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53: Wie du deine Leidenschaft im Glauben NICHT VERLIERST – mit Nicola Vollkommer

Machbar - Der Podcast für Alltagsmissionare, Teil 53/60
18.11.2025
SERIE - Teil 53 / 60Machbar - Der Podcast für Alltagsmissionare
Wie können wir für Jesus brennen, ohne auszubrennen? Moderator Christian Caspari unterhält sich mit Nicola Vollkommer über ihr neues Buch „Leidenschaft in einer kalten Welt“: Wie wir verhindern, dass wir unsere Leidenschaft im Glauben verlieren und wie wir Menschen zu Jesus führen können, auch wenn unsere Gemeinden nicht perfekt sind. Unser Newsletter versorgt dich mit Inhalten und Angeboten, die spezifisch auf deine Alltagsmission abgestimmt sind. Jetzt abonnieren! https://heukelbach.org/heukelbach-newsletter In unseren Blogartikeln vertiefen wir außerdem die Themen aus dem Podcast (https://heukelbach.org/bibliothek/blog). War es machbar? Schreib uns gern von deinen Erfahrungen als Alltagsmissionar an machbar@heukelbach.org! 📖 Buchempfehlung von Nicola Vollkommer: GRUBB, NORMAN: C.T. Studd – Cricketer and Pioneer https://www.amazon.com/C-T-Studd-Cricketer-Norman-P-Grubb/dp/1406799440 BENGE, JANET und GEOFF Charles T. Studd - Der Draufgänger Gottes https://www.leseplatz.de/Buecher/Biografien/Mission/1786/Charles-T.-Studd

Einführung und Vorstellung des Gesprächspartners

Nikola, wie ist es eigentlich: In welchem Setting schreibst du deine Bücher?

Eigentlich überall – manchmal mit einem Notizblock im Auto, im Stau oder mitten in der Küche. Ich habe immer etwas zum Schreiben dabei, weil die Ideen manchmal einfach kommen. Wenn man sie nicht sofort aufschreibt oder in mein Handy spricht, vergisst man sie später wieder. Es gibt kein System, es ist Chaos, genau.

Herzlich willkommen zu einer neuen Folge von machbar, dem Podcast für Alltagsmissionare. Ich bin Christian, und heute ist Nicola Vollkommer mit dabei. Herzlich willkommen an euch und an dich, Nicola. Schön, dass du wieder dabei bist.

Bei machbar bekommst du, lieber Hörer, Tipps, wie du deinen Nächsten einen Schritt näher zu Jesus führen kannst. Heute geht es um Nicolas neues Buch Leidenschaft in einer kalten Welt. Es geht um eine Kultur, die irgendwie geistlich eingefroren ist, um Gemeinden, die eher einem Irrenhaus als einem Hoffnungsort gleichen.

Das klingt hart, ist aber ehrlich – zumindest hat Nicola es so geschrieben. Wir sprechen später darüber, denn genau darum geht es in unserem Gespräch.

Deshalb ist dieses Gespräch auch so wertvoll: Nicola zeigt uns, wie wir trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb – leidenschaftlich für Jesus brennen können, ohne dabei auszubrennen. Wie wir authentisch bleiben, wenn um uns herum so vieles schiefläuft und man den Mut verlieren könnte. Und wie wir unseren Nächsten zu Jesus führen, auch wenn die Gemeinde eben nicht perfekt ist.

Nicola, ich freue mich wirklich sehr auf das Gespräch und dass du auch in der dritten Staffel wieder dabei bist.

Ihr, die ihr zuhört oder zuschaut, kennt Nicola vielleicht schon als Autorin von Alltagstauglich, von Wenn Kinder andere Wege gehen, oder von zahlreichen anderen Büchern, die sie geschrieben hat – darunter Romane. Vielleicht kennt ihr sie auch durch ihren Podcast Start in den Tag oder weil sie schon zweimal hier war. Jetzt ist es tatsächlich das dritte Mal, Nicola – richtig cool!

Für euch bleibt bis zum Ende dran, wir haben etwas Besonderes für euch.

Motivation und Herzensanliegen des Buches

Nicola, wir sprechen über dein neuestes Buch Leidenschaft in einer kalten Welt. Im Prolog schreibst du, dass ihr als junges Paar nur einen Wunsch hattet: das Reich Gottes zu bauen und Menschen irgendwie für Jesus zu gewinnen – entweder alles oder nichts, heiß oder kalt. Was hat dich motiviert, dieses Buch zu schreiben? Was ist dein Herzensanliegen, und was sollen die Leser mitnehmen?

Die erste Motivation war, dass ich gebeten wurde, das zu tun. Von alleine wäre ich nicht unbedingt darauf gekommen. Wir hatten ein Gespräch mit Wolfgang Bühne, der die Idee hatte oder einfach fragte, über was ich schreiben könnte. Wir führten viele Gespräche über den Leib Christi und auch über Gemeindekatastrophen, von denen wir genug erlebt hatten.

Ich bin immer wieder Menschen begegnet, die auch in meiner Generation Ähnliches erlebt haben. Dabei stellte sich die Frage: Wie bleibt man echt am Herrn dran, wenn alles andere irgendwie dagegen spricht? Und die Frage: Was bringt es überhaupt? Wenn man so gut und feurig anfängt, wie die meisten von uns es getan haben – keiner von uns hat Krisen eingeplant oder schwierige Gemeinde- oder Gemeinschaftssituationen –, kommt man gestärkt daraus hervor? Oder muss man unbedingt zynisch werden und resignieren?

Diese Frage hat mich fasziniert und fasziniert mich bis heute. Wie man sieht, haben die Bücher nicht unbedingt die Antwort, sondern eher Überlegungen oder Ansätze von Überlegungen ausgehend vom Wort Gottes. Denn ich habe entdeckt, dass es anderen genauso ging. Wenn du die Helden durch tränengefüllte Augen liest, findest du genau dieses Phänomen überall. Wie fängt man gut an und endet vielleicht noch besser, vielleicht sogar feuriger?

Das war die faszinierende Frage, mit der ich mich beschäftigt habe.

Die geistliche Kälte der westlichen Kultur

Du schreibst in deinem Buch von Herzen, die in unserer eiskalten Kultur wieder anfangen zu brennen, und beschreibst Deutschland als Friedhof der Missionare. Du meinst damit den Wohlstand, der das Land aus deiner Sicht geistlich zum Stillstand gebracht hat. Was genau macht unsere Kultur so kalt?

Ich denke dabei nicht nur an Deutschland, sondern an die ganze westliche Welt – mich selbst eingeschlossen. Man muss immer bei sich selbst anfangen. Ich glaube, es ist der Wohlstand, zu viel Geld und zu viele Annehmlichkeiten des Lebens, achtzig Jahre Frieden. Wohlstand und Sicherheit waren sehr wünschenswert, und wir hoffen natürlich, dass es so weitergeht. Doch das hat Auswirkungen auf unseren Geist und unsere Ausrichtung auf den Himmel.

Ich glaube, genau das meint die Bibel, wenn Paulus vom Betrug des Reichtums schreibt. Es ist ein Betrug. Ulrich Parzany hat einmal bei uns gepredigt und gesagt, das Problem mit uns sei, dass wir unser Häusle und unsere Autos mit der Ewigkeit verwechseln. Ich denke, das ist der Betrug des Reichtums: Wir haben hier auf Erden ein so schönes Paradies, dass wir die Sehnsucht nach dem Himmel verlieren.

Ich bin in Afrika groß geworden, wo jeder wusste, was Rettungsbedürftigkeit bedeutet. Mein Onkel war in der Arktis bei den Inuit. So hatte ich in meiner Familie schon diesen Kontrast. Es ist kein Zufall, dass es viel einfacher ist, das Evangelium in solchen Ländern zu predigen und Menschen zu erreichen als in einer reichen Gesellschaft. Das ist ja klar. Ich glaube, das wirkt sich auf die Seele aus.

Es ist die Selbstgenügsamkeit, in der wir uns im Westen befinden. Wir sind satt, und das macht uns gleichgültig gegenüber geistlichen Fragen, Nöten und Themen. Wenn ich mich selbst anschaue, dann ist die Dringlichkeit, von der wir in der Bibel lesen, nicht automatisch da. Wir müssen sie uns holen, indem wir uns selbst daran erinnern: Meine Güte, meine Not wird auch eines Tages kommen.

Diese Welt ist nicht das Paradies. Auch in unserem Wohlstandsleben erleben wir Krisen, Katastrophen und Rückschläge. Wir müssen nicht in die dritte Welt reisen, um zu spüren, dass wir rettungsbedürftig sind. Ich glaube, jedes Leben erlebt das. Nur fällt es uns schwerer, zur Quelle zurückzukommen, wenn wir Wohlstand, Sicherheit und ein gutes Leben als Anspruch sehen und nicht mehr als Geschenk oder Gnade.

Ich denke, genau hier liegt die Kälte und Gleichgültigkeit.

Wege zur authentischen Leidenschaft in einer kalten Welt

Aber was bedeutet das für uns als Alltagsmissionare? Wie können wir in dieser Kälte, in der wir selbst Gefahr laufen zu erkalten, wieder so echt für unseren Herrn brennen?

Ich denke, es muss in unserem eigenen Leben anfangen. Wir müssen wirklich zu den Wurzeln des Evangeliums zurückkehren. Durch das Wort Gottes erkennen wir, wo wir ohne Jesus wären. Unser Christsein darf nicht nur eine oberflächliche Haltung sein.

Wenn ich meine eigene Haltung betrachte, merke ich, dass ich oft in den Stress gerate, das Christentum als einen alternativen Lebensentwurf anbieten zu wollen. Doch das ist es nicht. Es ist viel mehr als das. Abgesehen davon können wir unmöglich mit dem Zeitgeist konkurrieren.

Ein bisschen Wellness, ein bisschen Lifestyle: „Komm zu Jesus, und es geht dir besser“ – nein, das ist nicht unbedingt so. Ich glaube, wir haben das Evangelium verwässert. Im Einklang mit unserem Zeitgeist besteht die Gefahr, dass wir es ständig auf einen Lebensentwurf, eine Art Wellnessbad, reduzieren.

„Komm zu Jesus und schau mal, dann hast du den Vorteil“ – diesen Vorteil haben wir nicht. „Komm zu Jesus“ bedeutet wirklich, einen Weg zur Kreuzigung zu gehen. Und wie bringen wir das rüber? Es ist nicht etwas, das man schön verkleiden kann. Es ist so: Ich ohne ihn bin verloren, und das ist wirklich der Weg in die Hölle.

Wir müssen diese biblischen Begriffe neu entdecken. Die Welt brennt, sie hat ein Verfallsdatum. Dieser Körper wird eines Tages in einem Sarg liegen. Das sind brutale Realitäten, die wir so gerne verdrängen. Wir überdecken sie gern mit unserem neuen Auto oder unserer neuen Einrichtung – nichts gegen die schönen Dinge dieses Lebens.

Doch die Realität ist: Ich werde eines Tages sterben. Diese schöne Hand, die so gern Klavier spielt, wird eines Tages Teil eines Skeletts sein. Das ist wirklich ein „Autsch“. Und ab diesem Punkt erkennen wir: Wo ist die Rettung vor der Angst, vor dem Grauen, vor der Unsicherheit und dem Wissen, dass es jeden Tag vorbei sein kann?

Ich glaube, das ist die Stimmung in der Bibel: „I once was lost, but now I’m found“ – ich war verloren und muss gefunden werden. „I was blind, but now I see“ – ich war blind und sehe jetzt den krassen Unterschied zwischen Licht und Finsternis.

Das ist der Bereich, über den ich nachdenke. Könnte das nicht der Geist der alten Missionare sein? Die uralte Erweckungspredigt? Natürlich nicht mit der Brechstange und der Wellness-Christi-Botschaft als Gegenreaktion auf übermäßige gesetzliche Drohpredigten der Vergangenheit – das finde ich nicht in der Bibel.

Es ist eher ein Ruf zur Wachsamkeit: „Guck mal, hier ist der Ausweg!“ Jesus hat sich dazwischen geworfen. Es gibt eine Auferstehung. Der Auferstehungssonntag folgt auf Karfreitag. Es ist eher diese euphorische „Wow“-Erfahrung: Das hat er für mich getan.

Ich glaube, das ist die Note, die wir in unserer Alltagsmission brauchen.

Herausforderungen und Chancen in der missionarischen Arbeit

Natürlich stellt sich die Frage, wie man Menschen überhaupt dazu bringt, zu erkennen, dass sie verloren sind. In unserer Kultur ist das natürlich sehr schwierig. Ich denke jedoch, dass die Krisen des Lebens oft eine Chance bieten. Solche Krisen kommen in jedem Leben vor.

Hast du dir schon einmal Gedanken über deinen Tod gemacht? Oder darüber, ob es danach etwas gibt? Die eigentlichen Fragen des Lebens versuchen, genau darauf hinzuweisen. Ich glaube, das funktioniert auch in einer westlichen Wohlstandskultur.

Wenn ich dich richtig verstanden habe, sagst du im Grunde: Ja, wir stehen nicht nur in der Gefahr, sondern leider ist es bei uns, vor allem im Westen, so, dass wir als Gemeinden das Evangelium oft verwässert haben. Es wird eher so dargestellt: „Das ist ein netter Lifestyle mit Jesus, eine schöne Lebensalternative.“

Aber eigentlich predigen wir nicht das Evangelium als die Kraft Gottes, als das Leben. Das hat zur Folge, dass wir die Herausforderungen der Nachfolge oft verschweigen. Jesus sagt ja selbst: „Wer mir folgt, der nehme sein Kreuz auf sich.“ Nachfolge bedeutet Schwierigkeiten. Es ist kein Leben auf der Überholspur, sondern mit Widerständen verbunden.

Jesus spricht sehr klar darüber. Doch das nehmen wir oft weg und betonen nur das Positive – in Anführungsstrichen. Natürlich ist es schön, wenn Jesus einlädt und sagt: „Bei mir wirst du zur Ruhe kommen und den Frieden Gottes finden.“ Das ist eindeutig ein wichtiger Aspekt.

Aber das andere ist eben die Nachfolge und die Kosten der Jüngerschaft nicht zu verheimlichen.

Identität und Motivation als Alltagsmissionar

Das ist es. Auch der Gedanke, dass diese Welt mich sowieso nicht glücklich machen kann, ist wichtig. Dafür muss ich nicht nur nach Afrika oder Nordkorea schauen, es reicht, wenn ich nach Hollywood blicke. Wirklich, dass einem die Schuppen von den Augen fallen und man erkennt: Du kannst alles haben, ganz oben ankommen – und was siehst du dann? Ein Vakuum, eine Leere.

Dort sieht man das krasse Gegenteil: Alle Träume sind erfüllt, und jetzt? Genau hier hat das Evangelium die Lösung parat. Die Antwort ist, dass ich Teil einer anderen Welt bin, dass ich Bürgerin des Himmels bin. Das hat auch viel mit Identität zu tun.

Was könnten Alltagsmissionare über ihre Identität aus deinem Buch lernen? Unsere Identität liegt nicht in erster Linie darin, Alltagsmissionare zu sein, sondern in Christus. In Christus.

Das hat natürlich zur Folge, dass wir Verkündiger sind. Ich bin nicht nur das – aber wie bezeichnen wir uns oft? Ich habe das Gefühl, dass wir in der modernen Welt immer mehr in Schubladen gesteckt werden: Ich bin arbeitslos, ich bin Witwe, ich bin geschieden, ich bin alleinstehend, ich bin kindlos, ich bin das, ich bin jenes. Ich bin ADHS-krank, ich bin depressiv, ich bin übersensibel – diese Labels nehmen zu.

Ich glaube, das Christsein setzt dem etwas anderes entgegen. Es gibt ja einen anderen Stempel: Ich bin erlöst, ich bin das Eigentum Gottes, ich bin geliebtes Kind des Vaters, ich bin begnadigt, ich bin beschenkt, ich bin gerettet. Und das muss tiefer greifen als all die Stempel, die diese Welt mir aufdrückt.

Ich glaube, darin liegt unsere Kraft: Wer ich bin, ist in ihm. Ich habe nichts zu bringen, aber alles ist Herr, und es ist eine Liebesbeziehung. Diese Momente in der Bibel, in denen Menschen dem lebendigen Gott begegnen – im Alten wie im Neuen Testament, in Christus – und danach absolut verwandelt sind, das ist es, wonach ich suche.

Ich denke, wenn es eine Lösung gibt, um das Feuer wiederzufinden, dann ist es diese Begegnung mit Jesus. Je mehr die Welt uns enttäuscht oder Menschen uns enttäuschen, desto kostbarer wird diese Begegnung und die Erkenntnis: Auf Fleisch und Blut ist sowieso kein Verlass, aber auf ihn.

Das sind Fundamente, die tragen und uns missionarisch machen. Das war ja deine Frage zu Alltagsmission. Ja, ich bin per Definition ein Missionar als Christ – nicht, weil ich muss, sondern weil ich es nicht mehr für mich behalten kann.

Ich denke, das muss die Triebkraft sein: Was er für mich getan hat, das muss raus, egal ob die Leute es hören wollen oder nicht.

Balance zwischen Leidenschaft und Lebensalltag

Nicola, jetzt lebe ich das wirklich und bin total leidenschaftlich. Kann es passieren, dass man im Dienst verbrennt? Du schreibst irgendwo, ich glaube auf Seite um sechzig herum, unter dem Titel „Opfer, die zu groß sind“ über Missionare, die alles für ihren Ruf nach Afrika opferten, aber deren Kinder den Glauben den Rücken kehrten. Das ist eine schmerzhafte Realität.

Ich habe mich gefragt, wie wir in unserem Alltag, in der Gemeinde, im Ehrenamt und im Dienst so sehr für Jesus unterwegs sein können, dass wir dabei unsere eigene Familie vernachlässigen. Wo ist da die Balance? Das ist jetzt ein bisschen das andere Extrem: Wir sind nicht erkaltet, sondern voll „on fire“. Aber wie kann man da eine Balance finden? Wie können wir leidenschaftlich für den Herrn unterwegs sein, ohne dass unsere Kinder, unsere Ehepartner oder unsere engsten Beziehungen auf der Strecke bleiben?

Was hast du da für Beobachtungen gemacht aus deinem eigenen Leben und deinem Umfeld?

Wenn ich für Jesus brenne, ist es kein Entweder-oder. Dann muss ich mich ehrlich fragen: Wofür brenne ich? Brenne ich für meinen Dienst oder für ihn? Ich denke, da liegt Schutz in der Gemeinschaft. Andere Menschen dürfen mich darauf hinweisen, wenn sie das Gefühl haben, dass mein Ehrgeiz oder mein Profil im Vordergrund stehen, dass es nur um mich und meine Bühne geht.

Oder brenne ich wirklich für Jesus, so dass ich jederzeit mit dem Dienst aufhören könnte und trotzdem brennend für ihn da wäre? Ich denke, das ist die entscheidende Frage.

Es ist nicht so, dass ich jeden Abend in die Gemeinde gehe und immer weg von zu Hause bin. Oft war das Problem, dass das Brennen mehr dem Dienst für Jesus galt als ihm selbst. Da muss man einfach Prioritäten setzen. Es darf nicht so sein, dass man Dienst und normales Leben strikt trennt. Alles gehört zusammen: die Zeit mit den Enkelkindern, die Sorge um die Familie und um Beziehungen. Man braucht klare Vorfahrtsregeln.

Ich versuche, mir Beispiele zu überlegen. Zum Beispiel, wenn ich alle möglichen E-Mails erledigen muss, die mit dem Dienst zu tun haben, versuche ich immer, die persönlichen zuerst zu beantworten – auch wenn sie mir nichts bringen. Der Impuls ist oft, alles unter Kontrolle zu haben: zack, zack, zack – alle E-Mails, Organisation, Uhrzeiten, wer war wie, was. Und dann kommt mittendrin oft jemand, der in Not ist, und es bringt meinem Dienst nichts, mir Zeit zu nehmen, um zu beten.

Das ist eine Herausforderung, weil Jesus manchmal eine riesige Menge hinter sich gelassen hat, nur um die Gemeinschaft mit dem Vater zu suchen. Oft war weniger mehr.

Oder bei der Auswahl, für welche Menschen ich Zeit und Energie einsetze: Ist es automatisch nur für die wichtigen Leute? Oder fange ich mit denen an, die mir nichts zurückgeben können? Das sind kleine, aber wichtige Dinge, die wir in alles einbauen können, was wir machen – auch im Gemeindedienst.

Da hat ja Jakobus etwas dazu geschrieben. Er grüßt die wichtigen Leute, rollt den roten Teppich für Millionäre und Prominente aus. Aber wie ist es mit der Frau, die gerade ihren Mann verloren hat, oder der Witwe, oder dem Kind, der Mutter, die gerade ein krankes Kind zur Welt gebracht hat?

Ich glaube, wenn wir viel Zeit in der Bibel verbringen, machen wir Gottes Prioritäten zu unseren. Und darin liegt ein Schutz.

Es geht nicht um meinen Erfolg, meine Zahlen, meine Umsätze, wie viele Leute da waren, wie voll der Saal war, wie professionell der Gottesdienst oder der Auftritt war. Wenn Dinge schieflaufen, kann man seinen Eigenmotiv prüfen: Was macht das mit mir? Wie reagiere ich? Was sind die Dinge, die mich schlaflos machen? Denke ich über Jesus nach oder über das, was ich am nächsten Tag unbedingt super hinkriegen möchte?

Ich glaube, in der alten Missionszeit stand das nicht so sehr im Fokus. Es ging wirklich darum, sich für den Herrn aufzuopfern, ohne zu merken, dass das niemals auf Kosten der Familie gehen darf. Aber auf der anderen Seite darf die Familie auch nicht zum Götzendienst werden, der alles andere verdrängt.

„Ich und mein Haus, wir dienen dem Herrn“ – das ist Gottes Rezept.

Ich denke, das ist es, was wir versuchen müssen zu erreichen und auch zu vermitteln: Ihm zu dienen, weil wir es wollen, weil wir nicht anders können, und nicht, um Listen von Posten abzuhaken und selbst etwas geschafft zu haben.

Da kommen wir so leicht rein.

Umgang mit Frustration und Rückschlägen in der Evangelisation

Dann verstehe ich dich richtig, dass du eigentlich die Frage nach der Motivation stellst: Warum mache ich dieses oder jenes für den Herrn?

Natürlich kommt man schnell zu dieser Frage. Das ist auch seine Erfahrung, dass man sich schnell darüber definiert, was passiert ist, wie man angekommen ist, welches Feedback man bekommen hat und so weiter. Wenn der Erfolg im Dienst die Definition ist, dann ist man auch schnell ausgelaugt und droht zu scheitern oder das Ganze unehrenhaft zu beenden.

Ich habe aber so gedacht, während ich deinen Ausführungen zugehört habe: Das ist natürlich auch eine Kultur, in der wir leben, in der wir performen müssen oder wollen. Man will alles zeigen. Früher, bei den Missionaren, da hat man wochenlang nichts von ihnen gehört. Sie waren wirklich allein. Dann haben sie einen Brief geschrieben, das hat lange gedauert. Sie mussten ihre Erfolge melden, um die Unterstützer am Ball zu halten – ein gewisser Druck war da.

Nicola, wenn wir selbst in den evangelistischen Bemühungen Rückschläge erleben, wenn es in Beziehungen irgendwie gefühlt nicht vorwärtsgeht, obwohl man alles „richtig“ gemacht hat – richtig in Anführungsstrichen –, dann kann das sehr frustrierend und kräftezehrend sein.

Welchen Ratschlag hast du für Christen, damit sie trotzdem leidenschaftlich dranbleiben und nicht müde werden, resignieren oder aufgeben?

Das ist genau die gleiche Frage: Für wen mache ich das? Mache ich das, um eine erfolgreiche Christin präsentieren zu können, oder mache ich das, weil ich es nicht für mich behalten kann, weil ich Jesus so lieb habe?

Eine ganz liebe Frau, die für mich ein Vorbild ist, hat mir einmal gesagt, als ich genau in dieser Gesinnung war und mich fragte, was das alles bringt: „Alles, was du am Anfang des Tages in die Hand bekommst, ist ein Sack mit Saatgut. Dein einziger Job ist es, dieses Saatgut zu streuen.“

Ich kann Menschen nicht gläubig machen, ich kann sie nicht mit Argumenten überzeugen. Ich finde mein eigenes Leben nicht immer das beste Schaufenster. Manchmal ist es wie ein „Fisch auf meinem Auto“, ich sehe meine Unzulänglichkeiten. Und das ist gut so. Ich bin keine Werbefläche fürs Evangelium, aber ich liebe den Herrn und bin so dankbar. Wo wäre ich ohne ihn? Ich glaube, das reicht. Das reicht auch, damit die Menschen wissen, dass ich Christin bin.

Ich würde mich selbst nicht als Evangelistin bezeichnen. Es gibt Leute, die das viel kompetenter oder von Natur aus sind. Mein Schwiegersohn zum Beispiel ist überall und sofort im Gespräch über den Glauben. Das bin ich nicht, und das muss ich auch nicht sein. Aber jeder von uns hat seine eigene Art zu streuen: sei es durch Liebe, Wärme, die ich ausdrücke, Interesse an Menschen, Neugier, ein großzügiges Trinkgeld, ein freundliches Hallo sagen, die Hand geben, Smalltalk – es gibt so viel Streugut.

Wenn eine ganze Gemeinde so lebt, dann hat sie diesen Duft Christi an sich. Ich mache Veranstaltungen, bei denen ich mir wünsche, dass die Leute auf die Knie fallen und danach fragen: „Was muss ich tun, um gerettet zu sein?“ Aber das passiert nicht.

Je mehr wir unterwegs sind, jeder auf seine Art – Kuchen backen, beim Putzen helfen, Kinder im Kindergottesdienst betreuen, egal was – im Namen des Herrn wird es nicht leer zurückkommen. Es verbreitet sich langsam ein Duft Christi. „Ach, das sind die netten Leute, da kann man immer hingehen, die helfen einem.“

Das ist auch Mission: In einer kalten Welt diese Wärme Gottes, dieses Lächeln, diese Leichtigkeit zu zeigen und wegzukommen von dem Gedanken: „Ich muss performen.“

Ich habe neulich etwas Interessantes gelesen: Ein neues Evangelium. Es geht um Charisma. Wir suchen Charisma, anstatt das Kreuz zu suchen. Wir suchen Bequemlichkeit, anstatt überzeugt zu sein. Und es mag sein, dass wir damit die Seele füllen können, aber dieses Evangelium rettet nicht. Es muss verwurzelt sein im Wort Gottes, sonst ist es machtlos.

Es kann sein, dass es inspiriert und unterhält, dass es sich gut anfühlt, aber es verwandelt uns nicht. Ich denke, das ist auch ein Problem: Wir versuchen, die Gefühle zu vermarkten – „Erlebe was mit Jesus!“

Es sind die Überzeugungen, diese tiefgründigen, vom Wort Gottes inspirierten Überzeugungen, die letztlich rettende Kraft haben. Aber nicht durch mich, sondern durch Christus in mir – durch mich.

Und ich denke, daraus entsteht diese Leichtigkeit und Fröhlichkeit im Glauben.

Das war jetzt deine Frage? Ich habe sie fast vergessen.

Nein, das war super. Du hast sie gut beantwortet.

Mir fiel nur noch ein: Wenn ich das als Einzelne so lebe und nicht resigniere, sondern wirklich nicht auf den Applaus schaue, sondern auf den Herrn und an ihm dranbleibe, dann kann ich diese Frage auch so beantworten: Warum mache ich das? Ja, ich mache es für dich, Herr. Du kennst mein Herz, und ich will es für dich tun.

Gemeindekultur und missionarischer Lebensstil

Was das für den Einzelnen bedeutet, ist klar. Aber was bedeutet das für eine Gemeinde? Eine Gemeinde hat eine Kultur – entweder sie hat sie oder nicht. Wie kommt man zu einer fröhlichen, echten Leichtigkeit, bei der man auf den Herrn schaut und das praktisch lebt? Wie entsteht eine solche Kultur in der Gemeinde? Also eine gemeinsame Kultur, die auf die Gemeinde bezogen ist.

Man muss es selbst tun, vorbildlich sein und andere einladen, mitzukommen. Natürlich kann man das nicht gegen die Gemeindeleitung machen. Man kann nichts gegen die Leitung tun oder auf einer Extraschiene laufen. Wir haben großen Respekt vor der Kultur einer Gemeinde und der Leitung, sowie deren Schwerpunkten. Es darf niemals zu einem Gegensatz kommen.

Ich würde sagen: Wenn es einem wirklich auf dem Herzen brennt, dann sucht man eine Gemeinde, der es genauso wichtig ist. Das ist doch klar. Aber ich würde die Gemeindeleitung sehr, sehr ermutigen, das zur Priorität Nummer eins zu machen.

Unsere Gemeinde war nie eine Gemeinde von brennenden Evangelisten – bis heute nicht. Trotzdem haben wir es gemacht: raus auf die Straße. Auch in den schwersten Zeiten haben wir eine Sache nie eingestellt, und das waren die Marktplatzgottesdienste. Denn gerade in Krisen darf man das nicht aufgeben. Auch im persönlichen Leben habe ich wirklich gelernt: Verkündigen, Jesus ausstrahlen, von ihm erzählen – das ist nicht verhandelbar. Es ist eine Sache, die man nicht wegdiskutieren kann.

In den Achtzigerjahren kam diese starke Haltung auf, dass man erst evangelisieren kann, wenn man untereinander eins ist. Aber darauf kann man ewig warten. Man evangelisiert, und vielleicht findet man in diesem verkündigenden und missionarischen Lebensstil als Gemeindekultur die Einheit.

Wie oft hatte ich keine Lust? Sehr oft hatte ich keine Lust, Traktate oder Flyer zu verteilen, zum Gottesdienst oder auf den Marktplatz zu gehen. Doch wie oft ging es mir hundertmal besser danach, weil ich es gemacht habe – mit oder ohne Lust. Wofür bin ich hier auf dieser Erde? Ein Teil unserer Waffenrüstung sind doch die Schuhe der Bereitschaft, die uns schützen und gesund machen.

So habe ich das für mich, entgegen meinem Naturell – ich habe ein sehr privates und schüchternes Image und denke oft: Was denken die Leute? Ich will doch als netter Mensch dastehen, nicht als ausgeflippter Religiöser. Aber ich habe es mir angewöhnt, zum Teil durch den Einfluss meines Mannes. Ich bin immer dabei, weil ich spüre, dass es mir auch gut tut.

Wenn ich selbst kein gutes Gespräch mit jemandem führe, stelle ich mich irgendwo zu jemandem, der das tut, oder verteile Einladungen. Nach und nach wächst die Lust, meine Schüchternheit zu überwinden. Ich bin immer noch dabei und suche zurückgezogen Möglichkeiten, wie auch ich die Liebe Jesu weitergeben kann.

Ich finde, es ist absolut ein Muss für eine gesunde Gemeinde – egal, ob man einen professionellen Evangelisten hat oder nicht. Es gibt nicht „den Evangelisten“, wir sind alle Evangelisten. Raus auf die Straße, mit der Jugend raus auf die Straße. Nicht nur in einer Verteidigungsposition leben, sondern zeigen, wie toll das ist. Für Jugendliche ist das großartig: Wir folgen nicht den Trends, wir machen die Trends. Es gibt nichts, was dieses Evangelium übertrifft.

Das mit allem, was wir sind und haben, zu vermitteln, tut einer Gemeinde gut. Es ist ansteckend und sehr gesund.

Humor und Leichtigkeit im Dienst

Ja, reden wir vielleicht gleich noch ein bisschen darüber, denn diese Evangelisation in Anführungsstrichen ist nicht nur eine Veranstaltung, sondern eine Kultur, die man lebt und die sich auf ganz unterschiedliche Weise ausdrücken kann.

Aber Nikola, wer dich kennt, weiß, dass du Humor hast. Und wenn man dieses Buch liest, merkt man das immer wieder. Ich habe es gelesen – wirklich cool. Du schreibst auch selbst, dass man als Christ das Leben nicht zu ernst nehmen und den Dienst mit Humor gestalten sollte.

Aber wie wirkt sich das auf deine persönliche Affinität aus, würdest du sagen, auf deinen Lebensstil?

Ich versuche, darüber nachzudenken. Ich denke, es fängt damit an, dass all diese Themen miteinander vernetzt sind. Wir sollten uns in unserem Dienst nicht so ernst nehmen – nicht im Sinne davon, dass wir nicht für Jesus brennen, sondern dass wir nicht für unseren eigenen Erfolg brennen. Wenn es zu ernst wird, wird es beklemmend und schwermütig. Rückschläge werfen dich um, Lob steigt dir zu Kopf, Kritik trifft dich schwer. Davon müssen wir wegkommen. Es ist Gottes Dienst und nicht meiner.

Dann kommt, denke ich, eine gewisse Leichtigkeit. Du wirst dich blamieren – meine Güte, wir sind ja Fremdlinge in dieser Welt. Es gibt kein How-to, wie man es richtig macht. Es gibt Tipps, Apologetik – das müssen wir alles machen. Wir sollten unsere Argumente kennen, uns damit beschäftigen, Podcasts anschauen. Da lernt man so viel. Ich sage das nicht nur, um zu schmeicheln, weil es stimmt. Man bekommt viele Impulse, lernt, was man kann und was man mit den Ressourcen, die einem anvertraut sind, tun kann.

Aber der Rest ist Gottes Sache. Es wird Rückschläge geben, es wird Flops geben. Was habe ich manchmal für Auftritte, bei denen alles schiefläuft! Ich würde mich wahnsinnig machen, wenn ich das zu ernst nehmen würde. Ich glaube, das habe ich in dem Buch erzählt: Ich habe das von meinem Onkel gelernt, der bei den Inuit war. Ich habe das Buch irgendwo. Genau, er war bei den Inuit. Das ist die wichtigste Lektion, die ich auf keiner Bibelschule oder in einem Gemeindewachstumsseminar gelernt habe: Lerne, über die Dinge zu lachen.

Das ist ein Lifesaver, vor allem, wenn du langfristig im Dienst bist. Wenn du etwas Lustiges finden kannst, dann finde es lustig – das war sein Motto. Manchmal hat er Dinge lustig gefunden, die wirklich nicht lustig waren, um dafür zu sorgen, dass es nicht verletzend wird. Das ist klar. Aber ich finde, es gibt so viele Dinge, die schieflaufen. Ja, mach eine Anekdote daraus und lach darüber, wenn es irgendwie möglich ist.

Das hilft, dass man nicht wegen eines kleinen Rückschlags aufgibt. Wenn du viel unterwegs bist für Jesus, wird es viele Pannen und Pech geben. Das macht es nicht nur für dich selbst leichter, sondern auch für die Leute, die mit dir unterwegs sind, glaube ich.

Wenn man sich im Gegensatz dazu zu ernst nimmt, dann ... Wir lachen sehr viel, wirklich viel – auch über uns selbst, das ist wichtig.

Ich fand es cool, dass du zwei Marker genannt hast. Wenn du das Problem hast, dass dich Kritik niederdrückt oder dass du dich durch Lob wahnsinnig hochgehoben fühlst, dann pass auf.

Genau, irgendwo musst du in der Mitte landen. Kritik nimmst du ernst und lernst daraus. Lob nimmst du einfach als Dank an. Wer wird nicht gerne gelobt? Es ist so schön, ermutigt zu werden. Nimm es einfach als Gnadengeschenk Gottes. Und dann die Erinnerung: Deswegen mache ich das nicht. Ich mache das, weil das der Grund war, warum Gott mich auf diese Erde gestellt hat – ihn zu verkündigen.

Bisher habe ich keinen besseren Lebensentwurf gefunden. Wo sollten wir sonst hingehen? Allein du hast Worte des ewigen Lebens. Und denke immer daran: Die Freude am Herrn ist unsere Kraft – nicht der Dienst für den Herrn oder die Arbeit für den Herrn, sondern er selbst steht immer im Mittelpunkt.

Werbeunterbrechung: Adventskalender für Kinder

Ja, sehr schön. Nicola, an dieser Stelle machen wir eine ganz kurze Werbeunterbrechung für euch, denn wir haben ein ganz tolles Produkt.

Liebe Alltagsmissionare, hier kommt gutes Material für euch: Unser neuer Adventskalender von der Doppelecker Crew – ein Rätsel im Schnee. Damit hören Kinder jeden Tag bis Heiligabend einen spannenden Hörspielteil. Sie stellen die Codeszahlen aus dem Hörspiel auf ihrem Codeknacker ein und rätseln sich so von Türchen zu Türchen.

Neben einer spannenden Geschichte aus Lappland hören die Kinder im Hörspiel auch die Botschaft von Weihnachten. Nutze deine Kontakte in deinem Umfeld zu Kindern aus der Nachbarschaft oder von Freunden und schenke ihnen ein solches Exemplar.

Du kannst die Adventskalender in großer Stückzahl bestellen auf shop.heukelbach.org. Es würde uns freuen, wenn du das tust, denn die Kinder können damit einen Schritt näher zu Jesus gehen.

Gemeindekatastrophen und der Wunsch nach Normalität

Nicola beschreibt auf Seite 92 einen Moment der Verzweiflung. Sie schreibt, wie aus Vision Machtgier wird, aus Entschlossenheit Ehrgeiz und aus Nächstenliebe falsche Kompromissbereitschaft. Dann fragt sie: „Warum machen wir uns dann überhaupt die Mühe?“

Der Leib Christi kam ihr wie ein Irrenhaus vor – entweder extrem gesetzlich, extrem charismatisch oder extrem liberal. Gab es da keine Alternative? Gab es in Gottes Welt so etwas wie „extrem normal“? Viele Hörer kennen diese Ernüchterung.

Aber was meint Nicola mit „extrem normal“? Extrem normal ist das, was wir am Anfang gesagt haben: zurück zum Wort Gottes, ein Hoch auf Unkulnis. Sie beschreibt es so, dass es das Kreuz war, das ihr wieder den Kopf zurechtrückte. Das war nur ein Moment, nicht ihre Grundstimmung, nur um das klarzumachen. Es war ein Weg zurück ans Kreuz und zurück zum Glauben der Väter.

Wer sie kennt, weiß, dass sie ein großer Fan der alten Choräle ist. Zum Beispiel „Jesus ist kommen, nun springen die Bande“. Für sie ist das normal: Die Stricke des Todes reißen in zwei, unser Durchbrecher ist nunmehr vorhanden. Er, der Sohn Gottes, macht Recht frei und bringt zu Ehren. Ein anderes Lied, das sie wieder „normal“ gemacht hat, war „Was du erleidet, was alles meine Lust, meine Last“ von Paul Gerhard.

„Was du, Herr, erduldet, ist alles meine Last, ich habe selbst verschuldet, was du getragen hast. Schau her, hier stehe ich Arme, der Zorn verdienen hat.“ Diese Worte müssen wieder ins Zentrum unserer Predigt. „Gib mir, o mein Erbarmer, den Anblick deiner Gnad’, Kyrie Eleison, hab Erbarmen, ich bin die Täterin hier, ich bin nicht das Opfer.“

Die Widerlichkeit vor der eigenen Sünde? Früher prägte man das jede Woche in der Liturgie: „Ich habe Erbarmen, ich bedauere.“ Aber nicht, um mit der Brechstange über dem Kopf zu stehen und zu sagen: „Du Böse!“ Sondern um zu sagen: „I once was lost and now I’m found.“

Es gibt dieses herrliche Lied von Charles Wesley: „My chains fell off, my heart was free, I rose, went forth and followed Thee.“ Ich stand auf, marschierte aus meinem Kerker heraus und folgte dir nach. „Amazing grace that saved a wretch like me“ – eine Gnade, die einen Halunken wie mich rettet.

Und ich denke mir: Die Widerlichkeit der eigenen Schuld – egal wie fromm man sich vorkommen mag oder wie fromm man aufgewachsen ist – den Punkt müssen wir erreichen und sagen: „Herr, meine einzige Chance bist du, vergib mir.“ Das ist das uralte orthodoxe Evangelium, orthodox im Sinne von herkömmlich und biblisch.

Dann habe ich nichts mehr zu verlieren, als mein Leben für ihn zu verschenken. Alles, was ich bin und habe – diese Welt muss mich nicht mehr glücklich machen. Alle Ansprüche sind hingelegt. Es sind die Ansprüche, die wir haben, die uns zum Verbrennen oder zum Burnout führen. Wir haben irgendwelche falschen Ansprüche, ein frommes „Gib mir“ oder „Beachte mich bitte“ oder „Wieso kriegt sie das und ich nicht?“ Diese können sehr versteckt sein.

Da müssen wir brutal ehrlich mit uns sein, aber es ist befreiend. Es ist nicht mit Holzhammer-Geboten, sondern mit diesem „Wow, er hat es für mich getan, er hat die Kugel abgefangen.“ Und alles, was ich ihm noch zu verschulden habe, ist ein riesiges Dankeschön in Lied, Tat und Wort.

Klar fühlen wir das nicht immer, keine von uns. Aber wir müssen uns wieder dahin bewegen – zurück zu dieser Eins-zu-eins-Begegnung mit Jesus und dem Kreuz. Das hat er nicht getan? Täglich nimm dein Kreuz auf dich, erinnere dich daran. Dein Fleisch wird dich nicht daran erinnern, dein Fleisch stellt seine Ansprüche. Aber der Heilige Geist in uns – wow!

Das ist eigentlich auch das, was einen dann nicht hinschmeißen lässt im Angesicht der Umstände, denen man vielleicht begegnet, sondern wirklich durchhalten lässt. Wenn man nämlich erkennt: Wer bin ich in Gottes Augen? Sonst werde ich automatisch extrem.

Ich glaube, diese Extreme hast du beschrieben: Es gibt diese Extremgefühlsvermarktung. Es ist extrem, ein Evangelium ohne das Kreuz zu wollen. Der Sühnetod Jesu ist gerade in Mode, um ihn wieder loszuwerden, ein bisschen zu sanieren und das Ganze etwas kaffeekränzchentauglich zu machen. Und dann gibt es extreme Gesetzlichkeit: Hier sind die Regeln. Alles ist eine Art machbares Evangelium, das an der Gnade vorbeigeht.

Ich denke, wenn das Kreuz nicht im Mittelpunkt steht – dieses „Ich war verloren, das hat er für mich getan, und jetzt danke“ so kindlich und einfach – dann fallen wir irgendwann entweder in Gesetzlichkeit oder Gesetzlosigkeit. Da kommen diese Gefahren. Es ist nicht mehr Vision, es ist Ehrgeiz. Es ist nicht mehr Leidenschaft, sondern Gefühlsduselei oder Erlebnisvermarktung: „Komm zu Jesus, erlebe was!“ Da waren wir stark drin.

Aber ist die Enttäuschung nicht vorprogrammiert? Oder die Regeln, die wiederkommen, das, was als geistlich gilt? Und die können in jeder Konfession drin sein: In der einen musst du dich so und so kleiden, dann giltst du als angekommen. In der anderen musst du bestimmte Erfahrungen vorweisen und dich so und so in der Anbetung fühlen, dann bist du angekommen. Warum fühlst du nichts? Kommst du wieder in Verdammnis?

Oder du kannst alles liegen lassen: Gott mag dich so, wie du bist, du kannst schlafen, mit wem du willst, und Gnade schwamm drüber. Das hat gar nichts mit Gnade zu tun.

Ich denke, die Lösung ist dieser Mittelweg. Herr Paulus hat gesagt: „Deshalb bin ich nie müde davon, euch das Kreuz vor Augen zu malen, was da passiert ist und wie das auf unsere Seele abgestempelt wird.“

Wenn wir viel im Wort Gottes lesen, lernen wir, wie Gott tickt und was seine Prioritäten sind – wie anders sie sind als meine, leider und zum Glück. Wie anders er denkt. Ich denke an den erfolgreichen Ablauf meiner Veranstaltung – er denkt an mein Herz und was da drin alles ist, an meine Haltung. Und darauf setzt seine Korrektur.

Ihm kann es ziemlich egal sein, ob das Mikrofon funktioniert oder nicht, ob die Musik meinem Geschmack entspricht oder ob die Moderatorin so besessen von den Abläufen ist. Ihm ist der Zustand unseres Herzens wichtig. Es ist befreiend, sich immer wieder daran zu erinnern.

Ich glaube, das ist die Lösung. Das war schon ziemlich krass, was ich da geschrieben habe.

Aktuelle Eindrücke von der Gemeindelandschaft

Ja, das muss natürlich aufgegriffen werden. Es ist wirklich so, dass man manchmal den Eindruck hat, es sei so. Ist das auch heute noch so? Du bist ja viel in Gemeinden unterwegs, warst in den letzten Jahren durch deine Autorentätigkeit viel auf Reisen, wirst in Gemeinden eingeladen, hältst Frauenvorträge und so weiter. Wie nimmst du die Gemeindelandschaft hier im deutschsprachigen Raum – Deutschland, Österreich, Schweiz – wahr?

Ich bin extrem dankbar und wohlwollend. Immer wieder treffe ich meinen Mann und sage ihm, es gibt siebentausend, die das Knie noch nicht gebeugt haben, die immer noch feurig glauben, die immer noch feststehen. Besonders bei den Frauen erlebe ich das. Für mich war das auch eine der Antworten auf die Frage nach einigen Krisen.

Vieles davon war selbst verschuldet. Wir waren extrem jung, grün, naiv und experimentierfreudig. Und dann erlebt man die Folgen, wenn diese Experimente nicht im Wort Gottes verwurzelt sind. Die Bibel warnt sehr deutlich davor, Erfolge außerhalb von Christus und seinem Kreuz zu suchen.

In den unterschiedlichsten Gruppierungen begegne ich viel Leid und Enttäuschung. Aber auch einer Suche nach dem Herrn und seinen Antworten, die nicht aufgeben wollen. Das ist es, was mich oft beschenkt, wenn ich nach Hause komme – nach diesen fast immer herausfordernden Begegnungen.

Attraktivität und Authentizität in Gottesdiensten

Du beschreibst in deinem Buch auch frühere Zeiten und kritisierst Gemeinden, die große Bühnenshows veranstalten, um Besucher anzulocken. Gleichzeitig sollen die Gottesdienste natürlich besucherfreundlich sein. Wie kann hier ein guter Mittelweg gefunden werden?

Welchen Rat gibst du Gemeindeverantwortlichen und Mitarbeitenden, die sich dafür einsetzen und das Anliegen haben, eine missionarische Kultur in ihrer Gemeinde zu fördern? Sie wollen offen sein für Menschen, sie willkommen heißen, aber auch aktiv auf andere zugehen – also eine Kultur des Kommens und Gehens pflegen. Es ist doch immer eine Gratwanderung, oder?

Ja, ich denke, das schließt sich nicht gegenseitig aus. Ein attraktionaler Gottesdienst darf kein Selbstzweck sein. Die Modernität der Technik, wie zum Beispiel des Mischpults, darf nicht zu wichtig werden. Ich habe Probleme damit, wenn zu viel Geld für stilistische Technik ausgegeben wird. Das ist meine persönliche Meinung, vielleicht irre ich mich, und es ist nötig oder wichtig. Ich denke dabei auch an die verfolgte Kirche im Ausland.

Show ist nicht grundsätzlich schlecht. Ich bin selbst ein bisschen Musikerin und Entertainerin und finde es gut, wenn ein Gottesdienst attraktiv und einladend gestaltet ist. Aber das Evangelium darf deshalb nicht verwässert oder ausgeschlossen werden. Beides muss sein.

Jesus war extrem unterhaltsam. Sein Storytelling war genial, manchmal lustig und zugleich absolut klar und ernst. Es ist beides möglich: unterhaltsam und zugleich tiefgründig.

Mein Mann hat mal gesagt, als Messlatte für alles gilt: Bringt es dem Pastor, der im Gefängnis sitzt, zum Beispiel in Nordkorea, etwas? Wenn es ihm nichts bringt, sollte man prüfen, ob es wirklich das Evangelium ist oder ob es nur eine Verfolgung aushalten würde. Wenn wir die Bibel nicht mehr lesen dürfen, dann müssen wir Dinge bauen, die auch dann Bestand haben.

Das schließt natürlich nicht aus, dass es eine tolle Bühne geben kann. Ich glaube, das sage ich auch. Aber wenn die Äußerlichkeiten – und das muss nicht die Bühne sein, das können auch andere Dinge sein – zu wichtig werden, vergessen wir, von der Verfolgung her zu denken und vom Ende her. Was wird am Ende noch von unserem Leben und Gemeindeleben übrigbleiben?

Wenn wirklich schwere Zeiten auf uns zukommen, sollten wir Dinge errichten, die auch dann standhalten. Wenn wir in einer Untergrundkirche sind, kann es sein, dass solche Zeiten wiederkommen. In Ländern wie Nigeria und Sudan werden Christen derzeit zu Tausenden getötet. Hilft da unsere Bühne viel?

Das heißt nicht, dass das für die jetzige Zeit schlecht ist oder dass eine Bühne generell schlecht ist. Wie du sagst, es ist eine Gratwanderung – alles im Dienst des Evangeliums, aber mit der Gewichtung, die das Wort Gottes vorgibt.

Tolle Musik finde ich sehr wichtig. Bach, Händel und viele der besten Musiker waren Christen, und das gilt auch heute noch. Aber wahrscheinlich ist es so: Wenn man es auf den Punkt bringt und die ganze Show wegnimmt, was bleibt dann wirklich noch? