Serie•Teil 4 / 7Da berühren sich Himmel und Erde
Generierte Mitschrift
Die nachfolgende Mitschrift wurde automatisch mit KI-Technologie erstellt und kann Fehler enthalten. Im Zweifel gilt das gesprochene Wort.
Einleitung und Hinführung
Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen!
Ich freue mich, dass ihr wiedergekommen seid. Ich staune ja jede Woche, wie viele jeden Abend kommen. Die einen sogar jeden Abend, die anderen ab und zu. Ich habe gerade meiner Frau gesagt, dass ich das wirklich sehr erstaunlich finde, wie viele heute Abend hier sind. Das ist auch sehr erfreulich.
Ich habe mich auch über den Männerchor gefreut. Ich bin selbst auch in einem Männerchor. Wir sind hier aber nicht eine Gemeinde von Männern, die im Männerchor singen, sondern ein ganz normaler Männerchor, der Lieder von Wein und Liebe und so weiter singt. Das ist nicht so mein Ding. Ich bin nicht so der Weintrinker, und dann noch Weinlieder. Bier trinke ich auch erst, seit ich im Männerchor bin. Aber was schön ist, ist die Gemeinschaft und die Kontakte, die man im Männerchor hat. Außerdem singen wir mit diesem Chor ja auch einige geistliche Lieder.
Nun sind wir bereits genau in der Mitte. Also: sieben Gleichnisse schauen wir an, und das vierte ist sozusagen genau in der Mitte. Und heute sind alles Gleichnisse, die gewünscht wurden. Ich habe eine Liste geschickt, und dann bekam ich sie zurück. Die vier Gleichnisse, die jetzt kommen, wurden von euch ausdrücklich gewünscht. Das heißt vermutlich, dass es vier schwierige Gleichnisse sind, weil man sie wohl deshalb gewünscht hat, weil man gedacht hat: So, jetzt schauen wir mal, was der mit den Gleichnissen macht. Und das könnte heute eben dieses Spezielle mit diesem Verwalter sein.
Nachfolge als grundlegende Wendung
Jesus ruft die Menschen in die Nachfolge. Er sagt eigentlich nicht: Bekehrt euch. Jesus sagt nie: Bekehrt euch, sondern er sagt: Folgt mir nach. Und die Entscheidung, Jesus nachzufolgen, ist die Bekehrung.
Manchmal habe ich den Eindruck, dass man von Bekehrung spricht, als wäre es etwas, das man in die Tasche nimmt. Ich habe die Bekehrung, jetzt kann ich sie einstecken. Die Bekehrung ist eigentlich nichts anderes als der Entschluss: Jawohl, ich folge dem Ruf von Jesus und ich folge ihm nach. Das ist dann eigentlich auch die Umkehr. Deshalb heisst es Bekehrung: Ich ändere meine Gesinnung, ich gehe jetzt einen anderen Weg, ich lebe jetzt anders als vorher.
Natürlich, wenn man brav aufgewachsen ist in einem christlichen Elternhaus, dann ist das nicht so frappant. Aber doch merkt man innerlich diese Richtungsänderung.
Und heute schauen wir uns ein Gleichnis an, das Jesus seinen Jüngern erzählte, um ihnen einen wichtigen Aspekt bezüglich der neuen Lebensführung aufzuzeigen. Worauf sollen sie jetzt achten, wenn sie ihm nachfolgen? Was zählt, was ist wichtig?
Das Besondere an der Geschichte ist, dass Jesus einen gottlosen, unehrlichen und hinterlistigen Verwalter den Jüngern zum Vorbild hinstellt. Das ist ein bisschen stossend, ehrlich gesagt, ein gewagter Vergleich. Aber wie könnte es anders sein, wenn Jesus Geschichten erzählt? Dann ist der Vergleich auch sehr, sehr gelungen. Das werden wir jetzt gleich sehen.
Lukas berichtet diese Begebenheit direkt nach den grossartigen Gleichnissen über die rettende Liebe Gottes, nämlich das verlorene Schaf, den verlorenen Groschen und den verlorenen Sohn, was wir auch angeschaut haben. Also alles Gleichnisse, wo es eigentlich um Rettung geht, um Gnade, um wie man eben von Gott begnadigt wird, ewiges Leben bekommt. Und jetzt folgt eigentlich auch die Geschichte, bei der es um Nachfolge geht, also einen Schritt weiter.
