
43: Was mach ich, wenn MEIN KIND nicht mit Jesus lebt? – mit Nicola Vollkommer
Einführung in die Herausforderung christlicher Familien
Was sagt die Bibel über das Leben selbst? Wenn wir nicht diese perfekte, wohlstandschristliche Familie haben, in der man sich alles Mögliche leisten kann – Candlelight-Dinner, Date Night, einmal die Woche mit deinem Mann ausgehen – dann war das für uns nicht drin.
Herzlich willkommen zu einer neuen Folge des Machbar-Podcasts für Alltagsmissionare. Bei Machbar bekommst du Tipps, wie du deinen nächsten Schritt näher zu Jesus Christus machen kannst.
Heute ist Nicola Vollkommer zu Gast, die Koautorin von „Wenn Kinder andere Wege gehen“. Ihr Buch habe ich hier liegen, und wir werden gleich ein bisschen darüber sprechen, vor allem über das Thema, wie wir als Eltern und Geschwister damit umgehen können, wenn unsere Kinder oder Geschwisterkinder nicht mit dem Herrn Jesus unterwegs sind.
Wir haben uns im Vorfeld im Kollegium, im Bekanntenkreis und so weiter umgehört und ein paar Fragen dazu gesammelt. Ich bin schon ganz gespannt darauf, was du uns dazu zu sagen hast.
Bevor wir so richtig loslegen, Nicola, möchte ich noch kurz etwas an meine Hörerinnen und Hörer richten: Als Alltagsmissionar bist du nicht alleine unterwegs. Es gibt viele andere mit ähnlichen Herausforderungen. Deswegen möchte ich dich ermutigen, deine eigene Geschichte mit uns zu teilen. Genau diese persönlichen Erfahrungen machen unsere Community so wertvoll.
Ich bin sehr dankbar, dass der Podcast euch immer wieder eine Hilfe ist – das schreibt ihr zumindest. Wir teilen auch gerne eure Erfahrungen im Newsletter, wenn du möchtest. Falls du den Newsletter noch nicht kennst, melde dich einfach auf heukebach.org/machbar an. So verpasst du keine neue Folge und bleibst informiert darüber, was sonst in der Community passiert. Denn als Alltagsmissionare sind wir nicht alleine unterwegs, sondern gemeinsam.
Übrigens bin ich immer wieder auf der Suche nach Themen und Gästen. Wenn ihr eine Idee habt, wen ich unbedingt mal einladen sollte oder wer etwas Wichtiges zu sagen hat, schreibt mir gerne. Darüber freue ich mich sehr.
Persönliche Erfahrungen und Herausforderungen in der Familie
Nicola, zurück zu dir: Du bist Engländerin, in Nigeria aufgewachsen und lebst jetzt seit vielen Jahren mit deinem Mann in Deutschland. Ihr habt vier erwachsene Kinder und bereits zwölf Enkelkinder. Das ist noch aktuell?
Ja, das sind immer noch zwölf.
Nicola, wie ist das bei euch? Sind eure Kinder mit dem Herrn unterwegs, wieder unterwegs oder noch nicht unterwegs? Wie sind da deine Erfahrungen, auch mit dem Thema? Ich weiß, ich starte gleich mit so einer persönlichen Frage.
Ja, ja, schon, kann ich sagen, unterschiedlich. Es gibt auch Krisen, und all das, was eben dazu gehört. Genau.
Wir haben im Podcast immer wieder viel darüber gesprochen, wie man mit Menschen, die noch nicht im Glauben sind, die außenstehen, umgehen kann. Wie man auch immer wieder über den Glauben reden kann, neue Beziehungen knüpfen und in der Alltagsmission wachsen kann.
Jetzt geht es ja um die eigene Familie, was viel persönlicher und viel intimer ist.
Nicola, mein Eindruck ist, dass man als christliche Eltern – ich habe selber auch vier erwachsene Kinder, die Jüngste ist mittlerweile achtzehn – oft ganz schnell davon ausgeht, dass die eigenen Kinder den Glauben automatisch übernehmen. Wenn man nur früh genug immer wieder von Jesus erzählt, wenn man das so gut wie möglich vorlebt und sie vernünftig erzieht, denkt man, dass das ein Selbstläufer ist. Dass das schon wird.
Man geht als junge Eltern davon aus, dass es so funktioniert.
Aber wie können Eltern mit dieser Unsicherheit umgehen, dass es trotz aller Bemühungen keine Garantie gibt, dass Kinder im Glauben bleiben?
Realismus in der christlichen Erziehung
Ja, ich denke, man muss einfach realistisch sein und anerkennen, dass viele Faktoren eine Rolle spielen. Bei uns war es zum Beispiel sehr schwierig, weil ich in eine fremde Kultur hineingeheiratet habe. Das kam noch dazu, und es wirken verschiedene Einflüsse zusammen.
Die Welt ist extrem antichristlich geworden. Selbst als unsere Kinder klein waren – im Vergleich zu heute – fühlte sich das wie eine heile Welt an. Und damals dachten wir schon, dass es absolut sehr, sehr schwierig werden würde, Kinder christlich zu erziehen.
Man muss da realistisch sein: Kinder sind eigenständige Persönlichkeiten. Es ist ein heiliges Recht jedes Menschen, auch unserer Kinder, sich dafür oder dagegen zu entscheiden. Früher, in den Achtzigerjahren, als wir junge Eltern waren, gab es noch diese Mentalität, dass das Kind wie ein unbeschriebenes Blatt sei. Und es liege an den Eltern, was darauf geschrieben wird. Ein bisschen Social Engineering also.
Damals wurde sehr viel Druck auf die Eltern gelegt. Wie du sagst, es gab ein Selbstläufer-Denken: Es muss laufen, es wird laufen. Es gab extrem viele Erziehungsbücher, die die Machbarkeit der christlichen Kindererziehung stark betonten. Den Eltern wurde sehr viel Verantwortung zugeschoben: Es liege hundert Prozent an ihnen.
Ich glaube aber, die Bibel lehrt uns etwas anderes. Sie zeigt, dass Kinder auch kleine Sünder sind, wie du sagst. Und dass wir als Eltern zwar eine große Rolle spielen, aber nicht alles in unserer Hand liegt. Die Bibel gibt viele Anweisungen an die Eltern und geht davon aus, dass sie eine wichtige Rolle übernehmen.
Zum Beispiel heißt es in 5. Mose 6: Die Worte, die ich dir heute gebiete, sollen in deinem Herzen sein, du sollst sie deinen Kindern einschärfen. Wir kennen all diese Stellen. Ein Erbe vom Herrn sind Söhne, auch wenn sie sich nicht immer so anfühlen. Glücklich ist der Mann, der viele hat.
Es gibt eine klare Bejahung der Erziehung: „Erziehe den Knaben seinem Weg gemäß“, so heißt es in den Sprüchen, dem Klassiker, Sprüche 22,6. „Er wird nicht davon weichen.“ Und „Ehre deinen Vater und deine Mutter“ – das ist das erste Gebot mit Verheißung. Es wird also vorausgesetzt, dass Kinder erzogen werden.
Im Alten Testament, in der altisraelischen Kultur, war es ganz stark verankert, dass die Kinder in diese Kultur hineingeboren werden und sie auch übernehmen. Das ist sehr deutlich.
Aber es ist auch so, dass letztlich die letzte Entscheidung beim Kind liegt. Natürlich beobachten wir das bei Eltern, die ihren Glauben vorbildlich und attraktiv leben. Da fragt man sich manchmal: Wie schafft das Kind es, nicht gläubig zu sein? Andererseits gibt es Familien, in denen vieles schiefgelaufen ist, und dennoch wird daraus ein feuriger Diener Gottes.
Das gibt es also, und es fühlt sich manchmal willkürlich an. Gute Könige in der Bibel hatten schlechte Söhne, und umgekehrt. Es gab wirklich böse Könige, aus deren Nachkommen plötzlich ein Josia oder ein strahlender Mann Gottes hervorging.
Diese Restunsicherheit steht im Gegensatz zum Machbarkeitsprinzip.
Umgang mit der Sündhaftigkeit der Kinder und Erziehung
Ja, das hast du sehr klar formuliert. Wenn ich noch einmal darauf zurückkomme: Als Eltern geben wir ungern zu, dass das ein grundlegendes Problem ist. Unsere süßen kleinen Kinder sind auch Sünder. Sie brauchen Erlösung, sie brauchen den Erlöser, sie brauchen Jesus.
Aber was bedeutet das für uns? Was bedeutet diese Erkenntnis für unsere Erziehung? Darauf würde ich gerne noch einmal kurz eingehen. Wir sollten uns nicht vormachen, dass unsere Kinder anders sein werden als alle anderen. Ich denke, das ist ein Trugschluss vieler neuer Eltern: „Mein kleiner Schatz wird so etwas nicht machen.“ Diese Hybris junger Eltern, die denken, sie würden alles richtig machen. Und klar, wenn das Kind sich super entwickelt, dann sagen wir: „Ja, klar, das ist mein Kind, wir haben die richtigen Bücher gelesen, wir machen alles richtig.“ Wir haken all die wichtigen Punkte ab.
Ich denke, ein guter Schuss Realismus kommt schnell genug. Ich habe ja auch jahrelang an der Schule gearbeitet und kenne diese Stimme: „Mein Schatz würde so etwas nie machen.“ Und dann die Warnung, was Ihre Schätze alles machen, wenn sie nicht aufpassen. Willkommen in der Realität. Offen sein für alles, nicht empört oder entsetzt sein über irgendetwas, was geschehen könnte. Ich denke, das ist eine gute, gesunde Haltung – ein bisschen Realismus.
Was ich nur so denke: Wir legen oft viel Wert darauf, dass alles in Ordnung ist, und setzen in der Erziehung oft am Verhalten an. Aber ich glaube, was wirklich notwendig ist, ist, dass das Herz angesprochen wird und die Herzenshaltung sich verändert. Das ist natürlich eine Gnade Gottes, die Er geben muss. Aber man sollte auch mit dem Kind darüber sprechen.
Man kann dem Kind sagen: „Setz dich ordentlich hin, wir machen das so und so, so putzt man die Zähne, nein, es wird nicht gelogen.“ Und wenn das Kind lügt, dann sagen: „Du darfst nicht lügen.“ Aber wirklich vorzudringen zum Herzen, die Herzenshaltung anzusprechen und für das Kind zu beten – auch Gottes Wort hineinzusprechen – das glaube ich, ist notwendig.
