Serie•Teil 22 / 25Hebräerbrief
Generierte Mitschrift
Die nachfolgende Mitschrift wurde automatisch mit KI-Technologie erstellt und kann Fehler enthalten. Im Zweifel gilt das gesprochene Wort.
Einführung und Anschluss an die vorangegangenen Kapitel
Bibelwoche 2019, Hebräerbrief. Und heute wird es um Kapitel zwölf, die Verse eins bis elf, gehen.
Hinter uns liegen zwei Vorträge zu Kapitel elf, zweimal Glaubenshelden. Wir haben uns angeschaut, wie diese Glaubenshelden eine ganz tiefe Sehnsucht nach Gott hatten und wie sie bereit waren, ihr ganzes Leben einzusetzen, um diesem Gott zu folgen, diesem Gott zu gefallen und diesem Gott zu begegnen.
Das liegt jetzt hinter uns. Jetzt schauen wir ein Stück weiter, und wir stellen uns die Frage: Okay, wenn ich jetzt all diese Glaubensvorbilder habe, wie sollte ich darauf reagieren? Was mache ich damit, dass ich solche Leute in der Bibel habe? Was mache ich damit, dass es sie gibt? Was mache ich damit, dass Gott es gut findet, wie sie gelebt haben? Wie gehe ich damit um?
Da heißt es dann: Wir starten mit Hebräer 12,1 mit einem Deshalb. Deshalb lasst nun auch uns. Das ist die Verbindung zwischen Kapitel elf und Kapitel zwölf. Das heißt: Wenn Gott es schon so eingerichtet hat, dass die Heiligen des alten Bundes, von denen wir gelesen haben, nicht ohne uns vollendet werden, also wenn wir derart privilegiert sind, dann muss das irgendwie Konsequenzen haben.
Wenn die Gläubigen vor Pfingsten unvollendet bleiben und trotzdem, also als Leute, die sich danach ausstrecken, intime Gemeinschaft mit Gott zu erfahren, und Gott sagt im Moment noch Nein, das ist noch nicht dran, und trotzdem, obwohl sie das noch nicht haben, diese Gemeinschaft mit Gott, sind sie trotzdem bereit, jeder Schwierigkeit durch Glauben zu trotzen, dann gilt: Wie viel mehr sollten wir dann bereit sein, ein Leben zu führen, das nicht aufgibt, egal was kommt.
Deshalb, deshalb lasst nun auch uns, da wir eine so große Wolke, im Sinne von eine so große Menge von Zeugen, um uns haben, ein interessantes Wort, man könnte es auch übersetzen mit Märtyrern, beides geht, jede Bürde und die uns leicht umstrickende Sünde ablegen und mit Ausdauer laufen den vor uns liegenden Wettlauf.
Der Weg des Glaubens als Ausdauerlauf
So freuen sich jetzt alle Leute, die Sport mögen: Endlich einmal ein Bild aus dem Sport, ein Wettlauf! Gemeint ist hier kein Sprint, sondern eher ein Marathon.
Ich denke, es ist wichtig, sich diese Wahrheit immer vor Augen zu halten: Vor jedem von uns liegt ein Weg. Der eine ist da schon ein bisschen weiter, weil er schon ein bisschen länger lebt, der andere steht vielleicht noch ganz am Anfang. Aber vor jedem von uns liegt ein beschwerlicher Weg, den es tatsächlich zu Ende zu gehen gilt.
Wichtig! Lasst uns nach uns schauen, da wir eine so große Wolke von Zeugen um uns haben, jede Bürde und die uns leicht umstrickende Sünde ablegen und mit Ausdauer laufen, den vor uns liegenden Wettlauf!
Leben ist eine Herausforderung. Es mag Zeiten geben, in denen diese Rennstrecke ein bisschen ebener verläuft und man denkt: Hier kommt man eigentlich ganz gut voran, das ist jetzt auch gar nicht so kompliziert. Es mag aber auch so sein, wenn man das Leben als Wettlauf sieht, dass es Zeiten gibt, in denen es bergauf geht, und du wirklich alle Kraft brauchst, die du hast, um nicht aufzugeben.
Diese Formulierung hier, der vor uns liegende Wettlauf, bezeichnet in der Antike den Kurs, den die Wettkampfleitung vorgibt und den die Läufer laufen müssen. Und irgendwie ist es genau so mit unserem Leben. Ist euch das mal aufgefallen? Ihr habt euch euer Leben nicht ausgesucht. Du wirst irgendwann irgendwo geboren, ja, und dann denkst du, du hast alle Möglichkeiten. Aber das ist nicht einmal ein Bruchteil der Möglichkeiten. Du lebst ein Leben, das letztlich ein anderer für dich ausgesucht hat. Du hast dein Leben zugeteilt bekommen.
Und das Einzige, was wir wissen: Der Wettlauf, dieser Kurs, den wir zu gehen haben, wird uns ans Ziel bringen. Allerdings müssen wir selber zu der Ziellinie hinlaufen. Und genau das ist es, was die Glaubensvorbilder uns vorgemacht haben. Sie sind mit Ausdauer gelaufen. Und wir müssen genau das Gleiche tun.
Wir müssen auch im Leben mit Gott weiterlaufen, wenn es mal weh tut. Wenn man mal keine Lust mehr hat, wenn Enttäuschungen kommen, wenn sich einem Fragen, Ängste oder Zweifel in den Weg stellen, selbst dann, wenn der Weg, den ich gehe, mal keinen Sinn zu ergeben scheint. Ich glaube, wir alle kennen solche Momente, in denen man durch sein Leben läuft und den Eindruck hat, dass das alles irgendwie Quatsch ist, dass das irgendwo nirgendwo hingeht.
