Das Buch Hiob - 1997 - Einleitung und Überblick
26.11.1997
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Einleitung und Ziel der Betrachtung
Guten Abend. Ich freue mich, dass ich hier sein darf, und ich freue mich, dass wir uns Zeit genommen haben, um uns mit diesem besonderen Buch, mit dem Buch Hiob, zu beschäftigen.
Ich habe fünf Gelegenheiten, über dieses Thema zu reden. Ich beginne heute Abend damit, euch in einer Einleitung das Besondere dieses Buches vor Augen zu führen. Wir werden uns mit dem Thema dieses Buches beschäftigen. Ich werde euch eine Einteilung dieses Buches präsentieren.
Wer gerne mitschreibt, der darf das tun und ist jederzeit willkommen, das zu tun. Allerdings bekommt ihr das, was ich heute Abend sage, halbwegs sauber zusammengefasst, hier auf sechs Seiten geschrieben.
Das Buch Hiob gehört sicher zu den bekannteren Büchern der Bibel. Die Gestalt Hiobs ist auch solchen bekannt, die die Bibel nicht lesen. Man hört auch ab und zu in einer Predigt etwas von Hiob. Doch als Ganzes gehört das Buch zu den weniger studierten Büchern.
Und das ist eigentlich erstaunlich, weil dieses Buch erstens in mancherlei Hinsicht einmalig ist und zudem eine Botschaft enthält, ein Thema behandelt, über das wir Bescheid wissen müssen. Wenn wir hier nicht Antworten von Gott bekommen, dann können wir den Weg des Glaubens nicht gehen.
Das verborgene Rätsel des Leidens
Ja, was ist denn das besondere Thema in diesem Buch? Es beantwortet diese schwierige Frage. Und diese Frage, die uns oft, weil sie schwierig ist oder weil sie schwer ist, bedrückt und manchmal sogar mehr noch quält: Warum müssen auch die Gerechten leiden?
Wenn Gott gerecht ist, wenn Gott allmächtig ist und wenn Gott Liebe ist, wie passt dann der Umstand dazu, dass auch seine Geliebten, seine Erlösten, seine Kinder leiden müssen und Böses erfahren müssen? Warum müssen wir mit unseren eigenen Augen sehen, wie immer wieder das Böse triumphiert?
Nun, wir finden die Antwort auf diese Fragen nicht, denn die Antwort darauf ist bei Gott verborgen. Dass das bei Gott verborgen ist, nennt die Bibel ein Geheimnis. Dinge, die bei Gott verborgen sind, heißen wir in der Bibelsprache Geheimnisse. Und das ist ein Geheimnis.
Ich will dazu eine Stelle aufschlagen aus dem Buch der Offenbarung. Hier wird genau dieses Geheimnis angesprochen: Offenbarung 10,7. Hier steht: In den Tagen der Stimme des siebten Engels, wenn er posaunen wird, wird auch das Geheimnis Gottes vollendet sein, wie er seinen eigenen Knechten, den Propheten, die frohe Botschaft verkündigt hat.
Hier geht es genau um dieses Geheimnis, um das Geheimnis des Wirkens des Bösen und darum des Leidens der Gerechten in einer von einem gerechten Gott geschaffenen und regierten Welt, wo solche da sind, von denen Gott gesagt hat, dass sie seine Geliebten sind. Das ist ein Geheimnis.
Dieses Geheimnis hat er aber, Gott sei Dank, seinen Knechten geoffenbart. Denn wir haben es nötig, dass es uns geoffenbart wird. Wir kommen nicht dahinter mit unserem Grübeln und mit unserem Sinieren. Es muss uns geoffenbart werden. Und es ist uns geoffenbart worden, woher solches Leiden kommt und vor allem, wozu solches Leiden dienen muss.
Hiob als Zeuge und Jakobus als Ausleger
Beachten wir, wie Johannes in Offenbarung 10,7 sagt, Gott habe dieses Geheimnis seinen Knechten schon vor Alters enthüllt. Einer dieser Knechte, dem Gott dieses Geheimnis enthüllte, war Hiob. Ihm hatte Gott gerade dieses Geheimnis enthüllt. Er hat ihn, indem er ihn durch Leiden führte, darüber gelehrt. Und was Hiob gelernt hat, hat er in seinem Buch geschrieben. Wir dürfen es lesen, und wir dürfen hier dieses Geheimnis lernen.
Der einzige neutestamentliche Schreiber, der sich zu Hiob äußert, ist, ihr wisst es wahrscheinlich, nur ein Autor im Neuen Testament erwähnt Hiob richtig: Jakobus. Der Jakobusbrief hat manches gemein mit Hiob. Er beginnt nach dem Gruß mit einer Aussage, die wie eine Provokation erscheinen möchte. Er sagt etwas über Drangsal, über Not: Meine Brüder, achtet es für lauter Freude, wenn ihr in mancherlei Versuchungen fallt.
Nun, wie kann einer so etwas sagen? Das kann nur einer sagen, wenn er etwas gelernt hat über das Woher und das Wozu der Drangsal. Jakobus wusste das von sich aus auch nicht. Darum sagt er uns gleich im nächsten Atemzug: Wenn uns Weisheit mangelt, dann dürfen wir von Gott bitten, und er lehrt uns.