Der Verwalter und seine überraschende Strategie
So, jetzt lesen wir das zuerst.
Jesus wandte sich zu seinen Jüngern und sagte: Ein reicher Mann hatte einen Verwalter. Über diesen gingen Klagen bei ihm ein. Es hieß, er veruntreue ihm sein Vermögen.
Da ließ er den Verwalter rufen. „Was muss ich von dir hören?“, sagte er zu ihm. „Lege die Abrechnung über deine Tätigkeiten vor. Du kannst nicht länger mein Verwalter sein.“
Der Mann überlegte hin und her: Was soll ich nun tun? Mein Herr wird mich entlassen. Für schwere Arbeit tauge ich nicht, und ich schäme mich zu betteln. Doch jetzt weiß ich, was ich tun kann, damit die Leute mich in ihren Häusern aufnehmen, wenn ich meine Stelle als Verwalter verloren habe.
Nacheinander rief er alle zu sich, die bei seinem Herrn Schulden hatten. „Wie viel bist du meinem Herrn schuldig?“, fragte er den Ersten.
„Hundert Fass Olivenöl“, antwortete er.
Darauf sagte der Verwalter: „Hier, nimm einen Schuldschein. Setz dich schnell hin und schreibe stattdessen fünfzig.“ Also gerade fünfzig Prozent, nicht schlecht. Soll ich mir vorstellen, die Häuser haben Hypotheken? Gott die Hälfte weniger.
Dann fragte er den Nächsten: „Und du, wie viel bist du ihm schuldig?“
„Hundert Sack Weizen“, lautete die Antwort.
Der Verwalter sagte zu ihm: „Hier, nimm deinen Schuldschein und schreibe stattdessen achtzig.“
Und da lobte der Herr den ungetreuen Verwalter dafür, dass er so klug gehandelt hatte. In der Tat: Die Menschen dieser Welt sind im Umgang mit ihresgleichen klüger als die Menschen des Lichts.
Darum sage ich euch: Macht euch Freunde mit dem Mammon, an dem so viel Unrecht haftet, damit ihr, wenn es keinen Mammon mehr gibt, in die ewigen Wohnungen aufgenommen werdet.
So, das ist das Gleichnis.
Dieser Verwalter hatte ein riesiges Problem. Seine Betrügereien waren so offensichtlich geworden, dass es zu seinem Herrn vordrang. Der zitierte ihn und sagte: Es ist Schluss. Du wirst entlassen werden. Du kannst jetzt noch die Abrechnung machen, um mir die ganze Sache zu übergeben.
Dann war Schluss für ihn. Noch die Abrechnung, und dann musste er gehen. Er war dann arbeitslos und verlor damit seine Existenzgrundlage. Das war hart für den Mann. Klar, er ist selber schuld, aber was sollte er jetzt tun? Wie soll er weiterleben?
Es würde ihn wohl kaum irgendeiner noch als Verwalter anstellen. Jeder sagte ja: Da ist er ein Betrüger. Arbeitslosenkasse und Sozialamt gab es damals noch nicht. Er war also eigentlich komplett auf sich allein gestellt, und er überlegte sich, wie er sein Leben nun gestalten könnte.
„Was soll ich nun tun? Mein Herr hat mich entlassen, für schwere Arbeit tauge ich nicht, und ich schäme mich zu betteln.“
Also zwei Möglichkeiten hat er gesehen, die ihm aber keine von beiden zusagt: körperliche Arbeit. Dafür fand er sich nicht so geeignet. Als Verwalter war das für ihn ein bisschen zu hart. Das wäre bei mir vermutlich auch so. Wenn ich manchmal jemandem helfe, praktisch, dann bin ich nachher KO, weil ich mich das einfach nicht gewohnt bin. Ich kann es schon, aber nicht so lange, wie jemand Übung hat.
Und die zweite Möglichkeit würde natürlich sehr gut zu ihm passen, zu seiner körperlichen Konstitution: Er könnte betteln. Das ist nicht so wahnsinnig anstrengend, aber das ist natürlich wahnsinnig demütigend. Das wollte er dann auch nicht. Da hätte er sich geschämt, das wäre ihm zu peinlich gewesen.