Und trotzdem mit Ausdauer laufen, einfach weitergehen, auch wenn du links oder rechts andere Läufer siehst, die straucheln und aufgeben. Bitte lauf weiter, darum geht es. Wir müssen verstehen, dass geistliches Leben ein Wettlauf ist, bei dem wir jeden Tag einfach weiterlaufen und nicht aufhören.
Was das geistliche Leben beschwert
Und dazu ist ein zweiter Punkt wichtig: Wir müssen jede Bürde und die uns so leicht umstrickende Sünde ablegen.
Ich mag dieses Bild von dem Wettlauf. Ich hatte mir vor kurzem mal wieder so einen Triathlon angeschaut. Also, ich schaue mir die nur an, ich mache da nie mit. Da müsste ich mir keine Sorgen machen. Und es ist spannend, wenn die dann da so noch laufen. Also, sie schwimmen erst, dann fahren sie Fahrrad, und auch nicht so wenig. Und dann am Ende: Wenn ihr euch mal so einen Ironman auf Hawaii anschaut, dann hängen die da noch einen Marathon hintendran. Und man denkt sich: Boah, Hammer!
Und keiner von denen, die da vom Fahrrad absteigen, sich die anderen Schuhe anziehen und losrennen, würde auf den Gedanken kommen zu sagen: So, und jetzt lege ich mir noch einen Zementsack auf. Würde jeder sagen: Quatsch, wenn du das machst, kommst du gar nicht an. Nee, du läufst mit so leichtem Gepäck wie irgend möglich.
Das ist das Bild hier. Eine Bürde ist eine Last, etwas Beschwerliches. Und jeder Läufer vermeidet unnötige Last, weil Last den Wettlauf immer nur schwieriger macht und die Chancen herabsetzt, am Ende auch im Ziel anzukommen. Deswegen: jede Bürde und die uns so leicht umstrickende Sünde ablegen.
Wenn wirklich mein Leben ein Wettlauf ist, dann muss ich mit leichtem Gepäck unterwegs sein. Man kann diesen Text, „jede Bürde und die uns so leicht umstrickende Sünde“, auf zwei Arten lesen. Entweder: jede Bürde und die leicht umstrickende Sünde, also sowohl die Bürde als auch die Sünde. In dem Fall würde man davon ausgehen, es gibt Bürden, Belastungen im Leben, die keine Sünde sind. Und dann gibt es noch die Sünden, und beides muss man ablegen.
So könnte man den Text lesen. Oder man kann ihn auch so lesen: Jede Bürde – das ist dann das Bild vom Wettlauf – und dann kommt die Erklärung, nämlich die leicht umstrickende Sünde. Beides geht. Dann wäre die Sünde die Bürde, die ich ablege.
Ein großer Unterschied ist es nicht. Ich glaube, wir wissen einfach: Es gibt Sachen, die mein Leben unnötig belasten, und die gilt es abzulegen. Und dabei spielt es gar keine so große Rolle, ob ich diese Sache dann auch noch dezidiert als Sünde bezeichnen kann oder ob ich einfach nur merke, dass sie mir bei diesem Wunsch, als Christ zu leben, deutlich im Wege stehen.
Wenn Belastung zur geistlichen Gefahr wird
Ich mache mal ein Beispiel. Ein zu hoher Lebensstandard ist wahrscheinlich eine Bürde. Ich glaube, da sind wir uns alle einig. Wenn du zu viel hast, all das Zeug, das du nicht brauchst, dann ist das eine Bürde, um als Christ zu laufen. Denn du musst dich um viele Dinge kümmern, die dir einfach nichts für dein geistliches Leben bringen. Sie bringen dir für deinen Dienst und deine Berufung einfach nichts.
Aber auch wenn ein hoher Lebensstandard eine Bürde ist, ist es definitiv nicht leicht, genau zu sagen, wo er zur Sünde wird, wo also moralisch etwas falsch ist. Deswegen glaube ich, dass es hier im Text auch gar nicht so sehr um die Frage geht, wann eine Bürde zur Sünde wird. Ich glaube, die Betonung liegt auf diesem leicht umstrickend. Leicht umstrickend.
Also wir laufen da, das können wir gar nicht vermeiden. Wir sollen mit Ausdauer laufen. Wir sollen die Dinge, die uns belasten, ablegen. Und das, was da kommt, das ist Sünde. Das Problem ist nur: Dieses Böse, das sich in unser Leben hineinschleichen will, ist leicht umstrickend.
Ihr habt bestimmt schon gesehen, das machen die meisten Prediger ganz gerne, dass sie dann jemanden hier vorne hinstellen und dann so mit einem Garn außen herumlaufen, so lange, bis er sich nicht mehr bewegen kann. Da merkt man: Ja, man braucht nicht viel Unsinn im Leben, um ein Leben kaputt zu machen. Bei dem Buch Prediger haben wir mal eine Stelle gelesen, da ging es um den Salbenmischer. Da heißt es, dass eine tote Fliege das Salböl zum Gären bringt. Ein wenig Sünde kann schon ganz viel Leben kaputt machen.
