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Apostelgeschichte 22,30- 23,11

Apostelgeschichte, Teil 62/64
Apostelgeschichte 22,30-23,11
SERIE - Teil 62 / 64Apostelgeschichte

Einstieg: Die Frage nach dem Sinn des Lebens für Gott

Lasst mich mit einer Einstiegsfrage beginnen: Wann hast du dich das letzte Mal gefragt, ob dein Leben für Gott – so wie du es lebst – wirklich einen Unterschied macht?

Ich möchte heute mit euch eine These betrachten, die ich ganz am Anfang in den Raum stelle. Die These lautet: Gottes Heilsgeschichte vollzieht sich oft – und zwar wirklich ganz oft – durch verdeckt arbeitende, scheinbar nebensächliche Akteure. Durch Leute, die bereit sind, einfach zu hören, zu handeln und Verantwortung zu übernehmen. Eigentlich durch Nobody’s, eigentlich durch jeden einzelnen von euch.

Ihr merkt schon, wir sind wieder in der Apostelgeschichte, und da machen wir weiter. Paulus ist immer noch in römischer Gefangenschaft. Die Idee, die wir uns beim letzten Mal in der Predigt angeschaut haben, war diese: Man könnte Paulus in den Hohen Rat führen, und dann bekommt man vielleicht so ein bisschen heraus, worum es eigentlich geht.

Diese Idee war jedoch gehörig schiefgegangen.

Die Verschwörung gegen Paulus und ihre Bedeutung

Frage: Wie geht es weiter? Apostelgeschichte 23, ab Vers 12.

Als es Tag wurde, rotteten sich die Juden zusammen. Sie verschworen sich mit einem Fluch und sagten, dass sie weder essen noch trinken würden, bis sie Paulus getötet hätten. Es waren mehr als vierzig, die diese Verschwörung gemacht hatten.

Sie gingen zu den Hohenpriestern und den Ältesten und sprachen: „Wir haben uns mit einem Fluch verschworen, nichts zu genießen, bis wir Paulus getötet haben. Macht ihr jetzt mit dem Hohen Rat dem Obersten Anzeige, damit er ihn zu euch herabführe, als wolltet ihr seine Sache genauer entscheiden. Wir aber sind bereit, ihn umzubringen, ehe er nahekommt.“

Bis hierhin merken wir: Hier wird aus Aversion Fanatismus. Paulus wurde nie aus bloßer Abneigung gemocht, aber jetzt wird es fanatisch. Vierzig Männer tun sich zusammen und sagen, sie werden erst wieder essen und trinken, wenn sie Paulus vorher getötet haben.

Ich habe das so gelesen und dachte mir, dass das irgendwie typisch für Fanatiker ist. Was ich meine, ist Folgendes: Ein Fanatiker will besonders fromm sein. Doch während er das will, verliert er jeglichen Sinn für Moral. Das hier ist falscher Eifer für Gott.

Es wird noch schlimmer dadurch, dass das Gremium, der Hohe Rat – ein Gremium, das für Recht und Gerechtigkeit stehen sollte – für diesen Mordkomplott instrumentalisiert wird. Man benutzt es also, damit ein großes Unrecht geschieht.

Wenn wir das so lesen, merken wir, dass hier nicht nur der Mord im Raum steht, sondern eine größere Spannung. Beim letzten Mal haben wir am Ende gesehen, dass Paulus von Gott einen Auftrag bekommt.

Diesen Auftrag will ich euch noch einmal vorlesen. In Apostelgeschichte 23,11 heißt es: „In der folgenden Nacht aber stand der Herr bei ihm und sprach: Sei guten Mutes, denn wie du meine Sache in Jerusalem bezeugt hast, so musst du sie auch in Rom bezeugen.“

Ihr seht: Bei diesem Mord steht nicht nur Paulus’ Leben auf dem Spiel. Es geht um den Auftrag, den Paulus von Gott bekommen hat – bis nach Rom zu gehen und dort das Evangelium zu predigen.

Ich möchte ganz am Anfang eine ganz banale Sache festhalten. Sie ist so einfach, dass man sie kaum predigen müsste, aber ich mache es trotzdem:

Wenn Gott dir einen Auftrag gibt, dann kann nichts und niemand sich dem in den Weg stellen.

