Unser Predigttext steht 2.Samuel 12 in den ausgelegten Bibeln ist es Seite
231.
Jetzt möchte ich doch noch ein Stück von Kapitel 11 lesen. Vielleicht ist
das manchem nimmer so bewusst. Davids Ehebruch und Blutschuld.
Kapitel 11, 1 Und als das Jahr um war, zur Zeit, da die Könige ins Feld zu
ziehen pflegen, sandte David Joab und seine Männer mit ihm und ganz Israel,
damit sie das Land der Ammoniter verheerten und Rabba belagerten. David
aber blieb in Jerusalem. 2 Und es begab sich, dass David um den Abend
aufstand von seinem Lager und sich auf dem Dach des Königshauses erging; da
sah er vom Dach aus eine Frau sich waschen; und die Frau war von sehr
schöner Gestalt. 3 Und David sandte hin und ließ nach der Frau fragen, und
man sagte: Das ist doch Batseba, die Tochter Eliams, die Frau Urias, des
Hetiters. 4 Und David sandte Boten hin und ließ sie holen. Und als sie zu
ihm kam, wohnte er ihr bei; sie aber hatte sich gerade gereinigt von ihrer
Unreinheit. Und sie kehrte in ihr Haus zurück. 11,5 Und die Frau ward
schwanger und sandte hin und ließ David sagen: Ich bin schwanger geworden.
6 David aber sandte zu Joab: Sende zu mir Uria, den Hetiter. Und Joab
sandte Uria zu David.
Und jetzt geht's nur drum, die Spuren zu verwischen. Und ich denke, jeder
von Ihnen kann sich in unzählige Situationen hineindenken, wo wir mit einer
hektischen Betriebsamkeit alles versucht haben, dass es ja nur niemand
merkt. Der Uria geht, obwohl er Heimaturlaub hat, nicht zu seiner Frau. Er
ist ein harter Mann, entbehrungsreich, und bleibt bei den Wachsoldaten
draußen, und David probiert alles, damit er wenigstens eine Nacht bei
seiner Frau schläft. Er macht ihn zum Schluss noch besoffen. Der Gottesmann
David. Und Uria geht nicht zu seiner Frau. Und dann bleibt nur noch eine
Notlösung. Dass er dem Joab einen Brief schreibt. Und sagt: Stelleihn vor
das Stadttor. Und wenn die Feinde von Rabba heraufallen, dann lass ihn
allein, dass er umkommt. Der Joab hat sich sicherlich die Hände gerieben.
Der hatte genug Blutschuld an seinen Händen. Das steht in den
Samuelbüchern. Das war ein feiger Mörder, der General Joab. Aber David gibt
ihm den Rat und dann kommt die Kunde für David, Uria, der Hethiter ist tot.
Vers 25
David sprach zum Boten: So sollst du Joab sagen: «Lass dir das nicht leid
sein, denn das Schwert frisst bald diesen, bald jenen. Fahre fort mit dem
Kampf gegen die Stadt und zerstöre sie. » So sollst du ihm Mut zusprechen.
26 Und als Urias Frau hörte, dass ihr Mann Uria tot war, hielt sie die
Totenklage um ihren Eheherrn. 27 Sobald sie aber ausgetrauert hatte, sandte
David hin und ließ sie in sein Haus holen, und sie wurde seine Frau und
gebar David einen Sohn.
Jetzt ist nur dieser eine Satz noch da, dieser einzige Satz im ganzen
Kapitel. Es braucht manchmal gar nicht viel Gotteswort:
Aber dem HERRN missfiel die Tat, die David getan hatte.
12,1 Und der HERR sandte Nathan zu David. Als der zu ihm kam, sprach er zu
ihm: Es waren zwei Männer in einer Stadt, der eine reich, der andere arm. 2
Der Reiche hatte sehr viele Schafe und Rinder; 3 aber der Arme hatte nichts
als ein einziges kleines Schäflein, das er gekauft hatte. Und er nährte es,
dass es groß wurde bei ihm zugleich mit seinen Kindern. Es aß von seinem
Bissen und trank aus seinem Becher und schlief in seinem Schoß, und er
hielt's wie eine Tochter. 4 Als aber zu dem reichen Mann ein Gast kam,
brachte er's nicht über sich, von seinen Schafen und Rindern zu nehmen, um
dem Gast etwas zuzurichten, der zu ihm gekommen war, sondern er nahm das
Schaf, das eine Schaf des armen Mannes und richtete es dem Mann zu, der zu
ihm gekommen war. 5 Da geriet David in großen Zorn über den Mann und sprach
zu Nathan: So wahr der HERR lebt: der Mann ist ein Kind des Todes, der das
getan hat!