Ich denke, dass wir das immer wieder verstehen und es uns immer wieder vor Augen malen müssen. Sünde ist etwas, das sich in mein Leben einschleichen will. Ohne dass ich das so richtig merke, möchte sie mich einnehmen für sich, möchte mich umgarnen. Und ich würde ja sagen, das fällt ihr total schwer, aber ich glaube, das stimmt nicht. Ich zumindest kann für mich sagen: Ich bin für Sünde viel offener und anfälliger, als ich mir das wünsche.
Ich lebe in einem Körper, und ihr tut das auch. Wir leben in einem Körper, der Lust auf Sünde hat. Keiner von uns muss sich wahrscheinlich anstrengen, ein bisschen zu tratschen. Also ich merke, ich muss mich anstrengen, freundliche Worte zu sagen, zu loben und zu ermutigen. Das fällt mir jetzt schon leichter. Aber wenn es dann darum geht, mal Kritik runterzuschlucken, dann erinnere dich mal daran, als du das letzte Mal so richtig zornig, stinkesauer warst. Vielleicht wirst du das nie, dann freu dich drüber, dann ist das nicht deine Baustelle.
Ich war das am Sonntagabend. Ich war so richtig zornig. Boah, und da habe ich so gemerkt: Huh, ja, das geht ganz schön schnell. Da muss ich mich auch gar nicht anstrengen. Da bin ich erst mal rausgegangen und habe draußen so ein paar Dinge gesagt, wo ich dachte: Was da so aus dir rauskommt, gar nicht schlecht. Ich muss mich nicht anstrengen, zornig zu sein. Ich muss mich anstrengen, wieder runterzukommen. Warum? Mein Körper sagt: Zorn ist gut, lass raus. Und ich weiß natürlich, der Geist in mir, der Heilige Geist, der mich geprägt hat, der weiß: Das ist falsch.
Das ist so. Es fällt uns leicht, zornig zu sein, neidisch zu sein, schräge Gedanken zu denken oder auf das Lernen von Englischvokabeln zu verzichten, auch wenn morgen die Prüfung ist. Ja, das fällt uns leicht. Andersherum die richtigen Dinge zu tun: Sünde ist wirklich leicht umstrickend.
Die Notwendigkeit von Rückzug und Selbstprüfung
Und deswegen ein Tipp von hier vorne, der mir ganz, ganz wichtig ist: Lasst uns bitte nüchtern bleiben und immer mal wieder eine Auszeit einplanen, um über unser Leben nachzudenken. Ich meine das genau so, wie ich es jetzt sage. Ich möchte euch bitten, darüber nachzudenken.
Ich empfehle euch, wenigstens einmal im Jahr für zwei, drei Tage weg zu sein und diese zwei, drei Tage ganz alleine mit dem Herrn Jesus zu verbringen. Ich kann euch nur sagen, was das mit mir macht. Ich nehme dann meine Bibel mit, meist noch irgendein anderes gutes geistliches Buch oder ein paar herausfordernde Predigten, und dann denke ich über mich nach.
Also ich fahre irgendwo hin, wo mich keiner kennt und ich auch keinen kennenlernen will. Ich bin da ganz alleine mit Gott. Ich bin irgendwo, wo wirklich nichts los ist. Da gibt es auch kein Kino, und da ist auch meist das Internet nicht besonders gut. Dann spaziere ich da irgendwie stundenlang durch den Wald. Ich bete, ich denke nach, ich wiederhole auch Bibelverse, und ich frage einfach mal Gott, wie ihm mein Leben gefällt, ob es da Dinge gibt, die ich ändern muss, ob ich noch in der Spur bin, ob sich vielleicht in meinem Leben irgendwo Sünde eingeschlichen hat.
Und ich kann dir einfach nur den Tipp geben: Wenn du das noch nie gemacht hast, so eine Auszeit, dann nimm dir das noch vor. Also vielleicht hast du noch zwei, drei Resturlaubstage, manch einer soll mit sowas gesegnet sein, dann investiere sie. Such dir irgendeine Datscha irgendwo, wo du sagst: Da fahre ich mal hin, mitten im Wald. Und dann sei mal mit Gott alleine, probier das aus.
Und sei bitte nicht überrascht, wenn Gott durch das, was du in der Bibel liest, durch das, was du in Predigten hörst, zu dir spricht. Sei nicht überrascht, wenn dir plötzlich Dinge in den Sinn kommen, wo du merkst: Da wollte ich schon lange mal drüber nachdenken. Oder wo Gott anfängt, seinen Finger in geistliche Wunden zu legen, wo du merkst: Ja, stimmt, jetzt habe ich Zeit, darüber nachzudenken. Jetzt habe ich zumindest keine Ausrede, dass etwas anderes wichtiger ist.
Wenn Gott dir zeigt, dass du etwas ändern musst, dann pack es an. Glaube mal daran, dass Gott ein Gott ist, der dich leiten möchte, der dir zur Seite stehen will, der dir helfen will. Das Einzige ist: Damit das passiert, müssen wir es zulassen.
Und ich glaube, wir leben in einer Gesellschaft, wo die meisten von uns in so einer Dauerhektikschleife sind. Also ich schaue mir meinen Wochenplan an, und ich habe fast auf 15 Minuten, wenn ich so meinen Wochenplan mache, meine Woche durchgetaktet. Und ich glaube, es geht den meisten so. Und dann weiß ich noch, dass Dinge hinten runterfallen, dass ich noch lange nicht da bin und sage: Alles ist erledigt.
