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Lukas 23,44-54

Lukas 23,44-23,5415.04.2013
Serie•Teil 50 / 53Lukas-Evangelium
Wenn alles dunkel wird, zählt nur noch eins: Bist du wirklich auf Jesu Seite? Das Kreuz fragt nicht nach frommen Worten, sondern nach echter Nachfolge – mit allem, was du bist.

Ein Blick auf das Kreuz und die Frage nach echter Nachfolge

Was soll ich sagen: Wir nähern uns dem Ende des Lukasevangeliums. Wir können schon einmal ganz langsam überlegen, was wir daraus mitnehmen wollen.
Beim letzten Mal haben wir uns angeschaut, wie Jesus am Kreuz, inmitten von Verachtung, Schmerz und Leid, einen Blick für den Einzelnen hat. Wie man in so einem Moment, in dem man selbst leidet, eigentlich das Recht hätte, sich nicht um andere zu kümmern. Man hat ja selbst gerade mit sich so viel zu tun. Und doch haben wir gesehen, wie Ehrlichkeit und Vertrauen bei einem Einzelnen, dem sogenannten Schächer am Kreuz, wirken. Vielleicht habt ihr das schon einmal gehört: Schächer ist ein Wort, das wir heute nicht mehr gebrauchen. Es ist ein veraltetes Wort für Verbrecher. Der Schächer am Kreuz ist also der, der neben Jesus gekreuzigt wird. Und Jesus hat einen Blick für diese eine Person. Das hat uns beim letzten Mal fasziniert.
Zugegebenermassen: Das, was mit dem Schächer am Kreuz passiert, dass da einer in der Zeit der Not nach diesem Strohhalm Jesus greift und wirklich umkehrt, das ist leider unter dem Kreuz die Ausnahme. Und so lesen wir heute weiter in Lukas 23,44-45.
Da heisst es: Es war aber um die sechste Stunde, und es kam eine Finsternis über das ganze Land bis zur neunten Stunde, wobei die Sonne sich verfinsterte.
Und ich hoffe, es passt. Die letzten Wochen hätte man das nicht gut predigen können, aber heute geht es, weil heute glauben wir alle daran, dass es die Sonne tatsächlich noch gibt. Wir können rausschauen, wir müssen sogar die Rollos ein bisschen runter machen. Und jetzt stellt euch vor: Es ist die sechste Stunde. Es ist Mittag, und mit einem Mal wird es dunkel. Es wird so richtig ein Stückchen gruselig.
Ihr müsst euch ja vorstellen: Das ist ja nicht so, dass dann die Strassenbeleuchtung angeht. Es wird einfach dunkel. Keiner rechnet damit. Und es ist auch nicht eine Sonnenfinsternis, bei der man sagt: Okay, jetzt warten wir mal zwei Minuten, dann ist alles wieder vorbei. Sondern es wird dunkel, und die Dunkelheit hält für drei Stunden an. Drei Stunden Nacht mitten am Tag. Könnt ihr euch das vorstellen?
Ihr geht gerade raus in die Sonne, heute Nachmittag, mit eurer Liebsten oder eurem Liebsten, macht einen schönen Spaziergang, und dann: Stopp, es ist dunkel. Und ihr denkt: Hallo, wo bin ich hier? Wartet ein bisschen, es wird nicht besser. Es bleibt einfach von Mittag bis etwa drei Uhr nachmittags dunkel.
Frage: Was soll das? Jesus hängt am Kreuz, und es wird dunkel. Warum bitteschön?
Woran denkt ein Israelit, wenn er hört: Es wird dunkel, die Sonne geht aus? Was denkt ein Israelit? Das ist ja nicht für uns geschrieben. Wenn wir daran denken, weiss ich, was euch kommt. Aber woran denkt ein Israelit?
Die Antwort könnte sein: Vielleicht denkt er an den Auszug aus Ägypten. Da war die neunte Plage eine Sonnenfinsternis. Das könnte sein. Aber ich glaube, er denkt noch an etwas ganz anderes, und zwar an etwas, was das Alte Testament den Tag des Herrn nennt.
Wer von euch das Alte Testament gelesen hat oder jetzt bei dem AT-Kurs mitmacht: Wir sind im zweiten Teil des Alten Testaments, wir gehen hinein in die Propheten, wir werden auch viele kleine Propheten lesen. Da gibt es den Tag des Herrn. Das ist so ein feststehender Begriff, der Tag des Gerichts. Der Tag, an dem Gott kommt und Gericht übt.
Und wenn man sich die Beschreibungen durchliest, wo es um den Tag des Herrn, um den Tag des Gerichts geht, dann taucht eigentlich immer ein Symbol auf, eine Sache, die so regelmässig mitbeschrieben wird, die dem Tag des Herrn eigentlich vorangeht, wie so ein Zeichen: Wenn das kommt, dann könnte bald ein Gerichtstag kommen. Und das ist eine Sonnenfinsternis.
Ich zeige euch das mal kurz: Joel 2,10-13, glaube ich. Kann ich das mal haben? Genau. Joel 2 und dann die Verse 10 bis 13 bitte.
Da wird so ein Gericht beschrieben, und wenn Gott richtet, dann kann das ganz unterschiedlich sein. Hier geht es um ein Gericht in Form eines Heuschreckenschwarms, und trotzdem ist das Symbol der Verfinsterung der Sonne dabei. Da heisst es: Vor ihnen erbebt die Erde, erzittert der Himmel, Sonne und Mond verfinstern sich. Da haben wir dieses Bild. Und die Sterne verlieren ihren Glanz. Und der Herr lässt vor seiner Heeresmacht her seine Stimme erschallen, denn sein Heerlager ist sehr gross, denn der Vollstrecker seines Wortes ist mächtig, denn gross, Achtung, gross ist der Tag des Herrn und sehr furchtbar, und wer kann ihn ertragen?
Doch auch jetzt spricht der Herr: Kehrt um zu mir mit eurem ganzen Herzen und mit Fasten und mit Weinen und mit Klagen und zerreisst euer Herz und nicht eure Kleider und kehrt um zum Herrn, eurem Gott! Denn er ist gnädig und barmherzig, langsam zum Zorn und gross an Gnade und lässt sich das Unheil gereuen.
Gott verfinstert die Sonne. Er warnt vor dem Tag des Herrn. Und dann kommt direkt im Anschluss die Aufforderung: Wenn du dieses Zeichen siehst, wenn es dunkel wird, pass auf, lass dich warnen und tue Busse.

