Einführung in das Bild des Messias nach Gottes Sicht
Gott wird Mensch – Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter, Weg, Wahrheit und Leben ist. Episode: Ein Messias nach Gottes Sinn, Teil drei.
Wir sind dabei, uns ein Bild von dem Messias zu machen, so wie Gott ihn sieht. Dabei wollen wir verstehen, warum der Herr Jesus nicht möchte, dass seine Anhänger ihn übermäßig bekannt machen. Das hängt mit dem Auftreten des Messias zusammen.
Ich lese noch einmal Matthäus 12,16-21:
„Und er bedrohte sie, dass sie ihn nicht offenbar machten, damit erfüllt wurde, was durch den Propheten Jesaja geredet ist, der spricht: Siehe, mein Knecht, den ich erwählt habe, mein Geliebter, an dem meine Seele Wohlgefallen gefunden hat. Ich werde meinen Geist auf ihn legen, und er wird den Nationen Recht verkünden. Er wird nicht streiten noch schreien, noch wird jemand seine Stimme auf den Straßen hören. Ein geknicktes Rohr wird er nicht zerbrechen und einen glimmenden Docht wird er nicht auslöschen, bis er das Recht hinausführe zum Sieg, und auf seinen Namen werden die Nationen hoffen.“
Die stille Art des Messias und ihre Bedeutung
Der Punkt, um den es in dieser Episode gehen soll, ist Matthäus 12,19: „Er wird nicht streiten noch schreien, noch wird jemand seine Stimme auf den Straßen hören.“ Jesaja formuliert ganz ähnlich in Jesaja 42,2: „Er wird nicht schreien und die Stimme nicht erheben und seine Stimme nicht hören lassen auf der Straße.“
Das bedeutet, der Messias wird allen Völkern Recht verkünden, aber er wird es leise tun. Er wird keine laute Propagandamaschinerie anwerfen, sich nicht aufdrängen und keinen Streit vom Zaun brechen. Sein Charakter ist von Geduld, Demut und Ruhe geprägt, auch im Angesicht von Opposition.
Was hier steht, sollte nicht nur den Messias beschreiben, sondern auch seine Jünger. Das Projekt Christentum ist immer dann zum Scheitern verurteilt, wenn es auf eine aggressive, laute und propagandistische Weise daherkommt.
Als Jünger Jesu, als solche, die einem stillen Messias folgen, müssen wir Freude an einem Dienst haben, dem es nicht auf Anerkennung, auf Zahlen oder auf sichtbare Erfolge ankommt. Popularität darf uns nicht wichtig werden.
Die Haltung der Jünger und die Strategie des Messias
Und damit streichen wir nicht die Bedeutung unseres Auftrags durch. Ganz im Gegenteil: Wir sind überzeugt, dass sich Streitsucht und echte Liebe nicht miteinander vertragen.
Oder vielleicht sollte ich es so sagen: Wir sind davon überzeugt, dass der Ansatz, den unser Herr Jesus verfolgt, auf lange Sicht der beste und erfolgreichste ist. Wenn ich das so sage, merke ich, wie die Welt uns eine ganz andere Sicht verkaufen will. Sei laut, sei schrill, mach auf dich aufmerksam, stell dich in den Mittelpunkt, du hast etwas zu sagen, schrei es hinaus.
Doch dann kommt die Prophetie aus Jesaja 42,2: „Er wird nicht schreien und die Stimme nicht erheben und seine Stimme nicht hören lassen auf der Straße.“ Mit dieser Prophetie kommt auch die Erfüllung – ein Messias, der Menschen nicht bedroht, sondern ihnen nahekommt, ohne dass sie Angst haben müssen, jemandem von ihren Erfahrungen mit ihm zu erzählen.
Können wir uns die Verwirrung dieser Menschen vorstellen? Sie sind gerade geheilt worden, Jesus hat ihre ganze Zukunft auf den Kopf gestellt. Vielleicht haben sie nach Jahren des Leidens zum ersten Mal wieder neue Hoffnung bekommen. Und dann dürfen sie nicht darüber reden? Wie soll das gehen, und warum soll das richtig sein? Will Jesus nicht bekannt werden? Sind diese Heilungen nicht genau deshalb geschehen, damit jeder in diesem Rabbi aus Nazaret den Messias findet? Irgendwie schon, oder?
Gleichzeitig wird das Reich, das jetzt entsteht, nicht auf Propaganda aufgebaut.
Die Bedeutung von Zurückhaltung und Gebet im Dienst
Ein paar Jahre später wird der Apostel Paulus schreiben, dass die Waffen unseres Kampfes nicht fleischlich sind. Marketing-Experten wissen, wie man Menschen manipuliert. Genau das müssen wir vermeiden.