Jeder von uns geht entweder jetzt durch irgendein Leiden. Es sind solche unter uns, die schweres Leiden hinter sich haben, und wir alle haben noch Leiden vor uns. Und wir haben es nötig, dass Gott uns lehrt, dass Gott uns die Weisheit gibt, zu erkennen und zu verstehen, woher und wozu all solche Not, Enttäuschungen, Rückschläge und Bitteres kommen, woher es kommt und wozu es dienen soll.
Die Weisheit, die nur Gott geben kann
Im Kapitel 28 seines Buches sagt Hiob selbst, dass er jene Weisheit nicht besitzt. Er gibt zu verstehen, dass er auch nicht weiß, wo sie in der Schöpfung gefunden werden könnte und wie sie mit den Mitteln des Geschöpfes zugänglich wäre. Gemeint ist jene Weisheit, die es braucht, um das zu erklären, was ihm widerfahren ist.
Er redet ja nicht als Philosoph. Er ist auch nicht einfach ein frommer Nasenbohrer oder ein vornehmer Nasenbohrer, der dasitzt und sich Gedanken über Gott und die Welt und das Leiden macht. Er ist jemand, der mittendrin ist. Und er erkennt: Er hat die Weisheit nicht, noch nicht, um dieses für ihn Unerklärliche zu erklären. Warum muss er, ein Schuldloser, warum muss er, ein Gerechter, warum muss er, ein von Gott Geliebter, solches Leiden ertragen?
In Hiob 28 heißt es in Vers 20: Die Weisheit nun, woher kommt sie? Und welches ist die Stätte des Verstandes? Sie ist verborgen vor den Augen aller Lebendigen. Und dann in Vers 23: Gott versteht ihren Weg und erkennt ihre Stätte. Gott weiß es, und Gott wird diese Weisheit noch lehren.
Nun, Jakobus redet als einziger Autor im Neuen Testament von Hiob. Und jetzt wollen wir diese Stelle nachschlagen. Nachdem Jakobus von Leiden geredet hat, von Weisheit geredet hat, die wir erbitten müssen, und von all den Dingen, die an Hiob erinnern, wollen wir nun die Stelle lesen, in der er Hiob namentlich erwähnt.
Jakobus 5,10-11: Nehmt, Brüder, zum Vorbild des Leidens und der Geduld die Propheten, die im Namen des Herrn geredet haben. Siehe, wir preisen die glückselig, die ausgeharrt haben. Von dem Ausharren Hiobs habt ihr gehört, und das Ende des Herrn habt ihr gesehen, dass der Herr voll innigen Mitgefühls und barmherzig ist.
Hier wird uns der Schlüssel zum Verständnis des ganzen Buches Hiob wie auf einem Tablett präsentiert. Nun, wir sollten das immer wieder so machen: Wenn wir ein alttestamentliches Buch studieren, dann sollten wir uns fragen, ob im Neuen Testament etwas über dieses Buch gesagt wird. Denn die neutestamentlichen Autoren geben uns einen inspirierten Kommentar zum Verständnis eines Buches. Und etwas Besseres kann uns ja gar nicht passieren, als einen solchen Kommentar zu bekommen.
Das Ende als Schlüssel zum ganzen Weg
Und hier gibt uns ein inspirierter Autor den Schlüssel zum Verständnis des ganzen Buches Hiob. Welches ist der Schlüssel zum Verständnis seines ganzen Ergehens? Von den Aussagen Hiobs habt ihr gehört und das Ende habt ihr gesehen. Das Ende gibt uns das Licht. Es wirft Licht auf den ganzen Weg, den Hiob gehen musste.
Nun, wie ist sein Ende? Sein Ende ist überaus herrlich. Sein Ende ist so groß, so herrlich, so prächtig, dass er alles des Leids, das ihn dahin geführt hatte, vergaß. Also verstehen wir dieses Buch vom Ende her.
Und das Ende zeigt uns auch, dass all der Kummer und alle Sorgen, die Hiob in seinem Herzen gehabt hat, dass Gott womöglich sein Feind geworden sei, unangebracht waren. Gott war die ganze Zeit sein Freund, Gott war die ganze Zeit sein Vater, sein Beschützer, sein Bewahrer. Er war die ganze Zeit, wie uns Jakobus hier sagt, voll innigen Mitgefühls und barmherzig.
Wenn wir an Hiob denken und an die verschiedenen Menschen, die in seiner Not mit ihm zu tun hatten und zu ihm redeten, dann stellen wir fest: Der Einzige, der Hiob verstand und mit ihm empfand, mit ihm fühlte, voll Barmherzigkeit war, war Gott. Alle anderen waren unbarmherzig. Gott war die ganze Zeit barmherzig.
Also erst das Ende lässt uns Gottes Wege verstehen, all das, was über die Seinen verhängt wird.
