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Apostelgeschichte 16,16-25 - Singen geht immer

Apostelgeschichte 16,16-16,2516.02.2020
Serie•Teil 37 / 64Apostelgeschichte
Wenn dich Entmutigung packt, ist Rückzug nicht die Antwort. Mitten im Druck kann Dank und Lob dein Gegenmittel sein – selbst dann, wenn alles nach Aufgeben schreit.

Ein Titel, der auf den ersten Blick irritiert

Titel der Predigt: Singen geht immer.
Ihr werdet sagen, was ist das für ein komischer Titel? Naja, es gibt einfach Themen, bei denen man, wenn man mal so wie ich nachts um halb eins feststellt, die Predigt ist es nicht, sagt: Es gibt Themen, die kannst du immer und immer wieder predigen. Also die muss man auch immer wieder predigen. Das ist so wie TÜV: Man muss immer mal schauen, ist der Schweller jetzt durchgerostet oder noch nicht? Und so ist das hier auch. Das ist so ein Thema, bei dem man schauen muss: Haben wir das noch im Blick oder nicht?
Von daher macht man bei dem Thema, das ich heute vorstellen will, einfach nichts falsch. Singen geht immer.
Und ich möchte euch mit hineinnehmen in die Apostelgeschichte, Kapitel 16. Wir stecken hier bei Paulus und seinem Missionsteam auf der zweiten Missionsreise. Sie sind seit Kurzem in Philippi. Philippi, das ist Griechenland. Sie wohnen im Haus der Lydia. Dort ist eine kleine Gemeinde entstanden. Und wie das halt so ist, irgendwann fangen die Probleme an. Dann wird aus schlimm schlimmer, und am Schluss sitzen dann Paulus und Silas im Gefängnis. Aber das können wir uns der Reihe nach anschauen.

Der erste Zusammenstoß mit der unsichtbaren Welt

Wir gehen mal rein in den ersten Text. Für alle, die eine Bibel dabei haben: Apostelgeschichte 16,16-18. Die anderen können hier vorne mitlesen. Also Paulus in Philippi, ab Vers 16:
Es geschah aber, als wir zur Gebetsstätte gingen. Das war eine Gebetsstätte etwas außerhalb der Stadt, wo sich normalerweise Juden zum Gebet getroffen haben. Es geschah aber, als wir zur Gebetsstätte gingen, dass uns eine Magd begegnete, die einen Wahrsagegeist hatte. Sie brachte ihren Herren großen Gewinn durch Wahrsagen. Diese folgte dem Paulus und uns nach und schrie und sprach: Diese Menschen sind Knechte Gottes des Höchsten, die euch den Weg des Heils oder der Errettung verkündigen. Dies aber tat sie viele Tage. Paulus aber wurde unwillig, wandte sich um und sprach zu dem Geist: Ich gebiete dir im Namen Jesu Christi, von ihr auszufahren. Und er fuhr aus zu derselben Stunde.
Bis dahin erst mal. Jetzt sind wir so ein bisschen im Text angekommen.
Ich fange mal so an: Bei aller Scharlatanerie rund um das Thema Wahrsagen, Horoskope, Medien muss uns als Bibellesern eines klar sein: Es gibt tatsächlich eine reale, unsichtbare Welt der Geister. Da gibt es die guten Geister, die wir im Allgemeinen Engel nennen, und dann gibt es die bösen Geister, das sind die Dämonen.
Es gibt Menschen, die von Dämonen beeinflusst werden, und manche sogar besessen. Und um das deutlich hier auch noch mal zu sagen, weil man da manchmal die Frage hat: Wie ist das mit psychischen Erkrankungen? Nicht jede psychische Erkrankung, die ein Mensch hat, ist gleich eine Form von Besessenheit. Wir sollten auch nicht hinter jeder Psychose gleich einen Dämon vermuten. Aber gleichzeitig, auch wenn ich das so sage und wenn ich sage, ich glaube daran, dass es wirklich auch einfach psychische Erkrankungen gibt, müssen wir uns darüber im Klaren sein, dass heute auch noch Dämonen ihr Unwesen treiben. Und es wäre wahrscheinlich falsch zu glauben, dass es heute nicht mehr dazu kommen könnte, dass ein Dämon von einem Menschen Besitz ergreift.
Wo sind diese Menschen? Das ist eine gute Frage. Wenn es sie gibt und unserer Gesellschaft so etwas passieren würde, würde man solche Menschen wegsperren, in geschlossene Abteilungen.
Hier ist eine Frau, eine junge Frau, und sie war besessen. Sie lebt in einer heidnischen Gesellschaft, wo dieser Wunsch, die Zukunft zu kennen, ganz weit verbreitet ist. Und sie kann mit dieser Gabe für ihre Herren eine unglaublich gute Einnahmequelle darstellen.
Kurzer Hinweis, das ist euch vielleicht inzwischen klar: Für Christen und Wahrsagerei, Christen und Medien, das geht gar nicht. Wir halten uns aus dem Okkulten raus. Oder um es mal positiv zu sagen: Wir stehen tatsächlich auf der Seite des Lichts und nicht auf der Seite der Finsternis.
Man kann in dieser Gemeinde nicht Mitglied sein, wenn man Wahrsagerei betreibt oder sich nicht sehr klar von einem okkult-esoterischen Umfeld losgesagt hat. Man muss sich da entscheiden: Wozu gehöre ich?

