Serie•Teil 5 / 25Hebräerbrief
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Einführung in das Thema und die Leitfrage
Ja, Bibelwoche 2017, Hebräerbrief, Vortrag Nummer fünf, Kapitel drei, die Verse eins bis neunzehn.
Wir haben das jetzt schon ein paarmal gesehen, und ich will das nur ganz kurz noch einmal wiederholen. Der Hebräerbrief möchte uns zeigen, dass Jesus allen Konkurrenten um unsere Hingabe und um unsere Anbetung weit überlegen ist. Das ist so der Schwerpunkt des Hebräerbriefes: Wer ist die Nummer eins?
Und in den ersten beiden Kapiteln ging es um die Engel. Jetzt verlassen wir die Engel, das Thema ist vorbei, und wir schauen uns einmal kurz Mose an. Und wir werden feststellen: Es gibt niemanden in der unsichtbaren Welt, der Jesus das Wasser reichen kann. Aber auch in der sichtbaren Welt, ich sage mal so, in dem Reigen der Religionsstifter, da ist niemand, der ihm auch nur annähernd gleichkommt.
Der Blick auf Jesus als Zentrum des Glaubens
Hebräer 3,1 Daher, heilige Brüder, Teilhaber der himmlischen Berufung, betrachtet den Apostel und Hohenpriester unseres Bekenntnisses, Jesus.
Wenn man so einen Vers liest und weiß, dass man noch achtzehn Verse danach hat, denkt man sich: Boah, was lasse ich alles weg? Was könnte man über einen solchen Vers sagen? Also problemlos eine Predigt, völlig problemlos. Und wir müssen jetzt darüber hinweggehen, das tut mir fast ein Stück leid, aber das ist halt so.
Wir sind die heiligen Brüder, die heiligen Geschwister. Wir sind die von Gott Geheiligten, und wir sind die, die eine himmlische Berufung besitzen. Das heißt, wir sind tatsächlich noch nicht am Ziel, aber der Himmel, der Wohnort Gottes, die Begegnung mit Gott, ist unsere Bestimmung.
Von daher wünsche ich mir für Nummer zwei, dass er das sehen kann in seinem Rollstuhl. Ich weiß nicht, ob Nummer eins das noch sehen will, aber ich wünsche mir für Nummer zwei dieses zweite Beispiel, das du vorhin gebracht hast, dass er das sehen kann.
Wir haben als die Gläubigen eine himmlische Berufung. Wir sind dazu berufen, Gott zu begegnen. Wir sind noch auf dem Weg, und das macht manches kompliziert und schwer. Aber trotzdem bleibt es diese himmlische Berufung. Warum? Weil unser Anführer, wenn man das mal so will, unser Herr, ja schon am Ziel ist. Er ist schon dort oben, und er wird uns ans Ziel bringen.
Jesus als Gesandter und Hoherpriester
Daher, heilige Brüder, Teilhaber der himmlischen Berufung, betrachtet den Apostel und Hohenpriester unseres Bekenntnisses, Jesus.
Wir müssen lernen, auf Jesus zu schauen. Und so wie er hier als der Apostel bezeichnet wird, als der Gesandte – ein Apostel ist ein Gesandter –, wurde Jesus von Gott gesandt, um als Apostel zu predigen. Und zwar das, was wir Bekenntnis nennen. Er wurde außerdem als Hoherpriester von Gott eingesetzt, um die Mitte dieses Bekenntnisses zu sein.
Ein Bekenntnis ist zunächst einmal so etwas wie ein Glaubensbekenntnis. Ein Glaubensbekenntnis ist bei uns meist ein bisschen länger. In der Bibel ist das häufig eine abstrakte, ganz kurze Formulierung der wichtigsten Glaubensinhalte. Das kürzeste Glaubensbekenntnis könnte zum Beispiel heißen: „Jesus ist Herr“. Ein bisschen länger: „Jesus ist der Christus“. Das wäre ein typisches neutestamentliches Bekenntnis. Oder: „Jesus ist der Sohn Gottes“.
Und dieses Bekenntnis, unser Bekenntnis, hat seinen Ursprung in dem Herrn Jesus. Er ist derjenige, der von Gott ausgesandt wurde. Er ist der Hohepriester, der die Mitte dieses Bekenntnisses ausmacht.
Ihn anzuschauen, ihn zu betrachten und natürlich diese Betrachtung auf sich wirken zu lassen, das ist das, was unser Leben eigentlich ausmacht. Wir mögen uns um vieles drehen, aber an dieser Stelle finden wir das Zentrum unseres geistlichen Lebens: ihn anzuschauen, ihn zu betrachten als den, der er wirklich ist.
Deswegen ist der Hebräerbrief auch so stark. Er konfrontiert uns mit einer Christologie, die uns intellektuell wahrscheinlich an manchen Stellen überfordert, uns aber mindestens herausfordert, mehr über Jesus nachzudenken. Und das macht diesen Brief so stark.
Wenn ihr am Ende hinausgeht und nur das mitnehmt, dass ihr sagt: Ich muss mehr über Jesus nachdenken. Ich muss mir ab und an mal eine Viertelstunde Zeit nehmen, auf einen Kaffee, einfach nur mit Jesus. Dann hat der Hebräerbrief sich schon gelohnt.