Vorsehung, Hoffnung und das Ziel der Herrlichkeit
Ich habe zum Thema des Buches hier ein Zitat von einem gewissen Alexander Carson. Ich kenne ihn auch nicht näher. Er hat ein Büchlein geschrieben, das heißt „The History of Providence“, die Geschichte der Vorsehung. Es ist eine Erörterung zum Buch Ruth, nicht zu Ruth, sondern zu Esther, das ist ja das Thema von Esther. Er zitiert da verschiedene Beispiele, und in diesem Buch zitiert er auch Hiob.
Er hat Folgendes über Hiob gesagt, und das ist so prägnant und so gut zusammengefasst, dass ich mir das hier abgeschrieben habe und es euch vorlese. Was er zum Ergehen Hiobs sagt:
Im Buch Hiob sehen wir, wie Gottes Vorsehung Leiden über einen seiner geehrtesten Knechte bringt, damit dessen Glaube erprobt, dessen Geduld geübt, dessen selbstgerechter Stolz gedemütigt und dessen Gottseligkeit größer werde. Und wir sehen die Manifestation der göttlichen Macht, welche ihn vor dem Fallen bewahrt. Hier lernen wir, dass Leiden zu weisen und guten Zwecken von Gott über sein Volk gesandt und verhängt wird, dass er sie nicht unter diesen Leiden belassen und dass er den Satan unter ihre Füße zertreten wird.
Das ist ja ungefähr das, was Jakobus in Jakobus 5,11 sagt. Er redet vom Ausharren Hiobs, dem Ende des Herrn und davon, dass Hiob am Ende glückselig war. Also das Ende des Buches lässt uns erst seine Aussage verstehen.
Man könnte das Thema auch so umschreiben: Hoffnung. Das Thema des Buches hier ist Hoffnung. Vielleicht zunächst ein wenig überraschend, aber genau das versteht die Bibel unter Hoffnung. Hoffnung ist Gewissheit eines herrlichen Endes. Das ist Hoffnung. Gewissheit über ein noch nicht eingetretenes, aber gewisses Ende, das ist Hoffnung. Hoffnung im Leiden, Gewissheit kommender Herrlichkeit, das Ende der Wege Gottes. Ja, das Ende der Wege Gottes wird uns zeigen, dass die Herrlichkeit so schwer ist, wie wir aus 2. Korinther 4 hörten, dass damit verglichen alles, was uns an Enttäuschungen, an Bitterem, an Verlusten, an Schmerzen, an Anfeindungen befallen mag, leicht ist. Es steigt auf der Waagschale empor. Das Ende ist schwerer als das Gewicht all dessen, was wir in der Zeit erleiden mögen.
Das Ende ist von Gott gesetzt, von Gott gesetzt. Das Neue Testament lehrt uns, dass Gott uns in Christus auserwählt hat, auserwählt, vorgrundlegend auserwählt. Er hat uns aber nicht auserwählt zu irgendeinem beliebigen Zweck, sondern zu einem ganz bestimmten Ziel. Und das Ziel, das Gott im Auge hat, vor allem für jeden von uns, ist die Herrlichkeit. Wir sollen die Herrlichkeit seines Sohnes teilen. Das ist das Ziel. Und alles, was uns widerfahren mag, dient diesem Ziel.
Es ist nicht nur so, dass wir so denken: Ja, trotz all diesen üblen Dingen, die uns widerfahren, bringt uns Gott irgendwie durch und schleppt uns durch. Das stimmt zwar, aber es ist noch viel größer. Wir müssen es so sagen: Alles, was uns befällt, dient diesem Ziel, treibt Gottes Vorsatz voran und geschieht darum im Blick auf das Ziel mit Notwendigkeit.
Alles, was Hiob widerfährt, die Anfeindung durch den Satan, auch die Enttäuschung, die er von seiner Frau erleben muss, die ihm sagt: Komm, sag doch Gott ab, alles, was er von seinen Freunden, alle Anwürfe, die er von seinen Freunden sich anhören muss, auch seine Krankheit, der Verlust all seiner Besitztümer – all das muss dazu beitragen, dass dieses herrliche Ziel erreicht wird, zu dem Gott Hiob bestimmt hat. Alles muss, so sagt es das Neue Testament, zum Guten mitwirken denen, die Gott lieben. Römer 8,28: Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Guten zusammenwirken, denen, die nach Vorsatz berufen sind, nach Gottes Vorsatz.
Alles treibt diesen Gottesvorsatz voran. Jede Krankheit, jede Not, jedes Leiden dient dazu, uns zu diesem Ziel zu bringen, uns auch für dieses Ziel passend und tauglich zu machen, uns so zu verwandeln und zu verändern, dass wir erst dieses Ziel so genießen können, wie wir es genießen sollen. Es muss uns passend machen für die kommende Herrlichkeit.
Das ist eine großartige Botschaft, eine großartige Botschaft. Hoffnung, das ist genau das, was wir brauchen, wenn wir Schwierigkeiten haben, wenn wir Probleme haben, wenn uns alles querläuft. Dann brauchen wir Hoffnung, und die Hoffnung ist die Gewissheit kommender Herrlichkeit. Das ist eine großartige Botschaft.
