27.07.2026
Serie•Teil 2 / 2SoBS 2026 1Kor 9
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Generierte Mitschrift
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Sommerbibelschule 2026
Sommerbibelschule zwanzig sechsundzwanzig
Ein neuer Blick auf Paulus und seine Motivation
Es geht weiter im ersten Korintherbrief: Theologie, die dich im Glauben wachsen lässt. Nachfolge praktisch – dein geistlicher Impuls für den Tag.
Mein Name ist Jürgen Fischer, und ich darf euch zwei Wochen lang die Predigten der Sommerbibelschule 2026 präsentieren.
Ihr merkt schon: Dem Paulus geht es hier gar nicht mehr um sich. Er redet schon gar nicht mehr über sich. Er hat angefangen mit seinen Privilegien und seiner Stellung, mit der Frage, wie krass dieser Paulus ist, und jetzt redet er nur noch über etwas anderes.
Denn die Begründung, die Paulus hier liefert, und die Begründungen gehen weit über diesen funktionalen Ansatz hinaus, auch über das hinaus, was mit dem Evangelium zu tun hat. Es wird das Herz und die Motivation sichtbar. Und es ist klar: Für Paulus ist es nicht nur ein Job, nicht einfach eine Aufgabe, die halt auch noch erledigt werden muss.
Vielleicht denkst du jetzt gerade, wenn du mich so reden hörst: Für mich ist Christsein oder auch das Evangelium predigen, im spezielleren Fall, manchmal auch nur so ein Job. Und dieses brennende Herz, wie Paulus es hat, habe ich überhaupt nicht.
Dann hör einfach noch zehn Minuten zu. Vielleicht kann ich dein Herz ein bisschen anzünden mit den Worten, die Paulus uns aufgeschrieben hat.
Paulus verzichtet nicht nur, weil es irgendwie sinnvoll, strategisch und klug ist, sondern weil er das Evangelium so sehr liebt. Und genau deshalb entfernt er alles, was diesem, seinem geliebten Evangelium im Weg stehen könnte.
Und jetzt könnte man sagen: Wow, das ist schon krass. Danke, Paulus, für dein Vorbild, es reicht, Anspruch hoch genug. Und jetzt setzt Paulus noch einen drauf.
Wir lesen die Verse 19 bis 22. Nehmen wir mal kurz einen Schluck Wasser.
Die Freiheit, die sich selbst zurücknimmt
Denn obwohl ich allen gegenüber frei bin, habe ich mich allen zum Sklaven gemacht, damit ich so viele wie möglich gewinne. Ich bin den Juden wie ein Jude geworden, damit ich Juden gewinne, denen, die unter Gesetz sind, wie einer unter Gesetz. Obwohl ich selbst nicht unter Gesetz bin, damit ich die, welche unter Gesetz sind, gewinne. Denen, die ohne Gesetz sind, wie einer ohne Gesetz, obwohl ich nicht ohne Gesetz vor Gott bin, sondern unter dem Gesetz Christi, damit ich die, welche ohne Gesetz sind, gewinne. Den Schwachen bin ich ein Schwacher geworden, damit ich die Schwachen gewinne. Ich bin allen alles geworden, damit ich auf alle Weise einige rette.
Ihr merkt schon: Es geht nicht mehr um Versorgung. Es geht ja längst nicht mehr ums Geld oder um Essen oder um den Schlafplatz. Hier geht es darum, dass Paulus sich sogar zum Sklaven seiner Arbeitgeber macht. Nicht nur, dass er keine Bezahlung erwartet, sondern er macht sich zum Sklaven aller Menschen. Und spätestens hier wird deutlich: Es ist keine Sache, die Paulus nur besonders in Korinth gemacht hat. Ja, auf Bezahlung verzichten wir schon irgendwie besonders, aber diese Lebenseinstellung, ich will mich allen zum Sklaven machen, um einige zu gewinnen, das war die grundlegende Überzeugung in seinem Leben. Ich will allen dienen, um alle für Christus gewinnen zu können. Nicht einmal in seiner Person, in der Person des Paulus, sollte etwas sein, was ein Hindernis zum Evangelium hin ist.
