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Die beiden Tiere

Offenbarung 13,1-1827.03.1990
Wir gehen keinen herrlicheren Zeiten entgegen, sondern dem Antichristen, dem Macht, Zeit, Mund und Gewalt gegeben ist. Inmitten einer Welt, in der sich der Mensch zum „Unmenschen“ entwickelt, ist Geduld und Glaube der Heiligen gefordert. Unser Auftrag lautet; „Résister – widerstehet!“, denn während der Satan Zeit hat, besitzt Gott die Ewigkeit. - Bibelarbeit aus der Schlosskirche Stuttgart
[KI-gestütztes Transskript; es kann Fehler enthalten.]
Und nun hören Sie mit mir auf eines der ganz großen Kapitel der Offenbarung. Ein Kapitel, das ich Ihnen nicht auslegen kann, das ich nur an einigen Stellen vielleicht erhellen kann, an dem jahrhundertelang Menschen saßen und buchstabierten und es sicher tun werden, solange diese Erde steht. „Die beiden Tiere“, so ist es überschrieben, Offenbarung 13.
Und ich sah ein Tier aus dem Meer steigen, das hatte zehn Hörner und sieben Häupter und auf seinen Hörnern zehn Kronen und auf seinen Häuptern lästerliche Namen. Und das Tier, das ich sah, war gleich einem Panther und seine Füße wie Bärenfüße und sein Rachen wie ein Löwenrachen. Und der Drache gab ihm seine Kraft und seinen Thron und große Macht. Und ich sah eines seiner Häupter, als wäre es tödlich verwundet, und seine tödliche Wunde wurde heil. Und die ganze Erde wunderte sich über das Tier.
Und sie beteten den Drachen an, weil er dem Tier die Macht gab, und beteten das Tier an und sprachen: „Wer ist dem Tier gleich und wer kann mit ihm kämpfen?“ Und es wurde ihm ein Maul gegeben, zu reden große Dinge und Lästerungen, und ihm wurde Macht gegeben, es zu tun zweiundvierzig Monate lang. Und es tat sein Maul auf zur Lästerung gegen Gott, zu lästern seinen Namen und sein Haus und die im Himmel wohnen. Und ihm wurde Macht gegeben, zu kämpfen mit den Heiligen und sie zu überwinden. Und ihm wurde Macht gegeben über alle Stämme und Völker und Sprachen und Nationen. Und alle, die auf Erden wohnen, beteten es an, deren Namen nicht vom Anfang der Welt an geschrieben stehen im Lebensbuch des Lammes, das geschlachtet ist. Hat jemand Ohren, der höre! Wenn jemand ins Gefängnis soll, dann wird er ins Gefängnis kommen. Wenn jemand mit dem Schwert getötet werden soll, dann wird er mit dem Schwert getötet werden. Hier ist Geduld und Glaube der Heiligen.
Und ich sah ein zweites Tier aufsteigen aus der Erde, das hatte zwei Hörner wie ein Lamm und redete wie ein Drache. Und es übt alle Macht des ersten Tieres aus vor seinen Augen und es macht, dass die Erde und die darauf wohnen, das erste Tier anbeten, dessen tödliche Wunde heil geworden ist. Und es tut große Zeichen, sodass es auch Feuer vom Himmel auf die Erde fallen lässt vor den Augen der Menschen und es verführt, die auf Erden wohnen durch die Zeichen, die zu tun vor den Augen des Tieres ihm Macht gegeben ist. Und es sagt denen, die auf Erden wohnen, dass sie ein Bild machen sollen dem Tier, das die Wunde vom Schwert hatte und lebendig geworden war. Und es wurde ihm Macht gegeben, Geist zu verleihen dem Bild des Tieres, damit das Bild des Tieres rede und mache, dass alle, die das Bild des Tieres nicht anbeteten, getötet würden.
Und es macht, dass sie allesamt, die Kleinen und Großen, die Reichen und Armen, die Freien und Sklaven, sich ein Zeichen machen an ihre rechte Hand oder an ihre Stirn und dass niemand kaufen oder verkaufen kann, wenn er nicht das Zeichen hat, nämlich den Namen des Tieres oder die Zahl seines Namens. Hier ist Weisheit. Wer Verstand hat, der überlege die Zahl des Tieres, denn es ist die Zahl eines Menschen und seine Zahl ist sechshundertsechsundsechzig.

