Ich lese den Predigttext für heute Hebräer 10, das ist Seite 278 bei den
ausgelegten Bibeln im Neuen Testament. Hebräer 10 die Verse 32 bis 39
Zu dem Paul Gerhard will ich nur sagen, Dietrich Bonhoeffer hat in der
Einzelhaft vor seiner Hinrichtung, wenn er von Liedern sprach, nur noch von
Paul-Gerhard-Liedern gesprochen. Wenn er zu Pfingsten ganz allein war, er
hatte keine Gemeinde, dann sagte er sich die Paul-Gerhard-Verse vor: Zieh
ein zu deinen Toren, sei meines Herzens Gast. Schön, wenn Sie die auch
kennen, da ist der gesamte biblische Glaube noch einmal zusammengefasst.
Es gibt ja immer eine Überschrift, damit Sie auch andere ansprechen können
und einladen können, und ich hoffe, dass mancher schon ein wenig neugierig
ist heute aufs Thema, das auf dem Zettel stand: Worauf kann man sich
verlassen?
Worauf kann man sich verlassen. Ich dachte, ich möcht's wieder am
einfachsten an einer Geschichte aus unserem Jahrhundert erklären. Da war
eine junge Frau in dieser schrecklichen Geiselnahme am Anfang unseres
Jahrhunderts in Riga dabei, die Marion von Klot. Wir erleben das heute ja
immer wieder, wie das ist, wenn so unschuldige Menschen plötzlich von
politischen Wirrköpfen mitgenommen werden. Damals waren es kommunistische
Bolschewiken. Die Marion hat eigentlich in Riga nur deshalb bleiben wollen,
sie hätte gut fliehen können, man merkte, die Revolution kommt, aber die
kranke Großmutter, die musste gepflegt werden. Da war sie im Gefängnis und
da ging es schrecklich zu. Dreißig Leute in einer Zelle und die Hälfte der
Leute starb schon an Typhus. Die Marion hat in diesen Tagen ihren
22.Geburtstag gefeiert. Und Sie können sich die Stimmung vorstellen,
wochenlang, wie die Leute da drin sitzen und warten, gibt's noch eine
Hoffnung für uns oder sind wir verloren? Die haben also nichts getan
gehabt, außer, dass sie in diesem Bürgerkrieg ein Faustpfand waren. Und
dann hat jeden Abend diese Marion von Kloth mit ihrer schönen Stimme laut
gesungen, dass es alle Gefangenen hören konnten. Ein Lied, das hat sie erst
kürzlich in ihrer Rigaer Gemeinde kennengelernt, das wurde bei der
Konfirmation ihres Bruders gesungen, war ein neues Lied: Weiß ich den Weg
auch nicht, du weißt ihn wohl. Das heißt, du weißt, woher der Wind so
stürmisch weht, und du gebietest ihn sonst nie zu spät, drum war ich still,
dein Wort ist ohne Trug, du weißt den Weg für mich, das ist genug. Und dann
kam der Tag, wo die baltische Landwehr das Gefängnis erobert hat, und die
Stadt Riga wieder befreit hat von den Bolschewiken für kurze Zeit, aber wie
sie ins Gefängnis stürmen, da war der meiste Teil der Geiseln erschossen.
Aber die wenigen Überlebenden erzählten, wie sie da vor den
Maschinengewehren antreten mussten, hat diese junge Frau den anderen
zugerufen und gesagt: Nur nicht schwach werden! Bevor sie starb. Und das
wollte ich Ihnen einfach erzählen zum Thema: Worauf kann man sich
eigentlich verlassen? Ist das wahr? Sagen wir, dass das Wort Gottes, dass
der christliche Glaube wirklich wahr ist, oder ist das Hirngespinst. Mein
erster Punkt: Mit Jesus macht man großartige Erfahrungen.
