2. Petrus 1,1-4: "Evangelium: Du bist beschenkt von Gott"
2. Petrus 1,1-1,402.04.2012
Serie•Teil 1 / 82. Petrus
Dieser Inhalt wird noch redaktionell aufbereitet.
Aktuell können Elemente fehlen oder falsch angezeigt werden.
Generierte Mitschrift
Die nachfolgende Mitschrift wurde automatisch mit KI-Technologie erstellt und kann Fehler enthalten. Im Zweifel gilt das gesprochene Wort.
Einleitung und Ausblick auf die kommenden Themen
Ein Stück weit muss ich mich erst einmal dafür entschuldigen, dass dieses Jahr, das ja eigentlich ruhiger werden sollte als das letzte Jahr, zumindest war das so die Idee im Januar, der gute Neujahrsvorsatz 2012, ein bisschen ruhiger zu gestalten, das hat nicht ganz geklappt. Sprich: Ich habe es geschafft, gestern die Planung für die Predigten in 2012 zu machen. Jetzt wird der eine oder andere sagen: Super, ist ja auch erst ein Vierteljahr rum. Ja, stimmt.
Also, ich kann euch jetzt sagen, was so ein bisschen vor uns liegt. Da gibt es zum einen zwei biblische Bücher, die ich mit euch gerne dieses Jahr betrachten möchte. Das eine beginnt heute, es wird der sogenannte Zweite Petrusbrief sein. Im Herbst folgt dann ein alttestamentlicher Klassiker, das Buch Ruth, das wir uns anschauen werden. Dazwischen immer mal wieder, weil der eine oder andere sich ja schon fragen wird: Sag mal, da fehlt doch noch was aus dem letzten Jahr. Hattest du nicht mal eine Reihe mit Geistesgaben angefangen und so bei Lektion zwölf abgebrochen? Ja, tut mir leid, ich bekenne mich schuldig. Ich habe sie auch über das gesamte Jahr verteilt. Also, es kommen noch fünf, sechs Predigten zu dem Thema. Einige ganz spannende Sachen werden uns da erwarten.
Ihr werdet sehen: Wer genau wissen will, was wann kommt, damit er zu dem Zeitpunkt, wo wir über Dämonenaustreibung reden, definitiv keinen Freund einlädt, schreibt mir einfach eine Mail. Dann zeige ich euch die Liste.
So, das nur vorneweg, damit ihr wisst: Ich weiß jetzt wieder, was ich tue, und das ist so ein bisschen die Planung, wohin wir wollen. Heute möchte ich mit euch einen Einstieg wagen in den Zweiten Petrusbrief. Einstieg heißt immer: Wir schauen von oben drauf und versuchen, die ersten drei, vier Verse miteinander durchzugehen und uns ein Gespür dafür zu erarbeiten, worum es eigentlich in diesem Brief geht.
Der Zweite Petrusbrief gehört zum Neuen Testament und steht ziemlich am Ende. Er ist einer der Briefe, die man schwer findet, wenn man die Reihenfolge der biblischen Bücher nicht kennt, weil man blättert durch und man blättert definitiv immer drüber. Das ist einfach so ein kurzer Brief, er hat gerade mal drei Kapitel. Also ist es wirklich einmal umblättern, und man ist durch. Insofern: Wer nicht genau weiß, wo er steht und mitlesen möchte, schaut einfach im Inhaltsverzeichnis nach und findet ihn dann direkt. Seite 294. Vielen herzlichen Dank für die Bibeln, die ausgegeben worden sind.
Bevor ich auch nur einen Vers lese: Der Zweite Petrusbrief heißt so, weil er vom Apostel Petrus geschrieben wurde. Bevor ich also inhaltlich noch tiefer einsteige, will ich euch aus der Vogelperspektive sagen, worum es dabei geht und warum ich persönlich diesen Brief ganz, ganz stark für unsere Zeit finde.
Warum dieser Brief heute besonders wichtig ist
Der zweite Petrusbrief ist an eine Gemeinde geschrieben. Wir wissen allerdings nicht genau, an welche, denn das steht nicht so genau da. Normalerweise kennt man ja solche Briefe: Da steht dann, dass sie an die Gemeinde in Rom oder an die Gemeinde in soundsoviel geschrieben sind. Hier ist das nicht der Fall. Es ist ein Brief, den wir auch selbst hätten empfangen können, finde ich. Er ist absolut aktuell, weil er zwei grosse Themen behandelt.
Das eine grosse Thema, oder von der Schreibabsicht her das eigentliche Hauptthema, sind sogenannte falsche Lehrer. Da treten Leute in der Gemeinde auf und sagen: Hört mal her, ich habe da etwas Neues zu sagen. Und die Gemeinde spitzt die Ohren, hört sich das an und ist total begeistert von dem, was sie da hören. Das einzige Problem ist: Das, was diese Leute von sich geben, ist reiner Müll. Falsche Lehrer sind also ein grosses Problem.
Das andere grosse Problem, mit dem sich der zweite Petrusbrief beschäftigt, sind Spötter. Das sind Leute, die sich hinstellen und sagen: Ihr seid doch alle ein bisschen pläm pläm. Und jetzt fragt ihr euch vielleicht, warum mir das so nahegeht, warum ich sage, dass das so aktuell ist. Ich glaube, dass diese beiden Probleme, dass von innen heraus Leute kommen und sich hinstellen und Müll erzählen, und dass von aussen her Leute an uns herantreten und uns als ein bisschen plemplem bezeichnen, etwas total Aktuelles sind.
Und Petrus nimmt sich dieser Thematik an und geht direkt hinein. Er sagt: Okay, falsche Lehre – wovon werden die eigentlich angetrieben? Und er wird uns zeigen, dass falsche Lehre eine falsche Triebfeder hat. Denen geht es eigentlich darum, dass sie das ausleben, was aus ihnen herauskommt: dieses eingebaute falsche Wollen, das im Menschen drinsteckt. Die Bibel nennt das die Begierde. Dieses, nicht nur fast, sondern von Natur aus falsch unterwegs sein, leben diese Leute aus. Es ist ein falsches Versklavtsein unter die eigenen Triebe.
Das ist das, was die Irrlehre ausmacht. Dazu kommen dann falsche Motive. Also nicht nur eine falsche Triebfeder, sondern auch falsche Motive. Da geht es plötzlich um Habsucht, da geht es plötzlich um Selbstdarstellung, da geht es in falscher Weise um Selbstverwirklichung, die verkauft wird. Und daraus kommen dann falsche Lehre und ein falsches Vorbild.
Die Gefahr von innen und von außen
Also, falsche Lehrer sind so lange kein Problem, solange jeder weiß, dass es falsche Lehrer sind. Das ist einfach, oder?
