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Lukas 17,22-18,8: "Reich Gottes : Reich Gottes und die Wiederkunft Christi"

Lukas 17,22-18,804.12.2011
Serie•Teil 39 / 53Lukas-Evangelium
Wann wird Gott endlich handeln? Wenn du leidest und betest, wird Schweigen schnell zur Glaubensfrage. Jesus ruft dazu, dranzubleiben: nicht aufgeben, sondern weiter vertrauen.

Ein neues Format für den Alltag mit Gott

Also, was ihr eben gesehen habt: FrogTube ist ein YouTube-Videokanal, der an Nikolaus auf Sendung geht. Ich habe ja zwei Jungs bei mir wohnen, den Alexander und den Benay, im Rahmen eines Jüngerschaftsprogramms. Und wir haben uns überlegt: Wie kann man junge Leute unterstützen, die morgens bei ihrer stillen Zeit Ladehemmung haben? Unsere Idee wird sein, einfach von Montag bis Freitag kurze, lustige Videoclips einzustellen.
Das Ding hat von Karl Dietmar: Er meinte, es sieht aus wie ein al-Qaida-Bekenner-Video. Ach, ich habe das noch an anderer Stelle verarbeitet, Karl Diechmer, du wirst es sehen, wenn du am Dienstag reinklickst. Und er hat Recht: Es ist irgendwie nachts um halb elf aufgenommen, ich vor meinem Computer, ziemlich fertig nach einer Kleingruppenleitersitzung. Wir haben nachgerüstet, wir sind noch dabei, uns mit der Technik zu beschäftigen und Dinge einfach neu zu machen.
Genießt das, schaut ab und zu mal rein. Ihr werdet es finden: Wenn ihr Frogwords kennt, dann gibt es da so einen Button, da steht FrogTube. Einfach draufklicken, dann seid ihr direkt dort. Für alle YouTube-Freunde: Geht direkt auf YouTube, gebt Frogwords ein oder FrogTube oder meinen Namen, und ihr werdet mich finden. Ihr werdet dieses komische Gesicht sehen, ah ja, da ist er.
Also, das ist FrogTube. Und für alle, die sagen: Super, ich brauche morgen manchmal sowas, was mich wach macht, da könnt ihr da mal reinschauen.
Wir starten mit einem Jüngerschaftskurs. Da gibt es die ersten zwei Lektionen schon am Dienstag, und dann immer eine Lektion drauf, etwa sieben- bis achtminütige Videos. Und dann so die Idee: Hier ist eine Seite Bibel, die könnt ihr doch lesen, und ein paar Fragen dazu. Sehr jung und modern. Für alle, die noch richtige Bücher lesen, kann es sein, dass es für euch nichts ist.
Aber ich bin erstaunt: Wir machen jetzt einen Monat an dem Kanal herum, wir haben ja im Moment nicht wirklich viel zu bieten, und wir sind schon bei knapp 2000 Kanalaufrufen. Und dieses Video wurde auch schon über 750 Mal angeklickt. Es ist ein Medium, das ich persönlich unterschätzt habe, und ich bin sehr gespannt, wie sich das in den nächsten Monaten entwickelt. Und für den Fall, dass ihr noch ein bisschen Platz auf eurer Gebetsliste habt, das wäre wirklich schön, wenn ihr dafür uns beten könntet.

Die große Frage nach Gottes Reich

Okay, wir stecken im Lukasevangelium, um genau zu sein, wir stecken im Thema Reich Gottes. Wie komme ich ins Reich Gottes? Wie bekomme ich ewiges Leben? Das wäre genau dasselbe. Wie finde ich Frieden mit Gott? Wie bekomme ich Vergebung meiner Schuld?
Wir sind da schon eine Weile miteinander gelaufen. Wir haben schon eine erste Antwort gefunden: Wir brauchen einfach kindliches Vertrauen. Es braucht nicht mehr als kindliches Vertrauen, so wie wir es gehört haben. Warum noch warten? Muss man nicht, ja? Mit kindlichem Vertrauen zu Gott kommen. Ich muss Gott um die Vergebung meiner Schuld bitten. Ich darf da nichts groß verstecken. Ich darf nicht so tun, als wäre ich besser, als ich wirklich bin, weil Gott mich eh kennt.
Diesen Schritt tun und dann in die Nachfolge Jesu eintreten, so wie Petrus das getan hat. Ich darf mich von meinen alten Idealen, von meinen alten Götzen, von dem, was mich bremst, Gott zu folgen, einfach trennen.
Letztes Mal haben wir gesehen, das war die vierte Antwort: Um ins Reich Gottes hineinzukommen, muss ich den König des Reiches erkennen. Das Reich Gottes hat einen König, und das ist Jesus. Und wir haben uns einen Samariter angeschaut, einen blinden Bettler, einen korrupten Beamten. Sie alle sehen denselben Wanderprediger aus Nazareth, und sie sehen doch dahinter. Sie sehen in ihm, in diesem Wanderprediger, den König des Reiches Gottes, und sie finden bei ihm das, was in meiner Elberfelder Bibel mit Heil übersetzt ist. Sie finden Rettung, sie finden Erlösung, es gibt einen Neuanfang in ihrem Leben, weil sie hinter dieser Fassade des Wanderpredigers blicken und dahinter Gott selber erkennen.
Und da wirft sich dieser geheilte Samariter zu den Füßen des Juden Jesus von Nazareth und findet dort den Ort, um Gott anzubeten, den Gott Israels. Und da ruft ein blinder Bartimäus: Sohn Davids! Weil er weiß, ohne dass er wirklich etwas sehen kann, das ist der Messias, das ist der Einzige, der mir Hoffnung geben kann. Und dann wird Zachäus für alle zum Inbegriff des Suchenden, wenn er da oben in seinem Maulbeerfeigenbaum hängt, nur weil er so ein bisschen ein Abgebrochener ist, um einen Blick auf diesen Jesus zu erhaschen, um für sich die Frage zu beantworten: Wer ist dieser Jesus?