Warum Paulus eingreift

So, jetzt zurück zu der Frau.
Wir haben das Phänomen, dass diese Frau hinter den Aposteln herschreit und sagt: Diese Menschen sind Knechte Gottes des Höchsten, die euch den Weg des Heils verkündigen. Das klingt doch eigentlich gar nicht schlecht, oder? Diese Menschen sind Knechte Gottes des Höchsten, die euch den Weg des Heils verkündigen. Warum wird Paulus eigentlich unwillig? Also müsste er sich nicht über diese Werbung aus dem Mund eines stadtbekannten Mediums freuen? Die Frau, die anderen die Zukunft prophezeit, macht Reklame für die Apostel.
Nein, ist es nicht. Und wir sehen das tatsächlich nicht nur hier bei Paulus, sondern wir sehen das auch schon bei Jesus selbst. In Lukas 4,33-35 lesen wir Folgendes: Und es war in der Synagoge ein Mensch, der einen Geist eines unreinen Dämons hatte, und er schrie auf mit lauter Stimme und sprach: Ach, was haben wir mit dir zu schaffen, Jesus Nazarener? Bist du gekommen, uns zu verderben? Ich kenne dich, wer du bist: der Heilige Gottes.
Was macht Jesus jetzt? Vers 35: Und Jesus bedrohte ihn und sprach: Verstumme und fahre aus von ihm.
Also wieder genau das Gleiche: Der Dämon macht Werbung, so wie diese Frau, und Paulus wird unwillig beziehungsweise Jesus treibt diesen Dämon aus. Also die Frage: Warum wird Paulus unwillig und treibt wie Jesus den Dämon aus? Drei Gründe.
Punkt 1: Christentum und Spiritismus sind nicht kompatibel. Dämonen sind per se als Wesen nicht pro Christentum. Selbst dann, wenn sie, und jetzt sage ich mal vermutlich nicht ganz freiwillig, so etwas wie die Wahrheit sagen, dann geht es ihnen niemals darum, einen anderen Menschen zum Herrn Jesus zu führen. Es mag sein, dass sie in der Gegenwart des Heiligen Geistes tatsächlich nicht anders können, als ein Bekenntnis für Gott abzulegen. Aber das ändert erst einmal nichts an ihren grundsätzlich bösen Absichten. Und deswegen muss sich ein Apostel immer gegen das Böse stellen und damit dann eben auch gegen die Dämonen, auch wenn die ausnahmsweise mal die Wahrheit sagen. Das ist der erste Grund: Christentum und Spiritismus passen nicht zusammen.
Ein zweiter Grund: Das, was die Magd hier sagt, klingt in unseren Ohren besser als wahrscheinlich in den Ohren der Philipper. Wenn sie nämlich sagt: Diese Menschen sind Knechte Gottes des Höchsten, die euch den Weg des Heils verkündigen, dann denken wir bei Worten wie Gottes des Höchsten an den Gott der Bibel. Und wenn wir hören: den Weg des Heils oder der Errettung, dann denken wir an das Evangelium.
Aber die Frage ist: Wie hat ein x-beliebiger Heide denn diese Worte aus dem Mund dieser jungen Frau verstanden? Und da merkt man sofort: Okay, der hört auch nur höchster Gott. Aber der denkt nicht unbedingt an den Gott der Bibel, sondern der hat da eben den Gott vor Augen, der in der jeweiligen Stadt gerade als höchster verehrt wurde. Und wenn es darum geht, dass sie den Weg des Heils verkündigt, na ja, wie soll ich das sagen? Zum einen könnte man übersetzen: nicht den Weg des Heils, sondern einen Weg des Heils. Hier steht im Griechischen nämlich kein Artikel. Und es bleibt auch völlig offen, welche Form der Errettung hier gemeint ist.
Also die Magd selbst war ja eine, die Errettung ins Leben von Menschen gebracht hat. Sie hat ihnen die Zukunft prophezeit. Und jetzt stell dir vor, du hast vielleicht Erfahrungen mit dieser Frau gemacht, mit ihrer Hellseherei. Und mit einem Mal hörst du diese Worte und du denkst natürlich nicht ans Evangelium, sondern du denkst an genau die okkulten Erfahrungen, die du mit dieser Frau gemacht hast. Allein der Job, den sie hat, macht sie schon gefährlich für Missverständnisse.
Und ein dritter Grund: Also der erste Punkt war, Christentum und Spiritismus passen nicht zusammen. Der zweite Grund, warum Paulus unwillig wird, ist, dass was sie sagt, in unseren Ohren toll klingt, in den Augen der Zuhörer aber total gefährlich, fast verführerisch. Und ein dritter Punkt ist einfach nur Mitleid.
Also beherrscht zu werden, nicht mehr Herr seiner Sinne zu sein, und sei es auch nur ab und zu, das ist einfach nicht in Ordnung. Das ist nicht, wofür Jesus steht. Wenn der Heilige Geist durch die Bekehrung in unser Leben hineinkommt, ich formuliere es mal so, dann kommt er als Gentleman. Dann hat er eine ganz zurückhaltende Art. Der Heilige Geist lässt mir meine Freiheit, er bereichert, er entwickelt meine Persönlichkeit.
Und nicht so wie ein böser Geist: Der böse Geist kommt, wenn man das mal als Bild gebrauchen will, nicht als Gentleman, sondern als Vergewaltiger. Er beraubt einen Menschen seiner Selbstbestimmung und seiner Persönlichkeit. Und deswegen, weil das so ist, greift Paulus ein, gebietet dem bösen Geist auszufahren. Er kann einfach nicht anders. Er sieht mitleidig diese junge Frau, und er muss etwas tun.

