Rückblick auf ein Jahr Gemeindeleitung und Einführung in das Thema
Wunderbar! Also, ich weiß nicht, ob ihr das wisst, aber vor einem Jahr haben wir eine neue Gemeindeleitung eingesetzt. Das Gute ist, wir haben damals gesagt, dass es eine Ältestenschaft leiten soll. Wir wissen, dass sie das alle zum ersten Mal machen und noch wachsen dürfen. Sicherlich war der eine oder andere gespannt, wie das werden würde. Ich kann persönlich sagen, ich war es auch.
Das ist so, wenn man Gemeindegründer ist. Man kommt nicht drum herum: Es ist doch die eigene Gemeinde, meine Gemeinde, und sie wird nun in die Hände von anderen Leuten gelegt.
Ein Jahr ist vergangen, und ich bin total froh – das kann ich nicht anders sagen. Nach einem Jahr Gemeindeleitung, ihr Lieben, wie ihr das gemacht habt, bin ich richtig, richtig froh. Ich denke, ihr habt ein sehr gutes erstes Jahr hingelegt, ein wirklich gutes Jahr.
Ich feiere das ein bisschen dadurch, dass ich diese Predigt der Gemeindeleitung widme und die Frage beantworte: Was sind denn biblisch betrachtet die Top-Themen für Gemeindeleitung? Worauf muss Gemeindeleitung besonders achten?
Ich werde das machen und gleich mit euch in Apostelgeschichte 20 springen. Worum geht es da? Es geht um Paulus. Paulus ist im Rahmen einer Missionsreise auf dem Weg nach Hause, nach Jerusalem. Er will dort an Pfingsten ankommen, deswegen steht er ziemlich unter Druck. Die Zeit läuft ihm ein bisschen davon.
Er ist mit dem Schiff unterwegs und segelt in der Nähe von Ephesus vorbei. Weil er unter Druck steht, möchte er nicht direkt in Ephesus Zwischenstation machen. Er weiß, wenn er dort einmal ist, kommt er nicht mehr los. Also lädt er in der Nähe die Ältesten aus Ephesus zu sich ein und sagt: Kommt vorbei, ich möchte mit euch noch ein letztes Mal reden.
Das heißt, bei dem, was wir uns heute anschauen, haben wir es mit einer Abschiedsrede zu tun.
Warum sind Abschiedsreden so furchtbar spannend? Ganz einfach: Sie haben automatisch einen dramatischen Unterton. Das ist ja irgendwie klar. Wenn ich davon ausgehe, dass es das letzte Mal ist, dass ich Leute sehe, werde ich wahrscheinlich nicht über das Wetter reden. Auch nicht darüber, ob der FC Bayern München wieder deutscher Meister wird oder andere Themen, die in der gleichen Klasse der Belanglosigkeit liegen. Versteht ihr?
Wenn man ein letztes Mal Leute sieht und sagt: So, jetzt ist quasi der Staffelstab endgültig übergeben, dann wird man über die wichtigen Dinge reden.
Deshalb, wenn Paulus mit der Gemeindeleitung einer Gemeinde spricht, in der er selbst über zwei Jahre aktiv war, wenn Paulus mit den Ältesten aus Ephesus redet, dann sind das die Top-Themen, die für eine Gemeindeleitung einfach interessant sind.
Lukas überliefert uns die Ansprache an die Ältesten in Apostelgeschichte 20. Ganz am Anfang möchte ich die drei Dinge nennen, die im Text selbst beleuchtet werden. Es sind drei Dinge: der Wert von Hingabe, der Wert von Lehre und der Wert von Wachsamkeit. Das sind die drei Themen, die wir jetzt sehen werden.