Es war also gar nicht so einfach für ihn, eine Lösung zu finden. Aber so durchtrieben, wie er war, hatte er doch einen Geistesblitz.
„Jetzt weiß ich, was ich tun kann, damit die Leute mich in ihren Häusern aufnehmen, wenn ich meine Stelle als Verwalter verloren habe.“
Also weiß ich, was ich machen kann, dass die Leute sozusagen fast wie gezwungen sind, für mich zu sorgen, wenn ich entlassen bin. Er weiß sich also wieder zu helfen. Er sieht einen Ausweg, wie er das machen kann.
Klugheit im Licht der kommenden Zeit
Und so funktioniert sein Vorhaben: Er ließ, bevor er seine Schlussabrechnung machte, alle zu sich kommen, die seinem Herrn noch etwas schuldig waren. Er fragte jeden Einzelnen unter vier Augen. Ganz wichtig, denn dann gab es nämlich keine Augenzeugen. Wie viel bist du meinem Herrn schuldig?
Und dann sagte er jeweils, welchen Teil der Schuld jeder streichen kann. Dann setzte er sich hin und ließ seinen Schuldschein umschreiben. Das heißt, er machte die Schuldner quasi mitschuldig. Das ist eine raffinierte Taktik, oder? Wenn man etwas Betrügerisches macht, bezieht man immer einen anderen in den Betrug mit ein, damit der andere nie auf die Idee kommt, meinen Betrug auffliegen zu lassen, weil dann seiner auch auffliegt. Also: raffinierter Typ.
Und dann haben sie das aufgeschrieben. Nimm den Schuldschein, der mit hundert Ölfässern schuldig war, Olivenöl. Nimm deinen Schuldschein, setze dich schnell hin und schreibe stattdessen fünfzig. Dann hat er das nämlich nicht mit seiner Hand geschrieben, sondern mit der eines anderen. So hat er eine Schicksalsgemeinschaft geschaffen.
Natürlich konnte er dem nicht die ganze Schuld erlassen. Wenn er jedem die ganze Schuld erlassen hätte, wie hätte er die Abrechnung seinem Herrn präsentieren wollen? Dann wäre nichts mehr da gewesen. Deshalb musste er schon schauen, dass das irgendwo noch verträglich ist.
Jetzt sind sie ihm also alle einen Gefallen schuldig geworden, und darauf wird der Verwalter zurückkommen, nachdem er entlassen wurde. Nachdem dieser Schuldschein geändert war, legte er die Abrechnung seinem Herrn vor, und nun konnte er getrost in die Zukunft blicken. Er hatte auf Kosten seines Herrn für sich gesorgt. Im Grunde genommen hat er sich so eine Pension geschaffen, die sein Herr bezahlt hat, ohne dass er es gemerkt hat.
Dieser Mann hat sozusagen im letzten Moment seine Haut gerettet. Er konnte seinen Kopf im letzten Moment aus der Schlinge ziehen. Es ist immer wieder erstaunlich, wie kreativ Menschen mit hoher krimineller Energie sein können.
Ich weiss nicht, was die Jünger dachten, als sie Jesus zuhörten. Vermutlich dachten sie, Jesus würde ihnen jetzt sagen, dass das Verhalten dieses Mannes Gott überhaupt nicht gefallen würde. Und sie sollten ja nie auf die Idee kommen, so etwas zu tun, denn in der Nachfolge zeigte man sich durch Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit und nicht durch solche Tricksereien. Vielleicht haben sie das gedacht.
Würdet ihr vermutlich auch denken, wenn ihr nicht den Rest der Geschichte schon kennen würdet. Ihr würdet auch denken: Ja, jetzt kommt eben der ermahnende Teil von Jesus. Jetzt sagt er ihnen ja nicht, dass sie sich das zum Vorbild nehmen sollen. Das ist ein schlechtes Zeugnis für das Evangelium. Ich bin mir sicher, dass die Jünger das, was Jesus dann sagte, nicht erwarteten.
Der eigentliche Maßstab des Gleichnisses
Da lobte der Herr den ungetreuen Verwalter dafür, dass er so klug gehandelt hatte. Was war daran klug? Das war ein Betrug, vielleicht ein kluger Betrug, aber Betrug bleibt Betrug.