Die Beziehung zu dem Kind ist natürlich wichtig. Man sollte erklären, warum und wieso, damit das Kind Einsicht für sein Verhalten gewinnt. Vieles ist natürlich Äußerlichkeit. Man trainiert das Kind auf dem Weg, den es gehen soll: trainiere es, nicht zu lügen, trainiere es, beim Abwaschen zu helfen, trainiere es, wenn möglich, Dinge aufzuräumen. Natürlich wird das zwangsläufig viel Äußerliches sein, denn wir müssen ja miteinander leben.
Im christlichen Bereich ist das Problem, dass die Äußerlichkeiten sehr schnell in den Vordergrund treten können, bevor das Kind eine reife innere Beziehung zu Jesus hat. Das widerspricht sich aber nicht. Du schaffst die Formen. Auch nichtchristliche Eltern erziehen ihre Kinder anständig, wenn sie halbwegs vernünftig sind. Du musst nicht fromm sein, um deinem Kind vermitteln zu können: „Ich bringe dir diese Dinge bei, damit du lebensfähig bist.“ Das machen Menschen auch ohne Gott, wenn sie wirklich gute Werte haben.
Aber ja, du hast Recht: Es muss der Versuch sein, ans Herz heranzukommen. Das geschieht hauptsächlich durch die Beziehung, die wir versuchen aufzubauen.
Verantwortung der Eltern und Gottes Souveränität
Aber wie können wir als Eltern lernen, zwischen der Verantwortung, die ich als Vater oder Mutter habe, und der Souveränität Gottes zu unterscheiden, wenn es um den Glaubensweg unserer Kinder geht?
Paulus sagt in Römer 9, dass es nicht an jemandes Wollen oder Laufen liegt, sondern an Gottes Erbarmen. Wie kann ich also unterscheiden, was meine Verantwortung ist und was Gott tut?
Wie im eigenen Leben überschneiden sich diese Bereiche. Es ist kein Entweder-oder, sondern beides zugleich. Ich glaube, als Eltern müssen wir wissen, dass die letzte Entscheidung nicht in unserer Hand liegt. Aber unsere Aufgabe ist es, gemäß dem Wort Gottes ein Hirte zu sein, eine grüne Weide zu bieten und die Atmosphäre so gut wie möglich zu gestalten. Dabei sollte das nicht verkrampft als Leistung gesehen werden, sondern als ein Umfeld, in dem das Kind optimale Chancen hat, Gott zu wollen und auf den Geschmack zu kommen.
Diese letzte Entscheidung – zwischen dem Kind und Gott, zwischen menschlichem Willen und Gottes Souveränität – ist eine uralte Frage. Wie steht es mit Prädestination? Wie viel ist vorbestimmt, wie viel entscheide ich?
Beide Wahrheiten müssen nebeneinander stehen bleiben. Wir werden das nicht vollständig auflösen können.
Vor kurzem fiel mir die Geschichte von Simson auf, ein Kind, das seinen Eltern große Sorgen bereitete. Er hatte eine schwierige Beziehung, zum Beispiel mit einer Frau, und ärgerte die Philister. An einer Stelle erschlägt er einige Philister, obwohl seine Eltern nicht wussten, dass das von Gott so geplant war.
Simson war ein echter Wildwuchs, und sein Vater versuchte immer wieder, die Scherben aufzuräumen. Am Ende steht der Satz: „Er wusste nicht, dass Gott bei der Sache dabei war.“ Das fand ich interessant. Es zeigt, dass auch mitten in chaotischen Umständen Gott seine Finger im Spiel hat und letztlich sein Ziel erreicht.
Simson erschlug die Philister – ein schönes Beispiel für die armen Eltern, meine Güte.
Umgang mit Schuldgefühlen bei Eltern
Ja, ich fand das Bild, das du gerade gezeichnet hast, sehr schön: Hirte zu sein und als Eltern die Kinder auf grüne Weiden zu führen.
Ich hatte ja schon eingangs erwähnt, dass wir uns bei Eltern umgehört haben. Eine Frage, die immer wieder auftaucht, ist der Umgang mit Schuld. Wie gehen wir damit um, wenn diese Gefühle – ob berechtigt oder nicht – immer wieder hochkommen? Wenn man meint, selbst versagt zu haben, wenn das Kind nicht im Glauben ist und sich nicht für Jesus Christus entschieden hat? Das führt oft zu Selbstvorwürfen. Was hast du da für einen Rat?
Ich denke, Schuld bringt nichts, sie bringt das Kind nicht zurück. Wo Schuld ist, muss sie bekannt werden, auch auf unserer Seite. Wir alle haben Fehler gemacht. Es ist ein riesiges Vertrauensvotum von Gott, dass er uns unvollkommene Menschen anvertraut, kleine unvollkommene Menschen, die wir erziehen sollen. Wir alle haben unsere Herausforderungen damit.
Natürlich spielt auch die Kombination eine Rolle: Ich kenne Leute mit zwei ganz lieben, süßen Kindern. Aber wenn du vier, fünf oder sechs hast, ist die Chance größer, dass du irgendeinen „Mafioso“ dabei hast – also jemanden, der vielleicht schwieriger ist. Ich glaube, Professor Eckstein hat einmal gesagt, das Kind füllt immer die Sparte, die noch frei ist. Das fand ich sehr interessant. Je mehr Kinder man hat, desto mehr sucht jedes Kind seine Nische.
Es ist schön, viele Kinder zu haben – ich finde das super. Aber man muss sich im Klaren sein, dass äußere Faktoren eine Rolle spielen. Auch die eigenen Fehler darf man bekennen und zugeben. Dabei sollte man ehrlich sein. Irgendwann aber muss man sein Leben wieder zurückerobern. Man gewinnt das Kind nicht dadurch, dass man sich anbiedert oder verkrampft versucht, sich selbst als Versagerin sieht. Wahrscheinlich bist du das nicht.
Man kann so gut wie möglich sehr weise und richtig sein. Manchmal kommt man durch die Konfrontation mit einem Kind trotzdem in Schwierigkeiten. Interessant ist, dass im Wort Gottes oft der Eindruck entsteht, man könnte alles machbar machen: Mach das, drück auf die richtigen Knöpfe, und das perfekte, fromme Kind wird herauskommen. Aber dabei wird wahnsinnig viel Verantwortung auf das Kind gelegt.
Ich glaube, gerade für Mütter in meinem Alter ist das ein großes Thema. Ich treffe viele, die extrem leiden. In christlichen Kreisen herrscht manchmal eine übertriebene Familienkultur, die enormen Druck auf uns ausübt. Das ultimative christliche Glück als Frau in meiner Generation wird so definiert: Du suchst einen netten, gläubigen Ehemann und hast nette, gläubige Kinder – dann bist du angekommen.
Pech für die Singles, die keinen Ehepartner finden. Pech für die, die schwierige Kinder haben – und manche sind einfach schwierig. Die Latte wurde sehr hochgelegt durch viele Familienzeitschriften, Familienbücher und strahlende Familien auf Buchcovern. Und dann funktioniert es bei dir nicht.
In unseren frühen Jahren war das Erste, was passierte, dass meine Mutter krebskrank wurde. Ich hatte eine sterbende Mutter in England, wenig Geld für Flüge, wenig Geld für Babysitter oder Hilfe zu Hause. Ich fand kein Kapitel in irgendeinem christlichen Buch, das mir sagte, was ich tun soll, wenn die Eltern schwächeln, du kleine Kinder hast, keine Hilfe im Ausland und dein Mann sehr eingespannt ist.
Da begann ich, mir zu überlegen, was die Bibel über das Leben selbst sagt, wenn wir nicht diese perfekte, wohlstandschristliche Familie haben, die sich alles leisten kann. Candlelight-Dinner, Date Night mit dem Mann einmal die Woche – das war für uns nicht drin.
Ich habe damals angefangen, Kindererziehung anders zu sehen. Wir erziehen mitten im Leben, wo Dinge schieflaufen werden: wo die Oma früh stirbt, wo nicht genug Geld für tolle Urlaube da ist, die andere Kinder machen, wo alles Mögliche dazwischenkommen kann.
Ich bin in Nigeria groß geworden, wir hatten einen Krieg, ich war sieben und habe Leichen gesehen. Jesus war als Kleinkind auf der Flucht. Ich glaube, das nimmt den Druck ein bisschen weg, wenn man sieht: Kindererziehung ist das Beste, was man in einer gebrochenen Welt mit gebrochenen Menschen geben kann.
In der Bibel wird auch Verantwortung auf die Kinder gelegt: Sie sollen ihren Eltern gehorchen und sie ehren. Bei den Verheißungen, die es für die Ehre der Eltern gibt, müsste man eigentlich riesige Kongresse veranstalten. Da wird nichts gesagt, wie wichtig das ist, wie viel Segen daraus erwächst. Es ist das einzige Gebot mit einer Verheißung: „Du wirst lange leben.“
Da war auch die Geschichte von einem jungen Mann, der seine Mutter verflucht hat – und die Strafe war die Steinigung. Das ist heute unvorstellbar, aber es zeigt, wie wichtig das in Gottes Augen war und wie viel Verantwortung auch auf die Kinder gelegt wird.
Ich glaube, da müsste viel mehr darüber gesprochen werden, dass auch die Kinder Verantwortung haben – egal, ob sie Christen sind oder nicht. Man muss dazu nicht fromm sein, um seine Eltern zu ehren.
Dazu kommt noch etwas: Ich bin viel auf Frauentreffen unterwegs, und es gibt kaum ein Treffen, wo nicht ein blutendes Mutterherz zu spüren ist. Uns wurde gesagt, wir sollen zu Hause bleiben. In unserer Generation haben die meisten von uns auf Beruf oder Studium verzichtet, um gerne mit den Kindern zu sein. Ich würde es nie anders machen.
Viele Kinder profitieren davon. In unserer Generation, gerade in christlichen Kreisen, verdienen die Kinder später oft doppelt so viel wie die Eltern, sind gebildet und geschickt. Und dann wenden sie sich vom Glauben ab und kommen nur mit Vorwürfen: „Alles war so eng, alles war so...“ Da steigt in mir manchmal eine Rebellion auf.
Ich war mit einer Frau zusammen, einer Pastorentochter, die ein sehr gutes Leben hat, ein schickes Auto fährt, aber nicht mit dem Herrn unterwegs ist. Sie profitiert von ihren Eltern, die ihr Werte mitgegeben haben. Sie hat soziale Kompetenzen gelernt und ist quasi im Gemeindehaus groß geworden. Trotzdem klagt sie nur gegen ihre Eltern. Ihr Vater starb mit einem gebrochenen Herzen.
Ich habe ihr gesagt: Siehst du nicht, wie viel du bist? Du wärst nicht das, was du bist – reich und gut unterwegs im Leben – wenn diese christlichen Werte und die Erziehung nicht gewesen wären. Das Hohn und der Spott sind völlig fehl am Platz, egal ob du mit Jesus gehst oder nicht.
