
Wie kann ich mir sicher sein, was richtig und falsch ist? (3/10)
Wie kann ich mir sicher sein, was richtig und falsch ist?
Von Chris Morphew
Theologie, die dich im Glauben wachsen lässt, Nachfolge praktisch
Dein geistlicher Impuls für den Tag
Mein Name ist Jürgen Fischer, und ich habe Urlaub. Deshalb diese exklusive Lesung.
Kapitel drei
Wie kann ich mir sicher sein, was richtig und falsch ist? Von Chris Morphew Theologie, die dich im Glauben wachsen lässt, nachfolge praktisch Dein geistlicher Impuls für den Tag Mein Name ist Jürgen Fischer und ich habe Urlaub, deshalb diese exklusive Lesung. Kapitel drei
Der erste Versuch: Gemeinsam eine Moral finden
Können wir nicht einfach gemeinsam festlegen, was richtig und falsch ist? Okay.
Die Einigung darauf, die Meinung anderer stehen zu lassen, hat uns also nicht weitergebracht. Wir können nicht selbst entscheiden, was richtig und falsch ist. Wir brauchen eine andere logische Option.
Was wäre, wenn wir gemeinsam unsere Moralität festlegen? Eine Welt, in der jeder immer das macht, was er will, wird zwangsläufig aus den Fugen geraten. Doch was passiert, wenn wir zusammenarbeiten und zu einer Art Gruppenentscheidung darüber gelangen, was richtig und falsch ist?
Natürlich wird das nicht einfach sein, denn, wie ich schon sagte, die Welt ist voller unterschiedlicher Menschen mit unterschiedlichen Meinungen zu diesem Thema. Aber ist es möglich? Können wir uns nicht alle an einen Tisch setzen und ein System austüfteln, dem zumindest die meisten Menschen zustimmen?
Der trügerische Maßstab des gesunden Menschenverstands
Nehmen wir noch einmal den Gedanken meines Freundes aus Kapitel 1 auf, dass richtig und falsch ausschließlich auf dem gesunden Menschenverstand beruhen. Wir alle haben demnach im Innern ein Empfinden dafür, was gut und böse ist.
Ich habe bereits erklärt, dass ich glaube, dass das reale Leben für eine solche Herangehensweise zu kompliziert ist. Dennoch möchte ich diese Idee nicht völlig verwerfen. Ich glaube nämlich, dass wir eine Art inneren Radar für richtig und falsch haben. Das wirft die Frage auf: Woher kommt dieses tiefe Gefühl? Aber dazu später mehr.
Ich glaube allerdings auch, dass unsere Fähigkeit zur Unterscheidung von richtig und falsch zutiefst gestört ist, wie ein kaputter Kompass, der nicht mehr nach Norden zeigt. Das bedeutet, dass der gesunde Menschenverstand zwar hilfreich ist, aber nicht ausreicht. Das lässt sich an der folgenden Beobachtung erkennen.
Wenn man sich in der Weltgeschichte umsieht, findet man viele Ideen, Überzeugungen und Haltungen, die früher als gesunder Menschenverstand galten, die uns heute aber absolut barbarisch erscheinen. Dass man ungewollte Babys aussetzte, wie im letzten Kapitel beschrieben, ist ein offensichtliches Beispiel dafür. Doch wir müssen nicht unbedingt bis ins antike Rom zurückgehen. Denn noch vor nicht allzu langer Zeit besagte der gesunde Menschenverstand, dass Frauen kein Wahlrecht ausüben sollten.
Auch ist es noch nicht so lange her, dass der gesunde Menschenverstand es Menschen erlaubte, andere Menschen als Sklaven zu halten. Das war einfach so, und die meisten Menschen, jedenfalls die meisten derjenigen, die das Sagen hatten, stellten es nicht in Frage. Gut, dass wir jetzt klüger sind, oder?
Die meisten von uns blicken auf diese früheren Verhältnisse zurück und sind entsetzt, obwohl wir uns in manchen Dingen nicht wirklich anders verhalten und ähnliches Leid verursachen. Doch ich gehe davon aus, dass du wie ich auf solche Geschehnisse zurückblickst und dich fragst: Wie um alles in der Welt konnte man das nur gut finden?
Ich habe einmal gehört, wie der amerikanische Pastor Timothy Keller etwas Interessantes dazu zu denken gab. Wenn wir zurückblicken und uns über die verkorksten Moralvorstellungen wundern, die unsere Urgroßeltern für gesunden Menschenverstand hielten, wenn wir auf die Vergangenheit sehen und feststellen können, wie sehr sie sich geirrt haben, was macht uns dann so sicher, dass unsere Enkel und Urenkel in einhundert Jahren nicht auf uns zurückblicken und sich über unsere Ansichten über richtig und falsch wundern werden?
Auf welche Meinungen, die wir als gesunden Menschenverstand einstufen, werden künftige Generationen mit Entsetzen zurückblicken und sich fragen: Wie um alles in der Welt konnten die das richtig finden?
Wenn wir also vom gesunden Menschenverstand sprechen, meinen wir das, was für die meisten Menschen in unserer Kultur und in diesem Moment als selbstverständlich gilt. Aber wenn schon der gesunde Menschenverstand unserer Urgroßeltern sie bei einer Reihe von Dingen im Stich gelassen hat, die uns heute als selbstverständlich erscheinen, was macht uns dann so sicher, dass unser gesunder Menschenverstand so viel besser ist?
