2. Petrus 3,10-18: "Wiederkunft Christi und ihre Auswirkungen auf unser tägliches Leben"
2. Petrus 3,10-3,1809.12.2012
Serie•Teil 8 / 82. Petrus
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Generierte Mitschrift
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Einordnung und Ausgangspunkt
Ich dachte, ich mache mir selber noch ein Weihnachtsgeschenk, und ihr müsst einfach mitmachen. Ich habe mir vorgenommen, von den zwei offenen Reihen noch eine abzuschließen und nur mit einer offenen Predigtreihe ins nächste Jahr zu plumpsen. Deswegen gibt es heute den Abschluss der Reihe 2. Petrusbrief.
Also, wenn ihr euch erinnert: Da war mal was, ja, das haben wir auch schon vor einiger Zeit angefangen. Ich gelobe Besserung, dass das dann vielleicht später mal alles so ein bisschen kürzer wird, sodass man dann immer noch weiß, worum es geht. Denn es würde dem einen oder anderen so gehen: Zweiter Petrusbrief, echt, hatten wir da was? Ja, was war das letzte Mal? Ja, mea culpa, meine Schuld.
Worum geht es im 2. Petrusbrief? Ich versuche noch einmal den Einstieg. Es geht um das Thema Anfeindungen gegen Christen in der Gesellschaft, genau genommen Christen in einer Gesellschaft, in der sie von innen und außen angefeindet werden. Von innen, weil in ihrer Mitte Irrlehrer auftreten, die eigentlich durch ihre Predigt nur versuchen, die Gemeinde auszunutzen und nur das Zeug predigen, was ihnen am meisten Kohle einbringt. Und auf der anderen Seite Anfeindung von außen, dass die Gesellschaft, dass es da Spötter gibt, sagt der Text, Spötter, Leute, die mit dem Finger auf andere zeigen und sagen: Die Christen da, die sind noch ein bisschen blöd. Und wer kann denn heutzutage noch irgendwie an Gott glauben? Sie machen sich lustig über den Glauben, und dann werden Pauschalurteile über uns gefällt.
Und der Petrusbrief schreibt genau da hinein: Wir stehen in dieser Spannung. Und es sind insgesamt eine ganze Reihe von Lektionen, die wir schon miteinander angeschaut haben. Ich will euch mal fünf Lektionen kurz vor Augen führen, die ihr schon gehört habt, und dann machen wir den letzten Bubbel so: 2. Petrus 3,10-18.
Aber was wissen wir schon?
Was bereits geklärt wurde
Erstens: Wir wissen ganz am Anfang des zweiten Petrusbriefs, dass wir beschenkte Leute sind. Gott hat sich an uns verschenkt. Unglaublich, wir haben das eben auch so mitgesungen. Es ist ein Wahnwitz, dass Gott sich verschenkt, dass Gott Mensch wird, dass wir sagen können: Weihnachten, was willst du mit Weihnachten?
Was ist das teuerste Geschenk, das hier jemand kriegt? Das ist nichts, das ist Pillepalle, das ist ein Lacher im Vergleich zu dem, was Gott uns geschenkt hat, als er auf die Erde kam und als dieses Geschenk in deinem Leben Realität wurde. In dem Moment, wo du sagst: Ich werde von Gott damit mit ewigem Leben beschenkt, in dem Moment, wo du deine Hände faltest und sagst: Herr, ich möchte mit dir leben, ich möchte, dass du mein Gott bist, ich möchte dir nachfolgen, in dem Moment bist du reich.
Ich höre gerade die Biografie von Steve Jobs, und der war reich, keine Frage. Und ich weiß nicht, ob du es glauben kannst: Du bist reicher, du bist unendlich viel reicher. Wir sind beschenkt. Das war der erste und ganz wichtige Punkt. Wir sind beschenkt, Gott hat sich an uns verschenkt, wir haben Anteil an seinem Wesen bekommen.
Der zweite Punkt war: Wie werden wir Gott ähnlicher? Das war die Frage, die wir uns im ersten Block noch gestellt haben. Und die Antwort lautet: Wir werden Gott dadurch ähnlicher, dass wir uns auf ein Leben mit Gott einlassen. Und dieses Leben hat bestimmte Aspekte.
Zu diesem Leben mit Gott gehören Dinge wie: Wir wollen Einsatz bringen, wir wollen uns investieren mit den Dingen, die wir haben, wir wollen dazulernen, wir wollen gerne das umsetzen, was wir gelernt haben, wir wollen das auch mal machen, wenn es schwierig wird. Wir werden tatsächlich fromm, so komisch das klingt, aber das gehört irgendwie dazu. Man findet in unserem Leben Dinge, die andere Leute nicht machen. Und wenn es nur ist, dass wir uns am Sonntagnachmittag hier treffen, während die anderen vielleicht doch den Schneespaziergang machen. Wir sind hier. Warum? Weil wir zu Gott gehören. Das ist einfach so.
Und da, wo wir das tun, wo wir fromm werden, wo wir anfangen zu lieben, erst einander, dann nach draußen, da, wo wir anfangen zu begreifen, dass unser Leben das Mittel ist, das Gott uns an die Hand gibt, um ihn zu erkennen, an der Stelle werden wir uns tatsächlich verändern. Wir werden ihm ähnlicher werden, und mit dieser Ähnlichkeit, die in uns wächst, wird auch die Gewissheit wachsen, dass wir tatsächlich Kinder Gottes sind.
Nur diese Frage, ob der Glaube, den ich habe, echt ist, wird sich in dem Maß tatsächlich in Luft auflösen, in dem Maß, wie ich Jesus ähnlicher werde.
Augenzeugenschaft, Treue und Warnung
Am Samstag vor einer Woche hat ein alter Freund von mir zu mir gesagt: Jürgen, dieses Gespräch, das wir eben hatten, das hätten wir vor zehn Jahren nicht führen können. Du bist wirklich sanftmütiger geworden.
Da dachte ich: Wow! Ja, also, man hätte auch sagen können: Du hast in der Zwischenzeit, was weiß ich, zwanzig Bibelkommentare gelesen. Ja, habe ich auch. Aber eigentlich entscheidend ist doch, ob mein Charakter dem Charakter Gottes ähnlicher wird.
Und wenn du mich fragst, woher ich weiß, dass ich Kind Gottes bin: Ich sehe, wie der Heilige Geist an mir arbeitet. Und das gibt mir Jahr für Jahr mehr Gewissheit, dass nicht nur das ganze Evangelium stimmt und die Bibel stimmt, die Sache mit Gott stimmt, sondern dass ich stimme.