Zeichen des Gerichts in der Schrift

Ich möchte mal sagen, dieses Modell findet sich an verschiedensten Stellen in der Bibel. Wenn wir uns kurz die Pfingstpredigt in Apostelgeschichte 2 anschauen, Petrus in Jerusalem, dann zitiert er in Apostelgeschichte 2,14 auch Joel. Nicht genau die Stelle, die wir eben hatten, weil Joel von mehr als einem Tag des Herrn spricht.
Und wenn ihr jetzt aufpasst, dann werdet ihr wieder genau das feststellen: Petrus redet über den Tag des Herrn, diesmal nicht von einem Heuschreckenschwarm, sondern darüber, dass Gott einmal Gericht über die ganze Erde halten wird. Und er sagt das mit den Worten aus Apostelgeschichte 2,14:
Petrus aber stand auf mit den Elfen, erhob seine Stimme und redete zu ihnen: Männer von Judäa und ihr alle, die ihr zu Jerusalem wohnt, dies sei euch kund und hört auf meine Worte! Denn diese sind nicht betrunken, wie ihr meint, denn es ist die dritte Stunde des Tages, sondern dies ist es, was durch den Propheten Joel gesagt ist.
Also: Petrus stellt sich hin. Kurz davor passiert das Pfingstwunder. Die Leute, die zuschauen, denken: Na, was geht hier ab? Könnten die besoffen sein? Petrus sagt: Nein, sie sind nicht besoffen, es ist nämlich neun Uhr früh. Ich weiß nicht, warum das ein Argument ist, aber in der damaligen Zeit muss das gegolten haben. Also: Es ist noch viel zu früh, um besoffen zu sein. Das, was ihr hier erlebt, ist die Erfüllung einer Prophezeiung von Joel. Das hat Joel schon mal geschrieben.
Und jetzt zitiert er:
Und es wird geschehen in den letzten Tagen, spricht Gott, dass ich von meinem Geist ausgießen werde auf alles Fleisch; und eure Söhne und eure Töchter werden weissagen, und eure Jünglinge werden Gesichte sehen, und eure Ältesten werden Traumgesichte haben; sogar auf meine Knechte und auf meine Mägde werde ich in jenen Tagen von meinem Geist ausgießen, und sie werden weissagen. Und ich werde Wunder tun oben am Himmel und Zeichen unten auf der Erde: Blut und Feuer und Rauchdampf. Und jetzt kommt es: Die Sonne wird verwandelt werden in Finsternis und der Mond in Blut, ehe der große und herrliche Tag des Herrn kommt.
Also wieder diese Idee: Bevor der Tag des abschließenden Gerichts kommt, bevor Jesus wiederkommt und dem Ganzen hier ein Ende macht, wird die Sonne einfach ihr Strahlen, ihr Licht verlieren. Es wird dunkel werden.
Und Jesus sagt dasselbe in Matthäus 24, noch zwei Verse, Matthäus 24,29-30. Da redet er selbst über seine Wiederkunft, wenn er wiederkommt, und beschreibt das so:
Aber gleich nach der Drangsal jener Tage wird die Sonne verfinstert werden, und der Mond wird seinen Schein nicht geben, und die Sterne werden vom Himmel fallen, und die Kräfte des Himmels werden erschüttert werden. Und dann wird das Zeichen des Sohnes des Menschen am Himmel erscheinen. Dann werden wehklagen alle Stämme des Landes, und sie werden den Sohn des Menschen kommen sehen auf den Wolken des Himmels mit großer Macht und Herrlichkeit.
Wenn Jesus wiederkommt, wiederkommt er als Gericht, wiederkommt er als der, der das Recht hat, Gericht zu üben über die ganze Erde, dann geht dem eine Verfinsterung der Sonne voraus. So, dieselbe Symbolik, die im Alten Testament und im Neuen Testament mit dem Tag des Herrn verbunden ist, wo man sagt: Wenn die Sonne ausgeht, sei vorsichtig, das könnte eine ganz gefährliche Sache für dich werden.
Dieselbe Symbolik passiert hier. Jesus hängt am Kreuz, und die Sonne erlischt, und im Raum hängt eine Warnung. Und diese Warnung lautet: Tu Buße, tu Buße oder geh unter.
Ich weiß nicht, wie du diese Sonnenfinsternis bislang gesehen hast. Vielleicht dachtest du: Oh, es ist ein bisschen so ein skurriles Ereignis, spannend. Wenn die Sonne ausgeht, wenn es dunkel wird, dann geht die Bibel davon aus, dass wir uns warnen lassen müssen, dass wir uns die Frage stellen lassen müssen: Stehe ich eigentlich auf der richtigen Seite?

