Einordnung und erste Entlastung
Weil gerade ganz viel los ist, gibt es einen Vortrag mit dem Titel: „Wachstum ist kein Solo. Theologie, die dich im Glauben wachsen lässt, Nachfolge praktisch, dein geistlicher Impuls für den Tag.“
Mein Name ist Jürgen Fischer, und in meinem Vortrag geht es um Gott, der uns durch Gemeinde verändert. Teil vier: Erste Schritte statt Überforderung.
Das, was ich jetzt gesagt habe, klingt natürlich recht radikal. Vielleicht seid ihr eine Gemeinde, in der sich schon jeder um jeden kümmert, und ihr sagt: Ja, kennen wir alles. Vielleicht bist du aber auch jemand, der sagt: Puuh, so viel Offenheit in unserer Gemeinde, da weiß ich noch nicht genau, was da rauskommt. Will ich mich wirklich für andere öffnen? Will ich mich in den Haufen wirklich investieren? Ja, was ist, wenn ich ... also vielleicht gibt es so den einen oder anderen Vorbehalt.
Und deswegen möchte ich euch jetzt ermutigen: Wenn ihr so diese große Wolke von Bibelstellen über euch spürt, wie so eine schwere Last, dann möchte ich wieder ein Stück zurückgehen und sagen: Lasst uns mal überlegen, wäre es vielleicht möglich, dass du statt alles den ersten, nächsten, kleinen, überschaubaren, ehrlichen, verbindlichen Schritt gehst.
Vom Grundsatz zur konkreten Anwendung
Jetzt gehen wir also quasi in die Anwendung, erster Teil. Und ich möchte, dass wir uns nicht nur verlieren in so einer allgemeinen geistlichen Motivation. Ja, da sagt die Bibel was, hat er schön formuliert, müsste man grundsätzlich mal drüber nachdenken, wäre nett, wenn sich das irgendwann mal durchsetzen würde, aber zum Glück ist jetzt bald Mittagessen.
Wir versuchen jetzt noch, ein klein bisschen konkreter zu werden, damit das Ganze sich vielleicht doch irgendwie ans Leben anbindet. Nochmal Philipper 2, was wir schon hatten: Bewirkt euer Heil mit Furcht und Zittern, denn Gott ist es, der in euch wirkt, sowohl das Wollen als auch das Vollbringen zu seinem Wohlgefallen.
Gott wirkt. Das spürst du auch. Wenn du gläubig bist und den Geist hast, dann spürst du das auch. Und wenn du den Geist Gottes nicht durch Sünde gedämpft hast und ich sag mal durch Dummheit niedergehalten, dann wirst du das auch merken, dass Gott mit dir noch was vor hat, dass es Dinge gibt, wo du sagst, da bin ich noch nicht fertig. Und du wirst dieses Gefühl bis zum Rest deines Lebens behalten.
Wir werden als kaputte, gebrochene Humpler in den Himmel einsteigen. Wenn Jesus wiederkommt, bringt er Gnade mit. Warum? Weil du sie brauchst. Das ist okay, wenn du deine Schwäche zugibst. Wir leben aus Gnade. Wir dürfen und sollen unsere Sünde jeden Tag bekennen, weil sie da ist, weil sie eine Realität ist. Aber wir dürfen auch jeden Tag einen Schritt nach vorne gehen.
Und deswegen darf dieses „Bewirkt euer Heil mit Furcht und Zittern“ eine Bedeutung haben, nicht nur: „Ja, ja, Gott macht schon.“ Nein, keine Passivität, sondern Aktion.
Hürden, Vertrauen und die Wahl guter Begleitung
Jetzt gibt es natürlich typische Hürden. Dieses Miteinander ist ja gar nicht so einfach. Wahrscheinlich wissen jüngere Christen unter euch gar nicht, wie man so eine geistliche Beziehung zu einem Älteren anfängt, dem man sich ein Stück weit offenbart und von dem man lernen will.
Vielleicht sagt man auch: Ich habe aber Angst, wenn ich das wagen würde, mit anderen in so eine Vertrautheit zu gehen. Ich habe Angst, dass ich dann bewertet werde, dass ich vielleicht kontrolliert werde. Man kann leicht so ein Stück Offenheit verwechseln mit vollständiger Transparenz. Du musst natürlich nie jemandem immer alles sagen, aber ein bisschen offen musst du dich schon trauen.