Paulus’ Abschiedsrede an die Ältesten von Ephesus: Hingabe als Vorbild
Ich habe euch den Text mitgebracht und ihn für euch ein wenig vorstrukturiert, damit wir ihn gemeinsam lesen können. Es geht um Apostelgeschichte 20, Verse 17-19, 22-24 und 33-35. Diese Stellen gehören thematisch zusammen. Ich lese sie euch vor:
„Von Milet aber sandte er nach Ephesus und rief die Ältesten der Gemeinde herüber. Als sie aber zu ihm gekommen waren, sprach er zu ihnen: Ihr wisst, wie ich vom ersten Tag an, da ich nach Asien kam, die ganze Zeit bei euch gewesen bin und dem Herrn diente mit aller Demut und unter Tränen und Versuchungen, die mir durch die Nachstellungen der Juden widerfuhren. Und nun, siehe, gebunden im Geist, gehe ich nach Jerusalem und weiß nicht, was mir dort begegnen wird, außer dass der Heilige Geist mir von Stadt zu Stadt bezeugt und sagt, dass Fesseln und Bedrängnisse auf mich warten. Aber ich achte mein Leben nicht der Rede wert, damit ich meinen Lauf vollende und den Dienst, den ich von dem Herrn Jesus empfangen habe, das Evangelium der Gnade Gottes zu bezeugen. Ich habe von niemandem Silber oder Gold oder Kleidung begehrt. Ihr selbst wisst, dass meinen Bedürfnissen und denen, die bei mir waren, diese Hände gedient haben. Ich habe euch in allem gezeigt, dass man so arbeitend sich der Schwachen annehmen und an die Worte des Herrn Jesus denken muss, der selbst gesagt hat: Geben ist seliger als nehmen.“
Der erste Punkt ist: Paulus hat den Wert von Hingabe betont. Der Text klingt fast ein bisschen ungewöhnlich, wenn man ihn liest, weil Paulus so stark hervorhebt, was er alles investiert hat. Er beschreibt, wie er voller Demut, Traurigkeit und Verfolgung alles ertragen hat. Und wie er auch jetzt nicht aufhören kann, alles für den Dienst zu investieren. Hier heißt es: „Ich achte mein Leben nicht der Rede wert, damit ich meinen Lauf vollende und den Dienst.“
Er spricht davon, wie er sich selbst versorgt hat und als Apostel sogar gearbeitet hat, um niemandem zur Last zu fallen. Ja, so sehr, dass er sogar noch abgeben kann, denn „geben ist seliger als nehmen“. Warum ist das ungewöhnlich? Paulus tut hier etwas, was er an anderer Stelle fast schon für absurd hält. Er stellt sich selbst in den Mittelpunkt. Warum betont er seine Hingabe so sehr? Und das, obwohl die Epheser das genau wissen. Das ist nichts Neues für sie. Sie kennen ihn, sie haben ihn erlebt. Warum hebt er seinen persönlichen Einsatz so hervor?
Wie gesagt, vor allem weil, wenn man an anderer Stelle liest – und wer meinen Podcast verfolgt, der weiß das – im zweiten Korintherbrief, den wir gerade Vers für Vers im Podcast durchgehen, merkt man förmlich, wie Paulus es peinlich ist, mit dem zu prahlen, was er erreicht hat. Er sagt, das sei Torheit, darüber zu reden. Wenn man sich vergleichen will, dann nicht mit dem Herrn Jesus, der wirklich Großes geleistet hat. Dann sind wir alle so kleine Lichter.
Und trotzdem stellt er es hier so heraus. Warum tut er das? Die Antwort: Wahrscheinlich motiviert nichts so sehr für den Dienst wie ein gutes Vorbild. Paulus betont sich und seinen Dienst, weil er möchte, dass die Ältesten sich an seine Hingabe erinnern, um auf dieselbe Weise ihren Dienst zu tun. Ich glaube, es motiviert uns kaum mehr als Menschen, von denen wir sagen: Wow, das ist mein Vorbild, so möchte ich das auch machen.
Das ist übrigens auch der Grund, warum Älteste vorbildliche Gläubige sein müssen. Sie müssen nicht perfekt sein, aber wie es so schön im ersten Timotheusbrief heißt, müssen sie untadelig sein. Das heißt: Ich kann mir jeden aus der Gemeindeleitung zum Vorbild nehmen. Wenn ich diese Leute imitiere, mache ich nichts falsch. Wir brauchen Vorbilder.
Paulus war so ein Vorbild – ein Vorbild in der Hingabe. Diesem Mann konnten weder Tränen noch böse Worte, noch die Aussicht auf Fesseln und Drangsal etwas anhaben. Auch nicht viel Arbeit und Armut konnten ihn davon abhalten, seinem Herrn zu dienen. Und er stellt sich so heraus, weil er möchte, dass die Ältesten sich an ihm ein Vorbild nehmen, um selbst solche Arbeiter im Reich Gottes zu werden.
Als ich das so gelesen habe, fand ich es erstaunlich, dass dieser Aspekt von Vorbild und Hingabe hier so im Vordergrund steht. Was ist das Wichtigste für eine gute Gemeindeleitung? Dass sie gute Vorbilder hat, an denen sie sich orientieren kann.