Der Preis der Nachfolge

In dem Moment, in dem er das tut, fangen die Probleme an, denn die Geschichte geht weiter. Apostelgeschichte 16,19-24.
Als aber ihre Herren sahen, dass die Hoffnung auf ihren Gewinn dahin war, also da freut sich keiner darüber, dass es der Frau wieder gut geht, griffen sie Paulus und Silas und schleppten sie auf den Markt zu den Vorstehern. Und sie führten sie zu den Hauptleuten und sprachen: Diese Menschen, die Juden sind, verwirren ganz und gar unsere Stadt und verkündigen Gebräuche, die anzunehmen oder auszuüben uns nicht erlaubt ist, da wir Römer sind.
Merkt ihr: Nicht ein Wort von den wahren Beweggründen. Aber dann kommt wieder diese Mischung, die über die Jahrhunderte hinweg immer funktioniert hat und immer die Massen bewegt hat. Du brauchst immer so eine Mischung aus Rassismus und Lüge. Das sind Juden, die wollen, dass wir ihre Gebräuche machen. Und damit habe ich das Stigma. Und jetzt sind die Massen bewegt.
Wenn sich jemand hinstellt und sagt: Na ja, ich bin zwar schon reich, und jetzt hat mir hier jemand diese Frau weggenommen, dann hätten alle gesagt: Na und, was interessiert es mich? Ja, du bist eh schon reicher Pfeffersack, du brauchst nicht noch mehr. Ein bisschen Lüge, ein bisschen Rassismus.
Vers 22: Und die Volksmenge erhob sich zusammen gegen sie, und die Hauptleute rissen ihnen die Kleider ab und befahlen, sie mit Ruten zu schlagen. Und als sie ihnen viele Schläge gegeben hatten, warfen sie sie ins Gefängnis und befahlen dem Kerkermeister, sie sicher zu verwahren. Dieser warf sie, als er solchen Befehl empfangen hatte, in das innere Gefängnis und befestigte ihre Füße im Block.
Das war schlimm, schlimmer Gefängnis, könnte man meinen. Aber was, wenn ich jetzt an der Stelle nicht sagen würde: schlimm, schlimmer Gefängnis, sondern einfach sagen würde: Nein, hier ist gar nichts schlimmer geworden. Also nur weil man Gottes Apostel ins Gefängnis wirft, kann man doch Gott nicht aufhalten.
Jetzt wird vielleicht jemand denken: Aber Jürgen, geht es bei dem Thema Führung nicht darum, dass uns Gott aus allem Schlamassel heraushält? Ist die Leitung des Heiligen Geistes nicht dazu da, dass wir quasi von grüner Au zu grüner Au hüpfen und immer nur dem guten Hirten folgen? Ist das nicht Christentum und vielleicht der Grund dafür, dass man sich bekehrt hat? Hoffentlich nicht.
Also: Christentum ist die Einladung, Jesus nachzufolgen. Christentum ist die Einladung, ein Kreuz zu tragen und sich in einem kosmischen Konflikt zu positionieren. Merkt ihr, wie leicht Paulus und Silas sich den ganzen Streit hätten ersparen können? Einfach nur ein kleiner Kompromiss mit dem Okkultismus ihrer Zeit, warum diese einflussreichen Geschäftsleute gegen sich aufbringen?
Und die Antwort ist ganz simpel: Weil sie Jesus nachfolgen, weil sie Jünger Jesu sind und weil sie, und wir hoffentlich auch, ganz am Anfang ihres geistlichen Lebens eine ganz wichtige Lektion gelernt haben. Und mein Tipp: Wiederholt diese Lektion oft. Sie gehört zu den geistlichen Wahrheiten, die, wenn man sich mit zwanzig bekehrt, dann ist das eine, die ist total präsent, dann sagen wir: Ja! Mit dreißig fängt man langsam an, diese Wahrheit zu vergessen, und mit vierzig vielleicht sogar an der einen oder anderen Stelle mit unserem Leben durchzustreichen.