Ich habe mir gerade so ein Leporello gekauft, in dem alle möglichen Religionen nebeneinander erklärt werden, so ungefähr zwanzig Stück. Das fängt an mit: „Was glaube ich?“ Und dann gibt es neunzehnmal: „Was glauben andere?“ Solange ich weiß: „Das glaube ich nicht“, ist alles gut.
Erst wenn ich mir nicht mehr ganz sicher bin, was ich glaube, und ob der andere nicht auch recht haben könnte, wird es schwierig. Es wird deshalb schwierig, weil es immer eine Einheit gibt zwischen dem, was jemand lehrt, beziehungsweise wenn ich zuhöre, dem, was ich glaube, und dem, was ich dann lebe. Also: Das, was ich glaube, und das, was ich lebe, bildet eine Einheit.
Und wenn jetzt die falschen Lehrer – und ich nehme schon mal inhaltlich vorweg, was sie so sagen – sich hinstellen und sagen: „Wisst ihr was, Sünde, so dieses hässliche Unwort, Sünde, kann man alles sein lassen. Ist nicht so wild. Da kannst du eigentlich so ein Stückchen leben, wie du willst.“ Wenn die das predigen und wenn die das durch ihr eigenes Leben dann auch unterstreichen, weil sie es einfach so machen, dann wird es gefährlich.
Wenn die dir sagen: „Weißt du, auch als Christ, da kannst du schon ab und zu mal so ein bisschen die Sau rauslassen, das ist nicht so dramatisch, wir sind doch frei“, und dann machen die das auch noch. Und wenn die dir verkaufen, dass das höchste Ziel im Leben Selbstverwirklichung, Spaß haben und frei sein ist, und sie leben das auch, dann gibt es vor allem junge Christen, die noch nicht so mitbekommen haben, dass das falsch ist. Die schauen sich das an und denken: „Wie cool, ja, das will ich auch.“
Und die falschen Lehrer mit ihrem falschen Lebensstil verführen Menschen, gerade dadurch, dass sie Heiligkeit unterbetonen. Das ist ein ganz großes Problem in unserer Zeit. Ich könnte euch, wenn wir da ankommen, auch Beispiele nennen, wo Gemeinden den Bach runtergehen, weil man von der Kanzel aus hört, also, so bestimmte Sachen waren zwar 1900 Jahre nicht so in Ordnung. Oder: Die waren fast 2000 Jahre nicht so in Ordnung, aber heute – Mann, wir sind doch aufgeklärt – das muss man doch alles ein bisschen anders sehen. Da kann man das doch nicht mehr so eng sehen. Ja, jetzt mal ein bisschen breiter denken, ein bisschen größer denken. Wo kommen wir denn da hin, wenn wir es genau so machen, wie es in der Bibel steht? Ja, wir sind ja von vorgestern, wenn wir so leben.
Und das kommt von der Kanzel, und die jungen Leute hören das und denken sich: Na klar, wenn das der Pastor sagt, dann wird das schon stimmen.
Spott, Zweifel und die Frage nach dem Ende
Und weil ich glaube, dass sich das ausbreitet, diese Tendenz zu einer falschen Liberalität, ist der zweite Petrusbrief für uns wichtig.
Dann hatte ich gesagt, es sind zwei Themen: falsche Lehre und Spötter. Gestern habe ich ein bisschen im Internet geforscht und festgestellt: Ich bin ein Religiot. Religiot ist der Begriff, den man geschaffen hat, um Menschen zu bezeichnen, die an Gott glauben oder religiös sind, aber in den Augen humanistischer Philosophen eigentlich Idioten sind. Ihr könnt das googeln, ja: Religiot. Ihr seid alle, so wie ihr hier sitzt, Religioten. Ihr seid dumm. Und mit Richard Dawkins habt ihr alle einen Gotteswahn.
Ich habe gestern bei einem Blog die Frage gesehen, ob man solche Leute nicht medizinisch behandeln müsste. Und wir schmunzeln darüber, aber das wird ernsthaft diskutiert. Ob man uns nicht so behandeln sollte. Ich meine, es gibt ja für und gegen alles irgendwelche Psychopharmaka. Vielleicht gibt es irgendwo eine Pille. Die schluckt man, und dann hört das auf mit diesem Denken, dass da oben irgendetwas sei und dass es nicht nur diese materialistische Welt gibt, sondern dass da draußen irgendwie eine Seele ist, etwas Unsichtbares und Ewiges. Dass man das einfach wieder wegkriegt.
Also stellen sich Leute hin und sagen: Wisst ihr was, wir leben hier auf einer Erde, und hier ist alles materialistisch, bitteschön. Alles naturwissenschaftlich. Wir wissen nicht genau, wo es herkommt. Ja, am Anfang war nichts, und dann war doch etwas da. Das können wir vielleicht nicht ganz so erklären. Aber spätestens da, wo etwas ist, geht alles bitteschön immer nach Plan, Schritt für Schritt, Ursache, Wirkung. Bitte keine Einschnitte mehr. Gott brauchen wir gar nicht. Zufall reicht. Schnitt, Schnitt, Schnitt, Schnitt, Schnitt, Schnitt. Nur lange genug muss es dauern.
Es ist dasselbe, was die Leute hier in 2. Petrus 3 sagen. Sie sagen: Solange wir zurückdenken können, hat sich eigentlich nie etwas geändert. Alles geht immer so Schritt für Schritt. Und weil Gott nie etwas gemacht hat, deswegen kommt Gott auch nicht wieder. Deswegen kommt auch Jesus nicht wieder. Und deswegen bleibt eh alles so, wie es ist.
Ich dachte mir: So modern, oder? Dieses Denken, einfach zu sagen: Ihr seid blöd, wenn ihr daran glaubt, dass Jesus wiederkommt. Dass es wirklich ein Gericht gibt. Dass einmal ein Einschnitt kommt, wo alle Menschen sagen: Huch, wie, ich bin verantwortlich für das, was ich gedacht habe, gesagt habe, getan habe? Ehrlich?
Wir glauben daran, also ich glaube daran, dass es so einen Moment gibt, wo alle Menschen einmal vor einem großen weißen Thron stehen. Ich weiß nicht, es ist ein Bild, bitteschön. Aber da wird irgendetwas sein, und sie stehen davor, und Gott sagt: Komm, okay. Und dann wird in diesem Moment Gericht gehalten.
Und ich glaube daran, dass es für jeden Menschen gut ist, darüber nachzudenken: Wie komme ich an diesem Gericht vorbei? Und es gibt einen Weg, auf dem dieses Gericht an einem anderen vollzogen wird. Ein anderer bezahlt für meine Schuld. Und das heißt in Johannes 5,24, dass wir, wenn wir hören und glauben, nicht ins Gericht kommen, sondern aus dem Tod in das Leben übergegangen sind. Aber der Rest, der nicht hört und glaubt, der kommt in dieses Gericht.