Das ist ein Phänomen, das extrem grausam ist. Diese Frauen haben keine Lobby. Sie sitzen da nach dreißig Jahren und fragen sich: Wofür war das alles? Das Kind verachtet sie nur, manchmal wird sogar der Zugang zu den Enkelkindern verwehrt. Sehr schmerzhaft.
Ein Professor erzählte mir von seiner Mutter, die Putzfrau war. Ich sagte zu ihm: Du wärst kein Professor, wenn deine Putzfrau-Mama nicht zu Hause gewesen wäre. Das ist eine Erinnerung daran, dass man als Kind auf Schultern steht.
Wenn wir nochmal auf die Eltern schauen – unabhängig davon, ob fromm oder nicht – beschreibt ihr in eurem Buch auch, dass selbst der perfekte Vater, nämlich Gott, verlorene Kinder hat. Wie kann das eine Ermutigung sein für die, die betroffen sind? Was ist unsere Verantwortung?
Wie in allen Schwierigkeiten im Leben gibt es einen, der weiß, wie es sich anfühlt. All diese Warum-Fragen – egal wie tief wir fallen, ob Krankheit, Trauer in der Familie, Enttäuschung mit Kindern oder Einsamkeit – es gibt immer den einen, der noch tiefer gefallen ist.
Das beantwortet nicht die Frage „Warum?“, aber es zeigt mir, dass ich nicht allein bin – auch mit Schuldgefühlen – und dass ich nicht disqualifiziert bin. Das muss ich Frauen immer wieder sagen. Viele sitzen da, auch in der Ehe gibt es oft wenig Ressourcen oder Nahrung, weil die Männer manchmal weniger mitziehen als die Frauen, die ihr Leben dafür gegeben haben.
Du bist keine Versagerin. Wie oft muss ich das sagen? Ich muss es mir selbst sagen, wenn ich mich wie eine Versagerin fühle.
In der Bibel wirst du nicht an deinem erfolgreichen Familienstatus gemessen. Das finden wir nirgendwo. Wir wissen nicht mal, welchen Status die biblischen Figuren hatten. Wir wissen nicht, ob Deborah Kinder hatte oder ob Maria und Martha verheiratet waren. Es wird nicht so betont, wie wir das manchmal tun – als Zeichen von Geistlichkeit oder gelungener Frömmigkeit, wie viele perfekt fromm aufgeputzte Kinder du vorzeigen kannst.
An keiner Stelle wirst du daran identifiziert oder definiert. Sonst hätten die Singles Pech. Aber Single-Sein wird in der Bibel sogar hoch bewertet.
Ich denke, in dieser Richtung gibt es sehr viel, was Mut macht – durch das Wort Gottes.
Die Rolle der Eltern und Gemeinde in der geistlichen Erziehung
Schön. Ich möchte gerne mit dir über die Aufgabe der Eltern und auch der Gemeinde sprechen. Eltern sollten sich eher als Missionare in der Familie sehen. Auch wenn die Gemeinde eine wichtige Rolle in der geistlichen Erziehung unserer Kinder spielt, ist es eigentlich vorrangige Aufgabe der Eltern.
Manchmal habe ich den Eindruck, dass es ein bisschen umgekehrt gesehen wird. Als christliche Eltern sagt man oft: „Meine Kinder gehen in die Kinderstunde, in die Sonntagsschule oder in den Tinikreis, die Jungschar und so weiter. Dort werden sie gebildet und bekommen etwas mit.“
Du bist ja als Speakerin oft eingeladen, hältst Vorträge und bist durch deine Arbeit als Lehrerin mit vielen Eltern in Kontakt. Nicola, was würdest du sagen: Machen wir als Christen im Großen und Ganzen einen guten Job als Eltern?
Als Eltern tun wir unser Bestes, oft auch unter schwierigen Umständen. Ich denke, diese Community ist absolut entscheidend. Das ist die grüne Weide, die wir unseren Kindern bieten dürfen. Aber genauso, wie du gesagt hast: Es ist kein Ersatz für das Elternhaus. Es ist „both and“, also sowohl als auch.
Wir kennen Familien, deren Kinder jahrelang das ganze Programm durchgemacht haben – von der Kleinkindgruppe bis hin zu den Teenies – und am Ende sind sie nicht gläubig. An dieser Stelle würde ich wirklich sagen: Eltern, sorgt dafür, dass eure Kinder in frühen Jahren Teil einer soliden Community sind. Diese Community sollte euren Kindern jeden Grund geben, um im Glauben zu bleiben, weil es auch Spaß macht.
Die Kinder müssen sehen und schmecken, dass der Herr gut ist, bevor sie ihn wirklich kennen. Sie müssen Gründe haben, nächsten Sonntag wiederzukommen. Und da wäre mir jede Art von Anreiz recht. Die „Schleckelist“, nach der du dein Bibelvers gelernt hast, oder andere Anreize – sorgt dafür, dass sie gerne in die Gemeinde gehen.
Ich glaube, das können wir auch durch unser eigenes Vorbild erreichen. Wenn schon das kleinste Wehwehchen ausreicht, um dich drei Wochen lang vom Gottesdienst fernzuhalten, dann kann ich jetzt schon sagen: Deine Kinder werden später lieber in die Disco gehen.
Oder wenn du sechs Sonntage fehlst, weil du eine Woche im Urlaub warst, drei Sonntage für die Vorbereitung gebraucht hast und drei Sonntage zur Erholung, dann sendet das ein Signal: Das Leben mit Gott läuft nebenher, falls es etwas bringt, aber es ist uns nicht wirklich wichtig.
Da würde ich sagen: Es liegt sehr viel an uns als Eltern, was wir vorleben. Ob die Kinder dann guten Grund haben, ihr Glück in der Gemeinde zu suchen – aber nicht als Ersatz für zuhause, das ist ja klar. Dann können wir wenigstens sagen: Daran lag es nicht.
Und ich würde sogar sagen: Zieh um, wenn es sein muss. Wechsel den Beruf, wenn es sein muss, um deine Kinder frühzeitig ins Haus des Herrn zu bringen. Ich glaube, die Zeiten sind vorbei, in denen man sich mit gelegentlichen christlichen Freizeiten oder ähnlichem über Wasser halten konnte.
Du meinst, die Zeiten sind vorbei, weil der Druck vonseiten der Welt und der Kultur, in der wir leben, einfach so groß ist, dass man sonst überhaupt keine Chance hat, oder?
Früher hat es gereicht, ab und zu ein Bild von der Artenvielfalt zu kritzeln. Heute sind die Kinder stundenlang in der Schule. Was setzen wir dem entgegen? Eine harmlose Sonntagsstunde? Das ist ein Tropfen auf den heißen Stein.
Ja, absolut. Jedes Mal, wenn die Gemeinde die Türen öffnet, sollten wir die Kinder hinschicken. So wird dem etwas entgegengesetzt. Und dann braucht es das richtige Wort Gottes, die Lehre. Nicht nur: „Daniel wurde von den Löwen gerettet, Gott rettet uns von allen Löwen.“ Nein, tut er nicht.
Vielmehr sollten wir mit den Kindern richtig in die Tiefe gehen. Zum Beispiel: Was wäre passiert, wenn Daniel nicht von den Löwen gerettet worden wäre? Das ist ein Thema, das uns sehr beschäftigt – wie wir alle Antworten haben.
Wie können wir Gottes Wort frühzeitig in die Herzen der Kinder pflanzen, damit sie begreifen, worum es wirklich geht? Dass es bei Noah nicht nur um die netten Tiere geht, sondern warum er diese Arche gebaut hat. Hätte ich die Arche an seiner Stelle gebaut?
Gottes Wege verstehen – ich denke, das ist die Herausforderung.
Bedeutung von Gemeinde und Vorbildern
Ja, es gibt viele schöne biblische Beispiele dafür. Ich denke an Timotheus, seine Mutter Eunike und seine Großmutter Lois. Das war irgendwie eine Gemeinschaftsarbeit, Hand in Hand. Sie haben gemeinsam an der Prägung dieses jungen Mannes gearbeitet, um ihm zu helfen, Gottes Wort und Gott selbst zu lieben.
Man sagt ja: Das Dorf erzieht das Kind. Und das richtige Dorf ist wirklich das richtige Dorf.
Gerade heute, wo Kinder mit Social Media und dem Internet ein riesiges Thema haben, ist es wichtig, dass sie in einer Gemeinschaft sind, in der nicht alle alles dürfen. Was passiert zum Beispiel, wenn ich in einer Community bin, in der andere nicht alles dürfen, sondern wir gemeinsam rausgehen? Pfadfinderarbeit, samstags durch die Landschaft stapfen und sonntags im Gottesdienst sein.
In meiner eigenen Erfahrung hatten wir sonntags morgens Gottesdienst, sonntags nachmittags Bibelarbeit und sonntags abends evangelistische Gottesdienste. Der ganze Sonntag war vollgepackt. Vielleicht müssen wir ein bisschen zurückkommen zu dem echten Leben im Haus des Herrn, wo jederzeit etwas los ist. Es braucht riesige Anreize, damit Jugendliche wiederkommen und immer wieder super Kumpels haben. Es braucht viele Männer, die involviert sind, nicht nur Frauen, Vorbilder und Musik.
Nikola, das spricht mir so aus dem Herzen, dass wir selbst dieses Privileg erleben durften. Wir haben viele Jahre im Gemeindegebäude gewohnt, und unsere Kinder wollten immer alles mitmachen. Sie waren noch so klein, aber sie wollten dabei sein, obwohl sie noch nicht bereit für die Jungschar oder Kinderstunden waren. Also haben wir sie einfach mitgenommen.
Mein Eindruck war, dass das einen positiven Einfluss hatte. Es entstand eine Kultur, in der sie gerne waren und sich angenommen fühlten. Das ist so wichtig.
Ich habe kürzlich in einem Podcast mit Matthias über Dekonstruktion gesprochen. Er sagt, ein häufiger Grund dafür, dass junge Menschen oder Menschen, die sich vom Glauben abwenden, obwohl sie christlich erzogen wurden, ist, dass sie keine offene Kultur in der Gemeinde hatten. Eine Kultur, in der ihre Fragen und Glaubenszweifel ernst genommen wurden. Stattdessen wurde oft nur gesagt: „Wir machen das so und fertig.“ Das ist fatal.
Genau. Junge Menschen müssen in der Gemeinde pubertieren dürfen, ohne dass jemand entsetzt oder empört ist, weil sie es wagen, Fragen zu stellen. Warum gehört Sex in die Ehe? Warum? Es gibt gute Gründe, und man muss dafür nicht einmal besonders fromm sein. Warum glauben wir an die Autorität der Bibel? Weil es vernünftig ist und gute Gründe dafür gibt.
