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Geld: Almosen geben

Matthäus 6,2-4
Matthäus 6,2-6,409.11.2003
Serie•Teil 29 / 37Matthäus-Evangelium
Geld verrät, woran dein Herz hängt. Echte Nachfolge zeigt sich nicht im Applaus, sondern darin, ob du Besitz loslassen und anderen helfen kannst.

Einleitung und Hinführung zum Thema

Ich möchte euch heute Morgen ganz herzlich begrüßen. Ich freue mich, dass wir zusammen sind, und ich denke, es wird heute Morgen ein ganz interessanter Gottesdienst werden, in dem wir über Themen sprechen, die man in dieser Direktheit selten in einem Gottesdienst zu hören bekommt.
Ich hoffe fast, ich werde heute niemanden verschrecken mit dem, was ich sage. Und es könnte sein, dass Leute, die mich nicht gut kennen, danach den Eindruck haben: Meint er das wirklich so, wie er es sagt?
Ich möchte euch auf heute Morgen einstimmen, indem ich euch sage, dass ihr hier zu sein, eigentlich eine ziemlich gefährliche Sache ist. Ich hoffe, euch ist klar, was ihr tut, wenn ihr hier sitzt. Ich möchte das aus zwei Gründen betonen.
Das eine ist: Wenn ihr hierher gekommen seid, dann seid ihr hierher gekommen, um Gott als den lebendigen Gott anzubeten. Wir haben uns beim letzten Mal über geistliche Heuchelei unterhalten, und wir werden heute auch an dieser Stelle weitermachen. Ich hoffe, dass jeder, der hier sitzt, weiß, was er tut.
Wir treten nicht vor ein fiktives, abstraktes Etwas. Wir verbringen nicht einfach ein bisschen Zeit miteinander, freuen uns aufeinander oder auf den Kuchen oder auf diesen netten, kalten Raum hier, sondern wir treten vor den lebendigen Gott, um ihn anzubeten. Jedes Lied, das wir singen, ist ein Lied zu seiner Ehre. Es ist für ihn gemacht und ist für ihn da.
Ich merke bei mir selbst, dass es immer relativ schwer ist, wenn man sich morgens trifft. Man kommt noch aus dem ganzen Alltagsstress: Kinder einpacken, Auto starten, heute war zum Glück kein Scheibenfreikratzen dran, das war auch schon etwas wert. Mir fällt es manchmal schwer, mich auf das zu besinnen, was Gottesdienst eigentlich ausmacht: auf Gott.
Und ich denke, euch fällt das auch schwer. Ich merke, wie viele dann mit ihrem Nachbarn tuscheln und hier und da noch etwas austauschen müssen, was ja auch wichtig ist. Und ich denke, das ist sogar sehr wichtig. Aber lasst uns einfach dieses Wagnis eingehen, heute Morgen vor einem lebendigen Gott zu treten, der unsere ganze Aufmerksamkeit bekommt.
Stell dir vor, du hast ein Rendezvous, und du sitzt da jemandem gegenüber und schaust ihm in die Augen. So müsste das heute ein Stück weit mit Gott sein.
Der zweite Grund, warum dieser Vormittag für dich gefährlich werden kann, ist das Thema. Und ich möchte das Thema einführen mit einem Vers aus Philipper 4. Da schreibt jemand, der im Gefängnis sitzt, nämlich der Apostel Paulus, an eine Gemeinde, die ihm Geld geschickt hatte. Und er sagt:
Ich habe alles erhalten und habe Überfluss. Ich habe die Fülle, da ich von Epaphroditus das von euch Gesandte empfangen habe, einen duftenden Wohlgeruch, ein angenehmes Opfer, Gott wohlgefällig.
Es wird heute gefährlich, weil ich euch zwingen werde, über etwas nachzudenken, was euer Innerstes berührt: euren Geldbeutel. Ich werde euch mit der Frage konfrontieren, was ich mehr liebe: meine Habe oder meinen Nächsten.
Das ist ein Thema, das man ganz selten hört, deswegen ist es heute auch gefährlich, hier zu sitzen. Ihr habt jetzt noch die Gelegenheit, aufzustehen und rauszugehen. Aber wenn ihr sitzen bleibt, verspreche ich euch, soweit es an mir liegt, gibt es dazu eine Predigt.
Ja, es geht also heute ums Geld. Um euch ein bisschen auf dieses Thema einzustimmen, wollen wir euch ein Lied beibringen, das dieses Thema zum Inhalt hat. Deswegen haben sich Jörg und Claudi darauf vorbereitet, und wir werden jetzt gemeinsam ein Lied lernen.

Rückblick auf das vorige Thema und die Frage nach Echtheit

Wir haben einige Gäste unter uns, deswegen möchte ich doch noch eine Vorbemerkung vorwegschicken.
Wie ihr vielleicht gemerkt habt, ist die Predigt heute ein bisschen speziell. Auch wir reden nicht so oft über solche Themen, wie ich es heute Morgen tun will. Und dass ich es tue, liegt schlicht und ergreifend daran, dass ich in einer Predigtreihe bin und das Thema einfach dran ist. Also, ich habe mir das gar nicht ausgesucht. Das kam, das fiel mir so vor die Füße, und ich dachte mir: Was machst du jetzt? Dann habe ich gedacht, na ja, dann predigst du halt drüber.
Ihr erinnert euch vielleicht, zumindest die, die bei meiner letzten Predigt dabei waren, an diese abschließende Geschichte. Wisst ihr noch, das war die Geschichte von dem kleinen Mädchen mit ihrem Bruder. Der Bruder hatte sich dann irgendwann eine Schlange gekauft, Slinky, und das kleine Mädchen musste dann, weil diese Schlange eine sehr unangenehme Eigenschaft hatte, sie fraß nämlich am liebsten lebende Mäuse, für ihren Bruder in ein Zoogeschäft gehen, um da eben ein Abendbrot für die Schlange zu kaufen.
Und sie schreibt im Nachhinein als Frau und als Schriftstellerin, dass das Schlimmste in dieser Situation für sie nicht war, aus all den Mäusen die fetteste auszusuchen und den Verkäufer davon zu überzeugen, dass er ihr nicht irgendwelche Vitaminpräparate für ein langes Leben noch mit dazu verkauft. Sondern sie sagte, das Schlimmste war, dieses armselige Geschöpf in einer Pappschachtel nach Hause zu tragen, wo außen drauf stand: Danke, dass du mir ein neues Zuhause gibst.
Und wir haben uns mit dieser Geschichte daran erinnert, dass wir uns die Frage stellen müssen: Ist bei uns wirklich innen drin, was draußen draufsteht? Sind wir wirklich echt? Das war beim letzten Mal unser Thema. Wie sieht es in dir drin wirklich aus? Oder wenn ich dich heute Morgen hier sehe, wen sehe ich eigentlich da? Sehe ich dich oder sehe ich eine Hülle, die sich einfach nur schön gemacht hat für den Gottesdienst?
Und wir haben uns damit auseinandergesetzt, dass Heuchler zwar ein geistliches Leben leben, aber dass sie das tun, um von anderen wahrgenommen zu werden, andere zu beeindrucken und eigentlich nur dann glücklich sind, wenn man ihre Bemühungen auch entsprechend honoriert und anerkennt.