Und jetzt kommen Leute und sagen: Das ist doch Quatsch. Ich finde es ganz lustig: In der heutigen Zeit ist es noch verrückter als damals. Damals wäre wenigstens noch keiner auf den Gedanken gekommen zu sagen, Jesus hat nie gelebt, weil es noch so dicht dran ist, dass es völliger Humbug gewesen wäre. Aber heute fängt man so an: Doch, Jesus gab es gar nicht. Und wenn, na ja, dann war es halt so ein Mensch. Ja, und alles, was er so gesagt und getan haben soll, das ist ihm zugedichtet worden. Und das sind so Spinnereien, das ist doch Quatsch. Ihr seid Religioten, absolut blödsinnig. Man müsste euch sämtliche Hochschulabschlüsse aberkennen, man müsste euch eure Ausbildung aberkennen, wenn ihr so etwas glaubt.
Darum dreht sich 2. Petrusbrief. Auf der einen Seite Leute, die aus der Mitte der Gemeinde kommen und sagen: Haha, Sünde ist nicht so wichtig. Und auf der anderen Seite Leute, die von außen kommen und sagen: Es ist alles blöd.
Ich finde mich da wieder, das will ich ganz ehrlich sagen. Und ich bin nicht nur erstaunt, dass dieselben Probleme, die wir heute haben, vor zweitausend Jahren schon aktuell waren, sondern ich finde es total spannend, darüber nachzudenken, wie Petrus damit umgeht. Was sage ich denn an so einer Stelle, wenn jemand so kommt? Wie gehe ich denn damit um?
Petrus macht Folgendes: Er zeigt uns zuallererst einmal unser Fundament. Und nachdem er uns unser Fundament gezeigt hat – das machen wir heute –, beantwortet er die Frage: Tja, wie lebt man denn richtig, wenn das unser Fundament ist? Gibt es da irgendwie einen Zusammenhang zwischen dem Fundament, auf dem ich stehe, und der Art, wie ich lebe? Das müsste ja eigentlich so sein.
Und wenn ich so lebe, gibt es eigentlich Gründe dafür, dass die Art, wie ich lebe, richtig ist und die anderen falsch liegen? Gibt es da irgendwie so objektive Gründe dafür, warum wir eben doch keine Religioten sind, sondern vielleicht, na ja, ich will nicht sagen klug – das ist schon ziemlich viel –, aber zumindest nicht dumm? Das würde mir ja schon reichen, wenn man so neutral wäre. Gibt es dafür Gründe?
Und er wird uns das zeigen. Und ihr werdet das mit mir hoffentlich genießen, das zu studieren. Es ist nämlich viel einfacher, Christ zu sein, als man so denkt. Man darf es nur nicht kompliziert machen.
Petrus als Zeuge und Vorbild
das Fundament 2. Petrus 1,1 für alle, die mitlesen wollen. Der Autor: Simon Petrus.
Ich glaube, Petrus muss sich nicht mehr vorstellen, oder? Petrus ist der, der immer so ein bisschen zu schnell redet. Wenn ihm ein Gedanke in den Sinn kommt, dann ist er schneller auf der Zunge und schneller raus, als manchmal der Kopf hinterhergekommen ist. Und er sagt manches Mal Dinge, da kann man nur schmunzeln.
Ich denke da an eine Episode: Der Herr Jesus erzählt den Jüngern, dass er leiden, sterben und verworfen werden muss. Und was sagt der gute Petrus? Nein, nein, bloß nicht! Da denkt man: Wer bist du denn, dass du dem Messias sagst, wie der Weg richtig ist? Petrus ist so einer. Das wollen wir aber nicht, das passt irgendwie nicht. Und Jesus muss dann sagen: Tritt hinter mich, Satan. Da ist Petrus in seiner Art kurz mal von der Gegenseite verwendet worden.
Oder der Berg der Verklärung: Jakobus, Johannes und Petrus gehen mit Jesus auf einen Berg. Und oben, Petrus wird die Geschichte auch hier im zweiten Petrusbrief erwähnen, erleben sie etwas von der Herrlichkeit Jesu. Und was sagt der gute Petrus? Der Text, der es in den Evangelien erläutert, schreibt: Er wusste nicht, was er sagte. Also erst mal was sagen. Ich habe zwar nichts zu sagen, und ich habe auch keine wirklich gute Idee, aber ich klappe mal ein bisschen drauf los.
Und das, was er dann sagt, hört sich etwa so an: Denn da tauchen auch noch Elija und Mose auf. Soll ich mal drei Hütten bauen? Schön hier, oder? Du denkst dir: Super, ja? Da unterhalten sich zwei, ich sage mal so, die zwei Leuchtgestalten des Alten Testaments sind gerade wieder auf der Erde, ja? Daneben leuchtet Jesus, sie unterhalten sich irgendwie über die Rettung der Welt, und Petrus sagt: Eine Hütte? So ein Zelt? Wäre doch gut, oder? Ich meine, es wird ja irgendwann dunkel, das muss man auch überlegen, es ist ja sehr pragmatisch. Das ist Petrus.
Ich mag Petrus, weil ich allzu oft in meinem Leben in so Petrus-Situationen drin war. Man sagt etwas, und man hat es gesagt, und man denkt sich: Genau, hätte ich es bloß nicht gesagt. Man weiß es schon, der Satz ist noch nicht mal zu Ende, man hat noch nicht den Punkt gedacht im Satz, da weiß man schon: Das hätte ich nicht sagen sollen.
Also, Petrus muss uns sympathisch sein. Zumal Petrus am Ende vom Petrusbrief auch schreibt. Er ist so ein bisschen anders drauf als Paulus, ja. Paulus schreibt immer so Briefe, die sind so schwer zu verstehen. Da weiß man: Ja, er nicht. Ich muss ehrlich sagen, wenn ich den zweiten Petrusbrief lese, geht es mir nicht ganz so, also dass ich sage: Zweiter Petrus ist ganz einfach und Paulus ist ganz schwer. Aber doch, ich kann mir vorstellen, wenn Petrus nach Korinth kommt, das tut er dort, nachdem Paulus dort die Gemeinde gegründet hat, und dann so ein bisschen erzählt, da gibt es dann später Probleme, weil es gibt eine Petrusfraktion, Leute, die Petrus einfach toll finden, irgendwie toller finden als Paulus.