Diese Fragen müssen gelüftet werden. Es braucht einen Rahmen, in dem Beziehungen entstehen können, in dem solche Gespräche stattfinden.
Wir beschäftigen uns auch sehr mit diesem Thema, ohne alle Lösungen zu haben. Wir tauschen uns mit vielen aus und schauen nach Vorbildern, die das auch so machen. Als Christen dürfen wir nicht dem Zeitgeist hinterherhinken. Wir leben in anderen Zeiten, in denen vieles nicht mehr selbstverständlich ist.
Ich finde es gut, dass du das angesprochen hast. Es ist total wichtig, dass Kinder alle Fragen loswerden können, Antworten bekommen und begleitet werden.
Die Anziehungskraft einer guten Beziehung ist immer noch stärker als die von Internet und Social Media. Die Jugendlichen müssen den Geschmack für lebendige Beziehungen entwickeln, die stärker ziehen als die Reize von Social Media und Co.
Ich glaube, das ist die große Herausforderung.
Herausforderungen bei nicht-gläubigen Partnern
Ja, Nicola, was kann man tun, wenn man allein da steht? Zum Beispiel, wenn der Partner im Glauben schwankt oder vielleicht gar nicht gläubig ist – wie beeinflusst das die geistliche Erziehung der Kinder?
Es macht die Situation schwieriger, aber es ist nicht unmöglich. Je nach Situation gibt es nicht gläubige Ehepartner, die wohlwollend sind. Das ist natürlich hilfreich. Dafür würde ich kämpfen, um mit meinen Kindern in die Gemeinde gehen zu können und ihnen eine christliche Erziehung zu ermöglichen.
Ich meine, in jeder Partnerschaft akzeptieren Ehemann und Ehefrau doch auch, wenn der andere Sport treibt, ein Hobby hat, Skifahren geht oder Ähnliches. Warum muss es immer so ein Drama sein, wenn es um den Glauben geht?
Was wir als Gemeinde versuchen, ist, dass die nicht gläubigen oder andersgläubigen Familienmitglieder trotzdem auf unserem Radarschirm bleiben. Sie werden eingeladen zu Grillfesten und nicht von allem ausgeschlossen. Ich glaube, die Gemeinde kann viel tun, damit sie eingeladen werden, dass man sie kennenlernt und sie die Gemeinde nicht als Konkurrenz empfinden.
Auch Gespräche miteinander sind wichtig, soweit es möglich ist. Natürlich ist der Widerstand oft größer, aber ich würde mir wahrscheinlich nicht gefallen lassen, wenn ein ungläubiger Partner sagt: „Du darfst nicht in die Gemeinde gehen“ oder „Du darfst die Kinder nicht mitnehmen.“
Man muss kämpfen – weise und gewinnend kämpfen. Das ist eine große Herausforderung.
Umgang mit Widerstand bei Jugendlichen
Aber was mache ich, wenn zum Beispiel mein 13-jähriger Sohn sagt, er habe keine Lust, morgen mit in die Gemeinde zu kommen? Da würde ich auch kämpfen. Wenn er dreizehn, sechzehn oder achtzehn wäre, ist das ein bisschen anders.
Mit dreizehn würde ich sagen: Ja, du hast auch keine Lust, deine Mathehausaufgaben zu machen. Aber es gibt Sachen, die wir einfach ohne Lust machen müssen. Die Statistik zeigt, dass Kinder, die mit dem Herrn gehen, oft ein bisschen Druck hatten. Ich spreche hier nicht von Zwang, aber solange wir als Familie unter einem Dach leben, machen wir es so. Dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass das Kind zum Glauben findet, statistisch gesehen schon größer.
Wenn es mit dreizehn schon nicht mehr gehen muss, dann würde ich sagen, die Chancen sind ziemlich gering. Da würde ich so weit kämpfen, wie meine Weisheit das erlaubt, und sagen: Es gibt irgendwann Anreize, ich habe auch nicht immer Lust auf den Gottesdienst. Es gibt Dinge, die wir machen, weil sie richtig sind.
Ab 18, wenn du dein eigenes Geld verdienst oder weggehst, kannst du wirklich selbst entscheiden. Aber bis dahin, wenn Mathe, Englisch und Deutschhausaufgaben wichtig sind, dann umso mehr diese Dinge, die mit der Ewigkeit zu tun haben. Es ist wichtig, dass man sich zumindest als Teenie kräftig damit auseinandersetzt, damit man weiß, was man ablehnt, wenn man es ablehnt. Das wäre meine Argumentation.
Ja, das teile ich voll und habe es auch so praktiziert. Aber ich weiß auch von anderen aus der Gemeinde, die sagen: Man darf die Kinder und Jugendlichen nicht zwingen, sie müssen es irgendwie selbst wollen. Ja, aber ich sage auch: Du gehst ja auch in die Schule, weil du einfach musst. Das ist einfach so. Wir gehen in die Gemeinde, du kommst mit.
Meine Erfahrung war auch eigentlich immer: Auch wenn sie mal keine Lust hatten, kam die Freude wieder, wenn das Setting und die Kultur in der Gemeinde so ist, dass sie sich dann auch freuen. Ja, genau. Das gehört zu einer starken, selbstverständlichen Familienkultur dazu. Ich frage sie auch nicht, ob sie die Zähne putzen wollen – das gehört einfach dazu.
Bedeutung männlicher Vorbilder in der Gemeinde
Ja, wir haben schon ein wenig über die Verantwortung der Eltern gesprochen, aber auch darüber, wie die Gemeinde den Rahmen dafür schaffen kann, Kinder ernst zu nehmen – junge Menschen und junge Erwachsene.
Welche Rolle spielen dabei vor allem Männer? Warum sind männliche Vorbilder so wichtig?
In der Bibel sind es oft die Männer, die die Verantwortung tragen. Das weckt bei jedem Jungen und Mädchen eine Vaterschaftssehnsucht. Ich sehe, wie Frauen in Gemeinden aktiv sind, aber ich möchte Männer vorne sehen, die Vaterschaft ausstrahlen, Vorbilder sind und Stärke zeigen.
Jemand hat einmal gesagt: Ein Zeichen einer gesunden Gemeinde ist, wenn es viel Kinderlärm gibt und Männer, die laut singen.
Ich glaube, der Anfang der Krisen liegt im Rückzug der Männer. Teilweise haben Frauen zu viel an sich gerissen, das stimmt. Daraufhin ziehen sich die Männer automatisch zurück. Das Pendel kann in beide Richtungen ausschlagen: Es ist ungesund, wenn Frauen eingeschüchtert oder verunsichert werden und zum Schweigen gebracht werden. Aber ebenso ungesund ist es, wenn Männer sich zurückziehen, den Mund nicht aufbekommen und die Frauen dann den Raum einnehmen.
Es geht um ein Miteinander.
Ich denke, es ist sehr gesund, wenn Männer beim Kinderdienst mitmachen, wenn Männer sich um die Zweijährigen kümmern. Es sollte nicht nur so sein, dass die sogenannten „Kindertanten“ das übernehmen. Männer sollten nicht nur auf der Kanzel stehen, sondern auch bei den kleinen Kindern von Anfang an dabei sein. Das gibt Kraft.
Natürlich können Frauen einen großen Einfluss haben – das haben wir bei Timotheus gesehen, da war kein Mann im Spiel. Aber ideal ist es, wenn möglichst viele Männer dabei sind. Und das kostet seinen Preis.
Mein Vater war ein Geschäftsmann und sehr beschäftigt von Montag bis Samstag. Sein Sonntag war voll damit, die Kinder hin und her zu Gottesdiensten zu fahren, oft kilometerweit, um uns in eine gute und gesunde Kinderstunde zu bringen. Das war damals in Afrika.
Ich bin sehr dankbar, dass er das gemacht hat, auch wenn wenig Freizeit übrig blieb. Manchmal hat er selbst in der afrikanischen Gemeinde gepredigt, und dann ging es am Montag wieder an die Arbeit. Es gab keinen freien Tag, sein Freitag war sozusagen sein Ruhetag.
Er hat es nie bereut. Er hat es wirklich als Privileg gesehen. Ich denke, diese Mentalität müssen wir haben: Ich darf dem Herrn dienen. Ich darf daraus eine Lebensaufgabe machen. Nicht nur zwei Jahre Jugendreferent sein und dann wieder gehen, sondern mein Leben für die Jugendarbeit dieser Gemeinde geben.
Wie wäre es damit? Diese Kinder begleiten.
Wir haben das Privileg, einen tollen Jugendleiter zu haben, der jetzt die zweite oder dritte Generation durchschleust. Das ist sein Herz, zusammen mit seiner Frau.
Es ist wichtig, Menschen zu ermutigen und zu belohnen, sie aufzuwerten – egal in welchem Bereich der Kinderarbeit: ob Pfadfinder, Jungschar oder kleine Kindergruppen. Die Menschen wirklich wertzuschätzen.
Themen in der Jugendarbeit
Welche Themen sollten gerade im Kontext der Gemeinde, zum Beispiel in der Jugendarbeit, besprochen werden, wenn man einen Leiter vor Augen hat, der das nun schon in der dritten Dekade macht? Welche Anliegen hat dieses Ehepaar auf dem Herzen? Das müsste man ihn direkt fragen.
Bei uns gibt es tolle Gemeinden, die eine hervorragende Jugendarbeit leisten. Von ihnen versuchen wir viel zu lernen. Klassische Bibelarbeit finde ich besonders wertvoll. Zum Beispiel einen Brief von Paulus durchzugehen – das ist wie „Schwarzbrot“ für die Seele.
Darüber hinaus gibt es bei uns mindestens einmal im Jahr, inzwischen sogar zweimal, Themen rund um Sexualität und Sexualethik. Dabei geht es darum, wie wir Beziehungen zwischen den Geschlechtern leben, wie wir uns vor der Ehe verhalten und wie man den richtigen Partner findet. All diese Fragen werden offen angesprochen.
Ein weiteres großes Thema ist das Internet und Social Media. Das taucht immer wieder auf und ist für die Jugendlichen von großer Bedeutung. Ebenso wichtig ist die Autorität der Bibel, ihre Glaubwürdigkeit und wie man die Jugendlichen frühzeitig zum Bibellesen motiviert. Dabei geht es auch um das Bibelverständnis: Warum glauben wir das, was dort steht, obwohl es oft gegen den Zeitgeist ist? Warum ist die Bibel mit der Naturwissenschaft auf ganzer Linie vereinbar und kein Widerspruch zur Realität des Lebens?