Und diese drei erkennen den König. Und die, die es eigentlich tun sollten, die Pharisäer, die fragen dümmlich: Wann kommt das Reich Gottes? Und du stehst da und denkst dir: Warum verstehen sie das nicht? Da steht der König des Reiches vor ihnen, und sie können das Reich nicht erkennen. Und das ist die große Farce an der Geschichte.
Die Frage selber, wann kommt das Reich Gottes, ist nicht völlig dumm, denn das Reich Gottes ist und kommt. Es hat eine gegenwärtige und es hat eine zukünftige Dimension. Jesus ist König. Er ist das heute schon in den Herzen derer, die an ihn glauben. Aber die Gemeinde hat von Anfang an gewusst, dass dieses erste Kommen Jesu, das, was wir jetzt an Weihnachten feiern, wenn wir auf die Krippe zugehen, nur ein erstes Kommen war, dass es ein zweites Kommen geben würde.
Und so heißt es zum Beispiel im apostolischen Glaubensbekenntnis sehr passend über Jesus, ich zitiere: „Hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel, er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters, und jetzt hört mal: Von dort wird er kommen.“ Das ist das, was alle Christen zu allen Zeiten immer geglaubt haben. Von dort, vom Himmel, oben, bei Gott, wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.
Jesus wird wiederkommen, und es tut einfach auch uns gut, dass wir uns darauf vorbereiten. Und Lukas nimmt uns mit hinein, wird uns am Ende fünf Punkte mitgeben, die wir verstehen müssen in unserer persönlichen Vorbereitung auf die Wiederkunft Jesu. Und vier davon kann ich heute mit euch durchgehen, wenn wir Lukas 17 aufschlagen und dort einfach den Text ab Vers 22 lesen. Also Lukas 17,22.

Wenn das Ende sichtbar wird

Der erste Punkt lautet: Wenn Jesus wiederkommt, werden es alle mitbekommen. Ein sehr einfacher Punkt. Den kann man sich ganz einfach merken. Wenn Jesus wiederkommt, werden es alle mitbekommen.
Da heißt es in Vers 22: Er sprach aber zu den Jüngern: Es werden Tage kommen, da ihr begehren werdet, einen der Tage des Sohnes des Menschen zu sehen, und ihr werdet ihn nicht sehen.
So, das ist jetzt ein bisschen verklausuliert, das muss ich euch übersetzen. Jesus sagt: Es kommen Tage, und er sagt das zu den Jüngern, da würdet ihr euch wünschen, mich mit meiner ganzen Macht und Herrlichkeit sichtbar als König zu erleben. Es wird Tage geben, da würden wir uns wünschen, wir hätten so einen Ort, wo wir hingehen und sagen: Klingelingeling, da steht Jesus am Türschild, ja, und er würde aufmachen und sagen: Hey, ich habe da mal eine Frage. Ja, wir würden ihn so leibhaftig erleben können. Und Jesus sagt, es wird diese Tage geben, dass ihr euch das wünschtet, mich leibhaftig als König, die Tage des Sohnes des Menschen, das zu erleben, und ihr werdet das nicht sehen.
Und es sind Zeiten, wo die Jünger ohne ihren sichtbaren König leben müssen. Es sind die Zeiten, in denen wir leben. Und es sind angefochtene Zeiten, denn Vers 23: Und man wird zu euch sagen: Siehe dort! Oder: Siehe hier! Geht nicht hin, folgt auch nicht nach.
In dieser Zeit, wo Jesus nicht hier ist, sondern im Himmel und wir auf der Erde und er diese unsichtbare Herrschaft über unsere Herzen hat, werden immer wieder Leute kommen, die versuchen, die Jünger wegzuziehen von Jesus. Die sich hinstellen und sagen: Ich bin der Messias, folge mir nach. Wir hatten auch so einen Typen in unserer Geschichte, der hat ein tausendjähriges Reich aufgerichtet. Es hat nicht ganz tausend Jahre gehalten, aber viele sind ihm nachgelaufen, viele hielten ihn für den Messias und haben ihn angebetet.
Und Jesus hat eine sehr klare Botschaft an dieser Stelle. Er sagt: Folgt nicht! Lass dich nicht darauf ein, wenn da einer kommt und sagt: Ich bin der Messias, ich habe die Lösung, ich richte das Reich Gottes auf. Folgt nicht!
Warum nicht? Weil, wenn Jesus wirklich wiederkommt, dann ist das nicht so eine Gestalt irgendwo auf der Erde, in Europa, in Amerika, in Südafrika, in ... Wenn Jesus wirklich wiederkommt, Vers 24: Denn wie der Blitz blitzend leuchtet von einem Ende unter dem Himmel bis zum anderen Ende unter dem Himmel, so wird der Sohn des Menschen sein an seinem Tag.
Du stehst auf der Erde und du siehst so einen fetten Blitz. Ich weiß nicht, ob ihr euch sowas werdet, es gibt manchmal Blitze, die sind einfach ... Da stehst du da und sagst: Boah! Und er so: Boah! Und dann ... Ich weiß nicht, ob ihr das auch macht. Wenn du so einen richtig fetten ... Ich zähle dann immer ganz langsam: eins, zwei, drei. Und wenn du so mitten im Gewitter stehst, dann dauert das nicht lange. Und ab und an hat man so eine gute Erfahrung, man weiß, es kann einem nichts passieren. Und es kommt so ein fetter Blitz, und dann kommt so ein Donner, der zerreißt einfach alles. Und du weißt: Den haben jetzt alle meine Freunde auch mitbekommen.
Das ist die Idee. Wenn Jesus wiederkommt, dann geschieht das nicht im Geheimen. Wir müssen uns keinen Kopf machen. Die erste Lektion ist: Wenn Jesus wirklich wiederkommt, dann kriegt jeder auf der Erde es wirklich mit.