Und ich kann mir das vorstellen: Da kommt dann so ein Apostel rein und erzählt ein bisschen davon, wie früher war und was er alles so praktisch erlebt hat. Und wie er das so da kann man wahrscheinlich, wenn er von Jesus redet, da hast du wahrscheinlich den Fischgeruch vom Wege Nazareths in der Nase. Da bist du einfach mittendrin, das ist Petrus.
Die Selbstvorstellung des Apostels
Simon Petrus schreibt und stellt sich, wie üblich, vor als ein Knecht und Apostel Jesu Christi.
Der Begriff Knecht beschreibt zweifach: Zum einen die Abhängigkeit. Ich bin jemand, der einen Herrn über sich hat. Ich bin nicht mehr mein eigener Herr. Jesus ist der, der in meinem Leben sagen darf, wo es langgeht. Manche Übersetzungen geben das auch mit Sklave wieder. Und in dem Wort Sklave steckt noch ein zweiter Gedanke.
Der Sklave hatte damals von seiner Wertigkeit her dieselbe Wertigkeit wie das Haus, zu dem er gehörte. Der Sklave im Haus des römischen Kaisers war also eigentlich ein angesehener Mann. Er war zwar unfrei, aber in der Gesellschaft relativ hochstehend. Und beide Gedanken schwingen hier mit: Wir sind einerseits Unfreie. Wir gehören zu einem Herrn, der uns mit seinem Blut gekauft hat. Und auf der anderen Seite teilen wir seine Würdigkeit. Wir sind Himmelsbürger geworden, wir sind Teil seiner Familie.
Knecht und Apostel Jesu Christi. Apostel der ersten Stunde, in diesem innersten Sinn, wie man Apostel verstehen kann: ausgesandt von Jesus, handverlesen, um Gemeinden zu gründen. Petrus ist derjenige, der in der Apostelgeschichte maßgeblich in Jerusalem die erste Gemeinde gründet. Petrus ist derjenige, der sich an Pfingsten hinstellt und sagt: So, besoffen sind sie nicht, aber ich sage euch jetzt mal, wo das herkommt. Das ist Petrus. Petrus ist derjenige, der zu Cornelius geht, einem Heiden, einem Römer, ihm das Evangelium erklärt, ihn, als er sich bekehrt, tauft und damit das Evangelium, die frohe Botschaft, aus der Enge des jüdischen Zirkels herausnimmt und allen Heiden anbietet.
Also: Petrus spielt gerade ganz am Anfang in der Kirchengeschichte eine unglaubliche Rolle. Er ist ein echter Apostel. Und jetzt betont er denen, und jetzt würde man erwarten: was weiß ich, den Christen in Berlin. Das steht da aber nicht, sondern ganz allgemein. Auf der einen Seite dieser Überapostel. Ich verstehe, warum die katholische Kirche, wenn sie sozusagen den Papst auf irgendjemanden zurückführen möchte, Petrus nimmt. Das war eine Gestalt am Anfang. Du kannst dich entscheiden: Paulus oder Petrus. Und wenn ich jemanden möchte, der ganz früh dabei ist, weil Paulus ja über sich selber sagt, ich bin wie so eine Fehlgeburt, irgendwie zu spät gekommen: Petrus.
Und jetzt sagt dieser Petrus denen, die einen gleich kostbaren Glauben mit uns empfangen haben. Ist das nicht eine herrliche Aussage? Petrus sagt: Ich habe Glauben. Und es geht im Zusammenhang um die Dinge, die inhaltlich unseren Glauben ausmachen, vor allem um die Verheißungen, die mit unserem Glauben verbunden sind. Und Petrus sagt: Ich habe von Gott einfach so gigantisch viel an Glauben bekommen, das ist so etwas Kostbares. Und ihr seid mit mir in derselben Liga.
Gleichwertigkeit aller Glaubenden
Kannst du dir das vorstellen? Du bist in derselben Liga, was den Glauben angeht, wie ein Petrus?
Ich fliege selten. Aber immer wenn ich fliege, sitze ich in der untersten Sitzklasse. Da bin ich immer ganz hinten. Das ist die Liga, in der man sagt: Hoffentlich sitzt niemand neben mir, der ein bisschen breiter gebaut ist. Ich weiß nicht, wie es anderen geht, wenn sie fliegen, aber ich habe immer Probleme mit den Knien. Ich weiß nie, wohin ich meine Knie packen soll. Das kann ich mir gut vorstellen. Also: Knie und ich betteln immer schon um einen Gangplatz, weil ich dann ein Bein ausstrecken kann.
In einem Flieger gibt es Unterschiede. Wenn man dann mal aus Versehen ganz vorne reinschaut oder wenn man Bilder von ganz vorne sieht, dann haben die dort richtig Platz. Die kriegen sogar einen Schlafanzug. Ich meine, klar: Wenn ich da zwei Meter habe, wo ich immer nach hinten fahre, dann gibt es halt ganz vorne, dazwischen und hinten. Ich bin hinten, andere sind ganz vorne.
Und man könnte denken, das ist ja überall in der Welt so. Es gibt dieses Oben und Unten, Vorne und Hinten, Erste und Zweite Klasse. Man könnte denken, das ist im Christsein genauso. Es gibt so diese Überflieger: Petrus, Paulus, was weiß ich, wen ihr da jetzt so als persönliche Heilige habt. Und dann gibt es halt uns Normalos, die sich auch ein bisschen anstrengen und irgendwie auch dazugehören. So wie bei einem Film im Abspann, also nicht am Anfang, sondern am Ende. Da, wo man dann schon rausgeht, weil es einfach nicht interessiert, wer der siebzehnte Feuerwehrmann in dem Film war.
Und genau da kommt dieses Denken her. Und jetzt kommt Petrus und sagt: Achtung! Wenn wir uns richtig einschätzen wollen, dann müssen wir begreifen, dass wir einen gleich kostbaren Glauben empfangen haben. Alle Christen, Petrus-Christen und No-Name-Christen, begegnen sich auf Augenhöhe.
Es ist eben nicht so wie bei den Zeugen Jehovas. Da gibt es die 144. Die haben alles. Und dann gibt es die große Volksmenge, die kriegt eine neue Erde. Auch nicht schlecht, aber oben und unten, das gibt es nicht. Sondern wir haben alle denselben gleich kostbaren Glauben empfangen, und zwar durch die Gerechtigkeit unseres Gottes und Heilandes Jesus Christus.
Gott ist gerecht. Und weil Gott so gerecht ist, sagt er nicht: Die einen kriegen die Superverheißung und die Superzukunft und sind mir ganz, ganz nah, und die dürfen alles, und die anderen habe ich auch irgendwie lieb. Sondern Gott sagt: Ich verschenke mich an euch, so dass wirklich jeder von euch gleich kostbar beschenkt ist.