Mose im Vergleich zu Christus
Jesus, Vers 2, der treu ist dem, der ihn dazu, nämlich zum Apostel und Hohen Priester, gemacht hat, dass es Gott der Vater, also der Sohn, dem Vater treu ist, wie auch Mose in seinem ganzen Haus. Das ist das Volk Israel.
Mose war treu, sagt der Vers, und Jesus war es auch. Aber im direkten Vergleich, wenn man die beiden jetzt nebeneinander hält, ist Jesus Mose trotzdem überlegen.
Man kann sich vorstellen, dass für so einen typischen Juden die Helden der Kinderstundenzeit Mose waren. Ja, Abraham wahrscheinlich, Mose und dann noch so ein paar wildere Typen wie Simson, Jephthah und David oder so etwas. Aber Mose war bestimmt ganz vorne mit dabei. Und er war treu. Der hat vierzig Jahre in der Wüste seinen Dienst gemacht, unter schwierigsten Umständen.
Aber Jesus ist nicht nur genauso treu, sondern er ist ihm überlegen, Vers 3, denn er ist größerer Herrlichkeit gewürdigt worden als Mose. Wenn wir von Mose begeistert sind, wie er seinen Dienst tut, dann können wir noch begeisterter sein von Jesus.
Insofern kommt jetzt ein schöner Vergleich: größere Ehre als das Haus hat der, der es erbaut hat. Jetzt müsst ihr kurz mal nachdenken, was das denn für ein komischer Vergleich ist.
Also, Jesus besitzt mehr Herrlichkeit als Mose. Ich versuche es noch einmal mit eigenen Worten zu bringen: Ein Bauherr bekommt mehr Ehre als das Bauwerk. Aber jetzt wird es klar, oder? Egal, wie großartig ein Bauwerk ist, und es gibt tolle Bauwerke, stell dir irgendetwas vor, was dir wirklich gefällt, irgendetwas Fettes, Großes, wo du sagst: Boah, wie haben sie das gemacht? Aber egal, wie großartig ein Bauwerk ist, der Erbauer ist noch großartiger, weil er sich das Bauwerk ja ausgedacht hat. Er hat den Bau umgesetzt. Und wenn man ehrlich ist, in dieses eine Bauwerk ist ja nur ein Bruchteil seiner Genialität eingeflossen. Da ist ja noch etwas übrig für noch eins und noch eins und noch eins.
Und deswegen dieser Vergleich: Der, der ein Haus baut, hat mehr Ehre als das Haus. Das ist erst einmal nur der Vergleich. Und jetzt geht er in Vers 4 einen Schritt weiter: Denn jedes Haus wird von jemandem erbaut. Alles, was wir sehen, hat jemand gemacht. Der aber alles erbaut hat, ist Gott.
So, jetzt liegen wir in Vers 3 und 4 zusammen. Wenn jeder Bauherr, der ein Haus baut, Ehre bekommt, wie viel Ehre steht dann Gott zu, der alles erbaut hat? Na ja, die meiste Ehre. Irgendwie logisch.
Und das ist das Problem, das Mose hat. Mose kann so toll sein, wie er nur irgendwie es schafft, toll zu sein, aber er wird nie an die Herrlichkeit Gottes heranreichen. Kein Geschöpf kann dem Schöpfer in puncto Herrlichkeit das Wasser reichen. Egal, was wir in diesem Leben leisten, egal, wie treu wir Gott dienen, wir spielen einfach nicht in derselben Liga wie Gott.
Und deswegen: Mose, du bist toll. Mose, du warst treu. Mose, du hast Irres geleistet. Aber im Vergleich zu Jesus kommst du einfach nicht ran. Gott ist der Schöpfer, und wir sind die Knechte. Und deswegen muss selbst ein Mose im direkten Vergleich mit Jesus einfach schlechter abschneiden.
Mose als Vorbild und die Idee der Typologie
5 Und Mose war zwar in seinem ganzen Hause, wie gesagt, das ist das Volk Israel, als Diener treu zum Zeugnis von dem, was verkündigt werden sollte.
Mose war treu, und mit seinem Leben war er ein Zeugnis auf Jesus hin. Ich weiss nicht, ob ihr euch im Alten Testament an eine Verheissung erinnert. Mose bekommt die Verheissung, dass es einmal einen Propheten wie ihn geben würde. Das schwingt auch im Neuen Testament noch nach. Johannes der Täufer tritt auf, und dann schickt man zu ihm Diener, die einmal nachfragen: Wer bist du denn? Bist du der sowieso? Und dann heisst es unter anderem: Bist du der Prophet?
Israel wartete also darauf, dass ein Prophet aus ihren eigenen Reihen aufstehen würde, wie Mose. Und dieser zweite Mose, quasi, der sollte einen zweiten Exodus anführen und einen neuen Bund mit Gott schliessen. Diese Prophetie aus 5. Mose 18,15 erfüllt sich in Jesus. Mose ist mit seinem Leben also ein Vorbild auf das hin, was sich dann in Jesus erfüllt.