Die Botschaft ist aber nur großartig für die, die sich unter Gottes mächtige Hand demütigen. Wer sich Gott widersetzt, der wird nicht etwa dadurch vom Leiden befreit. Wenn wir uns gegen Not und Leiden auflehnen, dann wird das Leiden nur umso bitterer. Wenn wir uns aber Gott unterwerfen, dann wird alles dem Guten dienen, all dem Guten, das Gott sich für uns vorgesetzt hat.
Demut unter Gottes Hand
Ich habe hier noch ein Zitat. Es hielt einmal jemand eine Predigt, ein ganzes Jahr lang, mindestens Sonntag für Sonntag Predigten über das Buch Hiob. Während der Predigt wurde stenographiert. Meist haben das einige Leute getan, drei oder vier. Danach hat man die Stenogramme miteinander verglichen. So konnte man die Predigt fast im Wortlaut wiedergeben. Diese Predigten sind ziemlich alt. Ja, sie sind vierhundert Jahre alt. Sie stammen nämlich von Johannes Calvin. Er predigte in Genf über ein Jahr lang über das Buch Hiob.
Und ich habe hier aus seinen Predigten über das Buch Hiob folgendes Zitat:
Die hier niedergeschriebene Geschichte zeigt uns, wie wir in Gottes Hand sind und wie es an ihm liegt, unser Leben zu bestimmen und gemäß seinem Wohlgefallen über dasselbe zu verfügen. Sie zeigt uns auch, dass es unsere Pflicht ist, uns in aller Demut und in allem Gehorsam ihm zu unterwerfen. Und sie zeigt, dass guter Grund besteht, warum wir ihm völlig ergeben sein sollten, sowohl um zu leben als auch um zu sterben. Besonders dann, wenn es ihm gefällt, seine Hand auf uns zu senken. Wiewohl wir nicht verstehen, um welcher Ursache willen er solches tut, sollten wir ihm beständig Ehre geben, bekennend, dass er gerecht und unsträflich ist, und nicht gegen ihn murren noch unterfangen, wider ihn zu streiten.
Der Name des Leidenden und seine geschichtliche Einordnung
Zum Titel des Buches
Das Buch heißt nach der Hauptgestalt Hiob. 1. Hiob 1,1: Es war ein Mann im Lande Us, sein Name war Hiob; und derselbe Mann war vollkommen und rechtschaffen und gottesfürchtig und das Böse meidend.
Nach ihm heißt das Buch Hiob, hebräisch Ijob. Nun, wenn man in dem einen oder anderen Namenslexikon nachschlägt, dann findet man meistens die Worterklärung „angefeindet“ oder etwas in dieser Art. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass irgendjemand einem Kind bei der Geburt einen solchen Namen gegeben hätte. Man nennt ein Kind nicht Feind oder Angefeindeter. Also sollte uns das schon zur Vorsicht mahnen.
Wir haben es im Buch hier mit einer historischen Gestalt zu tun, und in den ersten Sätzen des Buches werden lauter Dinge genannt: Namen, Ortsnamen und auch der Name eines Mannes. Darum müssen wir annehmen, dass das wirklich sein Name war und dass das nicht einfach irgendeine Bezeichnung ist, die er nachher wegen seiner Geschichte bekam. Der Mann hieß so: Ijob.
Nun, ich halte es wirklich für ausgeschlossen, dass Eltern einem Kind den Namen Ijob geben und damit sagen: ein Angefeindeter. Der Name Ijob bedeutet: „Wo ist der Vater?“ Klingt für uns vielleicht ein bisschen fantasievoll, aber schlagen wir eine Stelle auf, die uns zeigt, dass das für das Denken des Alten Orients durchaus nicht abwegig ist. Solche Namen werden dann verständlich, wenn entsprechendes Geschehen vor der Geburt oder im Zusammenhang mit der Geburt dieses Mannes stattgefunden hat.
Wir haben einen Namen in der alttestamentlichen Geschichte, der im Zusammenhang mit einer Katastrophe einem Kind gegeben wird und fast ähnlich klingt, fast gleich wie Ijob, nämlich Ikabod. Er wurde Ikabod genannt bei seiner Geburt, der Sohn der Frau des Pinhas oder des Hofni, auf alle Fälle einer dieser beiden gottlosen Söhne Elis, welche mit der Bundeslade ins Feld zogen, eine Niederlage erlitten und fielen. Bei dieser Niederlage geriet die Bundeslade in Philisterhand. Und als die Frau und werdende Mutter diese Botschaft vernimmt, 1. Samuel 4,19: Und seine Schwiegertochter, die Frau des Pinhas, war schwanger zum Gebären. Und als sie die Nachricht hörte, dass die Lade Gottes genommen und dass ihr Schwiegervater und ihr Mann tot wären, da sank sie nieder und gebar; es überfielen sie die Wehen. Und dann Vers 21: Sie nannte den Knaben Ikabod. „Wo ist die Herrlichkeit?“ bedeutet das.
Ijob heißt: „Wo ist der Vater?“ Nun, wann oder unter welchen Umständen hätte man ein Kind so nennen können? Wenn das Kind schon als Waise zur Welt kam, sodass sein Vater also schon gestorben wäre, bevor es geboren wurde. Dann wäre ein solcher Name durchaus passend und würde auch durchaus zur Art der Namensgebung des Alten Orients passen: Wo ist der Vater? Also der Name eines Waisen, eines Halbwaisen. Er war also ein Halbwaise, nehme ich an, darum der Name Ijob: Wo ist der Vater?