Durch die Gerechtigkeit unseres Gottes und Heilandes Jesus Christus, heißt es. Ich werde an der Stelle nicht einhaken, aber ich werde das einfach noch einmal betonen: Das ist eine der wenigen Stellen, die sehr deutlich macht, dass wir an Jesus Christus glauben als Gott und Heiland. Gott von seinem Sein her, er ist wirklich Gott. Und Heiland von seiner Funktion her, er ist wirklich Retter.
Und dieser Gott und Heiland Jesus Christus hat uns beschenkt. Er hat uns beschenkt, wie genau, kommt gleich noch einmal. Und deswegen kann Petrus uns etwas wünschen, also eigentlich den Briefempfängern. Aber wir tun mal so, als wären wir die Briefempfänger, weil wir ja auch die sind, die einen gleich kostbaren Glauben empfangen haben. Und er sagt: Gnade und Friede werde euch immer reichlicher zuteil.
Gnade und Frieden als Lebensraum
An der Stelle stutze ich immer ein bisschen und denke mir: Hm, ich habe doch schon Gnade und Frieden, wie kann ich denn noch mehr Gnade und Frieden bekommen?
Als Christ glaube ich daran, dass ich begnadigt bin. Gott ist ein gnädiger Gott, ein gnädiger Gott, der gerne schenkt, sich verschenkt. Im Alten Testament, wenn Gott sagt: „Ich bin gnädig und barmherzig, langsam zum Zorn und groß an Gnade“, dann heißt das: Gott verschenkt sich gern.
Wenn Gott auf eine Party kommt, wir wissen das schon, wenn Gott auf eine Party kommt und feststellt, was weiß ich, Hochzeitsfeier, hier wird der Wein knapp, dann geht er nicht noch mal zu Lidl und sagt: Habt ihr noch so für 0,99 im Sonderangebot zwei Kartons vielleicht? Und bringt die dann mit und sagt: Ihr seid eh schon halb betrunken, bitteschön, ihr habt dann noch mal sechs Flaschen? Wenn Gott auf eine Party kommt und mitkriegt, hier geht etwas schief, dann gibt es einfach mal sechshundert Liter, achthundert Flaschen. Und die sind so gut, dass der Speisemeister sagt zu dem Bräutigam: Sag mal, du kennst die Regel nicht so, erst den Guten, dann den Schlechten und nicht erst den Schlechten und dann den Guten.
Also wenn Gott sich verschenkt, wenn Gott irgendwo in das Leben eines Menschen investiert, wenn er gnädig ist, dann immer Vollgas. Das ist nicht so mit angezogener Handbremse, so mit Blick aufs Konto, sondern da ist der allmächtige Gott, der sich einfach mit Power investiert, damit Leben gelingt.
So, und jetzt heißt es hier: Gnade werde euch immer reichlicher zuteil. Und ich fragte mich: Was bedeutet das? In dem Moment, wo ich gläubig geworden bin, bin ich begnadigt worden. Und es gibt Gnade als Konzept sehr stark reduziert auf: Gnade heißt, meine Sünden sind mir vergeben. Das stimmt. Begnadigung heißt, die Schuld meiner Sünde ist bezahlt.
Und da dürfen wir hoffentlich, also ich bete für euch, dass ihr jeden Morgen aufwacht und dass das so pling macht. Wisst ihr, so: Ja, weil das ist entscheidend. Ob dein Bankkonto noch voll ist, ist im Vergleich dazu recht egal. Ich wünsche es dir auch, aber im Verhältnis dazu einfach nur damit: Ja, ich bin begnadigt.
Und jetzt kommt Petrus und sagt: Ja, das ist schön, aber ich wünsche dir, dass Gnade reichlicher zunimmt. Und ich dachte mir: Was bedeutet das denn? Bis ich kapiert habe: Das Leben mit Gott, mit der Begnadigung beginnt, wo meine Schuld bezahlt wird, und dann trete ich ein in ein Leben der Gnade.
Weil, wenn ich einmal begnadigt worden bin, wenn Gott mir gnädig war, dann heißt das ja nicht, dass ich morgen nicht noch mal an anderer Stelle seine Hilfe brauche. Es ist nämlich nicht so, Gott bezahlt deine Schulden und dann sagt er: Tschüss, sehen wir uns im Himmel wieder. Und in der Zwischenzeit musst du halt alleine durchkommen. Stimmt nicht.
Sondern Gott bezahlt meine Schuld, und dann sagt er: So, Kind, komm her, jetzt wollen wir mal sehen, was so jeder Tag an Herausforderungen bringt. Und deswegen kann es im Hebräerbrief Kapitel 4 heißen, dass wir mit Freimütigkeit zum Thron der Gnade kommen, um dort Barmherzigkeit und rechtzeitige Hilfe zu empfangen.
Das heißt, Gott fängt mit Gnade an. Und dann ist das so, er wirft uns quasi in so ein Gnadenbecken rein, und dann können wir da so schwimmen und jeden Tag so ein bisschen Gnade erleben.
Und der beste Vers ist dann für mich zum Thema Gnade im 1. Petrusbrief, also in dem Vorgänger zum 2. Petrusbrief, da heißt es in Kapitel 1 nämlich, dass wir warten auf die Wiederkunft des Herrn, und dann steht da: Was bringt er mit? Gnade. Also wir starten mit Gnade, wir leben in Gnade, wir warten auf Gnade. Und das ist Gott, der uns einfach in Gnade einbettet.
Und deswegen, wenn Petrus sagt: Gnade werde euch immer reichlicher zuteil, dann meint er nicht, ihr müsst irgendwas tun, damit eure Sünden vergeben sind, sondern was er sagt ist: Ich wünsche euch, dass ihr dieses Konzept versteht, dass ihr einen gnädigen Gott habt, dass es nicht darum geht, zu ackern wie ein Tier, damit ich irgendwo die Leiter in den Himmel hochkomme, sondern dass ich mich entspannt. Bitte, ich bin nicht für Faulheit, man muss immer aufpassen, wie man das formuliert, aber ich formuliere es mal so, weil ihr kennt mich und wisst, dass man entspannt einfach sagt: So, ich bin Kind Gottes, Gott hat mich lieb, egal was jetzt kommt, Gott hat mich erst mal lieb. Und wenn irgendwas ist, ich kann mit ihm reden, ich kann zu ihm kommen, er ist da, ich habe einen Papa im Himmel.
Und das zu verstehen, das zu leben, das auch an andere weiterzugeben, das heißt es, dass Gnade reichlicher zuteil wird.