Sowas steht nicht mal im Gesetz drin. Da wird man übereifrig. Übergerecht.
Ins Gewissen geschlagen. 6 Dazu soll er das Schaf vierfach bezahlen, weil
er das getan und sein eigenes geschont hat.
7 Da sprach Nathan zu David: Du bist der Mann! So spricht der HERR, der
Gott Israels: Ich habe dich zum König gesalbt über Israel und habe dich
errettet aus der Hand Sauls 8 und habe dir deines Herrn Haus gegeben, dazu
seine Frauen, und habe dir das Haus Israel und Juda gegeben; und ist das zu
wenig, will ich noch dies und das dazu tun. 9 Warum hast du denn das Wort
des HERRN verachtet, dass du getan hast, was ihm missfiel? Uria, den
Hetiter, hast du erschlagen mit dem Schwert, seine Frau hast du dir zur
Frau genommen, ihn aber hast du umgebracht durchs Schwert der Ammoniter. 10
Nun, so soll von deinem Hause das Schwert nimmermehr lassen, weil du mich
verachtet und die Frau Urias, des Hetiters, genommen hast, dass sie deine
Frau sei. 11 So spricht der HERR: Siehe, ich will Unheil über dich kommen
lassen aus deinem eigenen Hause und will deine Frauen nehmen vor deinen
Augen und will sie deinem Nächsten geben, dass er bei ihnen liegen soll an
der lichten Sonne. Sein eigener Sohn Absalom hat das ja dann vollstreckt,
ist ja furchtbar. 12 Denn du hast's heimlich getan, ich aber will dies tun
vor ganz Israel und im Licht der Sonne.
13 Da sprach David zu Nathan: Ich habe gesündigt gegen den HERRN. Nathan
sprach zu David: So hat auch der HERR deine Sünde weggenommen; du wirst
nicht sterben. 14 Aber weil du die Feinde des HERRN durch diese Sache zum
Lästern gebracht hast, wird der Sohn, der dir geboren ist, des Todes
sterben. 15 Und Nathan ging heim.
In meinen Semesterferien habe ich ja bei Daimlers gearbeitet und mir ein
bisschen Geld verdienst. War schön. Kipphebel gebohrt oder Schaltstangen.
Und dann schließlich habe ich es bis zur höchsten Akkordgruppe in der
Gesenkschmiede als Hilfsschmied gebracht, es war eine wunderbare Zeit, wenn
man abends sah, was man auch geschafft hatte. Ein Erfolg war da. An den
heißen Öfen hat man tüchtig geschwitzt, aber das war eine sehr schöne Zeit,
an die ich sehr gerne zurück denke. Nur, das mit den Gesprächsthemen hat
mich natürlich ungemein belastet. Dass da der ganze Gesprächsstoff fast
immer nur aus schmutzigen Zoten bestand. Dreckwitze. Ganz besonders
montags. Und wenn man versuchte da irgendwie einen Riegel vorzuschieben
und, ach, dann hat man da einen Spitznamen weg: Achtung, jetzt kommt
Hochwürden. Und so. Und dann kam einmal einer dieser Schmiede zu mir. War
ein prächtiger Kerl, und sagt: Warum regst du dich denn eigentlich so auf,
ich hab auch mal Bibel gelesen. Aber in der Bibel, und dann hat er ganz
verschmitzt gelacht, da stehen ja ganz schmutzige Dreckgeschichten drin.