Nun, dieser Name drückt gleichzeitig genau das Problem Hiobs aus und genau das Problem des Gerechten aus, wenn er leidet. Es ist ja nicht so, dass im Buch Hiob ganz einfach das Problem des Leidens in der Welt erörtert wird. Das ist nicht das Problem. Das Problem ist viel größer. Das Problem des Leidens in der Welt: Nun, wie antwortet der Gottlose auf Leiden, da es ihm ungerecht erscheint? Er reckt die Faust in den Himmel und sagt: „Wo ist Gott?“ Aber das Kind Gottes fragt: „Wo ist der Vater? Wo ist der Vater? Hat der Vater mich vergessen? Hat er seine Erbarmungen verschlossen?“ Das sind doch Fragen, denen wir begegnen im Mund der Heiligen, in den Psalmen oder in den Propheten.
Wo ist der Vater? Und so meint Hiob für geraume Zeit, Gott, der doch sein Vater ist, habe sich jetzt gegen ihn gekehrt und sei sein Feind geworden und habe ihn vergessen, ihn der Finsternis überlassen. Wo ist der Vater? Und er bekommt ja diese Antwort am Ende seines Leidens, die Antwort, die wir mit Psalm 27 umschreiben könnten, Psalm 27,10: Denn hätten mein Vater und meine Mutter mich verlassen, so nehme doch der Herr mich auf.
Ja, er hat seinen Vater verlassen, er hat seinen Vater verloren hier. Seine Frau hat sich von ihm abgewandt. Die Person, die ihm am nächsten stand und von der er als allererstes Hilfe hätte erwarten dürfen, sie wandte sich sogar von ihm ab oder gegen ihn. Seine Freunde wandten sich gegen ihn. Seine Verwandten ließen sich nicht blicken; die sieht man erst ganz am Schluss des Buches, als es ihm wieder gut geht. Alle haben ihn verlassen. Der Einzige, der ihn nicht verließ, war Gott, und zwar die ganze Zeit nicht.
Wo ist der Vater?, fragte er. Und wir können antworten: Der Vater ist die ganze Zeit da. Die ganze Zeit da. Nun, dieses Wissen ist es ja, dass, wiewohl es Hiob zeitweise verlässt, ihn doch nicht verlässt. Denn auch in dieser düstersten, dunkelsten Zeit blitzt immer wieder diese Erkenntnis auf, dass sein Gott doch Bescheid weiß und dass er am Ende eben doch handeln und reden wird. Und einmal kann er sogar sagen: „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt.“ Und das ist diese Gewissheit, welche eben das Kind des Vaters immer hat.
Der Titel des Buches also: Ijob – wo ist der Vater?
Satznamen, Zeit und geschichtlicher Rahmen
Übrigens sind solche sogenannten Satznamen gerade in der Zeit, da Hiob lebte, gebräuchlich. Man nennt solche Namen Satznamen, denn der Name ist ein kurzer Satz. „Wo ist der Vater?“ Das ist ein kurzer Satz.
Wir kennen noch ein paar solche Satznamen im Alten Testament, und gerade aus der Zeit Hiobs, aus der Zeit der Erzväter. Wie hiess der Sohn Abrahams? Yitzchak, ja. Zuerst dieser und dann der andere, Yishmael. Und nachher Yitzchak. Was bedeutet Yischma'el? Gott hört. Was bedeutet Yitzchak? Er lacht. Es heisst also nicht Lacher, sondern er lacht. Das bedeutet der Name. Das ist ein kurzer Satz: Yitzchak, er lacht.
Und wie hiess der Sohn des Isaak, einer seiner beiden Söhne? Ya'akob. Das heisst, wenn man es auf Deutsch sagen könnte, er verst. Was er mit der Ferse macht, ob er sie festhält oder mit der Ferse jemanden niedertritt, das können wir offenlassen. Es heisst einfach, er ferst, irgendwer mit der Ferse. Bei der Geburt hielt er die Ferse seines Bruders. Darum hat man ihm einen solchen Namen gegeben: Jakob.
Also Ijob, „wo ist der Vater?“, ist ein Name, der absolut in dieses Umfeld passt, in diese Zeit passt und auch äusserst passend wäre für eine Lebenssituation, über die wir uns ganz gut denken können. Zudem passt er vollkommen zur Botschaft dieses Buches, des Buches Hiob.
Jetzt habe ich etwas gesagt zur Zeit oder angedeutet zur Zeit, in der Hiob lebte. Wir sollten das festhalten: Hiob und seine Zeit. Man kann mit einiger Sicherheit sagen, dass Hiob zur Zeit Abrahams lebte, wahrscheinlich sogar früher. Folgende Beobachtungen lassen darauf schliessen, dass das Alter Hiobs in Hiob 42,16-17 erkennbar wird. Hiob 42,16-17. Hiob lebte danach noch hundertundvierzig Jahre, und er sah seine Kinder und seine Kindeskinder, vier Geschlechter.
