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Großes Glück!

2. Könige 5,1-1503.11.2019
Stolz blockiert oft genau den Schritt, der dich heilt. Naaman lernt: Nicht das Spektakel hilft, sondern das einfache Tun des Nächsten – und genau da beginnt neues Leben.

Einleitung und Ausgangspunkt der Geschichte

Es ist die Geschichte eines erfolgreichen Generals der aramäischen Armee, der zur Zeit des Propheten Elisa nach Israel kam, weil er hörte, dass dieser Prophet ihn von einer unheilbaren Krankheit heilen könnte. Und es ist die Geschichte eines jüdischen Mannes, der sich vom Reichtum blenden ließ.
Beide Männer, Naaman, der General, und Gehasi, der Diener Elisas, hatten wichtige Entscheidungen getroffen. Die einen Entscheidungen führten zum großen Glück, die anderen Entscheidungen ins Abseits, ins Elend. Deshalb heißt der nächste Teil dieser Reihe: Kleine Schritte, großes Elend.
Es ist von größter Wichtigkeit im Leben, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Die richtigen Entscheidungen treffen, so habe ich auch diese Reihe überschrieben.
Heute beginnen wir mit dem ersten Teil der Geschichte und den Entscheidungen, die eine junge Frau und der General Naaman getroffen hatten.

Macht, Erfolg und Gottes verborgene Führung

Naaman gehörte zu den einflussreichsten und mächtigsten Menschen seiner Zeit. Als General der aramäischen Armee besiegte er viele Völker. Würde Naaman heute leben, würden Zeitungen und Nachrichtensendungen oft über ihn berichten.
Man muss wissen, dass ein General in einem Volk eine ganz wichtige Funktion hat. Jeder Herrscher achtet deshalb darauf, gut mit dem General zu stehen. Denn derjenige, der die Armee führt, kann das Land putschen und den Regenten wegblasen, wenn er will. Das erleben wir ja immer wieder. Deshalb sind Generäle, die Armeen führen, sehr wichtige Personen.
Naaman war nicht nur deshalb erfolgreich, weil er ein sehr guter Stratege war und wusste, wie man Menschen führt. Sein Erfolg hatte einen tieferen Grund, den weder er noch der König von Aram kannte. Doch Gott offenbart uns diesen Grund.
Naaman war ein tapferer Soldat, und der König hielt große Stücke auf ihn, weil der Herr mit ihm war. Und hier ist es wichtig zu wissen: Wenn Herr großgeschrieben ist, dann heißt es Yahweh, also der Gott Israels. Eindeutig wird hier vom Gott Israels gesprochen, weil der Gott Israels durch ihn den Aramäern zum Sieg verholfen hatte.
Der Gott Israels sorgte also dafür, dass Naaman erfolgreich war. Bestimmt war Naaman ein hervorragender, geschickter und tapferer General. Aber Gott sorgte aus welchem Grund auch immer dafür, dass er erfolgreich war.
Das weist uns einmal mehr darauf hin, dass Gott die Geschicke dieser Welt lenkt. Wie Daniel in seinem Gebet sagte: Gott verändert das Bestehende und gibt allem seine Frist. Er setzt Könige ab und setzt Könige ein. Er gibt den Weisen ihre Weisheit und den Klugen ihren Verstand. Gott regiert diese Welt.