Ja, ja, kann ich dir erklären, guck mal her. Bei den Witzen, die ihr
erzählt, und bei den Filmen, und bei den Büchern, die ihr lest, da wird ja
gar nicht ehrlich und realistisch über das Thema eins gesprochen. Da bleibt
immer ein Hauch der Frivolität und der Verwegenheit und das wird attraktiv
geschildert. Die Bibel ist das einzige Buch, das ich kenne, das ganz offen
und nüchtern und ehrlich darüber spricht. Und da ist auf einmal aller
Zauber weg, auch beim Sex. Und auf einmal sieht man die Menschen leiden,
und was das für eine Not ist, und was da für ein Elend drin verborgen ist,
und die Familien zerbrechen. Und wie das oft nur der erste Schritt in viel
größeres Unheil ist. Ich möchte Ihnen sagen, wenn Sie Kinder haben,
erzählen Sie diese Geschichten Ihren kleinen Kindern, die Bibel ist das
beste Aufklärungsbuch. Nicht so, wie wir sonst Aufklärung verstehen, ach
so, wenn ein Film gedreht wird über David und Bathseba, dann wissen Sie,
was kommt. Dann kommt kein Stück drin, dass da ein Mensch an seinem Leben
zerbricht und verzweifelt ist und nicht mehr weiter weiß. Dass Sünde der
Leute Verderben ist, das wird nie gesagt. Das ist in all den Romanen nie
drin. Das wird verherrlicht, das wird glorifiziert, da wird geprotzt, da
wird angegeben, und diese furchtbare Not, die kann man bloß in der Bibel
lesen, ob das bei den Lots Töchtern ist, oder was sie lesen wollen bei
Sodom und Gomorrha, oder wo auch immer. Da ist gar nichts frivoles mehr
drin, sondern das unheimliche Elend von Menschen. So wie Sie dort sagen
können: Ich hab mir mein Leben selber zerstört mit meiner Sünde.
Mein erster Punkt heute: Das ist die Not aller Menschen. Das ist die Not
aller Menschen, Man sagt heute immer wieder: Ach ja, unter Christen ist es
ja nicht auszurotten. Doch der Mensch heute, der würde sich um dieses Thema
der Schuld gar nicht bekümmern. Aber der müsste nur grinsen, wenn er von
der Sünde, Ja, bei Sünde, dabei an das denkt, was er in den Filmen gesehen
hat. Weil er nie an das denkt, was die Bibel sagt. Wenn das der moderne
Mensch ist, der sich so aus der Verantwortung stiehlt. Gut, gucken Sie mal
den David sich genau an. Es könnte doch direkt aus einer Zeitschrift heute
sein. Er sagt: Was ich privat tue, ist meine Sache. Es geht niemand was an.
Und in der Liebe dürfen Liebende machen, was sie wollen. Sowieso, da sind
sie sich nur selber gegenseitig Rechenschaft schuld. Und dann kommt man
meist noch und sagt: Ich habe so ein paar hohe ethische Randdinge, an die
ich mich halte. Nein, Gott hat darüber seine Ordnung gebreitet zum Schutz
des Menschen. Und wie der David in dieses Verhältnis hineinrutscht, da
schlägt gar kein Gewissen. So ein moderner Mensch war der David. Es schlägt
das Gewissen erst, als die Frau schwanger wird. Wissen Sie noch, wie vor 30
Jahren Oswald Kolle triumphiert hat, wir haben die Pille, jetzt gibt's
endlich freie Liebe. Davon konnte David noch nichts wissen. Das ist das
einzig moderne, was wir haben. Und wenn alles schief geht, können wir ja
noch ein Kind in Stuttgart in verschiedenen Kliniken abtreiben lassen. Das
ist ja auf unserem Weg das schwächste Glied der Kette. Aber einem anderen
schlägt kein Gewissen. Kein Wort wird übermittelt, dass David das leid
gewesen ist, was geschehen ist, im Gegenteil, er muss die Spuren
verwischen. Ich möchte sie jetzt an dieser Stelle einfach mal fragen,
dürfte man aus ihrem Leben, jetzt hier, so, über Ihre Fehltritte auch so
berichten, wie man es bei David tut? Also, Gott sei Dank, sehen Sie nicht
in mein Leben. Und ich hab hohen Respekt vor dem David, dass er das als
König erlaubt hat. Dass das für alle Generationen festgehalten wird, was
Sünde ist. So wie schrecklich leicht man da hineinkommt. Wenn man einmal
diesen Weg beschritten hat, wenn man so eins ums andere geht, wie die
Perlen an der Schnur und immer weiter und immer tiefer verstrickt sich da
hinein und kommt in immer größere Not. Wie sagen wir heute? Aber es hat mir
doch Spaß gemacht! Es hat mir doch Freude gemacht. War doch gut, das fühlt
sich gut an, alles wie wenn ein moderner Mensch reden würde, auch im Leben
Davids. Aber der Herr, der sprach, weil ihm das missfiel. Und Sie müssen
wissen, dass Gott Ihnen hinterher ist. Und sie können das als lästig
empfinden. Und sagen, ich ertrag das nimmer, und mir ist das leid, und ich
will es nicht mehr hören, ich hab das schon seit meinen Jugendtagen von mir
abschütteln wollen, wenn Gott mir immer wieder nachgegangen ist, mich
gerufen hat. Wissen Sie, warum das Gott tut? Weil Gott nicht will, dass die
Schuld Ihres Lebens Sie in die Hölle hinunterzieht. Und es gibt eine Hölle.