Und bei Frieden ist es genauso. Auf der einen Seite haben wir Frieden mit Gott, da kann auch keiner mehr dran was rütteln. Wir sind keine Rebellen mehr, wir gehören zur Familie. Und auf der anderen Seite, dass dieser Friede in uns regiert, dass er unser Leben prägt, unsere Beziehungen prägt, dass wir ihn weitergeben, dass dieser Friede als Idee, dass Gott uns zum Frieden berufen hat, dazu berufen hat, Friedensstifter zu sein, dass das mehr und mehr unser Leben durchdringt, dass man uns begegnen kann und den Eindruck hat: Ja, von dem geht wirklich Frieden aus.
Das bedeutet: Friede werde euch immer reichlicher zuteil, und zwar in der Erkenntnis Gottes und Jesu unseres Herrn.
Erkenntnis statt bloßer Theorie
Das heißt: Wie finde ich Gnade und Frieden? Wie finde ich das, indem ich immer tiefer verstehe, wer Jesus ist, wer mein Vater im Himmel ist, indem ich Gott besser verstehe?
Und ihr merkt, wie groß dieser Unterschied ist: Auf der einen Seite Philosophien, wo es um Wissen geht. Also wenn ich nicht so heidiger, das ist so, da muss man lesen, lesen, lesen, denken, denken, denken, lesen, denken, lesen, so richtig so. Und wenn man so wie Wolfgang fit genug im Kopf ist, dann versteht man das. Das ist Philosophie.
Und man kann Christentum auf die Ebene einer Philosophie herunterholen und sagen: Na ja, wenn ich nur genug weiß, wenn ich nur genug Bibel gelesen, wenn ich genug Bibelverse auswendig gelernt habe, dann wird schon. Aber das stimmt nicht. Denn all das Wissen, Lesen, Auswendiglernen, Nachsinnen ist ein Mittel, und vielleicht noch nicht mal das einzige Mittel, um zu erkennen.
Und entweder wachsen wir in dieser Beziehung, und dann wird man das merken, weil unser Leben mehr von Gnade und mehr von Frieden geprägt sein wird. Oder wir kriegen einen dicken Wasserkopf und laufen vielleicht irgendwann wie die Irrlehrer durch die Welt, weil wir uns irgendwas zusammengesponnen haben. Denn wenn man genug und lange genug nachdenkt, dann kommt man auf die abstrusesten Ideen. Und wenn man die nur lange genug durchkaut, dann sind die so miteinander verwoben, da kommst du ja dann auch nicht mehr durch. Da bist du dann in deinem eigenen Gedankenkonstrukt gefangen, wie so ein Kokon.
Und damit das nicht passiert, ist es wichtig, dass wir unser Fundament kennen. Und irgendwie hat dieses Fundament etwas mit einer Person zu tun, mit Gott. Und das finde ich ganz, ganz wichtig, dass wir das nie vergessen.
Und dieser Gott, der hat uns beschenkt, das heißt in Vers 3. Und jetzt geht es um Gotteskraft in uns, die Verse 3 und 4. Da merkt ihr schon dieses: „Da muss ich nächstes Mal auflösen, mache ich.“ Also da ist jetzt ein Zusammenhang zwischen dem Vers, den wir jetzt noch anschauen, und der Predigt über nächste Woche. Den Zusammenhang machen wir jetzt nicht. Da seine göttliche Kraft uns alles zum Leben und zur Gottseligkeit geschenkt hat.
Das ganze Leben als Geschenk
Boah, es gibt so Sätze, da weiß ich nicht, da atme ich einfach durch und denke: Vater im Himmel, das ist einfach der Hammer.
Also: Gottes Kraft hat uns beschenkt. Für alle, die die griechische Zeitform mögen: Dieses „Er hat uns beschenkt“ ist in einer Form gewählt, die zum Ausdruck bringt, dass in der Vergangenheit etwas passiert ist. Und heute noch gilt das. Eigentlich schauen wir ins Heute. Wir leben heute als Beschenkte, das ist das, was da steht.
Du bist heute Beschenkter, du hast eigentlich heute Geburtstag. Wenn man Geburtstag hat, dann kommt man, wenn man sonntags Geburtstag hat, kriegt man sonntags früh seine Geschenke und man kommt irgendwie als Beschenkter in den Gottesdienst und denkt sich: Ach, war irgendwie schön. Also vorausgesetzt, man kommt an seinem Geburtstag in den Gottesdienst. Also nehmen wir an, man würde es tun: Man kommt als Beschenkter in den Gottesdienst und so beschwingt. Du kannst jeden Tag so beschwingt durchs Leben gehen, weil du es bist. Du bist heute Beschenkter.
Vielleicht hast du dein Geschenk noch nicht ausgepackt und kannst dich noch nicht so richtig daran freuen. Passiert ja manchmal so. Man lässt das ja so ein bisschen liegen und denkt sich: Hm, ja, irgendwie ist das alles so ein bisschen tröge mit dem Christsein, und ich weiß auch nicht so richtig, ja, hm, hat Gott mich eigentlich lieb?
Der Vers hier sagt: Da seine göttliche Kraft uns alles ... Jetzt kommen zwei Begriffe, die inhaltlich ganz eng beieinander sind: zum Leben und zur Gottseligkeit. Der Begriff für Leben hier beschreibt die intensivste, die göttliche Seite des Lebens. Es ist nicht das natürliche Leben gemeint, sondern eigentlich unser Leben in Bezug zu Gott. Und der Begriff Gottseligkeit, ich nehme an, wer Luther liest, da steht dann Frömmigkeit, ist ein Ausdruck dieser Beziehung zu Gott.
Also Leben und Gottseligkeit beschreiben im umfassenden Sinn mein Leben mit Gott, mein Christsein. Vergebt den Übersetzern der Elberfelder manchmal. Ich weiß auch nicht, warum man so Begriffe wie Gottseligkeit stehen lässt im Jahre 2012. Aber es ist so, und ich übersetze es für euch: Leben und Gottseligkeit heißt christliches Leben, das, was mein Leben mit Gott ausmacht.
So, und hier steht: Seine göttliche Kraft hat uns alles ... Also nicht nur: Du hast so fünf Prozent, die du halt brauchst, um mit Gott zu leben, und die fünfundneunzig, dann müssen wir mal schauen, wie wir da hinkommen. Das stimmt nicht. Gott hat dir alles, das, was du brauchst, um mit ihm zu leben, schon geschenkt.
In manchen christlichen Zirkeln gibt es so Ideen: Wenn du das weißt, das machst, die Erfahrung generierst und so weiter, dann kommst du auf so eine extra hohe Stufe. Da haben die einen ein bisschen was gefunden, ein bisschen was geschenkt bekommen, um mit Gott zu leben, und dann gibt es die, die mehr bekommen haben. Da gibt es ganz verschiedene Sachen. Da gibt es die, die denken, es geht um Wissen. Da gibt es die, die denken an geistliche Erfahrungen, vielleicht, keine Ahnung. Aber es ist falsch. Es muss falsch sein, weil da steht, dass wir alles geschenkt bekommen haben.