Was praktische Gerechtigkeit bedeutet

Wenn wir Matthäus 6 folgen, dann werden wir feststellen, dass Matthäus 6, Vers 1 dieses Thema der Heuchelei eigentlich wie eine Art Überschrift ist. Und jetzt wird ganz praktisch von Jesus die Frage angegangen: Na ja, wenn ich jetzt kein Heuchler sein will, wenn ich echt sein will, wie sieht das eigentlich auf der praktischen Ebene aus?
Ich möchte heute drei Punkte beleuchten, die er auch in den Predigtnotizen findet. Also heute geht es um die Frage: Was heißt es, kein Heuchler zu sein?
Mein erster Punkt ist der: Kein Heuchler zu sein heißt nicht, nichts zu tun. Das ist ein bisschen viel „nicht“, also: Kein Heuchler zu sein heißt nicht, nichts zu tun. Dazu lesen wir Matthäus 6,1.
 Matthäus 6,1: Habt acht, dass ihr eure Gerechtigkeit nicht übt vor den Menschen, um von ihnen gesehen zu werden; sonst habt ihr keinen Lohn bei eurem Vater, der in den Himmeln ist.
Ihr habt fast alle Bibelferse auf den Zetteln. Wenn noch Zettel übrig sind und hier vorne noch welche gebraucht werden, dann lasst sie bitte hier in die vordere Reihe wandern.
Wenn Jesus über Gerechtigkeit redet, dann meint er keine abstrakte Größe, so etwas, was du nicht fassen kannst und wo du nicht genau weißt, was es ist. Sondern er sagt, dass man Gerechtigkeit tut. Gerechtigkeit ist also etwas, was ich im Leben eines Menschen sehen kann, in ganz konkreten Dingen, die er tut.
Und jetzt will ich das noch einmal kurz betonen, damit keiner jetzt glaubt, man komme durch gute Werke in den Himmel. Ich will noch einmal betonen, dass man allein durch Glauben gerettet werden kann. Wenn du gute Taten tust und sagst: Na ja, so ein richtig schlechtes Leben führe ich eigentlich nicht. Also wenn ich mich vergleiche mit Frau Meier oder so daneben, ich meine meine Nachbarin, wenn ich die mal als Vergleich heranziehe, also ich meine die da gegenüber, die immer die Kinder anmotzt und so, also wenn ich das mal mit der vergleiche, dann stehe ich eigentlich gar nicht schlecht da. Ich weiß eigentlich gar nicht, warum ich in die Hölle kommen soll.
Und trotzdem macht die Bibel klar, dass es, wenn es um die Frage der Errettung geht oder darum, in den Himmel zu kommen, nicht um die Frage geht, was du Gutes aufzuweisen hast. Ja, ich habe an Halloween fünf Pfund Schokolade ausgeteilt und meinen Nachbarn nur zwei, na, ich bin doch besser, oder? Das ist nicht das Thema, wenn es um Errettung geht.
Errettung, Gemeinschaft mit Gott, braucht etwas ganz anderes. Es braucht Glauben. Und wo dieser Glaube fehlt, ist ein Mensch nicht gerettet. Und wenn er eine Tonne Schokolade an Halloween verteilt, spielt das überhaupt keine Rolle.

Glaube, neues Leben und die sichtbare Frucht

Und jetzt kann man sagen: Viele von uns, denke ich, haben das verstanden. Für manch einen mag es neu sein, dass es nicht um die guten Werke geht. Aber jetzt kann man sagen: Na gut, wenn es nur um Glauben geht, dann habe ich den Glauben ja. Wunderbar, da kann ich mich zurücklehnen, da brauche ich nie wieder etwas machen.
Und jetzt schauen wir in die Bibel hinein und stellen fest, dass es da ein ausgewogenes System gibt. Auf der einen Seite sagt Gott: Hier, du wirst allein durch Glauben gerettet, richtig. Auf der anderen Seite sagt er: Wenn du gläubig bist, wenn du zu mir gehörst, dann wünsche ich mir, dass sich in deinem Leben diese Dinge zeigen, die man mal ganz allgemein gute Werke nennen könnte.
Und das drückt sich in der Bibel dann folgendermaßen aus. Da heißt es in Römer 10,10a: Denn mit dem Herzen wird geglaubt zur Gerechtigkeit. Ihr habt den Text bei euch auf den Predigtnotizen, also: Denn mit dem Herzen wird geglaubt zur Gerechtigkeit.
Du möchtest vor Gott gerecht sein? Dann ist das, was du brauchst, Glaube.
Und wenn wir in die Bibel hineinschauen und wenn wir uns überlegen, was heißt denn Glauben? Ich bin gerade in einem Seminar, und da haben wir uns die Frage gestellt, was heißt eigentlich Theologie, und keiner hatte so recht eine Antwort. Und wisst ihr, was das Problem dieses ganzen Seminars war? Dass sie sich die ganze Zeit über Glauben unterhalten haben und keiner die Frage gestellt hat, was heißt Glauben eigentlich.
Also jeder hatte in seinem Kopf seine Vorstellung von Glauben. Der eine dachte sich: Naja, Glauben, ich glaube daran, dass morgen schönes Wetter wird. Du glaubst es nicht, ja okay. Und viele Leute denken, das sei Glauben. Aber in Wirklichkeit ist Glauben doch etwas ganz anderes, oder?
Biblischer Glaube heißt: Ich vertraue vollständig auf Gott. Ich trete mal einen Schritt zurück und sage: Du sollst alles machen.
Ich kann noch einen Schritt weiter gehen. Biblischer Glaube heißt eigentlich, dass ich Gott einlade, in mein Herz zu kommen, dass ich die Tür meines Herzens weit aufmache und sage: Herr Jesus, komm du rein, wohne du bei mir, lebe mit mir und nimm den ganzen Blödsinn und den ganzen Dreck meines Lebens weg. Ich werde sowieso nicht klar mit mir selber, ich komme sowieso nicht klar mit dem, was ich gemacht habe. Ich habe genug ausgefressen für die Hölle.
Und das ist eine schwierige Sache, ob wir diese Form von Glauben akzeptieren, ob wir wirklich sagen können von ganzem Herzen: Herr Jesus, nimm mein Leben, mach mit meinem Leben, was du willst, komm rein, lass uns gemeinsam dieses Leben anpacken. Ich vertraue ganz auf dich. Ich vertraue darauf, dass du für mich gestorben bist. Ich vertraue darauf, dass dein Tod am Kreuz mir ewiges Leben schenkt, und darauf vertraue ich ganz allein.
Das ist biblisch glauben. Und da, wo ein Mensch in seinem Herzen diesen Glauben hat, wo er sagt: Ich will mit meinem ganzen Herzen, mit meinem ganzen Sein Gott vertrauen. Ich will endlich aufhören, mir etwas vorzumachen, und ich will endlich aufhören, so zu tun, als würde ich es irgendwie alleine schaffen. Sondern ich gebe mal zu, dass ich es nicht schaffe.
Da, wo das da ist, da ist das erfüllt, was hier in Römer 10,10 steht, dass jemand mit seinem Herzen glaubt, und Gott sagt: Diesen Glauben, dieses Vertrauen, das belohne ich, und ich spreche dich gerecht. Das ist die eine Seite.