Der zerrissene Vorhang und der offene Zugang zu Gott

Und diese Warnung wird noch unterstrichen. Unterstrichen durch etwas, das in dieser Zeit, gerade in dieser Zeit der Dunkelheit, im Tempel geschieht.
Da heißt es nämlich, zurück zu Lukas 23,45, dem zweiten Teil: Wobei die Sonne sich verfinsterte, riss der Vorhang des Tempels mitten entzwei.
Also, wir haben Dunkelheit, und mitten in dieser Dunkelheit passiert etwas. Das lesen wir auch und denken: Na ja, zerreißt halt ein Vorhang, ja, was soll’s. Aber jetzt versuche ich, euch da so ein Stückchen mit hineinzunehmen, was das für die Leute damals bedeutete.
Stellt euch vor, ihr würdet in Jerusalem leben, und in Jerusalem würde ein Tempel stehen. Und dieser Tempel wäre so heilig, dass er sowieso nur von den Priestern betreten werden dürfte. Ein Tempel, aber wenn du so ein normaler Gläubiger bist, darfst du da gar nicht rein. Du darfst davor. Es gab diverse Vorhöfe. Du konntest vor dem Tempel gehen und dort deine Opfer und deine Gebete sprechen, aber in den Tempel selbst dürftest du als normaler Gläubiger nicht rein.
Wie sah es in dem Tempel aus? In dem Tempel selbst, dem Tempel Gottes in Jerusalem, gab es einen Vorraum. Da durften die Priester öfter rein und haben auch jeden Tag Opfer gebracht. Und dann gab es im Tempel, wenn man hineinging, das ist in etwa so wie hier: Das hier wäre quasi der Vorraum, und dann geht man durch den Vorraum hindurch, und dann kommt dahinter das Allerheiligste, die Kammer. Und der Vorraum wird vom Allerheiligsten dadurch getrennt, dass zwischen beidem ein Vorhang hängt.
Ich habe gelesen, dieser Vorhang soll dreizehn Meter hoch, neun Meter breit und zehn Zentimeter dick gewesen sein. Ich weiß nicht, ob das stimmt, aber wenn man sich vorstellt, da hängt in einem Tempel ein Vorhang, das wird schon ein ordentliches Stück gewesen sein.
Und jetzt stell dir vor, mitten in die Dunkelheit hinein. Hast du mal versucht, einen Teppich auseinanderzureißen? Das ist gar nicht so einfach. Da muss man ganz schön Kraft aufwenden. Jetzt stell dir vor, du hast so einen gigantischen Teppich da hängen, so einen riesigen Vorhang, der das Allerheiligste, wo man sagt, da wohnt Gott, trennt vom Heiligen, wo der Mensch gerade noch hin darf. In das Allerheiligste durfte einmal im Jahr der Hohepriester, mit einer aufwendigen Zeremonie. Vorneweg durfte der einmal im Jahr hinein. Und damit auch jeder sieht, das ist das Allerheiligste, dieser fette Vorhang.
Und jetzt stelle ich mir vor, Leute stehen vor dem Tempel, es wird dunkel. Ich denke, es wurde mucksmäuschenstill. Und in diese Stille hinein hörst du dieses „rschschschschsch“. Und die Leute denken: Was war das? Und dann stell dir den Blick vor, der Erste, der die Tür aufmacht, in den Tempel reinschaut und seinen Augen nicht glaubt. Weil jedes Mal, wenn er in diesem Tempel drin war, war da ein Vorhang. Und jetzt hängen da noch zwei Fetzen von der Decke, und der Blick geht bis nach hinten durch. Bis ins Allerheiligste.
Das ist das, was hier passiert. Und die sinnbildliche Bedeutung dafür ist folgende: Gott wohnt im Allerheiligsten, und dieser Vorhang steht dafür, dass wir als Menschen nicht einfach zu Gott ins Allerheiligste, in seine Gegenwart, hineinspazieren können, weil wir nicht heilig sind, er aber heilig ist, und wir getrennt von Gott sind. Meine Sünde macht es mir unmöglich, direkt einfach zu Gott zu gehen. Da gibt es eine Grenze zwischen mir und Gott. Da gibt es einen Vorhang. Der Zugang zu Gott ist versperrt.
Und jetzt reißt dieser Vorhang. Und Gott macht klar: Während am Kreuz Jesus stirbt, passiert etwas in der himmlischen Welt, was den Zugang zu Gott frei macht. Am Kreuz stirbt Jesus unter ganz dramatischen Bedingungen. Und während die Sonne erlischt und wir dieses gespenstische Dunkel überall haben, in diesem Moment stirbt Jesus für die Schuld der Welt.
Jesus hat das selber gesagt. Er hat gesagt: Ich bin nicht gekommen, um bedient zu werden, sondern um zu dienen und mein Leben zu geben als Lösegeld für viele. Jesus kam, um sein Leben einzusetzen für andere. Jesus kam, um einen Preis zu bezahlen.