Wo steckt der Teufel drin?

Liebe Freunde, wenn beispielsweise ein Auto nicht anspringt und wenn es dann schließlich zum Fahren kommt und man feststellt, dass auch der erste Gang nicht richtig zu schalten ist und dann fängt es an zu regnen und der Scheibenwischer klappt auch nicht und dann schließlich noch das Benzin zur Neige geht und der Karren stehen bleibt, dann sagen Sie: „Ach, heute steckt der Teufel drin. Heute steckt der Teufel drin.“ Und die Frage ist: Wo steckt denn eigentlich der Teufel drin in unserer Welt? Wo steckt er denn?
Die einen sagen: „Im Alkohol, im Alkohol steckt der Teufel drin. Wenn man einmal hier gefangen ist, dann hat er einen im Griff, im Alkohol steckt er drin.“ Andere Leute sagen: „In den Drogen ganz bestimmt, dieses Teufelszeug, das jeden Tag junge Menschen kostet in unserem Land, in den Drogen steckt der Teufel.“ Und der Kampf gegen die Droge ist ein Teufelskampf. Und die anderen sagen, er steckt vielleicht schon manchmal im eigenen Sohn. Ich kenne eine Mutter, die mir dann sagte: „Herr Eißler, das ist ein richtig kleiner Teufel. Was der alles tut, was dem einfällt, ist ein richtiger Teufel. Da steckt der Teufel in dem Bub.“ Und wir sagen, der Teufel steckt immer im Detail. Im Detail steckt er, im Kleingedruckten, in den Kleinbuchstaben. Er ist manchmal ganz klein, manchmal sogar putzig und lieblich, der Schreibfehlerteufel und der Druckfehlerteufel – da steckt er drin. Offenbarung 13 öffnet uns die Augen dafür, wo der Teufel nun wirklich drinsteckt.
Der Teufel ist nach dem Kapitel zuvor Wirklichkeit und ist Tatsache. Offenbarung 13 sagt: Der Teufel steckt nicht im ganz kleinen Kerl – sondern kann wohl auch drinstecken –, aber er steckt zuerst im ganz großen Tier. In den ganz großen Tieren. Dort steckt der Teufel und dort macht er sich breit und dort nimmt er Menschen in Besitz: bei den ganz großen Tieren vom Staat, bei Führern, bei Herrschern, bei Tyrannen. Dort, dort steckt der Teufel drin. Schon im Mittelalter hatten sie eine Ahnung, dass sich der Teufel eigentlich genau dort, bei den Staatsmännern, breit macht. Es gibt ein Spiel aus dem Mittelalter, „Ludus de Antichristo“, das Spiel vom Antichristen. Der Verfasser war wahrscheinlich ein hoher Kleriker, ein hoher Kirchenbeamte aus dem Umkreis Friedrichs II. Und das ist ein Zeugnis dafür, dass der Teufel sich gerade in den absolutistischen Mächten breitgemacht hat.