Die Jünger werden, das kann ich mir vorstellen, ganz perplex gewesen sein. Haben sie Jesus jetzt wirklich richtig verstanden? Hat er es tatsächlich so gemeint, dass der Verwalter vorbildlich gehandelt hat? So hinterlistig und untreu, wie er war, sollte man sich doch nicht zum Vorbild nehmen. Ein Mensch mit solch krimineller Energie ist doch kein Vorbild.
Aber eines ist sicher: Jetzt haben die Jünger bestimmt aufgepasst, was Jesus sagt. Jetzt waren sie aufmerksam. Wenn sie vorher vielleicht etwas müde gewesen waren, dann waren sie nun hellwach.
Vom moralischen Standpunkt aus fand Jesus das, was der Verwalter getan hat, bestimmt nicht richtig. Vorbildlich war nicht die moralische Einstellung dieses Mannes. Vorbildlich war vielmehr, dass dieser Mann genau wusste, wie die Gesellschaft funktioniert, wie Menschen funktionieren, wie das System funktioniert, in dem er lebt, und wie eine gottlose Gesellschaft funktioniert. Und er war so klug, dass er diese Gesetzmässigkeiten so ausreizen konnte, dass er damit seine eigene Haut retten konnte. Er hat das System der gottlosen Welt benutzt.
Deshalb sagt es in der Tat: Die Menschen dieser Welt sind im Umgang mit ihresgleichen klüger als die Menschen des Lichts. Die Menschen der Welt kennen die Gesetzmässigkeiten der Welt, und sie wissen, wie sie sie ausnutzen können. Denn in der Welt ist alles Lug und Betrug. Das wissen wir ja mittlerweile. Jedenfalls bei uns in der Schweiz fliegt ein Manager nach dem anderen hoch, weil irgendetwas ans Licht kommt, das er gemurkst hat. So funktioniert die Welt.
Und dieser Verwalter, der hat das gewusst. Er war so geschickt, dass er unter seinesgleichen – er konnte ja alle mit in sein System hineinnehmen – für sich eine gute Lösung gefunden hat. Nicht die untreue und skrupellose Verhaltensweise sieht Jesus als vorbildlich an, sondern dass dieser Verwalter es verstand, aus seiner aussichtslosen Lage einen Ausweg zu finden, der funktioniert, in dem Leben, in dem er sich selber befand, in dieser Welt.
Der Verwalter konnte sein Problem so lösen, dass man ihn nicht anklagen konnte und dass er gut weiterleben konnte. Jesus spricht von den Menschen dieser Welt, und damit meint er die Menschen, die nicht in einer persönlichen Beziehung zu Gott stehen und nicht nach diesen Werten und Massstäben leben. Unter ihresgleichen war das, was er getan hat, klug.
Also nochmals: Es geht hier nicht um Moral. Vom Standpunkt der Moral aus war das natürlich komplett verwerflich. Deshalb kommen wir mit diesem Gleichnis auch nie so richtig zurecht.
Leben im Blick auf das Ende
Nun vergleicht Jesus die Kinder des Lichts mit den Menschen dieser Welt; das ist einer der Hauptpunkte. Die Menschen des Lichts sind eben die Jünger, also die Menschen, die Jesus nachfolgen. Jesus sagt von sich: „Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, wird nicht mehr in der Finsternis wandeln, sondern wird das Licht des Lebens haben.“ Und an anderer Stelle sagt er: „Glaubt an das Licht, solange ihr das Licht habt, damit ihr zu Menschen des Lichts werdet.“ Paulus sagt es einmal so: Wir werden versetzt aus dem Reich der Finsternis in das Reich des Lichts.
Nun macht Jesus den Jüngern den Vorwurf, dass die Menschen der Welt unter ihresgleichen klüger handeln als die Kinder des Lichts unter ihresgleichen. Die Menschen der Welt haben das System der Welt besser verstanden. Sie funktionieren darin, orientieren sich darin und arrangieren sich damit. Die Kinder des Lichts hingegen haben noch gar nicht begriffen, wie das System des Lichts funktioniert. Die Menschen in der Welt kennen die Gesetzmäßigkeiten dieser Welt, die Kinder des Lichts kennen die Gesetzmäßigkeiten der neuen Welt offensichtlich noch nicht. Deshalb sagt Jesus ihnen ja, dass sie sich unklug verhalten.