Was echte Hingabe bedeutet

Und ich meine diese Wahrheit, O-Ton Jesus aus Lukas 14,33: So kann nun keiner von euch, der nicht allem entsagt, was er hat, mein Jünger sein.
Jüngerschaft heißt Nachfolge. Und zwar egal wohin.
Ich habe mir vor wenigen Wochen ein Video angeschaut von einer Institution, die heißt French Alliance International. Der Titel dieses Videos war „Sheep among wolves“, also „wie Schafe mitten unter Wölfen“. Es geht um Christen in muslimischen Ländern.
Unter anderem hat eine Ex-Muslima gesprochen, über eine Frage, mit der sie sich jetzt auseinandersetzt. Sie hat sich bekehrt, und wenn du dich bekehrst, musst du bestimmte Dinge in deinem Leben klären. Die Frage, mit der sie sich auseinandergesetzt hat, war eine Frage, die ich mir noch nie gestellt habe. Ich werde sie mir hoffentlich auch nie stellen. Und sie war so weit weg, dass ich mir dachte: Boah, das heißt es, Jesus nachzufolgen in einem muslimischen Land?
Also, die Frage ging so: Was werde ich denken, wenn Angehörige des Geheimdienstes den Gottesdienst sprengen und anfangen sollten, mich zu vergewaltigen?
Ich habe mir die Frage angehört, und ich gebe zu: Ich habe mir den Vortrag angehört, während ich gerade auf dem Rudergerät saß. Rüsch, rüsch, rüsch, ja. Und dann hörst du dir so einen Vortrag an, und dann kommt diese Frage. Als die Frage kam, hat es mir förmlich den Hals zugeschnürt. Ich dachte: Boah, also, ich weiß nicht. Wenn wir verfolgt werden, was ist die schlimmste Sache, die dir passieren könnte? Ja, was ist das für eine Frage? Was ist das für eine Realität, in der diese Ex-Muslima als Christin lebt? Eine Frau, die weiß: Ich bin in den Augen meiner Gesellschaft eine Abtrünnige, ein Murtad. Ich besitze keinerlei Rechte mehr.
Und doch ist das genau die Realität der Christusnachfolge im Nahen Osten.
Dann hat sie die Antwort gegeben, und da musste ich aufhören zu rudern, weil ich dachte: Boah, das habe ich noch nie gehört. Ich kann euch das übersetzen, das Video war auf Englisch. Sie hat dann gesagt: Wenn es dazu kommt, dass man mich vergewaltigt, dann werde ich meinen Leib als ein lebendiges Opfer hingeben und für meinen Herrn leiden.
Ich höre das, und eifrige Bibelleser wissen: Sie zitiert Römer 12,1: Ich ermahne euch nun, Brüder, durch die Erbarmung Gottes, eure Leiber darzustellen als ein lebendiges, heiliges, gottwohlgefälliges Opfer, was euer vernünftiger Gottesdienst ist.
Ich kenne den Vers auswendig. Ich habe über den Vers gepredigt. Ich habe mir Gedanken gemacht, was der Vers für mein Leben bedeutet. Aber das, was diese Frau da formuliert hat, wäre mir nie in den Sinn gekommen.
Und sie hat recht. Wisst ihr, sie hat einfach recht. Es ist ein vernünftiger Gottesdienst. Es ist logisch. Es ist die einzig sinnvolle Antwort auf eine Liebe, die ans Kreuz geht.
Wenn Gott, und das müssen wir uns einfach überlegen, wenn Gott alles gegeben hat, dann tue das einfach auch, und Punkt. In letzter Konsequenz ist Nachfolge genau so einfach: Gott gibt alles für mich, und ich gebe alles für ihn, mein Leben und meine Ehre eingeschlossen.
Ich lasse mich von ihm gebrauchen, um die Menschen an den Orten zu erreichen, die Gott in seiner Vorkenntnis erwählt hat, von mir das Evangelium zu hören.