Ich sage das noch einmal: Wenn du einen Auftrag hast, und draußen nehmen sich vierzig Leute vor, dich zu töten, dann haben sie keine Chance.

Wenn Gott dir einen Auftrag gibt, kann sich nichts und niemand dem in den Weg stellen.

Das ist unglaublich, wenn ich das so formuliere: Wenn Gott mir einen Auftrag gibt, egal was draußen an Bösem gegen Gott geschieht, hat das Böse keine Chance.

Wie Gott das Mordkomplott vereitelt: Der unscheinbare Neffe

Und jetzt wird es spannend. Wie macht Gott das? Hätte er es gewollt, könnten diese 40 Leute am nächsten Tag einfach nicht mehr aufwachen. Ja, ein kollektiver Schlaganfall. Oder sie treten aus der Versammlung aus, und es erscheint ein Blitzbusch, sodass nur noch etwa vierzig Häufchen Asche zurückbleiben. Das wäre irgendwie auch interessant gewesen und wahrscheinlich in der Apostelgeschichte berichtet worden, aber so ist es nicht geschehen.

Das Spannende ist, wie Gott an dieser Stelle dieses Mordkomplott vereitelt. Er benutzt einen völlig unscheinbaren jungen Mann, von dem wir absolut nichts wissen. Hier Apostelgeschichte 23, Vers 16:

„Als aber der Neffe des Paulus von der Nachstellung gehört hatte, kam er hin und ging in das Lager und meldete es dem Paulus. Paulus aber rief einen von den Hauptleuten zu sich und sagte: Führe diesen Mann zu dem Obersten, denn er hat ihm etwas zu melden.“

An dieser Stelle lesen wir das erste Mal davon, dass Paulus einen Neffen hat. Den kannten wir vorher nicht, und auch danach taucht er nicht mehr auf. Er bekommt irgendwie von diesem Mordkomplott mit – wie genau, wissen wir nicht. Man kann sich aber gut vorstellen: Wenn du so ein klassischer Meuchelmörder bist, der auch ein bisschen fanatisch drauf ist, dann gibst du mit deiner Tat ja an. Du willst allen zeigen, was für ein toller Kerl du bist. Und irgendwie hat der Neffe das mitbekommen, vielleicht, weil irgendwo darüber gesprochen wurde.

So weiß der Neffe jetzt Bescheid. Und jetzt kommt dieser Neffe. Er hat keinen besonderen göttlichen Auftrag. Es ist nicht so, dass ihm nachts ein Engel erschien und sagte: „Geh zum Obersten!“ Der Hauptmann hört das einfach und merkt: Hier ist etwas zu tun.

Wie gesagt, wir wissen nichts über diesen Neffen. Wir wissen nicht einmal, ob er ein Christ ist. Und doch hört er von der Verschwörung gegen seinen Onkel. Aus eigenem Antrieb geht er los. Er geht ins Lager, wo die römischen Soldaten Paulus festhalten. Er redet mit seinem Onkel und erzählt ihm von dem geplanten Anschlag.

Paulus tut natürlich das, was an der Stelle absolut logisch ist. Er sagt: „Hey, diese Information müssen wir nach oben weitergeben. Die ist wichtig, und das muss der Oberste hören.“

Man muss wissen: Der Oberste war Paulus noch etwas schuldig. Wer sich erinnert, weiß, dass er Paulus hatte fesseln lassen, um ihn auszupeitschen – das war verboten. Als er hörte, dass Paulus römischer Bürger ist, wurde er ganz ängstlich. Auf jeden Fall weiß Paulus, dass der Oberste zuhören wird. Deshalb schickt er den Neffen zu dem Obersten.