Das erste Mal kam er inkognito. Du konntest ihn wirklich übersehen, und viele haben ihn übersehen. Das zweite Mal kommt er als Naturgewalt, die niemand übersehen wird. Erster Punkt.

Der Weg durch Leiden und Verwerfung

Der zweite Punkt, was wir wissen müssen, wenn Jesus wiederkommt, ist noch kürzer. Das heißt nämlich: Bevor Jesus kommt, und der Punkt ist für uns nicht so interessant, aber für die Jünger war er wichtig, muss er leiden. Der Wiederkunft Jesu gehen Leiden voraus.
Wir werden das, wenn wir das Lukasevangelium weitermachen, sehen. Für die Jünger ist das ein ganz, ganz wichtiger Punkt. Sie sind immer noch so auf diesem Trip: Okay, wir ziehen demnächst in Jerusalem ein, und dann richten wir die Herrschaft aus, und du wirst Außenminister, und du wirst Innenminister, und du kriegst den Job, und du den. Das haben die immer noch nicht so richtig aus dem Kopf raus. Deswegen sagt Jesus hier einmal mehr in Vers 25 vorher: Ja, Jesus wird wiederkommen, und es wird Umwälzungen geben, wie wir sie nie zuvor in der Geschichte erlebt haben. Es wird ein wirkliches Friedensreich geben, ein wirkliches Reich, von dem Gerechtigkeit ausgeht. Und wenn nur annähernd das passiert, was das Alte Testament über die Herrschaft Jesu dann in der Zukunft sagt, dann wird das eine absolut irre Zeit auf der Erde sein, so wie wir sie noch nie erlebt haben.
Aber vorher, Vers 25, muss er vieles leiden und verworfen werden von diesem Geschlecht. Ganz wichtig: Bevor Jesus wiederkommen kann als Naturgewalt, als kosmischer Umwälzer, muss er verworfen werden.
Und es gibt einen dritten Punkt, den der Text jetzt, den müssen wir ausführlicher betrachten, bringt: Wenn Jesus wiederkommt, dann wird es nicht so sein, dass alle Menschen darauf vorbereitet sind. Sondern Jesus wird, wenn er wiederkommt, ohne Vorwarnung kommen, und er wird die meisten Menschen unvorbereitet antreffen. Das ist eine ganz traurige Sache, die wir jetzt hier gemeinsam betrachten müssen.
Aber es ist klar: Die Menschen, die damals Jesus nur als den Wanderprediger gesehen haben, der so durch die Gegend läuft, ab und zu ein paar schöne Predigten hält, auch schon mal jemanden heilt, aber die nicht dahinter geblickt haben, hinter dieser Fassade, die erwarten natürlich auch nicht, dass Jesus als der Richter der Welt wiederkommt und dass sie ihm noch einmal begegnen werden. Die richten ihr Leben nicht darauf ein. Und auch wenn uns das nicht so lieb ist: Wir stehen in derselben Gefahr, auch als solche zu leben, die nicht so richtig damit rechnen, dass Jesus wiederkommen könnte.
Vers 26 und 27: Und wie es in den Tagen Noas geschah, so wird es auch sein in den Tagen des Sohnes des Menschen. Die Gemeinde ist hier immer die Wiederkunft. Sie aßen, sie tranken, sie heirateten, sie wurden verheiratet. Das gibt es im Moment nicht so sehr, aber damals war es noch ein bisschen mehr so, dass die Papas die Schwiegersöhne ausgesucht haben. Also: Sie aßen, sie tranken, sie heirateten, sie wurden verheiratet, bis zu dem Tag, da Noah in die Arche ging und die Flut kam und alle umbrachte.
Ja, die Leute haben einfach so ganz normal gelebt. Und dann kommt plötzlich die Flut, und bis auf eine Familie trifft die Flut, trifft das Gericht alle Menschen unvorbereitet.
Andere Geschichte aus dem Alten Testament: Sodom und Gomorra, Vers 28. Ebenso auch, wie es geschah in den Tagen Lots: Sie aßen, sie tranken, sie kauften, sie verkauften, sie pflanzten, sie bauten. An dem Tag aber, da Lot von Sodom hinausging – ich hoffe, ihr kennt die Geschichte so weit, dass Gott Engel schickt, die Lot und seine Familie vor dem Tag des Gerichts aus Sodom herausholen –, an dem Tag aber, da Lot von Sodom hinausging, regnete es Feuer und Schwefel vom Himmel und brachte alle um.
Und jetzt kommt der Vergleichspunkt: ebenso. Ebenso wird es an dem Tag sein, da der Sohn des Menschen offenbart wird. Wenn offenbar wird, wenn jeder sehen kann, wer der Messias ist, wenn diese Frage nicht mehr mit einem Fragezeichen endet, sondern mit einem Ausrufezeichen, weil jeder sagt: Siehe da! Wenn das, was jetzt in unserem Herzen verborgen ist, wenn du sagen kannst: Da steht er, das ist mein König! Diesem König habe ich ein Leben lang gedient, ihm bin ich gefolgt, von ihm habe ich gelernt, er ist mein Vorbild. Wenn das passiert, wenn Jesus offenbar wird als das, was er wirklich ist, dann wird es sein wie bei Sodom. Und das Gericht über Sodom kommt plötzlich.
Was die Zeitgenossen von Noah und Lot auszeichnet, ist übrigens nicht ihre grenzenlose oder jetzt hier im Text ihre grenzenlose grausige Sündhaftigkeit. Das ist nicht, was Jesus hier betont. Was Jesus sagt, ist: Sie sind einfach nur total eingenommen von ihrem alltäglichen Leben. Sie waren beschäftigt mit, und was wird das heute sein? Also im Text ja: Sie kaufen, sie verkaufen, sie pflanzen, sie bebauen, essen und trinken. Sie sind einfach so unterwegs über die Weihnachtsmärkte, kaufen Weihnachtsgeschenke ein, schauen ein bisschen bei Ebay herum, pflegen ihren Garten, haben ihr Häuschen, haben vielleicht noch ein Häuschen, machen ihren Ölwechsel, was einfach so zum Leben dazugehört.