Das Neue Testament ist dafür, dass wir, wenn wir miteinander unterwegs sind, echte Gemeinschaft leben. Eine Gemeinschaft, in der ich auch ehrlich bin und der andere auch ein bisschen tiefer in mein Leben reinschauen darf, als das normalerweise der Fall ist. Auf der anderen Seite weiß ich auch, dass ich mich nicht grenzenlos jedem gegenüber öffnen werde. Es braucht in diesem Prozess schon Weisheit, Vertrauen und Reife.
Aber es gilt eben: Schlag mal auf Sprüche 13,20. Dort heißt es, dass die Leute, mit denen ich mich umgebe, mich prägen werden. Also wenn du nur sagst: Ja, es wäre schon grundsätzlich nett, mal geistlich zu wachsen, dann gilt Sprüche 13,20: Wer mit Weisen umgeht, wird weise, wer sich aber mit Toren einlässt, dem wird es schlecht gehen.
Wer mit Weisen umgeht, nicht nur, wer eine Telefonliste hat, auf der Weise draufstehen, sondern wer mit ihnen umgeht, wer sie kennt, mit ihnen redet, von ihnen lernt, sie auch mal fragt und sich im Zweifelsfall auch korrigieren lässt. Da heißt es in Sprüche 27,6: Treu gemeint sind die Schläge dessen, der liebt, aber überreichlich die Küsse des Hassers.
Also, das kann auch sein, dass die Weisen dir mal sagen: Du, das ist Quatsch, was du da machst. Hör damit auf. Das machen wir nicht. Das ist Unsinn. Das führt dich in deiner Ehe, in deiner Kindererziehung, in deinem Job nirgendwohin. Aha, okay.
Praktische Schritte für Lernbereitschaft und geistliches Wachstum
So, was heißt das jetzt ganz praktisch? Ganz praktisch heißt das: Such dir eine vertrauenswürdige Person. Du musst in der Gemeinde vielleicht nicht jeden kennen, aber wenn du jung im Glauben bist, häng dich an jemanden dran, von dem du sagst: Der könnte das irgendwie sein. Der könnte mir ein Stück Perspektive geben. Mit dem könnte ich mich treffen. Da habe ich den Eindruck, dass ich ein Stück weiterkomme, wenn ich mich mit ihm unterhalte und ihn in mein Leben reinschauen lasse.
Du möchtest beten lernen? Dann brauchst du jemanden, der gut beten kann, bei dem du merkst: Mit dem unterhalte ich mich. Wenn du Bibelstudium machen möchtest, warte nicht auf den nächsten Kurs. Setz dich mit jemandem hin, bei dem du merkst, der kennt sich da aus.
Wenn du sagst: In meiner Ehe möchte ich lernen, meine Frau zu bewundern, ja, das ist ja eine Kernkompetenz von Ehemännern, wisst ihr, wen suche ich mir? Na, ich suche mir jemanden, der weiß, wie man Liebesbriefe schreibt, wie man das macht. Es ist nicht kompliziert. Es ist ein Abend, und ich bringe dir das in neunzig Minuten bei, und du wirst der ultimative Frauenbewunderer. Deine Frau wird nicht mehr wissen, wo du herkommst, und sagt nicht: Ich bin nicht der Romantiker. Du kannst alles lernen. Du brauchst jemanden, der weiß, wie es geht, und sagt: so, so und so, und dann so. Ganz einfach, ja, so einfach.
Manche Dinge sind ganz simpel, wirklich ganz simpel. Such dir eine Person, such dir ein Thema. Such dir eine Person, und diese eine Person, die du dann gefunden hast, mit der spielst du. Das muss auch kein fünfjähriges Programm sein. Wir treffen uns drei Abende, ich besorge das Steak und du die Ideen. So, und dann geht's los.
Das war jetzt sehr männerlastig, ja, also von mir aus auch ein Stück Kuchen und Kaffee, keine Ahnung, was Frauen an der Stelle machen. Männer holt man meistens mit einem Steak ab.
Also, erster Punkt: Ich suche mir jemanden, eine Person. Ich habe ein Thema, wo ich weiterkommen will. Ich suche mir eine Person, dann treffe ich mich mit der Person, und ich stelle ehrlich meine Fragen. Also, ich gebe zu, dass ich nicht alles weiß. Das ist natürlich wichtig.
