Serie•Teil 23 / 44Johannes-Evangelium
Generierte Mitschrift
Die nachfolgende Mitschrift wurde automatisch mit KI-Technologie erstellt und kann Fehler enthalten. Im Zweifel gilt das gesprochene Wort.
Ein ungewöhnlicher Moment am Brunnen
Hallo, liebe Geschwister! Ich weiß, ich bin im Gottesdienst, und trotzdem möchte ich die Predigt aufzeichnen, weil ich so gerne in den Gruppen sein möchte.
Und deswegen lasst uns per Video gemeinsam zurückkehren ins Johannesevangelium, an den Fuß des Berges Garizim, und mit dem Gespräch, das Jesus mit der Samariterin geführt hat, noch ein ganz klein bisschen weitermachen.
Dieses Gespräch endete auf eine für Jesus eher ungewöhnliche Weise. Der Herr Jesus offenbart sich nämlich der Frau als der Messias. Normalerweise ist der Herr Jesus sehr zurückhaltend, aber als die Frau davon spricht, dass der Christus kommen soll, dann lässt er tatsächlich die Katze aus dem Sack.
Johannes 4,26: Jesus spricht zu ihr: „Ich bin es, der mit dir redet.“
Und da sie das gesagt hat, passieren jetzt zwei Sachen. Zum einen kommen die Jünger zurück, und zum anderen geht die Frau weg.
Johannes 4,27: Und darüber kamen seine Jünger und wunderten sich, dass er mit einer Frau redete.
Also: Seine Jünger waren Männer ihrer Zeit, stolze Juden, und stolze jüdische Männer redeten nicht mit einer samaritischen Frau. Sie kommen, sie sehen Jesus, ihren Meister, mit der Frau reden, wundern sich, aber trauen sich dann doch nicht zu fragen.
Johannes 4,27 heißt es dann weiter: Dennoch sagte niemand: Was suchst du? Oder: Was redest du mit ihr?
Eigentlich schade. Aber auch wenn sie nichts sagen, die Frau redet dann umso mehr.
Johannes 4,28-29a: Die Frau nun ließ ihren Wasserkrug stehen und ging weg in die Stadt und sagte zu den Leuten: Kommt, seht einen Menschen, der mir alles gesagt hat, was ich getan habe.
Die Botschaft, die eine Stadt in Bewegung setzt
Ich glaube, jeder von uns hat humorvolle Stellen in der Bibel, die man liest und bei denen man schmunzeln muss. Vor kurzem meinte ein ganz lieber Bruder zu mir, dass er beim Lesen von 2. Samuel 18,8 immer schmunzeln muss. Dort heißt es, dass der Wald mehr Volk fraß als das Schwert, wörtlich: Der Wald fraß mehr vom Volk, als das Schwert an jenem Tag gefressen hatte. Und mein Freund schmunzelt, wenn er sich einen fressenden Wald vorstellt.
Ich schmunzle bei Johannes 4,28-29, vor allem bei Vers 29. Eine Frau mit einer ordentlichen Portion, ich nenne das mal vorsichtig sexuelle Erfahrung, kommt in ihr Dorf und sagt: „Seht einen Menschen, der mir alles gesagt hat, was ich getan habe.“ Hm, ich könnte mir vorstellen, dass der ein oder andere Mann vielleicht unter vier Augen noch einmal nachfragt, so im Sinne von: „Du, alles? Wirklich alles?“ Die Frau ist klug. Sie will die Aufmerksamkeit ihrer Zuhörer, und sie bekommt sie. Dabei ist ihr Ziel ganz klar: Sie möchte, dass alle darüber nachdenken, ob dieser Mann, dieser Jesus aus Nazaret, ob der der Christus sein könnte.
Johannes 4,29 kommt dann mit den Worten: „Seht einen Menschen, der mir alles gesagt hat, was ich getan habe. Dieser ist doch nicht etwa der Christus?“ Und sie erreicht ihr Ziel. Die Zuhörer sind interessiert, sie wollen diesen jüdischen Mann selbst kennenlernen. Es heißt in Vers 30: „Sie gingen aus der Stadt hinaus und kamen zu ihm.“
An dieser Stelle nun ein Bruch. Wir springen noch einmal in der Zeit etwas zurück, zurück zu den Jüngern.