Die Form des Lebens, das Gott erwartet

Und jetzt gibt es die zweite Seite. Die findet sich in Titus 2,11-12. Sie findet sich an vielen Stellen im Neuen Testament, aber dort ist es vielleicht besonders greifbar. Da heißt es, die Gnade Gottes ist erschienen und unterweist uns.
Ja, was will die Gnade Gottes? Wenn Gott uns begnadigt, wozu macht er das? Was für Leute möchte er haben? Vorhin kam das Beispiel im Gebet mit den Marines, ja? Wenn da so ein Ausbilder ist, der hat schon eine Vorstellung von seinem Typsoldaten. So jemand wie ich würde da nicht durchkommen, weil ich nach dem dritten Liegestütz einfach schlapp machen würde. Ich würde da nicht reinpassen. Und wenn du mir sagst: Spring in den Matsch, dann schaue ich erst mal, wie die Temperatur von dem Matsch ist, bevor ich da reinspringe. Ich passe da nicht. Okay, und mich nimmt auch keiner.
Und jetzt ist das bei Gott genauso. Wenn Gott einen Menschen begnadigt und wenn jemand sagt: Hey, komm in mein Leben, dann sagt Gott: Kein Problem, ich lebe gerne mit dir. Aber ich habe auch eine Vorstellung davon, wie dein Leben, nachdem ich bei dir eingezogen bin, aussehen soll. Und Paulus beschreibt das im Titusbrief eben mit den Worten: Die Gnade Gottes unterweist uns, damit wir die Gottlosigkeit und die weltlichen Lüste verleugnen und besonnen, gerecht und gottesfürchtig leben in dem jetzigen Zeitlauf.
Also, wenn wir jetzt noch hier auf der Erde sind und mit Gott unterwegs sind, dann soll unser Leben geprägt sein von bestimmten Dingen. Besonnenheit: Da, wo etwa Gottlosigkeit herrscht, wo geflucht wird und solche Sachen, das hat in unserem Leben einfach keinen Raum mehr. Alles, was ungerecht ist oder wo Leute einfach nur darauf aus sind, ihre eigene Lust, ihre eigene Triebhaftigkeit auf Kosten von anderen Menschen auszuspielen und auszuleben, das findet keinen Platz mehr in unserem Leben. Wir folgen Gott, und weil Gott heilig ist, wollen auch wir heilig sein.
Die Marines haben an den entsprechenden Körperteilen die entsprechende Muskelmasse. Die haben sie sich antrainiert. Und ich weiß nicht, ob ihr gerne ins Kino geht. Ein Film, der mich persönlich sehr beeindruckt hat, ist der Film Black Hawk Down, weil man da mal so ein paar Leute einfach in Action sieht. Da merkt man, was Sache ist, worauf es ankommt. Ich dachte mir: Ja, du wärst in so einer Situation einfach hoffnungslos überfordert, weil du nicht ausgebildet bist, du bist nicht trainiert dafür, so eine Stresssituation durchzustehen.
Und so wünsche ich uns, dass wir dieses Bild der Soldaten im Blick haben und gleichzeitig auch im Blick haben, dass Gott für uns quasi auch so etwas wie ein Trainingsprogramm vorgesehen hat. Auch wir sollen geistliche Muskeln haben, moralische Muskeln, ethische Muskeln. Auch in unserem Leben soll es Dinge geben, die uns einfach auszeichnen.
Und ich sage dir eins: Wenn du irgendwo am Bahnhof stehst und da kommt so ein richtiger Soldat vorbei, dem siehst du sein Soldatsein an, weil der steht kerzengerade da. Und er hat hier oben im Nackenbereich einfach ein bisschen mehr Breite als üblich. Und genau so stellt sich Gott das vor, wenn wir ihm nachfolgen. Dann sollen andere Leute uns das ansehen. Dann sollen sie merken: Na hopps, in dessen Leben, da ist Gottlosigkeit? Nee, der lässt nichts auf seinen Gott kommen. Lust, dass er sich einfach, was weiß ich, neben seiner Frau da noch ein bisschen Pornografie und Ähnliches gönnt? Gibt es überhaupt nicht. Besonnenheit? Ja, der denkt dreimal nach, bevor er was macht. Das ist kein Hansdampf, der einfach dreinschlägt. Gerecht? Ja, das sehe ich in seinem Leben usw.
Es gibt Dinge, die uns auszeichnen, und das ist einfach diese praktische Gerechtigkeit, die Gott will. Und ich will es noch mal sagen: Für uns auch als Christen hat das eine große Bedeutung, denn es gibt auch für uns ein Gericht. Das heißt in 2. Korinther 5,10: Denn wir müssen alle vor dem Richterstuhl Christi offenbar werden, damit jeder empfange, was er durch den Leib vollbracht hat, entsprechend dem, was er getan hat, es sei Gutes oder Böses.
Wir sind gerettet durch Glauben, und jeder, der den Herrn Jesus in sein Leben aufgenommen hat, ist gerettet, und er kommt in den Himmel. Aber wir sind gerettet, um ein heiliges Leben zu führen. Und dieses heilige Leben wird Gott, wird der Herr Jesus einmal beurteilen. Er wird schauen, was es in deinem Leben an Gutem gibt und was es an Schlechtem gibt.
Und deswegen lasst uns hier auf der Erde dieses Programm, was Gott für uns hat, einfach immer im Kopf tragen und sagen: Ja, wir sind so ein Stückchen Soldaten Gottes, dazu gemacht, eine bestimmte Aufgabe zu erfüllen. Und wisst ihr, was unsere Aufgabe ist? Unsere Aufgabe ist, den Charakter Christi zu reflektieren. Du bist auf dieser Erde, damit du durch dein Leben anderen Menschen zeigst, wie Jesus ist. Dass die Liebe Christi sich in deinem Leben widerspiegelt, dass die Besonnenheit Christi sich in deinem Leben widerspiegelt, dass die Barmherzigkeit Christi sich in deinem Leben widerspiegelt, dass alles Gute, was Christus ausmacht, in deinem Leben wiederzufinden ist und die Leute sagen: Hey, das geht doch gar nicht, dass man so lieb sein kann!
Wir haben eine Gruppe in Spandau von Jugendlichen, die sich mit Brüdern und Schwestern zum Bibellesen treffen. Und einer von denen hat vor zwei Wochen gesagt, nachdem sich Phil sonntags mit ihm getroffen hat: Das geht doch gar nicht, dass du so lieb bist, weil er für ihn gekocht hat und sich mit ihm getroffen hat. Das geht doch gar nicht, dass jemand so lieb mit mir umgeht. Und ich denke, das ist das, was Gott sich wünscht: dass unser Leben ihn widerspiegelt, dass Leute sagen: Das geht doch gar nicht, dass du von dir aus so lieb mit mir umgehst. Was steckt da dahinter? Erklär mir mal, wo hast du angedockt, wo ist deine geistliche Kraftquelle, wo saugst du deinen Saft, um so leben zu können?
Und von daher: Gerechtigkeit ist etwas sehr Praktisches, und ich wünsche mir, dass wir es einfach begreifen. Wenn wir mit Gott leben, dann stehen wir in einer Beziehung mit Gott, und dann fordert diese Beziehung einfach unser ganzes Leben.
Ich drücke es noch mit zwei anderen Bildern aus. Stell dir vor, du bist verheiratet. Manche von uns können sich das vorstellen. Wie gehst du mit deiner Frau um? Gehst du so mit ihr um, dass sie dich gerade nicht rausschmeißt? Also, du gehst genau an die Grenze. Du sagst: Ich erlaube mir alles bis an den Punkt. Und wenn ich merke, jetzt geht es ein Stück weiter, dann ziehe ich wieder ein bisschen zurück. Ja, aber ich bleibe genau an der Grenze. Sie schmeißt mich gerade nicht raus. Ich darf noch zu Hause wohnen, meine Wäsche wird noch gewaschen. Das ist eine Liebesbeziehung. Jeder wird sagen: Nee, sowas möchte ich eigentlich nicht.
Und deswegen lasst uns, wenn wir von der Beziehung mit Gott sprechen, nicht genau so leben. Ich lebe so, dass Gott gerade noch ein Ja zu mir haben kann. Mein Gewissen ist gerade noch so, dass es nicht schreit und jault. Ja, nein. Lasst uns doch die Beziehung mit Gott so führen, so wie er sich das vorstellt, dass Gott ein volles Ja zu uns haben kann, dass Gott einfach sagen kann: Hey, so wie du lebst, das ist wirklich gut, so möchte ich das. Dass wir, wie es in der Bibel heißt, würdig Gottes wandeln, dass Gott sich unser nicht schämen muss.
Jeder, der Kinder hat, weiß, es gibt so Situationen, wo die Kinder Dinge treiben, wo man dann sagt: Also, wir hatten vor kurzem eine Situation, wo ich dann meinen Kindern sagen musste: Na ja, dann geht mal nach drüben und entschuldigt euch bei der Nachbarin. Und dann habe ich halt so ein Stückchen Konfekt noch mitgegeben, damit das irgendwie wieder läuft. Und das war mir schon furchtbar peinlich, ja. Und die Nachbarin hatte recht. Also, das lief nicht gut.
Und so soll es nicht sein, dass Gott sich im Himmel unser schämt und sagt: Oh nein, schon wieder, ja, sondern dass er sich ein Stückchen freut und wie bei einem Hiob sagen kann: Schaut euch den Hiob an, ja. So muss es laufen, so stelle ich mir meine Mitarbeiter vor. Das ist eine Form von praktisch gelebter Gerechtigkeit, das möchte ich.
Das war mein erster Punkt. Also, mein erster Punkt heißt: Wenn du kein Heuchler sein willst, wenn du das mit dem Christsein ernst nimmst, dann heißt das erst mal nicht, nichts zu tun, weil Gott praktische Gerechtigkeit will. Er will dich damit nicht erdrücken, er möchte einfach, dass dein Leben davon geprägt ist, dass du einer bist, der Gutes tut und lieb mit Menschen umgeht.