Mose befreit das Volk aus Ägypten, und Jesus befreit ein anderes Volk aus der Knechtschaft des Teufels. Mose schliesst einen Bund mit Gott am Sinai, und Jesus setzt mit einem anderen Volk, mit den Gläubigen, einen neuen Bund ein.
Merkt euch mal dieses Wort Typologie. Wenn man im Alten Testament, und das können ganz unterschiedliche Dinge sein, Personen oder Plätze oder Ämter, auch Feste oder allgemeine Ereignisse hat, die sich im Neuen Testament nochmals auf eine besondere Weise verwirklichen, dann spricht man von Typologie. Also: Mose im Alten Testament wird zu Jesus im Neuen Testament. Der Auszug aus Ägypten ist ein Beispiel dafür, dass Gott retten kann. Er wird im Neuen Testament mit der Befreiung aus der Sklaverei, der Sünde und der Knechtschaft unter dem Teufel nochmals in einer viel grösseren Weise erfüllt.
Diese Verbindung zwischen Vorbild im Alten Testament und Erfüllung im Neuen Testament, oder mit dem Kolosserbrief gesprochen: ein Schatten im Alten Testament, der Körper im Neuen Testament, das kann man gut nachvollziehen. Wenn ich so einen Körper habe und jetzt so, dann sieht man hier einen Schatten. Und wenn man nur den Schatten sieht, kann man sich vielleicht vom Umriss her denken: Na, könnte der Fischer sein. Es sieht noch nicht ganz aus wie der Körper, aber es ist ein Hinweis.
Und so gibt es im Alten Testament Hinweise auf das, was sich im Neuen Testament dann in der Gestalt gerade des Herrn Jesus, aber auch der Gemeinde oder überhaupt heilsgeschichtlicher anderer Ereignisse verwirklicht. Das nennt man Typologie. In diesem Sinne ist Mose als ein treuer Diener einer, der Zeugnis gibt von dem, was verkündigt werden sollte.
Wir schauen uns sein Leben an, und wir merken: Da sind ganz viele Bezüge schon auf Jesus da. Und im Leben Jesu erfüllt sich das dann.
Christus als Sohn und die Gemeinde als Gottes Haus
Mose war treu, und er hat diese besondere Bedeutung in der Geschichte. Er war treu in seinem ganzen Haus. Vers 6: Christus aber als Sohn über sein Haus.
Merkt ihr: Mose war zwar in seinem ganzen Haus treu, dann steht da aber als Diener. Christus aber als Sohn, das ist der Unterschied. Mose ist der treue Diener, Christus aber der treue Sohn.
Und dann fährt Vers 6 fort: Sein Haus sind wir. Das Haus des Mose war das Volk Israel, wir als Gemeinde sind das Haus des Christus, das Haus Gottes. Sein Haus sind wir, wenn wir die Freimütigkeit und den Ruhm der Hoffnung bis zum Ende standhaft festhalten.
Haus: Wenn das hier so heißt, „Wir sind Haus Gottes“, dann wird der Begriff wie im Alten Testament verwendet. Haus steht für Haushalt, für Familie. Wir sind Gottes Familie.
Jetzt kommt eine Einschränkung, und diese Einschränkung schmeckt uns erst einmal nicht. Die Einschränkung lautet: wenn wir die Freimütigkeit und den Ruhm der Hoffnung bis zum Ende standhaft festhalten. Wir mögen keine Einschränkungen. Wir wollen bedingungslos geliebt werden, wir wollen drin sein, wir wollen nicht so etwas wie wenn. Aber es steht da, und deswegen müssen wir uns darüber unterhalten. Wir können ja nicht so tun, als würde es da nicht stehen.
Also: Sein Haus sind wir, wenn wir die Freimütigkeit und den Ruhm der Hoffnung bis zum Ende standhaft festhalten. Schauen wir uns die zwei Begriffe einmal an.
Der Begriff Freimütigkeit könnte man auch mit Zuversicht übersetzen, und ihr werdet merken, dass der Begriff Zuversicht vielleicht ein Stück kerniger ist, um den Begriff nachher zu packen. Der Begriff Freimütigkeit hat mit einer inneren Festigkeit zu tun, einer inneren Festigkeit, die sich nach außen zeigt, zum Beispiel dadurch, dass man öffentlich für seinen Glauben einsteht. Wenn ich Freimut habe, dann traue ich mich zu sagen: Ja, ich bin Christ.
„Schluck meine Angst runter, mach das!“ Aber im Hebräerbrief gibt es auch die Freimütigkeit, uns Gott zu nahen. Also: Der Freimütige steht für seinen Glauben ein, aber er wendet sich auch ohne Scheu an Gott im Gebet. Freimütigkeit traut sich etwas, weil sie auf Gott vertraut.
Und diese Freimütigkeit, sagt jetzt der Hebräerbrief, gilt es festzuhalten. Sie ist Ausdruck der Echtheit unseres Glaubens. Wenn wir uns zurückziehen, wenn wir nicht mehr gerne für Gott Stellung beziehen, ein Stückchen ängstlich werden oder unser Gebetsleben schleifen lassen, dann sind das keine guten Zeichen. Dann ist irgendetwas faul. Wie faul, muss man dann sehen.