Es gibt nicht die Beschenkten und die Nichtbeschenkten. Wieder dieser Gedanke: Es gibt Erste und Zweite Klasse, die, die vorne sitzen, und die, die hinten sitzen. Das stimmt einfach nicht. Du, wie du hier bist. Ich weiß nicht, ob du es glauben kannst, aber das ist nicht mein Problem, weil ich es dir nur predigen muss. Ja, glauben musst du schon selber.
Aber du bist von Gott mit allem beschenkt, was du brauchst, damit du mit deinem Leben, so wie du es führst, in dieser Beziehung zu Gott voll durchstarten kannst. Du bist beschenkt. Mach das Geschenk auf!
Erkenntnis, Berufung und Verheißung
Wodurch, wie passiert das, dieses Beschenktsein? Es heißt, durch die Erkenntnis dessen, der uns berufen hat, und gemeint ist hier der Herr Jesus. Also in dem Moment: Erkenntnis, Einsicht, Verstehen.
Und hier wird auf einen Punkt gezielt. Der Begriff taucht später noch einmal auf und hat dort eine leicht andere Bedeutung. In dem Moment, wo du begreifst, wer Jesus ist. Und viele von euch haben so einen Moment im Leben, wo sie begriffen haben, wer Jesus ist, vor ihm auf die Knie gegangen sind, die Hände gefaltet haben und gesagt haben: Herr Jesus, komm in mein Leben, ich begreife, wer du bist. Das kann dramatischer und weniger dramatisch sein, fließender und weniger fließend, das ist jetzt egal.
Aber dieser Moment, wenn ich ihn mal zusammenstauche, wo ich das erste Mal so richtig tief begreife, wer Jesus ist, wo ich seinen Ruf höre, wo — und das heißt hier so wunderbar: der uns berufen hat durch seine eigene Herrlichkeit und Tugend — wo ich Jesus sehe mit seiner Herrlichkeit, mit seinem Charisma, mit seiner Ausstrahlung, mit seiner Schönheit, mit seiner eigenen Herrlichkeit und Tugend. Wo sich diese Ausstrahlung, dieses Einzigartige in diesem Charakter verbindet mit Integrität, mit Gutsein, damit, dass da einer sagt: Ich habe alles für dich getan.
Wo ich einem Charakter begegne, nicht wieder einer Philosophie. Wir glauben nicht in dem Sinne an die Bibel, klar ist die Bibel ein Mittel, um an Jesus zu glauben, aber wir glauben an eine Person. Und letztendlich geht es darum, von einer Person fasziniert zu sein. Und in dem Moment, wo mich diese Person packt mit ihrer Ausstrahlung, mit ihrer so ganz positiven Andersartigkeit, mit ihrer Einladung, wo ich davorstehe und sage: Wie meinst du das wirklich ernst? Ich kann zu dir kommen? Dieses: Kommt her zu mir, alle ihr Mühseligen und Beladenen. Wer bin ich denn, dass ich zu dem gehe? Mann, der ist Gott, und ich bin nur Wurm. Ich habe doch mit dem nichts zu schaffen.
Und in dem Moment, wo ich das sehe, diese Person sehe, diesen Jesus von Nazaret, Gott im Fleisch, wird Johannes im Johannesevangelium rückblickend sagen: Wir haben seine Herrlichkeit angeschaut, eine Herrlichkeit als eines Eingeborenen vom Vater. Da ist in Zeit und Raum ein Stern aufgegangen, das ist etwas ganz Einzigartiges.
Und in dem Moment, wo wir das begreifen, wer da vor mir steht, mit was für einem Angebot er da steht, ist das gleichzeitig ein Ruf, es ist eine Berufung. Und das zu erkennen, ihn zu erkennen, ist das Mittel, um nicht nur gerettet zu werden, sondern beschenkt zu werden. Da seine göttliche Kraft uns alles zum Leben und zur Gottseligkeit geschenkt hat durch die Erkenntnis dessen, der uns berufen hat durch seine eigene Herrlichkeit und Tugend.
Und der Hammer! Also es gibt so Dinge, da weiß ich einfach, dass alles, was ich sagen kann, zu kurz greift. Und es tut mir dann leid. Da wünschte ich mir einfach mehr Begabung.
Die großen Verheißungen und die neue Wirklichkeit
durch die uns die kostbaren und größten Verheißungen geschenkt hat. Du siehst Jesus, und vielleicht gehst du vor ihm auf die Knie, und du lädst ihn ein, als König in dein Leben zu kommen, damit er dir deine Sünde vergibt. Und eigentlich wäre an der Stelle schon genug, oder? Also wenn mir jemand sagt: Ich nehme dich an und ich vergebe dir deine Schuld, dann hätte ich schon gesagt: Okay, reicht mir.
Und jetzt kommt Gott und sagt: So, ich bin noch nicht fertig. Also wenn Gnade, dann richtig Gnade. Ich lege jetzt mal noch etwas oben drauf. Was hältst du davon, wenn ich dir noch die kostbaren und größten Verheißungen schenke? Also nicht nur Vergebung der Schuld, Frieden mit mir, jetzt gehen wir gemeinsam durch dieses Leben, sondern ich packe noch eins oben drauf. Ich packe mal die Ewigkeit obendrauf. Wir schauen mal nach vorne. Was hältst du davon?
Eine Ewigkeit, hier steht, damit ihr durch sie, gemeint ist in der Realisierung dieser Verheißungen, und das fängt heute an, Teilhaber der göttlichen Natur werdet. Achtung: Wir sind, wir bleiben Monotheisten, ja, wir werden nicht Götter. Und trotzdem versucht Petrus das, was da vor uns liegt, zu beschreiben, und sagt: Irgendwie treten wir ein in so etwas wie Gott Gott ist. Wir haben irgendwie Anteil an diesem ganz Neuen. In einem hellenistischen Kontext würde das bedeuten: Wir sind unsterblich danach.
Und wenn wir darüber nachdenken, dass wir verwandelt werden in das Bild Jesu, habe ich mir überlegt, wie ich euch das klar machen kann, was das heißt, leben zu können, wie man will. Überleg dir das mal. Also mir geht es so: Ich lese die Frucht des Geistes, Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte und so weiter, und ich denke mir: Ja, das würde ich auch gerne mal richtig gut können. Mal so richtig lieben, ohne immer an seine Grenzen zu stoßen. Mal so richtig fröhlich sein, ohne dass das aufhört. Mal so richtig Frieden leben, ohne dass man doch wieder in so ein Meckern und Streiten reinkommt. Langmütig, freundlich, gütig sein. All das, was so Jesus ausmacht, einfach mal in Perfektion leben.