Wir hatten das heute Morgen beim Beten. Da kommen die Jünger und sagen: „Herr, lehre uns beten.“ Habt ihr euch mal überlegt, wie peinlich das ist? Die waren, was weiß ich, wie lange mit Johannes dem Täufer unterwegs, sind zu dem Zeitpunkt vielleicht schon ein, zwei Jahre mit Jesus unterwegs, und dann kommen die und sagen: Äh, mal ganz ehrlich, wir wissen eigentlich nicht, wie das mit dem Beten geht. Ich meine, wir sind ja auch nur die Jünger des Messias, aber ja, ist ein bisschen peinlich, aber könntest du uns das beibringen?
Das ist Jüngerschaft. Ich gehe hin und ich stelle ganz ehrlich eine Frage. Ich gebe zu, ich habe da etwas nicht verstanden.
Gehorsam, Verantwortung und Weitergabe an andere
Und dann kommt ein dritter Punkt, dann sagt der andere ja etwas. Vielleicht sagt er dann, wie der Herr Jesus, na ja, ist ganz einfach: Hier ist das Vaterunser. Das sind so fünf Punkte, und wann immer du jetzt deine Zeit im Gebet hast, strukturierst du nach den fünf Punkten. Erst kommt Anbetung, dann kommt das Reich Gottes, dann kommen deine eigenen Anliegen, dann bekennst du deine Sünde, und dann bittest du noch um Weisheit und Bewahrung. Ende.
Und jetzt wird es natürlich spannend. Jetzt hast du das gehört, was mache ich jetzt? Jetzt muss tatsächlich, na ja, jetzt muss die Bereitschaft da sein, auch wirklich diesen konkreten Gehorsamsschritt zu gehen. Jetzt musst du sagen: Okay, also wie macht man das? Fünf Blatt Papier, Überschriften drüber, jetzt sammle ich mal Anliegen. Jetzt geht’s los, irgendwie muss das Ding ja zur Potte kommen. Genau, jetzt kommt der konkrete Gehorsamsschritt.
Das sind die drei Dinge, wozu ich euch ermutigen möchte: eine Sache in eurem Leben zu identifizieren, zu überlegen, wer könnte mir helfen, auf die Person zuzugehen, sich mal zu treffen und einfach eine ehrliche Frage zu stellen, und dann diesen konkreten Gehorsamsschritt zu gehen.
Was heißt das jetzt, wenn ich das so formuliere, für langjährige Christen, von denen ich denke, dass sie reif sind? Es bedeutet, dass eure Reife nicht Besitzstand ist, sondern Verantwortung. Wenn du weißt, wie es geht, und wenn du, und es gibt diese Leute, die wirklich verstanden haben, wie man klug eine Ehe führt, wie man klug betet, wie man seine Bibel liest, wie man Bibelverse auswendig lernt, wie man eine Predigt vorbereitet, eine Kinderstunde macht, wie man gute Werke tut, wie man Leute unterstützt, die krank sind, wie man eine Beerdigung managt und so weiter. Es gibt diese Leute, wo du eigentlich sagst: So wäre ich gern.
Wenn das so ist und du so einer bist, der sagt, eigentlich bin ich mit meinem geistlichen Leben ganz zufrieden, also ganz zufrieden im Sinne von: Ich, Jürgen Fischer, habe auch eine Liste mit meinen Lieblingssünden, die ich regelmäßig scanne und wo ich am Arbeiten bin. Ich habe Rechenschaftspartner für manche Sachen, die in mein Leben hineinblicken dürfen. Wäre nicht blöd, also keine Sorge. Aber trotzdem bin ich mit meinem Leben, so wie ich es führe, ganz zufrieden. Ich finde, das läuft irgendwie so.
Und deswegen muss ich jetzt in der Lage sein und darf ich jetzt auf Leute zugehen und sagen: Darf ich dir helfen? Möchtest du etwas lernen zu dem und dem Thema? Ich habe da ein paar Erfahrungen gemacht, die würde ich gerne mit dir teilen. Das ist meine Verantwortung.
Wenn du reif bist, wenn du sagst, ich habe es gerockt, ich weiß, wie es geht, dann bitte spüre die Verantwortung, die Gott dir in der Gemeinde für die Jüngeren gibt. Ich weiß nicht, ob ihr den Titusbrief vielleicht vor kurzem mal studiert habt. Das ist auf alle Fälle ein Stück Literatur, das zum Ausdruck bringt, was ich jetzt gerade formuliere. Da sagt Paulus am Anfang von Kapitel zwei, Titus 2,1: Du aber rede, was der gesunden Lehre geziemt. Und dann geht es darum, dass die Älteren sich in die Jüngeren investieren.