Das Zweite: Wir müssen zwei Sachen festhalten. Einmal die Freimütigkeit und dann den Ruhm der Hoffnung. Das ist eine etwas vertrackte, nicht ganz so einfache Formulierung. Es geht um das, wessen ich mich rühme. Es geht um etwas, womit ich angebe. Wenn ich mich einer Sache rühme, dann ist das etwas, was mich ganz arg freut.
Das siehst du, wenn, also bei Männern sehe ich es immer, wenn sie sich ein neues Auto kaufen. Oder bei meinem Schwiegersohn habe ich es gesehen, als der bei der Hochzeit sich ein Auto geliehen hat. Jungs leihen sich dann immer so ein Auto aus, eines, was sie immer schon mal fahren wollten. Und das siehst du ihnen in den Augen, dass sie begeistert sind. Das ist etwas, worüber sie sich richtig freuen: Schau, ich habe mir ein Sechser-Cabrio ausgeliehen für meine Hochzeit. Einfach toll!
Darum geht es, um diese Idee: Da gibt es etwas, da freue ich mich richtig. Der Ruhm der Hoffnung ist die feste Überzeugung, dass das Beste noch kommt. Ich freue mich, ich habe Hoffnung auf die Ewigkeit. Das Beste kommt noch. Die Freude auf eine Ewigkeit, für die man in der Gegenwart gern auch Nachteile in Kauf nimmt.
Also zwei Dinge gilt es festzuhalten bis zum Schluss: Auf der einen Seite dieses feste Vertrauen in Gott und dann das zweite, eine Begeisterung für die Ewigkeit. Oder wenn man es noch ein bisschen kürzer fassen will: Ein Gläubiger weiß, wem er glaubt. Und daraus speist sich diese Festigkeit. Ich weiß, wem ich glaube, und ich weiß, worauf ich hoffe.
Ich lebe schon gar nicht mehr so richtig hier. Ich bin schon so mit einem halben Schritt hier drüben. Ja, ich muss hier noch ein paar Sachen erledigen, aber eigentlich lebe ich schon hier in der Zukunft und denke schon darüber nach: Boah, wie wird das sein, wenn das alles hier vorbei ist?
Diese zwei Dinge sind für jemanden, der rettenden Glauben hat, völlig normal und gehören eigentlich zu seiner Standardausstattung. Festhalten, das war das Stichwort. Rettender Glaube hängt an Gott, weil Gott mein Ein und Alles geworden ist, und rettender Glaube hängt an der Welt, die kommt, weil diese Welt hier vergehen wird. Und das hat der, der glaubt, verstanden.
Die Wüstenwanderung als Warnung für die Gemeinde
Wir sind dazu berufen, sagt der Text, Gottes Haus, Gottes Familie zu sein. Und jetzt die Frage: Was ist, wenn es in der Gemeinde Geschwister gibt, die in der Gefahr stehen, sich so zu verhalten wie Israel in der Wüste?
Vielleicht ein kurzer Rückblick. Die ersten fünf Bücher Mose habt ihr vielleicht lange nicht mehr gelesen. Aber ich denke, die wesentlichen Punkte sind uns noch vor Augen. Das Volk Israel erlebt allen Segen Gottes, den man sich irgendwie nur vorstellen kann. Sie sind geknechtete Sklaven, und Gott greift auf wundersame Weise in ihr Schicksal ein: die zehn Plagen, dann der Exodus, die Wolken- und die Feuersäule, dann wird das ägyptische Heer vernichtet. Gott schliesst am Berg Sinai einen Bund mit ihnen, einen Bund mit gerechten Opfern, mit gerechten Geboten, mit Festen. Dann haben sie Durst, Wasser aus dem Felsen. Sie haben Hunger, Manna, Wachteln. Kleidung, die nicht verschleisst. Dann heisst es später auch noch, ein Fuss, der nicht anschwillt. Du kannst so viel laufen, wie du willst, und irgendwie kriegst du nie Blasen. Einfach toll. Gottes Hilfe im Kampf gegen feindliche Heere: Alles ist da.
Eine Sache fehlt: Glaube. Gott gibt, und sie nehmen, aber sie glauben nicht. Und in ihrer Not, wenn sie die Kundschafter in das verheissene Land schicken und sehen, wer da wohnt und wie gefährlich es ist, dieses Land zu erobern, da fehlt ihnen Freimütigkeit oder eben Zuversicht. Sie glauben nicht, dass Gott ihnen helfen kann. Und plötzlich merkt man auch: Sie freuen sich gar nicht so richtig auf das verheissene Land. Da ist keine Hoffnung, da ist nur so eine merkwürdige Mischung aus Angst und Misstrauen. Misstrauen gegen Gott und Angst vor den Schwierigkeiten, die da auf sie zukommen könnten, für den Fall, dass man doch versucht, das Land Kanaan zu erobern.
Also Misstrauen und Angst anstatt Zuversicht. So dieses: Boah, was habe ich für einen Gott, das wird schon. Und Freude: Ha, bin mal gespannt, wie das wird. Ja, schönes Land. Oh, hab’s mir angeschaut, riesig. Ja, tolle Bäume. Ja, tolle Felder. Und das fehlt, das ist nicht da. Angst und Misstrauen statt Freude und Zuversicht.