Wir brauchen einen Ausstieg aus dieser Dauerhektik, müssen das abstellen, müssen mal still werden. Jesaja sagt: In Stillsein und in Vertrauen ist eure Stärke.
Und ich möchte euch ganz arg ermutigen, weil Sünde sowieso wie eine Katze auf leisen Pfoten ins Leben reinschleicht, sich in die Ecke legt, und du kriegst das gar nicht so richtig mit. Deswegen brauchen wir eine Zeit, wo wir über uns nachdenken. Sonst ist das mit dem Ausdauerlaufen einfach schwierig.
Der Blick auf Jesus als Vorbild und Ziel
Und dann noch einmal: Wir haben ein Vorbild, Hebräer 12,2, indem wir hinschauen auf Jesus. Wir laufen den vor uns liegenden Wettlauf, diesen Kurs, in den Gott uns hineingestellt hat, indem wir hinschauen auf Jesus, den Anfänger und Vollender des Glaubens, der um der vor ihm liegenden Freude willen die Schande nicht achtete und das Kreuz erduldete und sich gesetzt hat zur Rechten des Thrones Gottes.
Jesus ist der Anfänger und der Vollender des Glaubens. Anfänger könnte man auch übersetzen mit Urheber oder Begründer. Das bedeutet so viel wie: Ohne Jesus gibt es keinen Glauben. Mein Glaube dreht sich um Jesus. Er ist der Anfänger, er ist der Grund meines Glaubens, und er ist der Vollender.
Es hat Glauben gegeben, bevor Jesus auf die Erde kam. Ja, es gab schon Glauben vor ihm, das haben wir in Kapitel 11 gesehen mit diesen Glaubensvorbildern. Aber wenn wir uns Jesus anschauen, dann hat er dieses Konzept des Glaubens, was es wirklich heißt, an Gott zu glauben, veredelt. Er hat es auf ein neues Niveau gebracht. Er hat uns vorgestellt, was Gott sich unter dem Begriff Glaube in letzter Konsequenz vorstellt.
Und deshalb lohnt es sich, auf Jesus zu schauen, indem wir hinschauen auf Jesus, den Anfänger und Vollender des Glaubens. Auf ihn hinschauen, von ihm lernen. Und wenn wir das tun, dann sehen wir einen Mann, der bereit war, Schande und Kreuz zu erdulden, weil er vor sich Freude sah. Der um der vor ihm liegenden Freude willen die Schande nicht achtete und das Kreuz erduldete.
Und ich finde das einen total spannenden Gedanken. Jesus führt ein Leben, das darin mündet, dass er wie ein Verbrecher hingerichtet wird. Und er tut das, warum? Weil er sich auf die Freude freut, die danach kommt. Ist das ein cooler Gedanke? Ja? Jesus geht durch sein Leben und erleidet all das, was er erlitten hat. Und wenn du ihn gefragt hättest: Warum gibst du denn nicht auf? Dann sagt dir Jesus: Weißt du, ich freue mich so sehr auf das, was da kommt. Das ist so eine tiefe, tiefe Freude in mir. Dann nehme ich dieses Leben mit. Und wenn die mich als Verbrecher ans Kreuz nageln, hey, ja, ich freue mich so sehr!
Und heute, heute ist das der Fall: Jesus sitzt im Himmel zur Rechten des Thrones Gottes. Das ist der Platz größter Wertschätzung und Ehre. Jesus sitzt dort und freut sich. Ich weiß nicht, wie du dir Jesus im Himmel vorstellst, aber eins kann ich dir sagen: Der Text macht klar, Jesus sitzt jetzt im Himmel und freut sich.
Worüber? Naja, es gibt ganz viel. Er kann sich darüber freuen, dass er die Nummer eins ist. Er kann sich darüber freuen, dass er den Willen Gottes getan hat. Er kann sich darüber freuen, dass er die Werke des Teufels zerstört hat. Er kann sich darüber freuen, dass er der Mittler geworden ist zwischen Mensch und Gott, der Weg zum ewigen Leben. Er kann sich darüber freuen, dass er der unangefochtene König aller Könige ist, vor dem jedes Knie sich beugen muss. Er kann sich darüber freuen, dass ihm die Begeisterung der Engel gehört, die Anbetung der Gläubigen. Es gibt ganz viel Grund dafür, dass Jesus sich freut, und das tut er.
Er hat das vorher gewusst, was da kommt, dass es sich lohnt. Und er war einfach bereit, um der vor ihm liegenden Freude willen die Schande und das Kreuz zu erdulden. Wow, aber der Weg dahin war hart.
Standhaft bleiben trotz Widerstand und Erschöpfung
In Hebräer 12,3 heißt es: Denn betrachtet den, der so großen Widerspruch von den Sündern gegen sich erduldet hat, damit ihr nicht ermüdet und in euren Seelen ermattet.
Jetzt kommt hier dieses Wort betrachtet. Gemeint ist Jesus. Dieses Wort betrachten hat mit sorgfältigem Nachdenken zu tun. Und wenn ich es einmal so sagen darf: „Der Trick hinter einem erfolgreichen Leben als Christ ist die Beschäftigung mit der Person und dem Leben Jesu.“
Der Trick hinter einem erfolgreichen Leben als Christ ist die Beschäftigung mit der Person und dem Leben Jesu. Wenn du wissen willst, wie du als Mensch ein erfolgreiches Leben führen kannst, das bis zum Schluss am Glauben festhält, dann schau dir Jesus an.