Wir lesen es in Apostelgeschichte 23, Vers 18:

„Der nun nahm ihn zu sich und führte ihn zu dem Obersten und sagte: Der Gefangene Paulus rief mich herbei und bat mich, diesen jungen Mann zu dir zu führen, der dir etwas zu sagen habe. Der Oberste aber nahm ihn bei der Hand und zog sich mit ihm abseits zurück und fragte: Was ist es, das du mir zu melden hast? Er aber sprach: Die Juden sind übereingekommen, dich zu bitten, dass du morgen den Paulus in den Hohen Rat hinabbringst, um etwas Genaueres über ihn zu erkunden. Du nun lass dich nicht von ihnen überreden, denn mehr als vierzig Männer von ihnen stellen ihm nach, die sich mit einem Fluch verschworen haben, weder zu essen noch zu trinken, bis sie ihn umgebracht haben. Und jetzt sind sie bereit und erwarten die Zusage von dir.“

Der Oberste entließ den jungen Mann und befahl ihm: „Sage niemandem, dass du mir dies mitgeteilt hast.“

Bis dahin eine unglaublich simple Erzählung. Der junge Mann – wir wissen immer noch nicht, wie er heißt – taucht jetzt wieder ab. Wir werden es nie erfahren. Er redet mit dem Obersten, erzählt ihm von dem Mordkomplott und bittet ihn darum, sich nicht vom Hohen Rat überreden zu lassen.

Überreden lässt wozu? Paulus einfach noch einmal zu bringen.

Was tut der Oberste? Er schickt den jungen Mann weg, nach Hause, und sagt: Stillschweigen.

Warum Stillschweigen? Ganz einfach: Der Oberste möchte, jetzt wo er Bescheid weiß, in Ruhe seinen nächsten Schritt tun. Er weiß ja, morgen brennt hier die Luft, da muss er eine Entscheidung treffen. Das heißt, er möchte heute Nacht, wenn keiner damit rechnet, diesen Gefangenen verlegen – und zwar von Jerusalem weg an die Mittelmeerküste nach Caesarea, wo übrigens auch der Statthalter Felix, also sein Vorgesetzter, residierte.

Gottes Heilsgeschichte und die Rolle der Normalos

So weit zum Text für heute. Das ist alles, was ich zur Apostelgeschichte sagen möchte.

Nun zurück zu meiner These. Meine These lautet: Gottes Heilsgeschichte, also dort, wo es wirklich in dieser Welt darauf ankommt. Gottes Heilsgeschichte vollzieht sich oft durch verdeckte, scheinbar nebensächliche Akteure – durch Menschen, die bereit sind, einfach zuzuhören, Verantwortung zu übernehmen und ein Stück weit Aufgaben zu erledigen, die ihnen auf eine absolut triviale Weise einfach so vor die Füße fallen.

Oder anders gesagt: Gott wirkt in seiner Geschichte. Und das ist die Geschichte, die überhaupt zählt, weil sie die einzige Geschichte ist, die eine Zukunft hat. Wir dürfen nie vergessen, was Geschichte relevant macht – nicht das, was passiert, sondern das, was Zukunft hat. Was in hundert, in tausend, in einer Million Jahren noch relevant ist. Das ist wirklich wichtig.

Und diese Geschichte wirkt Gott ganz regelmäßig durch absolute Randfiguren. Ich finde das total spannend. Die meisten von uns würden sich, wenn ich Sie fragen würde, nicht als Superstars sehen. Vielleicht hast du dein Krönchen noch nicht abgelegt, aber wir sind eigentlich alle Normalos.

Und jetzt kommt Gott und sagt: Ich schreibe meine Geschichte mit diesen Normalos, mit den Menschen, die man so furchtbar leicht übersehen kann. Ich zeige euch mal drei Normalos – einfach nur, damit ihr seht, was ich meine.

Beispiele von Normalos in der Heilsgeschichte

Da gibt es einen jungen Mann, der von seinen eigenen Brüdern in die Sklaverei verkauft wird, unschuldig angeklagt ist und über Jahre im Gefängnis sitzt. Und dann, plötzlich – aus dem Nichts – wird er zum Retter Ägyptens.

Es war jetzt kein Bibelquiz, aber ihr wisst, um wen es geht: Es geht um Joseph. Wenn man Josephs Geschichte verfolgt, merkt man, dass er als Teenager verkauft wurde und dann jahrelang im Gefängnis saß. Wie leicht hätte er an seiner Biografie, an dem, was ihm widerfahren ist, verzweifeln können. Doch er tut es nicht. Ganz im Gegenteil.