Diese brisanten Fragen und auch die offenen, für die es keine klaren Antworten gibt, sollen angesprochen werden. Es geht um Beziehung, um Fragen und um die Liebe zum Wort Gottes. Wichtig ist, den Jugendlichen zuzutrauen, dass sie einen natürlichen Hunger nach Wahrheit haben. Manchmal bestehen Kinder Dinge sogar besser als wir.
Was ich auch sehr wichtig finde – und du kannst gern sagen, was du davon hältst – ist die Jüngerschaftsbeziehung. Bei uns nennen wir das Zweierschaftsbeziehung. Dabei trifft sich ein älterer, etwa 35-jähriger, mit einem Jugendlichen zum Bibellesen und Austausch – so eine Eins-zu-eins-Beziehung. Das finde ich wirklich super.
Solche Bibellese-Gruppen oder Bibellese-Partnerschaften sind vor allem für die Jungs wertvoll, die nicht so leicht von der Seele reden. So können sie über das Wort Gottes sprechen. Darin macht der Leiter auch sehr gute Erfahrungen. Ich finde, das kann wirklich eine Ermutigung sein.
Umgang mit Herausforderungen bei der Partnersuche junger Christen
In eurem Buch „Wenn Kinder andere Wege gehen“ berichtet ihr von jungen Christen, die sich bei der Partnersuche schwer tun. Die christlichen Mädchen werden oft als humorlose, übergeistliche Mauerblümchen beschrieben, und die christlichen Jungen als harmlose Weicheier. Wie können die Jugendlichen denn konkret helfen, im Glauben stark zu werden?
Das ist nicht meine Meinung, das ist ein Zitat. Aber wie können Jugendliche helfen, ihren Glauben zu stärken und attraktive Persönlichkeiten zu entwickeln?
Ein wichtiges Mittel ist, selbst Vorbild zu sein. Ich glaube, unter Christen sollte viel mehr gelacht werden, denn wir nehmen uns selbst oft viel zu ernst. Christsein muss nicht bedeuten, dass man keinen Spaß haben oder nicht cool sein darf. Ich denke, es ist beides möglich. Wer wirklich tief im Wort Gottes lebt und ernsthaft mit Jesus geht, entwickelt coole Persönlichkeiten.
Unsere Mädchen sollten ermutigt werden, selbstsicher zu sein und ihre Stimme zu finden. Evangelisation ist ebenfalls sehr wichtig – Jugendliche sollten raus auf die Straße gehen. Die Jungen sollten ermutigt werden, zu sich selbst zu stehen, wirklich Persönlichkeiten zu werden. Auch das Lesen guter Bücher ist hilfreich. Vorbilder wie Hudson Taylor oder Amy Carmichael, diese alten Helden, können inspirieren.
Ich glaube, es ist wichtig, dass Jugendleiter ab und zu solche Heldengeschichten erzählen. Vorbilder sind entscheidend. Dabei sollte man ruhig bleiben und keine übergeistlichen Shows abziehen. Es muss auch nicht sein, dass Gebete wie ganze Predigten klingen, nur um andere zu beeindrucken. Jesus hat einige Dinge gesagt, die eher abschreckend wirken, wenn man sie falsch anwendet.
Vielmehr sollte man durch die eigene Persönlichkeit überzeugen, andere aufblühen lassen und sich trauen, etwas zu wagen. Den Jugendlichen sollte vermittelt werden, dass wir etwas zu geben haben. Wir müssen uns nicht für das Evangelium entschuldigen. Was hat die Welt denn als Alternative zu bieten? Nein, danke!
Es ist wichtig, ihnen einzuprägen: Wir sind nicht stolz, aber wir haben die coolste Botschaft, die es gibt, und dürfen ruhig dazu stehen. Wir sollten offensiv sein und nicht nur unsere kleine Gemeinschaft verteidigen, damit die Welt nicht eindringt. Nein, wir sollen hinaus in die Welt gehen und die Welt hereinholen.
Dabei ist es entscheidend, so stabil zu sein, dass man selbst der Trendsetter ist, der die Welt beeinflusst – und nicht umgekehrt.
Das war natürlich die Herausforderung. Es ist ein Plädoyer für Alltagsmission.
Kritik an Erlebnis- und Konsumkultur in Gemeinden
Nicola, in eurem Buch zitiert ihr einen ehemaligen Aussteiger vom Glauben, der jetzt selbst sehr aktiv tief in der Gemeinde steht und in der Gemeindearbeit engagiert ist. Er sagt, dass aus einer Erlebnis- und Konsumkultur in Gemeinden keine seriösen Nachfolger entstehen. Das findet sich auf Seite 146, falls ihr nachlesen möchtet.
Kannst du das noch etwas ausführlicher erklären? Genau dieser Punkt ist es, den viele Gemeinden versuchen, indem sie durch Coolness die Jugendlichen bei der Stange halten wollen. Wir haben erlebt, dass das nicht funktioniert. Wenn die Gemeinde versucht, der Welt nachzueifern, wirkt das nur peinlich.
Vielmehr sollten wir den Jugendlichen zutrauen, dass sie auch Jünger Jesu werden können. Dass sie die Bibel selbst lesen, beten, nicht nur zum Tischkicker gehen, sondern auch zum Gebetstreffen. Dass sie mit auf die Straße gehen und nicht nur kommen, wenn es gegrillte Steaks gibt.
Wir trauen ihnen sogar zu, dass wir alte Choräle wieder singen. Wir waren lange Zeit stark von der Feiert-Jesus-Kultur geprägt, haben gesehen oder sehen immer noch, dass die Vorbilder der Kirchenväter und die alten, oft deftigen Texte manchmal ein viel robusteres Evangelium vermitteln als ein bloßes „touchy feeling“.
Mir geht es nicht immer wohl bei dir her, manchmal finde ich es richtig krass, dir nachzufolgen. Ich denke, das ist eine Tendenz in vielen christlichen Werken: Lasst uns das Attraktivsein an oberste Stelle setzen. Lasst uns Themen wie Buße, Umkehr, Sünde, Erkenntnis, Hölle und Gericht außen vorlassen, um attraktiv zu sein.
Meine persönliche Meinung und Erfahrung ist, dass diese Rechnung nicht aufgeht. Am Ende hast du keine echten Nachfolger Jesu, sondern Christen, die unterhalten werden wollen – und das ist anstrengend.
Natürlich kann es verschiedene Meinungen geben, aber ich denke, das gute alte Evangelium, die gute alte Jüngerschaft, das Nachfolgen Jesu – das Buch hat sich nicht an jede neue Kultur angepasst, sondern steht fest. Natürlich können sich Stilfragen ändern, ebenso die Arten, wie wir Menschen erreichen, aber die Botschaft muss dieselbe bleiben – auch für Jugendliche und Kinder.
Das entspricht unserer Beobachtung.
Einladung zur Kampagne „darum Ostern“
Nicola, bevor wir zu unserem letzten Blog kommen und ein bisschen darüber sprechen wollen – über Betroffene, werdende Eltern, praktische Tipps und so weiter.
Kennst du „darum Ostern.de“? Das ist eine Kampagne von Heuckelbach. Genau, jetzt zur Osterzeit haben wir wieder ein paar schöne Karten gestaltet, die ihr euch gerne bestellen könnt, liebe Alltagsmissionare und alle, die den Podcast hier hören.
„Darum Ostern“ ist wirklich ein perfektes Tool für deine Alltagsmission. Den Link findest du in der Beschreibung. Bestellt euch die Karten und verteilt sie. Auf der Webseite wird auch sehr schön argumentativ über die Auferstehung gesprochen. Es gibt dort viele Argumente für die Auferstehung und die Tatsachen, die dafür sprechen.
Scrollt euch mal durch diese immersive Seite darumostern.de und teilt sie gerne mit anderen. So erfahren noch mehr Menschen, warum wir eigentlich Ostern feiern. Dieses Wissen gerät nämlich immer mehr in Vergessenheit.
Okay, das war ein kleiner Werbeblock. Machen wir weiter mit dem Thema: Mit wem kann man darüber reden, ohne die Kinder bloßzustellen, solange sie noch jünger sind und zu Hause sind?
Gerade wenn es um das Thema geht, welche gesunden Grenzen wir auch in Bezug auf Schule, Social Media und Freundeskreis haben. Was ist sinnvoll, ohne dass Kinder sich kontrolliert oder bevormundet fühlen?
Gesunde Grenzen und Austausch unter Eltern
Ja, ich denke, das Miteinander ist dabei sehr wichtig. Dabei sollte jedoch keine Dratschkultur entstehen, auch kein ständiges Vergleichen. Die Herausforderung besteht darin, das ständige Zur-Seite-Schielen zu vermeiden: Wie machen die das? Wie mache ich es genauso gut wie sie? Warum ist deren Kind so toll, während ich meine schwierigen Momente habe?
Dem gilt es entgegenzuwirken. Wir alle haben unsere Baustellen. Wehe dem, der denkt, er macht es besser als alle anderen, hat die richtigen Bücher gelesen und glaubt, er sei überlegen.
Der Austausch mit einem engen, vertrauensvollen Freundeskreis ist deshalb sehr wichtig. Es ist wichtig, miteinander zu beten, ohne dass Vertrauen gebrochen wird oder das Kind bloßgestellt wird. Der Fokus muss darauf liegen, dem Kind zu helfen, im Kind zu sein. Die Motivation muss richtig sein: Es geht nicht darum, als perfekte Familie dazustehen oder das eigene Image und den Ruf zu schützen. Die Frage „Was werden die Leute sagen?“ spielt überhaupt keine Rolle. Es muss immer um das Kind gehen.
Ich denke, Austausch ist wichtig, um zu besprechen, welche Grenzen gesetzt werden und wie man das handhabt. So entsteht eine gemeinsame Kultur, in der die Kinder trotz aller Unterschiede ihren Raum haben. Zum Beispiel durften meine Kinder manchmal Filme anschauen, die andere Kinder nicht schauen durften oder noch nicht. Da darf es ruhig verschiedene Vorstellungen geben, ob ein Film zu früh ist oder ob das Kind schon in Social Media aktiv sein darf.
Der Austausch bringt Ideen und auch Mut. Man kann sagen: „Vielleicht kann ich es meinem Kind auch zumuten, erst ab einem bestimmten Alter ein Handy zu bekommen. Die anderen haben auch keines. Komm, mach kein Theater, das schützt dich.“ Solche Gespräche sind, denke ich, wichtig, um Mut zu machen und gute Entscheidungen zu treffen.
Ehrlichkeit und Offenheit im Gespräch mit Kindern
Wie habt ihr es zuhause geschafft, eine Atmosphäre zu schaffen, in der eure Kinder gerne mit euch über den Glauben sprechen? Vor allem auch über Zweifel und Fragen, sodass man ehrlich darüber reden konnte?