Lob als Antwort im Dunkeln

Und jetzt zurück zu unseren beiden Aposteln im Gefängnis. Bei ihnen ist es nämlich kein Stück anders. Sie werden zu Unrecht angeklagt, sie werden entehrt, geschlagen. Es steht extra im Text: viele Schläge. Sie kommen in eine Zelle im Hochsicherheitstrakt, die Füße im Block. Und wir können uns das vorstellen: hungrig, den Rücken voller frisch geronnenem Blut, es ist dunkel, sie haben Schmerzen.
Und jetzt meine Frage: Wäre das nicht spätestens der Moment für, ich sage mal, eine ordentliche Portion Selbstmitleid? Immer wenn du an der Stelle hängst, das wäre doch spätestens der Moment, wo du sagst: Wenn Selbstmitleid, dann jetzt.
Und ein bisschen weiß ich, wovon ich spreche, wenn ich das so sage. Ich glaube gerade, dass die unter uns, die Nachfolge ernst nehmen, dass die, die wirklich für Gott rennen, manchmal in Situationen kommen, die sich so falsch anfühlen, dass Selbstmitleid eine echte Versuchung darstellt. Und ich würde nicht so weit gehen, dass sich gleich Zweifel breitmachen oder dass ich meinen Glauben in Frage stelle. Aber wisst ihr diese Mischung aus: Einerseits, ich gebe wirklich Gas, ich mache, soweit ich das sagen kann, alles richtig, und dann bin ich trotzdem der Loser, denn es klappt trotzdem nicht, und ich weiß auch nicht, was ich hätte besser machen sollen? Und diese Mischung: Ich mache scheinbar alles richtig, und vielleicht ist es richtig. Und es will einfach nicht gelingen. Das ist eine echte Herausforderung.
Wisst ihr, einem Gott zu folgen, der Menschen nicht mit seiner Macht beeindrucken und überwältigen, sondern sie durch seine Liebe gewinnen will, das scheint mir im geistlichen Leben heute eine der größten Herausforderungen zu sein. Wir hätten doch gerne einen Gott, der oben am Himmel schreibt: Ich bin da! Oder wenn jemand mich nicht mag, dann sage ich: Sei blind! Ja, ein Gott, der mit Macht beeindruckt, das ist das, wonach wir uns ausstrecken. Aber ein Gott, der, ich sage es mal mit meinen Worten, mit Liebe gewinnen will, der bereit ist, mich zu gebrauchen, um mit seiner Liebe Menschen zu erreichen, das kann eine unglaubliche Herausforderung sein.
Wenn ich mir anschaue, warum Leute über die Jahre ihren Glauben wegwerfen, dann spielt nicht immer eine offensichtliche Sünde eine Rolle. Manchmal ist es einfach ein nur immer und immer wieder neu Entmutigtwerden. Und jetzt ist die Frage: Willst du sagen, dass Gott ein Entmutiger ist? Und meine Antwort lautet: Ja und nein. Da muss man beides sagen.
Ja, Gott ist verantwortlich für Situationen in meinem Leben, die, ohne dass ich mich noch groß anstrengen muss, in sich das Potenzial dazu tragen, mich total zu entmutigen. Ich kann nicht sagen, das kommt nicht von Gott. Gott lässt mindestens diese Situationen zu. Und in diesem Sinn ist der Gott, der Gethsemane zugelassen hat, ein Entmutiger.
Aber das ist natürlich nur die halbe Wahrheit, weil er uns erstens genau das versprochen hat: Siehe, ich sende euch wie Schafe mitten unter Wölfe. Und zweitens, und das ist großartig, Gott selbst schafft die Voraussetzungen dafür, dass eine solche Situation, die mich entmutigen kann, mich nicht überfordern muss. Er verspricht mir für alles Leid einen guten Lohn. Er versichert mir, dass das Leid, durch das ich gehe, zum Guten mitwirken muss, also nicht sinnlos ist. Er ist da, er geht mit mir durchs Leid, und er verspricht mir, dass er für jede Versuchung auch einen Ausweg schaffen wird.
Und der wichtigste Punkt ist wohl der: Ich darf ihm mitten im Leid meine Sorgen bringen. Ich darf mich von ihm mitten im Leid trösten lassen, mich von seinem übernatürlichen Frieden beschenken lassen. Und weil er das tut, ist er eben kein Entmutiger, obwohl er uns aus Liebe zu den Menschen, die er mit dem Evangelium erreichen will, in Situationen hineinschlittern lässt, die uns alles andere als angenehm sind.
Und die Frage ist: Glaubst du das? Glaubst du, dass Nachfolge das darf? Glaubst du, dass Gott ein Gott sein darf, der dich an eine Stelle setzt, wo du sagst: Boah, das ist jetzt nicht dein Ernst? Und Gott sagt: Doch, doch! Und jetzt: Glaube, vertraue, häng dich an mich an, lass mich dich retten, dich trösten, dir Frieden schenken. Das will ich alles tun, aber ich nehme dich nicht aus der Situation raus.
Glaubst du das? Ich möchte dir zeigen, wie sich das anfühlt, wenn du das glaubst.