Nun, Hiob hat vorher in einem Kapitel sein verflossenes Leben beschrieben, sein verflossenes Glück. Da spricht er davon, dass er in seiner Stadt eine Person von Ansehen und Würde war. Das wird man nicht als Zwanzigjähriger, nicht als Dreissiger, nicht als Vierzigjähriger. Sondern er muss ein Mann gewesen sein, der schon ein gewisses Gewicht des Alters hatte, als diese ganze Not ihn befiel. Und dann lebte er noch 140 Jahre. Wir nehmen an, dass er über zweihundert Jahre alt wurde. Ich rechne jetzt so, es ist vielleicht nicht ganz zulässig: Hiob bekam das Doppelte von dem, was ihm genommen worden war. Vielleicht bekam er noch einmal die doppelte Lebensspanne, dann wäre er zweihundertzehn geworden. Siebzig plus hundertvierzig. Also um die zweihundert Jahre herum, ganz sicher.
Abraham war 175 Jahre alt, als er starb, 1. Mose 25,7-8. Und dann wird eine ähnliche Formulierung verwendet für den Tod Hiobs wie auch für den Tod Abrahams: Hiob starb alt und der Tage satt. Und genau so heisst es von Abraham in 1. Mose 25,7-8: Abraham starb 175-jährig, alt, und der Tage satt. Eine Formulierung, die in die Zeit der Erzväter verweist.
Im Verlauf der Unterredungen zwischen Hiob und seinen Freunden suchen ja sowohl Hiob als auch seine Freunde für ihre Thesen lauter Beleg aus Gottes Handeln in der Schöpfung, Gottes Handeln im Gericht, Gottes Handeln am einzelnen Menschen. Wir haben einen deutlichen Hinweis auf die Sintflut. Sie reden also von der Sintflut, die ist ihnen bekannt, die ist schon verflossen. Sie sagen nichts über Gottes Handeln in der Errettung mit Israel, und das hätten sie ganz sicher nicht ausgelassen, wäre sie schon geschehen. So muss also Hiob irgendwo angesiedelt werden zwischen Sintflut und der Errettung Israels aus Ägypten.
Die Sintflut wird in Kapitel 22 in den Versen 15 und 16 erwähnt. Hier in Hiob 22,15-16: „Willst du den Pfad der Vorzeit einhalten, welchen die Frevler betraten, die weggerafft wurden vor der Zeit, wie ein Strom zerfloss ihr fester Grund? Sie wurden weggerafft durch einen Strom.“ So dann stellen wir fest, dass Hiob opferte. Er hätte gar nicht opfern dürfen, wäre das Gesetz am Sinai schon geoffenbart. Denn nach der Gabe des Gesetzes am Sinai durfte nur noch in einem Volk, und in diesem Volk in einem Stamm, und in diesem Stamm nur in einer Familie ein Mann opfern: Aaron und seine Söhne, die zu seiner Familie, zum Stamm Levi und zur Familie Aarons gehörten.
Dann stellen wir fest, dass die Opfer im Buch Hiob immer Brandopfer heissen. Es wird noch nicht unterschieden zwischen Sündopfer und Schuldopfer und Friedensopfer, Speisopfer und Brandopfer. Das ist gerade auffällig im ersten Kapitel, denn dort steht, dass Hiob befürchtet, seine Söhne hätten gesündigt. Und dann steht nicht, er bringt ein Sündopfer, was ja dann das Normale gewesen wäre, sondern ein Brandopfer. In Hiob 1 steht im Vers 5: „Es geschah, wenn die Tage des Festmahls herum waren, so sandte Hiob hin und heiligte sie, und er stand des Morgens früh auf und opferte Brandopfer nach ihrer Zahl; denn Hiob sprach: Vielleicht haben meine Kinder gesündigt.“ Brandopfer.
Nun, warum sage ich das? Im ersten Mosebuch werden verschiedene Opfer beschrieben, und die heissen immer Brandopfer. Sie heissen immer Brandopfer. Die Opfer, die Noah darbrachte, die Opfer, die Abraham darbrachte, die Opfer, welche die Erzväter darbrachten, heissen immer „Ola“, Brandopfer. Also das wäre ein weiterer Hinweis dafür, dass Hiob in der Zeit der Erzväter lebte.
Was ist der Titel Gottes in diesem Buch? Meistens Schadai. Der Allmächtige ist ein Titel, der uns ebenfalls besonders aus dem Leben der Erzväter geläufig ist: El Shaddai, Gott der Allmächtige, nicht Yahweh. Obwohl der Name Yahweh in den einleitenden und in den abschliessenden Kapiteln auch vorkommt, ist es übrigens möglich, dass der Rahmen später geschrieben wurde. Das könnte ein Hinweis sein, muss aber keiner sein. Auf alle Fälle ist der normale Titel Gottes Schadai, der Allmächtige. Das verweist ebenfalls in die Zeit der Erzväter.
Wir lesen von allerlei Sünden und Freveltaten im Buch Hiob. Die werden sehr drastisch beschrieben, die Frevler und was sie alles tun und was ihr Gericht sein wird. Das Bemerkenswerte ist, dass vom Götzendienst überhaupt nicht geredet wird. Dass jemand einen Götzen aufstellt im Geheimen und diesem Götzen räuchert und opfert, wird überhaupt nicht beschrieben. Also offensichtlich leben wir noch in einer Zeit, bevor der Götzendienst allgemein geworden war, wie er es erst nach der Sintflut wurde. Ja, ich komme darauf.