Und bleiben wir an der Stelle wieder nüchtern. Der Vers sagt, dass man ermüden und ermatten kann. Es scheint beides möglich zu sein. Hier wird auch wieder das Bild des Wettlaufs aufgegriffen. Ein Läufer, der ermüdet und ermattet, gibt auf. Du möchtest nicht aufgeben? Schau dir Jesus an, denk über Jesus nach.
Wenn wir Jesus anschauen und darüber nachdenken, was er durchgemacht hat, wie man ihm zugesetzt hat, im Text heißt es: der so großen Widerspruch von den Sündern gegen sich erduldet hat, dann können wir etwas dagegen tun, dass wir ermüden und ermatten. Dann können wir wach bleiben, und dann können wir stark bleiben. Aber wir brauchen diesen Blick auf Jesus, damit wir am Ziel ankommen.
Nochmal: Der Trick hinter einem erfolgreichen Leben als Christ ist die Beschäftigung mit der Person und dem Leben Jesu.
Ich sage das deshalb, weil ich den Eindruck habe, dass Christen sich so oft mit anderen Themen beschäftigen, aber dass Jesus selbst in ihrem Denken als echtes Glaubensvorbild, an dem ich mich orientieren sollte, häufig gar keine Rolle mehr spielt.
Fragt mich jemand: Jürgen, was hältst du von dem Thema Herzensgebet? Also, wer noch nie von dem Herzensgebet gehört hat: Es ist eine Gebetsform, die sich die Mönche erfunden haben. Was man macht, ist, man sagt so einen kurzen Bibelfers immer und immer und immer wieder auf.
Ich denke mir innerlich, wenn die Frage kommt: Was für eine komische Frage. Und wisst ihr warum? Jesus hat seinen Jüngern doch gesagt, wie man beten soll. Warum machen wir es nicht einfach so, wie er es uns beigebracht hat?
Stattdessen kannst du eine Diskussion nach der anderen in christlichen Gemeinden führen über Herzensgebet, hörendes Gebet, Zungengebet, kontemplatives Gebet und ich weiß nicht, was noch alles. Warum nicht einfach so beten, wie Jesus das will? Warum etwas Neues? Ich verstehe es wirklich nicht.
Es muss irgendwie so eine Ladehemmung geben, einfach das zu tun, was Jesus gesagt und uns vorgemacht hat.
Oder Gottesdienst besuchen, auch die Frage: Ist das wichtig? Dann denke ich mir: Mann, Jesus hatte gute Gewohnheiten. Eine davon war, regelmäßig in die Synagoge zu gehen und am Gottesdienst teilzunehmen, anscheinend schon. Lasst uns die Sache bitte nicht kompliziert machen.
Wie gehe ich mit Katastrophen im Leben um? Na, was hat Jesus gemacht? Er hat in Gethsemane, das ist definitiv eine Katastrophe, die Gemeinschaft mit ein paar ganz ausgewählten Freunden gesucht, drei Stück: Jakobus, Johannes, Petrus. Die hat er mitgenommen, die sollten wachen, und dann hat er stundenlang flehentlich gebetet, bis er für den Weg ans Kreuz bereit war.
Soll ich euch was sagen? Ich habe das ausprobiert, das funktioniert. Es ist nicht trendy, das ist mir schon klar, aber es funktioniert. Irgendwann kommt dieser Punkt, wo ein übernatürlicher Friede und übernatürliche Kraft in dein Leben hineinflutet, und du denkst dir: Was ist denn jetzt los? Und das Problem, das eben noch dabei war, dich zu zerdrücken, wird plötzlich so klein, dass du nur noch dankend nach Hause gehen kannst.
Jesus hat es vorgemacht. Also, ich kann euch das nur ans Herz legen: Bitte lasst uns Jesus betrachten, über ihn nachdenken und von ihm lernen.
„Lasst uns sein Leben imitieren, das bewahren, was er uns geboten hat, dafür sorgen, dass er in uns Gestalt gewinnt“, so würde Paulus das ausdrücken. Und dann stellen wir manchmal fest, dass die Probleme, die wir haben, vielleicht gar nicht so groß sind wie die Probleme, die Jesus hatte.
Der Vorwurf an die noch Lebenden
Hebräer 12,4: Ihr habt im Kampf gegen die Sünde noch nicht bis aufs Blut widerstanden.
Wow, ihr werdet gleich sehen, das ist ein Argument. Also: Jesus und ein Teil der Glaubenshelden aus Kapitel 11 wurden umgebracht. Die Briefempfänger dagegen, obwohl sie schwere Verfolgung erlebt hatten, davon müssen wir ausgehen, waren noch am Leben.
Dieser Vers ist ein Vorwurf, nicht so dramatisch vorwurfsvoll formuliert, aber doch ein Vorwurf. Und der geht ungefähr so: Warum denkt ihr eigentlich darüber nach, den Glauben aufzugeben, wenn die Probleme, die ihr habt, noch nicht einmal so groß sind, dass einige von euch für den Glauben das Leben lassen mussten? Habt ihr aus dem Vorbild von Jesus und aus dem Zeugnis der Märtyrer nicht gelernt, dass man bis zum Tod am Glauben festhalten muss? Das ist das, was hier steht.
Was macht ihr eigentlich, solange ihr nicht tot seid? Es ist noch gar nichts passiert. Also: Warum soll ich im Leid nicht aufgeben? Hier Argument Nummer eins: Eure Probleme sind gar nicht so groß, ihr lebt noch. Es gibt in puncto Leid noch Luft nach oben. Schaut euch mal die an, die viel mehr gelitten haben.