Und dieses ganz normale Leben beschäftigt sie so sehr, dass sie keine Zeit haben für Gott, für Gottes Warnungen und für das Evangelium. Und wenn dann, Vers 31, an jenem Tag, am Tag des Gerichts, Jesus wiederkommt, dann sind die Menschen immer noch beschäftigt, und es trifft sie einfach völlig unvorbereitet.
An jenem Tag, an dem der Herr Jesus sagt, wer auf dem Dach sein wird – das ist jetzt ein Bild, Jesus zoomt in die Gesellschaft, aus der er kommt, einfach mal so rein und nimmt jetzt Beispiele raus. Er sagt: An jenem Tag, wer auf dem Dach sein wird ... Ihr müsst euch Flachdächer vorstellen, wo man oben drauf gearbeitet hat, und dann ist da so eine Außentreppe, wo man runtergehen kann, um ins Haus reinzugehen. Wer auf dem Dach sein wird und sein Gerät im Haus hat, der steige nicht hinab, um es zu holen, und wer auf dem Feld ist, wende sich ebenso wenig zurück. Gedenkt an Lots Frau.
Die Geschichte von Lot hat einen bitteren Beigeschmack, weil die gesamte Familie gerettet wird. Der Engel schnappt sich die Familie, geht raus aus der Stadt, und er sagt eine Sache: Dreht euch nicht um, dreht dich nicht um! Und die Frau tut es doch. Sie dreht sich um. Sie sieht das Gericht, und dieser Blick zurück, der immer auch in der Bibel ein Blick ist auf das, was ich mal hatte, auf das, woran eigentlich mein Herz hängt, dieser Blick zurück ist das Letzte, was sie tut, und sie wird zu einer Salzsäule. Und die ganze Familie muss ohne Mutter weiterziehen.
Gedenkt an Lots Frau. Was macht Lots Frau falsch? Was ist der Knackpunkt hier, bei dem Jesus sagt, warum darf man nicht, wenn er wiederkommt, wenn Gericht kommt, warum darf ich nicht noch mal ins Haus gehen, warum darf der Arbeiter vom Feld nicht noch mal nach Hause gehen? Ganz einfach: Am Tag des Gerichts überlebt nur der, dessen Herz nicht an seinem Besitz hängt.
Wenn das Gericht kommt und dein erster Gedanke gilt dem, was noch im Haus ist, gilt dem, was du besitzt, und nicht der Gefahr, in der du stehst, dann gibt es Dinge in deinem Leben, die sind dir wichtiger als dein Leben selbst. Solange es das in deinem Leben gibt, hast du im Gericht Gottes keine Chance.
Ihr erinnert euch, die ihr die vorletzte Predigt gehört habt, an diesen reichen Obersten, der zu Jesus kommt und sagt: Was muss ich tun, um ewiges Leben zu haben? Und Jesus sagt ganz einfach: Dein Herz hängt an deinem Besitz, gib ihn einfach weg, dann kannst du mir nachfolgen. Und er folgt nicht nach, er geht weg, traurig weg.
Und da kommt ein anderer, ein Oberzöllner, Zachäus. Und er hat überhaupt kein Problem, wenn Jesus vor ihm sitzt und sagt: Ich kann alles weggeben, also alles, was ich geklaut habe, das gebe ich vierfach, und dann gebe ich auch noch was. Sag mir, was ich weggeben muss. Du merkst: Das Herz von Zachäus hängt nicht an seinem Besitz.
Wenn wir gerettet werden wollen, das gilt für jeden Menschen, das gilt für uns als Anfrage, und ich hoffe, dass jeder diese innere Haltung hat zum Besitz, dass wir sagen: Wir kleben nicht dran, es ist nicht unser Gott. Es ist mir nicht das Wichtigste im Leben.
Es gibt ein Prinzip, und dieses Prinzip heißt in Vers 33: Wer sein Leben zu retten sucht, wird es verlieren, und wer es verliert, wird es erhalten. Jesus sagt: Wer sein Leben zu retten sucht, wird es verlieren. Es geht um das Prinzip: Wie überlebe ich das Gericht Gottes? Und es ist ganz einfach: Wer alles daran setzt, in diesem Leben auf Nummer sicher zu gehen, wer sein Leben retten will, ein Maximum an Sicherheit, ein Maximum an Komfort, ein Maximum an Selbstverwirklichung, wer sagt: Das will ich, der wird am Ende erleben, dass sein Herz an das Irdische, an das Diesseits gekettet ist, dass er, wenn es drauf losgeht, wenn es darauf ankommt, nicht loslassen kann und ganz am Ende alles verliert.
Und der, der verliert, der sagt: Ich habe schon aufgegeben, ich verliere mein Leben, ich schenke mein Leben Jesus, und es gehört schon lange ihm. Mein Leben mit meinem Besitz und von mir aus mit meinen Talenten und mit meiner Zeit und mit meiner Gesundheit und mit meinen Träumen und mit meinen Kindern, das schenke ich Jesus, das gehört ihm, das habe ich verloren. An meinen Herrn, an meinen König.
Wer das sagen kann, der wird sein Leben erhalten. Und Jesus kann das hier mit so einem Satz reinstreuen, weil er das in Lukas 9 schon viel ausführlicher beschrieben hat. Lukas 9,23-25, ich möchte sie nur vorlesen: Jesus sprach aber zu allen: Wenn jemand mir nachkommen will, verleugne er sich selbst und nehme sein Kreuz auf täglich und folge mir nach. Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren.