Gottes Souveränität mitten im weltweiten Chaos

Schauen wir in die aktuellen Nachrichten und lesen wir die Zeitungen, stellen wir schnell fest, wie zerstritten die Völker sind und dass dadurch Menschen in schrecklichsten Nöten leben müssen: heimatlos, verarmt, hoffnungslos.
Es gibt Menschen, die in ihrem Leben mehrmals ihre ganze Existenz verlieren. Ihr müsst euch das einmal vorstellen: dass ihr alles verliert, was ihr habt, alles verlassen müsst, wieder eine Existenz aufbauen müsst und dann erneut alles verlassen müsst. Viele Menschen erleben das heute.
Selbst in Europa scheinen sich Spannungen innerhalb der Länder zu verschärfen. Oft können keine Regierungen gebildet werden, die das Land voranbringen würden. Eine Wahl jagt die andere, weil man keine vernünftigen Koalitionen mehr findet. Auch die Spannungen zwischen den europäischen Ländern scheinen unüberbrückbar. Der Frieden, den sich die Menschen so sehr wünschen, scheint unerreichbar zu sein.
Für uns ist es nicht möglich, das, was auf dieser Welt geschieht, immer richtig einzuordnen und zu deuten. Auch wenn wir das immer wollen und auch wenn viele Christen meinen, mit der Bibel in der Hand könnten wir alles deuten: Nein, wir können nicht alles deuten.
Aber eines sollten wir nie vergessen: Bei dem Chaos, das wir Menschen anrichten, verliert Gott nie die Kontrolle. Nie. Ob wir es erklären können oder nicht, ob es für uns Sinn macht oder nicht: Gott verliert die Kontrolle nicht. Das sollten wir nie vergessen. Er wird sein Ziel erreichen und seine Versprechen halten.
Wir können trotz allem, was uns beängstigt, im Vertrauen auf Gott geborgen sein. Das ist der Friede, den die Menschen nicht kennen, die ohne Jesus unterwegs sind. Denn sie wissen nicht, dass sie zu dem Herrn gehören, der die Kontrolle behält und uns ans Ziel bringt.

Die Not des Generals und das Vertrauen einer verschleppten Frau

Nun hatte Naaman das Glück, dass der Schöpfer des Himmels und der Erde ihm zu großen Siegen und Erfolgen verholfen hatte. Doch eine Sache überschattete das Leben dieses erfolgreichen Mannes: Er hatte Aussatz, eine schwere, unheilbare Krankheit.
Im Hause Naamans arbeitete eine junge Frau, die bei den verschiedenen Streifzügen der aramäischen Truppen durchs Nachbarland Israel nach Aram verschleppt worden war. Diese jüdische Sklavin empfand großes Mitgefühl mit der Not dieser Familie. Sie wünschte sich, dass ihr Herr – heute würden wir vom Chef sprechen – gesund werden könnte. Sie hatte auch eine Idee, wie er gesund werden könnte.
Eines Tages sagte sie der Frau Naamans: Wenn mein Herr doch zu dem Propheten gehen könnte, der in Samaria lebt, er würde ihn von seiner Krankheit heilen.
Diese junge Frau vertraute immer noch dem Gott Israels, was erstaunlich ist. Denn sie hätte genügend Gründe gehabt, um an Gott zu zweifeln. Er hatte zum Beispiel nicht verhindert, dass sie verschleppt und versklavt wurde. Doch ihr Vertrauen in Gott machte sie nicht von solchen Erfahrungen abhängig. Ihr Vertrauen in Gott war erstaunlicherweise trotz ihrer Lebenssituation ungebrochen.
Es war für sie eine Selbstverständlichkeit, dass der Prophet Elisa, der Prophet des Gottes Israels, Naaman helfen könnte. Mit dieser Überzeugung gehört sie leider zu einer Minderheit im Volk Israel. Eine verschwindend kleine Minderheit vertraute in Israel ihrem eigenen Gott. Die Israeliten verehrten andere Götter. Selbst die Könige Israels fragten lieber Götzendiener, wenn sie einen göttlichen Rat suchten.
Ein schockierendes Beispiel wird uns zu Beginn des zweiten Buches der Könige aufgezeigt. Vermutlich steht das am Anfang des zweiten Königsbuches, um zu zeigen, was für eine Katastrophe sich im Volk Gottes ereignet hatte. Wie auf Abwägen dieses Volk ist, da hatte Ahasja sich schwer verletzt. Und was tat er wohl? Ahasja schickte Boten in die Philisterstadt Ekron. Sie sollten Baal-Sebub, den Gott der Stadt, fragen, ob die Verletzung wieder heilen würde.
Es ist unfassbar. Das ist der israelitische König, das Vorbild für die Menschen. Er ließ sich lieber diese Götter befragen als den Gott Israels.
Umso erstaunlicher ist das große Vertrauen dieser jungen Frau, die bei Naaman arbeitete. Übrigens war das ein mutiger Schritt dieser Frau, denn wenn der Prophet Naaman nicht heilen würde, dann wäre sie wirklich blamiert. Stellt euch das einmal vor: Jetzt geht Naaman zurück und ist nicht geheilt. Was passiert mit dieser Magd? Sie ist schon auch ein bisschen ein Risiko eingegangen.