Jetzt ist die Frage: Was, wenn wir diese Mischung aus Misstrauen und Angst im Leben von Geschwistern in der Gemeinde wiederfinden? Das eine ist, dass wir es im Alten Testament lesen. Aber was, wenn wir es vielleicht bei einer lieben Freundin feststellen oder bei einem lieben Freund?
Och, gibt es nicht. Doch, ich glaube schon. Ich glaube, dass es Gemeindeglieder gibt, deren Glaubensleben davon geprägt ist, dass sie im Grunde ihres Herzens Gott misstrauen und ängstlich, fast hoffnungslos leben. Sie können sich gar nicht an Gott oder an der Ewigkeit so richtig freuen. Sie sind ständig irgendwie mit ihren Alltagsproblemen beschäftigt. Und sie tun irgendwie so, als würde es weder Gebet geben noch die Ewigkeit, sondern nur ihre aktuellen Schwierigkeiten. Das ist das, worauf sie völlig fixiert sind. Klagen, stöhnen, immer ein bisschen unzufrieden mit dem Leben. Aber wenn man dann sagt: Hey, komm, jetzt mal eine Portion beten und fasten, das wird schon. Ja, das wollen sie dann auch nicht. So eine komische Mischung. Ich weiss nicht, ob ihr jemanden kennt, der so ist.
Mir geht es darum, dass wir hier den Hebräerbrief haben, und ihr ahnt das schon: Was jetzt kommt, ist eine Warnung an solche scheinheiligen Christen, eine ganz derbe Warnung. Und das ist eigentlich Kapitel drei und Kapitel vier. Das ist so ein grosser Block.
Die Warnung vor verhärtetem Herzen
Hebräer 3,7. Deshalb, wie der Heilige Geist spricht, ein Zitat aus Psalm 95, die Verse 7 bis 11: „Heute, wenn ihr seine Stimme hört, heute, wenn ihr seine Stimme hört“ – das Hören ist im Fall der Briefempfänger natürlich das Lesen, das Lesen des Psalms. Heute, wenn ihr seine Stimme hört, wenn ihr das jetzt lest.
Vers 8: Verhärtet eure Herzen nicht, wie in der Erbitterung am Tage der Versuchung in der Wüste. Da gab es Ereignisse in der Wüste, wo in Meribah und in Massa – so hießen die Orte –, wo sie das wirklich geschafft hatten, Gott zu erbittern, Gott zu versuchen. Verhärtet eure Herzen nicht! Das Verhärten eines Herzens macht es für Gottes Reden unempfänglich. Wer ein verhärtetes Herz hat, der will nicht das tun, was Gott sagt.
Und rund um den Exodus, rund um den Auszug aus Ägypten, und das ist das Brutale: Erst ist es der Pharao, der sein Herz verhärtet, und dann zwingt Gott ihn trotzdem, die Ägypter loszulassen, die Israeliten loszulassen. Also: Der Pharao verhärtet sein Herz vor dem Exodus, und dann zieht das Volk aus, und das Volk Israel verhärtet sein Herz danach. Es ist absolut traurig. Sie machen genau das nach, was ihnen der Pharao vorgemacht hat. Beide, der Pharao und die Israeliten, sie erleben beide Gottes Wunder, und beide entscheiden sich dafür, nicht zu glauben.
Vers 9 und Vers 10: Ich fange noch mal mit Vers 8 an: „Verhärtet eure Herzen nicht, wie in der Erbitterung an dem Tage der Versuchung in der Wüste, wo eure Väter mich versuchten, indem sie mich auf die Probe stellten, und sie sahen meine Werke vierzig Jahre.“ Vierzig Jahre lang gibt Gott sich zu erkennen, und von Anfang bis Ende ist diese Zeit in der Wüste davon geprägt, dass das Volk sich gegen Gott auflehnt. Es gibt eine Stelle im Alten Testament, da sagt Gott: Jetzt habt ihr schon zehnmal mich versucht, zehnmal!
Ich kann immer noch nicht die Wüstenwanderung lesen, ohne ab und zu den Kopf zu schütteln. Ich kann es einfach nicht verstehen. Deshalb zürnte ich diesem Geschlecht und sprach: Allezeit gehen sie irre mit dem Herzen. Das falsche Verhalten der Israeliten in der Wüste war nicht die Ausnahme, es war die Regel. Sie verweigern Gott immer und immer wieder Gehorsam und Nachfolge. Sie haben meine Wege nicht erkannt.
Verhärtete Herzen, die Gott versuchen und auf die Probe stellen, sind nicht in der Lage zu verstehen, was Gott eigentlich mit ihnen vorhat. Es ist eine geistliche Wahrheit, dass ich Gott nicht verstehe, wenn mein Herz hart ist. Misstrauen und Angst sind ein ganz schlechtes Fundament, wenn ich Weisheit und Weitsicht lernen möchte. Das funktioniert einfach nicht.