Wenn Petrus uns ermutigt, heilig zu leben und Sünde aus unserem Leben rauszuschmeißen, dann macht er das mit folgenden Worten: Er sagt, denn ihr wisst, dass ihr nicht mit vergänglichen Dingen, mit Silber oder Gold, erlöst worden seid, sondern mit dem kostbaren Blut Christi.
Also, wenn ich mir die Frage stelle, woher kommt das, dass meine Schuld vergeben ist, dann sagt Petrus: Es liegt nicht daran, dass du so reich warst und deine Schätze genommen hast, deine Immobilien, dein Gold, deine Wertpapiere, und die hast du irgendwo eingezahlt für deine Sünde, sondern jemand anders hat für dich bezahlt. Jesus hat für dich bezahlt. Am Kreuz, mit seinem Blut, hat er dich erlöst.
Dieses ganze System rund um den Tempel mit seinen Priestern, mit seinen Opfern, mit seinen Festen und Feiertagen hatte in dem Moment, wo Jesus am Kreuz stirbt, ausgedient. Das war ein für allemal vorbei.
Egal, was der Mensch sich ausdenkt, egal ob wir zu Gott kommen und versuchen, in das Allerheiligste zu Gott hineinzukommen, indem wir uns selber anstrengen, indem wir auf unsere Leistungen verweisen, auf unsere guten Taten, egal was wir selber tun, wir werden nie ins Allerheiligste, wir werden nie zu Gott reinkommen, es wird nie reichen. Das ist das riesige Drama, in dem wir als Menschen drinstecken: dass wir den Preis für unsere Sünde, für unsere Schuld, nie bezahlen können. Wir stehen einfach vor Gott, und wir stehen quasi vor diesem Vorhang, und wir kommen nie rein, weil wir diesen Vorhang nicht zerreißen können. Wir können nichts tun.
Jetzt hängt Jesus am Kreuz, und während er stirbt für die Schuld der Welt, reißt in diesem Moment der Vorhang im Tempel mitten entzwei. Und wenn du dich fragst, wie kann ich zu Gott kommen, und wenn du ehrlich sagst: Ich bin doch, ich kenne doch mein Leben, ich brauche mir doch nichts vormachen, ich weiß doch, dass in meinem Leben vieles nicht stimmt. Ich habe doch kein Recht und keine Möglichkeit, zu einem heiligen Gott zu gehen. Wenn du dir das erst bewusst bist, dann lass dir sagen: Der Weg zu Gott ist frei. Nicht frei, weil du so gut bist, nicht frei, weil du so viel geleistet hast, sondern frei, weil Jesus am Kreuz für dich gestorben ist.
Und weil Jesus gestorben ist, gilt, und ich könnte jetzt noch mal Petrus zitieren: Und es wird geschehen: Jeder, der den Namen des Herrn anrufen wird, wird errettet werden.
Das ist das, was jetzt gilt. Wenn Jesus am Kreuz hängt und der Vorhang in der Mitte entzwei reißt, wenn klar ist, die Trennung zwischen dem Vorraum und dem Allerheiligsten, der Zugang zu Gott, ist frei, dann ist die Frage: Wodurch ist das denn frei geworden? Was muss ich denn tun, um zu Gott zu kommen?
Und die Antwort lautet: Du musst glauben. Glauben an das, was am Kreuz für dich passiert. Glauben daran, dass am Kreuz deine Schuld bezahlt ist, dass am Kreuz tatsächlich Gott selbst stellvertretend für dich gestorben ist. Darum geht es, um nicht weniger.
Paulus wird im Kolosserbrief sagen: Am Kreuz, da hängt Jesus, und während er am Kreuz hängt, da hängt nicht nur er. Sondern mit ihm wird der Schuldschein, der auf mein Leben ausgestellt wurde, mit ans Kreuz genagelt. Dieser Schuldschein, wo jemand, in dem Fall der Teufel, zu Recht sagen könnte: Ich will dich, Jürgen, haben für all das, was du falsch gemacht hast, dieser Schuldschein wird am Kreuz getilgt.
Und weil meine Schuld bezahlt ist, deshalb und nur deshalb kann ich zu Gott kommen. Und das ist das, was in dieser Dunkelheit passiert. Während niemand etwas sehen kann, schaut Gott auf das Opfer am Kreuz, und der Weg zu Gott wird frei.
Wir sind hier im Zentrum unseres Glaubens angekommen. Wenn man Christsein definieren möchte, wenn man sich die Frage stellen möchte, worum es uns eigentlich geht, wenn wir sagen, wir sind Christen, dann haben wir das Kreuz. Wir haben Kreuz und Auferstehung. Und am Kreuz haben wir diesen Moment, wo Jesus sich des Problems annimmt, das für uns das größte ist. Und das größte Problem, das wir haben, ist unsere Schuld. Das größte Problem, das wir haben, ist: Wie werde ich fertig mit unseren Sünden?
Und Gott macht es. Und Gott sagt: Du kannst zu mir kommen, ins Allerheiligste. Ich habe für dich den Weg freigemacht.