Konkrete Beispiele: Geben, Teilen und Verwalten

Na ja, jetzt kann man sich die Frage stellen, Jürgen: Was gehört denn alles dazu? Ich möchte ja so ein praktischer, gerechter, heiliger Mensch sein. Was gehört denn da alles dazu?
Und wenn wir im Text weitergehen zu unserem eigentlichen Predigttext heute, dann habe ich hier die Überschrift gefunden: „Kein Heuchler sein heißt, das Richtige zu tun.“ Und was ist nun das Richtige? Oder anders ausgedrückt: Was würden wir eigentlich einem jungen Christen raten, der zu uns kommt und sagt: „Du Walli, in der Jugend, ich möchte hier so als Christ leben, sag mal, was gehört denn dazu?“ Das kann ja passieren.
Vielleicht stellen wir uns selber die Frage: Ist unser Leben wirklich so, wie Gott es sich vorstellt? Und wenn ich jetzt im Text weiterlese, dann stelle ich fest, dass hier drei Themen angesprochen werden zum Thema praktische Gerechtigkeit, nämlich Almosen, Gebet und Fasten. Die Liste dürfte nicht vollständig sein, aber diese drei Dinge werden genannt. Und ich muss zugeben: Wir machen ja Tickkurse, Training im Christentum, Kurse für Einsteiger. Da fällt mir schon etwas auf, nämlich dass wir keine Lektion zum Thema Almosen haben, eine Lektion zum Thema Gebet und keine Lektion zum Thema Fasten haben.
Das macht mich schon tatsächlich erst einmal nachdenklich. Denn wenn Jesus über praktische Gerechtigkeit predigt, dann nimmt er nicht Bibellesen. Gut, kann man vielleicht sagen, das war damals ein bisschen schwieriger. Er nimmt auch nicht andere Themen, die uns sofort einfallen, sondern er sagt: Wenn ich euch das verdeutlichen möchte, dann an drei kleinen Beispielen. Nehmen wir doch mal, was mir sofort in den Sinn kommt: Almosen, beten, fasten.
Und ich dachte mir: Na hoppla, wie kann Gott genau diese drei Beispiele nehmen? Und ich habe gefunden, dass das Problem bei mir selber liegt. Also ich dachte mir: Wie kann Gott das machen? Und dann stellte ich fest: Na klar kann er es machen.
Das Thema, und ich bleibe jetzt ganz bewusst bei dem Ersten, Almosen geben, ist etwas, was wir an verschiedensten Stellen in der Bibel finden. Also das ist nicht hier in der Bergpredigt einmal und danach liest du nie wieder etwas davon, sondern wir finden es einfach durch das gesamte Neue Testament hindurch immer wieder. Es wird immer wieder zum Beispiel zu Sammlungen in den Gemeinden aufgefordert, für andere Christen, die weniger haben. Ganz normal.
Und noch etwa im Jahr 60 nach Christus, da ist Gemeindegründungsarbeit im ersten Jahrhundert schon ordentlich vorangekommen, da gibt es schon eine ganze Menge Gemeinden, befindet sich Paulus in Jerusalem und er sagt dort in Apostelgeschichte 24,17: „Nach mehreren Jahren aber kam ich her, um Almosen für meine Nation darzubringen.“ Also das Thema war zur Zeit des Paulus überhaupt nicht out.
Und ihr könnt selber das machen, dass ihr in der Bibel nachschaut und feststellt, dass Almosen geben oder allgemeiner sich um Bedürftige zu kümmern, etwas ist, was uns immer wieder begegnet.