Ich dachte mir: Hm, komischer Punkt. Dann habe ich weiter darüber nachgedacht und mir überlegt, warum das für Älteste so wichtig ist. Die Antwort ist ganz einfach: Weil der Dienst wirklich herausfordernd ist. Gemeindeleitung ist nichts, was man eben mal so macht. Gut gemachte Gemeindeleitung tut dem, der leitet, weh.
Paulus schreibt an anderer Stelle, 2. Korinther 11,28-29: „Und zu allem kommt noch das, was täglich auf mich einbringt, die Sorge um alle Gemeinden. Wo ist jemand schwach, und ich bin es nicht auch? Wo wird jemand zur Sünde verführt, und es brennt nicht wie Feuer in mir?“
Versteht ihr, was Paulus hier schreibt? Er sagt: Als Leiter sorge ich mich um die Gemeinde. Und als Leiter brenne ich für die Gemeinde – und nicht nur für die Gemeinde als abstrakte Größe, sondern ich brenne für einzelne Geschwister. Ich begleite Geschwister auf ihrem Weg mit Gott.
Wenn ich merke, dass jemand in seiner Heiligung nicht weiterkommt, irgendwo in seiner Sünde feststeckt, immer wieder gegen dieselbe Wand läuft und nicht weiterkommt; oder wenn ich im Gespräch merke, dass jemand sich selbst betrügt, etwas schönredet, obwohl ich weiß, dass es nicht stimmt; oder wenn jemand durch äußere Einflüsse, durch Themen aus dem Internet, zur Sünde verführt wird – das kann mich als Leiter nicht kaltlassen.
Es lässt mich nicht kalt, weil meine Geschwister für mich keine Nummern sind, keine To-dos. Es sind Menschen, für die ich als Teil eines Hirtenteams in der Gemeindeleitung verantwortlich bin. Und da geht es mir natürlich persönlich zu Herzen, wenn ich sehe, wie einzelne Schafe meiner Herde auf der Strecke bleiben, sich verlaufen, andere Schafe verletzen oder verhungern.
Deshalb ist der Leitungsdienst wirklich nicht einfach. Auch nicht in Zeiten wie heute, wo man sagen könnte: Von außen werden wir doch eigentlich nicht verfolgt. Und irgendwie stimmt das auch.
Aber ganz ehrlich: Ich habe das ja auch ein paar Jahre gemacht. Versuch mal, den allgegenwärtigen Individualismus von Geschwistern zu bewältigen, die keine Buße tun wollen und genau wissen, dass alles, was sie sagen, viel richtiger ist als das, was du ihnen sagen möchtest. Versuch mal, solchen individualistischen, leicht arroganten Geschwistern ins Leben hineinzusprechen. Viel, viel Spaß! Und genau den wirst du wahrscheinlich nicht haben.
Weil Leitungsdienst nicht einfach ist, brauchen Gemeindeleiter selbst hingegebene Vorbilder, an denen sie sich orientieren können. Menschen, bei denen sie sagen: Der hat nicht aufgegeben, der hat es mir vorgemacht, der hat die Zeiten durchgestanden. An dem orientiere ich mich.
Es ist wichtig, dass Gemeindeleiter verstehen: Bevor sie Gemeinde leiten können und auf Gemeinde achten müssen, müssen sie auf sich selbst aufpassen. Wir werden das in Vers 28 noch lesen, wo Paulus sagt: „Habt Acht auf euch selbst.“
Und weil wir als Gemeindeleiter auf uns selbst achten sollen, ist es so wichtig, dass wir gute Vorbilder haben. Dass ihr, die uns leitet, gute Vorbilder habt. Ich sage: hingegebene Diener Gottes, die euch durch ihr Leben, ihren Einsatz und ihre Opferbereitschaft ein Vorbild sind – ein Beispiel, an dem ihr euch orientieren könnt.
Ich muss mir als Ältester immer der Gefahr bewusst sein, dass ich irgendwann anfange, den Dienst in der Gemeinde mit einem Job zu verwechseln. Dass es mir am Ende doch darum geht, Anerkennung zu bekommen oder irgendeine Form von Unterstützung – nicht unbedingt finanziell – oder dass ich eine Bühne bekomme, auf der ich mit meinen Ideen glänzen kann.