Ich würde sagen: nicht gut genug. Mit einigen Kindern ging es gut, aber nicht mit allen. Die Kinder sind eben sehr unterschiedlich. Mit zwei unserer Kinder konnte man über alles reden. Die anderen beiden waren eher zurückhaltend. Uns war es wichtig, dass sie auch mit anderen sprechen. Sie müssen nicht unbedingt mit mir reden.
Es ist wichtig, das zu respektieren. Sie brauchen eine Community, andere vertrauenswürdige Ansprechpartner, die meine Rolle übernehmen können. Gerade in Zeiten, in denen mein Kind mich nicht mag, springt jemand anderes ein. Diese Person sagt dem Kind dann genau das Gleiche, was ich sagen würde – wenn alles gut läuft.
Aber ja, es ist uns auch nicht immer gelungen, Christian. Ich wüsste nicht, was wir anders hätten machen können. Manchmal denke ich, ich würde jetzt manches anders machen. Doch dann sehe ich die Umstände, in denen wir waren, mit Schicksalsschlägen und so weiter. Da muss ich mir selbst auch gnädig sein. Mir das sagen, was ich einer anderen Frau in der gleichen Situation sagen würde: Sei auch mit dir selbst gnädig.
Dein Kind weiß, dass du es über alles liebst und alles geben würdest, um ihm zu helfen. Jetzt musst du es ihm überlassen, was es damit macht. Vermittle das immer wieder, auch dem erwachsenen Kind: Dass du es bedingungslos liebst und für es da bist – bei Geburtstagen, bei allem, was wichtig ist.
Irgendwann muss man loslassen und sagen: Ich habe nur so viel seelische Energie, wie ich verwalten kann. Ich bin auch nicht mehr die Jüngste. Ich muss meine Kräfte verwalten und dem Herrn dienen – auch nachdem die Kinder das Haus verlassen haben. Ich bin im Dienst des Herrn.
Dieses Kapitel muss man einfach dem Herrn überlassen und die Dinge, die man besser machen könnte, ihm anvertrauen.
Balance in der Kommunikation über den Glauben
Eine Frage, die wir auch im Vorfeld gehört haben, betrifft die richtige Balance in der Kommunikation. Wie hartnäckig sollte man im Gespräch über den Glauben sein? Wie sucht man das Gespräch, ohne aufdringlich zu wirken? Insbesondere stellt sich die Frage, inwiefern man mit Kindern, die sich vom Glauben abwenden, im Gespräch bleiben sollte oder es lieber eine Zeit lang ruhen lassen sollte.
Was hast du da für einen Rat? Ich würde sagen: Wenn die Situation es zulässt, dann fragen wir die Schüler direkt, ob sie darüber reden wollen oder meine Meinung hören möchten. Wenn nicht, dann lassen wir es. Die Beziehung ist das Wichtigste.
Beziehung ist das Wichtigste. Man weiß nie, wann sich eine Tür wieder öffnet. Das Leben bringt manchmal Situationen mit sich, in denen das Kind vielleicht plötzlich eine andere Sichtweise hat. Vielleicht bekommt es selbst Kinder oder gerät in eine Lebenskrise. Dann muss man einfach bereit sein, auf Abruf da zu sein, aber nicht sein ganzes Leben darum kreisen lassen. Das schreckt nur ab, glaube ich.
Einfach da sein, verfügbar sein und das vermitteln. Gucken, ob sich in einer bestimmten Situation ein Gespräch ergibt. Ich denke gerade an Familien in der Bibel. Man weiß nie genau, wie es passiert ist, aber Jesus’ Geschwister waren ihm am Anfang nicht wohlwollend gegenüber, am Ende aber schon. Ich frage mich, was da passiert ist.
Auch König David erlebte, dass seine Brüder ihm gegenüber verächtlich waren. Joseph ist ein ähnliches Beispiel. Am Ende waren sie alle wieder vereint. Aber es hat Jahre gedauert.
Rahab ist ein weiteres Beispiel. Ihr ganzes Haus war versammelt, und alle wurden miteinander gerettet. Es gibt also diese Geschichte von „Ich und mein Haus“. Der Ungläubige wird durch die gläubige Frau geheiligt.
Ich glaube, dieses Prinzip kann man durchaus in Anspruch nehmen: Wenn ich wirklich mit Jesus gehe, hat das einen Einfluss auf mein Umfeld. Aber nicht immer geschieht das über Nacht, nicht immer so, wie ich es mir wünsche. Und gewiss nicht durch Manipulation oder den Versuch, etwas zu erzwingen.
Herausforderungen für Kinder von Gemeindeverantwortlichen
Nicola, du kennst das aus eigenem Erleben. Wie ist es mit Menschen, die Gemeindeverantwortung tragen? Wie sieht es da mit den Kindern aus?
Wir haben besondere Herausforderungen, in denen diese Kinder stehen, wenn der Vater Pastor ist oder die Mutter eine bekannte Vortragsrednerin. Was müssen wir uns da als Eltern bewusst machen? Ich wurde zum Glück erst bekannt, als meine Kinder schon aus dem Haus waren.
Es ist besonders schwierig, denn egal ob es uns gelungen ist oder nicht, unsere Kinder dürfen genauso pubertieren und Krisen haben. Es dürfen keine besonderen geistlichen Kraftakte von ihnen verlangt oder eingefordert werden. Sie werden genauso Fehler machen wie alle anderen, und das ist normal.
Vielleicht hat mein Vater immer gesagt: Pastorenkinder haben so eine Extraportion Ursünde mit auf den Weg bekommen. Es gibt auch so einen Spruch in Deutschland: „Was nicht stimmt, sind sie einfach normal.“ Sie dürfen sein wie alle anderen, und wir als Eltern sollten nicht mehr von ihnen erwarten als von anderen. Das war unsere Bemühung.
Jetzt, wo ich ein bisschen Plattform habe und unterwegs bin, versuche ich, das ganz getrennt von der Familie zu halten. Es sollen keine Erwartungen an sie gestellt werden. Sie müssen nicht einmal mitbekommen, was ich alles mache. Sie sollen nicht das Gefühl haben, ich bin nur dafür da und nicht für sie.
Sie sollen mich als Oma und Mutter in allererster Linie wahrnehmen. Nur insoweit, wie sie Interesse an dem anderen haben, lasse ich sie daran teilhaben. Ich zwinge es ihnen nicht auf, oder versuche es zumindest.
Aber es fällt mir schwer, Frau eines Pastors zu sein. Manchmal habe ich sehr viel dagegen gehadert. Ich fand es ungerecht den Kindern gegenüber oder mir selbst gegenüber. Mein Mann ist derjenige, der sein Bestes gegeben hat, damit wir das schaffen.
Ja, ja, ja, ich kann das so nachvollziehen, weil uns geht es ja auch ähnlich. Ich bin auch in der Gemeinde verantwortlich, einer der Ältesten. Gerade als unsere Kinder kleiner waren, war das eine besondere Herausforderung für meine Frau. Sie hat oft im Nachhinein gesagt: „Ja, Schatz, ich war oft einfach alleine da und habe oft auf dich verzichten müssen.“
Genau, ich denke, für die Frau eines Pastors fehlt auch ein bisschen die Lobby. In Amerika ist das anders, aber hier gibt es eine gewisse Einsamkeit. Man fragt sich: Wie viel kann ich mitteilen, ohne Angst zu haben, dass es weitergetragen wird oder gegen mich oder meinen Mann verwendet wird?
Es gibt eine extreme Einsamkeit, die damit zusammenhängt. Ich muss sagen, ich habe nicht die Lösung dafür. Für mich war es manchmal mehr ein Überlebenskampf. Ich wollte meinem Mann natürlich nicht im Weg stehen und hinter seiner Berufung stehen. Ich wollte das Richtige machen, aber gleichzeitig mit mir selbst in der Situation klarkommen.
Das ist ein Grund, warum mir diese Frauenarbeit auf dem Herzen liegt, auch Leiterfrauen. Ich habe extrem darunter gelitten und bin manchmal bis an die Grenze eines Zusammenbruchs gegangen. Wenn ich jungen Frauen helfen kann, Strukturen aufzubauen, in denen sie mit ihrer Familie Freiraum haben, dann ist mir das sehr wichtig.
Wo die Kinder auch rebellieren dürfen, ohne dass es schräg angesehen wird, ohne dass die eigene Geistlichkeit in Frage gestellt wird, ohne dass getratscht wird oder ihnen das Leben noch schwerer gemacht wird. Das brennt mir sehr stark auf dem Herzen.
Wir sind ja jüngere Frauen im Dienst oder verheiratet mit Pastoren und Ältesten. Aber ihr habt das auch irgendwie überlebt.
Ja, ja, doch, dankbar. Meine Frau ist mir ein ganz großes Vorbild. Wenn ich so zurückblicke, werde ich oft gefragt: „Boah, wie hast du das gemacht? Das ist echt stark.“
Ermutigung und Begleitung betroffener Familien
Nikola, wie können wir andere betroffene Familien ermutigen und begleiten, ohne dabei übergriffig zu sein? Gerade wenn sie die Herausforderung haben, dass ihre eigenen Kinder sich vielleicht davon entfernen und nicht im Glauben mit dem Herrn unterwegs sind.
Ich habe gestern noch in unserem Ehehauskreis darüber gesprochen. Dort sind einige junge Ehepaare mit kleinen Kindern. Ich habe gefragt: „Ich bin morgen mit Nikola zusammen, und es geht um ein bestimmtes Thema. Was wäre für euch das Allerwichtigste, was ihr euch für eure Kinder wünschen würdet, wenn ihr daran denkt, dass sie vielleicht einmal nicht ein Leben mit dem Herrn wählen?“ Die Antwort kam direkt: „Dass viele für mein Kind beten.“ Das war der große Wunsch.
Mein Gebet schadet nie. Ich bin da sehr pragmatisch. Ein Kind möchte nicht unbedingt umgebetet werden, wenn es sich gerade in einer schwierigen Situation befindet oder vielleicht als Pflegefall gesehen wird. Das würde ich dem Kind auch nicht vermitteln. Es muss das nicht mitbekommen. Das Kind ist dein Kind, egal ob es mit dem Herrn geht oder nicht. Wichtig ist, keinen Unterschied zu machen.
Wenn zum Beispiel Lobpreismusik läuft und das Kind kommt herein, einfach normal bleiben. Den Glauben ganz normal und fröhlich leben, sich nicht dafür entschuldigen, aber ihn dem Kind auch nicht aufzwingen. Manchen Frauen sage ich: „Get yourself alive!“ Das Leben ist nicht zu Ende, nur weil dein Kind nicht mit Jesus geht. Du solltest dich innerlich nicht kleinmachen lassen, aber dich auch nicht schikanieren lassen.