Der Weg nach Israel und die erste Enttäuschung

Die Frau Naamans reagierte sofort, denn das war ein Hoffnungsschimmer in einer scheinbar hoffnungslosen Situation. Sie erzählte, dass ihr Mann sofort zum König gegangen sei und um die Erlaubnis gebeten habe, nach Israel zu reisen.
Ein General konnte natürlich nicht einfach in ein anderes Land reisen. Man konnte sonst meinen, jetzt fängt ein Krieg an oder er beschafft sich dort eine Armee. Der König war damit einverstanden und überreichte ihm einen Brief für den König Israels. Darin stand kurz und knapp: Ich bitte dich, meinen Diener Naaman freundlich aufzunehmen und ihn vom Aussatz zu heilen.
Erwartungsvoll reiste Naaman mit großem Gefolge und einem riesigen Vermögen nach Samaria, denn wenn das klappen würde, wollte er sich für die Genesung auch erkenntlich zeigen. Samaria war die Hauptstadt im Nordreich Israels. Israel war in Südreich und Nordreich aufgeteilt, also in zwei getrennte Königreiche, die zum Volk Israel gehörten.
Naaman übergab den Brief dem König Israels. Und als der König den Brief gelesen hatte, zerriss er sein Gewand und rief: „Ich bin doch nicht Gott! Er allein hat Macht über Tod und Leben. Der König von Aram verlangt von mir, dass ich einen Menschen von seinem Aussatz heile. Das ist doch nur ein Vorwand, um Krieg anzufangen.“
Der Schock saß tief. Und natürlich hätte das ein Vorwand sein können, denn so beginnen oft Kriege. Da stellt man dem Gegner eine Forderung, der andere sagt nein, ich mag es nicht, und dann sagt man: Okay, der ist nicht kooperativ, jetzt müssen wir militärisch vorgehen. Also war das, was dieser König sagte, durchaus eine Möglichkeit: dass jemand einen Grund sucht, um einen Krieg auszulösen.
Um Kriege zu rechtfertigen, sucht man immer einen Anlass, damit man nicht derjenige ist, der den Krieg angefangen hat, sondern damit es einen guten Grund gibt, warum man einen Krieg führt. Wenn ihr das ein bisschen aufmerksam beobachtet, werdet ihr sehen: Jede Kriegspartei, die den Krieg beginnt, hat immer einen Grund, zu sagen, dass die anderen schuld sind und dass der andere mit dem Krieg anfangen musste.
Und genau das befürchtete jetzt der König. Er dachte, der mächtige König des aramäischen Reiches versuche, uns zu bekämpfen. Israel hätte gegen diese schlagkräftige Armee keine Chance gehabt. Zum Ausdruck seiner Empörung und Angst zerriss der König sein Kleid und schrie: „Ich bin doch nicht Gott! Er hat alle Macht über Tod und Leben.“
Immerhin wusste er noch, dass die Macht über Tod und Leben bei Gott liegt. Interessanterweise spricht er hier nicht vom Gott Israels, sondern benutzt einfach das Wort Gott, Elohim, nicht Jahwe. Er spricht also nicht ausdrücklich vom Gott Israels, was für diese Zeit noch nicht untypisch ist.
Umso erstaunlicher ist, dass er keine Boten zu Elisa sandte. Wenn die junge Frau in Aram Elisa kannte, können wir doch davon ausgehen, dass der König Elisa bestens kannte. Doch statt Gott durch Elisa befragen zu lassen, was er nun tun könnte, schimpfte und jammerte er lieber, zerriss seine Kleider und machte ein großes Traritrara.
Die Tragik des Volkes Israel bestand darin, dass es in seiner Not überall Hilfe suchte, nur nicht bei seinem Gott. Ein Verhalten, das auch bei uns vorkommen kann. Wir sind in Schwierigkeiten und versuchen, die Probleme mit großem Aufwand zu bewältigen, was natürlich kein schlechtes Vorgehen ist. Doch sollten wir nie vergessen, mit unseren Nöten und Fragen zu Jesus zu gehen.
Wir sollten uns angewöhnen, unsere schwierigen Situationen Gott gut zu erklären. Beschreibe Gott, was dich warum beschäftigt und welche Antwort du eigentlich erwarten würdest. Sag nicht einfach: Gott, bitte das, bitte das, bitte das, bitte das. Erkläre doch, worum es geht. Sei etwas genauer in der Art, wie du dich ausdrückst.
 Psalm 62 ermutigt uns dazu: Ihr, die ihr zu seinem Volk gehört, setzt allezeit euer Vertrauen auf ihn, schüttet euer Herz bei ihm aus, denn Gott ist unsere Zuflucht.