Und er spricht drei Zielgruppen an, denen er sich zum Sklaven macht. Erstens: die Juden unter Gesetz. Und er passt sich diesen Juden an, so weit wie irgendwie möglich. Paulus war geborener Jude und Pharisäer, ja, das wissen die meisten von euch. Pharisäer, das sind wirklich die, die 100 Prozent Juden, die Krassen, die alles wissen und vieles besser wissen. Wenn jemand wusste, wie jüdisch geht, dann war es Paulus. Wenn Paulus in die Synagoge ging, da gab es einen, der war 100 Prozent jüdisch, und das war Paulus. Und der Rest war vermutlich deutlich weniger in diesen ganzen Traditionen, Gesetzen und Gewohnheiten verhaftet. Der hat jede Handbewegung richtig gemacht, jeden Blick richtig gemacht. Der wusste, wann er zu einem Lied aufsteht und wann er sich hinsetzt. Paulus kannte alles dort auswendig, was gemacht wurde. Es gab in der Synagoge also keinen Menschen, der sich jüdischer verhalten hätte als Paulus.
Es gibt ein paar Belege dafür, zum Beispiel seinen Reisebegleiter Timotheus, der von Geburt an nicht Jude war, sondern von einem griechischen Vater abstammte und nicht beschnitten war. Den nimmt er mit, und um der Juden willen beschneidet er ihn, obwohl er an einer anderen Stelle, zum Beispiel im Galaterbrief, sagt, es ist gar nicht notwendig, jemanden, der Christ ist, zu beschneiden. Und trotzdem beschneidet er Timotheus um der Juden willen. Oder an einer anderen Stelle nimmt er Leute mit sich, macht mit ihnen zusammen Gelübde und geht dann nach Jerusalem und erfüllt diese ganzen Rituale, die mit diesem Gelübde zusammenhängen, mit diesem jüdischen Nasiräergelübde, einfach um zu zeigen: Ich passe mich euch an.
Und wenn ihr jetzt die ganzen Beispiele noch komisch fandet, vielleicht ein einfacheres Beispiel: Wenn Paulus einen Juden zu sich nach Hause zum Mittagessen einlud, dann gab es keinen Schweineschnitzel. Ja, das ist vielleicht ein bisschen eingängiger zu merken. Warum? Weil die Juden ihm dann gar nicht zugehört hätten. Die hätten nicht einmal sein Haus betreten, mit ihm Umgang gehabt oder mit ihm geredet. Und wenn Paulus gesagt hat, ich will die aber erreichen, deswegen lasse ich alles weg, was ihnen im Weg stehen könnte, um sie zu erreichen, damit wir reden können, damit sie mir zuhören, dann macht er diesen Einschub noch, ohne aber das Gesetz wieder als errettend aufzurichten. Paulus verhielt sich nur so, als ob das Gesetz für ihn volle Gültigkeit hätte, ohne aber deswegen seine Errettung vom Halten des Gesetzes abhängig zu machen. Denn sein Ziel war: Ich möchte einige von den Juden gewinnen.
Anpassung ohne Beliebigkeit
Und die zweite Gruppe, das sind Menschen ohne Gott, also die Heiden. Wie ein Heide ist er geworden, oder wie einer ohne Gesetz unter den Menschen ohne Gesetz. Er redete ihre Sprache, er nahm ihre Beispiele.
Ja, Paulus kannte das Alte Testament allerhöchstwahrscheinlich auswendig. Aber wenn er zu den Heiden gepredigt hat, dann hat er eben nicht von Mose, Elija und Samuel geredet. Stattdessen hat er irgendwelche Philosophen zitiert oder kulturelle Begebenheiten genutzt, die er entdeckt hat, zum Beispiel in Athen. Wer die Geschichte von euch kennt: Er hat sich den Leuten angepasst, er hat in ihrer Sprache geredet, in ihren Beispielen, in den Bildern, die sie verstanden haben. Er begab sich in ihre Welt und in ihr Umfeld, wo er sie treffen konnte.
Keine Ahnung, sicherlich war Paulus auch mal bei den Isthmischen Spielen gewesen, die in Korinth stattgefunden haben, einfach nur, um mitreden zu können und manche Vergleiche da auch vielleicht zu haben, um das Evangelium noch effektiver predigen zu können. Er verhielt sich so wie einer ohne Gesetz, ohne dass er deswegen beliebig wurde. Stattdessen galt für ihn das Gesetz Christi: Liebe Gott und liebe deinen Nächsten wie dich selbst.