Lasst uns diese Gefahr nicht unterschätzen, die von Leitern ausgeht, die Gemeinde nicht im guten Sinn führen, sondern Gemeinde manipulieren und beherrschen. Vielleicht vergessen sie auch, dass sie nur Unterhirten sind und es einen Oberhirten gibt, dem wir alle dienen.
Das ist der erste Punkt: Der Wert von guten Vorbildern.
Die Bedeutung von umfassender Lehre in der Gemeindeleitung
Ein zweiter Punkt ist vielleicht derjenige, der jetzt dafür sorgt, dass sich die Gemeinde, die ich leite, nicht als etwas sieht, in dem ich mit meiner Sicht der Dinge, meinen Themen und Schwerpunkten auftrumpfen kann.
Dieser zweite Punkt betrifft den Wert von Lehre. Es heißt hier in Apostelgeschichte 20,21 und dann die Verse 25 bis 27 und 32: „Da ich sowohl Juden als auch Griechen die Buße zu Gott und den Glauben an unseren Herrn Jesus Christus bezeugte, und nun siehe, ich weiß, dass ihr alle, unter denen ich umhergegangen bin und das Reich Gottes gepredigt habe, mein Angesicht nicht mehr sehen werdet. Deshalb bezeuge ich euch am heutigen Tag, dass ich rein bin vom Blut aller, denn ich habe nicht zurückgehalten, euch den ganzen Ratschluss Gottes zu verkündigen. Und nun befehle ich euch, Gott und dem Wort seiner Gnade, das die Kraft hat aufzubauen, an und ein Erbe unter allen Geheiligten zu geben.“
Die Frage, die ich in den Raum gestellt habe, war: Wie sorge ich dafür, dass in der Gemeinde Gottes Gott den Ton angibt? Und nicht, dass sie irgendwann anfängt, ihre eigenen Steckenpferde zu reiten – das, was gerade vielleicht auch so in einem evangelikalen Trend liegt, das, wovon sie gerade selbst persönlich super berührt sind.
Die Antwort findet sich hier im Text. Paulus sagt, dass er rein ist vom Blut aller. Er hat keine Blutschuld auf sich geladen. Es geht hier darum, dass Paulus sagt: Ich bin nicht verantwortlich dafür, dass Menschen verloren gegangen sind. Paulus spricht aus der Perspektive eines Evangelisten und Predigers und möchte deutlich machen, dass er durch eine falsche, einseitige oder verkürzte Auswahl seiner Predigtinhalte Schuld auf sich laden kann.
Das ist ein ganz gruseliger Gedanke, aber natürlich auch total wichtig. Lehre ist einfach wichtig. In diesem Zusammenhang muss ich gar nicht daran denken, dass jemand Irrlehre verbreitet oder einfach nur Blödsinn erzählt – das wäre natürlich auch furchtbar, wenn das in der Gemeinde passieren würde.
Wenn ich an Lehre denke, dann hat eine Gemeinde ein Recht darauf – das ist ja irgendwie logisch – dass das stimmt, was da gepredigt wird. Das ist völlig klar. Im Titusbrief heißt es: „In der Lehre beweise Unverdorbenheit, würdigen Ernst, gesunde, unanfechtbare Rede.“ Das ist ja irgendwie logisch.
Die Art und Weise, wie gepredigt wird, soll Unverdorbenheit und würdigen Ernst zeigen. Der Inhalt muss gesund und unanfechtbar sein, also ein Stück weit über alle Kritik erhaben. Das ist sowieso klar.
Aber das ist nicht das, was Paulus hier sagt. Hier geht es nicht um das Wie und Was, sondern eigentlich darum, dass die Themenvielfalt garantiert bleibt. Das, was gepredigt wird, muss natürlich richtig sein, aber es muss auch in der Summe alles gepredigt werden – der ganze Ratschluss Gottes, den eine Gemeinde braucht.
Wir hatten das eben gelesen, Vers 27: „Denn ich habe nicht zurückgehalten, euch den ganzen Ratschluss Gottes zu verkündigen.“ Das ist es, was Paulus meint, wenn er sagt, dass er keine Blutschuld auf sich geladen hat.
Das ist etwas, was eine Gemeindeleitung tatsächlich gut verstanden haben muss: Die Geschwister brauchen den ganzen Ratschluss Gottes. Sie brauchen nicht nur ausgewählte Themen, sondern alles.