Überall in der Bibel steht es, spricht die Bibel davon, von der Verdammnis,
von der Scheidung zwischen Böcken und Schafen. Von dem
Hinausgeworfenwerden. Sie müssen begreifen, dass Gott Sie sucht, weil er
Sie retten will. Wenn Gott von unserer Schuld redet, ist das ein positives
Thema, weil es eine Umkehr gibt. Das ist das Thema unserer Zeit heute, das
allerwichtigste, was wir brauchen. Und Gott hat etwas vor, er will unser
Leben reinigen, heiligen, in Besitz nehmen. Unsern Leib. Unser Mannsein,
oder Ihr Frausein, oder was es ist. Er will es benützen, dass darin das
Ebenbild Gottes wieder zum Vorschein kommt, dass Ihr Leben zum Segen für
andere wird, darum lässt Sie Gott nicht drinstecken in Ihren furchtbaren
Verfehlungen, sondern er holt sie heraus und er ruft Sie, unser Herr sandte
den Nathan, den Propheten, den Nathan, der das anregt, der das David sagen
muss, weil Gott es ans Licht ziehen will. Es gab noch nie eine andere
Generation, seit es Menschen gibt auf der Welt. Noch nie haben Menschen
zugegeben, dass das wichtigste Lebensproblem ist, wie ich aus meiner Schuld
rauskomme. Es ist immer erst dort ein Problem, wo das Wort Gottes
verkündigt wird. Und dort wacht man auf. Wachen Sie heute auf, merken Sie
ich muss raus. Wenn mein Leben nicht kaputtgehen soll. Ich muss umkehren.
Mein nächster Punkt: Gott will Heilung. Gott will Heilung.
Der Nathan war ein großartiger Seelsorger. Man kann das nur lernen, wie er
mit Menschen redet. Und das ist in unserer so sensiblen, so verletzlichen
Zeit ganz besonders wichtig. Sie könne auf niemand zugehn. Das hat man noch
nie gekonnt, nicht mal bei David. Du bist ein schlimmer Sünder. Da wird
jeder seine Roll-Laden runtermachen, wird empört aufstehen, wird es von
sich weisen. Deshalb nimmt Nathan eine Geschichte. Und erzählt die, und
jetzt erleben sie, wie der David aufbraust. Was, ungeduldig, mit einem ganz
feinen Gerechtigkeitsempfinden. Ja, macht Sie das nicht hellhörig, dass
unsere Zeit so wahnsinnig fantastisch ist in allem Gerechtigkeitssinn? Wie
die Leute einen am liebsten noch ins Zuchthaus stecken wollen, wenn einer
irgendwas in der Umwelt tut. Man ist so sensibel. Ich bin doch nicht
dagegen, nur wenn man darüber vergisst, dass in uns ein Sumpf ist. Ein
Sumpf der Ungerechtigkeit. Davon reden wir heute nimmer. Das ist schon wie
bei David so. Man kann's erst an einem andern sehen. Unser
Entlarvungsjournalismus. Das ist ja auch so eine Sache. Wir tun das nur
nicht aus Überheblichkeit, nur, weil wir die Welt bessern wollen, sondern
nicht wahr, weil das so befriedigend ist, wenn man in allen Zeitungen im
Nachhinein lesen kann, wie die andern in der Steuer betrügen, wie die
andern wieder schlimm sind und korrupt sind, aber, ich bin das ja nicht.
Und da gehören ganz andere Gesetze her, und noch viel schlimmere Strafen.