Geld, Besitz und die Verantwortung des Verwalters

Jetzt wird vielleicht einer von euch denken: Ja, aber ich kenne gar keine bedürftigen Geschwister.
Ich muss dir sagen, das war gar nicht meine Frage. Ob du welche kennst oder nicht, spielt gar keine Rolle. Die Frage ist: Glaubst du das Richtige in deinem Leben? Und ist dein Umgang mit Geld so, dass Gott sich dazustellen kann?
Ist dir klar, dass, wenn du jetzt mehr hast, als du brauchst, der Grund dafür darin liegt, dass Gott eine, in meinen Augen, sehr merkwürdige Finanzstrategie fährt? Er macht das nämlich folgendermaßen. Er sagt sich: Alle brauchen zusammen so und so viel Geld. Aber ich gebe nicht jedem gleich. Die sollen sich ja untereinander lieb haben, das ist ja gar kein Thema. Ich gebe dem einen ein bisschen mehr und dem anderen ein bisschen weniger. Und weil die sich lieb haben, ist das auch keine Frage. Dann gibt der, der mehr hat, dem, der weniger hat, einfach etwas ab.
Man kann sagen: Es ist ein komisches Konzept. Warum macht Gott das so, dass er dem einen mehr gibt und dem anderen weniger? Und dass er uns quasi, wie wir ja im Allgemeinen hier auf der Schokoladenseite leben, jeder von uns hat genug. Ich denke, jeder von uns hat heute Morgen gefrühstückt. Ich nehme an, jeder von uns hat in dieser Nacht in einem Bett geschlafen, das halbwegs warm war. Ich denke, keiner von uns hat gestern aufs Essen verzichten müssen. Wir können uns sehr, sehr viel leisten.
Wenn ich mir die Weihnachtswünsche meiner Kinder anschaue, die wahrscheinlich noch im Vergleich zu Alterskollegen bescheiden sind, dann denke ich mir auch schon: In was für einem gigantischen Reichtum leben wir, dass da nicht steht: Papa, ich wünsche mir ein neues Paar Schuhe, weil das alte durchgetreten ist und ich jetzt schon mit Löchern in den Sohlen zur Schule gehen muss. Das steht nicht auf dem Wunschzettel meiner Töchter.
Wir leben auf der Schokoladenseite dieser Welt, und Gott hat uns Geld anvertraut, damit wir das, was wir mehr haben, denen geben, die weniger haben. Schauen wir uns dazu den Text an, der steht nämlich in 2. Korinther 8. Da wird das ganz praktisch vorgelegt. Die Gemeinde in Jerusalem hatte zu wenig, und im heutigen Griechenland gab es einige Gemeinden, die hatten genug. Dann schreibt Paulus diesen Gemeinden, speziell der Gemeinde in Korinth, 2. Korinther 8,14. Er sagt: In der jetzigen Zeit diene euer Überfluss dem Mangel jener, damit auch der Überfluss jener für euren Mangel diene, damit Gleichheit entstehe.
Du hast mehr, als du brauchst? Oh, versteht mich jetzt nicht falsch. Eigentlich ist die Frage nicht so sehr die, welches Anlagekonzept das richtige ist. Eigentlich lautet die Frage: Wo steckt der, der mein Geld braucht? Denn wenn ich mehr habe, dann hat ein anderer weniger. Und dann bin ich anscheinend derjenige, der von Gott die Aufgabe hat, dem anderen abzugeben.
Nochmal der Vers: In der jetzigen Zeit diene euer Überfluss dem Mangel jener, damit auch der Überfluss jener für euren Mangel diene. Merkt ihr was? Heute habe ich mehr, als ich brauche, und ich gebe einem ab, der weniger hat. Morgen kann ich in der Position sein, dass ich zu wenig habe und dass ich abhängig bin von dem, der mir dann aus seinem Überfluss heraus etwas gibt.
Und ich hoffe, ihr merkt an der Stelle: Es zuckt langsam, weil wir alle miteinander das, was wir haben, unseren Besitz, unser Geld, als unser Eigentum betrachten. Aber das stimmt nicht. Du bist nicht mehr als ein Verwalter der Dinge, die Gott dir anvertraut hat. Dein Taschengeld, das haben dir vielleicht deine Eltern gegeben, aber Gott hat es dir anvertraut. Dein Einkommen zahlt dir vielleicht dein Arbeitgeber, und ich hoffe, er tut es, aber es ist dir von Gott anvertraut.
Und du musst dir gut überlegen: Nicht wie viel spende ich für XY? Das ist überhaupt nicht die Frage. Die will ich auch niemals diskutieren, darüber werde ich auch keine Predigt halten, weil ich nicht an so Dinge wie den Zehnten und so glaube. Wisst ihr, wie die Frage wirklich heißen muss? Nicht: Wie viel gebe ich? Immer die falsche Frage.
Wie viel kannst du guten Gewissens für dich behalten? Wir kaufen uns nicht ein reines Gewissen dadurch frei, dass wir den Zehnten einfach so als Regel geben. Ihr könnt den Zehnten geben, ich bin dafür. Aber wenn ihr es biblisch machen wollt, gebt bitte zweieinhalb Zehnte, weil im Alten Testament gibt es zwei Zehnte und noch mal einen, den man alle drei Jahre gibt. Plus: Von den Feldern dürfen die Ränder nicht abgeerntet werden. Also man kommt etwa auf 25 Prozent Steuerlast, wenn man es alttestamentlich macht.
Ihr könnt euch an solchen Zahlen festhalten. Aber ich bitte, dass in eurem Kopf genau etwas anderes drinsteckt. Nicht die Frage: Wie viel Geld gebe ich weg, damit mein Gewissen ruhig ist? Sondern: Wie viel behalte ich von dem Überfluss, den Gott mir anvertraut hat, für mich selber? Und wie viel lasse ich dorthin fließen, wo Gott ihn eigentlich haben will?
Und ihr merkt: Christsein ist so radikal, Christsein ist eine solche Herausforderung, das ist nicht etwas, was man im Vorbeigehen miterledigt. Wir sind Gottes Verwalter. Und als solche wird Gott uns einmal beurteilen, wie wir mit dem uns Anvertrauten umgegangen sind.