Der Apostel Paulus sagt einmal, dass wir nicht Kinder am Verstand sein sollen. Also: Wir sollen klug sein, wir sollen nachdenken. Aber das Entscheidende ist, dass unser Nachdenken auf Gott ausgerichtet sein muss, dass wir ein weiches Herz haben müssen, ein Herz, das wirklich hören will, das nicht einfach nur irgendetwas zu Gott sagt und schon vorher die Entscheidung getroffen hat: Egal, was Gott mir sagt, ist mir eh egal. Sondern wir brauchen ein weiches Herz.
Und dann fangen wir an, über Gott nachzudenken, und dann interessiert uns auch: Was ist der Wille Gottes für mein Leben? Dann bin ich in der Lage, seine Wege zu erkennen. Das Volk in der Wüste, sie aber haben meine Wege nicht erkannt. Warum? Weil sie zu dumm waren? Nein, weil sie ein verhärtetes Herz hatten.
Wo das fehlt, dass ich die Wege Gottes mit mir nicht erkenne, wo wir uns in unseren Gedanken um unsere eigenen Ängste drehen, ohne dass wir ein festes Vertrauen in Gott haben und ohne eine Hoffnung, da wird es uns, egal für wie gläubig wir uns selber halten, zu ergehen wie dem Volk Israel in der Wüste.
Die Bedeutung der Ruhe und ihre geistliche Weite
Vers 11: So schwor ich in meinem Zorn: Sie sollen nimmermehr in meine Ruhe eingehen.
Das war das Urteil. An dieser Stelle ist das Zitat aus dem Alten Testament auch vorbei. Das war das Urteil Gottes über das Volk Israel in der Wüste: nimmermehr in meine Ruhe eingehen.
Frage: Was ist mit dieser Ruhe gemeint? Zuerst einmal ist es das verheißene Land, also Kanaan, in das sie nicht hineingehen durften, und zwar alle die, die sich gegen Gott aufgelehnt haben.
Darf ich bitte mal haben 5. Mose 12, die Verse 9 und 10? Da wird klar, dass aus der Perspektive der Wüstengeneration das Land Kanaan die Ruhe ist, auf die sie zulaufen.
5. Mose 12, Verse 9 und 10:
Denn ihr seid bis jetzt noch nicht zu der Ruhe und zu dem Erbteil gekommen, das der Herr, dein Gott, dir gibt. Merkt ihr: Ruhe, Erbteil. Seid ihr aber über den Jordan gezogen und wohnt in dem Land, das der Herr euch erben lässt, und hat er euch Ruhe verschafft vor all euren Feinden ringsum, dass ihr sicher wohnt.
Ein Land, ein Erbteil, wo meine Feinde mir nichts anhaben können. Das ist erst einmal die nächste Füllung für den Begriff Ruhe. Also rückblickend auf das Volk in der Wüste ist Ruhe das befriedete Land Kanaan.
Aber Achtung, wir sind noch nicht fertig. Wer jetzt müde ist, versucht mal kurz wach zu sein, okay?
Also: Für das Volk in der Wüste ist die Ruhe das Land Kanaan. So, jetzt gehen wir einen Schritt weiter. Psalm 95 ist ja später geschrieben. Also, als Psalm 95, der gerade zitiert wurde, geschrieben wurde, waren die Israeliten bereits in Kanaan angekommen, und sie hatten das Land schon besiedelt.
Jetzt haben wir ein Problem. Hier wird etwas gesagt über eine Ruhe. Man denkt zurück: Oh, das war wie damals. Damals war die Ruhe das Land Kanaan. Aber jetzt sind wir ja schon in Kanaan. Ja, was machen wir jetzt?
Wir verstehen erst einmal, dass die Auslegung und die Anwendung des Psalms, wenn es um den Begriff Ruhe geht, über diese ganz simple Gleichsetzung „Ruhe ist Land“ hinausgeht. Das muss irgendwie noch ein bisschen mehr sein. Es muss darüber hinausgehen.
Die, die den Psalm gesungen haben, waren in Kanaan, hatten das Land eingenommen, und doch spricht der Psalm zu ihnen und sagt: Verhärtet eure Herzen nicht, passt auf, dass euch das nicht passiert. Und am Ende heißt es: Wenn ihr das doch tut, werdet ihr nicht in meine Ruhe eingehen.
Was ist da gemeint? Die Idee hinter Psalm 95 ist die: Auf der einen Seite sollen die Zuhörer sich mit ihren Vätern in der Wüste identifizieren und aus deren Fehlern lernen. Und jetzt pass auf: Damit der Schwur Gottes am Ende des Psalms, so schwor ich in meinem Zorn, sie sollen nimmermehr in meine Ruhe eingehen, damit dieser Schwur am Ende des Psalms für die, die den Psalm im Gottesdienst gesungen haben, eine Bedeutung bekommt, muss man wovon ausgehen? Richtig: dass es noch eine Ruhe gibt.
Dass man körperlich in der Ruhe, das heißt im Land Kanaan, angekommen sein kann, ohne dass man geistlich dort wirklich ist. Der Psalm spricht mit Hinweis auf die Wüstengeneration Gläubige an, die viel später gelebt haben, und er warnt sie davor, nicht denselben Fehler zu begehen. Er warnt sie davor, die Ruhe zu verpassen, und bringt damit zum Ausdruck, dass Ruhe, so wie das im Psalm 95 verstanden sein muss, viel mehr ist als nur ein Stück Land in Kanaan.
