frauen, die diesen wichtigen Bestandteil ihrer Identität ablehnen. Und dies tun sie auf verschiedene Weisen.
Am deutlichsten sieht man das bei der Abtreibung, wo ein Leben, das von Gott schon geschaffen wurde, vernichtet wird. Viele Frauen geben überhaupt keine Acht darauf. Unsere Kultur gibt überhaupt keine Acht darauf, dass das Kind Wert hat, dass es überhaupt ein Mensch ist.
Wir haben schon in der Ablehnung der Rolle als Gehilfen gesehen, dass Egoismus jetzt herrscht. Hier sehen wir das noch deutlicher. Oft ist der Gedanke: Das Kind stört mein Leben. Ich werde nicht genug Zeit, nicht genug Geld und so weiter haben, um meine eigenen Wünsche zu erfüllen. So wird Leben zerstört statt gespendet.
Und wenn Kinder da sind, wird oft die Aufgabe, sie zu erziehen und zu betreuen, an Dritte weitergegeben, damit die Mutter sich mit wichtigeren Dingen beschäftigen kann. Ich sage oft, nicht immer. Es gibt Frauen, die arbeiten gehen müssen und ihre Kinder abgeben müssen. Aber ich rede davon, wo vielleicht der Erfolg im Leben herrscht.
Eine Frau, die freiwillig auf Beruf verzichtet, um ihre eigenen Kinder zu erziehen, wird als nicht normal angesehen. Entweder kann sie nichts Besseres oder sie ist doof. Unsere Kultur tut alles, damit Frauen nicht ihr Leben für die Familie hingeben. Wir haben schon diese Botschaft im Fernsehen, im Internet usw. gesehen.
Aber die Rolle als Lebensspenderin wird nicht auf das Zuhause beschränkt. Beruflich sollten Frauen auch ihre Identität als Lebensspenderin zeigen. Für Berufe wie Krankenschwester, Erzieherin, Pflegerin usw. sind Frauen besonders von Gott begabt. Aber genau diese Berufe sind nicht mehr gut angesehen, nicht mehr von Frauen begehrt.
Die Rolle als Lebensspender wird insgesamt nicht von unserer Gesellschaft hoch bewertet. Und weil Frauen nicht mehr ihre Identität und ihren Wert bei Gott suchen, versuchen sie diese oft von der Gesellschaft zu bekommen.

Die Suche nach Identität und ihre Erschöpfung

Heißt das aber, dass Frauen diese Eigenschaften Gottes, die sie als Ebenbild Gottes bei der Schöpfung empfangen haben, nun seit dem Sündenfall nicht mehr besitzen? Ist verloren wirklich verloren? Oder ist es nicht eher so, dass die Frau, die ihre gottgegebene Identität in diesen Eigenschaften ablehnt, ihre Orientierung als Frau verloren hat?
Weil sie immer noch so geschaffen ist, wie Gott Eva geschaffen hat, dass sie am besten als Gehilfin und als Lebensspenderin funktioniert und dabei Gott verherrlicht, ist es jetzt ganz einfach sehr anstrengend, eine andere Identität zu suchen und zu finden. Wohin führt diese Suche nach der Identität außerhalb von Gott?
Unsere gottgegebene Natur als Frau hat uns für die Rollen als Gehilfin und Lebensspenderin ausgerüstet. Man könnte sagen, unser Design macht es uns leicht, diese Rollen zu erfüllen. Gerade dafür sind wir geschaffen worden. Und wenn wir diese Identität, diese Rollen ablehnen und wenn wir uns als Folge des Sündenfalls eine Identität außerhalb von Gott, von der Liebe, der Sicherheit und unserem Zuhause bei ihm irgendwie schaffen müssen, dann ist das nicht mehr leicht. Es ist anstrengend, es bringt Stress und Angst. Anstatt dass das Leben uns Freude bringt, wird immer Leistung gefragt. Wir leben in unterschwelliger Unsicherheit.
Bei vielen Frauen führt dieses Streben nach Identität zur Erschöpfung und zu Verzweiflung. Bei der Schöpfung hat Gott der Frau eine Identität geschenkt. Mit dem Sündenfall hat sie diese Identität abgelehnt und durch die Trennung von Gott verloren. Wir haben gesehen, wohin die Ablehnung unserer geschenkten, unserer wahren Identität geführt hat: zu Unsicherheit, zu Angst, zu Erschöpfung und zu Verzweiflung.
Ich glaube, dass viele Frauen, ich weiß, dass das bei mir stimmt, vielleicht auch bei dir manchmal die Worte von Paulus in Römer 7,24 so für sich drehen: Ich elende Frau, wer wird mich erlösen von dieser endlosen Suche nach Identität? Wir stehen voll Scham vor unserer Nacktheit, wir suchen uns vergebens mit Feigenblatt-Identitäten zu verkleiden und erleben dabei Erschöpfung und Hoffnungslosigkeit. Wir brauchen Erlösung, und Gott, der allwissend ist, weiß auch das.