Wir brauchen das, weil nur so die Gemeinde leben kann. Im Vers 32 lesen wir noch einmal: „Und nun befehle ich euch Gott an und dem Wort seiner Gnade, das die Kraft hat aufzubauen.“
Es ist das Wort Gottes selbst, das die Kraft hat, aufzubauen – und zwar mein Leben und das gesamte Gemeindeleben. Es sind nicht unsere durchdachten Strukturen – zugegeben, da ist bei uns noch Luft nach oben – es ist auch nicht das Charisma der Leiterschaft, es sind nicht die coolen, innovativen Projekte, die wir machen.
Die Kraft, das eigene Leben und die Gemeinde voranzubringen, so dass sie wirklich auf lange Sicht im Strudel der Zeit bestehen kann, findet sich im Wort Gottes.
„Und nun befehle ich euch Gott an und dem Wort seiner Gnade.“ Es ist ein gnadespendendes Wort. Durch das Wort fließt Gnade ins Leben einer Gemeinde. Gott möchte uns durch sein Wort beschenken.
Das ist genau das, was eine Gemeindeleitung zutiefst verstanden haben muss.
Wachsamkeit als Schutz der Gemeinde vor falschen Lehrern
Ein dritter Punkt ist die Wachsamkeit. Zuvor hatten wir über den Wert von guten Vorbildern gesprochen, an denen ich Hingabe lernen kann, und den Wert guter Lehre. Nun geht es um die Wachsamkeit.
In Apostelgeschichte 20,28-31 lesen wir: "Habt Acht auf euch selbst und auf die ganze Herde, in welcher der Heilige Geist euch als Aufseher eingesetzt hat, die Gemeinde Gottes zu hüten, die er sich erworben hat durch das Blut seines eigenen Sohnes. Ich weiß, dass nach meinem Abschied grausame Wölfe zu euch hereinkommen werden, die die Herde nicht verschonen. Aus eurer eigenen Mitte werden Männer aufstehen, die verkehrte Dinge reden, um die Jünger abzuziehen hinter sich her. Darum wacht und denkt daran, dass ich drei Jahre lang Nacht und Tag nicht aufgehört habe, jeden unter Tränen zu ermahnen."
Hirten wissen um die Gefahren für ihre Herde. Hier ist die Rede von grausamen Wölfen, die eindringen werden. Es heißt, Männer werden aus der eigenen Mitte aufstehen und verkehrte Dinge lehren. Worum geht es diesen falschen Lehrern, die aus der Gemeinde kommen? Es geht darum, anderen Menschen zu schaden.
Deshalb braucht eine Gemeinde Aufseher. Man könnte sagen, wir brauchen eine Art geistliche Sicherheit. Wir brauchen Aufpasser, die genau darauf achten, was gelehrt wird. Menschen, die sich intensiv mit den Ideen beschäftigen, die vor allem auch neu in der Gemeinde kursieren.
Genau das ist notwendig. Zuerst sollen die Ältesten auf sich selbst achten und dann auf die Gemeinde. Zuerst schaue ich auf mein eigenes Leben mit Gott: mein Gebetsleben, meinen Umgang mit der Bibel, meine Liebe zu meiner Frau und meinen Kindern, meine Lieblingssünden habe ich im Blick. Ich achte zuerst auf mich selbst und auf die Gefahr, träge zu werden.
Dann achte ich auf die Gemeinde, auf die Herde, für die der Heilige Geist mich als Aufseher eingesetzt hat. Dieses Aufseher-Sein, diese geistliche Security, ist kein Job, den man sich aussucht, aber er ist sehr wichtig.
Paulus verweist hier auch auf sich selbst. Er sagt, er habe drei Jahre lang Nacht und Tag jeden unter Tränen ermahnt. Könnt ihr euch vorstellen, wie wenig Spaß das macht? Nacht und Tag bedeutet, zu jeder Tageszeit ist er zu den Menschen gegangen und hat ihnen ins Leben hineingesprochen.
Ermahnen kann man auch mit Ermuntern übersetzen. Das muss nicht immer der erhobene Zeigefinger sein. Aber hier hat jemand Menschen im Blick, und das hat sicher keinen Spaß gemacht. Ein Leiter wird dadurch leider auch zur Zielscheibe für schlechtes Reden und Unterstellungen. Das gehört leider dazu.
Trotzdem ist das wichtig. Es ist von großer Bedeutung, weil Gemeinde eine angefochtene Größe ist. Ich kann das verstehen: Jede Gemeinde, die der Teufel zerstört, ist für ihn ein großer Sieg. Es ist schlimm, wenn einzelne Menschen ihren Glauben verlieren, aber eine ganze Gemeinde zu zerstören, ist ein noch größerer Erfolg für ihn.