Ich finde das Argument ziemlich komisch, wenn ich ganz ehrlich bin, aber es funktioniert. Wenn wir in Situationen kommen, die schlimm sind, dann kann es tatsächlich hilfreich sein, mal darüber nachzudenken, was noch Schlimmeres hätte passieren können. Ich weiß, dass wir das in dem Moment nicht machen, weil wir so darauf fixiert sind, uns selbst zu leiden, versteht ihr ja? Ich möchte gar nicht darüber nachdenken, dass ein anderer vielleicht mehr leidet.
Ein Beispiel ist jetzt aus meinem Leben dieses Jahr: Wenn du nach einer Herz-OP aufwachst und feststellst, dass du kaum mehr Kraft zum Laufen hast. Da liegst du in deinem Bett, und dann kommt die Physiotherapie und sagt: Setzen Sie sich mal auf. Du kannst es nicht, fällst immer wieder nach hinten um, bis man dir da hinten so einen Keil reinschiebt, der dich hält.
Wenn das so ist, dann schau dir mal den an, der im Rollstuhl sitzt. Ja, es war für mich total komisch, am Anfang mit so einem Rollator da so über den Flur zu schleichen. Stimmt, das war komisch. Aber wisst ihr was? Ich konnte nach zwei Monaten wieder laufen. Das war mühsam, aber ich habe es wieder gelernt. Der im Rollstuhl nicht, der sitzt da immer noch.
Also wenn dir jemand klagt, wie schlimm sein Leben ist, dann kann es manchmal schon helfen, wenn man dem, der da klagt, zeigt, dass es Menschen gibt, die viel größere Probleme haben. Es gibt diesen Spruch: Ich weinte, dass ich keine Schuhe hatte, bis ich einen traf, der keine Füße hatte. Ich dachte: Ja, also das ist das eine Argument.
Warum im Leid nicht aufgeben? Wie ermutige ich jemanden, der im Leid drinsteckt? Eine Möglichkeit ist, ihm zu sagen: Du, es geht noch viel schlimmer.
Gottes Erziehung als Ausdruck seiner Liebe
Zweites Argument, ganz andere Richtung: Hebräer 12,5-6. Ihr habt die Ermahnung vergessen, die zu euch als zu Söhnen spricht. Zitat aus Sprüche 3,11-12, wieder aus der Septuaginta:
Mein Sohn, schätze nicht gering des Herrn Züchtigung. Ich werde an der Stelle immer sagen: besser Erziehung. Ich finde, Züchtigung ist einfach ein Wort, das mir viel zu streng und viel zu einseitig ist. Das Wort heißt Erziehung. Mein Sohn, schätze nicht gering des Herrn Erziehung und ermüde nicht, wenn du von ihm gestraft oder zurechtgewiesen, getadelt wirst. Denn wen der Herr liebt, den züchtigt beziehungsweise erzieht er. Er schlägt aber jeden Sohn, den er aufnimmt.
Das ist Argument Nummer zwei: Gott ist ein Vater, der uns als seine Söhne erzieht. Hier sind ausnahmsweise die Frauen auch mal Söhne, weil Sohn ein Bild ist. Ein Bild, das eine Beziehung zum Ausdruck bringt. Söhne, das waren damals die Stammhalter, vielleicht sogar die womöglich nächsten Könige. Und denen wurde in ganz besonderer Weise die Aufmerksamkeit der väterlichen Erziehung zuteil. Da war Korrektur besonders wichtig. Deswegen dieses Bild der Beziehung eines Vaters zu seinem Sohn für das, was wir zu Gott haben.
Weil Gott uns liebt, deshalb erzieht er uns. Und wenn wir in Schwierigkeiten kommen, wenn unser Leben nicht so läuft, wie wir uns das vorstellen, dann kann es sein, dass wir gerade Gottes erziehendes und züchtigendes Eingreifen in unser Leben erfahren. Und genau das sagt der Text hier: Mein Sohn, schätze nicht gering des Herrn Züchtigung, Erziehung. Genau das gilt es, nicht gering zu schätzen.
Ich vermute aber, dass das die meisten Christen tun. Also die Idee, dass ich als Christ Anleitung brauche, dass wir nicht fertig sind, dass Gott uns erziehen muss, damit wir treu werden, gehorsam werden, wirklich Gemeinschaft genießen können, geistlich reifen, das ist so eine Idee, die hört man nicht mehr oft. Ich habe mir mal überlegt: Kennt ihr jemanden, der so etwas formulieren würde, jetzt mal so eine fiktive Formulierung?
Hey, letzte Woche, da hatte ich so eine richtig schwierige Zeit. Mir ging es körperlich nicht gut, und mein Chef war auch schwierig. Aber wow, das war rückblickend total gut, weil ich mehr im Gebet war, weil ich mich mehr im Ausharren üben konnte. Ich bin geistlich echt gewachsen. Einfach toll, was Gott mir da zugemutet hat, das hat mich echt weitergebracht.
Ich kenne jetzt, will ich mal sagen, fast niemanden, der das so formulieren würde. Aber es wäre richtig. Es wäre total richtig, zu sagen: Die schwierige Zeit war eine richtig gute Zeit.
