Gott wird Mensch: Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter, Weg, Wahrheit und Leben ist.
Episode 641: Der reiche Jüngling, Teil sieben
Die Herausforderung des ewigen Lebens
Jesus wird gefragt, was man tun muss, um ewiges Leben zu bekommen. Seine Antwort ist klar: Folge mir nach. Ewiges Leben gibt es nur für die wahren Jünger Jesu. Nicht für die Scheinheiligen, nicht für diejenigen, die einen Deal mit Gott machen wollen, nicht für die Gutmenschen und erst recht nicht für die Habgierigen und die Götzendiener.
Der Preis für das ewige Leben ist mein eigenes Leben. Oder um es mit den Worten eines anderen Gleichnisses zu sagen: Wenn ich die sehr kostbare Perle, also das ewige Leben, gefunden habe, dann muss ich bereit sein, alles zu verkaufen.
Ewiges Leben ist für die, die Gott selbst zu ihrem größten Schatz machen. Alles, was mich davon abhält, mit aller Leidenschaft und Hingabe Jesus nachzufolgen, muss weg.
Ich vergleiche Bekehrung gern mit einer Ehe. Ich bin ein guter Ehemann, wenn ich alles daran setze, exklusiv an meiner Frau zu hängen. Damit ich das tun kann, muss ich mich komplett von allen anderen interessanten Frauen fernhalten. So kann ich mich mit aller Kraft und Leidenschaft in die Liebe zu meiner Frau investieren. Das macht mich zu einem guten Ehemann.
Im Blick auf Gott gilt dasselbe: Alles muss weg, was sich zwischen mich und Gott stellen will.
Die Unfähigkeit des Reichen Jünglings
Der reiche Jüngling, der zu Jesus kommt, ist leider nicht bereit dazu. Deshalb nutzt Jesus ihn nun für eine Gegenstandslektion.
Das Problem betrifft nämlich nicht nur diesen einen Obersten, sondern alle reichen Menschen.
Matthäus 19,24: "Wiederum aber sage ich euch: Es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr geht, als dass ein Reicher in das Reich Gottes hineinkommt."
Ein kleiner Hinweis: Diese Stelle zeigt vielleicht am besten, dass die Begriffe Reich der Himmel und Reich Gottes völlig identisch sind. Innerhalb dieses Gesprächs werden beide Begriffe als Synonyme verwendet.
Kehren wir nun zurück zu dem Bild vom Kamel und dem Nadelöhr.
Die Bedeutung des Bildes vom Kamel und Nadelöhr
Lukas 18,25: Denn es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr geht, als dass ein Reicher in das Reich Gottes hineinkommt.
Jesus hatte bereits gesagt, dass es für einen Reichen schwer ist, ins Reich Gottes zu gelangen. Nun wird deutlich, wie schwer es tatsächlich ist. Es erscheint sogar unmöglich.
Dieser Vergleich muss für alle Zuhörer ein Schock gewesen sein – und er ist es bis heute irgendwie noch. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass Kommentatoren immer wieder versuchen, die Worte Jesu zu entschärfen.
Der bekannteste Versuch sieht ungefähr so aus: Mit dem Nadelöhr sei gar kein Nadelöhr im eigentlichen Sinn gemeint, sondern ein kleines Stadttor in Jerusalem. Dieses Tor besaß wegen seiner Größe den Spitznamen „Nadelöhr-Tor“. Ein Kamel konnte dieses Tor nur passieren, wenn es von seinem Gepäck befreit wurde und dann auf den Knien hindurchkriechen musste.
Überträgt man dieses Bild, ist der Reiche das Kamel. Er muss zuerst allen Ballast ablegen und dann in aller Demut auf den Knien ins Reich Gottes hineingehen.
Ein netter Versuch.
Kritik an der Entschärfung des Vergleichs
Abgesehen davon, dass Jesus hier einen Vergleich anstellt, der nicht die Reichen und ihren Eintritt ins Himmelreich beschreibt, sondern ausdrücken soll, wie unmöglich es für einen Reichen ist, gerettet zu werden, gibt es ein anderes Problem mit dieser Auslegung.
Wir haben keine verlässlichen Quellen dafür, dass es in Jerusalem tatsächlich ein Nadelöhrtor gab. Von diesem vermeintlichen Minitor hört man das erste Mal im elften Jahrhundert in einem Kommentar von Theophylakt von Urid. Bis dahin weiß niemand etwas von diesem Stadttor.
Hinzu kommt, dass in Markus 10,25 und Lukas 18,25 unterschiedliche Worte für „Nadel“ verwendet werden. Das passt jedoch nicht, wenn es sich hier um den allgemein bekannten Namen eines Jerusalemer Stadttores handeln soll.
Ich hoffe, es wird deutlich, was ich sagen möchte: Wer das Brandenburger Tor meint, nennt es immer genau so und nicht anders.
Weitere Versuche der Interpretation
Ein anderer Versuch, den Vers zu entschärfen, orientiert sich an einigen späten Bibelmanuskripten. Diese enthalten statt „Kamelos“ (Kamel) das Wort „Kamilos“ (Seil oder Tau).
Man kann davon ausgehen, dass die frühen und damit älteren Bibelmanuskripte, die „Kamelos“ also Kamel, enthalten, den ursprünglichen Text am besten bewahrt haben.
Zudem macht es kaum einen Unterschied, ob man ein Kamel oder ein dickes Tau durch ein Nadelöhr fädeln will – beides ist unmöglich.
Die rabbinische Tradition und die Übertreibung Jesu
Ich glaube, dass Jesus hier meint, was er sagt – umso mehr, als es im Talmud rabbinische Parallelen von einem Elefanten und einem Nadelöhr gibt. Während der Elefant in Mesopotamien, wo der babylonische Talmud zusammengestellt wurde, das größte Landtier darstellt, ist das in Israel zur Zeit Jesu das Kamel. Das Nadelöhr war hingegen die kleinste Öffnung.
Wenn Jesus hier also formuliert, es sei leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr geht, als dass ein Reicher in das Reich Gottes hineinkommt, dann kontrastiert er in schönster rabbinischer Tradition das größte Tier mit der kleinsten Öffnung. Die Idee, dass sich ein Kamel durch ein Nadelöhr zwängt, ist dabei gleichzeitig humorvoll und absurd.
Achtung: Natürlich haben wir es hier auch mit einer Übertreibung zu tun. Jesus übertreibt, um zu provozieren – und es gelingt ihm. In Lukas 18,26 heißt es: „Es sprachen aber die, die es hörten: Wer kann dann errettet werden?“ Jesus übertreibt. Aber gleichzeitig ist das, was Jesus hier sagt, auch keine Übertreibung. Denn wir lesen dann in Lukas 18,27: „Er aber sprach: Was bei Menschen unmöglich ist, ist möglich bei Gott.“
So ergibt alles einen Sinn. Für die Juden war jeder Reiche ein von Gott Gesegneter. Und wenn der dann noch seinen Reichtum benutzte, um gute Werke zu tun, dann war die Sache klar: So jemand kommt ganz sicher ins Reich Gottes. Wenn der nicht, wer kann dann errettet werden? Wenn diejenigen, die sich viele Almosen und gute Werke erlauben konnten, keine Chance auf das ewige Leben hatten, wer dann?
Die Antwort lautet: Was bei den Menschen unmöglich ist, ist möglich bei Gott. Gott hat nicht nur ein Herz für die Armen, die Witwen und die Waisen. Er hat auch ein Herz für die Reichen, die auf ihre Weise ja noch ärmer dran sind als alle anderen. Deshalb macht Gott das möglich, was beim Menschen eigentlich unmöglich ist.
Wie er das tut, sehen wir bei dem reichen Jüngling. Er beschenkt ihn mit der Wahrheit, beschenkt ihn mit Liebe, lädt ihn ein und ist für ihn da. Zachäus, der Oberzöllner, von dem wir noch lesen werden, lässt sich auf Jesus ein. Der junge Oberste hingegen, der die verheißungsvolle Frage nach dem ewigen Leben stellt, tut das leider nicht.
Was könntest du jetzt tun? Formuliere für dich noch einmal mit eigenen Worten, was ein Reicher tun muss, um gerettet zu werden.
Das war’s für heute. Lerne Lukas 18,25-27 auswendig. Schreibe die drei Verse auf zwei Zettel, die du an strategischen Plätzen deponierst.
Der Herr segne dich, erfahre seine Gnade und lebe in seinem Frieden. Amen.
Gottes Herz für alle Menschen
Gott hat nicht nur ein Herz für die Armen, die Witwen und die Waisen. Er hat auch ein Herz für die Reichen, die auf ihre Weise oft noch ärmer sind als alle anderen.
Deshalb macht Gott das möglich, was für den Menschen eigentlich unmöglich ist. Wie er das tut, sehen wir am Beispiel des reichen Jünglings. Gott beschenkt ihn mit der Wahrheit, beschenkt ihn mit Liebe, lädt ihn ein und ist für ihn da.
Zacchaeus, der Oberzöllner, von dem wir später noch lesen werden, lässt sich auf Jesus ein. Der junge Oberste hingegen, der die verheißungsvolle Frage nach dem ewigen Leben stellt, tut das leider nicht.
Persönliche Reflexion und Abschluss
Was könntest du jetzt tun? Formuliere für dich noch einmal mit eigenen Worten, was ein Reicher tun muss, um gerettet zu werden.
Das war's für heute. Lerne Lukas 18,25-27 auswendig. Schreibe die drei Verse auf zwei Zettel und lege sie an strategischen Stellen ab.
Der Herr segne dich, erfahre seine Gnade und lebe in seinem Frieden. Amen.