Für ihn war klar: Es gibt eine oberste Priorität Jesu, und danach kommt direkt meine Liebe zu den Heiden. Und alles, was nicht die oberste Priorität verletzt, will ich tun, mit dem Ziel, einige zu erreichen.
Und jetzt, eigentlich schon fast am Ende unseres Textes, schlägt Paulus dann den Bogen aus Kapitel 8. Ich möchte den Schwachen mit Rücksicht begegnen, den Schwachen ein Schwacher werden. Paulus greift sie wieder auf, Paulus passt sich diesen Leuten an und nimmt Rücksicht auf die Schwachen, die körperlich Schwachen, auf die, die meinen, man müsse noch diese und jene Gesetze halten.
Ja, ihr habt die Beispiele heute Vormittag in eurer Begegnungszeit gehabt und sicherlich auch manche aktuellen Beispiele da gehabt. Muss ich, denke ich, nicht weiter erläutern. Und Paulus hat diese Leute ernst genommen. Er hat ihre Bedenken ernst genommen. Er hat sich nicht hingestellt und gesagt: Ja, das sind die Schwachen, die belächeln wir mal ein bisschen, die setzen wir doch vorne in die erste Reihe. Und die werden ein bisschen bespaßt, und dann wird das schon ganz okay sein.
Sondern er hat sie ernst genommen, er hat Rücksicht genommen, er hat sie nicht als unwissend und dumm dargestellt, wieder mit dem Ziel, um sie zu gewinnen und diesen Schwachen die Freiheit des Evangeliums zu zeigen. Hey, du musst nicht mehr über Götzenopferfleisch nachdenken, du musst nicht mehr über irgendwelche besonderen Feiertage nachdenken, sondern es gibt einen, der hat dich in Freiheit berufen.
Paulus will allen dienen, so wie sie es brauchen, um einige zu gewinnen.
Eine vierte Gruppe und die Frage nach dem eigenen Ruf
Uns könnte man noch eine vierte Gruppe hinzufügen, die in diesem Text steckt. Wenn es bei den Korinthern ein Problem ist, dass er von ihnen Geld nimmt, weil es das Evangelium behindern würde, dann wird Paulus den Korinthern ein Korinther und arbeitet lieber die Nacht durch, als mit dem Geldannehmen einen Hinderungsgrund für das Evangelium darzustellen.
Und vielleicht ist auch das der Grund, warum er in Vers 3 so eine Andeutung macht, dass Leute ihn zur Rechenschaft ziehen. Er war den Korinthern ein bisschen suspekt. Wie jetzt, der nimmt kein Geld? Boah, dann kann der erzählen, was er will. Dann ist der völlig frei. Der trifft sich auch mit Leuten, die nicht zu uns gehören. Der passt sich auch noch den Leuten an.
Ja, irgendwie: Wenn er mit Juden in Kontakt ist, dann redet er ganz anders, und mit Heiden dann wieder anders. Und wenn er irgendwelche Leute auf dem Forum trifft und mit denen anfängt zu diskutieren, dann hat er auf einmal übelste Philosophenparaten, die er da zitiert und irgendwas erklärt. Das ist uns ein bisschen suspekt. Und ich sage so: Boah, vielleicht ist der Paulus ja auch ein ganz schräger Vogel. Auch den müssen wir im Auge haben. Weil sie ihn einfach nicht greifen konnten.
Der eigentliche Antrieb hinter dem Einsatz
Wir kommen jetzt noch zum Höhepunkt des Kapitels, und es ist meine absolute Lieblingsverse, die hier drinstecken. Du hast dich vielleicht schon gefragt: Was hat diese Predigt denn mit mir zu tun? Du hast dich hoffentlich schon gefragt: Was hat die Predigt denn mit mir zu tun?
Ja, wie viel Gutes. Vielleicht hast du jetzt den Text auch ein bisschen besser verstanden, das hoffe ich zumindest. Aber wenn du diesen Maßstab, den Paulus hier ansetzt, und der ist ja wirklich gigantisch, auf dein Leben münzt, dann verstehe ich, wenn du sagst: Da habe ich keinen Bock drauf. Das ist mir zu viel Stress.
Ja, ich habe keine Ahnung, ich habe Schulabschluss zu machen, meine Ausbildung sitzt mir im Nacken, wenn der da vorne wüsste oder wenn Paulus es geschrieben hat wüsste, wie mein Kontostand aussieht und meine gesundheitliche Situation und die Kindererziehung ist auch nicht gerade das, was ich mir vorgestellt habe. Und jetzt kommt dieser Text um die Ecke, es ist schon die dritte Predigt, und ich bin echt voll, es reicht mir eigentlich. Kann ich nach Hause fahren? Das reicht für das nächste halbe Jahr, um daran noch genug zu verzweifeln. Ich habe da keinen Bock drauf.
Und wenn ich jetzt das noch mache, was Paulus hier sagt, nicht zum Sklaven aller zu machen, dann bin ich doch der Fußabtreter. Wenn ich die schwachen Leute in der Gemeinde ernst nehme, dann bin ich doch der Letzte. Dann nutzen die das doch aus.
Und vielleicht war es auch schon dein Gedanke heute früh beim Kapitel acht. Ist ja diese Diktatur der Schwachen. Da gab es einen tollen kleinen Kasten im Heft, den fand ich richtig cool: die Diktatur der Schwachen. Dann bin ich ja der Letzte.
Und jetzt schauen wir uns noch mal die Begründung an, die Paulus jetzt bringt, warum er sich das alles antut. Und wenn ihr bisher ein bisschen abgedriftet wart, es war vielleicht zu theoretisch oder irgendwas, dann bitte ich euch jetzt: drei Minuten zuzuhören, drei Minuten eurer Zeit. Ich denke, das reicht.
Denn Paulus macht seine Motivation deutlich im Vers 23. Paulus sagt: Ich tue alles, um Anteil am Evangelium zu haben. Einen ganzen Riesenberg an Aufgaben tut er sich an, um Anteil am Evangelium zu haben. Und es klingt erstmal komisch: Anteil haben. Woran denn jetzt genau?
Am Evangelium Anteil zu haben heißt nicht nur, ich glaube es, sondern am Evangelium Anteil zu haben heißt, ich lebe mittendrin. Es ist nicht nur eine Theorie, es ist die Praxis. Das Evangelium ist nicht nur eine Botschaft für mich, sondern es ist Realität. Es ist nicht das, was ich Sonntagmorgen nur höre, sondern das, was ich die ganze Woche erlebe.
Es ist eine Realität, in der Schuld wirklich vergeben ist. Es ist eine Realität, in der ein mächtiger Gott, ein Gott, der die Welt mit seinen Worten geschaffen hat, mein liebender Vater ist. Nicht nur hier, sondern hier. Es ist eine Realität, in der ich nicht mehr leisten muss, um angenommen zu werden. Wo ich nicht am Ende des Tages meine To-do-Liste anschaue und denke: Mist, wieder versagt. Wo ich mir nicht das Verhalten meiner Kinder angucke und sage: schlimmere Wörter.
Es ist eine Realität, in der Gott mir nicht fern ist, sondern ganz nah bei mir. In der mein Leben ein Ziel hat, das über alles hinausgeht, was ich mir selbst bauen könnte. Und Paulus sagt: Ich will davon nicht nur hören, ich will davon nicht nur erzählen, sondern ich will das erleben. Ich will sehen, wie dieses Evangelium Leben verändert. Ich will sehen, ich will Teil davon sein, wie Menschen zum Glauben kommen. Ich will drinstehen, nicht nur daneben, wenn dieses Evangelium Wirklichkeit wird in Korinth, in Philippi und in Volkenroda. Ich will Anteil daran haben.
Und deswegen ordnet er alles diesem einen Ziel unter. Nicht, weil er muss, sondern weil er gar nichts Besseres kennt. Das Evangelium ist für Paulus nicht eine Theorie, sondern das Evangelium ist sein Leben. Und deswegen tut Paulus sich das an, diesen hohen Maßstab, weil er weiß: Das Evangelium ist noch viel größer, das Evangelium ist noch viel herrlicher, das Evangelium ist noch viel schöner, und ich werde Dinge erleben, die ich völlig nicht für möglich gehalten habe.
Deswegen sagt Paulus: Und deswegen mache ich mich allen zum Sklaven. Und deswegen ist all in gehen für Paulus keine Frage mehr, auch keine Übertreibung.