Die Frucht von Prüfung und Korrektur
Hebräer 12,7
Was ihr erduldet, ist zur Züchtigung oder zur Erziehung. Wow, du kommst in eine schwierige Situation, die du nicht magst. Lern den Vers: Was ihr duldet, ist zur Züchtigung. Gott behandelt euch als Söhne. Denn ist der ein Sohn, den der Vater nicht züchtigt beziehungsweise erzieht? Und die Antwort lautet ganz offensichtlich: Nein, nein!
Es macht ja gerade das Besondere einer Vater-Sohn-Beziehung aus, dass der Vater ein erzieherisches Interesse am Sohn hat. Erziehung ist nicht nur ein Vorrecht, sie ist die logische Folge davon, dass ich Sohn Gottes bin.
Hebräer 12,8
Wenn ihr aber ohne Züchtigung oder Erziehung seid, deren alle gemeint sind, Söhne Gottes teilhaftig geworden sind, so seid ihr Bastarde und Nichtsöhne.
Das ist ein scharfer Vers. Wenn wir als Christen es nicht erleben, dass Gott uns erzieht, dann sollten wir uns nicht darüber freuen, sondern sehr kritisch auf unseren Glauben blicken. Also, wenn wir nicht erleben, dass Gott uns prüft, in herausfordernde Situationen stellt oder für Sünde bestraft, dann besteht der naheliegende Verdacht, dass er nicht unser Vater ist.
Und damit wir uns jetzt nicht falsch verstehen: Wir dürfen und sollen, das sagt Paulus im 1. Timotheus 2,2, für ein ruhiges und stilles Leben beten.
Aber wenn wir so gar nicht merken, dass Gott uns im Glauben voranbringt, indem er uns prüfend, prägend und korrigierend in unser Leben eingreift, wenn wir so in puncto Heiligung irgendwie schon seit Jahren auf der Stelle treten und es einfach nicht vorangeht, dann würde ich diesen Vers nehmen und mir die Frage stellen: Bin ich wirklich Sohn Gottes? Bin ich wirklich gläubig? Warum hat Gott so wenig Interesse an mir, dass er mich einfach auf der Stelle treten lässt? Warum kümmert er sich nicht mehr um mich? Warum erzieht er mich nicht mehr?
Hebräer 12,9
Zudem hatten wir auch unsere leiblichen Väter als Züchtiger, Erzieher, und scheuten sie, wir hatten Respekt vor ihnen, sollen wir uns nicht vielmehr dem Vater der Geister, ich fände es besser, wenn hier stehen würde, dem geistlichen Vater, das würde man besser verstehen, sollen wir uns nicht vielmehr dem geistlichen Vater, damit ist Gott gemeint, unterordnen und leben?
Ach, das ist ein toller Vers! Leben in seiner höchsten und besten Form ist immer eine Folge davon, dass wir uns Gott unterordnen und ihn machen lassen. Leid wird zum Segen, wenn ich mich Gott unterordne, weil Leid dann Leben hervorbringt. Den Satz sage ich noch mal, der gefällt mir: Leid wird zum Segen, wenn ich mich Gott unterordne, weil Leid dann Leben hervorbringt.
Leid kann entweder Frust, Abfall vom Glauben und Zweifel hervorbringen oder ein Mehr an Lebensqualität. Das ist verrückt, oder? Wenn man sich das mal so vor Augen malt.
Aber noch mal zurück: Garten Gethsemane, Jesus. Da kommt das Leid von außen in Form von Verfolgung. Also Gott hat das Leid, auch das Leid, mit dem er uns erzieht, nicht gemacht. Aber er benutzt es. In diesem Fall Gethsemane benutzt er es, um seinen Sohn zu erziehen.
Wir haben uns das am Anfang angeschaut, in der ersten Bibelwoche, Hebräer 5,8. Jesus lernt an dem, was er leidet, den Gehorsam. Der Vater erzieht den Sohn, und die Folge davon ist für den Herrn Jesus die Verherrlichung. Und dasselbe gilt für uns. In Römer 8,17 heißt es: Wenn wir mitleiden, werden wir auch mitverherrlicht werden.
Aus einer ewigen Perspektive ist Leid der Aspekt unseres Lebens, der uns den meisten Gewinn bringt. Ist euch das klar? Gott nimmt Leid aus unserem Leben aus zwei Gründen nicht weg. Erstens, weil er uns durch Leid erziehen möchte, zur Heiligkeit. Und zweitens, weil er uns für das Leid, das wir erleben, belohnen wird. Und rückblickend gilt, dass die Belohnung so groß sein wird, dass das, was du hier gelitten hast, nicht mehr ins Gewicht fällt.
Römer 8,18
Denn ich denke, dass die Leiden der jetzigen Zeit nicht ins Gewicht fallen gegenüber der zukünftigen Herrlichkeit, die an uns geoffenbart werden soll.
Nicht ins Gewicht! In der Ewigkeit wird niemand zurückblicken und sagen: Boah, was hatte ich für ein schweres Leben. Jeder wird sagen: Im Vergleich zu dem, was ich hier gerade erlebe, was ich hier an Herrlichkeit bekommen habe, boah, das war es. Da braucht man nicht mehr darüber nachzudenken, über das alte Leben.
Hebräer 12,10
Denn sie, das sind die leiblichen Väter, züchtigten uns zwar für wenige Tage nach ihrem Gutdünken, Gott aber zum Nutzen, damit wir seiner Heiligkeit teilhaftig werden.