Jede Form von Manipulation, Erpressung oder Bestechung passt nicht zu einem Jünger Jesu. Als Nachfolger eines leisen Messias dürfen wir selbst leise sein. Wir können darauf vertrauen, dass Gebet wichtiger ist als wilde Kampagnen, die viel Geld verschlingen, aber schlussendlich nur wenige Menschen erreichen und noch weniger wirklich verändern.
Jürgen fragt, ob ich Wunder nicht erzählen würde. Meine Antwort: Ich würde sehr zurückhaltend sein und auf keinen Fall mit Wundern werben. Ich sehe Jesus, wie er genau das nicht tut. Ich sehe, wie er Menschen davon abhält, ihn als Heiler bekannt zu machen. Und ich gehe einfach mal davon aus, dass er weiß, was er tut.
Die messianische Strategie des leisen Werbens
Die messianische Strategie, um die Welt zu erobern, ist eine Strategie des unaufgeregten Werbens um Seelen. Ja, wir wünschen uns von ganzem Herzen, dass Menschen sich bekehren. Ja, wir investieren unser Leben in Gemeinde und Mission.
Gleichzeitig wissen wir aber auch, dass wir Bekehrungen nicht erzwingen können. Von den vielen Menschen, die Jesus geheilt hat, sind nur ganz wenige wirklich gläubig geworden. Ist das nicht schlimm und auch irgendwie merkwürdig? Warum führt eine Heilung nicht automatisch zum Glauben?
Die Antwort lautet: Weil sie es eben nicht tut. Der Mensch tickt nicht so. Ein Mensch kann Gottes Güte erfahren und dennoch sein Herz verhärten. Das ist ganz einfach so.
Deshalb sucht Jesus mehr als nur einen Fan. Ich denke, viele Menschen waren damals Jesusfans, aber nur ganz wenige waren bereit, sich wirklich auf Jesus als Person und auf seine Botschaft einzulassen.
Gottes Strategie der Liebe und Geduld
Die Strategie des Messias ist eine Strategie der Stille. Gott will mich nicht überrumpeln oder überwältigen, sondern er möchte mein Herz gewinnen. Es ist seine Liebe, mit der er mich ziehen will.
Gott möchte nicht, dass ich mental vor der Wucht seiner Persönlichkeit einknicke oder vor seiner Argumentation, weil ich überfordert bin beziehungsweise meine Ruhe haben will. Es wäre Gott ein Leichtes, jeden Menschen auf diese Weise zu „gewinnen“. Allerdings ist das genau nicht, was Gott tut.
Die Strategie der Stille, des leisen Werbens und des unaufgeregten Argumentierens – das ist Gottes Weg. Er beschenkt uns mit seiner Zuwendung, lässt uns ausreden und trägt unsere Fragen, Ängste und Zweifel. Er gewährt uns sogar das Recht zum Nein.
Gott geht so vor, weil er eben gerade nicht die gegen ihren Willen Eingeknickten sucht. Auch nicht jene, denen es nur um ein Ticket in den Himmel geht. Seine Strategie ist die ganze Zeit auf Folgendes ausgerichtet: Er sucht Liebhaberinnen und Liebhaber Gottes. Menschen, die zuhören, weil sie an der Person des Messias interessiert sind und nicht nur an seinen Heilungen.
Er sucht Menschen, die Gott suchen, aber nicht zuerst Gottes Gaben. Menschen, die durch ihre Liebe zur Wahrheit mit Gott verbunden sind – lange bevor sie ihn ganz finden und ihm mit Freude nachfolgen.
Fazit: Der leise Weg zum Aufbau von Gottes Reich
Und deshalb muss, darf und braucht der Messias nicht streiten oder schreien. Seine Strategie erreicht genau die richtigen Menschen und baut so auf Gottes Weise Gottes Reich – Schritt für Schritt, Mensch für Mensch, unaufgeregt, aber effektiv.
Und das ist Punkt fünf: Der Messias wirbt auf leise Weise um die Herzen der Menschen.
Einladung zur Reflexion und Gemeinschaft
Was könntest du jetzt tun? Du könntest darüber nachdenken, was in dieser Lektion für dich neu und befreiend war.
Das war's für heute. Wenn du noch kein fester Bestandteil einer bibeltreuen Gemeinde bist, dort nicht mitarbeitest oder nicht für die Geschwister betest, dann ändere das doch.
Der Herr segne dich. Erfahre seine Gnade und lebe in seinem Frieden. Amen.