Die richtige Haltung beim Geben

Dritter Punkt: Kein Heuchler sein heißt, das Richtige auf die richtige Weise zu tun.
Und jetzt schauen wir uns mal ein bisschen genauer an, wie das mit dem Almosengeben damals funktioniert hat und was wir heute daraus lernen können.
 Matthäus 6,2-4
Wenn du nun Almosen gibst, sollst du nicht vor dir her Posaunen lassen, wie die Heuchler tun in den Synagogen und auf den Straßen, damit sie von den Menschen geehrt werden.
Ihr müsst euch das so vorstellen: Da ist irgendwo ein Opferkasten. Und ich spiele das mal in unserer Zeit. Ich habe hier so einen 200-Euro-Schein und sage: Kann die Band mal nach vorne gehen und einen Tusch spielen, damit auch jeder sieht, dass ich jetzt hier meinen Schein reinstecke? Habt ihr doch gesehen, hier ist der Schein, schaut mal, ein großer Schein. Ja, ich mache es jetzt. Vor laufender Kamera versenke ich ganz langsam meinen Schein.
Das ist das, was die Leute damals gemacht haben: vor sich her posaunen lassen. Wir wissen nicht genau, ob das einfach eine bildhafte Beschreibung ist oder ob es wirklich so war. Da geht einer vorne weg, ja, da da da da. Und die Leute sagen: Ey, was ist denn hier los? Oh, schau mal, der bringt seine Spende zum Opferkasten. Boah, genial, wie viel der gibt!
Wir merken: Wenn es ums Spenden geht, soll das wahrscheinlich nicht mit der Kombo passieren und nicht so bewedelnderweise, sondern eher im Geheimen. Und es macht auch ein Stückchen Sinn, dass unser Opferstock oder wie auch immer man diese Kiste nennen wollte, irgendwo draußen steht und dass manch einer gar nicht weiß, dass es sie gibt. Das ist eine Geheimsache.
Noch etwas zu diesem Satz: Wenn ihr nun Almosen gebt. Im Deutschen gibt es zwei Wenns. Man kann einmal sagen: Wenn es draußen regnet, nehme ich meinen Schirm mit. Nur wenn es regnet, nehme ich meinen Schirm mit, meine ich damit.
Es gibt aber auch im Deutschen ein Wenn, das heißt im Sinne von immer wenn. Da geht es gar nicht darum, ob jemand Almosen gibt oder nicht, sondern immer dann, wenn er Almosen gibt, was eigentlich vorausgesetzt wird, dann gilt: Er soll es so tun, dass kein anderer es mitbekommt.
Im Griechischen kriegt man das schön auseinander, weil es dafür zwei Worte gibt. Und hier ist genau diese zweite Form gemeint. Da heißt es nicht wenn im Sinne von: für den Fall, dass du das mal irgendwann tust, weil es hier in den Sinn kommt. Das Wenn steht da nicht, sondern das andere Wenn. Immer wenn du das tust, ganz selbstverständlich wird vorausgesetzt, dass du es tust, und immer wenn du es tust, achte darauf, dass du die Kombo vergisst, dass nicht posaunt wird, dass es keiner mitbekommt.
Vers 3, noch Vers 2 zu Ende:
Wenn du nun deine Almosen gibst, dann solltest du das nicht tun, damit sie von den Menschen geehrt werden. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn dahin.
Wenn jemand das tut, dass er auf diese Art und Weise seine Almosen gibt, dann hat er, weil andere Menschen es sehen und ihm applaudieren – genial, super, klasse Sache –, auf diese Art und Weise allen Lohn erhalten, den er für seine Spende jemals kriegen wird.
Der Lohn dahin müsste man ins Deutsche übersetzen mit: Er hat seinen Lohn erhalten. Da gibt es für so jemanden nicht mehr mehr. Also der denkt vielleicht: Ich gebe eine ganz besonders große Spende in den Topf, ich kriege ein großes Ding im Himmel, Gott wird das irgendwann mal anerkennen. Und Jesus sagt ihm: Alles, was du kriegst, jetzt und in Ewigkeit, alles hast du bekommen mit dem Applaus der Leute um dich her. Mehr wird es für dich nicht mehr geben.
Also wenn wir Almosen geben, dann nicht so.