Paulus sagt hier nüchtern, dass von außen und innen falsche Lehrer kommen werden, um die Jünger hinter sich herzuziehen. Diese falschen Lehrer haben Jesus nicht im Blick, es geht ihnen nicht um das Wachstum der Gläubigen, sondern immer um sich selbst.
Dabei spielt es keine Rolle, ob diese Verführer das bewusst tun oder nicht. Auch unter den falschen Lehrern gibt es Verführte, die nur einem Trend hinterherlaufen. Es gibt echte Verführer mit einer Agenda und Nachplapperer.
Paulus warnt besonders vor solchen Menschen, die harmlos und demütig auftreten, aber mit besonderen geistlichen Erfahrungen werben – vor allem, wenn es um Engel geht. Mein Tipp: Kolosser 2 könnt ihr dazu nachlesen.
Wer mit Engelerfahrungen kommt, sollte man meiden – einfach nur Finger weg und einen großen Bogen darum machen. Warum? Am Ende geht es diesen Leuten nie um Jesus.
Da nicht jeder von uns das immer erkennt, brauchen wir die geistliche Security. Wir brauchen Aufseher, Aufpasser, die den Wert von Wachsamkeit verstanden haben. Menschen, die wissen, dass es Lehre gibt, die Menschen wirklich zerstören kann.
Gemeindeleitung und Gemeinde: Gemeinsame Verantwortung und Unterstützung
Ich habe jetzt, weil es mir eine kleine Freude war, der Gemeindeleitung eine Predigt zu halten, zunächst vom Dienst der Ältesten gesprochen. Das ist das, was der Text uns vorgibt.
Diese drei Punkte, die ich eben genannt habe, betreffen natürlich nicht nur unsere Gemeindeleitung, sondern auch uns hier als Gemeinde. Wer sich am Anfang der Predigt ein wenig zurückgelehnt hat und dachte: „Super, endlich kann ich mal eine ganze Predigt durchschlafen, weil sie nichts mit mir zu tun hat“, liegt heute ganz falsch. Diese Botschaft richtet sich nicht nur an die sechs Gemeindeleiter.
Natürlich kann ich sagen, das sind die wichtigsten Themen für die Gemeindeleitung. Aber wir als Gemeinde müssen sie dabei unterstützen. Die Frage lautet: Wie kann ich meine Gemeindeleitung unterstützen, wenn es um die Themen Opferbereitschaft, Lehrinhalte und Schutz vor geistlichen Wölfen geht?
Zu diesem Thema habe ich euch ein paar Punkte mitgebracht.
Wertschätzung und Anerkennung der Opferbereitschaft
Erster Punkt: Opferbereitschaft
Ich dachte, der erste Punkt sollte das Thema Opferbereitschaft sein. Ein kleines Leckerli ist dabei immer eine gute Idee. Es trifft die Sache genau: wahrnehmen und wertschätzen.
Wahrnehmen bedeutet, den Dienst der Gemeindeleitung nicht einfach nur abzunicken. Ich gehe davon aus, dass jeder von euch erkennt, wie viel Aufwand das ist. Ebenso nehme ich an, dass ihr viel für sie betet und sie in eurem Herzen lieb habt. Aber ich möchte einen Schritt weitergehen.
Es geht nicht nur darum zu denken: „Hey, die haben halt den Job, was soll's, sie wollten ihn ja.“ Oder: „Wer sich meldet, verliert immer.“ Nein, es geht darum, hinzuschauen. Zu sehen, was geleistet wird, und das dann wertzuschätzen.
Mein Tipp an euch – und das meine ich ernst: Überlegt euch regelmäßig, zum Beispiel alle drei oder sechs Monate, wie ihr die Gemeindeleitung ermutigen könnt.
Solltet ihr zu den Lieblingskritikern unserer Gemeindeleitung zählen – es gibt ja Leute, die immer wieder mit komischen Ideen kommen und das Leben schwer machen –, dann müsst ihr das sogar noch öfter tun.
Wenn ihr aber ganz normale Gemeindeglieder seid, die nicht so kritisch sind, reicht es, vierteljährlich oder halbjährlich darüber nachzudenken: Wie kann ich meine Gemeindeleitung unterstützen?