Das ist eine unumstößliche Tatsache. Du kriegst nicht beides, du kriegst nicht Jesus plus Leben hier auf dieser Erde, so wie du es dir vorstellst. Du musst dich entscheiden. Wenn du dein Leben retten willst, wenn du sagen willst: Ich will hier Sicherheit, Komfort, Selbstverwirklichung, meins. Solange du dein Leben für dich behältst und als deinen Schatz betrachtest, der dir gehört, der dir dient, solange wirst du dein Leben nicht finden.
Denn nur der, wer sein Leben retten will, wird es verlieren, wer aber sein Leben verliert um meines Willen, also nicht weil wir uns blöd anstellen, sondern um Jesu Willen, der wird es retten. Denn was wird es einem Menschen nützen, wenn er die ganze Welt gewönne? Was, wenn du am Ende alle deine Träume verwirklicht hast? Was, wenn du dir, ich weiß nicht, das dritte Auto, das fünfte Haus, die siebte Weltreise und was auch immer man noch haben kann, was, wenn du das alles hast, sich selbst aber verlöre oder einbüßte? Das Wesentliche hast du nie gefunden. Niemand kann in dieser Frage Gott täuschen, das muss uns klar sein.

Die Stunde der Entscheidung

 Lukas 17,34
Ich sage euch: In jener Nacht, und gemeint ist, wenn Jesus wiederkommt. Ich glaube, er verwendet das Bild der Nacht, weil es eine sehr finstere Zeit sein wird. Die Bibel spricht davon, dass, wenn Jesus wiederkommt, ihm eine Zeit vorausgeht, in der auch das geistliche Leben den Bach runtergeht. Es ist eine Zeit, in der die Drangsal verkürzt wird, weil Gott seinen Leuten nicht zu viel zumuten möchte.
In jener Nacht werden zwei auf einem Bett sein. Einer wird genommen, das heißt gerettet werden, so wie Lot und so wie Noah genommen wurden, herausgeholt wurden aus dem Gericht. Einer wird genommen, und der andere wird gelassen werden, zurückgelassen zum Gericht. Zwei werden zusammen mahlen, also an der Handmühle mahlen, nicht malen, mahlen. Die eine wird genommen, die andere gelassen werden.
Merkt ihr was? Das Gericht ist sehr persönlich. Wenn Jesus kommt, werden die meisten Menschen unvorbereitet sein, aber der Schnitt wird trotzdem zwischen Familien gehen. Du wachst morgens auf, und dein Partner ist weg. Du sitzt am Arbeitsplatz, und plötzlich ist der eine weg. So genau weiß Gott, wer zu ihm gehört und wer nicht.
 1. Thessalonicher 5,1-3 schreibt Paulus Folgendes, über den gleichen Zeitpunkt: Was aber die Zeiten und Zeitpunkte betrifft, Brüder, so habt ihr nicht nötig, dass euch geschrieben wird. Denn ihr selbst wisst genau, dass der Tag des Herrn so kommt wie ein Dieb in der Nacht.
Wir können nicht wissen, wann Jesus wiederkommt. Also all die, die dachten, da kommt er wieder, es gibt so diverse Berechnungen. Manchmal habe ich den Eindruck, jeder Christ, der Bücher schreibt, macht irgendwann eine Berechnung, wann der Herr Jesus wiederkommt. Bisher waren alle falsch, und es wird auch so bleiben. Also sollte ich jemals so eine Prophezeiung machen, erinnert mich daran: Heute habe ich das gepredigt, sie wird auch falsch sein, definitiv. Wir wissen es nicht.
Der Tag des Herrn ist ein Begriff, der für den Tag des Gerichts steht. Der Tag des Herrn wird kommen wie ein Dieb in der Nacht. Interessanterweise heißt es in Vers 3: Wenn sie sagen: Friede und Sicherheit, also wenn man den Eindruck hat, jetzt haben wir es doch gerade so ein bisschen auf der Welt gut hingekriegt, eigentlich wenn wir uns am sichersten fühlen, wenn sie sagen: Friede und Sicherheit, dann kommt plötzliches Verderben über sie. Wie die Geburtswehen über die Schwangere, und sie werden nicht entfliehen.
Das ist mal kein Männerbeispiel. Es gibt ja viele Männerbeispiele, so mit Soldaten und Kriegern und so. Ja, das ist ein typisches Frauenbeispiel, wo du weißt: Jetzt kommen sie alle fünf Minuten, jetzt sollten wir uns mal langsam, aber wirklich, da so Richtung Kreissaal bewegen. Und du weißt, du kannst machen, was du willst, jetzt kommt das Kind. Es passiert jetzt einfach. Und Paulus verwendet dieses Bild: Wenn der Tag des Herrn kommt, dann kann niemand sagen: Gib mir mal noch fünf Jahre, ich muss da irgendwie noch was. Nein, wenn der Tag des Herrn kommt und du bist nicht vorbereitet, dann hast du echt Pech. Dann hast du echt die Karte gezogen, die du nicht ziehen möchtest, das verspreche ich dir.
Es gibt wenig Fehler im Leben, die man machen sollte. Es gibt vieles, was man wieder ausbügeln kann. Wenn du am Tag des Herrn nicht vorbereitet bist, wenn Jesus wiederkommt und du stehst nicht auf seiner Seite und er ist nicht der König deines Herzens und du hast dich nicht auf diesen Tag irgendwie eingestellt, das ist wirklich ein Riesenfehler. Und deswegen darf ich dir diese Frage ganz persönlich stellen: Wenn Jesus heute wiederkäme, wenn Jesus sagt: Heute Nachmittag um 14:12 Uhr machen wir einfach mal Schluss, war schön mit euch in dieser Welt, aber dann machen wir so eine Zäsur, da komme ich wieder, und da schauen wir mal, was so Sache ist hier. Und Gericht trifft diese Welt.