Und der wichtigste Vergleichspunkt in dieser Erzählung ist die Entlassung des Verwalters. Das ist eigentlich der Schlüssel, der das Gleichnis aufschließt. Für ihn, für diesen Verwalter, bricht eine neue Zeit an. Er muss alles abgeben, und dann kommt er in eine neue Lebensphase hinein. Er musste in seiner Zeit als Verwalter organisieren, dass er dann nachher in der Zeit, in der er nicht mehr Verwalter ist, leben kann und dass es ihm dort gut geht. Das ist der Punkt. Er musste sich vorbereiten.
Das heißt, die Entlassung entspricht in diesem Gleichnis dem Ende des Lebens. Hier verlieren auch die Kinder des Lichts ihre materielle Existenzgrundlage, und sie müssen sich auf die neue Zeit vorbereiten. Jedes Kind des Lichts wird spätestens dann, wenn es stirbt, entlassen und muss alles zurücklassen. Das letzte Hemd hat keine Taschen. Das ist das System, die Norm, die Orientierung für die Kinder des Lichts, dass sie eben daran denken, was zählt, wenn unsere Entlassung kommt, wenn wir sterben.
Jesus meint, sie würden so leben, als ob dieser Tag nicht kommen würde. Obwohl jedem klar ist, ob Christ oder nicht, dass wir nichts Materielles in die neue Welt hinüberretten können. Paulus sagt einmal: „Oder haben wir etwas mitgebracht, als wir in diese Welt kamen?“ Nicht das Geringste. Und wir werden auch nichts mitnehmen können, wenn wir sie wieder verlassen. Wir können nichts über diese Schwelle hinwegnehmen.
Dieser Verwalter konnte nicht sagen: Okay, ich schaffe mir ein paar Ölfässer weg, ein bisschen Weizen, ich stelle das irgendwo in eine Scheune, der merkt das dann doch nicht. Das hätte nicht geklappt. Dann wäre er als Dieb entlarvt worden und wäre ins Gefängnis gekommen. Er hätte nicht leben können, man hätte ihn packen können. Das wäre unklug gewesen. Dann hätte Jesus gesagt: Der war gar nicht klug, der war dumm. Wenn der glaubt, muss er ja wissen, dass das auffliegt. Aber der hat es viel raffinierter gemacht. Er hat gewusst: Ich kann nichts von meinem Herrn mit in mein neues Leben nehmen. Und genau das sagt Jesus.
Kinder des Lichts, seid euch bewusst: Ihr könnt auch aus diesem Leben nichts in die neue Welt mitnehmen, ihr werdet alles zurücklassen. Jesus will den Jüngern sagen, dass sie, wie dieser Verwalter, wissen, dass sie entlassen werden, sprich sterben werden. Sie sollen vom Verwalter lernen, der so klug war, sich über die Zeit danach Gedanken zu machen und eine Lösung zu suchen, die das Leben danach erträglicher macht. Sie sollen überlegen: Was brauche ich dann eigentlich nachher? Darin bestand nämlich seine Klugheit.
Die Jünger sollen begreifen, dass sie ihr Leben im Blick auf die bevorstehende Zeit gestalten sollen. Sie sollen ihr Leben optimieren, so wie Paulus das machte, wenn er sagte: „Wir richten unseren Blick nämlich nicht auf das, was wir sehen, sondern auf das, was jetzt noch unsichtbar ist; denn das Sichtbare ist vergänglich, aber das Unsichtbare ist ewig.“ Wir konzentrieren uns auf die ewigen Werte, auf die, die über unseren Tod hinaus von Bedeutung sind, und nicht nur hier. Diese Lebensgestaltung ist wichtig. Die Jünger sollen nicht so leben, als ob wir in dieser Welt die Erfüllung finden könnten.
Umgang mit Besitz und geistlichem Reichtum
Deshalb gibt Jesus seinen Jüngern eine klare Anweisung: Macht euch Freunde mit dem Mammon, an dem so viel Unrecht haftet, damit ihr, wenn es keinen Mammon mehr gibt, in die ewigen Wohnungen aufgenommen werdet.