Kleine Schritte des Vertrauens und geistliches Reden im Alltag

Es ist erstaunlich, was diese verschleppte und versklavte Frau durch ihr Vertrauen in den Gott Israels in Bewegung brachte. Ein kleiner, vertrauensvoller Schritt, der große Auswirkungen hatte.
Wir können von dieser Frau etwas Wichtiges lernen. Der Glaube, das Vertrauen in Gott, findet in kleinen Schritten Ausdruck. Ich weiß, ich erzähle euch nichts Neues. Das ist überhaupt das Konzept geistlichen Wachstums: Es besteht aus kleinen Schritten.
Manchmal besteht es nur darin, dass wir Menschen darauf hinweisen, dass Gott helfen könnte, dass Jesus neues Leben schenken würde. Wir sollten von dieser Frau lernen, mit aller Schlichtheit und Einfalt den Menschen von Jesus zu erzählen.
Wenn zum Beispiel jemand mit seinem Leben nicht zurechtkommt, könnten wir ganz einfach sagen: Jesus könnte dir helfen. Jesus könnte dir helfen. Nur diesen Satz könnten wir sagen. Wir müssen gar nicht darauf warten, dass wir das ganze Evangelium erklären können. Dazu wird es vermutlich gar nicht kommen.
Wenn wir erwarten, dass wir mit Menschen über den Glauben ins Gespräch kommen, wenn wir endlich das ganze Evangelium erklären können, dann können wir lange warten. Es sind manchmal ganz kleine Bemerkungen.
Zuerst müssen wir sozusagen, ich habe jetzt einen neuen Begriff kreiert in dieser Predigt: geistlichen Smalltalk, geistliches Smalltalk, vielleicht könnt ihr euch das merken. Smalltalk heißt kleines Gespräch. Geistliches Smalltalk: ein bisschen, etwas von dem preisgeben, was ich glaube. Geistliche Bemerkungen in ein Gespräch hinein. Ohne mit einem großen Anspruch und einer großen Predigt hinterherzukommen, einfach geistliches Smalltalk führen.
Und dadurch können wir vielleicht große Fragen im Leben anderer Menschen auslösen, damit wir dann das Evangelium erklären können.