Das Lobopfer als Weg durch die Krise

Um Mitternacht aber beteten Paulus und Silas und lobsangen Gott. Jetzt wisst ihr, wo der Titel herkommt: Singen geht immer. Um Mitternacht aber beteten Paulus und Silas und lobsangen Gott, und die Gefangenen hörten ihnen zu.
Versteht mich nicht falsch: Ich will nicht sagen, dass man in jeder noch so fiesen Situation gleich zum Lobgesang übergehen muss. Aber es wäre definitiv auch falsch, im Selbstmitleid zu baden und am besten wochenlang auf die Gemeinschaft mit Gott oder gleich auf die Gemeinschaft mit den Geschwistern zu verzichten. Das wäre definitiv falsch. Wenn Gott in unserem Leben wirklich Gott ist und wenn wir glauben, dass er keine Fehler macht, dann ist die richtige Reaktion auf Unglück nicht Resignation, sondern Gebet und Lobgesang.
Und vielleicht denkst du jetzt: Das kann ich nicht. Doch, vielleicht willst du es nicht, das kann sein, aber du kannst es. Ich weiß, das hört sich fies an. Aber ich weiß, dass es stimmt. Manchmal müssen wir etwas bringen, was die Bibel Lobopfer nennt: Lob, das uns etwas kostet, das uns nicht leicht über die Lippen geht. Du fängst an zu singen, und alles in dir sträubt sich gegen das Lied, gegen die Worte. Und du bringst dieses Lobopfer. Du kämpfst dir den Weg frei in den Thronsaal, und du merkst: Gebet ist das Mittel, das Gott uns gibt, um tatsächlich der Errettung, die er für uns hat, in der konkreten Situation, in der ich mich befinde, einen Weg zu bahnen.
Da heißt es in Psalm 50,23: Wer Dank opfert, verherrlicht mich und bahnt einen Weg; ihn werde ich das Heil Gottes sehen lassen. Das ist die Realität. Ich opfere Gott Dank. Ich stecke in der Situation, in der ich nicht einfach Halleluja schreien möchte, sondern es ist ein echtes Opfer. Und indem ich das tue und ihn verherrliche, bahne ich den Weg. Das Gebet wird zum Mittel, wie wenn man so eine Schleuse hat, wo man den Schieber oder Schieber aufmacht, und dann kommt die Errettung. Das ist die Idee dahinter: Dank als Opfer. Ich danke, obwohl mir vielleicht gar nicht nach Danken ist. Und indem ich das tue, kommt Gott in mein Leben.
Und ich kann euch an dieser Stelle gar nicht sagen, wie oft ich das getan habe, wie oft ich das erlebt habe. Im Zentrum meiner persönlichen Psychohygiene, schönes Wort, das ich noch nie in der Predigt verwendet habe, aber gut, im Zentrum meiner Psychohygiene steckt genau das Dankopfer. Wenn mein Bauch mir rät, Entmutigung, Groll, Selbstmitleid wären genau die richtige Reaktion auf die Situation, in der ich mich gerade befinde. Du kommst ja irgendwo rein, hast so eine Situation, und dann hörst du in dich hinein, und dein Bauch sagt dir: Jetzt sei mal ein bisschen selbstmitleidig. Jetzt hast du das Recht, mal so richtig einzubrechen. Oder vielleicht ist es nicht Selbstmitleid, dann wird man grollig. Oder vielleicht dieses Entmutigtsein: Keiner mag mich, das hat alles keinen Sinn. Wenn du sagst, das hast du nie, freu dich drüber. Ich habe das mit schöner Regelmäßigkeit. Und immer wenn das kommt, muss ich mir die Frage stellen: Was mache ich denn jetzt? Ich kann nicht sagen, das ist nicht da. Das ist ja da: Selbstmitleid, Groll, Entmutigung.