Eltern können sich in der Erziehung irren, können Entscheidungen treffen, die für ihre Kinder nicht nützlich sind. Bei Gott ist das anders. Er tut alles zu unserem Nutzen. Gott ist heilig, und er will, dass wir heilig werden. Gott aber zum Nutzen, damit wir seiner Heiligkeit teilhaftig werden. Gott erzieht uns, damit wir seiner Heiligkeit teilhaftig werden. Er hat ein klares Ziel.
Ich könnte also jetzt, wenn ich das alles zusammennehme, wenn ich wollte und glauben würde, dass Gott ein guter Vater ist, alle Schwierigkeiten in meinem Leben einfach aus der Perspektive Erziehung betrachten. Ich könnte sagen: Immer wenn mir irgendetwas Schwieriges passiert, ist das einfach Erziehung, und da freue ich mich darüber und schaue mal, was dabei herauskommt.
Wenn dir das zu weit geht, kann sein, dann könnte ich wenigstens davon ausgehen, dass alles Leid in meinem Leben Sinn macht, weil es entweder dazu dient, mich einmal dafür zu belohnen oder weil Gott mich dadurch erziehen will, vielleicht auch beides. Mir ist letztlich egal, wie wir genau darüber denken. Wichtig ist nur, dass wir die Gedanken, Gott ist ein Vater, der uns erzieht, und diesen zweiten Gedanken, Erziehung ist etwas Gutes, dass wir diese zwei Gedanken an uns heranlassen und dass wir es an uns heranlassen, weil sich Erziehung nämlich nicht oder meistens gar nicht gut anfühlt.
Also Gottes Erziehung fühlt sich manchmal eher nach Überforderung oder Alleingelassensein an. Und deshalb auch in Vers fünf dieses Gebot, nicht zu ermatten. Es ist wirklich manchmal schwierig, in was für Situationen uns Gott reinsteckt.
Die innere Wirkung von Leid und die abschließende Ermutigung
Hebräer 12,11 Alle Züchtigung oder Erziehung scheint uns zwar für die Gegenwart nicht Freude, sondern Traurigkeit zu sein.
Genau, es macht keinen Spaß, erzogen zu werden. Rückblickend kann ich einer Erziehung, wenn sie gut war, etwas Positives abgewinnen. Wenn meine Eltern mir früh Aufgaben übertragen haben, sagen wir mal, ich musste schon ganz früh mein Zimmer aufräumen, dann kann ich mich im Nachhinein irgendwie darüber freuen, dass ich früh Dinge wie Fleiß und Zuverlässigkeit gelernt habe.
Aber wenn ich zurückdenke an den Moment, in dem die Tür aufgeht und Mama reinruft: „Zimmer aufräumen!“, und ich gerade mit meinen Gedanken mitten in meiner Ritterburg gefangen bin, während dort gerade diese Belagerung läuft, dann geht das jetzt einfach nicht mit dem Aufhören und Wegräumen. Dann ist das in diesem Moment einfach nur Traurigkeit. So ist Erziehung. So ist Erziehung bei den Kindern, und genau so ist es bei Gott.
Wenn Gott sich überlegt: So, Freund, jetzt bringe ich dir mal eine Lektion zum Thema Geduld bei. Ihr wisst ja, Geduld lernt man durch Schwierigkeiten. Du kannst ein Leben lang für Geduld beten und bekommst gar nichts. Geduld lernt man dadurch, dass du in Schwierigkeiten kommst, in denen du Geduld üben musst. Und irgendwann stellst du fest: Oh, ich werde geduldiger, das ist ja toll. Wo habe ich denn das gelernt? Dann fällt dir so ein, wo du überall geduldig warst.
Wir lernen die Dinge, die Gott wichtig sind, in den schwierigen Momenten unseres Lebens. Und die machen keinen Spaß. Alle Züchtigung oder Erziehung scheint uns zwar für die Gegenwart nicht Freude, sondern Traurigkeit zu sein, nachher aber gibt sie denen, die durch sie geübt sind, die friedvolle Frucht der Gerechtigkeit. Und das ist das Spannende.
Eine friedvolle Frucht ist ein Bild für das angenehme Ergebnis, das sich einstellt, wenn ein Leben von praktischer Gerechtigkeit geprägt ist. Gott meint es gut mit mir, und ein von Gerechtigkeit geprägtes Leben ist das beste Leben, das man führen kann. Selbst dann übrigens, wenn man verfolgt wird, weil es das einzige Leben ist, das Gott auf seiner Seite hat, und das einzige Leben ist, das Hoffnung auf die Ewigkeit hat.
Lasst uns deshalb nochmals die Punkte von heute zusammenfassen:
Erstens: Mit Ausdauer den Wettlauf des Lebens laufen. Wenn es da Beschwernisse in deinem Leben gibt, hau sie raus. Stell dir mal vor, wie das aussehen könnte in deinem Leben, wenn diese leicht umstrickende Sünde weg wäre.
Zweitens: Lasst uns von Jesus lernen. Lasst uns ihn betrachten. Lasst uns vielleicht auch mal Zeit nehmen, alleine mit ihm, damit er uns sagen kann, was ihm wichtig ist.
Drittens: Lasst uns darüber freuen, dass die Probleme, die wir haben, nicht noch größer sind.
Und viertens: Lasst uns daran glauben, dass Gott ein guter Vater ist, der unseren Lebensweg so lenkt, dass wir genau die Lektionen lernen, die wir brauchen, um heilig zu werden und die Berufung zu erfüllen, die er für uns hat.
Amen.
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