Wenn der Meister anders spricht als erwartet
Also die Jünger kommen und sie sehen Jesus mit der Frau reden. Sie trauen sich nicht, ihn anzusprechen, ihn zu fragen. Aber dann erinnern sie sich auch wieder an ihren eigentlichen Auftrag.
Wir hatten in Vers 8 gelesen: Denn seine Jünger waren weggegangen in die Stadt, um Speise zu kaufen.
Also, die Jünger kommen mir manchmal so ein bisschen vor, man verzeihe mir das Beispiel, aber sie kommen mir ein bisschen wie die Hobbits vor. Ganz viele ihrer Gedanken drehen sich einfach ums Essen.
Also Johannes 4,31: In der Zwischenzeit baten ihn die Jünger und sprachen: Rabbi, iss.
„Rabbi“ – ich hoffe, ihr erinnert euch daran, das Wort bedeutet Lehrer. Jesus war ihr Meister, sie waren seine Schüler. Rabbi.
Sie hatten Essen besorgt, aber sie merken auch, dass Jesus mit seinen Gedanken irgendwie woanders zu sein scheint. Sie hatten erwartet, dass er hungrig ist, aber er wirkt irgendwie nicht so.
Und jetzt kommen wir zu dem Punkt, der mich an diesen Versen tatsächlich am meisten beeindruckt. Jesus hat der Frau Wasser angeboten, das den Lebensdurst für immer stillt. Und er selbst hat natürlich auch von diesem Wasser getrunken, keine Frage.
Kann es etwas geben, das mich so erfüllt, dass ich Essen vergesse? Natürlich. Also, ich glaube, dass das jedem von uns schon passiert ist. Wie oft meine Frau am Anfang des Schuljahres nach Hause kommt und mir sagt, dass sie völlig vergessen hat, etwas zu essen.
Natürlich gibt es das, dass wir von einer Aufgabe so erfüllt sind, dass wir vergessen, aufs Klo zu gehen, aufs Handy zu schauen oder eben auch etwas zu essen. Für Jesus war das Gespräch mit der Samariterin genau so eine Aufgabe. Ein Moment, der ihn völlig erfüllt hat.
Und deshalb kann Jesus, wenn seine Jünger sagen: Rabbi, iss, einfach noch nicht ans Essen denken.
Die wahre Nahrung des Sohnes Gottes
Vers 32: Er aber sprach zu ihnen: Ich habe eine Speise zu essen, die ihr nicht kennt.
Und wir haben Jesus jetzt schon öfter so reden hören. Wir ahnen, dass er hier einen, ich nenne das mal, seiner philosophischen Momente hat. Jesus kann nämlich auf sehr, sehr unterschiedliche Weise reden. Mal tut er das in Gleichnissen, mal, wie jetzt hier, in Vergleichen und mal auf eine eher normale Weise. Man muss beim Herrn Jesus immer darauf gefasst sein, dass er bildhaft redet. Und öfter, wenn er das tut, sind die Jünger im ersten Moment überfordert.
Ich habe eine Speise zu essen, die ihr nicht kennt. Was ist ihr erster Gedanke? Na ja, Johannes 4,33: Da sprachen die Jünger zueinander: Hat ihm wohl jemand zu essen gebracht? Ist vielleicht gar nicht so weit hergeholt. Er hatte mit dieser Frau gesprochen. Vielleicht hatte die ihm Essen besorgt, ja, und die Einheimische wusste sie vielleicht sogar, wo man ganz schnell Essen herbeibringen konnte. Also, der Gedanke ist nachvollziehbar, aber natürlich auch irgendwie völlig falsch.
Sie reden wieder nicht mit Jesus, sondern zueinander. Jesus hört es, und dann korrigiert er sie.
Jesus spricht zu ihnen: Meine Speise ist, dass ich den Willen dessen tue, der mich gesandt hat, und sein Werk vollbringe.
Was für eine Aussage! Ich möchte das noch einmal vorlesen: Jesus spricht zu ihnen: Meine Speise ist, dass ich den Willen dessen tue, der mich gesandt hat, und sein Werk vollbringe.
Ein persönliches Zeugnis von erfüllter Hingabe
Liebe Geschwister, ich weiss genau, was Jesus meint. Und ich möchte eine Geschichte erzählen, die mein Leben nachhaltig geprägt hat.
1996 kamen wir als Familie aus Österreich zurück. Wir waren dort neun Monate auf einer Kurzbibelschule gewesen. Wir kamen in die Gemeinde, und wir hatten überlegt: Wie sollen wir dienen? Unsere Idee war damals Evangelisation.