Ich finde das einfach toll. Das läuft genauso, wie es hier drinsteht. Und deswegen lohnt es sich, da irgendwie dranzubleiben.
Dritter Punkt
Bis dahin, dass wir wirklich Gott ganz ähnlich werden, dadurch dass wir ihm begegnen, lohnt es sich, dass wir immer wieder darüber nachdenken, wer Petrus ist und wer die Leute sind, die das hier aufgeschrieben haben.
Petrus sagt: Ich bin Augenzeuge. Ganz wichtiger Punkt, damit wir nicht glauben, die Apostel, das waren so Leute, die getrocknete Pilze geraucht haben, und dann haben sie so merkwürdige Sachen gesehen, und das haben sie dann irgendwo in dem Buch aufgeschrieben, und das hat sich dann halt, weil alle es auch so hip fanden, weiterverbreitet. Nein: Augenzeugen. Die waren dabei. Die haben diesen Jesus gesehen. Die haben mit ihm gesprochen. Die haben ihn angefasst. Wenn Jesus nach der Auferstehung ein Frühstück bereitet, dann haben die Jünger das gegessen, was Jesus da gebraten hat. Sie sind Augenzeugen.
Und so wie Petrus sagt: In meinem Leben hat sich prophetisches Wort erfüllt, so dürfen wir, sagt der Zweite Petrusbrief, genauso sicher sein, dass sich in unserem Leben und in der Geschichte dieser Welt prophetisches Wort erfüllt. Dass Gott nicht einmal etwas verspricht, es hält, und dann verspricht er noch mal was und hört auf, es zu halten. Gott ist treu.
Vierter Punkt
Zweiter Petrusbrief
Wenn wir auf diesem Weg sind, wenn wir uns auf das Wort Gottes verlassen, wenn wir darauf warten, dass sich das erfüllt, was in der Bibel steht, wenn wir den Augenzeugen vertrauen, dann müssen wir aufpassen, dass wir weder den Irrlehrern auf den Leim gehen noch Leuten, die so Spötter sind, dass sie uns nicht irritieren dürfen.
Die werden versuchen, uns vom Weg abzubringen. Es wird Leute geben, die zu dir kommen und sagen: Wenn du auf diesem Weg bist, hör her, das ist ein falscher Weg.
Dabei haben diese beiden Gruppen, also die von innen und die von außen, die Spötter und die Irrlehrer, eins gemeinsam: Sie wollen beide nur das, was ihnen persönlich guttut. Sie wollen sich nicht wirklich um die Gebote Gottes drehen. Sie wollen ihre Ideen verkaufen, und sie suchen Anhänger, und sie suchen Nachfolger, und sie wollen uns von Gott wegbringen. Und deswegen: Vorsicht an der Stelle!
Dieses Verhalten der Spötter und der Irrlehrer, und das war der Punkt von der letzten Predigt, ist umso erschreckender, weil theoretisch könnten die ja wissen, dass Gott ein Gott ist, der richtet. Das heißt: Wenn ich Spötter bin, wenn ich Irrlehrer bin, ist es eine ganz heikle Geschichte.
Stell dir vor, du bist Spötter und begegnest Gott. Du stellst dich hin in dieser Welt und sagst: Es gibt Gott nicht. Du stirbst, du wachst auf, und dann steht Gott vor dir. Das ist nicht cool, wenn Gott sagt: Es gibt mich doch.
Ja, so wie dieser Witz geht: Nietzsche, Doppelpunkt, Gott ist tot. Nietzsche ist tot, Doppelpunkt, Gott.
Ja, also, es gab Gericht, und der Zweite Petrusbrief zeigt, dass Gott durch die Geschichte hindurch ein richtender Gott ist. Petrus erinnert uns an Sodom und Gomorra, Petrus erinnert uns an die Engel vor der Sintflut, Petrus erinnert uns an die Sintflut, und immer wird eines klar: Gott ist ein richtender Gott.
Und wenn du dich auf der falschen Seite positionierst, wenn du diesen Gott ablehnst: viel Spaß!
Der Tag des Herrn und die Frage nach der richtigen Reaktion
Es mag sein, dass du heute noch lebst, weil Gott eben nicht nur ein richtender Gott ist, der bei der ersten kleinen Sünde, die sich im Leben eines Kindes ereignet, einen Blitz vom Himmel herunterfahren lässt und du dann in deinem Kinderbettchen nur noch so ein kleines Häufchen Asche bist. Ja, so ist Gott nicht. Und es passiert auch nicht mit zwanzig, wenn Gott dich vielleicht dafür verantwortlich macht für das, was du tust, weil Kinder meines Erachtens in der Bibel noch nicht Verantwortung für ihr Handeln tragen.
Gott wartet. Gott ist ein langmütiger, geduldiger Gott. Aber Vorsicht, Vorsicht, hu: Bei aller Langmut und Geduld lasst uns nicht vergessen, Gott ist ein Gott, der tatsächlich richtet. Er ist heilig und gerecht, und er ist langmütig. Wäre er das nicht, wäre schon lange alles verloren. Aber er ist es.
Und deswegen dürfen wir uns jetzt mit dem letzten Block beschäftigen: 2. Petrus 3,10-18.
Bei aller Geduld, die Gott an den Tag legt, der Tag der Abrechnung wird kommen. Das ist ein hässlicher Gedanke. Er passt irgendwie gar nicht so in die Weihnachtszeit, weil wir nicht den Tag der Abrechnung erwarten, sondern den Tag der Bescherung. Das ist im Allgemeinen der Tag, an dem man beschenkt wird. Aber hier im Text geht es um den Tag der Abrechnung.
Die Langmut Gottes wird den Tag tatsächlich nur verzögern, nicht aufheben. Deswegen möchte ich mit euch heute eine Frage durchgehen. Ich möchte die Frage durchgehen, was, wenn Gott langmütig ist, die richtige Antwort ist, die persönlich richtige Antwort auf Gottes Langmut.
Also Spott, wie die Spötter das tun, ist es nicht. Was ist unsere richtige Antwort darauf, dass es diese Welt noch gibt und dass Gott das Gericht noch zurückhält?
Die Wiederkunft Christi als überraschendes Gericht
Wir schauen in 2. Petrus 3,10 mal rein. Es wird aber der Tag des Herrn kommen wie ein Dieb, das schreibt Petrus.
Der Tag des Herrn steht für eine Zeitspanne. Das ist also nicht nur ein Tag von 24 Stunden, sondern eine Zeitspanne, die mit Gericht zu tun hat. Der Tag des Herrn ist ein Gerichtstag. Und dieser Gerichtstag beginnt womit? Damit, dass Gott die Gemeinde von der Erde wegnimmt. Man nennt das Entrückung. Also an irgendeinem Tag, dann plopp, sind sie weg. So.
Und dann beginnen Ereignisse, die am Ende in ein Gericht vor dem großen weißen Thron auslaufen, in ein Gericht, in dem Himmel und Erde gerichtet werden, wo es eine Neuschöpfung von Himmel und Erde gibt. Und dieser gesamte Block, dieses gesamte Paket, bezeichnet die Bibel als Tag des Herrn.
Für uns bedeutet das jetzt erst einmal: Der Tag des Herrn ist der Tag des Gerichts. Es ist auch gleichzeitig der Tag, an dem wir Jesus begegnen werden. Denn wenn das stimmt, dass wir von dieser Erde weggenommen werden, dann kommen wir ja nicht in so eine Abstellkammer, wo jemand von außen zuschließt und sagt: Jetzt warten wir mal, bis es so weit ist. Wir stehen in diesem Moment, soweit ich das irgendwie sagen kann, vor Jesus. Jesus kommt, holt uns, und wir sind bei ihm.
Der Tag selber kommt wie ein Dieb. Das war etwas, was Jesus auch oft gepredigt hat. Wenn er wiederkommt, dann wird das heimlich sein, plötzlich sein. Dann wird keiner sagen können: Jetzt ist es gleich soweit. Majakalender 21.12.2012, geht die Welt unter. Kannste knicken, ich kann dir eins versprechen: Es wird nicht so sein, dass irgendjemand vorher mal gerechnet hat.
Es ist erstaunlich, wie viele Christen in der Kirchengeschichte gerechnet haben. Also eigentlich alle großen Christen haben irgendwann mal so ein bisschen gerechnet, wann denn der Herr Jesus wiederkommt. Und man hat das dann an so Ereignissen festgemacht. So, die letzte große Wiederkehrwelle hat sich an dem Volk Israel, an der Gründung des Staates, 40 Jahre drauf, da muss er wiederkommen. Tja, tut mir auch leid, hat auch nicht gestimmt.
Und so kannst du rechnen, wie du willst, der Herr Jesus wird wiederkommen, aber es wird sein wie ein Dieb, ein Dieb in der Nacht. Das Datum ist so geheim, dass, und das verwirrt manchmal Leute, wenn sie es lesen, noch nicht einmal Jesus das Datum kennt. In Markus 13,32 sagt er, der Sohn weiß nicht, wann dieser Tag anbricht.
Es ist insofern schwierig, weil natürlich, wenn du sagst: Weiß Jesus aus der Perspektive des allmächtigen, allwissenden Gottes? Wir haben das vorhin gesungen, ich finde das Lied so schön: Ja, was für ein Gott, was für ein Mensch. Und wir haben manchmal Formulierungen in der Bibel, da wird das Menschsein Jesu betont, und manchmal die Göttlichkeit. Also er schaut mitten ins Hirn, so popp, ich weiß, was du denkst, das ist die göttliche Seite. Ich habe da zwei Fische, und ich mache da mal zwanzigtausend Fische draus, göttliche Seite.
Und dann gibt es Aspekte, wo das Menschsein Jesu betont wird, wo du denkst: Er ist müde, er hat Hunger, er ist niedergeschlagen. Und aus dieser Perspektive heraus, wenn ich das Menschsein Jesu betrachte, wenn ich quasi den klügsten und in der Bibel wissendsten Menschen nehme, dann sagt er: Ich weiß das nicht.
Und deswegen ist es auch so absurd, wenn sich einer hinstellt und sagt: Ich weiß, wann der Herr Jesus wiederkommt. Nein, ist es nicht. Es wird plötzlich passieren, so schnapp. Und wenn jemand diesen Moment erlebt, ich glaube, es wird eher so sein, dass wir alle sagen: Huch!
Ich glaube nicht einmal, dass es große Zeichen vorneweg geben wird, dass alle sich schon mal darauf vorbereiten können, so ein himmlischer Weihnachtskalender, wo du immer so ein Türchen aufmachst oder wo so eine himmlische Sternuhr langsam rückwärts läuft oder so. Ich glaube das nicht. Ich glaube, es wird plötzlich passieren.
Und es ist wichtig, darauf zu hören, was der Herr Jesus gepredigt hat. Er hat immer und immer wieder gesagt: Bleibt wachsam, passt auf, dass die Langmut Gottes, dieses Warten Gottes, nicht dazu führt, dass ihr so apathisch werdet, dass ihr sagt: Na ja, er kommt ja gar nicht mehr wieder. Doch, tut er.
Es ist erstaunlich, wie oft Jesus in den Evangelien davon spricht, dass er plötzlich wiederkommt, und wie groß die Versuchung ist, dass man die Langmut Gottes ausnutzt. Ich möchte euch gern zwei Texte dazu zeigen, weil es etwas ist, worüber wir selten predigen, und es lohnt sich einfach, das zu lesen.
Ich nehme mal das Matthäusevangelium, Matthäus 24, ab Vers 45. Matthäus 24, das ist die Endzeitrede, und direkt danach predigt Jesus das. Es ist so ein großer Bogen von jetzt bis in die Ewigkeit, und direkt danach gibt es einige Gleichnisse, die sich alle um dasselbe Thema drehen.
Dass du es nicht verpasst, wenn ich wiederkomme: Sei wachsam, bleib wachsam, lass dich von dieser Welt nicht zu sehr vereinnahmen, komm nicht in so einen Modus, Jesus kommt eh nicht wieder. Pass auf, zwei Beispiele.
Bilder der Wachsamkeit und der Unvorbereitetheit
Da heißt es in den Versen 45 folgende: Wer ist nun der treue und kluge Knecht, den sein Herr über sein Gesinde gesetzt hat, um ihnen die Speise zur rechten Zeit zu geben? Ein Bild: Wer ist ein guter Angestellter?
Glückselig jener Knecht, den sein Herr, wenn er kommt, bei solchem Tun finden wird. Wahrlich, ich sage euch: Er wird ihn über seine ganze Habe setzen.