Das heißt, der Psalm weist prophetisch über die Wüstenwanderung hinaus auf eine geistliche Realität. Er will, dass Leute, die zur Zeit, was weiß ich wann der Psalm geschrieben wurde, er ist von David, nehmen wir mal an, zur Zeit Davids gelebt haben, dass sie in eine Ruhe eingehen, die mehr ist als nur nach Kanaan kommen. Und er warnt davor, in diese Ruhe nicht einzugehen, wenn man sein Herz verhärtet.
Wir werden das noch sehen im zweiten Vortrag: Ruhe beschreibt mein Angekommensein bei Gott. Man kann, und das ist die Gefahr, auf die jetzt das Beispiel der Israeliten in der Wüste hinweist, äußerlich einer Gemeinschaft angehören. Man kann ein Land besitzen oder einen Psalm singen und doch steckt in einem vielleicht ein hartes Herz, das Gott versuchen und auf die Probe stellen will.
Und jetzt die Übertragung. Die Übertragung geht so: Was für die Gemeinschaft der Gottesdienstbesucher, die diesen Psalm gesungen haben, galt, das gilt auch für die neutestamentliche Gemeinde. Man kann äußerlich in der Gemeinschaft der Gläubigen angekommen sein, das heißt, in einem Hauskreis sein, an einem Gottesdienst teilnehmen, bei einer Bibelwoche sein, Bibel TV schauen und was auch immer. Und doch kann es sein, obwohl man äußerlich in der Gemeinschaft der Gläubigen angekommen ist, dass man geistlich immer noch im Abfall vom lebendigen Gott lebt.
Die seelsorgerliche Warnung an die Gemeinde
Vers zwölf macht das deutlich, und das ist einer der Verse, bei denen ich mir denke: Boah, die liegen schwer auf meiner Schulter. Ihr werdet das heute Abend noch merken. Ich finde das Thema seelsorgerlich extrem bedrückend.
Seht zu, Brüder, dass nicht etwa in jemandem von euch ein böses Herz des Unglaubens sei im Abfall vom lebendigen Gott.
Dieser Brief ist an eine Gemeinde geschrieben. Und dann so ein Satz: Das ist die Angst des Autors, dass sich in der Gemeinde Geschwister für Geschwister halten, in Wirklichkeit aber überhaupt nicht errettet sind, sondern anstelle eines neuen Herzens, das Gott liebt, immer noch ein böses, eigenwilliges, ungläubiges Herz mit sich herumtragen, das, auch wenn man das vielleicht gar nicht so mitbekommt, unterschwellig permanent gegen Gott rebelliert.
Frage: Was ist das Gegenmittel?
Das Gegenmittel findet sich in Vers dreizehn: sondern ermuntert. Und ihr wisst schon, das Wort kann auch mit ermahnt übersetzt werden. Ich habe euch gesagt, das bedeutet, jemandem den richtigen Schubs in die richtige Richtung zu geben, je nachdem, was er braucht. Es kann ein Tritt in den Hintern sein, es kann ihn in den Arm nehmen, es kann ihn trösten, egal was. Aber dieses Ermuntert einander jeden Tag, solange es heute heißt, damit niemand von euch verhärtet werde durch Betrug der Sünde.
Was ist das Gegenmittel gegen die Verhärtung? Das Gegenmittel ist Gemeinschaft, eine Gemeinschaft, die aufeinander Acht hat. Eine Gemeinschaft, die mitbekommt, dass da etwas im Leben der Schwester oder des Bruders nicht stimmt, und die sich traut, nachzufragen. Die sich traut, den positiven Impuls zu geben, den der andere braucht.
Die Verhärtung des Herzens ist ein Prozess, den man stoppen kann. Das ist das Gute an diesem Vers. Wenn du das mitbekommst und derjenige noch nicht völlig weg vom Glauben ist, dann ist da noch eine Chance. Man kann diesen Prozess aufhalten.
Man muss allerdings begreifen, dass an so jemanden zwei Kräfte ziehen. Auf der einen Seite die Sünde: weg von Gott, Ungehorsam, Unglaube. Das sind Betrüger, heißt es hier, durch den Betrug der Sünde. Also Ungehorsam und Unglaube sind Betrüger, die uns einreden wollen, dass wir besser wissen, was für uns gut ist, als Gott selber. Die ziehen weg von Gott.
Und dann auf der anderen Seite muss man selber ziehen. Das ist die Bruderliebe: gläubige Menschen, die mich warnen, gläubige Menschen, die mich einladen, die ganze Sache mit Gott zu machen. Kennt ihr dieses Spiel Tauziehen? Es ist wie so ein Tauziehen. Auf der einen Seite zieht die Sünde und will mich so über die Mitte ziehen, und auf der anderen Seite ist die Gemeinde und sagt: Nee, den geben wir nicht her, das wollen wir doch nicht.
Das wird hier beschrieben. Menschen, die noch nicht ganz in der Gemeinde angekommen sind und die dabei sind, wieder rauszuflutschen, und die Gemeinde springt hinterher und sagt: Nee, bleibt mal drin, ja, mach das nicht. Lass dich dazu ermuntern, lass dich einladen, die ganze Sache mit Gott zu machen. Schau, dass du nicht nur äußerlich dazugehörst, sondern dass du innerlich mit Christus eins wirst, denn darum geht es.