Verborgenes Geben und Gottes Blick

Vers 3: Wenn du aber Almosen gibst, dann schauen wir uns jetzt die positive Seite an, so soll deine Linke nicht wissen, was deine Rechte tut.
Das ist natürlich eine Übertreibung, weil meine Linke und meine Rechte natürlich wissen, was sie tun. Denn hier oben wird gedacht. Aber wir verstehen sofort, was Jesus mit dieser Übertreibung sagen will. Stell dir vor, etwas ist so geheim, dass dein rechter Daumen nicht weiß, was dein linker Daumen macht. Das ist schon ziemlich geheim. Das ist schon irgendwie so, dass du sagst: Das geht ja fast gar nicht.
Und genau so sollst du dir das überlegen: Wie kriege ich es auf die Reihe, dass wirklich keiner es mitbekommt? Das muss keiner wissen. Achte darauf, dass keiner es mitbekommt. Da gibt es natürlich genügend Möglichkeiten. Man kann anonym spenden, man kann auf tausend Arten geben. Das muss ich euch wahrscheinlich nicht sagen. Aber klar ist: Es soll keiner mitbekommen.
Deine rechte Hand soll nicht wissen, was die linke tut. Du musst es nicht im nächsten Gebetskreis oder in der nächsten Frauenrunde erzählen, was für eine tolle, große Spende du getan hast. Das ist unwichtig. Lass es einfach weg, red nicht drüber. Vergiss es am besten. Imponiere niemandem mit dem, was du tust, und halt die Klappe. Oder auf die kurze Formel gebracht: Sei fromm, aber gib nicht damit an.
Warum? Na ja, ich lese noch mal Vers drei und vier: Wenn du aber Almosen gibst, so soll deine Linke nicht wissen, was deine Rechte tut, damit dein Almosen im Verborgenen sei. Man könnte auch übersetzen: verborgen bleibe, dass niemand es mitbekommt, dass niemand es sieht. Damit dein Almosen im Verborgenen sei, und dein Vater, der im Verborgenen sieht, wird dir vergelten.
Da gibt es nämlich einen, der es sieht. Wenn du zu Hause Geld nimmst, deinen Umschlag packst und ihn zuklebst, und wenn keiner es sieht, das draußen in den Opferstock steckst, und da steht kein Name drauf, kein nichts. Oder wenn du sagst: „Wally, ich möchte irgendeinem Jugendlichen, der es sich nicht leisten kann, seine Jugendreise bezahlen“, dann füge dazu: „Aber ich möchte nicht, dass mein Name bekannt wird.“ Das behältst du für dich. Oder du schreibst einfach darauf: „Für die Jugend.“ Und steckst es in den Opferkasten oder sonst irgendwas. Du machst es einfach total geheim, so dass kein anderer es mitbekommt.
Und wenn du das tust, dann sieht es doch einer, und zwar Gott. Gott sieht, was du tust. Gott sieht dein Herz, und er sieht, dass es dir nicht darum geht, vor anderen Menschen groß dazustehen, mit deinem Glauben auch noch anzugeben oder mit deinem Besitz andere zu beeindrucken. Dir geht es darum, Glauben zu leben als Ausdruck einer Beziehung und das Gute zu tun, weil du einfach sagst: Ich will das Gute tun, ich habe meinen Herrn lieb, und das ist irgendwie logisch, dass ich so lebe. Ich kann gar nicht anders leben.
Also: Kein Heuchler sein heißt, das Richtige auf die richtige Weise zu tun. Sei fromm, aber gib damit nicht an.

Ein biblisches Gebot zum Teilen

Und jetzt habe ich mich gefragt: Gibt es eigentlich so etwas wie ein Gebot, Almosen zu geben? Wenn es ein solches Gebot gäbe, dann würden es wahrscheinlich die meisten von uns noch nie gelesen haben, glaube ich. Oder zumindest nicht so richtig ernsthaft.
Ich habe mir überlegt, ob ich einen Test mache, bei dem jeder einmal aufschreibt, wo das Gebot steht, dass man Almosen geben soll. Also: Wo hat Jesus ganz klar gesagt, ich möchte, dass ihr das so und so tut? Und ich würde wetten, inklusive der Ältestenschaft, würde ich vielleicht ein oder zwei positive Rückmeldungen erwarten. Denn es ist ein sehr unbekanntes Gebot, das sich aber so in der Bibel findet.
Und wir schlagen gemeinsam Lukas 12,33 auf, wo in meinen Augen sehr eindeutig formuliert wird: Lukas 12,33. Alle, die vielleicht, muss ich das noch sagen, jetzt ein Problem kriegen, weil es jetzt so furchtbar persönlich wird, müssen ungefähr für zwei, drei Minuten weghören, weil es jetzt richtig praktisch wird.
Also Lukas 12,33: Da heißt es: Verkauft eure Habe und gebt Almosen; macht euch Beutel, die nicht veralten, einen unvergänglichen Schatz im Himmel. Ich glaube, der Satz ist nicht so schwer zu verstehen. Ich lese ihn noch mal vor: Es heißt, verkauft eure Habe und gebt Almosen.
Du kannst nicht alles verkaufen, aber wahrscheinlich hast du Sachen in deinem Keller stehen, unterm Bett liegen, in diversen Schränken, wo du einfach sagen würdest: Na ja, mein Leben wäre nicht ärmer, wenn das nicht da stehen würde. Vielleicht wäre es sogar ein Stückchen reicher, weil ich weniger abstauben müsste.
Ich möchte euch ermutigen, diesem Gebot Folge zu leisten. Verkauft eure Habe! Ich möchte euch ermutigen zu einem echten Glaubensschritt, der ein Stückchen nach außen hin zeigt, ob euer Glaube echt ist. Und ihr habt ja schon gesehen: Die Predigt heißt Holy eBay, und das nicht ganz umsonst.