Dass ein junger Mensch, wie diese Marion von Kloth1 es den erfahrenen
Frauen und Männern zurufen kann, ja ich weiß es, und ich halte es fest im
Leben und im Sterben. Haben Sie auch solche Erfahrungen? Woher hat sie das
gehabt? Ob sie geträumt hatte, oder nicht, weil sie gewisse Gefühle hatte,
sondern weil es in der Bibel drinstand, daran hat sie sich gehalten in der
Not ihres Lebens. Diese Gemeinde, an die der Hebräerbrief ursprünglich
gerichtet war, war in einer ganz ähnlichen Situation. Und es war
Christenverfolgung, es war im Römerreich eine brutale. Da sind unzählige
umgekommen, wir wissen von diesen Gladiatorenkämpfen und wie die wilden
Tiere losgelassen wurden. Und was alles war, und wie sie ihre Opferkörner
streuen mussten, und da war eine Christengemeinde, eine kleine, mickrige
Gemeinde, aber die stand wie ein Fels in der Brandung. Im Glauben an Jesus.
Im Glauben geht's nur um unser Vertrauensverhältnis zu Jesus, um dieses
festbleiben bei ihm, ich kann ihn nicht verraten und ich kann ihn nicht
verleugnen, einige sind selber schwer in die Verfolgung gekommen, andere
haben sich in rührender Liebe um die Verfolgten angenommen und der
Römerstaat hat das nicht durchgehen lassen. Die damalig Herrschenden haben
die Christen dann aufgespürt und dann haben sie sie vor die Wahl gestellt,
entweder gebt ihr euren Glauben her oder ihr verliert alle eure Güter.
Alles. Und für diese Christen war dieses entweder-oder doch gar keine
Frage. Ihr habt den Raub eurer Güter erduldet. Mit Freuden erduldet, nicht
klagen, nicht mit Schmerz, dass man immer noch erzählt, so wie manche es
noch nie verwinden können, was sie für Geld in ihrem Leben durch
irgendwelche Fehlhandlungen verloren haben, oder ihr Haus, Wohnung, Besitz,
ja, mit Freuden erduldet. Ja, Menschen, die sagen: Wir haben doch viel,
viel mehr gefunden, was sollen wir denn darüber traurig sein. Das hat sie
überhaupt nicht geschmerzt, das war gar nicht da, weil das andere viel viel
größer war. Das ist der Glaube, Ich hab am Anfang des Gottesdienstes
gesagt, dass ein Überwältigtwerden von der Realität der unsichtbaren
Wirklichkeit. Vor ein paar Tagen, am Sterbebett eines treuen Gliedes aus
unserer Gemeinde, wo ich immer denke, wie kannst du der jetzt was sagen,
da sagte sie, ich hab gar keine Angst. Ich bin so geborgen. Wenn das der
Heilige Geist schenkt, ist das nicht herrlich? Das kann man nicht machen,
das kann man nicht einmal sich selber einreden. Und wenn's dann drum geht,
dass wir alle Güter hergeben müssen, wenn wir alles verlieren, nehmen sie
den Leib, Gut, Ehr Kind und Weib, lass fahren dahin, sie haben kein Gewinn.
Ist Ihr Glaube auch so auf Jesus ausgerichtet, prüfen Sie das mal heute!
Worauf kann man sich verlassen, also worauf wollen Sie sich verlassen? Ich
denke, die meisten Lebensentscheidungen bei ihm die ruhen auch auf der
Frage, wie kann ich mein Geld vermehren, wie kann ich mein Leben bequemer
machen, wie kann ich mich versichern für den Ruhestand. Sie können sich
nicht auf Ihre Gesundheit verlassen. Sie wären verrückt. Sie können sich
nicht drauf verlassen, dass Ihr Geld erhalten bleibt. Ich habe nichts gegen
die Hüter der Währung, aber zu viele von Ihnen haben schon erlebt, wie das
Geld in der Nacht entwertet wird. Es gibt nichts, worauf Sie sich verlassen
können, ich kann mich nicht darauf verlassen, dass meine Frau lange bei mir
bleibt, oder ich bei ihr, wir wissen nicht, niemand hat die Garantie, auch
im Glauben haben wir sie nicht. Ich habe nur eine Garantie, dass Jesus mich
versorgt, egal, ob er mich durch dunkle Tage führt, oder ob schwere
schwarze Wolken über mein Leben hinwegziehen, er führt mich, was auch
geschehen mag. Ist Gott für mich, wer kann jetzt noch gegen mich sein. Denn
ich weiß, dass Jesus für mich ist, weil er das Opfer gebracht hat für mich
und mein verfehltes Leben, das Opfer, dass er am Kreuz für mich starb, und
darum weiß ich, nichts kann mehr gegen mich sein. Und wenn wir selbst durch
diese Täler geführt werden, er ist bei mir, und das ist die größte
Erfahrung, wenn man dann sagen kann, hab doch alles, ich bin doch geborgen.