Was löst diese Vorstellung bei dir aus? Wenn du wissen würdest, heute um 14:12 Uhr, so kurz vorm Kaffeetrinken, ist Schluss, so richtig Schluss. Was löst diese Vorstellung bei dir aus? Und Schluss in dem Sinne: Er nimmt die einen mit, und die anderen lässt er zurück, und dann fängt Gericht an. Wie geht es dir mit der Vorstellung? Kannst du sagen: Super, ist so, muss man damit leben, war klar, irgendwann ist See vorbei, freu mich drauf, wird bestimmt eine coole Zeit da oben? Ist es das? Oder denkst du dir: Hm, wenn Jesus jetzt wiederkommt, schon irgendwie komische Vorstellung. Und denkst du da zuerst an die Dinge, die du zurücklassen musst, an denen dein Herz wirklich hängt?
Ich finde die Frage total spannend. Was würde mich am meisten daran stören, wenn Jesus wiederkommen würde? Gibt es da irgendwas? Oder ist die Freude, meinem König zu begegnen, so überwältigend, dass ich sage: Ist mir eh alles egal, super, klasse, wunderbar, freue mich, 14:12 Uhr, willkommen im Himmel, Wahnsinn, endlich vorbei, endlich Schluss, super, klasse, einfach toll. Wir müssen uns da wahrscheinlich entscheiden.
Die Jünger verstehen an der Stelle leider, wie öfter in den Evangelien, nur Bahnhof. Da heißt es dann in Vers 37, und sie antworten und sagen zu ihm: Woher? Sie haben so viel von Sodom gehört, ja, da geht irgendwas unter und geht kaputt, und sie haben nur diese Frage: Woher? Das ist eine völlig dusselige Frage. Jesus gibt ihnen eigentlich auf diese unsinnige Frage überhaupt keine Antwort. Er sagt zu ihnen: Wo der Leichnam ist, da sammeln sich auch die Geier.
Das kennt jeder, der mal einen Wildwestfilm gesehen hat. Ja, man reitet durch die Prärie, und da siehst du hinten dann die Geier fliegen. Dann weißt du, da ist irgendwas passiert, meist irgendwie so ein Überfall, und dann liegen da so ein paar Tote rum. Das Bild will sagen: Wo geistliche Leichname sind, werden die Geier des Gerichts kommen. Das ist einfach so. Ja, wer A sagt, muss B sagen. Wer geistlich tot ist, muss mit dem Gericht rechnen.
Und bis dahin: Was können wir tun? Das ist mein letzter Punkt jetzt. Was können wir tun, bis Jesus wiederkommt? Also, jetzt wissen wir, Jesus wird so wiederkommen, dass alle es mitkriegen. Wir wissen, er muss vorher leiden. Wir wissen, die meisten Menschen sind unvorbereitet, die werden da so ein bisschen reinschlittern. Was können wir tun bis zu diesem Zeitpunkt? Wie können wir uns an der Stelle vorbereiten auf die Wiederkunft?
Und Lukas wird uns insgesamt zwei große Punkte bringen, und ich schaffe heute nur noch einen, und den anderen mache ich dann, wenn ich das nächste Mal da bin. Und dieser vierte Punkt für heute heißt: Bis Jesus wiederkommt, sollen wir anhaltend und glaubend beten. Es geht nämlich weiter in Lukas 18,1-7, die drehen sich ums Gebet. Und oft nimmt man diese Verse raus, so als eigenständige Größe. Aber schaut euch mal Vers 8 an: Da kommt am Ende von diesem Block, der sich um Gebet dreht, eine Frage. Lukas 18,8 am Ende: Doch wird wohl der Sohn des Menschen, wenn er kommt, den Glauben finden auf der Erde?
Also es geht immer noch in Lukas 18,8 um die Wiederkunft Jesu. Und es geht um die Frage: Wenn er wiederkommt, jetzt mal nicht die Ungläubigen, wie die sich verhalten, sondern wie werden wir uns verhalten, wenn er wiederkommt? Und ihr werdet merken, dieses Thema ist ganz spannend. Diese Frage: Wird Jesus in meinem Leben, wenn er wiederkommt, Glauben finden? Wird das passieren? Und kann man diesen Glauben sehen, kann man ihn hören? Man kann ihn hören, wenn er da ist. Denn gläubige Leute mit einer echten Sehnsucht nach oben, gläubige Leute sind Beter, und zwar sind sie Beter, die dranbleiben. Es sind nicht nur so sporadische Stoßgebetbeter, sondern es sind solche, die anhaltend, dauerhaft im Gebet um ihr Recht kämpfen.
Ich lese euch mal die Verse 18,1-7 vor. Und wir wissen jetzt schon: Für die Ungläubigen wird das Wiederkommen Jesu das große Desaster, für die Gläubigen könnt ihr euch vorstellen, wenn er wiederkommt, ist es der Moment der Rechtfertigung, wo Jesus das Böse wiedergutmacht, das, was sie gelitten haben, ihnen vergilt. Aber es gibt ein Problem. Und mal schauen, ob ihr das Problem findet. Ich lese euch einfach mal die Verse Lukas 18,1-7 vor, ein Problem, das aufkommen kann, wenn wir hier auf der Erde sind und Jesus im Himmel.
Da heißt es: Er sagte ihnen aber auch ein Gleichnis dafür, dass sie allezeit beten und nicht ermatten sollten, und sprach: Es war ein Richter in einer Stadt, der Gott nicht fürchtete und vor keinem Menschen sich scheute. Es war aber eine Witwe in jener Stadt, und sie kam zu ihm und sprach: Schaffe mir Recht gegenüber meinem Widersacher. Und eine Zeit lang wollte er nicht. Danach aber sprach er bei sich selbst: Wenn ich auch Gott nicht fürchte und vor keinem Menschen mich scheue, so will ich doch, weil diese Witwe mir Mühe macht, ihr Recht verschaffen, damit sie nicht am Ende kommt und mir ins Gesicht fährt.