Das Geheimnis der Menschwerdung und das Vertrauen Jesu

Und wenn wir uns die Frage stellen, wie das sein kann, wie kann es sein, dass das Opfer Jesu so wertvoll und einzigartig ist, dann muss ich ehrlich sagen, dass ich das nicht genau weiß. Und vielleicht klingt das jetzt komisch, aber ich bin nicht in der Lage, genau zu erklären, was am Kreuz passiert.
Paulus beschreibt uns im Philipperbrief, dass Gott Mensch geworden ist. Philipper 2,6-8. Da heißt es über den Herrn Jesus, der in Gestalt Gottes war, das heißt, er war ganz Gott. Er war Gott, soweit man das sagen kann. Er war ganz Gott, der in Gestalt Gottes war und es nicht für einen Raub achtete, Gott gleich zu sein.
Ein Raub: Was macht ein Räuber mit einem Raub? Er hält das fest, er gibt ihn nicht wieder her. Und Jesus ist ganz Gott, aber er hält dieses Gottsein, dieses ganz Gottsein, nicht fest. Er gibt es auf. Der in Gestalt Gottes war und es nicht für einen Raub achtete, Gott gleich zu sein, aber er machte sich selbst zu nichts.
Das ist das Geheimnis unseres Glaubens. Nicht wir machen uns mühsam auf den Weg, in den Himmel zu steigen. Nicht wir erarbeiten uns unser Glück und unsere Seligkeit, sondern Gott kommt vom Himmel auf die Erde. Gott verlässt die Herrlichkeit und wird Mensch.
Und wenn ich euch das erklären soll, was das bedeutet, dann tut es mir leid: Das kann ich nicht. Ich kann nur feststellen, dass mein Gott, der Gott, an den ich glaube, bereit ist, so etwas zu tun. Sich selbst zu nichts zu machen. Er nahm Knechtsgestalt an, indem er den Menschen gleich geworden ist. Er wird richtig Mensch.
Alles, was du als Mensch durchmachst, und noch viel mehr, das hat Jesus durchgemacht. Die Grenzen, die du als Mensch kennst, die hat Jesus gekannt. Und er bleibt nicht dabei stehen, dass er nur Mensch wird, sondern erniedrigte er sich selbst, wurde gehorsam bis zum Tod, ja bis zum Tod am Kreuz.
Wenn du mich fragst, warum ein Opfer ausreicht, um die Schuld der ganzen Sünde, der ganzen Welt, mit einem Opfer auszutilgen, dann kann ich dir nur sagen: Der Grund liegt darin, dass wir ein Opfer einsetzen, das von unbeschreiblichem Wert ist. Wir setzen nicht irgendjemanden ein, sondern Gott selbst wird Mensch. Und dieser Mensch, der Gott war und ist, dieser Mensch stirbt am Kreuz und bringt ein Opfer von einer Qualität, die einfach reicht.