Nichts kann mich scheiden von der Liebe Gottes. Großartige Erfahrungen, in
einem schweren Leben.
Jetzt mein zweiter Punkt. Also das war der erste Teil unseres Wortes, nur
dass Sie wissen, und es ist gut, dass die Bibel daliegt, wir gehen da
entlang. Ihr habt den Kampf des Leidens durchlitten. Jetzt habe ich doch
eins hier vergessen. Das passiert mir immer, wenn man frei spricht. Nachdem
ihr erleuchtet wart, was ist das? Das ich glauben kann, ist eine
Erleuchtung des Heiligen Geistes. So haben wir es im Lutherischen
Katechismus gelernt, dass mich der Heilige Geist mit seinen Gaben
erleuchtet, im rechten Glauben heiligt und erhält. Ich merke, dass er mir
ein Licht aufsteckt und ich plötzlich merke, aha, Glaube ist ein Wunder
Gottes, und das darf man sehen. Und das will der Herr schenken, wo man ihn
darum bittet. Erleuchtung und das ist das Herrliche, Erfahrungen machen im
Glauben. Jetzt der zweite Teil. Was steht da noch drin. Lasst euch den
Schneid nicht abkaufen. Lasst euch den Schneid nicht abkaufen. Da steht
hier eigentlich: Werft euer Vertrauen nicht weg. Aber, ich hab das oft so
festgestellt, bei Christen ist das oft so ein entenlahmes Reden. Ach,
Mensch, sei doch so lieb und gib deinen Glauben nicht auf, aber was man da
als Glauben sieht, ist gar kein Feuer mehr. Das ist bloß noch ein ganz
müdes flackerndes Glimmen. Man ist noch so ein bisschen christlich. Das ist
ja hier nicht gemeint. Diesen mutigen, bekennenden Christen mitten in der
Verfolgung wird gesagt: Lasst euch den Schneid eures Glaubens nicht
abkaufen. Glaube ist immer etwas Kühnes. Etwas Mutiges, der Glaube hat auch
etwas Freches. Klingsoner sagt, der Glaube bricht durch Stahl und Stein.
Der Glaube durchbricht alles. Da gibt es kein Hindernis mehr. Sie wissen,
wie ich immer wieder die Glaubenszeugen bewundere. Die sind ja so wichtig.
Was waren das für Leute. August Hermann Francke, als er die Not der Kinder
sah, die unversorgt aufgewachsen sind. Er gründete Waisenhäuser, obwohl er
kein Geld hatte, Gott ist da, das genügt, Glauben haben, und dann durch
Stahl und Stein. Der Georg Müller in Bristol, der Waisenhausvater, mit
seinen zehntausend Waisenkindern hat es genauso gemacht. Und wir kennen die
ganzen Leute der Mission, da sprach eigentlich alles dagegen, ich kann es
ihnen nicht aufzählen, ich hab aber unseren Landsmann Ludwig Krapp, den
ersten Pionier in Ostafrika, der hat gesagt: Scheitern und Misserfolg macht
mich nur desto gewisser. Weil er sagt: Ich komm doch nicht aus der
Erfahrung, wenn ich meinen Dienst für Jesus tue, sondern ich horche aufs
Wort, was mir Gott befiehlt, was in der Bibel steht, und dann geh ich
meinen Weg, und da kann mich niemand aufhalten, auch kein noch so schweres
Hindernis. Glaube hat etwas Kühnes, hat Schneid, ist frech, unbekümmert,
und prescht einfach vor. Und so haben Menschen das immer wieder gemacht und
gesagt: Der Hebräerbrief: Lasst euch das nicht wegnehmen in eurem Glauben,
bleibt dabei, unbekümmert, vorwärts. Ja, was könnte denn eigentlich unserem
Glauben gefährlich werden? Warum sind auch so viele Leute um uns her im
Glauben immer so abgefallen, warum haben sie kein Vertrauen mehr? Also,
wenn man da heute oft in christlichen Versammlungen ist, hineingeht, die
Stimme des Glaubens, die erklingt so zweifelnd, so kritisch, so skeptisch,
wo ist denn das noch, der fröhliche, gewisse Glauben, ich weiß, ich weiß
auch, was auf mich kommt in der Ewigkeit. Ich bin geborgen in meinem Herrn.