Ein Kind kann – und das verstehe ich nicht – auch christliche Kinder können ausbüchsen. Warum müssen sie dann plötzlich so unleidlich werden? Du kannst trotzdem ein anständiger Mensch sein. Du kannst dein Kind nicht zwingen, Jesus kennenzulernen, aber es muss sich benehmen, dich respektieren und die Hausregeln einhalten. Lass dich nicht schikanieren und gehe nicht mit hängenden Händen durch den Tag. Das würde das Kind nur noch mehr verachten.
Steh auf, Schultern zurück, geh mit erhobenem Haupt durchs Leben. Wenn es eine Chance gibt, dein Kind zurückzugewinnen, dann ist das, indem du dein Leben zurückgewinnst. Das ist ein guter Satz. Noch einmal: Wenn es eine Chance gibt, dein Kind zurückzugewinnen, dann ist es, dass du dein Leben lebst.
Wenn du dein Leben zurückgewinnst und mit erhobenem Haupt durchs Leben gehst, nicht mit schleppenden Füßen und dem Gefühl „Ich bin eine Versagerin, weil mein Kind nicht mit dem Herrn geht“, dann kannst du etwas verändern. Richte die Küche neu ein, kauf dir neue Kleidung, geh zum Sport und ärgere das Kind mit deiner Fröhlichkeit. Zeige, dass du dein Leben mit dem Herrn lebst.
Wenn ich darüber nachdenke, was anziehend wirkt, dann ist das ganz sicher nicht, wenn Eltern den Kopf hängen lassen und mit aller Macht versuchen, ihr Kind zurückzugewinnen. Dann geht es um den eigenen Ruf oder nur um das Kind. Das wäre die Frage.
Also nicht händeringend sein. Das Leben ist lang, und Gott hat seine Wege, auch abtrünnige Schafe wieder zurückzubringen. Sei einfach da für dein Kind. Sei normal, natürlich, lustig und fröhlich. Zeig weiterhin, dass das Leben mit dem Herrn eine herrliche, tolle Sache ist.
Ja, das ist richtig gut.
Umgang mit unterschiedlichen Glaubenswegen unter Geschwistern
Aber Nikola, wie geht man denn damit um, wenn ein Teil der Kinder glaubt und ein anderer nicht? Wenn man noch zusammen unter einem Dach lebt, also zum Beispiel mit Jugendlichen im Alter von sechzehn bis 24 Jahren? Wie macht man das, gerade wenn es Teenies sind?
Bei uns war der Gottesdienstbesuch Pflicht, auch in den Phasen, in denen sie eigentlich nicht wollten. Das war klar. Aber wenn die Kinder schon älter sind und ihr eigenes Ding machen, wie soll man dann damit umgehen? Stell dir mal vor, dein neunzehnjähriger Sohn, der nicht im Glauben ist, bringt ein Mädchen mit nach Hause und möchte, dass sie bei ihm im Zimmer übernachtet.
Da gibt es verschiedene Sichtweisen. Bei uns war es so: Wir waren nie in der unglücklichen Lage. Ich denke, wir würden sagen: Nein, nicht in unserem Haus. Was er außerhalb macht, ist sein Ding. Das war auch die Haltung meiner Eltern. Aber ich war damals noch nicht in so einer Situation. Da müsste man Leute fragen, die das schon erlebt haben.
Das ist furchtbar schwierig. Will man riskieren, die Kinder zu vergraulen? Kann man ganz liebevoll vermitteln: Wir können einfach nicht dahinterstehen, von unserem Glauben her? Gibt es eine liebevolle Art, wie man zu seinen Prinzipien stehen kann, ohne andere zu vergraulen? Das ist das Spannungsfeld.
Ich würde einfach den Herrn um Weisheit bitten. Das sollte in großer Demut und Bescheidenheit vermittelt werden. Und man kann von dem Kind erwarten, dass, wenn es im eigenen Haus ist, alles zu den eigenen Bedingungen geschieht.
Trotzdem kann man bedingungslos Liebe, Zuneigung und Wärme in diesem Rahmen vermitteln. Das ist, was ich anpeilen würde, ohne sagen zu können, dass ich das erfolgreich umsetze: Beziehung pflegen, das Kind gewinnen, aber auch schon Grenzen haben – diese aber in Liebe vermitteln.
Habe ich das richtig verstanden?
Ja, dazu haben wir ein paar Beispiele im Buch. Dort wird beschrieben, wie manche Kinder es geschätzt haben, dass ihre Eltern den Mut hatten, klare Grenzen zu setzen. So etwas wie ein Stoppschild aufzustellen: „Es ist mein Haus, es ist mein Geld, und ich habe zu verfügen, egal wie alt das Kind ist.“ Sobald das Kind aus dem Haus ist und auf eigenen Füßen steht, ist man nicht mehr zuständig. Aber bis dahin gelten die Regeln der Eltern.
Das ist kein Beinbruch. Was erwartet man denn? Zwei verschiedene Zimmer zum Schlafen? Man kann dem Kind auch in Liebe ein bisschen entgegenkommen und ihm etwas zutrauen.
Wir behandeln unsere Kinder oft zu sehr mit Samthandschuhen. Wenn er sich zum Beispiel drei Wochen lang nicht meldet, weil er sauer ist – so what? Trotzdem kann man an seinen Geburtstag denken und so weiter.
Ich denke, wir neigen dazu, uns zu viel schikanieren zu lassen – zu softy, softy. Und wie ich die Bibel lese, traut sie den Kindern ganz schön viel Verantwortung gegenüber den eigenen Eltern zu und fordert das auch ein.
Wie gesagt, für mich ist das jenseits von fromm oder nicht fromm einfach richtig. Die afrikanischen heidnischen Kulturen machen es da besser als wir. Dort gibt es einen riesigen Respekt vor dem grauen Haupt.
Das ist uns in unserer westlichen Kultur ein bisschen abhandengekommen. Es sind Fragen, bei denen es manchmal keinen einzigen richtigen Weg gibt, sondern jeder einfach seinen eigenen finden muss.
Warnzeichen und Umgang mit abwendenden Kindern
Nikola, ich habe hier noch ein paar Fragen, die ich dir gerne weitergeben möchte. Diese wurden uns im Vorfeld gestellt.
Wann, wie und woran hätten wir merken müssen, dass sich unser Kind langsam abwendet? Was hätten wir tun können, um das zu verhindern? Gibt es Warnzeichen?
Ja, das spürt man oft selbst. Es ist wichtig, immer wieder die Beziehung zu suchen und Fragen zu stellen, ohne übergriffig zu werden. Man kann es nicht erzwingen. Wir hatten dennoch die Regel, dass wir wissen müssen, mit wem das Kind unterwegs ist und wann es nach Hause kommt. Diese Struktur sollte aufrechterhalten werden, und man muss dazu stehen: „Mit wem bist du unterwegs?“ und „Um diese Zeit kommst du nach Hause.“ Auch Kontrollen, wo das Kind im Internet unterwegs ist, sind sinnvoll.
Bestimmte Dinge würde ich nicht aufgeben, wenn ich Teenager im Haus hätte, um zu wissen, wo sie sich im Internet bewegen und mit wem sie unterwegs sind. Es ist wichtig, gewisse Stoppschilder aufzustellen, auch wenn das Konflikte und Streit mit sich bringt – und das sehr früh im Leben.
Zum Beispiel beim Umgang mit Social Media sollten Regeln lange bevor die Zeit dafür kommt festgelegt werden. Ich fühle mit solchen Eltern, denn manchmal ist man hinterher, weil die Entwicklungen so rasant sind. Aber man sollte nicht händeringend oder selbstanklagend sein, sondern es einfach versuchen.
Die Frage nach den anderen Kindern kam auch auf. Es gibt Geschwister, die anders unterwegs sind, und das muss berücksichtigt werden. Wir hatten auch die Situation, dass wir plötzlich merkten, dass die anderen darunter leiden. Wir müssen auch für sie Schutz sein und nicht alles zulassen, nur in der Hoffnung, dass man ein Kind nicht vergrault. Das darf nicht auf Kosten der anderen gehen.
Dabei ist wiederum Beziehung wichtig: reden, mit den anderen in Kontakt bleiben und sich die Mühe nehmen, vielleicht andere Bezugspersonen einzubeziehen, die Rat geben können. Eine einfache Antwort darauf gibt es natürlich nicht.
Gut, danke dir.
Wie hätten wir merken können, dass unser Kind nicht gläubig ist, statt uns in falscher Sicherheit zu wiegen?
Das ist wahrscheinlich auch wieder eine Beziehungsfrage, im Gespräch bleiben. Es ist das Gleiche wie zuvor: nichts für selbstverständlich nehmen. Du hast am Anfang gesagt, man denkt, es sei ein Selbstläufer – ist es nie! Manche Kinder treffen eine Entscheidung für Jesus und sind dann plötzlich weg, lassen sich taufen und haben auf einmal einen ungläubigen Freund.
Alles, was wir bisher besprochen haben: Wenn es eine Lösung gibt, dann ist es, das zu tun, was man kann, um eine ganz feste, sichere, anziehende und gewinnende Kultur zu schaffen – eine grüne Weide als Hirte.
Wie reagiere ich, wenn mir ein Geschwisterteil vorwirft, ich sei durch meine christliche Erziehung total manipuliert und indoktriniert worden? Wie kann ich mit Liebe und Weisheit darauf antworten?
Wenn ein junger Mensch das sagt – er darf auch älter sein – und beide sind christlich erzogen worden, der eine im Glauben, der andere nicht, und der, der nicht gläubig ist, wirft dem anderen vor, er sei manipuliert worden: Diesen Vorwurf würde ich mir nicht anziehen.
Ich würde sagen: „Bist du nicht vielmehr manipuliert worden, weg vom Glauben? Wer ist hier manipuliert worden?“ Da würde ich mich schon etwas wehren. Mir wird oft vorgeworfen, ich sei gehirngewaschen, genauso wie meine Schwestern, weil wir sehr fromm aufgewachsen sind.
Meine Antwort ist dann immer: „Ja, ich bin Schriftstellerin, Referentin und Lehrerin, meine Schwester ist Top-Ärztin und die andere Schwester ist Dozentin. Kann es sein, dass wir alle nur manipuliert wurden?“ Ich würde sagen: Im Gegenteil, der christliche Glaube gibt mir ein Fundament, auf dem ich das Leben prüfen kann.