Der Herr aber sprach: Hört, was der ungerechte Richter sagt! Gott aber sollte er das Recht seiner Auserwählten nicht ausführen, die Tag und Nacht zu ihm schreien, und sollte er es bei ihnen lange hinziehen? Das ist die Frage. Wenn schon ein ungerechter Richter Recht schafft, weil ihm es irgendwann zu viel wird, wie viel mehr? Das ist das Thema, das ist der Punkt, auf den Jesus ankommt.
Was ist das Problem, das hier angesprochen wird? Das Problem geht etwa so: Wir haben es am Anfang gelesen, dass Jesus sagt, es werden Tage kommen, da würdet ihr euch wünschen, mich zu sehen. Ja, warum denn? Ja, ganz einfach, weil wenn Jünger auf Jesus warten, dann werden sie hier auf der Erde, wenn sie als Christen leben, Leid erfahren. Und dieses Leid, das wird irgendwann zum Problem, vor allem dann, wenn Christen beten, weil sie leiden. Und sie beten nicht nur einmal, sondern sie beten zweimal und vielleicht dreimal, und es tut sich nichts. Was mache ich denn dann? Und ich bete eine Woche, und es tut sich immer noch nichts, und ich bleibe dran, und Gott schweigt. Gott hört einfach nicht.
Wir werden in Spandau heute Nachmittag ansagen, dass wir für ein junges Mädchen mit massiven Schwierigkeiten nächste Woche als Gemeinde einen Tag fasten wollen, weil wir uns einfach nicht mehr weiter wissen, weil wir einfach sagen: Wir haben das Mädel so lieb, und die Ärzte wissen im Moment nicht weiter, wir auch nicht. Beten tun wir schon, als Gemeinde auch schon, also gehen wir in die nächste Runde. Und die nächste Runde heißt: Dann fasten wir halt mal für sie. Gut, machen wir halt das. Und es ist richtig.
Aber was, wenn dieses Schweigen mich an den Punkt bringt, wenn Gott nicht hört und ich schreie und ich irgendwann anfange, am Sinn des Gebets zu zweifeln? Wenn ich mir die Frage stelle: Nützt es eigentlich etwas zu beten, wenn Gott sowieso nicht hört oder sich nicht kümmert? Bin ich ihm egal? Und es sind Erfahrungen, die wir erleben werden. Es sind Erfahrungen, die zum Christsein dazugehören. Und deswegen gibt es diesen Block Lukas 18,1-7, dass sie allezeit beten und nicht ermatten sollten.
Jesus müsste uns dieses Gleichnis nicht schreiben, wenn wir nicht in der Gefahr stehen würden, ab und zu im Beten zu ermatten, sprich zu beten und zu beten und zu beten und dann aufzuhören. Und Jesus möchte, dass wir nicht aufhören. Denn wer aufhört zu beten, der stellt Gottes Charakter in Frage. Wenn schon der gottlose und ein bisschen vielleicht auch zu selbstbewusste Richter in dem Gleichnis es irgendwann der Witwe Recht verschafft, einfach nur weil er Mühe mit ihr hat, wie viel mehr Gott selbst, der uns liebt, der nicht ungerecht ist, der nicht böse ist, der keine niederen Motive hat. Eigentlich ist die Sache ganz klar.
Und ich glaube, wir müssen alle miteinander aufpassen, immer wieder. Es ist eine konstante Versuchung, in der wir stehen, dass dann, wenn es uns schlecht geht und wenn wir beten und Gott nicht sofort so reagiert, wie wir uns das vorstellen, dass Gott in unseren Vorstellungen nicht schlimmer wird als der ungerechte Richter. Wenn wir aufhören zu beten, bringen wir damit zum Ausdruck, dass wir Gott, wenn es ihn dann überhaupt noch gibt, für einen halten, dem Gerechtigkeit nicht wichtig ist und, schlimmer noch, dem wir nicht wichtig sind.
Und deswegen offenbart anhaltendes Gebet in Zeiten der Not ganz, ganz viel über unseren Glauben. Wir haben es immer mal wieder nötig, dass wir auch unseren Glauben auf die Probe stellen, dass wir wissen, ob das, was wir Glauben nennen, auch wirklich Glaube ist. Hier ist so ein Test: Anhaltendes Gebet in Zeiten der Not sagt dir ganz viel über deinen Glauben und ganz viel darüber, wie du Gott siehst.
Warum? Weil es heißt in Vers 8, und wenn ihr einen Vers heute auswendig lernen wollt, das ist der Vers. Es ist nur ein halber Vers, es reicht heute, einen halben Vers auswendig zu lernen und die wichtigste Lektion der ganzen Predigt zu wissen. Ist das toll? Einen halben Vers, weiter kann ich nicht runtergehen. Aber den halben Vers, der ist wirklich ein Vers, den man im Glauben annehmen muss, weil nur der Gläubige ihn fassen kann.
Da heißt es: Ich sage euch, Jesus spricht, ich sage euch, dass er, das ist der Gott im Himmel, ihr Recht, das ist das Recht seiner Auserwählten, der Gläubigen, seiner geliebten Kinder, ohne Verzug ausführen wird. Ohne Verzug. Das ist die himmlische Perspektive auf unser Leid, die himmlische Perspektive auf die Erfahrung, dass ich bete und bete und bete und Gott nicht hört. Gott wird ohne Verzug ausführen. Gott wird eingreifen, der Sohn des Menschen wird kommen, er wird Gerechtigkeit geben.
Aus unserer begrenzten menschlichen Perspektive zweifeln wir vielleicht an Gott. Wir denken, Gott greift viel zu langsam ein, Gott mutet uns viel zu viel zu, Gott lässt uns im Stich. Aber das stimmt nicht, es stimmt nicht. Gott lässt uns praktisch erleben, was es heißt, unser Leben zu verlieren und in die Fußstapfen Jesu zu treten. Bitte, jetzt kommt ein Punkt, den müssen wir alle, wenn wir im Glauben reif werden wollen, irgendwann ganz tief verinnerlichen: Christ sein heißt, in die Fußstapfen Jesu zu treten, dem zu folgen, von dem Petrus sagt, dass er geschmäht nicht wieder schmähte, leidend nicht drohte, sondern sich dem übergab, der gerecht richtet.