Zielgerichtetes Leben mit Blick auf die Krone
Wir lesen noch zum Schluss die letzten Verse, ab Vers vierundzwanzig: Wisst ihr nicht, dass die, welche in der Rennbahn laufen, zwar alle laufen, aber einer den Preis empfängt? Lauft so, dass ihr ihn erlangt. Jeder aber, der kämpft, ist enthaltsam in allem. Jene freilich, damit sie einen vergänglichen Siegeskranz empfangen, wir aber einen unvergänglichen.
Ich laufe nun so nicht wie ins Ungewisse, ich kämpfe so nicht wie einer, der in die Luft schlägt, sondern ich zerschlage meinen Leib und knechte ihn, damit ich nicht, nachdem ich anderen gepredigt habe, selbst verwerflich werde.
Lauf so, dass du den Preis bekommst: voller Einsatz, voller Fokus. Kämpfe enthaltsam, lass dich nicht ablenken, leg alles ab, was dich bremst. Denn die Zeit deines Lebens ist begrenzt.
Der Läufer auf der Zielgeraden, auf den letzten hundert Metern, wird nicht darüber nachdenken, ob er am Montag zum Friseur gehen muss. Der hat einen Blick für eine Sache, und das ist die Ziellinie. Und er sagt: Ich gehe dort als Erster durch. Dann wird alles diesem Ziel untergeordnet: Atmung, Schrittzahl, Konzentration. Der Blick geht nur geradeaus.
Der wird nicht auf die Ränge gucken, wie die Leute gerade jubeln oder schauen oder sonst irgendetwas. Da gibt es nur eine Blickrichtung, voller Fokus. Und ich will dich fragen: Was bestimmt denn dein Denken den ganzen Tag? Wo liegt dein Fokus? Wonach strebst du, wenn du ehrlich bist?
Wenn du dir deinen Wochenplan anguckst, deinen Tagesplan, was sind die Prioritäten in deinem Leben? Und von den Punkten, die dir jetzt als Erstes so einfallen: Was davon ist eine Minute, nachdem Jesus wiedergekommen ist, noch relevant?
Es gibt Dinge, die wir tun müssen, ja. Und es geht nicht darum, dass wir jetzt alle irgendwie ins Kloster gehen. Da sind wir schon. Sondern darum, dass wir die Zeit nutzen, aktiv nutzen. Und Jürgen hat das gestern schon auch kurz mit erwähnt.
Und warum? Weil wir noch viel mehr bekommen als ein Wettläufer. Ein Wettläufer bei den Olympischen oder auch den Isthmischen Spielen in Korinth bekam einen Lorbeerkranz. So ein Lorbeerkranz hat die blöde Eigenschaft, dass er welkt. Damals gab es noch keine Konservierungsmethoden, man konnte ihn vielleicht trocknen, aber dann sah er auch nicht mehr so schön aus, bald.
Wir bekommen einen unvergänglichen Siegeskranz. Wir bekommen etwas, was ewig bleibt.
Paulus sagt sogar: Ich zerschlage meinen eigenen Körper. Ich gebe meine Gesundheit, meinen ganzen Leib hin. Paulus gibt also vollen Einsatz für das Evangelium, damit nichts, wirklich nichts, dem Evangelium im Wege steht, nicht einmal er selbst. Einhundert Prozent legt Paulus voran.
Es war jetzt ein wilder Ritt durchs Kapitel neun. Die Predigt war ein bisschen kürzer als die letzten zwei Tage, deswegen haben wir noch ein bisschen Zeit. Ich habe euch Fragen mitgebracht, bevor wir das Thema noch kurz zusammenfassen, für alle, die kurz zwischendurch abgeschaltet haben. Und dann habt ihr noch ein paar Minuten Zeit, um darüber nachzudenken. Ich hoffe, ihr seid auch gut mitgekommen.
Sehen wir es noch mal kurz zusammen: Paulus macht in diesem Kapitel etwas Radikales deutlich. Er hätte jedes Recht gehabt und verzichtet auf jedes Recht. Nicht, weil es verboten ist, nicht weil es falsch wäre, diese Rechte einzufordern, sondern weil er etwas Größeres sieht. Er sieht das strahlend herrlich schöne Evangelium. Und auf einmal wird alles diesem einen Ziel untergeordnet, dass Menschen dieses Evangelium hören. Dass nichts im Wege steht, selbst sein eigenes Leben kein Hindernis ist.