Da kann eigentlich nur der richtig reden, der sich täglich seiner Schuld
stellt. Tun Sie das! Vor Gott in seinem Lichte. Ich bin der Mann! Und dann
geht der Nathan noch weiter und zeigt, dass nicht bloß die Schuld an Uria
geschehen ist, sondern auch an Bathseba, sondern Du hast den Herrn
betrogen. Der Herr, der Dir das Leben gegeben hat. Dieser Gott, der Dir
alles schenkte in Deinem ganzen Leben. Merken Sie, dass das das Schlimmste
ist, dass das ein Tritt in das Gesicht des lebendigen Gottes ist, wenn wir
sündigen. Wo doch Gott gesagt hat, bitte mich, was du willst, ich will's
dir doch geben. Aus meiner Hand sollst du es doch empfangen, was dir zum
Besten dient. Du hast gesagt: Nein, ich hol mir's selber. Auch gegen deine
Weisung. Ach, was haben Sie geglaubt, Sie könnten Gott übervorteilen, indem
Sie seine Gebote außer Kraft setzen, indem Sie sich eine neue Lebensmaxime
geben. Du hast wider den Herrn gesündigt. Und er vertieft das noch einmal
ganz genau, dort, wo die Sünde so schlimm ist, dass es im Gewissen brennt.
Unsre reformatorischen Väter, so, wie wir sie nennen, die haben ja in den
Bekenntnissen festgehalten, alle Lehre, alles, was gepredigt wird, auch im
Unterricht den Konfirmanden erzählt wird, muss durch den Kampf des
erschrockenen Gewissens hindurch. Und wenn ich Ihnen predige, ich möchte
Ihnen hier kein Aufsätzlein erzählen, oder irgend etwas feuilletonsmäßiges
Ihnen berichten, ich will in Ihr Gewissen reden. Paulus sagt im
2.Korintherbrief Kapitel 4: Wir beweisen uns, dass mit unserer Predigt an
aller Menschen Gewissen. Ich hab's noch nie probiert, mit der Predigt Ihre
ästhetischen Kriterien der Kunst zu erreichen. Oder sonst die hohe
Dichtung. Ich will in Ihr Gewissen reden. Gott will in Ihr Gewissen reden,
und will's aufwecken und will, dass in Ihrem Leben Schuld erkannt wird und
erst, wo Sie Schuld erkennen, können Sie Gott erkennen. Nur über diesen
Weg. Es ist noch nie einer anders echt Christ geworden, als dass er über
der großen Menge der Versäumnisse seines Lebens erkannt hat: Herr, gehe vor
mir hinaus, ich bin ein sündiger Mensch. Und da hat das Wort Sünde
überhaupt nichts mehr von diesem attraktiven Glanz, von diesem frömmelnden,
oder so, das ist ganz faustdick. Da ist was fieses drin, was unfaires, in
meiner Sünde, was Hundsgemeines. Ich hab andere übervorteilt. Ich hab mein
Ich gesucht. Und ich hab meinen Trieben nachgegeben, ich hab gelebt ohne
Gott. Und es ist gut, dass der David das so offen erzählt, weil er uns
zeigt, dass Gottes Barmherzigkeit kein Ende hat, so habe ich Sie vorhin im
Gottesdienst gegrüßt. Sie ist jeden Morgen neu und seine Treue ist groß.
Wissen Sie, dass Gottes Barmherzigkeit Ihnen gilt. Jetzt verstehen Sie es
mit Ihrem wunden Gewissen. Über den vielen Fehltritten Ihres Lebens. Gott
sucht sie. Und das, was er einst mit dem verlorenen Lumpensohn gemacht hat,
das will er bei Ihnen noch viel wunderbarer machen, wie er Sie in seinen
Arm nimmt. Und Ihnen das neue Kleid überstreift. Gott will, dass wir heil
werden. Gott will, dass wir wieder heil werden. Man kann ja Bibel immer
anders lesen, ich hab mal als junger Mensch immer Bibel anders gelesen. Das
hat mir immer Spaß gemacht. Ich kann mich bis heut nicht ganz befreien. Zum
Beispiel ich hätte gern drüber meditiert, was war eigentlich die Schuld der
Bathseba? Warum hat die beim Waschen nicht den Vorhang vorgezogen? Das wäre
ein abendfüllendes Programm. Und ich muss Ihnen sagen, dass es in der Bibel
immer so geht: Du brauchst nicht nach der Schuld der andern fragen. Und ob
da eine Mitschuld auch noch dabei ist. Gott sucht bei seinen Leuten sehr
genau, wo sie gesündigt haben. Ja, natürlich buchstäblich, und es geht noch
viel tiefer, wenn Sie die Bergpredigt lesen. Da prüft Gott Ihre Gedanken,
Ihre Sinne, Ihre unreinen Begehrlichkeiten. Und richtet Sie, weil Gott
nicht will, dass Sie in der Sünde gefangen bleiben, dass Ihr Leben weiter
zerstört ist, ob das bei Ihnen die Geldgier ist oder der Hochmut, oder Ihre
Streitsucht, oder Ihre Klatschsucht. Sie können sich zurücklehnen und
sagen: Sexuell bin ich gar nicht angefochten, gut, dann sind's andere Dinge
in Ihrem Leben. Gott will Ihr Leben heiligen, reinigen, und erneuern, und
darum redet er zu Ihnen und sucht Sie. Gott will, dass sie zum Frieden
kommen. Und er will Ihr Leben heiligen. Und jetzt das letzte, was ich da
herausgreife aus dieser ganzen Geschichte: Das Unglaublichste ist die
Vergebung.