Der Verwalter hatte nur für sein irdisches Leben gesorgt. Die Jünger sollen jedoch über das irdische Leben hinaussehen und die Ewigkeit vor Augen haben.
Dem ungerechten Mammon und Geld haftet immer etwas Ungerechtes an. Es gibt kein gerechtes Geld, das wissen wir alle. Dass es uns so gut geht, hängt oft damit zusammen, dass wir irgendwo in der Welt andere Menschen ausbeuten. Das ist einfach so. Geld ist nicht gerecht. Leider kann man daran nicht viel ändern, aber Geld ist nicht gerecht. Deshalb spricht Jesus jetzt vom ungerechten Mammon. Das ist so und bleibt so. Er meint damit, dass Hab und Gut immer etwas Unrechtes anhaftet.
Diesem Mammon, das finde ich auch wieder etwas Spezielles, gibt Gott oder Jesus jetzt eine tiefe geistliche Bedeutung. Mit diesem ungerechten Mammon können wir interessanterweise geistliche Werte schaffen. Mit diesem Mammon können wir uns, wie der Verwalter, sozusagen indirekt Freunde machen. Natürlich meint Jesus nicht, dass wir Menschen beschenken, um sie nachher erpressen zu können. Wer uns belohnen wird, das ist sowieso Gott selbst.
Bereits im Alten Testament, in den Sprüchen, ist zu lesen: Bedürftigen helfen heißt, dem Herrn etwas leihen; er wird es voll zurückerstatten. Es gibt natürlich Bewegungen, die daraus ableiten, dass man das jetzt dann zurückerstattet bekommt, oder so: Je mehr du gibst, desto reicher wirst du. Aber das meinen die Sprüche nicht. Die Rückerstattung kommt eben nachher, aber Gott wird es zurückerstatten.
Jesus fordert uns auf, mit unserem Hab und Gut so umzugehen, dass wir uns einen Reichtum anhäufen, der in dieser Welt nicht sichtbar ist. Das sagt er auch an anderer Stelle: Sammelt euch keine Reichtümer hier auf Erden, wo Motten und Rost sie zerfressen und wo Diebe einbrechen und sie stehlen. Sammelt euch stattdessen Reichtümer im Himmel, wo weder Motten noch Rost sie zerfressen und wo auch keine Diebe einbrechen und sie stehlen.
Diesen Schatz, der niemals abnimmt, entsteht so, wie es der Verwalter gemacht hat: indem wir unseren Umgang mit Geld und mit der Zeit so gestalten, dass es für das Reich Gottes Bedeutung hat. Und das ist natürlich für uns ganz ehrlich gesagt gar nicht so einfach.
Man kann ja nicht einfach sein ganzes Vermögen verschenken oder sagen: Jetzt habe ich eine Altersvorsorge, ich werde jetzt pensioniert, oder? In der Schweiz hat man dann die Pensionskasse, und dann häuft man dort Geld auf. Bei mir sind es dann, sagen wir mal, 250 bis 300 Franken, die mein Arbeitgeber bezahlt hat, während ich arbeite, und ich. Und jetzt habe ich zwei Möglichkeiten. Jetzt kann ich sagen, ich will mir das als Rente auszahlen lassen, was eigentlich das Vernünftigste ist. Aber ich könnte jetzt auch sagen: Ja, okay, zahlt mir halt das Geld aus, und ich gebe alles gerade weg. Nur die Frage ist, wer dann nachher für mich sorgt. Ich müsste dann halt gleich sterben.
Mit den Vermögensverhältnissen in unserer Wohlstandsgesellschaft ist das natürlich nicht so einfach. Aber ganz wichtig ist trotzdem, dass wir mit unserer Zeit und unserem Vermögen auch für das Reich Gottes denken. Was wir dort auch tun können, was Gott dient, das ist eigentlich das, was Jesus ihnen sagen will: dass im Denken drin Platz hat, dass es nicht nur darum geht, dass es mir gut geht.
Warnung vor Selbstbezogenheit und Schluss
Der reiche Kornbauer dieser Geschichte ist auch interessant. Der reiche Kornbauer hat ihm eine riesige Ernte gemacht, und er war ja wahnsinnig klug, weil er x Scheunen aufgebaut hat. Er hat nicht einfach gesagt: Ja, stink mir, ich lasse alles verfaulen, sondern er hat Scheunen aufgebaut, um alles aufzubewahren.