Also die Älteren haben Verantwortung für ihr Leben. Und dann wird bei den Frauen das ganz deutlich gesagt: Ebenso die alten Frauen, damit sie die jungen Frauen unterweisen. Und was dann kommt, ist ganz praktisch. Da geht es nicht um: Erklär mir mal die verschiedenen Endzeitmodelle. Da geht es um: Ey, ich bin mit so einem Knacker verheiratet, wie soll ich denn den lieb haben? Gib mir mal ein paar Tipps, das ist gar nicht so einfach. Ja, das ist das Thema. Wie erziehe ich meine Kinder? Wie kriege ich meinen Haushalt auf die Reihe? Denken Sie, das ist doch albern? Nein, nein, das ist geistliches Leben.
An der Stelle scheitern Menschen nicht bei der Frage mit der Endzeit. Du scheiterst an dieser Stelle, und da brauchen wir einander. Das ist gesunde Lehre, dass wir einander helfen, da, wo es wirklich drauf ankommt. Und wenn du reif bist, wenn du sagst, ich weiß, wie es geht, wir haben unsere, also ich weiß, wie Ehe funktioniert, weil ich, ich weiß nicht wie viele hundert Streits hinter mir habe, ich weiß, wie es geht, und weil ich weiß, wie es nicht geht. Und wenn du so einer bist, der sagt, wir haben uns durchgerungen, dann gib es bitte weiter.
Und auf der anderen Seite, das ist dieses: Ich lasse es zu, dass ich selber für jemand anderen zum Vater werde, zum geistlichen Vater oder zur geistlichen Mutter. Und auf der anderen Seite, die Jüngeren: Für sie bedeutet es natürlich, ich strecke mich aus nach Menschen, die mir Vorbild sind, von denen ich ganz konkret lernen kann. Wir lernen durch Vorbilder. Und Gemeinde ist dann ein Ort der Heiligung und des Wachstums, wenn diese beiden Bewegungen zusammenkommen: auf der einen Seite Jüngere, die lernbereit sind und sagen, ich will an der Stelle weiterkommen, und auf der anderen Seite, wo Ältere auch verfügbar sind und sagen, ich lasse Leute in mein Leben reinschauen.
Und ja, dann werden andere Leute deine Schwächen kennenlernen. Und sie werden feststellen, dass du nicht perfekt bist, und sie werden feststellen, dass du selbst noch mit Sünden kämpfst, und vielleicht mit Sünden, wo die anderen schon drüber hinweg sind. Aber du hast ja deine Biografie und du hast ja deine Geschichte. Deswegen sei doch einfach ehrlich und gib da, wo du hast, anderen etwas ab. Und wo du selber noch etwas brauchst, na ja, da suche ich mir jemanden, der mir wieder hilft. Und so kann Gemeinde werden zu einem Ort der Heilung.
Abschluss und geistliche Zielrichtung
Schluss, Fazit
Unter dem ganzen Vortrag: Wachstum ist kein Solo. Und zwar, weil Gott uns nicht zu Einzelkämpfern rettet. Wir werden gerettet, um in Christus Teil einer Gemeinde zu sein. Er fügt uns in einen Leib ein, wo wir unsere Aufgabe bekommen durch die Gabe, die er uns gegeben hat, und wo wir verändert werden.
Wir werden in diesem Leib Christi verändert durch sein Wort, durch seinen Geist und ganz stark dadurch, dass konkrete Menschen in unser Leben hineinsprechen.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur: Wo will Gott mich heute verändern? Sondern auch: Durch wen will Gott mir helfen beziehungsweise wem sollte ich zur Hilfe werden?
Amen.
Was könntest du jetzt tun? Denke darüber nach, welche Aspekte des Vortrags für dich herausfordernd waren. Gibt es Dinge oder Einstellungen, die du ändern musst?
Das war's für heute. Überlege dir bitte, an welcher Stelle du in den kommenden Monaten ganz konkret geistlich wachsen willst.
Der Herr segne dich. Erfahre seine Gnade und lebe in seinem Frieden.
Amen.