Also, verstehen kann man das nicht, dass das klappen soll. Der Uria ist
tot, mausetot. Der wird auch nicht mehr auferweckt. Am jüngsten Tage, ja,
aber vorher nicht. Und die Dinge sind geschehen, und wenn Sie in Ihrem
Leben zurückblicken. Mir ist das oft schwer im Gespräch mit alten Männern,
die durch die Schrecken des Krieges gegangen sind, und doch nie drüber
reden können, über das, was sie oft nachts im Schlaf aufschrecken lässt. Es
sind doch Taten, die geschehen sind. Wenn Sie zurückdenken, was Sie
Menschen angetan haben, die schon lang beerdigt sind, und sie können es ja
nicht mehr wieder gut machen. Vergebung ist ein völlig unsinniger Gedanke.
Es geht doch gar nicht. Wie soll man vergeben können? Und das wird ja auch
daran noch deutlich, dass dieses wirklich unschuldige Kind, das hier
geboren ist, stirbt. Das kleine Baby. Und das nötigt doch einem fast die
Tränen ab. Ist das möglich? Und das kann doch auch den Schaden nicht wieder
gut machen. Eine erste Erinnerung schon im alten Bund. Ich kann mich nicht
selber befreien. Wie kann man nur so töricht sein, so heißt es in der
Bibel, eine Torheit in Israel, wenn man sündigt. Wie kann man nur so
töricht sein, wenn man meint, man könnte irgendwie mit seiner Schuld selber
damit fertig werden. Kann man gar nicht. Ich kann nicht die Last eines
Tages selber verantworten, und wenn Sie Ihnen einmal plötzlich vor den
Augen brennt, wenn es in Ihrem Gewissen ganz bitter wird, es geht doch
nicht darum, dass ein Baby stirbt. In der Mitte des Evangeliums hat Gott
ein Zeichen, bloß ein Zeichen. Seinen Sohn an das Kreuz gehangen. Ich
verstehe es nicht. Ich höre es, und ich glaube es, und ich danke meinem
Herrn, dass er mit seinem Blut die Sühne geschaffen hat für das, was ich
gar nicht mehr zurecht bringen kann. Und das ist das größte Wunder, das in
der ganzen Bibel drin steht. Dass alte Schuld völlig ausgelöscht wird und
nie mehr vorgeholt wird. Und in des Meeres Tiefe versenkt ist. Und dass das
allen gilt. Nur eins ist nötig: Dass ich mich meiner Schuld gegenüber
bekenne und mich zu ihr stelle. So wie David sagt: Herr, ich habe
gesündigt. Haben Sie das schon einmal in ihrem Leben gesprochen? Herr, ich
bin ein sündiger Mensch. Das ist nicht nur altmodische Sprache.
Das ist das Größte, was wir sagen können im Licht der Ewigkeit. Herr, an mir ist
nichts, aber deine Vergebung brauche ich, und diese wunderbare Vergebung,
die kann es lösen. Hoffentlich sind Sie so Seelsorger wie der Nathan. Wie
sagt der denn? So hat der Herr auch deine Schuld weggenommen. Nur dieses
Sätzlein sagen. Ha, ich seh doch die vielen Spötter, wie sie höhnen: Das
ist ja leicht, wenn man das nur sagen muss, aber unsagbar schwer wird es.