Also fingen wir an, samstags Flyer zu verteilen. Wir liefen einfach mit den Kindern von Briefkasten zu Briefkasten. Dann eröffneten wir einen Büchertisch vor den Arkaden in Neukölln, im Süden, in der Gropiusstadt. Und irgendwann fingen wir mit einem Hauskreis an.
Wir sind definitiv nicht die grossen Evangelisten, aber wir haben uns bemüht. Und Gott hat uns in unseren evangelistischen Hauskreis ein paar Leute einfach hineingeführt.
Die erste Person, die kam, war eine ältere Dame, Mitte sechzig, mit einem Schicksal, das man ohne zu übertreiben als schwer bezeichnen kann. Nach dem Krieg vertrieben, dann, wenn ich mich recht erinnere, sechs Kinder. Verheiratet mit einem Alkoholiker. Eine Frau, die ein Leben lang putzen gegangen war, um sich und ihre Familie irgendwie durchzubringen. Eine ganz kleine, zierliche Frau, irgendwie pfiffig, aber auch vom Leben gezeichnet. Reni.
Solange ihr Mann es erlaubte, kam Reni in unseren Hauskreis. Später dann, als er es verbot, trafen wir uns heimlich. Sie passte auf ihre Enkel auf, und ich fuhr dann dorthin. Wir machten dann Bibelstunde.
Reni war eine Frau, die das Evangelium in sich aufgesogen hat. Sie meinte, sie hätte ein Leben lang schon gewusst, dass es Gott gibt, und sinngemäss auch darauf gewartet, ihn endlich finden zu dürfen. Und eines Tages war es dann so weit. Sie war an dem Punkt, dass sie dem Herrn Jesus ihr Leben übergeben wollte. Sie wollte den Herrn Jesus als Herrn in ihr Leben aufnehmen. Sie wollte die Last ihrer Sünden ablegen. Sie wollte tatsächlich ewiges Leben bekommen.
Und da sassen wir dann in Berlin-Rudow. Die Enkel spielten, und es war so weit. Es war einer dieser heiligen und gleichzeitig total schlichten Momente, in denen sich das Schicksal eines Menschen entscheidet. Ich wollte, dass sie ein Übergabegebet macht, aber das war so gar nicht ihre Art. Und sie sagte dann: Jürgen, bete du. Dann habe ich für sie gebetet. Und wer hat diesem Gebet, diesem Übergabegebet, mit einem Amen zugestimmt? Wisst ihr?
Und in diesem Moment wurde aus einer Frau, die mehr Unglück und schlimme Tage in ihrem Leben erlebt hat, als ich mir vorstellen kann, eine Jüngerin Jesu.
Was eine Seele wirklich satt macht
Frage: Warum erzähle ich euch diese Geschichte? Weil ich mich kaum noch an die Zeit mit Reni erinnere, aber sehr deutlich an den Moment, als ich zurückfuhr. Ich saß im Auto. Wir hatten damals einen roten Toyota. Und ich sehe mich noch, wie ich auf dem Weg nach Hause immer wieder voller Begeisterung aufs Lenkrad einschlage, jauchze, mir die Tränen in die Augen schießen und ich vor Begeisterung nicht weiß, wie mir geschieht.
Diesen Moment zu erleben, in dem ein Mensch Kind Gottes wird, Geburtshelfer zu sein und das Evangelium erklärt zu haben, ist etwas Besonderes. Nochmal: Ich bin definitiv kein Evangelist, und ich war selten so dicht an einer Bekehrung dabei. Aber ich weiß bis heute, wie Jesus sich gefühlt haben muss, als er merkte, dass hier jemand von Gott für ein Gespräch über das Evangelium vorbereitet worden war.
Nochmal Johannes 4,34: Meine Speise ist, dass ich den Willen dessen tue, der mich gesandt hat, und sein Werk vollbringe.
Es ist so leicht, dass wir, auch als Christen, denken, dieses Leben wäre dazu da, Erfolg, Glück, Gesundheit oder Spaß zu finden. Falsch! Falsch! Dieses Leben ist dazu da, dass wir Gott finden. Das ist Punkt eins: Sorge dafür, dass du nicht verloren gehst.