Die Tiere der Weltgeschichte

Jung-Stilling, einer der ganz großen Seher und auch Kenner, sagte es in der napoleonischen, nachnapoleonischen Zeit: "Der Teufel, der steckt im Napoleon". Und dann gibt es einen Religionsphilosophen, den Russen Solowjew, in seiner Legende vom Antichristen sieht er die Gefahr des Te ufels, des Antichristen, aufkommen in den totalitären Staaten.
Sicher, diesem Kapitel ist schon viel Gewalt angetan worden und viele haben aus diesem Kapitel ganz bestimmte Leute herausgelesen und gesagt: „Der ist der Antichrist.“ Das wissen wir nicht. Aber dieses Kapitel sagt, in wem der Teufel steckt, und zwar einmal im Meertier und zweitens im Erdtier. Was das heißt, das möchte ich jetzt etwas erklären.
Zum ersten das Meertier: Und ich sah ein Tier aus dem Meer steigen. Johannes steht also wieder einmal am Meer. Bitte nicht so, wie wenn wir am Meer stehen, so im Juli oder August, hoffentlich an der Nordsee oder irgendwo am Atlantik, und da riecht es nach Algen und nach Möwen und nach Krabben. Am Meer riecht es wenigstens für mich so richtig nach Urlaub. Hier steht Johannes nicht am Meer, um Urlaub zu machen. Er steht am Völkermeer. Das ist gemeint.
Bis zum 19. Jahrhundert spielte sich das Leben auf der Welt weithin getrennt voneinander ab. Was in Europa geschah, wusste man nicht in Afrika, und was in Afrika geschah, wusste man nicht in Südamerika. Aber in der Zwischenzeit ist ja dieses ganze Wasser zusammengeflossen zu einem riesigen Weltenmeer. Seitdem gibt es Weltkriege, es gibt Weltbanken, es gibt Weltverkehr, es gibt Weltpolitik. Es gibt gar keinen Dorfteich mehr, wo jeder in seiner eigenen Soße herumrührt oder herumschwimmt, sondern es gibt nur noch das ganz große Meer, auf dem alle fahren und dessen Wellen alle nacheinander überrollen: die Sexwelle und die Pornowelle und die Psychowelle und die Rockwelle und die Popwelle.
Ich bin noch gespannt, welche Wellen auch über die Ostblockstaaten jetzt dann fahren werden von uns. Die Welle, auf der ich dann heute mitschwimme, die ist morgen schon überrollt von der nächsten. Alle Ordnungen, alle Inseln, alle Festen, wo man stehen konnte, sind weggeschwemmt. Das Weltmeer, das ist hier gemeint mit den Stürmen und den Wellen.
Und daraus steigt nun aus diesem Meer nicht ein Nessie, irgendein Fabeltier, das es gar nicht gibt und nur den Tourismus anheizen will. Es steckt ein Tier darin, und wer dieses Tier verstehen will, der muss Daniel 2 kennen. Und wer Offenbarung 13 lesen will, muss zuerst Daniel 2 lesen. Dort nämlich steigen vier große Tiere an Land. Daniel berichtet von dem Löwen und sagt, das sei Nebukadnezar gewesen und sein erstes Weltregiment. Löwenstark, er habe Ninive geschlagen, Jerusalem unterworfen, Pharao unterjocht, und er benimmt sich eben wie ein Tier: der Löwe. Das ist Nebukadnezar. Und dann sieht Daniel ein zweites Tier heraufsteigen, nämlich einen Bären. Und Ausleger sagen, das ist das persische Weltreich gewesen – mehr die plumpe Art eines Bären, Machthunger, politische Skrupellosigkeit und die tierische Unsättlichkeit. Und dann das dritte Tier, das ist der Panther. Sie sehen, diese Tiere, die hier aufgezählt sind, die kommen alle schon in Daniel 2 vor. Das dritte, der Panther: Da sagen die Ausleger, das ist Alexander der Große gewesen. Seine blitzschnellen Eroberungen, seine sprunghaften Bewegungen – in dreizehn Jahren unterwarf er große Teile von Europa, Asien und Afrika. Und dann noch ein viertes Tier, namenlos, unvergleichbar. Die Wesenszüge sind schrecklich. Ein Raubtier, und Ausleger sagen, das sei das Römische Reich gewesen. So hat man herumgerätselt, und so gibt es viele moderne Auslegungen, die sagen, der Bär, das sei eben der russische Bär, der genauso plump, aber genauso gefährlich sei wie damals das persische Weltreich.
Es gibt viele Erläuterungen, aber alle paar Jahre sind sie wieder überholt. Leute, die gesagt haben: „Der Antichrist, das war der Stalin.“ Er ist verschwunden. Aber der Antichrist scheint immer noch da zu sein. Und die haben gesagt: „Ceaușescu“, aber er ist auch nicht mehr da. Wir wissen es nicht. Vier Tiere steigen auf, und hier an dieser Stelle kommt nun das, dass diese vier Tiere in einem einzigen vereinigt sind.
Und eines kann bestimmt herausgelesen werden, eines wird uns allen gesagt: Liebe Freunde, die Entwicklung geht nicht vom Tier zum Menschen, so wie es gegenwärtig überall gesagt wird. Die Entwicklung laufe vom einfachen Tier zum Menschen, der sich immer zum Höheren weiterentwickle. Die Entwicklung läuft nicht vom Tier zum Menschen, vom Tierischen zum Menschlichen, gleichsam auf einer Leiter von unten nach oben, so wie es die Anthroposophen auch sagen, dass sich der Mensch hinaufentwickle. Es ist umgekehrt.