Dieses auszusprechen im Lichte Gottes: Herr, du hast Recht mit deinem Wort.
Und ich habe mich lang selber belogen und mit Vertuschungsversuchen alles
zu verdecken versucht. Ich will mich dir stellen und dir danken, dass du
mich freisprichst. So hat der Herr deine Schuld weggenommenn, sie ist weg.
Und was weg ist, braucht niemand mehr vorholen, und Sie haben den Rücken
frei, und Sie können jubeln, und sagen: O Abgrund welcher alle Sünden durch
Christi Tod verschlungen hat, da kann man niemand mehr verdammen, da kann
niemand Sie mehr anklagen, da kann niemand mehr etwas sagen, vor Gott
sagen, ich bin doch für dich, und ich stehe doch für dich ein, und ich bin
doch bei dir. Sie wissen, dass das die ganze Freude ist, dass man das weiß,
Gott ist bei mir. Ich habe heute ein komisches Thema bei der Predigt oben
drüber geschrieben: Ich hab geschrieben: Verlorene Siege, überwundene
Niederlagen. Der David hat ja noch die Stadt Rabba besiegt. Wissen sie, was
Rabba ist? Hören sie noch heute mal Nachrichten, wo die großen Unruhen
sind, das ist in Amman. Heute morgen ging es schon tüchtig los. Dies ist
das Amman, das hat David erobert. Und was war der Sieg? Nichts! Es ist in
unserem Leben auch so, dass wir uns rühmen, mit großen Taten, was wir alles
erreicht haben. Und doch vor Gott gescheitert. Denken Sie mal: So leicht
fallen wir. Dieser David war solch ein Held, ich kenne keinen so
entbehrungsreich wie er. Wie er in der Wüste sich durchgeschlagen hat ohne
Wasser. Wie er mutig dem Goliath entgegenging. Wie er ein Glaubensmann war.
Der hat Lieder gedichtet. Wie der die Harfe gespielt hat. Ein Genie
ohnegleichen. Ein Mann gefüllt mit dem Heiligen Geist. In der Bibel heißt
es: Ein Mann nach dem Herzen Gottes. Und so leicht gefallen. Wenn der
Teufel bei Ihnen versucht, sind Sie schon weg, wissen Sie dies? Kein
einziger von uns kann den Versuchungen widerstehen. Verlorene Siege. Der
Teufel kann die größten Gottesmänner, die segensreichsten Evangelisten,
durch ganze Kleinigkeiten zuschanden werden lassen. Es soll sich keiner
rühmen. Wir werden bewahrt durch die Macht Gottes. Herrliche überwundene
Niederlagen. Dieser schreckliche Augenblick. Als die Schuld aufgedeckt ist,
David hat in diesem 32.Psalm gesagt, den wir vorher gebetet haben, dass für
ihn dieses Jahr, wo das alles blieb, dieses Kindlein, geboren war, für ihn
die Hölle war. Ich wollte es verschweigen, und da verschmachteten meine
Gebeine durch mein täglich Heulen. Wissen Sie, wo die Ursache so vieler,
nicht aller, so vieler seelischer Leiden heute ist? Dass ich mit meiner
Schuld nicht mehr fertig werde. Und dass ich Angst vor den Menschen habe,
nicht mehr ins Gesicht gucken kann. Und Platzangst kriege, weil ich den
Rücken nimmer frei habe. Deine Hand lag Tag und Nacht schwer auf mir. Da
vergabst du mit meine Sünde. Kein Tag mehr ohne Vergebung Jesu. Keinen
Augenblick mehr, wo nicht der gekreuzigte Jesus mit diesem wunderbaren
Vergebungswort die Mitte unseres Glaubens ist und die Quelle der Freude.
Überwundene Niederlagen. Da komm ich erst zum Glauben. Und jetzt wollte
ich, dass Sie zum Glauben kommen. Dass sie sagen, das war heute für mich
gesprochen. Ich will heute vor Gott, dem Herrn, stehen bleiben und will
Frieden ihm machen. Ich will sein Gnadenwort annehmen und mich daran
freuen, dass er mich angenommen hat. Immer will ich bei ihm bleiben, nichts
kann mich von ihm mehr vertreiben. Ich will fröhlich meine Straße ziehen.
Amen.