Da ist er bei Potiphar, und die Frau von Potiphar versucht, ihn zu verführen. Er sagt nein. In diesem Moment wird deutlich, dass dieser junge Mann zwar nichts mehr vom Leben zu erwarten hat – bitteschön, seine eigene Familie hat ihn als Sklaven verkauft und mit ihm Geld verdient. Sie wollen ihn nicht mehr, er ist am Ende, ganz unten.

Und in der Situation, in der sich seine Chefin an ihn heranmacht, sagt er in 1. Mose 39,9: „Mein Herr ist in diesem Haus nicht größer als ich.“ Das bedeutet, sie hat nicht mehr Einfluss, nur weil sie die Frau seines Chefs ist. Er selbst ist in diesem Haus nicht größer als sie, und sein Herr hat ihm nichts vorenthalten – außer eben die Frau, weil sie seine Frau ist. Dann sagt er: „Wie sollte ich dieses große Unrecht tun und gegen Gott sündigen?“

Hier ist ein Mann, der eigentlich alles verloren hat. Und doch merkt man mitten in dieser Situation: Die eine Sache, die er hat und die ihm sehr wichtig ist, ist sein Vertrauen in Gott. Er bleibt Gott treu. Und genau deshalb kann Gott ihn gebrauchen. So sehr, dass derselbe Joseph später rückblickend zu seinen Brüdern, die ihn verkauft hatten, sagen kann (1. Mose 50,20): „Ihr zwar hattet Böses gegen mich beabsichtigt, Gott aber hatte es zum Guten gewendet, um zu tun, wie es an diesem Tag ist, ein großes Volk am Leben zu erhalten.“

Nochmal: Von außen betrachtet sieht dieses Leben über weite Strecken völlig falsch aus, und doch benutzt Gott es.

Jetzt könntest du sagen: „Okay, das ist Joseph, kein Normalo.“ Ich halte ihn trotzdem für einen Normalo. Aber wenn du das nicht glaubst, gebe ich dir ein richtiges Normalo-Beispiel.

Hier, 2. Könige 5,2: „Die Aramäer waren auf Raubzug und hatten aus dem Land Israel ein junges Mädchen gefangen weggeführt.“ Ist das normal genug? Dieses Mädchen kam in den Dienst der Frau des Naaman. Sie sagte zu ihrer Herrin: „Ach, wäre mein Herr doch vor dem Propheten, der in Samaria wohnt, dann würde er ihn von seinem Aussatz befreien.“

Mehr Normalo geht nicht. Das hier ist eine Kriegsgefangene, ein Mädchen, dessen Name wir nicht kennen. Vielleicht zwölf Jahre alt, das bei einem Streifzug entführt wurde. Was tut sie? Sie tut das Richtige. Sie sieht, dass ihr Herr Aussatz hat, und denkt sich: „Bei uns zu Hause hätten wir ihn zu unserem Propheten geschickt, der sich darum kümmern würde.“

Sie gibt ihrer Herrin diesen Tipp. Die erzählt es weiter, logisch, an ihren Mann, Naaman. Der macht sich auf den Weg, trifft den Propheten Elisa, wird geheilt und bekehrt sich zum Gott Israels.

Kannst du dir vorstellen, was das geopolitisch bedeutet? Wenn du direkt neben dem Königshof einen Bekehrten hast, der an deinen Gott glaubt und ein Fürsprecher für das Volk Israel ist? Das wäre so, als wäre der engste Vertraute von Trump bekehrt und würde sagen: „Hey, der ist für mich.“ Ich kann mir kaum vorstellen, was das bedeutet.

Dieses kleine Mädchen erzählt einfach, gibt den Tipp und ändert damit die Geopolitik. Das ist Wahnsinn!

Oder vielleicht mein Lieblingsbeispiel: Lukas 1,26: „Im sechsten Monat wurde der Engel Gabriel von Gott in eine Stadt in Galiläa mit Namen Nazareth gesandt zu einer Jungfrau, die einem Mann namens Josef aus dem Haus David verlobt war. Der Name der Jungfrau war Maria. Er kam zu ihr hinein und sprach: ‚Sei gegrüßt, Begnadete, der Herr ist mit dir.‘“

Das ist Normalo. Maria aus Galiläa. Galiläa hat nicht den besten Ruf, das ist so, als käme sie aus einem Kaff. Kennt ihr noch die Ostfriesenwitze? So ähnlich.