Ich behaupte, es sind gar nicht die Zweifel. Ich denke nicht einmal, dass
es ... Ja, vielleicht ist es mehr die Trägheit, die allgemeine Müdigkeit,
uns geht es so wahnsinnig gut, da sind gar keine Glaubenproben da, keine
Zweifel, warum sollen wir auch, uns geht's doch wirklich gut. Und wenn die
kleinste Sache geschieht, ja, dann sagen wir, ja, was ist jetzt los? Unser
Glaube wird irre. Das Vertrauen auf Gott hat einen Feind, was ist das, das
Selbstvertrauen. Das Vertrauen auf Gott oder Selbstvertrauen. Wie Sie
angefangen haben zu glauben, da war der entscheidende Punkt: Dass Sie Ihr
Vertrauen nicht auf sich setzen, sondern auf Jesus. Er kann mich lösen. Ich
bin nicht gut, aber er trägt meine Schuld. Sie haben immer von sich
weggeblickt. Halten Sie das in Ihrem Glaubensleben bitte durch, sonst sind
Sie verloren. Wenn Sie auf sich blicken, auf sich starren, und sagen, ja,
ich will's jetzt selber durchbeißen, Sie bringen's nicht. Sie können weder
Ihre Sterbestunde bewältigen, sie können im Gericht Gottes keinen Tag Ihres
Lebens verantworten. Sie können es gar nicht. Wie wollen Sie auf sich
selber bauen. Man kann das manchmal gar nicht ansehen, wenn man mit
Menschen um sich her sieht und sie kennt und lieb hat, und die vertrauen
auf sich: Ach, ich bin ein guter Mensch, wie kannst du so reden. Keiner von
uns kann's doch angesichts dessen, dass wir alle Todeskandidaten sind. Wie
kannst du dein Leben lösen? Werft doch euer Vertrauen nicht weg! Bleibt so,
wie da am Anfang eures Glaubens. Ganz fest dabei und vertraut auf den
Herrn, und das ist jetzt ein ganz wichtiger Punkt, eben. Dieser, dass nicht
täglich unter meiner Schuld und Unvollkommenheit leide. Und das ist gut,
dass Sie täglich daran erinnert werden, ich bin kein guter Mensch, und ich
bin auch kein perfekter Mensch, aber ich lebe von der Barmherzigkeit Jesu.
Und auf den setze ich mein Vertrauen. Ich würde jetzt gerne mit Ihnen einen
Durchgang durch die Bibel machen: 2.Tim. 1,12 sagt der Paulus zu seinem
jungen Begleiter Timotheus: Ich weiß, an wen ich glaube, und auf wen ich
mein Vertrauen setze. Das ist der Jesus, der den Tod besiegt hat. Und das
war der Grund, warum der Paulus so ein offenes Feld der Wirksamkeit hat.
Ich weiß, auf wen ich mein Vertrauen setze. Lasst euch den Schneid nicht
abkaufen, seid mutig vorwärts, und geht euren Weg.
Noch ein letztes: Nur nicht zurückweichen.