Wir folgen Jesus. Weil Jesus litt, gibt es für uns Rettung. Weil wir unser Recht hinten anstellen, in Jesu Fußstapfen treten, ihm als Jünger nachfolgen und leiden, gibt es Rettung für diese Welt. Noch einmal: Weil wir unser Recht hinten anstellen, weil wir in Jesu Fußstapfen treten als seine Jünger und leiden, deshalb gibt es Rettung für diese Welt.
Gott ist ein gerechter Richter, er handelt ohne Verzug. Und ich weiß, dass diese beiden Wörtchen die größte Herausforderung in dem ganzen Text heute sind. Aber sie trennen zwischen Glauben und Unglauben. Und die Frage ist: Wenn mir Unrecht geschieht und ich fange an zu beten und ich flehe Tag und Nacht und Gott reagiert nicht, wem werde ich vertrauen, wem werde ich Glauben schenken? Dieser inneren Stimme, die sagt, wie Hiobs Frau: Lass doch ab vom Glauben, nimm es doch selber in die Hand, siehst doch, dass das alles nichts bringt? Oder werde ich auf die Stimme hören, die sich an diesem Vers orientiert und die sagt: Jesus hat gesagt, dass Gott ohne Verzug handeln wird.
An dieser Frage sind Tausende irre geworden, weil sie nicht verstehen konnten, wie die offensichtliche Ungerechtigkeit der Welt, das millionenfache Leid, vor allem das Leiden der Gerechten, zu einem liebenden Gott passen kann. Sie sind schier irre geworden an der Frage. Und ich weiß nicht, wie viele darüber ihren Glauben verloren haben. Aber was Jesus macht, ist: Er zeigt uns, auf welche Perspektive es eigentlich ankommt.
Im Leid, wenn wir in der Frage stehen, hat Gott mich lieb, muss Gott nicht gleich springen, um mir noch einmal seine Liebe zu beweisen, denn die hat er schon bewiesen. Wenn du die Liebe Gottes sehen möchtest, dann schau bitte an ein Kreuz, da siehst du sie. Und wenn du ein bisschen romantischer veranlagt bist, schau in die Krippe, da siehst du sie auch. Gott hat seine Liebe bewiesen, und jetzt führt er seinen großen Plan aus. Diesen Plan, der die ganze Welt umfasst. Und in diesen Plan bin ich als Jünger hineingestellt, und er hat für mich die Rolle, die mir zukommt, damit Menschen gerettet werden.
Und es mag so aussehen für einen Moment, als würde Gott nicht vergessen, als hätte er nicht alles unter Kontrolle. Aber das ist falsch, das ist Unglaube. Es wird der Tag kommen, an dem wir Gott begegnen, und dann wirst du von mir aus auch deine Fragen loswerden. Ich habe welche, wirklich. Ich habe Fragen, wo ich sage: Vater, warum im Himmel ist mein Freund, der sich mit Anfang zwanzig bekehrt hat, rheumatisch schwerst krank? Warum ist er nach achtzehn Jahren des Glaubens von dir weggedriftet, um anderthalb Jahre vor seinem Tod, das ist jetzt ungefähr zwölf Wochen her, anderthalb Jahre vor seinem Tod, dir den Rücken zuzukehren? Warum? Was soll das? Ich weiß es nicht. Ich weiß es nicht. Und ich habe viel für ihn gebetet, dass es nicht passiert, und es trotzdem passiert. Ich weiß es nicht. Ich werde Gott diese Frage stellen. Und du wirst deine Fragen haben. Und wir dürfen Gott diese Fragen stellen.
Und es wird der Tag kommen, da wird Gott uns erklären, wie das alles zusammenhängt, warum manches so lange gedauert hat. Ich weiß nicht, ob ihr die Geschichte bei Daniel kennt: Der fängt an zu beten und zu fasten, und dann passiert da in ein paar Wochen gar nichts. Und dann kommt endlich der Engel und sagt: Boah, uh, bin aufgehalten worden. Ja, du denkst ja, na ja, so in der himmlischen Welt geht auch so das eine oder andere, was man so nicht weiß. Okay, es gibt Gründe. Es wird dafür, dass Gott dich scheinbar hängen lässt, Gründe geben.
Der Punkt ist nicht, dass du jetzt im Leid, wenn du betest, an Gott zweifelst, sondern wir dürfen die Frage hören, die Jesus uns stellt: Wenn ich wiederkomme, werde ich den Glauben finden auf der Erde? Und mit dieser Frage möchte ich schließen heute.
Jesus wird wiederkommen. Und das wird jeder mitbekommen. Wenn er kommt, wird es für die meisten Menschen überraschend sein und ein Tag des Gerichts. Bevor Jesus wiederkommt, muss er leiden, und wir werden das auch tun, weil wir als seine Jünger sein Schicksal teilen. Dass wir leiden, ist nicht die Frage. Aber eine Frage, ein Punkt ist wichtig: Solange wir hier auf der Erde sind und durch schwierige Zeiten gehen und diesen schwierigen Zeiten mit anhaltendem Gebet widerstehen, so lange ist es wichtig, dass wir den Glauben an Jesus festhalten.
Und wenn diese innere Stimme sagt: Jetzt wird es zu viel, jetzt hör auf zu beten, jetzt lass Gott los, dass wir sie begreifen als das, was sie ist: Versuchung. Und dass wir begreifen, solange Jesus noch nicht hier ist, solange wir auf ihn warten, solange es unser Job ist, einer von zwei Jobs, dem zweiten nächstes Mal, aber ein Job ist der, anhaltend im Gebet dranzubleiben, uns dagegen zu stemmen, unter seine Jünger zu leben, die das Werk, das über Krippe und Kreuz und Auferstehung begonnen wurde, fortzusetzen.

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