Das ist es, was Gott macht. An der Erwählung von Maria wird deutlich, worauf es Gott ankommt. Wir schauen oft auf Äußerlichkeiten, aber Gott schaut ganz anders hin. Und das ist total wichtig, dass wir das nie vergessen.

Gottes Blick auf das Herz statt auf Äusserlichkeiten

 1. Samuel 16,7 erzählt von einem anderen Propheten, der Samuel heißt. Er soll einen neuen König salben. Dabei gibt Gott ihm eine wichtige Weisung:

„Aber der Herr sprach zu Samuel: Sieh nicht auf sein Aussehen und lasse dich bei der Salbung nicht von seinem Äußeren oder seiner Größe blenden. Denn ich habe ihn verworfen. Der Herr sieht nicht auf das, worauf der Mensch sieht. Der Mensch sieht auf das, was vor Augen ist, aber der Herr sieht auf das Herz.“

Das ist der Kern dieser Predigt und mir ist es sehr wichtig, dass ihr das versteht: Du kannst dir in diesem Leben deinen Intellekt nicht aussuchen. Du kannst nicht bestimmen, wie sportlich du bist, in welche Familie du hineingeboren wirst oder wie leicht es dir fällt, Gitarre zu lernen.

Aber du kannst entscheiden, ob und wie stark dein Herz an Gott hängt. Ich sage es noch einmal: Du kannst entscheiden, ob dein Herz an Gott hängt und wie stark das ist.

Dafür braucht es keinen hohen IQ, kein Aussehen wie das einer Kendall Jenner, keine Pokale und keine perfekte Biografie. Es braucht nur eine Sache: den ehrlichen Wunsch, Gott zu gefallen.

Das ist das Einzige, was zählt – der ehrliche Wunsch, Gott zu gefallen – und dann den Mut, das Naheliegende zu tun. Jeder Normalo kann im Rahmen seiner Möglichkeiten mit seinem ganzen Herzen an Gott hängen. Gott weiß das.

Gott beruft die Schwachen und Normalos

Das ist die Idee hinter der Aussage, dass Gott Schwache beruft. Paulus muss, wenn er mit den Korinthern redet, ihnen deutlich machen, wer eigentlich im Publikum sitzt. Wer sind diese Menschen? Er sagt, es sind die Schwachen, die Gott beruft.

 1. Korinther 1,26: "Denn seht eure Berufung, Brüder: Es sind nicht viele Weise nach dem Fleisch, nicht viele Mächtige, nicht viele Edle, die berufen sind, sondern das Törichte der Welt hat Gott auserwählt."

Gott hat einen Plan, warum er das tut. Damit er die Weisen zu Schande macht. Und das Schwache der Welt hat Gott auserwählt, damit er das Starke zu Schande macht.

Ich finde das so großartig! Gott beruft Normalos, Gott beruft die Randfiguren, Gott beruft die Schmuddelkinder, mit denen man nicht spielen darf. Das sind die, für die Gott ein Herz hat. Und warum? Weil er der Welt, in der wir leben, ihre eigene Dummheit und Überheblichkeit vor Augen führen möchte.

Wisst ihr, die Welt streckt sich aus nach den Machern. Nach den Elon Musks, nach den Trumps, nach den Putins, den Erdogans, den Xi Jinping und den Zuckerbergs. Das sind die, die auf den Magazinen abgebildet sind. Deren Interviews hört man sich an. Was sie denken, scheint irgendwie wichtig und gleichzeitig richtig zu sein.

Und dann baut Gott im Hintergrund das einzige Reich, das ewig bleiben wird. Das einzige Reich, wo Menschen anderen Menschen erklären, wie man in Ewigkeit lebt, wie man ewiges Leben bekommt, wie man wirklich gerettet wird, wie es Erlösung, Vergebung und einen Neuanfang gibt. Das einzige Reich, das wirklich wichtig ist, das baut Gott mit Normalos.

Es ist so grotesk. Ich kann es nicht anders sagen. Wenn es um Heilsgeschichte geht, um die wirklich wichtige Geschichte, die sich in dieser Welt abspielt, dann sind fast ausschließlich, möchte ich sagen, Normalos diejenigen, die Gott benutzt.

Wenn wir euch nach vorne holen würden und jeder seine Geschichte erzählen würde, wie er zum Glauben gekommen ist, da würden so viele Normalos vorkommen. Das ist irre! So viele Leute, die hier mal einen Satz gesagt haben, da mal ein Buch geschenkt haben, dort mal irgendwas gemacht haben, wo du denkst: Ich weiß schon gar nicht mehr, wie die heißen. Ja, da war halt irgendwas. Irgendwer hat mir... hm, ja.

Genau das Irgendwas hat halt irgendwer... hm. Das ist Normalo. Das ist, wie Gott sein Reich baut.

Die Herausforderung des Selbstbildes und die Ermutigung

Warum ist mir dieser Punkt so wichtig?

Es gibt unter uns den Eindruck, der wahrscheinlich mit der Art und Weise zusammenhängt, wie wir Gottesdienste feiern. Dort unten sitzen Leute, die zuhören, und hier vorne sind Leute, die etwas tun. Das ist bis zu einem gewissen Grad ungesund. Wahrscheinlich schaffen wir es gerade nicht, das zu ändern. Doch dadurch kann der Eindruck entstehen, dass Gott mich nur gebrauchen kann, wenn ich besonders bin.

Deshalb möchte ich dir eine Frage stellen: Was sind deine persönlichen Argumente dafür, dass Gott dich nicht gebrauchen kann?

Denk jetzt einmal darüber nach. Was sind deine inneren Glaubenssätze, deine persönlichen Argumente, mit denen du dir erklärst, dass Gott dich sowieso nicht gebrauchen kann? Ist es das: Ich habe zu wenig Glauben, ich bin zu alt, ich habe schon zu oft versagt, ich bin nicht schlau genug, ich bin nicht wie xy?

Nimm dir zehn Sekunden Zeit und überlege, was deine Argumente sind, warum du glaubst, dass Gott dich nicht gebrauchen kann.

Halte diesen Gedanken jetzt fest und denk an diesen Neffen von Paulus. Er ist kein Apostel, kein Glaubensheld, sondern einfach nur ein aufmerksamer junger Mann, durch den Gott Geschichte schreibt. Jemand, der dafür sorgt, dass der Apostel Gottes nicht durch vierzig Attentäter in Jerusalem sein Leben verliert.

Warum glaubst du also, dass Gott dich nicht gebrauchen kann?

Gebet und Vertrauen auf Gottes Berufung

Lass mich ein Gebet sprechen.

Herr Jesus, bitte, Du siehst unser Herz und weißt, wo wir uns selbst manchmal verurteilen, wo wir uns vergleichen, wo wir nicht so sind wie andere und uns dadurch runtermachen.

Wir bitten Dich, Herr Jesus, dass Du uns dort vergibst, wo wir uns selbst disqualifizieren. Wir bitten Dich auch, dass Du uns Mut schenkst, uns selbst etwas zuzutrauen.

Denn Du bist der Gott, der uns in unserer Normalität berufen hat und uns normalloserweise gebrauchen will.

Herr, wir vertrauen Dir, dass Du durch unseren Dienst im Kleinen Weltgeschichte bewegen kannst.

Wir vertrauen Dir ganz neu. Amen.

Die Kraft der Treue und das Material Gottes Reichs

Wisst ihr, wenn ich eine Sache im Gemeindebau gelernt habe, dann ist es eine hässliche Sache, aber sie ist wahr. Es sind nicht die vermeintlich Begabten, die das Reich Gottes langfristig voranbringen. Das stimmt einfach nicht. Es sind immer die Treuen.

Es ist ganz spannend, und ich mache das jetzt ein Vierteljahrhundert. Also habe ich einen gewissen Überblick und habe mir die eine oder andere Gemeinde angesehen und für mich ausgewertet. Und ich kann euch eines sagen: Eine Gruppe treuer Normalos, deren Herz an Gott hängt und die bereit sind, treu gehorsam die Aufgaben zu übernehmen, die Gott ihnen vor die Füße wirft, die kannst du nicht aufhalten. Die gehen einfach weiter, sie bleiben nicht stehen.