In einem Körper, der neu ist, der passend ist für den Himmel, einfach mal so eine Ewigkeit lang. Eine Ewigkeit lang Genuss bis zum Abwinken, weil ich Mensch sein darf auf dem höchsten Niveau, ohne Sünde, in einer Welt, in der Gerechtigkeit herrscht. Du denkst dir: Das gibt es nicht. Doch, das ist, worum es geht. Das sind die Verheißungen, die Gott uns schenkt. Ohne Leid, ohne Schmerz, ohne Trauer, ohne Geschrei, ohne Angst, ohne Krankheit, ohne Not, ohne körperliche Handicaps, psychische Einschränkungen usw. in eine Wohnung einziehen, die Gott schon vorbereitet hat, die hundert Prozent passend ist für dich.
Nicht nur einfach suchen, wo finde ich eine Drei-Zimmer-Wohnung, wo es auch noch ganz schön ist, wenn wir mal geheiratet haben, sondern etwas, was Gott vorbereitet, wo du reingehst und sagst: Ja, das bin ich. Haha, schick. Und für den einen ist das vielleicht eine kleine Hütte, und für den anderen etwas Größeres, keine Ahnung. Gott hat das vorbereitet. Das ist, was Gott gemacht hat, wie Gott uns beschenkt hat, da seine göttliche Kraft uns alles geschenkt hat, durch die Erkenntnis dessen, der uns berufen hat.
Das Leben als Flucht aus dem Verderben
Und wer sind wir? Was zeichnet uns aus? Ein letzter Satz:
Wir sind die, die dem Verderben, das durch die Begierde in der Welt ist, entflohen sind. Diese Welt läuft auf so eine Feuerwalze zu, und sie wird untergehen. Und in den Menschen steckt dieses Triebhafte, was ich vorhin kurz versucht hatte zu beschreiben: diese Lust nach vergänglichen Dingen, dieses Gebundensein an eine kaputte Welt.
Und jeder, der sagt: Jesus ist mein Herr, sagt eigentlich Nein zu dieser Welt. Er sagt: Ich möchte nicht nach diesem triebhaften, falschen und bösen Leben leben, das in mir drinsteckt. Ich möchte nicht sündigen. Und wer Ja zu Jesus sagt, der sagt gleichzeitig auch Nein zu dieser falschen Begierde. Er flieht mit Jesus Richtung Himmel, weg aus dem Untergang dieser Welt.
Das ist unser Fundament. Heute ging es mir eigentlich nur um einen Punkt: dass jeder hier weiß, ich bin beschenkt. Ich bin, ja, das ist gut, das ist tragfähig. Ich muss da keine Angst haben. Ich kann da einfach darauf vertrauen. Ich habe einen Vater im Himmel, der mich unendlich liebt, der mich begnadigt hat, mich täglich mit Gnade umgibt, der mich beschenkt hat, der dafür sorgen wird, dass ich ankomme. Und da, wo ich ankomme, das wird alles übersteigen an Qualität, was ich mir nur irgendwie vorstellen kann.
Ich würde mich freuen, wenn wir an dieser Stelle miteinander Brotbrechen feiern könnten, weil ich glaube, dass wir entweder begreifen, was wir da haben, und das auch zum Ausdruck bringen, oder aber wir sind wirklich die Religioten, wir sind wirklich die, die es nicht checken. Jesus sagt: Ich freue mich, mit euch ein Mahl zu feiern. Ich freue mich, ein Symbol einzusetzen, wo ihr Brot und Traubensaft in dem Fall miteinander teilt und daran denkt, was ich für euch getan habe.
Alles das, was ich eben gesagt habe, diese absolute Sicherheit, in der wir leben, dieses absolute Beschenktsein, hängt nicht an uns. Nicht, dass sich irgendeiner hinstellt und sagt: Habe ich gut gemacht oder haben wir gut gemacht. Wir haben gar nichts gemacht. Jesus hat das gemacht. Und damit wir das nie vergessen, hat Jesus uns ein Zeichen, ein Symbol gegeben, ein Doppelsymbol: ein Stück Brot, einen Schluck Traubensaft. Und hat gesagt: Nimm das! Nimm das und denk an das, worum es wirklich geht. Dass diese Welt dich nicht fängt. Dass das, was an Bösem in dir drin ist, dich nicht fängt. Dass du nicht anfängst zu zweifeln an der Güte Gottes.
Und ich möchte beten, und dann wird Philipp, denke ich, instrumental etwas anstimmen. Ich möchte euch bitten: Nehmt euch die Zeit, die ihr braucht. Betet, klärt es für euch ab, ob ihr Kinder Gottes seid, ob ihr sagt: Jesus ist mein Herr, ich habe diese Gewissheit, Gewissheit der Errettung. Und wenn ihr sagt: Ja, Jesus ist Herr in meinem Leben, dann kommt nach vorne und nehmt daran teil.
Wenn ihr noch etwas in Ordnung bringen müsst mit Gott, manchmal hat man das so, ja, das so, bringt das in Ordnung, betet und kommt nach vorne. Traut euch, Gott zu begegnen.
Okay, ich bete und dann stellen wir uns nach vorne.
Gebet und Einladung zum Mahl
Herr Jesus, wir wollen dir dafür danken, dass du uns begegnet bist, dass du als der eine lebendige Gott Mensch geworden bist. Wir danken dir dafür, dass wir dich in unserer persönlichen Biografie erkennen durften.
Ich möchte dir von Herzen dafür danken. Und ich möchte dich bitten, dass du unsere Herzen berührst mit der Wahrheit, die wir heute gehört haben: dass wir Beschenkte sind, unter deiner Führung auf dem Weg weg von der Sünde hin zu einem ewigen Leben von ungeahnter Qualität.
Herr, wir können das nur glauben, dass Petrus die Wahrheit schreibt, und es im Glauben annehmen. Und Herr, wir wollen jetzt Brot und Kelch teilen als Ausdruck dafür, dass wir Teil des neuen Bundes sind, dass wir wirklich zu dir gehören.
Ich bete darum, dass du uns das vor Augen malst, deine Schönheit und das, was du getan hast. Wir wollen uns daran erinnern und daran denken, was du für uns gelitten hast.
Vielen Dank, Herr. Amen.
Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!
Seine App "Frogwords" gibt's für Android und iOS.
Jürgens aktuellste Gebets-Infos gibt's hier zum Lesen und Abonnieren.