Der Prophet, der Stolz und die unerwartete Heilung

Wenn ein König sein Kleid zerriss, dann wurde das im Land schnell bekannt. Das war wie ein öffentlicher Akt. Er ist ja nicht auf die Toilette gegangen und hat dort sein Kleid zerrissen, sondern er hat das in aller Öffentlichkeit gemacht. Das ist natürlich wie ein Stromschlag, der durch das ganze Volk geht. Der König hat das Kleid zerrissen, er ist empört, es ist etwas Schreckliches passiert.
Und als Elisa das hörte, sandte er seinen Diener zum Königshof. Denn statt sein Kleid zu zerreißen, sollte er diesen Mann besser zu ihm schicken. Und so sagt der Diener im Auftrag Elisas zum König: Schick den Mann zu mir, dann wird er erfahren, dass es in Israel einen Propheten gibt. Wenn du schon nicht kommst, dann schick mir wenigstens diesen Mann. Wenn du schon den Propheten Gottes verachtest, soll wenigstens dieser Fremde erfahren, dass Gott in diesem Land mächtig wirken kann, wenn man das will.
Naaman reiste also mit seinem Trost zum Hause Elisas, und Elisa schickte wieder seinen Diener zu Naaman, nämlich Gehasi, und ließ ihn ausrichten: Fahre an den Jordan und tauche siebenmal darin unter, dann bist du von deinem Aussatz geheilt.
Das ärgerte Naaman maßlos. Er war in seinem Stolz kolossal verletzt. Wie konnte dieser Prophet es wagen, einen mächtigen und so angesehenen Mann wie ihn einfach mit einem Diener abzuspeisen, nicht einmal selbst in Erscheinung zu treten? Er, der mächtigste Mann neben dem König in Aram?
Und er sagt wütend, schreiend: Ich hatte gedacht, er würde zu mir herauskommen, sich vor mich hinstellen, und dann würde er den Herrn, übrigens interessant hier, dass er von Jahwe spricht. Merkt ihr, der König Israels spricht von Elohim, von Gott; der Naaman, ein Ausländer, spricht vom Gott Israels. Er würde den Herrn, seinen Gott, beim Namen rufen und dabei seine Hand über die kranken Stellen hin und her bewegen, um mich von meinem Aussatz zu heilen.
Er hatte eine ganz konkrete Vorstellung, wie das funktioniert. Naaman wusste, wie sich Elisa hätte verhalten müssen. Vermutlich war er schon bei vielen anderen Priestern. Sie haben das genau gemacht: Sie haben sich vor ihn hingestellt, haben ihren Gott angerufen und ihre Hände über seine Wunden gleiten lassen. Nur ist er dann nicht gesund geworden. Das hat er sich vorgestellt, das war das Minimum, was Elisa eigentlich hätte tun müssen. Siebenmal im Jordan unterzutauchen, das fand er nun wirklich absolut lächerlich.
Und verärgert brüllt er: Ist das Wasser des Abana, des Parpar, der Flüsse von Damaskus, nicht besser als alle Gewässer Israels? Warum, ich weiß auch nicht, vielleicht hatten die klare Anlagen oder weiß ich was. Ist das nicht besser? Da kommt sein ganzer Nationalstolz hoch. Dann hätte ich ja auch in ihnen baden können, um geheilt zu werden. Dafür hätte ich die Reise nicht tun müssen. Meint ihm dieser Prophet, der Jordan sei sauberer als die Flüsse in meinem Land? Es war umsonst. Hätte ich doch nur nicht auf diese jüdische Magd gehört.
Voll Zorn wollte er nach Hause zurückfahren. Glücklicherweise wurde Naaman von weisen Dienern begleitet. Vermutlich warteten sie, bis sein Wutausbruch vorüber war und er sich ein bisschen beruhigte, und dann versuchten sie, ihn umzustimmen.
Herr, bedenke doch, sagten sie, wenn der Prophet etwas Schwieriges von dir verlangt hätte, hättest du es bestimmt getan. Aber nun hat er doch nur gesagt: Bade dich, und du wirst gesund. Solltest du da nicht das Erstbeste tun? Es ist so einfach.
Sehr weise diese und klug diese Männer. Gut, wenn man solche Menschen um sich hat. Mal ganz nebenbei gefragt: Hast du Menschen um dich herum, die dir etwas sagen dürfen, die in dein Leben hineinsprechen dürfen? Das ist für uns und unser Leben und für unsere persönliche Entwicklung enorm wichtig.
Und Naaman war bereit, auf diese Männer zu hören. Das zeigt auch, was für ein guter Führer er war. Er konnte zwar wütend werden, aber er konnte dann auch auf seine Diener hören, die ihm untergeben sind. Und in der damaligen Kultur waren Untergebene wirklich untergeben. Doch er konnte noch hören.
Ja, er dachte: Warum soll ich es nicht versuchen? Es ist ja ganz einfach, und wenn es nicht hilft, dann kann es auch nicht schaden. Ich wäre dann zumindest gewaschen und sauber. Einen Effekt hätte es ja jedenfalls, auf den staubigen Straßen. Und dann ist Naaman wieder frisch.
Er ließ sich zum Jordan fahren und tauchte siebenmal ins Wasser. Tatsächlich, das Wunder geschah. Da wurde er völlig gesund, und seine Haut wurde wieder so rein wie die eines Kindes. Total geheilt, nein, noch mehr als nur geheilt. Diese Waschungen wirkten wie ein Jungbrunnen, nachdem sich ja heute die Menschen sehnen. Deshalb gehen sie ja zu den Ärzten, um Gesichter zu spannen und weiß ich was man alles macht und Botox zu spritzen.
Seine Haut wurde so rein wie die Haut eines Kindes. Das war eine sensationelle Verjüngungskur, Wellness auf höchstem Niveau. Hör, dir geht es gar nicht! Du tauchst unter, ich meine, es wäre toll auch für mich, mit meiner Haut runtertauchen, komme ich raus, dann habe ich Haut wie ein Kind. Das war ein großartiges Wunder.