Nur nicht zurückweichen. Die Gefahr gibt es. Von Woche zu Woche wird man
bekümmerter, wenn man sieht, wie Christen, die einmal treu Jesus gedient
haben, auch müde im Glauben werden, träge, wie stets eigentlich mit Ihrer
Bibellese, mit dem Gebetsleben. Sind Sie wirklich mutig, kühn,
vorwärtspreschend mit Ihrem Glauben, dass Sie Erfahrungen mit Ihrem Herrn
machen? In den Briefen des Paulus, da gibt es so kleine Randbemerkungen, am
Ende eines Briefes, da steht hinten so eine kleine Bemerkung dran, von
einem Mitarbeiter, da steht: Demas hat mich verlassen und diese Welt lieb
gewonnen. Was war da los? Ach, der Demas hat gemeint, man muss nicht immer
gleich so 100%ig verrückt, so pietistisch wie der Paulus das macht, es
genügt doch auch, wenn man allgemein ist. Und dann hat er eine so große
Karriere in der Welt begonnen. Da hat ihn eine Frau betört und er ist zur
Sünde gerannt, wir wissen nicht, was los war. Einer der zurückweicht. In
der Jugendarbeit, in der ich aufgewachsen bin, da war ein Jugendleiter, der
hat schöne Lieder gedichtet, wir wollen nicht wanken und weichen, ich traf
ihn mal später, da sagt er, ach ich bin ausgeschieden, aus der
Jugendarbeit, sag mal, was ist denn mit ihren schönen Liedern von damals,
da sagte er, ach, wissen sie, das war überspannt in meiner Jugend. Was
machen sie jetzt? Immobilienmakler, ich mache Geld. Nichts dagegen, dass
Sie Immobilienmakler werden, aber wenn Sie Ihren Glauben, Ihr Vertrauen auf
Gott dafür wegwerfen. Wenn Sie wissen, wie oft bei uns im Leben
Entscheidungen fallen, wo wir sagen, jetzt will ich loslassen,
zurückweichen, vielleicht, um etwas zu gewinnen, vielleicht meinen wir, wie
der Hans im Glück, wie hätten irgendeinen tollen Wert gewonnen, und das
zerrinnt uns zwischen den Fingern und ist wertlos. Weicht doch nicht
zurück, sondern, der Gerechte wird aus Glauben leben. Meine Frau hat
gestern beim Frauenfrühstück in Mannheim gesprochen, und ich war im anderen
Dienst, und als wir uns wieder trafen, erzählt sie, und sagt, bei uns war
eine Frau, die hat ein Zeugnis geben, aber die konnte es gar nicht selber
vorlesen, weil sie krank war, sie saß im Rollstuhl. War eine 31jährige
Frau, mit Multipler Sklerose, die hat mit 21 Jahren im Jurastudium MS
erhalten. Das erste war, dass ihr Bräutigam sagte: Du verstehst, ich muss
mein Leben jetzt natürlich unabhängig von dir leben... Sie hat alles
durchgemacht, hat lange Gott nicht verstanden, und sagte dann in dieser
Versammlung, dann habe ich erst begriffen, dass Jesus mir viel näher
gekommen ist, und ich hab seine Liebe in der tiefe erkannt. Sie die sich
nicht mehr rühren kann, mit ihren spinnendünnen Armen. Die auf jeden dienst
der anderen angewiesen ist, und sagte, mein Leben ist so reich geworden,
ich wollte eine große Juristin werden, jetzt darf ich andere aufrichten und
stärken, das allergrößte. Und sehen Sie, das ist der allerwichtigste
Dienst, den man tun kann. Vielleicht viel größer, als wenn man die ganze
Welt gewinnt. Und wenn Sie von diesem Gottesdienst weg gehen, dann gehen
Sie in die Krankenstuben hinein und in die Trauerhäuser und sagen Sie das
den Menschen. Jesus ist das Allergewisseste. Und er lässt dich nicht los
und sein Wort ist wahr, und trüget nicht. Und dann sagen Sie sich mit
Versen von anderen, die an Gräbern gestanden sind und gesagt haben:
Dennoch, mein Herze geht in Sprüngen und kann nicht traurig sein. Sagen
sie, woher haben Sie denn das? Ich meine, manche immer wieder, das man an
sich trägt, als Natur, aber das ist nicht wahr. Woher haben Sie denn das
und ich kann es noch einmal sagen: Aus dem Bibellesen. Der Glaube kommt aus
dem Hören des Wortes Gottes. Und das müssen sie sich jetzt tüchtig
erarbeiten. Ja, wo kann ich denn das haben, da sind in der Bibel drin ganz