Für so eine Gruppe ist tatsächlich nichts unmöglich. Warum? Weil genau sie das Material sind, mit dem Gott seine Gemeinde baut. Ich habe so oft gesehen, dass die vermeintlich Begabten sich selbst im Weg stehen und am Ende viel weniger erreichen als einfach so eine Gruppe treuer Normalos, die einfach so vor sich hin wupp wupp wupp wupp machen und auch noch da sind, wenn sie keine Lust mehr haben.

Wenn es ein bisschen Knatsch gibt, wenn die Organisation nicht läuft, wenn die Technik versagt – wupp wupp wupp – sie machen einfach weiter. Wenn du hier sitzt und sagst: „Jürgen, ich bin nur so ein Normalo“, dann feiere das! Wirklich, feiere das!

Schwachheit als Stärke in Gottes Plan

In 2. Korinther 11,30 spricht Paulus davon, dass wir uns unserer Schwachheiten rühmen sollen.

Schreib eine Liste mit all den Dingen, bei denen du denkst: „Deswegen bin ich schwach und unbrauchbar.“ Ich habe so eine Liste, ja, und das fängt mit meinen kaputten Füßen an. Und dann feiere ich das. Die Liste kommt immer mal wieder, und dann sage ich: „Danke, Herr!“

Es fühlt sich falsch an, zu sagen: „Danke, Herr,“ und dann all die Sachen aufzulisten, die irgendwie nicht gut sind. Aber ich denke mir: Tschaka, genau das steht in der Bibel. Feiere deine Schwachheit, feiere dein Normallosein.

Wisst ihr, wir leben in der Zeit der Stars, der Sternchen und der Influencer. Ganz schnell macht sich unter Christen die Idee breit, dass man von Gott für den Bau seines Reiches nur dann gebraucht wird, wenn man auch ganz offensichtlich begabt ist.

Dann stellst du fest: Ich stehe gar nicht gerne vorne, ich kann keine Musik machen, ich kann nicht predigen, Kinder sind mir viel zu nervig, und keine Ahnung was. Aber du stellst fest, die ganzen Standardsachen, die du halt siehst, die kannst du nicht.

Und jetzt komme ich und sage: Du wirst gebraucht. Ich kann dir sogar noch etwas sagen: Du ahnst gar nicht, wie sehr du gebraucht wirst.

Deswegen war es mir so wichtig, euch zu zeigen, dass an den Dreh- und Angelpunkten der Heilsgeschichte ganz oft Normalos stehen. Leute, die von ihren Mitmenschen vielleicht für Loser gehalten werden, die äußerlich nicht qualifiziert sind für den Dienst.

Da hast du diesen kleinen Hirtenjungen, diesen greisen Ziegenhirten, da hast du ein hübsches Mannequin, da hast du ein kleines Mädchen, eine Hure, eine Witwe, jemanden, der sich überhaupt nicht für alt genug hält für den Job – und und und.

Ihr könnt jetzt raten, wen ich gemeint habe in der Aufzählung: Das sind alles Leute aus der Bibel.

Hast du dir die Apostel mal angeschaut? Ich meine, muss ich das ja machen, ja? Also die Leute, die Gott berufen hat – wo kommen die her? Aus Galiläa, Ostfriesland, ja! Da kommen die her, hätte man nie erwartet.

Wie lange brauchen die, um das mit dem neuen Bund zu kapieren? Ich meine, das ist theologisch ein bisschen schwieriger. Ich glaube, Paulus braucht drei Tage, wo er mal so ist. Aber wie lange braucht Petrus dafür? In Apostelgeschichte 10, so ganz langsam dämmert es ihm.

Aber wenn du dir anschaust, wie viel Mühe der Heilige Geist hat, ihm das überhaupt rüberzubringen, es ist irre.

Warum hat Gott denn nicht einfach den römischen Kaiser berufen? Das wäre doch mal bang, ja? Oder eben auch wenigstens den Hohen Priester. Warum hat er das nicht gemacht?

Antwort: Weil es der falsche Ansatz gewesen wäre. Und Gott macht keine Fehler. Und er macht keine Fehler, wenn er mit dir und mit mir und mit uns Normalos sein Reich baut.