Äußerlich kann man sofort zu einer Gemeinde gehören. Aber innerlich, wie sieht es innerlich aus?
Teilhabe an Christus und die Frage nach der Echtheit
In Vers 14 heißt es: Denn wir sind Teilhaber des Christus geworden. Teilhaber des Christus – diese Frage stellt sich: Teile ich mit meinem Bruder, wenn wir Gottesdienst feiern, nur das Liedgut und den Raum und, ich sage es mal, die Liebe zum Kuchen danach? Oder teilen wir den Christus, weil wir Teil einer Familie sind und durch den Geist Gottes verbunden sind, der uns in Christus eins macht? Wir sind Teil am selben Leib Christi. Das ist die Frage.
Denn wir sind Teilhaber des Christus geworden, wenn wir die anfängliche Grundlage bis zum Ende standhaft festhalten. Ihr erinnert euch an die Grundlage aus Vers 5: Freimut und Ruhm der Hoffnung. Das ist die Grundlage, um die es hier geht. Die müssen wir festhalten.
Ich hatte gesagt: Der Scheinheilige begegnet Gott mit Misstrauen und Angst, der Gläubige begegnet Gott mit einer inneren Festigkeit und mit einer tiefen Freude auf die Ewigkeit. Und ich kann nur sagen: Achtung, Achtung, wenn das im Leben eines Gläubigen – und jetzt könnte man auch sagen: eines Gläubigen, mit Anführungs- und Schlusszeichen – fehlt. Es kann wirklich sein, dass dann jemand, obwohl er schon lange in der Gemeinde ist, noch gar nicht bekehrt ist.
Und ich möchte sagen: Achtung, Achtung bei Christen, die einen guten Start hingelegt haben und dann irgendwann anfangen, anders zu werden. Ich zähle mal ein paar Dinge auf, die mir so aufgefallen sind, wo ich glaube, dass sich dahinter eine grundsätzliche misstrauische und auch ängstliche Art im Umgang mit Gott verbirgt.
Achtung, wenn dann Leute plötzlich anfangen, ganz kritisch zu werden, alles in Frage zu stellen, auf so eine ganz komische Art immer unzufrieden sind oder Zweifel bekommen. Wenn sie in ihrer eigenen geistlichen Entwicklung immer so auf der Stelle treten, dass du an Leute denkst: Du bist jetzt dreißig Jahre Christ, dreißig Jahre hat der Heilige Geist Zeit gehabt, an dir zu arbeiten. Liebe, Freude, Friede – so richtig viel Veränderung sehe ich nicht.
Das ist irgendwie etwas ganz Komisches, wo man sich ehrlich die Frage stellen darf: Was ist denn da? Und wenn Geschwister dann nicht regelmäßig in den Gottesdienst kommen – das werden wir erst nächstes Jahr sehen, das ist dann Hebräer Kapitel zehn –, so auf eine ganz merkwürdige Weise im Hier und Jetzt fixiert sind, wie groß meine Probleme sind. Dann denkst du dir: Du erzählst mir ständig von deinen Problemen. Erzähl mir doch mal davon, wie groß Jesus für dich ist. Das interessiert mich.
Probleme, ganz ehrlich, ja, komm, wir beten mal schnell drüber. Aber erzähl mir etwas davon, was wirklich in deinem Leben zählt. Und du merkst, dass das, was wirklich zählt, das ist, was in dieser Welt ist, und nicht das, was kommt. Wenn dann noch Sünde dazukommt, dann wird es ganz gefährlich.
Das abschließende Urteil über Unglauben
In Hebräer 3,15-18 wird gesagt: „Heute, wenn ihr seine Stimme hört, verhärtet eure Herzen nicht wie in der Erbitterung.“ Wer hat denn gehört und sich aufgelehnt? Waren es nicht alle, die durch Mose aus Ägypten ausgezogen waren? Ja, genau die waren es.
Welchen aber zürnte er vierzig Jahre lang? Nicht denen, welche gesündigt hatten, deren Leiber in der Wüste fielen. Ja, sie mussten alle in der Wüste sterben. Und niemand von ihnen durfte in das verheißene Land eingehen.
Welchen aber schwor er, dass sie nicht in seine Ruhe eingehen sollten? Wenn nicht denen, die ungehorsam gewesen waren.
Also, was man sieht, ist der Ungehorsam. Aber was dahinter steckt, das ist der Unglaube. Nur den kann man nicht sehen, das ist das Problem. Oder man kann ihn manchmal erahnen. Aber wenn, wie gesagt, so ein komisches Verhalten da ist und dann am Ende noch Sünde dazukommt, dann ist das echter Ungehorsam. Ganz vorsichtig, denn die Folge davon ist Vers 19. Und wir sehen, dass sie wegen des Unglaubens nicht hineingehen konnten.
Diese Generation konnte also doppelt nicht hineingehen: Sie kam weder im Land an, also in der billigen Version der Ruhe, noch bei Gott. Weil der Glaube beides verhindert hat. Mehr dazu im nächsten Vortrag, das Thema geht weiter.
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