Erlösung und Wiederherstellung in Christus

Im Römerbrief führt Paulus weiter in Vers 25: Ich danke Gott durch Jesus Christus, unseren Herrn.
Vor Grundlegung der Welt hat Gott schon an die Erlösung gedacht. Unsere fehlende Identität ist die Folge der Trennung von Gott durch die Sünde und kann nur durch die Wiederherstellung dieser Beziehung überwunden werden. Und genau das hat Gott durch Jesus Christus getan.
Diese Erlösung wird schon in 1. Mose 3 erwähnt, als Gott die Schlange verflucht. So sagt er zur Schlange: Und ich will Feindschaft setzen zwischen dir und der Frau, zwischen deinem Samen und ihrem Samen; er wird dir den Kopf zertreten, und du wirst ihn in die Ferse stechen. So wird die Errettung durch Jesus Christus unmittelbar nach dem Sündenfall verkündigt. Durch die Frau als Lebensspenderin, durch ihren Samen, Jesus Christus, wird Leben gespendet.
Nach dem Sündenfall hat Gott in seiner Gnade und Barmherzigkeit Adam und Eva statt mit nutzlosen Feigenblättern mit etwas Besserem bekleidet. Wir lesen in Vers 21, wie Gott für Adam und Eva Kleider aus Fell machte. Das heißt, Gott hat Tiere getötet. So wird schon in 1. Mose 3 Blut vergossen, um die Sünde zu decken. Aber auch diese Deckung der Sünde reichte nicht. Erst in Jesus Christus, dessen Blut für uns am Kreuz vergossen wurde, bekommen wir die neue Kleidung, die wir brauchen.
In Christus schenkt uns Gott eine neue Identität. So heißt es in 2. Korinther 5,17: Darum ist jemand in Christus, so ist er eine neue Schöpfung; das Alte ist vergangen, siehe, es ist alles neu geworden.
Diese neue Identität ist aber auch unsere ursprüngliche Identität. Wir sind immer noch Lebensspenderinnen und Gehilfinnen; das ist unser von Gott gegebenes Design. Wiederherstellung so auch in seinem Brief an die Kolosser in Kapitel 3, Vers 10, wo er vom neuen Menschen, den wir als Christen angezogen haben, sagt, dass er erneuert wird zur Erkenntnis nach dem Ebenbild dessen, der ihn, das heißt den neuen Menschen, geschaffen hat.
Auch in Epheser 4 schreibt Paulus, dass wir den neuen Menschen angezogen haben, der Gott entsprechend geschaffen ist in wahrhafter Gerechtigkeit und Heiligkeit. So wird unsere Identität als Frauen nach Gottes Bild wiederhergestellt, mit allem, was dazugehört.
Eine Frau, die ihre Identität bei Gott findet, wird auch als Gehilfin und als Lebensspenderin ihre Familie, ihre Gemeinde und ihre Umwelt segnen. Es wird auch für sie ein Segen sein, so zu leben, wie Gott sie geschaffen hat. Die unendliche Mühe, sich außerhalb von Gott eine Identität zu basteln, wird sie sich sparen. Nicht zuletzt wird sie, indem sie Gottes Eigenschaften als Helferin und Lebensspenderin widerspiegelt, ihren großen Schöpfer verherrlichen.

Schluss und Ausblick

Ich hoffe, dass diese Wahrheit euch genauso viel Freude bringt wie mir. Aber unsere Identität in Christus beinhaltet noch viel mehr, noch viel Schöneres. Das wird unser Thema nach der Kaffeepause sein. Ich hoffe, ihr werdet alle dabei sein.
Lasst mich beten: Herr, da können wir uns nur freuen, nur freuen, Herr, wenn wir sehen, was für Elend es gebracht hat, dass wir durch die Sünde von dir getrennt gelebt haben. Und Herr, ich danke dir, dass du uns eine neue Identität gegeben hast, dass wir in Jesus Christus eine neue Schöpfung sind. Und ich bete dafür, dass wir uns wirklich darüber freuen. Auch wenn wir in dieser Welt wohnen, in der wir das sehen müssen, was aus dieser Sünde gekommen ist, diese verlorene Identität, die wir überall um uns herum sehen, dass wir uns freuen können, dass du eine Lösung gebracht hast, und dankbar sein können, dass wir diese Lösung für uns angenommen haben.
Und ich bete, Herr, dass wir das auch weitergeben, dass wir anderen diese frohe Botschaft von Jesus Christus weitergeben. Danke, Herr. Amen.