Und Gott sagt ihm am Schluss: Du Narr. Aber wisst ihr warum? Er war ein Narr, weil er nur an sich gedacht hat und nichts den Armen gegeben hat, was im jüdischen Umfeld normal war, dass wenn man so viel Gewinn macht, auch den Armen etwas zukommen lässt und auch Gott ehrt dadurch.
So, das ist eine Herausforderung für uns, dass wir das ernst nehmen und auch darum ringen, was richtig ist. Wo kann ich wirklich auch mit Zeit und mit meinem Vermögen oder mit meinen Möglichkeiten, das kann auch ein Haus sein, wo ich jemandem Unterschlupf geben kann, wie auch immer? Ich mache euch gar keine Vorschriften. Ich sage nur: Jesus will sagen, das muss in eurem Denken Platz haben. Sonst seid ihr nicht klug. Sonst sind die Kinder der Welt und ihresgleichen klüger als ihr, wenn ihr so lebt, als wenn es die Ewigkeit nicht geben würde.
Gott belohnt alles, was wir in dieser Welt für sein Reich tun. Das zeigt Jesus einmal in aller Deutlichkeit: Wer einem von diesen Geringgeachteten auch nur einen Becher kaltes Wasser zu trinken gibt, einfach weil er mein Jünger ist, der wird, das versichere ich euch, nicht ohne Lohn bleiben. Gott wird gar nichts vergessen, was wir tun für sein Reich. Das heisst doch nichts anderes, als dass das, was wir hier für die Gläubigen tun, in den Augen Gottes Ewigkeitswert hat.
Natürlich ist es in unserer Zeit eben nicht einfach, damit umzugehen. Auch überall wird Geld gesucht und gebraucht, und es ist keine leichte Aufgabe, zu prüfen, was man gibt und wie viel man gibt. Wenn man nichts hat, ist es einfacher, als wenn man etwas hat. Das ist halt so. Wenn man nichts hat, kann man sich nichts überlegen. Wie lange muss man sich überlegen: Ist das sinnvoll oder ist es nicht sinnvoll? Will ich das geben? Kann ich das geben? Und so weiter.
Wenn wir das tun, dürfen wir uns freuen. Und ich denke, das tun viele von uns: Sie leben diesen klugen Lebensstil. Das sieht man den Leuten nicht unbedingt an, weder am Auto noch am Haus. Es ist eigentlich eine Herzenseinstellung. Jeder, der so lebt, darf sich freuen, denn er häuft bei Gott einen grossen Reichtum an, und er weiss, wie man sich zu verhalten hat unter seinesgleichen, unter den Kindern des Lichts.
Jesus fordert uns auf, klug zu leben. Er möchte, dass wir die echten Werte erkennen. Klug leben kann nur, wer wie dieser ungerechte Verwalter seine aussichtslose Lage erkennt, realisiert, dass er nichts in die andere Welt hinübertragen kann, aber weiss, wie man dort Schätze sammelt, dass man dann aufgenommen wird in diese Wohnungen, von denen Jesus spricht.
Als Kinder Gottes sollten wir erst recht wissen, dass wir nichts von dieser Welt mitnehmen können. Wir sollten uns davor hüten, unser Herz an unseren Besitz zu hängen. Sonst müssen wir uns von Jesus den Vorwurf gefallen lassen, dass die Menschen der Welt sich in ihrem Umfeld klüger verhalten als wir.
Deshalb sagt Jesus seinen Jüngern: Darum sage ich euch: Macht euch Freunde mit dem Mammon, an dem so viel Unrecht haftet, damit ihr, wenn es keinen Mammon mehr gibt, in die ewigen Wohnungen aufgenommen werdet.
Ich bete mit uns. Ich möchte dir danken, Vater, für dieses Gleichnis, diese Geschichte, die du, Herr Jesus, erzählt hast, die uns, wenn wir sehen, was du da deinen Jüngern sagst, schon herausfordert. Und ich bitte dich, dass du uns hilfst, dass wir als Kinder des Lichts leben und dass wir die richtigen Prioritäten in unserem Leben setzen. Es ist für uns immer wieder neu eine grosse Herausforderung, und wir sind froh, wenn du uns dabei hilfst. Amen.