Wir haben nur einen Hinweis auf Abgötterei. Es wird nur eine Form von Abgötterei beschrieben im Buch Hiob, nämlich welche? Hiob sagt, wenn ich meine Augen erhoben hätte zum Heer des Himmels und mich mein Herz verführt hätte, die Sterne zu verehren statt Gottes. Hiob 31,26-28. „Wenn ich die Sonne sah, wie sie glänzt, und der Mond in Pracht dahin wandelt und mein Herz im Geheimen verführt wurde und mein Mund meine Hand geküsst hat, auch das wäre eine gerichtlich zu strafende Missetat.“ Hiob 31,26-28.
Das ist die einzige Form der Abgötterei, von der diese Zeit offensichtlich weiss. Also wir dürfen annehmen, dass wir uns hier in einer Zeit befinden, die anders ist als die Zeit Abrahams. Denn Abraham war schon ein Götzendiener. Also dass Hiob womöglich schon vor Abraham lebte, nehme ich an. Ich nehme an, dass wir das hier auch sogar schliessen müssen, dass er vor Abraham lebte.
Und dann steht hier, das ist ja auch bemerkenswert: Wenn ich das getan hätte, dann wäre das eine gerichtlich zu strafende Missetat gewesen, womöglich will er hier sagen, dann wäre das eine Missetat gewesen, die die Richter hätten strafen müssen. Also er lebt in einer Zeit, wo man solchen Frevel noch gerichtlich strafte.
Und dann schliesslich als letztes Argument Hiob 42,11. Hier wird die Währung genannt, in welcher dem Hiob von seinen Brüdern und Schwestern und früheren Bekannten Geld gegeben wird. Sie gaben ihm an jeder eine Kesita. Diese Währung kennen wir aus dem ersten Mosebuch, aus 1. Mose 33,19.
Nun, ich halte das nicht einfach für eine Sache so rein des akademischen Interesses, festzuhalten, dass Hiob, das Buch Hiob, wahrscheinlich das älteste Buch der Bibel ist. Sondern ich finde es äusserst bemerkenswert, dass im ältesten Buch der Bibel diese Frage behandelt wird, dieses Thema behandelt wird, das gerade dieses Buch behandelt, wie wir dann sehen werden.
Die Grundhaltung des Glaubens
Am Leiden wird ja Folgendes deutlich. Und im Leiden erzieht uns Gott zu dem, was uns Jakobus in Jakobus 4 und Petrus in 1. Petrus 5 sagt: Demütigt euch unter die mächtige Hand Gottes!
Gott ist Gott. Gott schuldet uns auch keine Rechenschaft. Er schuldet uns keine Erklärung, warum er uns gewisse Dinge nimmt oder gewisse Dinge verfügt. Gott ist Gott. Das ist die einfachste, erste, grundlegendste und, ich nehme an, für uns schwierigste Wahrheit, die wir lernen müssen: Gott ist Gott.
Darum ist es ganz einfach recht, dass wir uns als seine Geschöpfe vor ihm beugen und uns vor ihm demütigen, was auch mit uns und an uns geschehen mag. Im ältesten Buch, im ersten Buch der Bibel, ist dies die grundlegendste aller Lektionen, die wir lernen müssen.
Drei Ebenen der Auslegung
Schließlich noch dies: Ich tippe das aber nur an zur Auslegung des Buches.
Wir lesen dieses ziemlich umfangreiche Buch, das uns seines Umfangs wegen ein wenig erschreckt. Aber wenn wir es geduldig lesen und wiederholt lesen, dann werden wir in diesem Buch finden, was wir auch in anderen Büchern des Alten Testaments finden: dass sich grundsätzlich drei Ebenen der Auslegung unterscheiden lassen.
Die erste ist die historische. Die Bücher des Alten Testaments sind alle historisch. Historische Persönlichkeiten, historische Begebenheiten: sogar ein Buch wie das Buch der Sprüche, wo wir scheinbar nur zeitlose Spruchwahrheiten finden, ist auch historisch. Denn es wird gesagt, wer es schrieb und wann; dann wissen wir, wann es entstand. Also ist jedes Buch der Bibel, auch des Alten Testaments, zunächst historisch.
So lesen wir das Buch Hiob. Und wir lesen hier von einem Mann, der hieß Hiob. Er wohnte im Land Uz. Dann werden seine drei Freunde genannt, wie sie hießen, mit Namen und woher sie kamen. Es werden Städtenamen genannt: Eliphas von Teman, Nun.
Es ist wichtig, dass wir diese historische Ebene als erste festhalten. Warum ist das so wichtig? Ihr habt sicher schon mit Leuten zu tun gehabt oder schon gehört, wie man sagt: Ja, die Geschichten in der Bibel, das ist gar nicht entscheidend, ob sie historisch sind oder nicht. Ob der Sündenfall so passiert ist oder nicht, ist doch gar nicht entscheidend. Hauptsache ist, dass man den Kern der Sache versteht. Also Hauptsache ist, dass man einfach mal Hiob sieht. Das ist eine allegorische Geschichte, aus der wir einfach etwas lernen sollen.