Und für Paulus, das haben wir gemerkt, ist es keine einmalige Entscheidung in Korinth, ich mache das jetzt mal vier Wochen, sondern es ist seine Lebenseinstellung. Ich bin allen alles geworden, damit er Anteil am Evangelium erhält. Er will nicht nur drüber reden, sondern mittendrin sein.
Persönliche Fragen und Zuspruch zum Schluss
Und du? Ich habe ein paar Fragen mitgebracht, die ihr jetzt noch bedenken könnt. Ich werde sie kurz erklären.
Paulus hatte nicht die Verantwortung für jeden einzelnen Menschen auf der Welt. Aber er hatte ein Herz für eine ganz bestimmte Gruppe, die Heiden, und er hat davon auch echt viele erreicht. Das war seine Berufung, das war die Richtung seines Lebens, dafür hat sein Herz geschlagen.
Und die Frage, die ich dir heute stellen will, ist: Wen hat Gott dir aufs Herz gelegt? Wichtig: Nicht, für wen bist du theoretisch zuständig, weil du irgendwie Gemeindeältester bist oder Jugendleiter oder sonst irgendwas, sondern für wen schlägt dein Herz? Wen hat Gott dir aufs Herz gelegt? Oder für wen sollte dein Herz vielleicht auch mehr schlagen? Für wen bist du Apostel? Apostel für deine Arbeitskollegen, für die Jugendlichen in deiner Gemeinde, für die Kids auf deiner Strasse, für deine eigenen Kinder, deine Enkelkinder? Wen hat Gott dir anvertraut?
Und ich wünsche mir von euch, dass ihr alle wenigstens einen Namen in euer Heft schreibt. Jeder von euch hat eine Person, der er nah ist, eine Person, der er das Evangelium weitergeben kann, die er ermutigen kann. Ja, das muss nicht heute und nicht morgen passieren, je nachdem, wie lange du hier bist. Aber eine Person, die du mit ins Gebet nimmst. Für wen bist du Apostel? Für wen schlägt dein Herz, oder für wen sollte dein Herz vielleicht auch mehr schlagen?
Die zweite Frage: Lebe ich im Evangelium oder glaube ich es nur? Ist das Evangelium für dich eine Wahrheit, die du im Kopf kennst, oder eine Realität, in der du jeden Tag praktisch lebst? Ist das Evangelium nur graue Theorie in deinem Leben?
Und ich will jetzt mal mehr die jungen Leute ansprechen. Für mich war das Evangelium bestimmt achtzehn, zwanzig Jahre lang nur graue Theorie in meinem Leben. Ich habe nicht gecheckt, dass Gott nicht nur will, dass ich das Richtige tue und das Richtige sage und sonntagmorgens im Hemd auf meinem Platz sitze und die Lieder laut mitsinge und ansonsten möglichst wenig meckere und mich angepasst verhalte. Das war meine Realität. So sah mein Evangelium aus, meine gute Nachricht. Ich habe nie gecheckt, was gut daran sein soll, wenn das gute Evangelium, die gute Nachricht, das Leben befeuert. Sieht anders aus.
Woran merkst du denn den Unterschied? Wenn du Teenager bist, vergleichst du dich vielleicht ständig mit Aussehen, Beliebtheit, Leistung. Ja, du hast Leute hier auf dem Camp kennengelernt, und sobald du neu in die Gruppe kommst, wird erstmal abgecheckt: Okay, wo stehe ich hier im Ranking? Ja, nach Aussehen, Leistung habe ich schon die Kriterien ein bisschen gesagt. Und du hast vielleicht auch Angst, irgendwas zu verpassen, nicht cool genug zu sein, nicht genug zu sein, irgendwie so. Du brauchst Bestätigung von anderen.
Vielleicht bist du jung erwachsen, du bist in deinen Beruf reingestartet. Und du merkst, du definierst dich über deine Leistung. Ja, wer performt mehr, wer hat das bessere Aktienportfolio, wer hat schneller die Beförderung erreicht, wer kriegt mehr Lob vom Chef, wer hat die besten Projektabschlüsse, wer arbeitet am ordentlichsten oder wird am meisten vom Kunden gelobt, wenn du vielleicht eher im Handwerk unterwegs bist. Du definierst dich also über Erfolg und Anerkennung.