Christen waren immer Menschen mit herausragenden Leistungen, in Reformen und gesellschaftlich engagiert. Mit diesen Argumenten, falls die Gegenperson offen ist, würde ich mich stark wehren. Ich würde sagen: „Ich bin nicht die Manipulierte, die Manipulation ist woanders.“ Jeder wird von jemandem geprägt – die Frage ist nur, von wem.
Jemand hat hier gefragt: Wie kann ich für meinen erwachsenen Bruder ein Zeugnis sein und ihn zum Nachdenken anregen, ohne ihn zu überfordern, zu bedrängen oder ihn womöglich noch weiter vom Glauben wegzubringen?
Ihr seid die Alltagsmissionare. Aber gerade in der persönlichen Herausforderung – man kennt sich ja – gilt: Der Prophet gilt nichts in seiner eigenen Stadt. Wie mache ich das? Lege ich dann nur Wert auf eine liebevolle, respektvolle Beziehung und sage gar nichts über meinen Glauben? Und warte, bis ich gefragt werde?
Deshalb sage ich: Alltagsmission bedeutet, im Alltag immer wieder die Beziehung zu pflegen und dann die Möglichkeiten abzuwarten. Es ist toll, niederschwellige Angebote in der Gemeinde zu haben, zu denen man jeden einladen kann – zum Beispiel ein Konzert, Musikveranstaltungen oder ein Geburtstagsfest, bei dem attraktive, gläubige Leute dabei sind und sich alles mischt.
Dafür holen wir immer wieder Tipps aus eurer Arbeit, wie man zusammenkommen kann, ohne dass es unnatürlich oder komisch wirkt, und wie man die persönliche Beziehung warm hält. Dann schaut man, ob es Möglichkeiten gibt, ohne dass er sich missioniert oder bedrängt fühlt. So entstehen natürliche Umstände, bei denen nette Leute zusammenkommen und der Glaube nicht die primäre Sache ist.
Also mit den eigenen leiblichen Geschwistern ist es nicht anders als mit anderen Menschen. Die leiblichen Geschwister sind genauso unterschiedlich. Man versucht sie zu gewinnen wie einen Kumpel bei der Arbeit – mit einer natürlichen, fröhlichen Leichtigkeit. Niemand will angepredigt oder missioniert werden.
Durch eure Liebe werden sie wissen, dass ihr meine Jünger seid. Dadurch, dass ihr einfach attraktive Menschen seid – und daran kann man arbeiten.
Gestern Abend in unserem Ehehauskreis sagte jemand, er habe von jemandem aus unserer Gemeinde gehört, der 29 Jahre für seine Tochter gebetet hat, und sie ist endlich zum Glauben gekommen.
Wie bewahrt man als Eltern die Hoffnung, auch wenn nach so vielen Jahren kein sichtbarer Fortschritt da ist?
Wie gesagt, ständig besessen damit zu sein und sich Vorwürfe zu machen, ist nicht der Weg. „Get on with your life“ – mach weiter mit deinem Leben. Es gibt auch andere Elemente in deinem Leben. Manchmal muss man das ein bisschen ablegen, damit man nicht verrückt wird. Und dann abwarten.
Wir haben auch eine Freundin, deren Tochter nach vielen Jahren zum Glauben kam und sich taufen ließ – einfach so.
Diesen Teil musst du Gott überlassen und auch auf gesunde Weise loslassen. Ab einem bestimmten Zeitpunkt relativiert die Bibel das ein wenig. Es gibt eine emotionale Ausstiegsklausel für gebrochene Herzen in Familien, vor allem für die Mütter.
Deine leibliche Familie ist Plan A und hat ihren Platz. Aber es gibt auch die größere Familie. Was hat Jesus gesagt? „Deine Mutter und Brüder suchen dich.“ Wer sind denn meine Mutter und Brüder? Es sind die, die den Willen Gottes tun.
Genau, sie sind frei. Und dann kommen diese Frauen, die gesegnet sind, die Brüste, an denen du gesaugt hast – also der sentimentale Ausguss und die Gebärmutter, die dich getragen hat. Jesus reagiert ziemlich heftig und sagt: „Selig ist der Leib, der dich getragen hat, selig sind die, die Gottes Wort hören und bewahren.“
Er definiert Familie etwas um und gibt einen breiteren Rahmen. Ich glaube, das ist der Trost, Christian.
Mordecai und Esther – sie war nicht seine natürliche Tochter, sondern eine geschenkte Familie. Er setzt die Einsamen in Familien.
Und das gilt auch: Wenn meine Mutter und mein Vater mich im Stich lassen, wenn meine Kinder mich im Stich lassen, dann greift Gott mich auf. Ich sitze da mit leeren Händen und frage mich, was ich falsch gemacht habe. Aber Gott nimmt mich an.
Ich denke, das ist ein immenser Trost. Jesus hat am Kreuz seine Mutter Johannes anvertraut, nicht ihren eigenen Kindern. Interessant – er war irgendwie enger verbunden mit Johannes. Wenn das kein Trost ist!
Das war für mich wichtig in Zeiten, in denen ich dachte, es gibt andere Jugendliche, mit denen ich mehr gemeinsam habe als mit meinen eigenen Kindern. Es gab immer wieder Phasen, in denen ich mir eine engere Beziehung zu meinem Kind gewünscht habe.
Auch in der Bibel gibt es das Phänomen der breiteren Familie. Es gibt solche Phasen, und das ist nicht verwerflich. Du darfst diese breitere Familie auch als deine Familie annehmen.
Das ist wiederum eine gute Nachricht für Singles, Witwen und Witwer sowie für gebrochene Familien, von denen es immer mehr gibt. Der Herr hat eine Familie für uns.
Je mehr wir uns in seiner Familie zu Hause fühlen, desto größer ist die Chance, dass die leibliche Familie, an der wir natürlich hängen – welche Eltern würden nicht alles geben, um ihr Kind wieder an sich zu drücken, das ihnen den Rücken gekehrt hat –, wieder näherkommt.
Gott hat vorgesorgt. Das ist immer mein Wort an Frauen, die ihre Enkelkinder nicht sehen dürfen oder wo totale Entfremdung passiert ist und die nur sitzen und weinen: Der Herr hat für dich eine Familie irgendwo.
Finde andere Kinder, um die du dich kümmern kannst, oder schenke dein Leben anderen. Es hängt nicht alles nur an den Blutsbändern.
Wow, schön, das war ein richtig schönes Schlusswort.
Persönliche Herausforderungen und Ermutigung
Was ist deine größte Herausforderung bei dem Thema, Nicola?
Beim Thema Kinder und Kindererziehung ist es für mich, dass ich alles richtig machen will. Ich will es so recht machen und oft halte ich zu fest daran. Innerlich kann ich nicht loslassen – und das muss ich lernen. Ein Kind ist gerade für sechs Monate ins Ausland gezogen, und das fällt mir sehr schwer. Zwei meiner Kinder leben im Ausland, und das belastet mich. Da muss ich jetzt wirklich umsetzen, was ich die ganze Zeit sage.
Ich habe meine Aufgabe vom Herrn, die Kinder sind aus dem Haus, und ich denke viel mehr an sie, als sie an mich denken. Das fällt mir schwer. Aber es ist normal, sie sind beschäftigt mit ihren kleinen Kindern und den Herausforderungen ihres Lebens. Ich sitze hier in einem leeren Haus. Ich glaube, das ist eine schwierige Zeit.
Das nennt man Emptiness Syndrome. Ich dachte, mich würde das nie treffen. Ich hatte ja immer andere Standbeine im Leben. Das hatte ich immer und ich würde auch empfehlen, wirklich andere Quellen für Freude und Sinn im Leben zu haben und nicht nur alles um die Kinder kreisen zu lassen. Sonst wird es später schwer, wenn sie dich nicht mehr so brauchen. Dass sie mich nicht mehr so brauchen, das fällt mir schon schwer.
Das steht uns noch ein bisschen bevor. Zwei Kinder sind schon aus dem Haus, kommen aber immer wieder zurück, weil sie noch nicht verheiratet sind. Zwei sind noch zu Hause.
Nicola, letzte Frage: Welchen Tipp hast du zum Thema Alltagsmission in der eigenen Familie für unsere Hörer, den man sofort umsetzen kann?
Alltagsmission in der Familie? Authentisch sein. Die Familie merkt, wer du wirklich bist und wie echt das alles ist. Da bist du am meisten herausgefordert – in der Familie, in der Ehe und bei den Kindern. Da kannst du keine Show abziehen, kein Sonntagsgesicht aufsetzen. Sie merken deine Launen, wenn du müde bist, wenn du keine Lust hast oder fix und fertig bist. Sie sehen deine Tränen – und das ist gut so.
Authentisch und demütig leben, Fehler zugeben – das ist wichtig. Unser Christsein ist keine Show, kein „Ich habe mich im Griff“. Christsein heißt: Ich bin gerettet, unverdient, begnadigt. Ich bin ein Bettler, der eine Quelle von Essen gefunden hat – mehr als das! Ich wachse nie darüber hinaus. Ich bleibe ein „sinner saved by grace“, genauso wie meine Kinder Sünder sind, die durch Gnade gerettet sind.
Das darf mich demütig machen, ehrlich sein lassen und schnell entschuldigen, wenn ich daneben war. Es ist ein Ringen um eine große Leichtigkeit im Glauben: Ich darf Fehler haben, mich entschuldigen und mein Bestes geben. Viel Humor hilft dabei. Finde alles lustig, lach über dich selbst – ganz besonders zuerst über dich selbst. Sei ehrlich.
Ich denke, so in etwa würde ich versuchen, mein Christsein zu leben, wenn ich noch Kinder zu Hause hätte. Wir sind einfach begnadigte Sünder und bleiben das. Je mehr wir das erkennen, desto schneller entschuldigen wir uns, demütigen uns und dienen anderen, um sie glücklich zu machen.
Nicola, vielen herzlichen Dank. Das war sehr wertvoll und hilfreich für mich, auch ermutigend. Danke dir für deine Zeit hier.
Ich hoffe es genau. Ich wünsche mir, es gäbe leichte Antworten auf alles. Aber vielleicht ist die Antwort, dass es die nicht gibt und wir uns darin entspannen können. Wir freuen uns über Jesus, bleiben an ihm hängen, in Dankbarkeit und Liebe für das, was er für uns getan hat. Das Kreuz Jesu bleibt die Lösung und die Mitte – auch in all diesen unbeantworteten Fragen und Spannungen.
Gut, ihr Lieben, vielen herzlichen Dank fürs Zuschauen und Zuhören. Ich sage an dieser Stelle vielen Dank und Tschüss bis zum nächsten Mal.
Tschüss, Nicola.
Tschüss von mir auch.