Kann ich eine Postkarte schreiben? Einen Dankeschön-Zettel? Eine Tafel Schokolade schenken? Babysitterdienst anbieten? Einen Tankgutschein geben? Eine Flasche Craftbeer oder eine Einladung zum Lasagneabend? Überlegt euch etwas, sodass die Gemeindeleitung merkt: „Wow, die haben mitbekommen, dass es uns gibt und dass wir uns reinhängen.“
Denkt immer daran: Eine glückliche Gemeindeleitung ist eine gute Gemeindeleitung. Das ist wie bei Babys: Schlafende Babys sind gute Babys, und so ist auch eine glückliche Gemeindeleitung eine gute Gemeindeleitung.
Im Hebräerbrief heißt es dazu: Über die Gemeindeleitung und ihren Dienst, damit sie ihn mit Freuden tun und nicht mit Seufzen; denn das wäre euch nicht nützlich (Hebräer 13,17).
Eine Sache noch zum Schluss: Das dürfen wir uns komplett sparen, denn wenn wir das tun, dann dürfen wir gleich Buße tun. Wir reden natürlich nie schlecht über unsere Leitung. Das machen wir einfach nicht. Das ist von der Bibel her sowieso verboten. Wenn das deine Art ist, dann bring das bitte in Ordnung.
Das war der erste Punkt: Wertschätzung zeigen und alle paar Monate mal ein Leckerli überlegen, damit die Gemeindeleitung merkt: „Wow, ich werde wahrgenommen“ – und sich darüber freut.
Noch einmal: Glückliche Gemeindeleitung, gute Gemeindeleitung.
Eigenverantwortung für geistliches Wachstum und Unterstützung der Lehre
So ist der ganze Ratschluss Gottes. Mein Tipp an euch als Gemeinde: Man liest ja selbst in der Bibel, und das ist das Gute daran. Wir dürfen die Bibel selbst aufschlagen. Gerade wenn es ums geistliche Wachstum geht, können wir nicht sagen: „Ich wachse geistlich nicht, weil die Gemeindeleitung mir nicht genügend Input gibt.“ Das ist Quatsch. Du wächst durch das, was du selbst in der Bibel für dich findest.
Du bist zuerst einmal selbst für dein geistliches Wachstum und deine geistliche Gesundheit verantwortlich. Danach kommt die Gemeindeleitung hinzu, und Gott setzt Hirten ein, die dich darin unterstützen.
Nehmen wir mal an, du stolperst beim Bibellesen über ein Thema und denkst dir: „Hey, spannendes Thema, das könnten wir wirklich mal wieder in der Gemeinde brauchen. Das ist lange nicht mehr gepredigt worden, das haben wir lange nicht mehr gemacht.“ Ich glaube, es wäre schön, wenn du dann den Ältesten einfach mal einen Tipp gibst, so nach dem Motto: „Hey, ich habe das hier gelesen. Das hatten wir lange nicht mehr, und ich glaube, das wäre richtig gut, damit die Breite wieder stimmt.“
Versteht ihr? Wir haben alle so ein bisschen eine Engführung, jeder hat nicht alle Themen gleichzeitig vor Augen. Aber wenn wir alle ein bisschen schauen, können wir uns überlegen, was wichtig ist.
Die Ältesten müssen nächsten Donnerstag entscheiden, denn ich werde sie fragen: Von den fünf Sonderthemen, die ich nächstes Jahr predigen soll, was soll es denn bitteschön sein? Wollen wir über Kleidung reden? Was sagt die Bibel zum Thema Kleidung? Oder wollen wir lieber über den Engel des Herrn reden? Das sind ja mal unterschiedliche Themen. Beides hatten wir lange nicht oder gar nicht mehr.
Also, sucht selbst ein bisschen und gebt einen Tipp!
Einheit bewahren und geistliche Wachsamkeit fördern
Und dann natürlich der dritte Punkt: Wir müssen die Einheit schützen. Wenn ich darüber nachdenke, wo heute Irrlehre herkommt, dann ist das tatsächlich ganz stark von außen, in Form von Büchern, Kursen und Videos.
Wir können die Ältesten in ihrer Aufgabe als Aufseher unterstützen. Diese Aufgabe ist wirklich schwer geworden, das muss ich ehrlich sagen. Es ist ein regelrechtes Trommelfeuer, das auf die Geschwister einströmt. Das ist viel, viel schwieriger als noch vor dreißig Jahren. Damals musste man vielleicht nur ein bisschen darauf achten, welche Bücher man auf den Büchertisch legt und die Geschwister in die richtige christliche Buchhandlung schicken. Aber heute?