Wenn aber jener als böser Knecht in seinem Herzen sagt: Mein Herr lässt auf sich warten, und anfängt, seine Mitknechte zu schlagen und isst und trinkt mit den Betrunkenen – wir würden heute sagen: Da lässt einer die Punkte, Punkte, Punkte raus, so richtig, da passiert eh nichts mehr –, so wird der Herr jenes Knechtes kommen an einem Tag, an dem er es nicht erwartet, und in einer Stunde, die er nicht weiß.
Und natürlich klar: Der Knecht, das sind wir. Jesus wird wiederkommen. Er ist der Herr. Und seine Stunde, die weiß man nicht. Dann wird es ganz dramatisch und er wird ihn entzweischneiden. Das ist schon üble Terminologie. Stell dir so ein Schwert vor, einmal so in der Mitte durch, plopp. Er wird ihn entzweischneiden und ihm sein Teil setzen mit den Heuchlern. Da wird das Weinen und das Zähneknirschen sein.
Also: Dieses Wachsambleiben und dieses Daraufachten, dass ich nicht unvorbereitet reinkomme, das ist etwas ganz Dramatisches.
Das nächste Gleichnis ist noch lustiger, mit den zehn Jungfrauen. Zehn Jungfrauen, zehn junge Mädchen. Die Freundin von denen heiratet, und Heirat war damals so: Irgendwann gibt es so den Bing, und dann kommt der Bräutigam mit der Braut ins Dorf. Dann fängt die große Hochzeitsfeier an.
So, da sind jetzt zehn, die auf diese Hochzeitsfeier warten. Fünf sind vorbereitet und fünf nicht. Nicht vorbereitet heißt: Irgendwann geht denen das Lampenöl aus. Ja, sie stehen im Stockdunkeln da, müssen dann losziehen und sich erst Lampenöl kaufen. Und wenn sie wieder da sind, was ist dann? Dann ist die Tür zu und sie stehen draußen. Total fiese Geschichte.
Stell dir vor, du hast – ich habe so ein Fitnessstudio, und oben drüber ist so ein türkischer Feiersaal. Und wenn die da so richtig mit 500 Leuten türkische Hochzeit feiern und das schallt da so raus, und ich stehe da manchmal so davor – und du stehst draußen, du bist nicht eingeladen. So ist das da auch. Da gibt es eine Feiergesellschaft, und draußen stehen die, die einfach nicht vorbereitet waren, die nicht aufgepasst haben, die dachten: Wir kriegen das schon irgendwie hin. Irgendwann wird er kommen, wird schon irgendwie werden. Der eine, der es ausnutzt, der andere, der irgendwie denkt: Naja, wird schon. Wenn es so weit ist, werde ich schon noch genug Zeit haben.
Vorsicht! Ich lese euch noch die zwei Stellen vor, 25 Vers 11 bis 13, damit ihr das noch mal hört:
Später aber kommen auch die übrigen Jungfrauen, das sind die, die sich nicht vorbereitet hatten, und sagen: Herr, Herr, tu uns auf! Die stehen an der Tür und klopfen an: Aufmachen, aufmachen, komm, lass uns auch noch rein, wir sind doch jetzt auch da, ein bisschen verspätet zugegebenermaßen, ja, hm, kann ja mal passieren. Nee.
Er aber antwortete und sprach: Wahrlich, ich sage euch, ich kenne euch nicht.
Boah, ich kenne euch nicht. Nicht: Schön, dass ihr auch schon da seid, so wie wir Gäste begrüßen, die vielleicht ein bisschen später zum Gottesdienst kommen, so mitten in der Predigt. Da sagt man immer so: Schön, dass du auch schon da bist, und wir freuen uns wirklich. Aber hier an der Stelle ist es so: Der freut sich nicht. Er sagt: Wenn du nicht vorbereitet bist, dann kenne ich dich nicht.
Das heißt, rettender Glaube und Wachsamkeit werden hier zusammengebracht. Ich kenne euch nicht. So wacht nun, denn ihr wisst weder den Tag noch die Stunde.
Wenn ich nicht wachsam bin, wenn ich nicht vorbereitet bin auf den Tag der Wiederkunft Jesu, wenn ich womöglich die Zeit dazwischen so wie dieser Knecht dazu nutze, mein eigenes Ding zu drehen, dann lässt das einen ganz tiefen Blick in mein Herz zu. Dann zeigt sich etwas von dem, wer ich wirklich bin. Und ob all das, was ich so über Jesus und mein Verhältnis zu Jesus und meinen Glauben sage, ob das wirklich stimmt. Denn das Leben, das ich lebe, das zeigt im eigentlichen Sinn, wie echt mein Glaube ist.
Selbstprüfung, Festigkeit und geistliches Wachstum
So sind wir nun also solche, die glauben. Und ich möchte auf keinen Fall, dass jetzt jemand hier Angst um seinen Glauben bekommt. Ich glaube, dass ihr Menschen seid, die glauben. Und deswegen müssen uns solche Texte jetzt nicht grundsätzlich Angst machen.
Aber ich merke: Wenn ich so einen Text lese, frage ich mich schon, wie viel vom bösen Knecht eigentlich in mir steckt. Ich bin jetzt kein böser Knecht. Aber wie viel von dieser Haltung steckt in mir: Ich könnte doch auch ein bisschen mein eigenes Ding machen. Es dauert bestimmt noch tausend Jahre, bis Jesus wiederkommt. Bestimmt noch eine Ewigkeit. Wie viel törichte Jungfrau steckt denn in mir drin? Das ist doch eine komische Vorstellung, oder? Also: Wie viel Unvorbereitetsein?
Und als ich das so gelesen habe, dachte ich mir: Stellt euch mal vor, Jesus würde heute Abend wiederkommen. Also, wenn wir hier fertig sind, gehe ich noch mal ins Fitnessstudio. Ich habe letzte Woche beim Abnehmen ein paar Fehler gemacht und etwas falsch abgerechnet, also muss ich dann noch ein paar Dominosteine abarbeiten. Und jetzt stehe ich da auf meinem Stepper, und stellt euch vor, in diesem Moment kommt Jesus. Das wäre wirklich plötzlich und unerwartet.