Gott macht das aus einem ganz einfachen Grund: Er möchte, dass, wenn man uns erlebt, mit uns Gemeinschaft hat, wenn man erlebt, wer wir sind, jeder mitkriegt: „Nee, das ist jetzt nicht so überzeugend.“

Und dass dann, weil wir zurücktreten, weil wir nicht die Besonderen sind, Gott durch uns hindurch wirken kann. Das ist das, was Gott tut. Er wirkt durch unsere Schwachheit hindurch.

Du denkst, Gott kann mich nicht gebrauchen, weil ich ja irgendwie so schwach bin, ich habe keine offensichtlichen Begabungen? Gut, gut so, gut so, freu dich!

Gottes Kraft in der Schwachheit

Der letzte Vers ist wirklich wichtig und sollte auswendig gelernt werden: 2. Korinther 12,9, von Paulus.

Dort heißt es: „Und er, Gott, hat zu mir gesagt: Meine Gnade genügt dir, denn meine Kraft kommt in Schwachheit zur Vollendung. Sehr gerne will ich mich nun viel mehr meiner Schwachheiten rühmen, damit die Kraft Christi bei mir wohnt.“

Das schreibt Paulus. Und wer Paulus kennt, denkt sofort: Das war ja gar kein Normalo. Stimmt. Deshalb bekommt dieser Mann auch einen Pfahl ins Fleisch.

Wisst ihr, wenn Gott die vermeintlich Starken wie Paulus, die viele Offenbarungen haben, absichtlich schwach machen muss, damit er sie gebrauchen kann, wie viel mehr kann er dann all diejenigen benutzen, die von Natur aus schon nicht viel mitbringen. Die sagen: „Ich brauche keinen Pfahl im Fleisch, ich bin der Pfahl im Fleisch auf zwei Beinen.“

Also freue dich darüber, freue dich darüber, ein ganz Normaler zu sein.

Schlussgedanken: Normalos als Baumeister von Gottes Reich

Worum ging es mir? Ich wollte euch am Beispiel eines unbekannten jungen Mannes zeigen, wie Gott ganz unspektakulär Menschen gebraucht, um Paulus zu retten. Dabei wollte ich eine Sache verdeutlichen: Gottes Heilsgeschichte vollzieht sich oft durch ganz nebensächliche Akteure, durch Randfiguren. Es sind solche Menschen, die bereit sind, zuzuhören, hinzuschauen, treu zu sein und Verantwortung zu übernehmen.

Durch diese ganz gewöhnlichen Menschen wirkt Gott plötzlich ganz außergewöhnliche Dinge. Es sind die Normalos, mit denen Gott sein Reich baut.

Wenn in dir einmal die Frage aufkommt: Kann Gott mich gebrauchen? – und das ist in einer Gemeinde wie hier, wo viele begabte Leute sind, durchaus möglich – dann kann auch die Frage entstehen: Braucht Gott mich überhaupt? Hier gibt es doch so viele, die den Job machen.

Wenn diese Zweifel aufkommen, halte dir bitte 2. Korinther 12,9 vor Augen: Gottes Kraft kommt in Schwachheit zur Vollendung. Schwachheit ist für Gott nie ein Problem.

Deshalb mach dein Selbstbild, das, was du von dir denkst, bitte nicht zum Maßstab für deine Tauglichkeit. In uns steckt Gott, Gottes Geist steckt in uns.

Wenn ich den Text hier richtig verstehe, gilt: Je schwächer wir sind, desto mehr wird sichtbar, wer da eigentlich in uns lebt, wirkt und uns als Botschafter des Evangeliums gebrauchen will.

Darauf kommt es an: dass nicht wir im Vordergrund stehen, sondern dass wir Gott nicht im Wege stehen, wenn er uns benutzen will. Und genau das, Gott nicht im Wege zu stehen, fällt Normalos ganz leicht.

In diesem Sinn: Freut euch daran, normal zu sein. Schaut, wo die kleinen Dinge sind, die ihr einfach treu tun könnt. Tut sie und erwartet, dass Gott durch euch Weltgeschichte schreibt.

Amen.

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