Wir können unsere Ältesten in ihrer Aufgabe als Aufseher unterstützen, indem wir kritisch reflektieren, was wir selbst konsumieren: Welche Bücher lesen wir? Welche Kurse und Videos schauen wir uns an? Bitte vergesst eines nicht: Verführung beginnt immer hier, zwischen diesen beiden Ohren, hier in deinem Kopf. Dort beginnt Verführung.
Der erste Punkt ist also, kritisch zu reflektieren, was ich da eigentlich lese und warum ich es lese. Der zweite Punkt ist, dass ich mich davor hüte, in der Gemeinde Lehren zu verbreiten, von denen ich weiß, dass sie in den Augen der Gemeindeleitung nicht in Ordnung sind.
Das weiß ich vielleicht nicht immer genau, aber ich möchte euch ermutigen: Wir leben in einer Welt, in der jedes Jahr irgendeine neue Sau durch das evangelikale Dorf getrieben wird. Es gibt immer einen neuen Trend. Wenn du auf so einen Trend aufspringst und sagst: „Da gibt es etwas ganz Neues, das finde ich total toll, das muss jetzt jeder wissen“, dann überlege, bevor du das allen erzählst oder in den Hauskreis bringst und dafür Werbung machst, weil du emotional berührt bist: Geh doch mal zu den Ältesten und besprich mit ihnen, ob sie wollen, dass du das verbreitest.
Und jetzt kommt der Clou: Die Ältesten haben das Recht, Nein zu sagen. Cool, oder? Sie dürfen dir sagen: Diesen Trend wollen wir nicht in unserer Gemeinde haben. Schmeiß das Buch weg, schau dir die Videos nicht weiter an. Ich möchte nicht, dass du dich damit beschäftigst, und ich möchte nicht, dass diese Gemeinde sich damit beschäftigt. Das ist für uns schädlich, das wollen wir nicht.
Und wenn du jetzt zuckst, dann hast du das Konzept Unterordnung noch nicht verstanden. Das wäre vielleicht ein Thema für nächstes Jahr, darüber müsste man mal nachdenken. Aber es ist definitiv so, dass sie das Recht haben, Nein zu sagen. Warum? Weil sie für die Gemeinde und das geistliche Wohl der Geschwister Verantwortung tragen.
Wenn ich Verantwortung trage, darf ich auch mal sagen: Den Film schauen wir nicht an. Warum? Weil ich genau weiß, dass es nichts für meine Kinder ist. So darf auch die Gemeindeleitung handeln.
Deswegen: Frag doch mal die Ältesten, was sie von den Predigern halten, die du hörst, oder von den Autoren, die du liest. Bitte vergiss nicht: Petrus spricht davon, dass die Unwissenden und Ungefestigten, also die Anfänger im Glauben, ganz besonders in Gefahr stehen, die Bibel zu ihrem eigenen Schaden zu verdrehen.
Das ist eben so am Anfang. Wenn man noch nicht viel versteht, macht man oft Fehler. So ist das immer. Deshalb an dieser Stelle: Nutzt eure Leitung!
Ein letzter Gedanke dazu: Fall bitte nicht auf die Lüge herein, dass man sich alles anhören kann, weil man ja alles prüft, um nur das Gute zu behalten. Das habe ich schon öfter gesagt: Das ist absoluter Unsinn.
Wer sich falscher Lehre aussetzt, begegnet immer auch bösen Geistern, die dahinterstecken. Und wer behauptet, alles prüfen zu können, der ist meistens noch nicht einmal in der Lage, die größten Irrtümer zu erkennen. Er lebt noch in einem selbstgemachten, arroganten Wolkenkuckucksheim.
Also hört damit auf! Das ist wirklich Blödsinn.
Abschluss und Ermutigung zur Unterstützung der Gemeindeleitung
So weit wollte ich euch bis hierher mitgeben, weil ich unsere Gemeindeleitung ermutigen möchte. Auch wenn sie im Moment ältesten Leid sind, sollen sie weitermachen, wie sie gestartet sind.
Ich möchte uns ermutigen, ihre Opferbereitschaft anzuerkennen. Wir haben unterschiedliche Gaben und Wissen, mit denen wir sie unterstützen können. Lasst uns aktiv mit ihnen zusammenarbeiten, um die Einheit zu schützen.
Amen.