Drei mögliche Reaktionen auf das Geschehen

Woher weiß ich, dass das reicht? Wenn wir weiterlesen in Lukas 23,46, dann sehen wir, wie Jesus selbst in den Tod geht, und zwar mit welchen Worten. Da heißt es: Und Jesus rief mit lauter Stimme, ja, was denn? Vater, in deine Hände übergebe ich meinen Geist.
Mich fasziniert es. Mich fasziniert es zu sehen: Hier ist kein Hippie, der Liebe predigen wollte und dann irgendwie so unter die Räder des Systems kam. Hier ist einer, der Gott glaubt, der mit seinem ganzen Herzen Gott vertraut, der bis zu seinem letzten Atemzug sagt: Ich glaube an meinen Gott, und ich bin bereit, alles auf eine Karte zu setzen. Ich bin bereit zu sterben. Ich bin bereit, durch die tiefsten Tiefen zu gehen, im Vertrauen darauf, dass Gott weiß, was er tut. Hier ist einer, der glaubt.
Und weil Jesus geglaubt hat, weil Jesus dranbleibt und nicht aufgibt, weil die Sonne sich verfinstert und der Vorhang zerreißt, deshalb ist es so wichtig, sich die Frage zu stellen: Wie gehen wir damit um? Was tun wir damit, dass Gott uns warnt? Was tun wir damit, dass am Kreuz, wo die Schuld bezahlt wird und der Weg zu Gott frei ist, das Vorbild von Jesus vor uns steht, der bis zum Schluss an Gott festhält und sagt: Ich bin bereit, alles auf diese eine Karte zu setzen. Ich bin bereit, mein Leben Gott ganz in die Hände zu geben. Was machen wir damit?
Unter dem Kreuz sehe ich drei Reaktionen, die möglich sind. Die erste Reaktion, Vers 47, ist von einem römischen Hauptmann. Und ich muss den armen römischen Hauptmann jetzt ein bisschen schlechter machen, als er im Deutschen beim Lesen rüberkommt. Vergebt mir das, weil das ein bisschen zu gut klingt.
Was sagt der Hauptmann? Als aber der Hauptmann sah, was geschah, verherrlichte er Gott und sagte: Wirklich, dieser Mensch war gerecht.
Und wenn wir das so lesen, dann klingt das sehr positiv. Ich muss euch aber leider sagen: Dieser Hauptmann ist römischer Soldat, ist ein Heide. Wir können nicht genau sagen, welchen Gott er da im Blick hat. Und wenn er davon spricht: Oh, dieser Mensch ist gerecht, dann tut er nicht mehr, als dass er als Heide darüber nachdenkt: Was erlebe ich hier eigentlich gerade? Und merkt: Oh, das ist alles so ein bisschen unheimlich, ein bisschen mysteriös.
Und als Römer hat er so ein ganzes Set an Göttern und Halbgöttern. Und er glaubt daran, dass die Götter und die Halbgötter und dass der Himmel redet. Und er hat gemerkt: Ich kreuzige hier einen, und der Himmel hat geredet. Und irgendwie war der Himmel dagegen. Wir haben hier jemanden umgebracht, und der Himmel, das wurde dunkel. Und Matthäus berichtet uns: Hier gibt es ein Erdbeben. Irgendwie war der Himmel nicht einverstanden mit dem, was wir hier tun. Und das ist das, was er zum Ausdruck bringt.
Und ich sehe diesen Hauptmann, von dem danach nicht mehr weiter die Rede ist. Ich sehe ihn als jemanden, bei dem ich glaube, dass ich viele Menschen heute kenne, die genau wie er mit Jesus umgehen. Man sieht Jesus, und Jesus ist etwas Besonderes. Man merkt schon: An Jesus ist mehr als üblich dran. Man möchte ihn anerkennen, man sagt: Ja, der ragt irgendwie heraus. Wenn ich so zurückschaue und ich sehe mir all die Menschen an, der war schon was Besonderes, vielleicht so ein Heiliger. Oder ein Vorbild. Manch einer sagt: Das ist mein Guru oder mein Prophet.
Aber obwohl man ihm so eine besondere Rolle zugesteht, lässt man sich trotzdem nicht auf ihn ein. Kennt ihr Menschen, bei denen das so ist? Die auch sagen: Ja, Jesus muss etwas Besonderes sein. Und die trotzdem nicht den nächsten Schritt gehen. Und logisch, logisch, der nächste Schritt: Wenn Jesus etwas Besonderes ist, dann geh doch einen Schritt näher ran und hör auf das, was er dir zu sagen hat. Dann stell dir doch nicht nur die Frage, was damals so passiert ist. Sei nicht einfach nur beeindruckt, sondern stell dir die Frage: Was hat das mit mir zu tun?
Das ist die eine Sorte von Menschen: irgendwo beeindruckt, aber es bleibt dann doch alles beim Alten.
Dann gibt es eine andere Sorte von Menschen, Vers 48: Und die ganzen Volksmengen, die zu diesem Schauspiel zusammengekommen waren, schlugen sich, als sie sahen, was geschehen war, an die Brust und kehrten zurück.
Also, du hast diese Leute da stehen, es wird dunkel, Jesus stirbt mit einem lauten Schrei, und sie merken: Irgendwas ist komisch. Das Schlagen an die Brust ist ein Zeichen von Betroffenheit. Betroffen darüber, na ja, vielleicht dachten sie an diesen Tag zurück. Wie man sie manipuliert hatte und auch ein Stückchen instrumentalisiert hatte. Vielleicht waren das Leute, die gesagt haben: Kreuzige ihn, kreuzige ihn, so richtig. Und jetzt merken sie, wie die Geschichte weitergeht, und irgendwie haben sie den Eindruck: Hier hat jemand einen großen Fehler gemacht.
Wahrscheinlich sind viele nach Hause gegangen und haben sich die Frage gestellt: Habe ich heute womöglich einen großen Fehler gemacht? Aber sie gehen einfach nur nach Hause. Sie gehen einfach wieder weg. Und sie freuen sich auf die Feier. Es wird ja Passa gefeiert werden, dauert noch ein paar Stunden, dann geht die große Fete los. Man freut sich auf das, was kommt, und man vergisst, was man eben empfunden hat.
Und ich weiß nicht, wie viele Leute ich kenne, die in der gleichen Situation sind, die irgendwann in ihrem Leben an eine Stelle kommen, wo sie sich fragen: Warum war ich fähig, das zu tun? Man schaut auf sein Leben, man fühlt sich manipuliert, man fühlt sich ausgenutzt, man hat sich das Leben anders vorgestellt, man ist betroffen über das, was passiert ist, man ist traurig, man hat den Eindruck, alles ist schiefgelaufen, es ist irgendwie falsch geworden, man wollte das anders.
Und doch führt die Betroffenheit nicht dazu, dass man zu Jesus hingeht, sondern man geht von ihm weg, an ihm vorbei. Und alles bleibt beim Alten.