Oder du stehst schon eine Weile länger im Leben und du kämpfst irgendwie ständig um deine Rechte. Im Job, in den Beziehungen, in denen du stehst, probierst du dich irgendwie durchzusetzen und in der Gemeinde nicht ganz runtergedrückt zu werden, gefühlt. Du musst nicht irgendwie behaupten, du hast das Gefühl, du bist ja niemand.
Ich will auch mal die Eltern ansprechen: Vielleicht suchst du deine Identität in deinen Kindern. Und das Verhalten und wie andere Leute über deine Kinder reden, bestimmt deine Stimmung, bestimmt dein Selbstbild. Du machst deine Identität davon abhängig, wie deine Kinder sich verhalten.
Oder du hast das alles schon hinter dir, du bist schon im gesetzteren Alter. Und bei dir wird vielleicht deutlich, dass das Evangelium für dich eine Theorie ist, weil du so viel an Sicherheiten festhältst oder daran, wie Dinge immer waren, weil du Angst hast, irgendwas zu verlieren.
Und in all den Sachen, die ich jetzt gesagt habe, steckt häufig eine Frage: Reicht das Evangelium wirklich? Reicht mir Jesus, oder brauche ich Jesus plus Erfolg, Leistung, Anerkennung? Ich habe gute Beispiele genannt. Reicht dir Jesus? Und es ist die Frage: Wenn ich euch jetzt mit dem Mikrofon rummeln würde und euch fragen würde, ihr müsstet alle Ja sagen, ja, da sagen wir nicht Nein drauf. Das ist verständlich, ist voll okay. Warum fällt es dann trotzdem so schwer, loszulassen und das wahre Leben zu ergreifen? Weil wir Angst haben, zu kurz zu kommen.
Deswegen ist die Frage: Wo hast du Angst, zu kurz zu kommen? Wenn das Evangelium nur graue Theorie in deinem Leben ist und du das in der zweiten Frage in der Reflektion gemerkt hast, dann musst du dich selbst absichern, dann brauchst du selbst diese Bestätigung. Und erst, wenn es Realität wird, dass das Evangelium dein Leben ist, dann kannst du loslassen. Dann ist dir egal, was die anderen von dir denken. Dann ist dir egal, oder deine Identität ist nicht davon abhängig, was andere von dir denken, was du verdienst, was du für Anerkennung im Job bekommst, wie deine Kinder gelungen sind. Dann darfst du loslassen.
Wichtig: Es geht dir bei den Fragen nicht darum, worin du noch besser werden musst, dich noch mehr anstrengen musst, noch mehr tun musst, sondern die Frage ist, wo darfst du neu begreifen, was das Evangelium wirklich bedeutet. Zum Beispiel, wenn du festgestellt hast, ich brauche Anerkennung, möchte ich dir diesen Satz zusprechen: Du bist mein geliebtes Kind. Oder: Du hast Angst, zu kurz zu kommen? Da möchte ich dir zusprechen: Der, der sogar seinen eigenen Sohn nicht verschont hat, wie sollte er uns mit ihm nicht auch alles schenken? Wenn du Versagensängste hast, möchte ich dir einen meiner Lieblingsbibelverse mitgeben: Er hat uns geliebt, er hat uns schon geliebt, als wir noch Sünder waren. Römer 5,8, einer meiner Lieblingsverse. Oder wenn du noch an deinen Rechten festhältst: Ich möchte dir sagen, Christus hat sich selbst für dich, für uns, hingegeben.
Die eigentliche Frage ist also: Wo hält mein Verständnis, mein Unglaube mich davon ab, die Freiheit, die Jesus anbietet, zu leben? Oder, wenn einer von euch jetzt sagt, drei Fragen sind mir zu viel, dann eine einzige Frage: Was wäre in deinem Leben anders, wenn das Evangelium wirklich dein grösster Schatz wäre?
Das war's für heute. Die Sommerbibelschule findet nächstes Jahr vom 8. bis 14. August in Volkenrohdarst statt. Der Herr segne dich, erfahre seine Gnade und lebe in seinem Frieden. Amen.
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