Und die richtige Reaktion wäre, wenn du denkst, ich liege da gerade im Dunkeln mit frisch aufgeschlagenem Rücken im Block. Die richtige Antwort wäre Lobpreis und Dank. Und wir merken sofort: Das will ich aber nicht. Stimmt, das ist ja der Unterschied zwischen: Du lebst dein Leben oder du lebst in der Nachfolge. In der Nachfolge tun wir das, was Jesus will. Und Jesus sagt: Ich hätte das gern. Und ich kann dir nur diesen Tipp geben: Ich kann es nicht für dich machen, aber ich kann dir den Tipp geben: Probier das aus. Du bist emotional unten, und du fängst an zu danken, und schau, was passiert. Schau einfach, was passiert.
Und der Gag ist: Das ist für uns dieses Lobopferbringen. Das ist für uns als Christen deshalb so wichtig, weil sich der Heilige Geist in einem Leben ohne Dank nicht wohlfühlt. Also wir tragen ja in uns einen Geist der Kraft und der Führung und der Leitung, der uns verändern will. Und jetzt ist die Frage: Wo fühlt der sich denn wohl? Also der Heilige Geist ist ein bisschen wie Orchideen. Habt ihr euch Ideen zu Hause? Also ich habe welche bei mir im Bad stehen, und die blühen prächtig. Und ich bin total erstaunt, weil eigentlich kriegen sie die ideale Pflege, nämlich gar keine. Das ist wirklich so, ja? Also ab und zu kriegen sie mal was, wenn man ... Und das ist genau richtig. Orchideen werden meistens totgepflegt. Die brauchen wenig Wasser, wenig Dünger. Vergesst sie, lasst sie irgendwo in der Ecke stehen, ein bisschen Luftfeuchtigkeit durch die Dusche, gut ist.
Und der Heilige Geist auch so, wie so eine Orchidee: Der mag bestimmte Sachen, und wenn die da sind, dann fängt der an zu blühen, und wenn die nicht da sind, dann verkümmert der. Und wenn ich mir die Frage stelle: Ja, was mag denn der Heilige Geist, wo blüht er denn auf, wo nimmt er mein Leben in Besitz? Dann gehört Dank tatsächlich dazu. Wenn man sich anschaut, wie Paulus darüber schreibt, wer ein Christ dafür sorgen kann, dass er voll Geist wird, also voll Geist werden heißt: Ich stehe dem Heiligen Geist mit seinem Wirken in meinem Leben möglichst wenig im Weg. Ich bin dann voll Heiligen Geist, wenn ich ihn nicht hindere.
Dann gibt es folgende Verse, die möchte ich euch zeigen. Epheser 5,19 heißt es: Werdet voll Geist. Das ist eine Aufforderung. Sorgt dafür, dass der Geist Gottes in euch wirkt. Ja, wie denn? Indem ihr zueinander in Psalmen und Lobliedern und geistlichen Liedern redet und dem Herrn mit eurem Herzen singt und spielt. Sagt allezeit für alles dem Gott und Vater Dank im Namen unseres Herrn Jesus Christus.
Und ihr merkt wieder: Da kommst du nicht drauf, wenn es nicht in der Bibel stehen würde. Was muss ich tun, damit der Geist Gottes mich durchdringt, in mir alle Macht hat? Ganz einfach: Du musst darauf achten, wie du redest. Indem ihr zueinander in Psalmen und Lobliedern und geistlichen Liedern redet und dem Herrn mit eurem Herzen singt und spielt und sagt allezeit für alles dem Gott und Vater Dank im Namen unseres Herrn Jesus Christus.
Das klingt irre, ich weiß. Ich kann euch nur sagen: Probiert es aus, bitte, bitte probiert es aus. Nehmt das mit, als ein Freund des Bibelfers-Auswendiglernens. Pack dir den Vers auf die Wiedervorlage, lern ihn auswendig. Und wenn du das nächste Mal dir die Frage stellst, was soll ich tun in so einer ganz schwierigen Situation, dann weißt du: Gebet und Gesang ist die Antwort eines gläubigen Herzens auf die Herausforderungen des Lebens.
Warum? Weil wir uns tatsächlich in den schwierigsten Situationen geborgen wissen dürfen in Gott. Gott weiß, was er tut, und wir tun einfach gut daran, ihm zu vertrauen. Und wodurch bringe ich Vertrauen zum Ausdruck? Was ist die Quintessenz von Vertrauen? Ich fange an zu singen, ich fange an, Danke zu sagen.