Was heißt das denn? Das heißt: Ja, oder Gewinn, je nachdem, wie man es sieht. Das heißt, dass alles aus ist. Für mich bedeutet das: Irgendein ungläubiger Haushaltshandwerker der Wohnungsbaugesellschaft wird in vielleicht sechs Wochen unsere kleine Lichterkette ausmachen, weil ich nicht mehr da bin. Das heißt: Die Bücher, die ich angefangen habe zu lesen und die halb gelesen auf meinem Bücherregal stehen, werde ich nicht mehr zu Ende lesen. Das heißt irgendwie: Ich werde keine Weihnachtspredigt halten müssen, dürfen, sollen. Pute an Weihnachten, erster Weihnachtsfeiertag, ihr habt bestimmt andere Sitten, gibt’s nicht. Silvesterparty abgesagt, alles vorbei. Und heute Abend könnte das sein. Nichts geht mehr, rien ne va plus.
So, das war das erste Mal, dass ich, glaube ich, Französisch in der Predigt verwendet habe.
Das ist die Realität: Es könnte heute Abend so weit sein. Aber, Entschuldigung, wie sieht es denn wirklich aus, wenn ich jetzt Termine für 2014 anfange, weil 2013 in meinem Kalender voll sind? Und ich lebe eigentlich nicht immer mit der Erwartung, dass heute Abend alles vorbei sein könnte.
Deswegen sind solche Texte Texte, die jetzt nicht Angst machen sollen, sondern die mir zumindest dabei helfen, die Prioritäten in meinem Leben immer wieder neu zu setzen. Und mir die Frage zu stellen: Habe ich mich eigentlich gerade an das Leben, das ich jetzt lebe, verloren? Bin ich eigentlich nur noch hier unterwegs? Oder habe ich noch einen Blick dafür, dass heute Abend tatsächlich Jesus wiederkommen könnte?
Und das ist, was der gute Petrus hier sagt. Er sagt in 2. Petrus 3,10: Es wird aber der Tag des Herrn kommen wie ein Dieb. Und das gilt für uns.
Gericht, Neuschöpfung und die Hoffnung der Glaubenden
Was passiert an dem Tag des Herrn? Was geschieht, wenn dieser Tag wirklich anbricht? An ihm werden die Himmel mit gewaltigem Geräusch vergehen, die Elemente aber werden im Brand aufgelöst, und die Erde und die Werke auf ihr werden im Gericht erfunden werden.
Dieses Wörtchen erfunden ist vielleicht ein besseres Deutsch, wenn man sagt gefunden. Ja, es ist dasselbe gemeint.
Was passiert an dem Tag des Herrn? Diese Erde und der Himmel werden vergehen. Die Elemente werden im Brand aufgelöst. Wahrscheinlich sind damit nicht die Bestandteile der Erde gemeint, sondern der Begriff beschreibt Sonne, Mond und Sterne. Das heißt: Der gesamte Kosmos, wie wir ihn kennen, die sichtbare und irgendwie auch unsichtbare Welt, wird aufgelöst werden.
Der Tag kommt, der Tag geht, und es gibt einen neuen Himmel und eine neue Erde, oder um genau zu sein: einen neuen Himmel und eine neue Erde. Es ist ein unglaublicher Tag.
Und was passiert noch an diesem Tag? Dieses Aufgelöstwerden ist eigentlich nur der Hintergrund dafür, dass hier steht, es wird Gericht gehalten. Gericht über alle bösen Werke der Menschen. Nicht ein einziges böses Werk wird dabei außen vor bleiben. Egal, was im Geheimen passiert ist, egal, wer versucht hat, sich durch Selbstmord aus dieser Welt zu verabschieden und den Rest der Welt mit seinen bösen Taten überzogen hat: Alles wird noch einmal gerichtet werden.
Falsch, müsst ihr jetzt denken: nicht alles. Denn es gibt eine Gruppe von Menschen, die kommt nicht ins Gericht, und das sind die Gläubigen. Unser Gericht ist schon passiert. Unser Gericht ist an einem Kreuz schon getilgt, oder getan worden. Unsere Strafe hat der Herr Jesus auf sich genommen. Es gibt tatsächlich die Gläubigen, die in diesem Gericht ungeschoren davonkommen. Aber es sind nur die Gläubigen.
Über uns heißt es: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, der hat ewiges Leben und kommt nicht ins Gericht. Das ist das, was wir festhalten dürfen. Johannes 5,24
Wir kommen nicht in dieses Gericht. Für uns ist der Anbruch dieses Gerichtstages, wenn es um den Tag des Herrn geht, eigentlich Happy Hour im besten Sinn, weil wir Jesus begegnen. Der Rest der Welt ist Bad News, das Gegenteil von Evangelium, weil in diesem Moment tatsächlich Gericht anbricht.
Es wird in der Zeit, wenn dieser Tag des Herrn läuft, noch die Möglichkeit geben, zu Bekehrungen. Aber es wird, denke ich, ungleich schwieriger sein, als das heute jemals der Fall war.
Die angemessene Antwort auf Gottes Geduld
Frage: Wie ist die richtige Antwort auf Gottes Langmut?
Wir lesen weiter in den Versen 11 bis 14:
Da dies alles so aufgelöst wird, was für Leute müsst ihr dann sein in heiligem Wandel und Gottseligkeit? Beschreibt unser Leben mit Gott, Frömmigkeit, ein anderes Wort dafür, indem ihr die Ankunft des Tages Gottes erwartet und beschleunigt. Macht euch mal eine Anmerkung daran: erstrebt ist vielleicht die sinnigere Übersetzung, ja, weil beschleunigen irgendwie komisch klingt. Also: Wir erwarten und erstreben die Ankunft des Tages Gottes. Um dessen willen werden die Himmel in Feuer geraten und aufgelöst, und die Elemente werden im Brand zerschmelzen. Wir erwarten aber nach seiner Verheißung neue Himmel und eine neue Erde, in denen Gerechtigkeit wohnt.
Deshalb, weil wir das erwarten, deshalb, Geliebte, da ihr dies erwartet, befleißigt euch, unbefleckt und tadellos von ihm im Frieden erfunden zu werden.
Was sagt uns Petrus? Wenn du daran glaubst, dass es einen neuen Himmel und eine neue Erde gibt, wo Gerechtigkeit wohnt, dann fang doch hier auf der Erde schon damit an, so zu leben, wie es dann der Fall sein wird. Und wenn du das tust, dann zeigst du damit, dass du eigentlich hier nicht wirklich zu Hause bist. Dass dein eigentliches Zuhause diese neue Erde und die neuen Himmel sind. Dass du dahin gehörst, so innerlich.