Praktische Umsetzung als Gemeindeprojekt

Ich möchte euch eine Idee vorstellen, die Wolfgang Liesendahl und mir gekommen ist und mit dieser Kiste zu tun hat. Also, das ist eine eBay-Kiste.
Wolfgang und ich stellen eine These auf. Wir sagen: Viele von euch würden ja gerne ihre Habe verkaufen und Almosen geben, aber sie können das nicht, weil ihnen einfach die Zeit fehlt, das irgendwo zu verscherbeln. Und so geht es einfach nicht. Vielleicht hat der eine oder andere auch noch gar nicht darüber nachgedacht, das zu tun.
Wir bieten euch nun bis Weihnachten einen Service an. Und dieser Service geht folgendermaßen: Wir bieten euch an, dass ihr dem Gebot „Verkauft eure Habe und gebt Almosen“ so praktisch nachkommen könnt, wie es wahrscheinlich noch nie in eurem Leben der Fall war, nur dass wir das Verkaufen für euch übernehmen.
Also, was möchte ich? Ich möchte eure Habe. Verkauft eure Habe, ja, die möchte ich haben. Also nicht ich, sondern Wolfgang und ich und letztlich diese Kiste. Wir wollen eure Habe.
Mit Carola Colmsey habe ich gesprochen. Hast du noch irgendwas, was du mitbringen könntest? Ja, da ist noch ein Plattenspieler, der ist noch super in Ordnung, aber du hast ja schon heute noch einen Plattenspieler. Vielleicht sagst du: Ich habe da noch eine Stehlampe. Oder ich habe noch ein paar blöde Videos, die wollte ich sowieso schon lange loswerden. Oder in meinem Bücherschrank steht noch was rum. Oder da ist noch was, weiß ich, irgendein Krams, der halt da rumsteht, wo du sagst: Eigentlich zum Leben brauche ich es nicht. Und wenn ich tot bin, brauche ich es auch nicht mehr. Ich könnte eigentlich jetzt was Sinnvolles damit anfangen. Ich könnte das Zeug eigentlich verscherbeln.
Und dafür sind wir da. Also, ihr geht nach Hause, wenn ihr euch auf unser Projekt einlasst, wenn ihr euch letztlich auf Lukas 12,33 einlasst. Ihr geht nach Hause, geht prüfend mit dem Blick durch eure Wohnung. Ich werde auch noch mal durch meinen Keller gehen und überlegen, was steht da eigentlich rum. Und dann werdet ihr feststellen: Da gibt es Sachen, die brauche ich nie wieder.
Und die Sachen bringt ihr am Sonntag mit. Nächsten Sonntag. Wenn ihr es vergesst, übernächsten Sonntag oder überübernächsten Sonntag, weil wir nämlich die Aktion bis Weihnachten laufen lassen. Und dann findet ihr hier so einen Zettel. Da müsst ihr ein paar Sachen draufschreiben. Da muss draufstehen, wie ihr heißt, was ihr euch denkt, was das Zeug noch wert ist. Wir wollen erst mal nur Sachen haben, für die man auch noch mindestens zehn Euro kriegt. Also Trödel machen wir vielleicht nächstes Jahr mal, aber jetzt erst mal denkt an Sachen, für die man noch zehn Euro kriegt.
Ihr schreibt ein bisschen was über den Gegenstand drauf: Wie alt ist das Zeug? Was ist das eigentlich? Vielleicht sieht man das nicht auf den ersten Blick, gerade bei technischen Teilen. Und was passieren soll, wenn es nicht verkauft wird: Wollt ihr das dann zurückhaben oder gleich in die Tonne treten oder aufheben? Okay. Das schreibt ihr hier drauf und stopft eure Sachen hier rein, okay?
Die Kiste steht draußen neben dem Kopierer. Rupzala! Und den Zettel macht ihr da dran, so dass wir wissen, von wem es kommt. Und Wolfgang nimmt dann die Sachen und haut das bei eBay rein. Ihr könnt eure Sachen also bei eBay wiederfinden. Wir haben auch einen schönen Disclaimer dann drunter: wer wir sind, wofür wir das machen, dass das dem Almosenfonds der Gemeinde zugute kommt. Das steht dann alles dabei. Ihr könnt also immer verfolgen, was ist mein Ding gerade wert, was ich abgegeben habe. Und eine Woche später ist das Ding dann vorbei, die Auktion, es wird verscherbelt, und Wolfgang kümmert sich darum, dass es versandt wird.
Jetzt steht Wolfgang mal auf, damit jeder ihn kennt. Genau, das ist der Wolfgang, der managt diese Aktion bis Weihnachten. Eure Aufgabe besteht also darin, Videos, T-Shirts, Blumenvasen, Comichefte, Stehlampen und Ähnliches hier reinzustopfen. Ihr müsst nicht schon überlegen, was ihr alles bringen wollt. Ich habe es ja verstanden, dass jeder von euch genug hat. Aber alles, was wir da kriegen, läuft in zwei Töpfe.
Was von Jugendlichen kommt, geht direkt nach Kenia, weil wir in Kenia eine Schule aufbauen. Das sind mit Sicherheit Leute, die Geld brauchen. Das ist mit Sicherheit für ein Almosenprojekt genau das Richtige, und das geht direkt dahin. Also, wenn die Jugendlichen ihre Sachen ausmisten, kein Problem, geht alles nach Kenia.
Alles, was nicht mehr Jugend ist, geht in einen Fonds, der insbesondere erst einmal dazu dienen soll, dass Leute, die sich die Freizeit in Kreling im nächsten Jahr nicht leisten können, die vielleicht innerlich so ein Stück Abstand von der Freizeit nehmen, weil sie sagen, das ist mir zu teuer, mitnehmen können. Also ein Sponsoring für alle Leute, die Schwierigkeiten haben, sich die Freizeit nächstes Jahr zu leisten. Das ist, wo wir erst einmal das Geld investieren, das von den Erwachsenen kommt.
Und wenn das abgegessen ist und vielleicht noch etwas übrig ist, fällt uns bestimmt noch etwas ein. Wir haben immer genug Geldbedarf, wenn es darum geht, Menschen zu unterstützen, die ein Stückchen zu wenig haben.
Ihr habt die Idee verstanden? Gut. Nächsten Sonntag bringt ihr alle was mit. Lasst diese Kiste überquellen. Also Wolfgang meinte, so eine 19-Zoll-Monitorkiste, die reicht für den Anfang. Okay, also er hat noch eine zweite, viermal so große. Wir schauen, was kommt. Ihr habt bis Weihnachten.
Wenn ihr also nächste Woche feststellt: Jetzt habe ich es vergessen, so ein Mist. Kein Problem, macht es hier rein.
Zum Abschluss möchte ich euch noch ... Ja, Wolfgang? Genau, aber ich denke, wir werden hier dann auch Rechner laufen lassen und immer mal aktuell sehen. Und Wolfgang wird euch informieren, was wir gerade eingenommen haben. Das wird schon eine lustige Sache.

Vorbild und Schlussgedanke

Abschließend möchte ich noch eine Geschichte vorlesen, die das Thema der Predigt abrundet.
Georg Müller wurde der Waisenvater von Bristol genannt. Er war ein Mann, der in finanziellen Dingen vollständig auf Gott vertraut hat und der sich selbst verpflichtet hatte, nie Schulden zu machen, weder für seine Person noch für sein Werk.
Er schreibt in seiner Biografie: Nicht einmal oder fünfmal oder fünfhundertmal, sondern tausendmal hatten wir in den letzten sechzig Jahren weder in bar noch an Lebensmitteln genug für auch nur eine Mahlzeit. Aber nicht ein einziges Mal hat uns Gott im Stich gelassen. Nicht ein einziges Mal haben wir oder die Waisenhäuser hungern müssen oder eines Guten gemangelt.
Im Mai 1942, in einer Zeit finanzieller Enge, erhielt er eine goldene Uhr mit Kette, der ein kurzer Brief beilag. Den Inhalt dieses kurzen Briefes möchte ich euch abschließend vorlesen.
Der Spender dieser Uhr schreibt: „Ein Pilger braucht keine Uhr wie diese, um glücklich zu sein. Eine geringere wird genügen, ihm zu zeigen, wie schnell die Zeit dahinfliegt und wie schnell er dem Kanaan entgegen eilt, wo es keine Zeit mehr gibt. So können Sie damit tun, was Ihnen gut dünkt. Es ist die letzte Reliquie irdischer Eitelkeit. Möge ich, solange ich im Leib bin, vor allem Götzendienst bewahrt bleiben.
In diesem Sinn wünsche ich mir das für euch: dass ihr nicht an irdischen Dingen hängt, als wären sie eure eigentlichen Götzen, sondern dass eure Herzen nicht daran hängen, sondern dass ihr euch die Freiheit der Kinder Gottes bewahrt, Dinge wegzugeben, die ihr tatsächlich nicht braucht, für die, die sie brauchen.
Ich möchte zum Abschluss beten.“

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

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