Der Niedergang des Menschen

Der Mensch entwickelt sich vom Menschsein zum Unmenschen. Das Raubtierartige kommt zum Ausbruch, und zwar umso stärker, je höher der Intellekt und die Kultur und das Wissen sind. Unsere Entwicklung geht nicht zum Höheren, sondern das wissen Christen: Die Entwicklung geht zum Schlimmeren und Grässlicheren und Raubtierartigeren. Johannes fasst dies alles in einem Tier zusammen. Und wie ein Untier, das furchterregend aus den Fluten auftaucht, so werden hier auf einmal die Einzelheiten sichtbar.
Vier Dinge sind diesem Tier gegeben: Ihm ist Macht gegeben. Zehn Hörner, sieben Häupter sind Symbole der Macht. Er hat einen Löwenrachen, Bärentatzen, pantherhafte Gestalt – also nicht irgendein Ungeheuer, sondern es ist der Statthalter des Satans. Ihm ist Macht gegeben. Zweitens: Ihm ist Zeit gegeben, zweiundvierzig Monate lang. Es ist dies ein Symbol für die Zeit von Christi Geburt bis zu seiner Wiederkunft.
Diese Zahl meint: Solange wir auf dieser Erde sind und Jesus noch nicht wiedergekommen ist, werden wir mit diesem Untier und diesem Raubtierartigen in dieser Welt zu tun haben. Es ist ihm also erstens Macht gegeben, es ist ihm Zeit gegeben. Es ist ihm ein Mund gegeben, ein Großmaul par excellence, nicht sprachlos, sondern ein gewaltiges Mundwerk. Mit großen Worten wird er uns beeindrucken. Und viertens: Ihm ist Gewalt gegeben, um mit der Gemeinde zu kämpfen und sie zu überwinden. Liebe Freunde, das steht uns bevor. Ich bespreche gerne andere Texte, und ohne Worte wie Der Herr ist mein Hirte oder Siehe, in meine Hände habe ich dich gezeichnet wollte ich nicht leben und wollte auch kein Pfarrer sein. Aber diese Kapitel und diese Aussagen zu unterschlagen und innerhalb der Gemeinde nicht mehr auszulegen, ist Sünde. Die Offenbarung sagt, wir gehen keinem goldenen Zeitalter entgegen. Wir gehen keinem Riesen-Friedensreich entgegen.
Wir gehen keinen herrlicheren Zeiten entgegen, wie der Idealismus noch meinte. Wir gehen dem Antichristen entgegen, dem Macht, Zeit, Mund und Gewalt gegeben ist. Und das Allerschlimmste ist seine Christusähnlichkeit. Das ist das Allerschlimmste, liebe Freunde: seine Christusähnlichkeit. Zum Verwechseln gleich mit Christus. Wenn Sie Vers 3 nachlesen: Er hat eine Halswunde, man meinte, er erliege daran, aber dann ist dieses Tier wieder da. Wer hört hier nicht heraus: Christus getötet, aber wieder auferstanden? Das also ist nicht nur der Antichristus, mit dem wir rechnen müssen, sondern der Anstelle-Christus, Freunde. Der Anstelle-Christus kommt auf uns zu. Der will nicht nur den Christus bekämpfen, sondern er will an seine Stelle treten. Der Heiland ohne Kreuz, das ist das Schlimmste – die Heilande ohne Kreuz, die in dieser Welt auftreten und diese Welt heilen wollen als die großen Heiler und Christusse, und wir merken es nicht, dass sie die falschen sind.
Wer ist dem Tier gleich? steht hier. Nachahmung des staunenden Lobpreises von Psalm 40, Vers 6. Alles eine antichristliche Parodie, was er macht. „Mein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit“, so sagt er auch. Und das erfüllt sich in steigendem Maße in der Gemeinde, in der Geschichte. Immer wieder waren es geschichtliche Erscheinungen, die das Bild vervollständigt haben. In jeder Generation hat es aktuelle Bedeutung. Die Älteren wissen noch: Wir sahen es in Hitler, später sah man es in Stalin, jetzt sah man es in Ceaușescu. Die Züge werden immer deutlicher und es wird noch schrecklicher. Der Antichrist ist jeder Generation nahe und wird der nächsten Generation noch näher sein. Das ist die Aussage der Offenbarung.