Gut, gut, gut, gut. Was für einen Trost bringt dir irgendeine luftige Allegorie, sag mir das? Du findest dich in einer Situation wie hier. Du seufzt, und du kannst nicht begreifen, warum dich solches befällt. Und dann kommt jemand herein und erzählt dir eine schöne Gleichnisgeschichte. Blabla, pipapo, das hilft dir überhaupt nicht.
Wenn du aber weißt: Ich kenne einen Mann, der hieß so und so, der lebte dort und dort, der das und das erfahren hat und dem es so und so ergangen ist, und dann hat Gott geredet, dann wird uns sein Weg zum Trost, weil er ein Mann von Fleisch und Blut war wie du und ich, der in dieser Welt unter diesen Umständen lebt und das wirklich erlebt hat. Es ist also nicht eine schön ausgedachte Geschichte, sondern es ist Geschichte, historische Tatsache.
Zudem haben wir das Zeugnis von zwei absolut glaubwürdigen Männern, und beide sind mir glaubwürdiger als alle Schönredner unserer Tage. Der eine heißt Hesekiel, und der andere heißt Jakobus, und die reden von Hiob.
In Hesekiel 14,14 heißt es: Diese drei Männer wären in demselben, also in einem Land der Gesetzlosigkeit und der Sünde, diese drei Männer wären in diesem Land, Noah, Daniel und Hiob. Sie würden durch ihre Gerechtigkeit nur ihre eigene Seele retten.
Nun, das ist ja wirklich interessant. Daniel war ein Zeitgenosse von Hesekiel. Als er dieses Buch schrieb, diese Botschaften predigte, da kannten alle Daniel. Daniel im fernen Babylon, der zum Minister aufgestiegen war, alle kannten Daniel. Und er kann sich auf Daniel berufen, auf einen von allen gekannten gerechten Mann, einen Zeitgenossen. Und wenn er in eine Reihe stellt: Noah, Daniel und Hiob, dann will er damit sagen, dass das historische Persönlichkeiten sind. Ich kann ja nicht gut in eine Reihe stellen den Reichskanzler Bismarck, Bundeskanzler Kohl und den Weihnachtsmann.
Historische Persönlichkeiten. Und das Zitat von Jakobus haben wir schon gelesen.
Historie, Ethik und Prophetie
Dann ziehen wir aus der historischen Begebenheit das Zweite, nämlich die zweite Ebene der Auslegung: eine sittliche Anwendung. Da lernen wir genau das, was wir lernen sollen: Gott ist Gott. Er schuldet uns keine Rechenschaft. Wenn er seine Hand schwer auf uns senkt, dann ist es unsere Sache, uns unter Gottes mächtiger Hand zu demütigen.
Und dann sehen wir an Hiob, dass Gott damit nur gute Zwecke verfolgt. Das kann ich auf mich anwenden; das ist die sittliche Belehrung aus diesem Buch. Und dies ist zeitlos, dies ist immer gültig, unter allen Umständen.
Dann folgt eine dritte Ebene, die uns nicht sofort in die Augen springt, die aber beim Lesen dieses Buches doch deutlich wird: eine prophetische. Das Ergehen Hiobs ist gleichzeitig eine Weissagung vom Ergehen des Volkes Israel. Dieses Volk wurde von Gott gesegnet, sehr reich gemacht, und dann hat Gott dieses Volk demütigen müssen, seiner Selbstgerechtigkeit wegen, wie Paulus im Römerbrief schreibt. Selbstgerechtigkeit.
Dann wird dieses Volk durch Leiden, durch Drangsal gehen müssen, und in der Drangsal wird es die gleiche Sehnsucht in sich erwachen finden, die Hiob hatte. Hiob bekommt diese Sehnsucht: Wo ist ein Mittler, ein Mittler zwischen Gott und mir? Solche Fragen wird die Drangsal auch in die Herzen des bedrängten Israel wecken. Solche Fragen wird sie bei ihnen wecken, solche Sehnsucht wird sie wecken. Und dann werden sie am Ende Gott sehen.
Hiob sah Gott, sieht Gott und fällt vor ihm nieder. Israel wird seinen Herrn sehen, den anschauen, den es durchbohrt hat, und wird dann Leid tragen, Buße tun, sich erst dann erkennen, wie sündig und verderbt es ist und wie groß die Gnade des Gottes Israels ist. Das also wäre die prophetische Auslegung dieses Buches.
Abschluss und Ausblick
Nun, ich schließe jetzt an dieser Stelle und werde dann morgen, wenn wir mit Kapitel 1 und mit dem ersten Teil des Buches anfangen, uns ganz kurz Gedanken über die Einteilung machen. Der Vorteil ist dann, dass ihr bis dahin diese Blätter vor euch habt. Dann könnt ihr das selbst nachlesen. Das ist dann auch ein bisschen einfacher für euch, um zu folgen.
Darf ich bitten, dass jemand noch mit uns betet.