Die Nacht im Gefängnis und ihre Bedeutung für heute

Und wenn ich das Gegenteil tue, wenn da so Zweifel und Gemurre und Rückzug und Selbstmitleid in meinem Leben ist, dann dämpfe ich den Heiligen Geist. Und deswegen: Singen geht immer, das war die Überschrift.
Die Geschichte ging darum, dass Paulus und Silas, obwohl sie alles richtig machen, sich gegen die Finsternis stellen, evangelisieren und Gemeinde gründen. Sie werden am Ende ins Gefängnis gesteckt. Und es wäre der Moment, wo sie zu Recht mal sagen könnten: Jetzt nehme ich mir eine Auszeit, und jetzt heule ich einfach mal eine Nacht durch.
Und wir schauen in diese Nacht hinein, und es ist Mitternacht, und sie beten und singen. Und wisst ihr, was dann passiert? Ich meine, das ist eine Kinderstundengeschichte, die meisten von euch werden sehr genau wissen, was dann passiert. Mit einem Mal gibt es ein Erdbeben, und mit einem Mal springen die Türen auf, und mit einem Mal wendet sich das Blatt, und mit einem Mal wird klar, warum Gott sie in dieses Gefängnis gesteckt hat.
Nochmal: Gott ist ein Gott, der nicht mit seiner Macht beeindrucken muss. Gott ist ein Gott, der in seiner Liebe den einzelnen Menschen sucht, in diesem Fall einen Kerkermeister und seine Familie. Er braucht Leute, die dorthin gehen, wo dieser Kerkermeister ist, und er ist nun mal im Gefängnis. Gott gebraucht diese Apostel, um diesen Mann und seine Familie zu erreichen.
Wir hatten heute Morgen Gemeindeforum, und wir sind uns einig: Wir wollen hier in Haselhorst Leute mit dem Evangelium erreichen. Wir freuen uns über die 8 Wohnungen, die gebaut werden, und wir wünschen uns, dass Evangelisten hierher ziehen. Und wir wünschen uns, dass der Laden hier anfängt zu brummen. Und wir wünschen uns Jüngerschaftskurse, und wir wünschen uns all das.
Darf ich euch eines versprechen? Wenn du dich einlässt auf diesen Weg, du wirst abkotzen. Du wirst Momente erleben, wo du sagst: So habe ich es mir nicht vorgestellt. Ich garantiere es dir jetzt am Anfang. Bevor wir anfangen, den ersten Hausbesuch zu machen, bevor wir anfangen, den ersten Flyer zu drucken, bevor wir anfangen, den ersten Jüngerschaftskurs zu initiieren, es wird Momente geben, wo du sagst: So habe ich es mir nicht vorgestellt. Das garantiere ich dir.
Und wenn du dich dann erinnerst an diese Predigt, dann nimm nur diese Worte mit: Singen geht immer. Wenn du dann ganz unten bist und irgendwas passiert ist, was dich total entmutigt, und du weißt nicht mehr weiter, du hast das so schön ausgemalt, dieses Wolkenguckungsheim, das war so wunderschön, ich und mein Hauskreis, und wir wachsen, und wir werden irgendwie deutschlandweit die führende Institution für wie man einen Stadtteil erreicht, und dann liegst du auf dem Boden und heulst, weil irgendwas passiert, und ich garantiere dir, dass das passieren wird.
Dann gebe ich dir jetzt von hier vorne den einzigen Tipp, den ich habe: Fang an zu danken, fang an zu singen, gib deine Sorgen ab, bring dieses Dankopfer und schau, dass Gott dich tröstet, und trau dich, mit ihm durch diese Zeit zu gehen. Es ist das eine große Geschenk, was Gott uns gibt, dass wir mit ihm durch diese schwierigen Zeiten gehen dürfen.
Wenn wir das mitnehmen, wenn wir sagen: Okay, in dem Moment, wo mein Bauch mir sagt, jetzt ist Zeit für Entmutigung, für Bitterkeit, für Selbstmitleid, dann sagen wir nein. In dem Moment, wo du anfängst, ein verzagtes, grolliges Sensibelchen zu werden, in dem Moment nimmst du dir jetzt vor, zu singen und zu danken. Und du wirst merken, das ist wie so ein Gegenmittel.
Es ist ein bisschen wie: Ich habe da unten unseren Praktikanten, und bei ihm muss ich immer ein bisschen aufpassen, dass er mit seinem Zucker das hinkriegt. Und er hat eine Spritze, er hat eine Spritze, eine Notfallspritze. Also wenn der dann zuckend am Boden liegt und ich mitkriege: Oh, da ist was richtig schiefgegangen, dann weiß ich, ich muss diese Spritze nehmen. Da gibt es nur so eine Viola, da ist was drin, und dann ist was in der Spritze. Dann muss man das, was in der Spritze ist, da rein in dieses Glasding drücken, mal schütteln, raus, und dann habe ich von ihm die Erlaubnis zu sagen: Du darfst mir das, was da drin ist, in jeden Muskel spritzen.
Er sagte, als er es mir erklärt hat: Hau das Ding durch die Hose durch in den Oberschenkel, pff, ja, das rettet ihn im Zweifelsfall. Und genau so ist dieser Text: Wenn du da am Boden liegst und zitterst und vor Entmutigung und vor Bitterkeit und vor Angst und vor Frust und Selbstmitleid nicht mehr weißt, wie es weitergehen kann, dann brauchst du das. Du brauchst diese Spritze aus Dank und aus Lobgesang. Dann musst du das tun, und probier es aus, und du wirst merken: Wenn du dich das traust, singen geht immer, dann wirst du in solchen Momenten überleben. Und wenn du es nicht tust, wirst du untergehen. Amen!

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

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