Aber wenn du Gott gefunden hast, wenn dir deine Sünden vergeben sind, wenn du als Jünger Jesu einen Meister hast, dem du folgst, wenn du Gerechtigkeit und Heiligkeit und Erlösung gefunden hast, wenn du Kind Gottes geworden bist und ewiges Leben in dir trägst, dann lasst uns das tun, wozu Gott uns gesandt hat. Dann lasst uns die Momente nutzen, in denen Menschen offen sind für geistliche Wahrheiten. Lasst uns Gottes Willen tun, sein Werk vollbringen.
Als Christen sind wir Leib Christi, und wir sind dazu berufen, dort weiterzumachen, wo Jesus aufgehört hat. Und wenn wir das tun, wenn wir gern aus unserer Komfortzone heraustreten, wenn wir Situationen nutzen, die uns irgendwie unangenehm sind, dann werden wir feststellen, dass unsere Seele satt wird.
Der Mensch lebt wirklich nicht vom Brot allein. Wir sind geistliche Wesen. Wir können Gott in Geist und Wahrheit anbeten, wir können ihm dienen und erleben, wie unsere Seele satt wird, wenn wir uns mit unserem Leben im Willen Gottes befinden.
Leben aus Gottes Wirklichkeit
Wie stillt Gott unseren Durst auf Leben? Die Antwort ist ganz einfach: indem er uns herausrettet aus den Denkweisen und aus den Narrativen dieser Welt.
Heidenleben: Aber ihre Seele wird nicht satt. Satt wird unsere Seele nur, wenn sie den Willen Gottes tut und sein Werk vollbringt. Wir müssen da weitermachen, wo es sich lohnt, wo Gott am Wirken ist und wo er uns einen Auftrag gegeben hat.
Lasst uns als Christen nicht wie Heiden leben, die denken, dass es nur dieses eine Leben hier gibt. Das ist nicht wahr.
Lasst uns vielmehr erleben, wie gut es unserer Seele tut, am Herzschlag Gottes unterwegs zu sein, wie gut es unserer Seele tut, Jesus zu bekennen, wie gut es unserer Seele tut, das Evangelium zu predigen, vielleicht auch nur ein paar evangelistische Zeitungen in den Haselhorst zu verteilen und dafür angepöbelt zu werden.
Wo wir das tun, wird uns das mehr erfüllen als noch eine Serie zu schauen, noch ein neues Rezept auszuprobieren, noch eine neue App herunterzuladen oder noch eine Stunde Sport?
Jesus hat uns das vorgemacht. 1. Johannes 4,34
Nochmal: Meine Speise ist, dass ich den Willen dessen tue, der mich gesandt hat, und sein Werk vollbringe.
Fragen für die gemeinsame Auswertung
Ich habe euch für die Gruppen Fragen mitgebracht. Wir wollen ja dann auch wieder in den Gruppen weiterarbeiten und gemeinsam nachdenken. Die Fragen lauten diesmal so:
Punkt eins: Eigentlich gar keine Frage. Es wäre schön, wenn ihr einander kurz berichten könntet von so einem satt machenden Moment, in dem ihr im Willen Gottes unterwegs wart. Wo ihr – und das muss jetzt nicht unbedingt Evangelisation gewesen sein – vielleicht einfach etwas richtig Tolles, Gutes getan habt, und ihr gemerkt habt: Hier hat Gott eine Situation vorbereitet, ich war da, und das war gut. Und ich war danach total erfüllt. Berichtet euch davon, wie Gott euch da gebraucht hat.
Und die zweite Frage: Wo befinden sich in der nächsten Woche Chancen auf Gespräche, für die ihr als Gruppe beten könnt? Wisst ihr, wir können dafür miteinander beten, dass diese Chancen sich realisieren und dass wir auch den Mut aufbringen, sie zu nutzen.
Und noch mal: Wenn du Evangelist bist von deiner Grundbegabung, dann wirst du nicht verstehen, warum man für Mut beten muss. Aber wenn du ein ganz normaler Christ bist, wenn für dich evangelistische Gespräche eine Herausforderung sind, wenn du dieses ungute Gefühl in der Magengegend kennst, bevor du dann den Mund aufmachst, um dich zu Jesus zu bekennen, dann lohnt es sich, vorher für diese Gespräche zu beten. Und das könnt ihr miteinander in der Gruppe tun.
Das war’s für heute. Ich freue mich für euch auf die Gruppe. Gott segne euch. Amen.
Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!
Seine App "Frogwords" gibt's für Android und iOS.
Jürgens aktuellste Gebets-Infos gibt's hier zum Lesen und Abonnieren.