wunderbare Zusagen, Verheißungen, und man darf sich nicht verwirren, wenn
andere sagen, man nenns wie es will, es sind natürlich wahre Sätze, wo
nicht ein Jota hinfällt. Was böse scheint, ist gut gemeint und ist doch
nimmermehr mein Feind und gibt nur Liebesleben, und was Sie nehmen aus den
Liedern und Bibelworten, dass nichts mich der Hand Jesu entreißen kann, und
dass er mich hält und mich kennt und mich sucht, wir weichen doch nicht
zurück, was ist, das heute für eine Glaubenslose Christenheit, und dann
gehen Sie hinein und suchen andere und richten diese auf, und stärken sie
die anderen. Ale wir im Urlaube waren in der Schweiz, das ist ja so
schrecklich blamabel, dass ich so schrecklich schwindlig bin, aber ich hab
eine Frau, die ist unheimlich kühl und mutig. Und wir sind da wieder über
einen Berggrat gekommen, sie würden darüber lachen, aber Ängste sind
Ängste, ich sag, du, wir drehen um, und dann sagt sie, komm wir gehen
miteinander, und dann führt sie mich rüber. Und den Dienst wollen wir tun,
dass wir bei anderen sitzen, bei Kranken, Sterbenden, Einsamen, und ihnen
sagen, komm, ich geb dir die Hand, und das ,was einen anderen im Glauben
hält, ist ja nicht unsere physische Hand, sondern der Zuspruch und die
Fürbitte. Der Glaubenszuspruch, werft euer Vertrauen nicht weg, welches
eine große Belohnung hat. Was ist denn die Belohnung? Aha, geht es also
doch um etwas. Ja, darum geht's. Der große Fortscher und Entdecker David
Livingstone hat einmal vor den Studenten in England eine Ansprache gehalten
und gesagt: Denkt nur nicht, ich hätte ein Opfer gebracht. Der Mann, der
jahrelang ohne seine Frau lebt und dauernd krank war, Malaria, alles
geopfert hat, redet nicht vom Opfer. Eine Tätigkeit, die so viel von
Erfüllung und Glück bringt, und ganz abgesehen davon, dass wir die
Reichbeschenktesten sind, und was der allmächtige Gott, redet doch nicht
vom Opfer, das ist doch Unsinn, wir sind doch die Beschenkten, heute schon.
Was gibt uns denn der Herr, er hat uns nicht Gesundheit garantiert, er hat
uns nicht auch Leben garantiert, wäre ja manchmal auch eine Plage, wenn man
hundertzwanzig würde, aber er hat uns garantiert, ich will dich nicht
verlassen. Dass er täglich um uns ist, dass mich nichts von seiner Liebe
trennen kann, dieser große Waisenhausvater, Georg Müller in Bristol in
England hat einmal den Tipp gegeben, gehen Sie nie in die Arbeit des Tages
hinein, bevor Sie ganz fröhlich sind über der Nähe Ihres Herrn. Bleiben Sie
so lange in der Stille des Gebets, und des Bibellesens. Ganz heiter,
unbekümmert und frei sind, das Sie nichts mehr einengen kann. Und Sie
wissen, der Herr ist bei mir, ein starker Held, er hat viel mit Ihnen vor,
er will Sie segnen. Vertrauen, diese Glaubensgründe, nicht wegwerfen,
sondern darin müssen sie wachsen und zunehmen. Amen.
1Marion von Klot
Gedenktag evangelisch: 22. Mai; Märtyrerin; * 30 März 1897 im Baltikum;
1919 in Riga in Lettland; Anna Margreth Cecil Erika Marion von Klot,
Tochter eines Gutsherrn, half im 1. Weltkrieg in den Lazaretten. Als die
Bolschewiken 1919 das Baltikum besetzten, blieb Marion bei ihrer
Großmutter, die nicht mehr fliehen konnte, und wurde bald wie viele andere
eingesperrt. Täglich las sie im Neuen Testament und sang ihren
Mitgefangenen das Lied: "Weiß ich den Weg auch nicht, du weißt ihn wohl"
(in verschiedenen Regionalteilen des EG). Dieses von Hedwig von Redern 1901
gedichtete Lied wurde in Riga sehr bekannt und den Baltendeutschen zum
Trostlied in der schweren Zeit. Sie wurde zu einem "Engel der Gefangenen".
Nach sechs Wochen Gefangenschaft erschossen die Bolschewiken kurz vor der
Erstürmung Rigas 1919 durch die deutschen Befreier 36 Gefangene, unter
ihnen die gerade 22jährige Marion von Klot.