Der Antichrist und das Friedensreich

 Offenbarung 13 spricht vom Antichristen, der sehr fromm und religiös auftreten kann. Bitte suchen Sie den Antichristen nicht nur in solchen Tyrannen und suchen Sie ihn nicht nur in solchen staatlichen Herrschern, die Völker unterjochen und pressen. Dieser Antichristus mit seiner Wunde am Hals kann genauso auf der ganz anderen Seite erscheinen. Liebe Freunde, man spricht gegenwärtig sehr viel vom Friedenschaffen und vom Friedensreich, das wir errichten könnten. Ich zitiere den begabten und großen Carl Friedrich von Weizsäcker, den Physiker: „Es muss gelingen, in einer technisierten Menschheit wie der unsrigen die Institution Krieg zu überwinden, so wie man den Kampf zwischen den Städten und den Ritterburgen durch den Territorialstaat überwunden hat.“ Oder Immanuel Kant sagte: „Friede kommt nicht wie ein Schicksal. Friede kann und muss gestaltet werden. Er kann gestiftet werden durch die richtige Politik, durch die richtigen Leute, durch den richtigen Mann.“ Den richtigen Mann, der das Friedensreich bringt und es uns auch so gestaltet, wie wir es uns wünschen. Und wir merken nicht, dass auch hier des Antichristen Werk ist. Liebe Freunde, Sie haben kein Friedensreich zu erwarten. Wir haben das Reich des Antichristen zu erwarten, auf das wir zugehen.
Nur, und so steht es hier: Nur wer im Lebensbuch des Lebens steht, der wird nicht die Knie beugen und diesem Massenchor verfallen. Er ist eingeschrieben und er wird gefeit sein und ihn erkennen als den mit der falschen Narbe, als den Antichristen – nur der im Lebensbuch des Lammes steht. In allen anderen Büchern zu stehen, bringt nicht viel. Und wenn am nächsten Montag wieder unsere Mesner die konfirmierten dreizehn jungen Leute ins Konfirmandenregister der Stiftsgemeinde eintragen, dann gibt es mir einen Stich durchs Herz. Manchmal blättere ich zurück, die letzten Jahre, und dann lese ich all die Namen derer, die konfirmiert worden sind, die in diesem Buch stehen, aber die nirgends mehr zu sehen sind. Es hat nichts gebracht, im Konfirmandenregister der Stiftsgemeinde zu stehen. Es hat nichts gebracht, in der Steuerliste der Landeskirche von Württemberg zu stehen. Es hat nichts gebracht, im Eheregister unserer Kirche zu stehen. Es bringt nur ein Einziges:

Geduld und Glaube der Heiligen

Wenn wir eingetragen sind im Lebensbuch des Lammes. Und Jesus trägt die mit seinem Blute ein, die ihn anrufen und sagen: „Herr, dir will ich gehören.“ Und für dieses Blut gibt es kein Radiergummi und kein Tipp-Ex und überhaupt nichts. Dieses Blut bleibt. Es sind die Leute, die wach sind in unserer Welt, ob links oder rechts, ob Friedens- oder Tyrannenreich, die wach sind und den Antichristen erkennen und sich vor ihm nicht beugen. Angesichts dessen, was auf die Gemeinde zukommt – und ich schätze, dass das, was unsere rumänischen Christen erlebt haben, nur Vorboten dessen sind, was die Offenbarung meint. Angesichts dessen heißt es hier zwei Dinge. Zwei Dinge sind es, die Sie und ich brauchen, nämlich Geduld und Glaube. Hier ist Geduld und Glaube der Heiligen. Das ist es, was wir brauchen und worum wir bitten sollten. Was ist damit gemeint?
Mit Geduld ist das gemeint, was wir vom Neuen Testament her sehr wohl kennen und was zu Deutsch heißt: „drunterbleiben“. Nicht dagegen ankämpfen, weil wir es ohnehin nicht können. Drunterbleiben unter Bedrängnis und Anfechtung, so wie es in 1. Petrus 5 steht: So demütiget euch unter die gewaltige Hand Gottes. Wenn ich diesen Vers lese und von Geduld höre, dann fällt mir immer eine einzige Gestalt ein, die mich tief geprägt hat. Eine Gestalt, von der Sie alle auch schon gehört haben, nämlich von Marie Durand. Dieser Französin, die in einem absolutistischen Staat gelebt hat mit einer Einheitsreligion, außer der es nichts anderes hätte geben sollen. Und weil sie im Buch des Lammes geschrieben stand und auch darin stehen wollte, wurde sie als Fünfzehnjährige abgeführt nach Aigues-Mortes in die Stadt der Totenwasser im sumpfigen Mündungsgebiet der Rhone. Und dort lebte sie im Turm, auf einem Strohsack, ein einziges Lichtloch, eine qualmende Feuerstelle – das war das Einzige.
Wasser und Brot, achtunddreißig Jahre lang. Wasser und Brot, achtunddreißig Jahre lang. Psalm 32: Deine Hand lag schwer auf mir, dass mein Saft vertrocknete. Und viele unter uns leben nicht im Turm, aber diese Hand spüren sie auch: Deine Hand lag schwer auf mir. Und es ist an uns, immer wieder diese Hand wegzudrücken und zu sagen: „Herr, diese Hand soll nicht schwer auf mir liegen. Diese Hand soll mich streicheln. Die Hand soll sich unter meinen Kopf legen. Die Hand soll mich heben und tragen.“ Aber: Deine Hand lag schwer auf mir. Und dieser Hand ist Marie Durand nicht davongelaufen. Das ist Geduld. Drunterbleiben, das ist Geduld. Calvin hat sogar gesagt: „Ich leide es gerne, denn es ist deine Hand, die mich schlägt.“ Das ist Geduld. Und Marie Durand sagt: „Ja, das ist eigentlich in französische Worte gefasst, was Geduld meint: À ta disposition, Herr. Ganz zu deiner Verfügung.“ Ganz zu deiner Verfügung, zwanzig, dreißig Jahre die Last. „À ta disposition“, Freunde, das ist Geduld.
Was Sie brauchen, ist keine Änderung der Verhältnisse. Was Sie brauchen, ist nicht unbedingt eine stabile Gesundheit. Was Sie brauchen, ist nicht unbedingt eine völlige Veränderung dessen, was einem das Herz abdrückt. Was Sie brauchen, ist dieser Glaube, den es gibt und den er schenken kann, und zu sagen: „Herr, à ta disposition. Herr, ganz zu deiner Verfügung. Deine Hand – und dieser will ich nicht davonlaufen. Es ist deine Hand.“ Und das andere ist ja der Glaube: Geduld und Glaube. Ich denke noch einmal an diese Marie Durand, gell? Der Vater schmachtete auch in einem Gefängnis. Die Mutter kehrte nicht mehr aus dem Gefängnis zurück und starb dort. Ihr Bruder, ein Pfarrer, war im Untergrund, wurde geschnappt und in Montpellier hochgezogen am Galgen. Alle Freunde waren ins Ausland geflohen oder schmachteten schon längst auf einer Galeere. Musste sie jetzt nicht das Leben selbst in die Hand nehmen? Musste sie jetzt nicht trotzdem von Revolution reden?
Sie tat etwas: „Wirf dein Anliegen auf den Herrn.“ Alle eure Sorge werfet auf ihn. Das ist Glaube. „Werfen“ ist werfen, nicht wegwerfen, hinwerfen. Das ist der Glaube. Hier ist Geduld und Glaube der Heiligen. Der Glaube, dass man im Turm nicht vergessen ist. Der Glaube, dass die Hand, die auf einen gelegt ist, einen nicht erdrückt. Der Glaube, dass der Herr einen durchbringen wird, auch dann, wenn dieses antichristliche Reich mir den Atem nehmen wird. Das ist Geduld und Glaube der Heiligen. Jeden Freitag kam ein Priester zu ihr, streckte ihr die Hand entgegen, nur fünfzig Zentimeter von ihrem Gesicht weg, und sagte: „Schlag nur hier ein, schwör ab und du bist sofort frei. Du hast ein Leben vor dir – jeden Freitag.“ Hier ist Geduld und Glaube der Heiligen. Sie konnte es kaum durchhalten. Und damit sie es durchgehalten hat, kratzte sie in die Umfassungsmauer jene Buchstaben, die man ja heute noch nachlesen kann: „Résister“. Widerstehet! Widerstehet diesem Antichristen!