Heiligkeit ist eine Antwort darauf, wenn ich glaube, dass der Tag des Herrn kommt. Heiligkeit, die sich darin zeigt, dass mein Charakter sich ändert. Dann sagt der Text, wir sollen unbefleckt sein. Ich möchte das jetzt nicht vormachen, aber stellt euch vor, ich würde hier vorne mit so einem Matschbecken sein und ich würde euch alle so etwas rüberwerfen, und ihr geht hier raus und jeder hat dann so Flecken an seiner Kleidung dran. Und denkt: super Sache. Das ist das, was Sünde vor Gott macht. Wir stehen vor Gott als Sünder, die befleckt sind, von oben bis unten. Wenn wir sündigen, beflecken wir uns. Sie machen uns dreckig.
Und Gott sagt: Hey, ich wünsche mir Leute, die unbefleckt sind. So wenig Dreck wie möglich, Sündendreck. Unbefleckt, tadellos. Da soll es keinen Anklagepunkt in unserem Leben geben.
Und der letzte Punkt: im Frieden. Es soll in unserem Leben keinen Streit geben. Als solche Leute sollen wir leben, weil wir eine Welt erwarten, in der genau diese Prinzipien gelten.
Die Frage nach dem eigenen Zustand
Und die Frage, die hier im Raum steht, die Petrus in den Raum stellt, ist: Wenn Jesus wiederkommt, als was für ein Typ findet er dich?
Als einer, der vorbereitet ist? Der sagt: Ja, das sind meine Ideale, ganz klar. Ich bin so ein guter und treuer Knecht. Ich mache meinen Job. Ich bin so eine kluge Jungfrau. Ich schmücke mich ein bisschen und bin vorbereitet. Ich schaue einfach, wie das geht. Ich bin so ein Typ, der sagt: Ja, Frömmigkeit, das klingt ein bisschen altbacken, aber das trifft es eigentlich ganz gut. Wüsste jetzt auch kein besseres Wort für mein Leben. Ja, sagen wir doch mal einfach: Frömmigkeit.
Und wir sind nicht die, die sagen: Ey, das hat alles noch Zeit mit dem Himmel. Ja, ich bin jetzt hier, Schritt für Schritt, und jetzt mache ich erst mal meins. Das wäre wirklich falsch.
Ich weiß nicht, wie es dir geht, wenn du das liest, dieses: Wie heißt das hier? indem ihr die Ankunft des Tages Gottes erwartet und beschleunigt oder erstrebt. Bist du einer, der morgens aufwacht, oder wenigstens hast du das schon mal erlebt, einmal in deinem Leben, dass du morgens aufwachst und sagst: Hoffentlich kommt das heute, der Tag des Herrn. Wenn heute Schluss wäre, das wäre echt cool. Bei Klassenarbeiten, ja, ja, genau, richtig.
Etwas erwarten und erstreben. Wenn du mich fragst, was erwartest und erstrebst du im Moment, lieber Jürgen, dann würde ich sagen: Ich erwarte und erstrebe Weihnachten, um genau zu sein die Woche nach Weihnachten. Ich habe am 24. noch eine Predigt, und wenn die rum ist, dann beginnt so eine Phase, die male ich mir gerade so in schönen Farben aus, was da alles passieren wird. Und das wird sehr entspannt sein.
Das heißt erwarten und erstreben. Die Frage ist aber nicht, ob wir den Weihnachtsurlaub erwarten, sondern ob wir mit der gleichen Haltung Jesus erwarten.
Paulus, Schrift und der Umgang mit schwierigen Texten
Vers 15: Und achtet die Langmut unseres Herrn für Rettung. Wenn Jesus, wenn Gott noch wartet, warum? Weil er sich das wünscht, dass Menschen gerettet werden. Wenn Gott sich verspätet, dann immer aus einem guten Grund.
Wie auch unser geliebter Bruder Paulus nach der ihm gegebenen Weisheit euch geschrieben hat. Wie auch in den Briefen, wenn er in ihnen von diesen Dingen redet. In diesen Briefen ist einiges schwer zu verstehen, was die Unwissenden und Unbefestigten verdrehen, wie auch die übrigen Schriften, zu ihrem eigenen Verderben.
Wenn du am Anfang stehst als Christ und das erste Mal die Bibel liest, gerade so Paulusbriefe, weißt du, was Petrus meint. Auch Petrus hatte so seine Not mit Paulusbriefen anscheinend. Es ist nicht immer simpel, wie er es formuliert. Ich muss persönlich allerdings sagen: Ich finde Petrus auch nicht so viel simpler. Ich weiß jetzt nicht, ob es euch anders geht, ich finde die beiden ungefähr auf einem Niveau.
Aber zumindest schreibt Petrus über Paulus erstens: Der schreibt genau das Gleiche. Also er sagt auch, es gilt, den Tag des Herrn zu erwarten, es gilt, darauf vorbereitet zu sein, es gilt, in diesem Leben schon das zu reflektieren, diesen Charakter, den wir dann haben werden.
Und zweitens: Es gibt Leute, das sind unwissende Leute, und das sind unbefestigte Leute. Das heißt, denen fehlt es ein bisschen an, ja, die wissen einfach nicht genug. Das sind geistliche Jungspunde, würde ich sagen. Die haben einfach noch nicht genug Bibel gelesen, noch nicht genug darüber nachgedacht, oder es sind Leute, die sind so ein Stückchen oberflächlich.
Unbefestigte Leute neigen dazu, weil Paulus so kompliziert ist, ihn zu verdrehen, das heißt, ihn falsch zu verstehen. Das ist interessant, weil es zwei Dinge bedeutet. Erstens: Du kannst Paulus richtig verstehen, wenn du sagst: Ich möchte so viel lernen, ich möchte so viel Wissen mir aneignen, dass ich mit diesen auch schwierigen Texten richtig umgehen kann. Das ist das eine. Es geht.
Das andere ist: Rechne doch bitte damit, dass es Leute gibt, die nehmen so einen Paulustext, und es fehlt ihnen an Durchblick, und es fehlt ihnen auch an Glaubensfestigkeit, und sie verdrehen das einfach. Die erzählen dir Sachen, wo sie glauben, das würde da stehen. Das hat da nie gestanden, das hat Paulus nie gemeint.
Und es ist manchmal wirklich spannend, wenn man das so erlebt, wie Menschen falsche Positionen, wie sie die versuchen, so doch aus der Bibel herzuleiten, wo du da manchmal denkst: Hallo, das steht doch gar nicht da, oder was machst du mit dem armen Text? Also da bleibt am Ende von dem Text oft nichts übrig. Und Petrus sagt: Kennen wir alles, gibt nichts Neues unter der Sonne.