Ein verborgenes Ja wird sichtbar

Und dann gibt es Menschen, die anders sind.
Vers 49: Aber alle seine Bekannten standen von fern, auch die Frauen, die ihm von Galiläa nachgefolgt waren, und sahen dies.
Das sind Leute, die einfach nur zuschauen können, die uns berichten, was wir hier lesen. Und dann gibt es einen. Und den einen möchte ich euch noch fünf Minuten lang vorstellen und mit euch feiern, weil es Leute gibt, die im entscheidenden Moment einfach den Mut haben, das Richtige zu tun. Und Joseph von Arimathäa ist so jemand.
Stellt euch das vor: Ihr habt Jesus am Kreuz hängen, nur noch der Leichnam, in sich zusammengefallen. Die Sonne ist gerade wieder aufgegangen, es ist wieder hell, und du siehst den Leichnam dort am Kreuz. Was machst du jetzt? Es sind noch drei Stunden bis ein riesiger Feiertag anbricht, der zugleich noch ein Sabbat ist, an dem man nichts mehr tun durfte. Die Zeit ist knapp. Was machst du jetzt? Was machst du, wenn du ein Jünger Jesu bist, aber ein geheimer? Wenn du ein wahrscheinlich schon älterer Herr mit grauen Haaren und kleinem, rundlichem Bauch bist, der bislang nicht groß in Erscheinung getreten war, der von Jesus beeindruckt war, der Jesus gemocht hat, der entschieden hat, ein Jünger Jesu zu sein, und doch nicht mutig genug war, in die Öffentlichkeit zu treten und sich richtig auf seine Seite zu stellen? So ein geheimer Jünger, was machst du, wenn du so einer bist und du stehst da und du siehst deinen Jesus tot am Kreuz hängen und du weißt ganz genau, was jetzt passieren wird?
Vor Sonnenuntergang wird man ihn abnehmen, und man wird ihn auf eine Müllkippe werfen, denn das hat man mit Verbrechern gemacht. Und da würde er liegen, bis die wilden Hunde kommen und ihn fressen. Was machst du dann? Was machst du, wenn du merkst, hier ist eine Chance, mein Leben ganz anders einzusetzen, mein Leben anders zu leben?
Und für Joseph von Arimathäa wird das Kreuz zu einem Wendepunkt in seinem Leben. Aus einem geheimen Jünger, der so im Hintergrund gearbeitet hat, der im Herzen schon so ein Ja zu Jesus gefunden hatte, aber im Leben hat sich das noch nicht richtig gezeigt, im Leben war da noch nicht wirklich etwas, wird einer, der an diesem Tag unendlich viel investiert. Er wird seine Zeit investieren, er wird seinen Ruf aufs Spiel setzen, er wird seine Freude opfern und er wird seinen Besitz opfern, und das innerhalb von zwei, drei Stunden. Und alles nur, um seinem Jesus nahe zu sein, um seinem Jesus das an Ehre und Respekt zu erweisen, das ihm gebührt.
Schaut euch das an.
Vers 50: Und siehe, ein Mann mit Namen Joseph, der ein Ratsherr war.
Ganz oben dabei. Wir würden heute sagen: Landesregierung, ganz oben dabei, einflussreich, angesehen. Für so einen Job arbeitest du lange, bis du da ankommst. Und da hast du Einfluss, da geht es dir gut. Der ein Ratsherr war, ein guter und gerechter Mann.
Und jetzt sagt uns Lukas noch: Dieser hatte nicht eingewilligt in ihren Rat und in ihre Tat. Das war jemand, der, als es darum ging, Jesus zu verurteilen, Nein gesagt hatte. Aber er hat sich nicht als Jünger geoutet. Er hat das eher getan, weil er es für einen Fehler im Rechtssystem hielt.
Von Arimathäa, einer Stadt der Juden, der das Reich Gottes erwartete, was macht der? Dieser ging hin zu Pilatus und bat um den Leib Jesu.
Damit outest du dich. Stell dir vor, du gehst in die Halle hinein, wo Pilatus sitzt, und du gehst ganz nach vorne, wo alle zuschauen können, und sagst: Ich hätte gerne den Leib. Und alle schauen dich entgeistert an. Was willst du mit einem toten Verbrecher? Was willst du damit anstellen? Ja, du willst ihn mit nach Hause nehmen und irgendwie ausstellen. Was soll das? Das ist absurd.
Und auf die Frage, was willst du damit, wird er geantwortet haben: Ich möchte ihn beerdigen. Wie, du willst ihn beerdigen? Die nächste Frage muss sein: Bist du einer von seinen Jüngern? Weil niemand hat doch Interesse daran, einen Toten zu beerdigen, den man gerade als Schwerverbrecher gekreuzigt hat, den man gerade unter dem Gejohle der Massen aus der Stadt hinausgejagt hat. Er wird sagen: Ich habe Interesse daran, ja.
Wenn du das tust, wenn du um den Leib Jesu bittest, stellst du dich auf seine Seite. Du sagst: Jesus ist mein Herr, ich bin sein Jünger, ich gehöre zu ihm, er bedeutet mir etwas. Er bedeutet mir sogar im Tod mehr als mein guter Ruf in dieser Welt.
Und er geht einen Schritt weiter. Er kriegt ihn natürlich, ich meine, keiner will diesen Leichnam haben. Ja, und kann es ja haben. So wie wenn du ein altes Schrottauto ohne TÜV hast. Willst du ein altes Schrottauto ohne TÜV haben? Gibt es meistens recht preiswert.
Und als er ihn abgenommen hatte, wickelte er ihn in ein feines Leinentuch und legte ihn in eine in Felsen gehauene Gruft, worin noch nie jemand gelegen hatte.
Und du denkst dir wieder: Na ja, was soll das?
Darf ich dir sagen, was hier passiert? Du stehst vor einem Kreuz, und der Querbalken wird abgenommen. Und irgendwo liegt jetzt vor dir dieser Leichnam. Und du nimmst diesen Leichnam und trägst ihn, oder lässt ihn nach Hause tragen. Und wenn wir genau lesen, Johannes beschreibt das noch, dann kommt sein Freund Nikodemus dazu. Und dann besorgen die alles, was man so braucht, um auf die Schnelle so eine Mini-Balsamierung, so ein bisschen Myrrhe und Aloe. Dann kommt da so ein Tuch außen herum, und die machen das sehr schnell.
Weißt du, was das bedeutet? Das bedeutet: Während alle anderen sich auf ein Riesenfest vorbereiten, noch mal kurz einkaufen gehen, was noch fehlt, bist du zu Hause und auf deinem Küchentisch liegt ein Toter. Und du wickelst den ein. Du stinkst danach nach Myrrhe und Aloe. Du hast diesen toten Leichnam angefasst, und du weißt, weil das im Gesetz steht, dass wer einen Toten berührt, sieben Tage unrein sein wird. Für dich sind die Feiertage komplett gelaufen.
Und noch mehr: Was steht noch im Gesetz? In 5. Mose 21,23 steht, dass jeder, der an ein Holz gehängt wird, ein Fluch Gottes ist. Während du dich um diesen Leichnam kümmerst und weißt: Meine Feiertage sind gelaufen, tuscheln die anderen schon und fragen: Wie steht es denn bei dem mit seiner Religion? Hat er nicht verstanden, dass so ein Verbrecher von Gott verflucht ist? Was kümmert er sich um einen, der von Gott verflucht ist?
Für uns ist das klar, dass Jesus den Fluch, der uns hätte treffen müssen, getroffen hat. Und vielleicht war es für ihn auch klar, aber er musste damit rechnen, dass von diesem Tag an sein Ruf einfach absolut hin war.
Und dann nimmt er Jesus und legt ihn in seine eigene Gruft. Es war ja keine Zeit. Das heißt in Vers 54: Es war Rüsttag, der Tag vor dem Sabbat, vor dem Passa, und der Sabbat brach an. Es war knapp. Er konnte nicht erst einmal losziehen und schauen, ob er irgendwo anders noch eine Gruft kaufen kann. Konnte man nicht groß vorbereiten. Er hat seine eigene Gruft genommen, das, wo er sagt: Da wollte ich drin beerdigt werden, und legt Jesus da hinein.
Er opfert alles. Er opfert seine Zeit. Er opfert seinen guten Ruf. Er opfert seine Freude, die Teilnahme an einem Fest, wo alle sich darauf freuen, wo Zehntausende in die Stadt kommen. Er opfert seinen Besitz.
Mich fasziniert das. Auf der einen Seite die, die hilflos dastehen, und da ist eine Person, die macht an dieser Stelle genau das Richtige. Wisst ihr noch, was Jesus gesagt hat, wenn jemand mir nachkommen will? „Verleugne er sich selbst und nehme sein Kreuz auf täglich und folge mir nach.“
Genau das ist das, was Joseph von Arimathäa hier tut. Joseph steht da und er sieht den Leichnam, und er weiß: Jetzt gilt es, aus dem Schatten herauszutreten und zu dem zu stehen, was ich wirklich bin. Jetzt gilt es, mich selbst zu verleugnen. Jetzt gilt es, mein Kreuz zu tragen, nach vorne zu treten und zu sagen: Ich lebe für diesen Jesus, und ich zeige der ganzen Welt, wofür ich lebe, egal, was es mich kostet.