Wenn Mehrheiten nicht Wahrheit schaffen
Wenn die beste Option dennoch in einer gemeinsamen Entscheidung über Richtig und Falsch besteht, müssten wir doch irgendwie zu einer Lösung kommen, oder? Vielleicht werden künftige Generationen auf uns zurückblicken und uns darauf hinweisen, was wir ihrer Meinung nach alles falsch gemacht haben. Aber sollten wir es nicht wenigstens versuchen?
Vielleicht siehst du all diese verkorksten Ideen aus der Vergangenheit und schließt daraus: Nun, das beweist zumindest, dass die Dinge mit der Zeit besser werden. Doch ich denke, dahinter steht eine noch grundlegendere Frage. Was meinen wir überhaupt mit besser? Wer darf entscheiden, was besser und was schlechter ist?
Nehmen wir an, du triffst jemanden, der allen Menschen Recht gibt, die in der Vergangenheit die Sklaverei für gut und richtig hielten. Deshalb entführt er selbst eine Reihe von Menschen und lässt sie in seiner Fabrik arbeiten. Er behauptet, sie seien sein Eigentum.
Du versuchst ihm das auszureden und erklärst, dass Sklaverei falsch sei. Doch er entgegnet: Da bin ich anderer Meinung, ich finde das in Ordnung. Du argumentierst, dass seine Sklaven wegen ihm unglücklich seien. Er fragt: Warum sollte ich sie auch nicht unglücklich machen? Schließlich macht es nicht mich unglücklich, im Gegenteil, mich macht es glücklich und reich.
Du führst an, dass sie als menschliche Wesen ein Recht darauf haben, glücklich und frei zu sein. Doch er widerspricht: Nein, haben sie nicht. Wer hat dir das erzählt? So etwas wie Menschenrechte gibt es nicht. Du erklärst ihm, dass jeder von Menschenrechten weiß. Er meint: Das ist nur die Meinung der anderen. Ich habe eine andere Meinung. Einigen wir uns darauf, dass jeder seine eigene Meinung haben darf.
Du beharrst darauf, dass es hier nicht um Meinungen geht. Sklaverei sei grundsätzlich falsch. Dein Gegenüber zuckt nur mit den Schultern und meint: Wer sagt das?
Wie reagierst du darauf? Hoffentlich verständigst du die Behörden und sorgst so dafür, dass er verhaftet und ins Gefängnis geworfen wird. Doch ihn zum Aufhören gezwungen zu haben, bedeutet nicht, dass du ihm das Gegenteil bewiesen hast. Ich hoffe, du stimmst mir zu, dass er falsch liegt.
Aber noch einmal: Was verstehen wir überhaupt unter „falsch“? Warum dürfen wir das entscheiden und nicht er?
Was folgt, wenn selbst die Welt abstimmt?
Gehen wir noch einen Schritt weiter. Stellen wir uns vor, es ginge nicht nur um diesen einen Mann. Nehmen wir an, dass sich der gesellschaftliche Konsens über Sklaverei ändert. Was passiert, wenn die Menschen immer mehr zu der Überzeugung kommen, dass die Sklaverei doch keine so schlechte Idee sei?
Die globale Stimmung kippt. Immer mehr Menschen beschließen, dass sie gern ein paar Sklaven besitzen wollen. Schließlich beschließt die Welt, darüber abzustimmen. Sollen wir die Sklaverei aus der Kategorie Böse in die Kategorie Gut verschieben? Die Wahl ist entschieden, und das Ergebnis ist eindeutig. Die Menschen auf der ganzen Welt haben sich mit überwältigender Mehrheit dafür ausgesprochen, dass die Sklaverei fortan etwas Gutes ist.
Das mag ein lächerliches Szenario sein, aber schalte bitte nicht ab, denn hier kommt die entscheidende Frage. Wenn die ganze Welt die Sklaverei für gut erklärt, wird sie dadurch tatsächlich gut sein?
Bevor du diese Frage beantwortest, lass uns darüber nachdenken, was jede Antwort bedeutet. Wenn wir mit „Ja“ antworten, erniedrigen wir „richtig“ und „falsch“ zu bloßen Meinungen und halten sie für frei erfunden. Nach dem Motto: Mord, Vorurteile und Sklaverei mögen heute falsch sein, aber wir können sie morgen richtig machen, indem wir unsere Meinung darüber ändern.
Doch wie ich schon gesagt habe, glaube ich nicht, dass irgendjemand daran glaubt. Selbst wenn man richtig und falsch als menschliche Erfindungen einstuft, lebt man trotzdem so, als ob sie mehr als das wären. Auch wenn die Menschheit die Sklaverei wieder in die Kategorie „gut“ einstufen würde, würden diese Menschen sie wohl weiterhin für genauso falsch halten, wie du das tust.
Die Frage nach dem Ursprung von Gut und Böse
Wenn wir hingegen mit „Nein“ antworten, wenn wir also zustimmen, dass wir Mord, Sklaverei oder Vorurteile nicht einfach durch eine neue Meinung über richtig und falsch gutheißen können, dass diese Dinge unabhängig von unserer Meinung schlicht falsch sind, dann führt uns das zu einer interessanten Frage.
Wenn die Kategorien richtig und falsch existieren, obwohl wir nicht über die Zuordnung einer Sache zu diesen Kategorien entscheiden können, auch nicht als Gruppe, woher kommen dann richtig und falsch? Mir scheint, wenn wir über richtig und falsch nicht entscheiden können, dann müssen wir sie herausfinden. Doch wie um alles in der Welt sollen wir das machen?
Das war’s für heute. Bitte bete für evangelistische Verteileinsätze, die rund um Ostern geschehen, dass Menschen berührt werden und verstehen, warum sie Jesus brauchen. Der Herr segne dich, erfahre seine Gnade und lebe in seinem Frieden. Amen.
Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!
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