Das Bekenntnis des Geheilten und die Botschaft an Israel

Über Erwarten hatte Gott an ihm gehandelt, und voller Freude kehrte er zu Elisa zurück und bekannte: Jetzt weiß ich, dass der Gott Israels der einzige Gott auf der ganzen Erde ist.
Was für ein Bekenntnis dieses Mannes, eines Heiden! Ein Mann, zu dem nicht einmal ein Jude ins Haus gehen durfte, bekennt sich vorbehaltlos zum Gott Israels. Ein Ausländer erkannte, was Israel schon lange wissen musste: dass der Gott Israels der einzige Gott auf der ganzen Erde ist.
Doch Israel suchte bei allen anderen Göttern Hilfe, nur nicht bei seinem Gott. Sicher, Naaman hatte sich ungebührlich verhalten, aber er ließ sich etwas sagen. Er ließ sich von seinen Dienern zur Vernunft bringen. Und genau diese Botschaft wollte Gott seinem Volk Israel durch dieses Geschehen weitergeben.
Israel ließ sich nämlich nicht zur Vernunft bringen. Es hörte nicht auf die Propheten Gottes. So heißt es, es wollte nicht hören. Sie waren genauso halsstarrig wie ihre Vorfahren, die auch schon dem Herrn, ihrem Gott, kein Vertrauen geschenkt hatten. Sie hatten genau das nicht getan, was Naaman tat.
Naaman hörte auf seine Diener, aber Israel hörte nicht auf die Diener Gottes.

Kleine Gehorsamsschritte statt spektakulärer Lösungen

Das Verhalten des Naaman ist uns nicht unbekannt. Oft haben wir eine gewisse Vorstellung davon, wie man uns helfen sollte, wenn wir ein Problem haben. Oft erwarten wir, dass etwas ganz Besonderes geschehen müsste, weil unsere Probleme ja auch ganz besonders sind. Doch die Lösung liegt meistens in einem kleinen Schritt, den wir tun sollten. Es sind meistens die kleinen Schritte des Gehorsams.
Naaman war bereit, seinen Stolz abzulegen und das zu tun, was ihm Elisa ausrichten ließ. Uns wird ja wohl allen klar sein: Naaman wurde nicht wegen des Wassers im Jordan gesund, weil es besondere Heilkräfte gehabt hätte. Naaman war der einzige Mensch, von dem wir wissen, dass er im Jordan vom Aussatz geheilt wurde. Nachher hätten alle Aussätzigen im Jordan siebenmal untertauchen können, und keiner wäre gesund geworden. Naaman wurde einzig und allein gesund, weil er die Anweisungen Elisas und somit die Anweisungen Gottes befolgte. Das hat ihn gesund gemacht, nicht das Wasser.
Heilende Kräfte, die unsere Seele gesund machen, sind im Wort Gottes verborgen. Und es ist oft so: Leute kommen, sie haben ein Problem, sie haben schon eine Idee, wie man helfen sollte, und sie wissen schon, wenn sie zum Pastor kommen, der soll jetzt beten, und dann soll er mich gesund beten, und wenn es nicht klappt, dann gehe ich halt zum Psychiater. Deshalb gehen viele Menschen gar nicht mehr in die Seelsorge, weil sie in der Seelsorge ein Spektakel erwarten. Aber es sind oft kleine Schritte. Wenn wir tun, was wir erkennen, werden wir diese heilende Kraft erfahren.
Ich möchte euch das am Beispiel eines Menschen zeigen, der regelmäßig stiehlt. Man spricht ja von Kleptomanie. Man könnte jetzt denken, dass ein solcher Mensch durch ein vollmächtiges Gebet befreit wird, so dass er nicht mehr stiehlt. Ich stehle immer wieder, es passiert immer wieder, er bete für mich, dass ich es nicht mehr mache, dann betet man, und dann macht er es vielleicht wieder. Der Apostel Paulus hat ganz einfache Anweisungen, wie man das machen soll. Wer vom Diebstahl gelebt hat, muss jetzt damit aufhören, das ist das Erste. Er soll seinen Lebensunterhalt durch eigene Arbeit verdienen und zusehen, dass er auch noch etwas für die Armen übrig hat. Wer diese kleinen Schritte tut, wird Heilung erfahren, davon bin ich überzeugt.
Dieser Ratschlag scheint fast etwas lapidar in Anbetracht des großen Problems, das ein Mensch haben kann. Aber wer das tut, der wird sehen, dass es wirkt. Der wird die Kraft des Wortes Gottes erleben. Weit mehr, als wenn er mit Hokuspokus etwas erreichen möchte.
In vielen Lebenssituationen geht es darum, herauszufinden, was Gott dazu sagt, und dann sollte man das tun. Es sind immer kleine, unspektakuläre Schritte, für die man sich entscheiden muss, die zum großen Glück führen. Es sind immer kleine Schritte, aber wir müssen sie tun. Und oft wissen wir, welchen Schritt wir tun müssen, aber wir wollen es nicht. Wir wollen es nicht. Es ist uns dann vielleicht zu anstrengend, aber dann ist es unser Problem, wenn wir es nicht lösen können.
Übrigens belächeln viele Menschen, was die Bibel über die Vergebung unserer Schuld und über die Erlösung sagt. Sie können sich nicht vorstellen, dass man so einfach ewiges Leben bekommen kann. Aber es ist einfach, es ist einfach. Man muss sich nur entscheiden, diesen kleinen Schritt zu tun, der zum großen Glück führt.
Jesus sagte einmal: Wer auf mein Wort hört und dem glaubt, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben. Auf ihn kommt keine Verurteilung mehr zurück, er hat den Schritt vom Tod ins Leben getan. So einfach bekommen wir ewiges Leben und damit das größte Glück auf Erden.