Widerstehen im Alltag

Widerstehet! Und sie ist geblieben, bis das Edikt kam und sie dann nach achtunddreißig Jahren freigelassen wurde. Wir haben dieses „Résister“ auch einzukratzen – nicht in Umfassungsmauern, aber vielleicht an ganz anderen Stellen. An meinem Schreibtisch, dort, wo die Bürohilfe auf der anderen Seite sitzt. Ich habe es einzugraben in die Illustrierten, die mir zu Gesicht kommen. Ich habe es einzugraben in meine Steuererklärungen. Widersteht! Hier ist Geduld und Glaube der Heiligen. Und einmal kommt das Generaledikt Gottes. Das Generaledikt Gottes, das uns freikaufen wird zum ewigen Leben. Das Wassertier und das Erdtier nur ganz kurz: Nach Jung-Stilling vollendet dieses Tier die satanische Dreieinigkeit – der Drache, das erste und das zweite Tier. So wie das erste Tier der „Affe Christi“ ist, so ist das zweite Tier die Nachäffung seiner Prophetie. Auch der Antichrist hat seinen Propheten, aber einen falschen Propheten.
Er kommt nicht aus dem Völkermeer, sondern aus der Erde, aus den geordneten Verhältnissen, der hohen Kultur, der hohen Religionen. Äußerlich wie ein Lamm, innerlich wie ein Drache. Keine Staatsmacht, sondern eine Philosophie oder Theologie. Und dieses Erdtier macht etwas, tut etwas – viermal steht es hier: Zeichen und Wunder sind es. Und wo ist diese Sehnsucht heute nicht? Wo heute Sehnsucht nach Zeichen und Wundern ist, der schaue genau hin, woher diese Sehnsucht komme und wer sie eigentlich ins Herz eingepropft hat. Zeichen und Wunder gehen aus von dem Erdtier, der sagt: „Verlange sie, ich gebe sie dir auch.“ Und dann wird noch ein Abzeichen eingeführt zum Schluss, das Abzeichen des Erdtieres. Auf der einen Seite das Siegel Christi und dann das Abzeichen des Erdtieres. Welches Abzeichen trage ich? Drache, Meertier, Erdtier – das ist die eine Seite. Vater, Sohn und Heiliger Geist ist die andere. Die satanische Dreieinigkeit ist nicht von gestern, sondern, Gott sei es geklagt:
Sie ist von morgen. Und deshalb die Schlussfrage: Welches Abzeichen tragen wir? In welchem Buch stehen wir? Wohin gehören wir? Satan hat Zeit leider, aber Gott hat die Ewigkeit. Ich bete um Geduld und Glaube der Heiligen für mich und für Sie persönlich.
Amen.

Schlussgebet

Wir wollen beten. Treuer Gott, ewiger Vater, schärfe du unsere Augen und unsere Ohren, damit wir dich unterscheiden können von dem, der dich nachahmt. Nachmacher und Großmacher haben wir genug in dieser Welt. Herr, gib, dass wir nur vor dir die Knie beugen. Wir bitten dich für die, die in Anfechtung stehen. Wir bitten dich jetzt noch einmal für unsere Brüder und Schwestern in Rumänien, in der DDR, in Polen, in Russland, in China, überall, wo sie besonders der Gefahr ausgesetzt sind, vor anderen und vor anderem die Knie zu beugen. Herr, lass uns ganz dir gehören, zu der Gemeinde, die du hältst. Schenk uns auch in unserem persönlichen Leben Geduld und Glaube. Und lass uns ans Ziel kommen, Herr.
Amen.