Schluss: Die Einladung, Jesus nahe zu sein

Das war unser Text. Am Anfang stand eine Warnung: Es wird dunkel, eine Warnung. Wir würden heute sagen: Hier spricht Gott, tu Buße.
Dann zerreißt ein Vorhang, und Gott macht klar: Der Weg ins Allerheiligste, der Weg zu Gott, ist frei.
Dann haben wir uns drei Optionen angeschaut. Einmal den Hauptmann, der die Dinge so ein bisschen vergeistlicht, der ein paar nette Worte findet über das, was am Kreuz passiert, und es bleibt trotzdem alles beim Alten. Dann haben wir den, der sich auf die Brust schlägt, der betroffen ist über das, was da passiert ist, und der trotzdem nicht sich an Jesus herantraut. Alles bleibt beim Alten. Dann haben wir einen Mann, der uns zeigt, was Nachfolge wirklich bedeutet und für den das Kreuz zum Wendepunkt wird, bei dem sich tatsächlich alles ändert.
Ich möchte Joseph von Arimathäa als großes Vorbild zeigen. Wir haben als Christen die Chance, Jesus zu dienen. Wir haben wie Joseph von Arimathäa die Chance, für Jesus unseren guten Ruf einzusetzen, unsere Zeit einzusetzen, unsere Freude einzusetzen, unseren Wohlstand. Wir haben die Chance, das einzusetzen um Jesu willen.
Und wenn wir das tun, dann werden wir ihm nahe sein. Und das ist das, was ich euch für die kommende Woche wünsche: dass ihr Jesus so nahe seid, wie das irgendwie geht, egal, was es euch kostet.

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

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