Die eigentliche Zielrichtung der Erzählung

Diese Erzählung von Naaman wurde zuerst für das Volk Israel aufgeschrieben. Israel soll damit vor Augen geführt werden, wie groß und mächtig ihr Gott ist und dass es sich lohnt, ihm zu vertrauen. Sie sollen lernen, dass Gott sein Wort erfüllt und dass es ihm daran liegt, dass sein Wille getan wird.
Sogar wenn ein Ausländer gehorsam ist, erbarmt sich Gott. Das ist die Botschaft an Israel. Und wie viel mehr würde ich mich über euch erbarmen, wenn ihr, mein Volk, endlich einmal auf mich hören würdet.
Erstaunlich, was der Glaube dieser verschleppten jüdischen Frau in Bewegung brachte: kleiner Schritt, großes Glück. Wer im Vertrauen auf Gott handelt, wird reich beschenkt. Jesus sagte das einmal so: Wenn jemand an mich glaubt, werden aus seinem Inneren, wie es in der Schrift heißt, Ströme lebendigen Wassers fließen. Ströme lebendigen Wassers – ein Bild fürs Leben, ein Bild auch für den Heiligen Geist, der in denen lebt, die Gott lieben.
Lernen wir also von dieser jungen Frau und von dem aramäischen General Naaman: kleine Schritte, großes Glück.
Ich bete mit uns.

Gebet und Schluss

Ich möchte dir danken, Vater, dass du ein mächtiger, grossartiger Gott bist. Und ich möchte dir danken, dass du von uns nicht Wahnsinnssprünge erwartest, die wir niemals schaffen würden, sondern dass es kleine Schritte sind, Schritte des Gehorsams.
Einfach, dass wir das tun, was wir erkennen und verstehen. So wachsen wir, und so werden wir gesund in unserer Seele. Und wir erleben das Glück und den Frieden, den du schenkst.
Kleine Schritte, grosses Glück. Und ich danke dir, dass du das so eingerichtet hast und dass du nicht ein Gott bist, der uns überfordert, sondern der uns herausfordert, die kleinen Schritte zu tun, damit wir wachsen können. Amen.