Wenn du denkst, die Auslegung kann doch gar nicht stimmen, das steht doch ganz anders, ja, rechne einfach damit, dass es solche Leute gibt, die, und hier ist ein interessantes Wort, die Paulusbriefe und die übrigen Schriften verdrehen.
Schrift ist inspiriertes Wort Gottes, ist autoritatives Wort. Also mit dem Begriff Schrift ist ein Text gemeint, der kommt von Gott. Und in der damaligen Zeit hat dieser Begriff Schrift Folgendes umfasst. Vielleicht noch nicht den ganzen Kanon, weil wir nicht genau wissen, wann der zweite Petrusbrief geschrieben wurde. Aber was mindestens damals schon dazugehörte und wo die ersten Christen merkten: Boah, das, was die Apostel hier schreiben, das hat eine besondere Qualität, da steckt Gott dahinter.
Auf der einen Seite ist Schrift das Alte Testament, darauf beziehen sich die Apostel immer wieder. Und dann kommen zu diesem Begriff Schrift, also zum Begriff der Texte, die autoritativ sind, die die Wahrheit sagen, wo Gott dahinter steckt, die apostolischen Schriften, wie zum Beispiel die des Paulus oder dann auch später. Man kann das auch gut zeigen für das Lukasevangelium, sie kommen mit hinzu.
Wenn man sich fragt, wie ist es jetzt eigentlich passiert, dass so eine Bibel entsteht, wie sind wir eigentlich zur Bibel gekommen? Es steht ja nicht immer bei jedem Brief vorne dran: Copyright God. Ja, oder Copyright Holy Spirit, das steht da ja nicht. Wie wussten die damals, was jetzt inspiriert ist und was nicht?
Und sie haben einen sehr simplen Test gemacht. Sie haben auf der einen Seite darauf vertraut, dass die Leute, die am engsten mit Gott gelebt haben, sprich die Apostel und ihre Mitarbeiter an der Stelle was sagen. Und dann gibt es in 1. Thessalonicher 2,13 einen Hinweis. Ich lese euch das nur mal vor. Da schreibt Paulus an die Thessalonicher, 1. Thessalonicher 2,13:
Und darum danken auch wir Gott unablässig, dass, als ihr von uns das Wort von Gott empfingt, ihr es nicht als Menschenwort aufnahmt, sondern, wie es wahrhaftig ist, als Gotteswort, das in euch, den Glaubenden, auch wirkt.
Für mich ist es der Tupperware-Test. Also wenn man sich fragt, warum sich Tupperware durchgesetzt hat, das ist ja für Männer immer ein Phänomen, das wird auch wahrscheinlich immer eins bleiben, aber Tupperware hat sich durchgesetzt. Warum? Es funktioniert. Du kannst ja dagegen sein und kannst sagen: So viel Geld für Plastik, das geht ja nicht. Ja, doch, es funktioniert. Also wenn das dicht schließt, schließt das dicht.
Und so ist das mit dem Wort Gottes auch. Es funktioniert. Und Leute haben mitbekommen: Das funktioniert. Ich kann das lesen, ich kann das tun, und schau an, es funktioniert. Es passiert genau das, was da drinsteht, so als wäre das, was da steht, wirklich Wahrheit.
Und das sind so die Indizien: von Aposteln geschrieben, es funktioniert. Und es funktioniert nicht nur an einer Stelle, sondern überall. Und irgendwann kriegst du mit: Wow, es gibt Schriften, die sind nicht nur geschrieben, sondern das sind echte Schriften, also die sind von Gott inspiriert.
Und diese Dinge, die werden jetzt genommen von denen, die unbefestigt und unwissend sind und ein bisschen verdreht, aber natürlich zu ihrem eigenen Verderben. Und das ist schrecklich. Das heißt, du kannst die Bibel lesen, und es kann dir passieren, dass du etwas in die Bibel hineinliest und am Ende deine Errettung verpasst. Einfach nur deshalb, weil du nicht bereit bist, genug zu lernen, weil du nicht bereit bist, das an Know-how zu erwerben, um einen sauberen Umgang mit der Schrift zu praktizieren.
Und ich weiß nicht, wie viele Leute ich kenne. Ich kenne so einige Leute aus dem Bereich des Mystizismus, die ihre komischen mystischen Gedanken oder aus dem Bereich der Esoterik auch da ihre komischen esoterischen Gedanken einfach in die Bibel hineinlesen. Beliebter Gedanke: Reinkarnation steht schon in der Bibel. Du denkst dir: Okay, ja. Und dann kriegst du so zwei, drei Stellen, wo du denkst: Nee, die haben damit gar nichts zu tun. Doch, das ist für sie genug Beweis dafür, dass Reinkarnation stimmt. Da fehlt es einfach an Wissen.
Und das Schlimme ist, dass wir Menschen dazu neigen, nicht nur die Bibel falsch zu interpretieren, sondern auch noch etwas darauf einbilden. Und so kommt es, dass Menschen die Bibel lesen und trotzdem nicht in der Ewigkeit ankommen.
Festhalten, wachsen und auf Christus ausgerichtet bleiben
So, Vers 17: Da ihr, Geliebte, es nun vorher wisst, kann sich also keiner von euch mehr herausreden. So hütet euch, dass ihr nicht durch den Irrwahn der Ruchlosen mitgerissen werdet und aus eurer eigenen Festigkeit fallt.
Wisst ihr, was Ruchlosigkeit ist? Ich habe das Wort erst dieses Jahr nachgeschlagen. Er hat immer so eine Idee, aber Ruchlosigkeit kommt aus dem Mittelhochdeutschen. Schöner Mittelhochdeutsch: Ruoch oder Ruoche heißt Sorgfalt und Bedacht. Ruochlos – ich blick das gar nicht so richtig hin – heißt also sorglos und unbekümmert. Ein ruchloser Mensch ist also ein von niederen Motiven angetriebener, skrupellos handelnder Mensch.
Und jetzt sagt Petrus: Diese Spötter und diese Irrlehrer sind ruchlos. Und Irrwahn, das Wort ist einfach klasse, vielleicht taugt es nicht als Vorname, aber Irrwahn – du merkst, die gehen völlig am Ziel vorbei. Das hört sich nach völlig kaputt im Kopf an.
Und die Gefahr, in der Christen stehen, ist, dass es da draußen Leute gibt, die tatsächlich Sachen verkaufen, die Irrwahnsachen sind. Die sind einfach falsch. Das sind Irre, die sich irren und andere auch dazu bringen wollen, dass sie sich auch irren. Und Petrus sagt: Pass auf, du weißt das jetzt. Du weißt, dass es Leute gibt, die mit der Bibel in der Hand den größten Blödsinn erzählen. Pass auf, dass dich das nicht aus deiner eigenen Festigkeit reißt, dass du deine Festigkeit nicht verlierst.
Halte das fest, wenn du sagst: Hey, mir geht es geistlich im Moment gut. Ich hatte persönlich die Woche so eine zweigeteilte Woche. Bis Donnerstag fand ich es, und am Freitag ging es dann wieder. Dann war es okay, gut. Und wenn ich jetzt gerade mal wieder so sage: Geht wieder, ist wieder so stabiler. Festhalten, einfach festhalten.
Pass auf, dass dich keiner mit einer blöden Bemerkung oder einer komischen Theologie oder mit irgendwas, was weiß ich, einem komischen Buch oder einer dusseligen Predigt wieder so plopp rauswirft. Bleib stehen, halte das fest. Wenn du so ein bisschen Grund hast, schön stehenbleiben. Nicht umwerfen lassen, ein bisschen in die Hocke gehen, da ist man ein bisschen stabiler, und dann so geistlich einfach warten.
Es gibt Leute, die wollen dich umstoßen. Geh einfach davon aus und schau, dass das nicht passiert. Schau, dass du nicht an anderer Stelle hörst: Jeder Wind der Lehre bläst uns hin und her. Dass du nicht so ein Schiffchen bist. Kennst du diese kleinen selbstgebastelten Schiffchen, so eine Nussschale? Da kommt dann so ein kleines Segelchen drauf, und es ist egal. Da brauchst du nur ein bisschen machen, und dann bewegt sich das weg. Und wenn ein anderer von der anderen Seite macht: Ja, man fliegt von mir.
Wir sollen nicht Nussschalen sein, die kleine Jungs in der Badewanne schwimmen lassen. Wir dürfen Ozeanriesen sein, wo du machen kannst und da passiert gar nichts. Wo wir alles machen könnten, wo du einen Schlepper ranhängen kannst, der, was weiß ich, mit zweitausend PS Motorleistung zieht. Und ganz, ganz langsam bewegt sich ein ganz kleines bisschen was. Das ist es. Das ist das Bild, was Petrus sich für uns wünscht: Stabilität, dass wir Wissen haben und dass, wenn andere Leute kommen, wir nicht einfach umgeblasen werden.
So, da ihr, Geliebte, es nun vorher wisst, so hütet euch, dass ihr nicht durch den Irrwahn der Ruchlosen mit fortgerissen werdet und aus eurer eigenen Festigkeit fallt. Wachset aber!
Was dürfen wir lernen? Wachset aber in der Gnade! Petrus und ich wünschen euch, dass ihr wachst, dass ihr einfach Gnade besser versteht. Und ich nehme mich gerade mal mit rein: Ich möchte das auch hören, so, ich höre das jetzt auch. Wir müssen Gnade lernen, wir müssen begreifen, was Gnade ist, wie Gnade funktioniert, wie sich Gnade anfühlt. Wir müssen begreifen, wie Gnade gelebt wird, was Gnade bedeutet, wenn ich gerade Mist baue, was Gnade bedeutet, wenn es mir gerade gut geht. Wir dürfen darin wachsen.
Und wenn wir dabei unterwegs sind, dann: Wachset aber in der Gnade und Erkenntnis unseres Herrn und Heilandes Jesus Christus. Wenn du da schon dabei bist, dann tu das. Und jetzt gehen wir ganz an den Anfang vom zweiten Petrusbrief wieder zurück, das ist nämlich so eine Klammer. Da beschreibt Petrus, wie wir den Herrn Jesus immer besser kennenlernen.
Dadurch, dass wir ein Leben mit ihm und für ihn leben und dass wir ihn in diesem Leben erleben, dass wir an seiner Seite durch diese Wüste gehen. Mag dieses Lied „Wir gehen heim“, was wir vorhin gesungen haben, diese Seite an Seite durch die Wüste. Und du wirst die Erfahrungen machen, die nötig sind, wo Gott dich mit deinen Schwächen und mit deinen Einschränkungen und mit deinen Dellen benutzen wird, um sein Reich zu bauen. Wir dürfen ihn immer besser erkennen.
Abschluss in Lobpreis und Zusammenfassung
Und dann endet dieser Brief auf eine ganz bemerkenswerte Weise mit einer Doxologie. Doxologie heißt ein Lobpreis. Üblicherweise wird Gott geehrt, also Lobpreise gehen eigentlich an Gott, den Vater. Hier ist es eine Ausnahme: In einem Brief wird Jesus selbst durch eine Doxologie angebetet.
Da heißt es dann: Wachse dabei in der Gnade und Erkenntnis unseres Herrn Jesus Christus, ihm sei die Herrlichkeit, ihm sei die Herrlichkeit. Da stellt sich Petrus hin, sieht Jesus vor sich und sagt: Dir, Herr, möchte ich Herrlichkeit bringen. Ich möchte, dass du verehrt wirst. Ich möchte dich so ehren, wie ich den Vater ehre, denn das ist unser Job nach Johannes 5,23.
Ihm sei die Herrlichkeit, sowohl jetzt als auch bis zum Tag der Ewigkeit, also immer.
Ich mache Schluss mit folgenden Worten: Wir haben am Anfang des zweiten Petrusbriefes Jesus begegnet als dem, der uns alles schenkt. Dabei haben wir gemerkt, dass unser ganzes Leben an ihm hängt. Jetzt am Ende begegnen wir Jesus wieder, als dem, den wir verehren. Petrus sagt: Ich wünsche mir, dass alle Ehre in diese Richtung fließt, dass Jesus einfach alles bekommt an Verehrung, was wir irgendwie nur aufbringen können.
Und zwischen diesen beiden Polen, zwischen einem Jesus, der uns alles schenkt, und einem Jesus, der alle Ehre bekommt, ist ein Leben eingespannt, das auf Jesus ausgerichtet ist. Ein Leben, das auf ihn zuwächst, ihm immer ähnlicher wird, sich auf ihn freut und tatsächlich alle Irrlehrer und Spötter ignoriert.
Und das ist das, was ich uns wünsche, und das ist der zweite Petrusbrief. Amen.
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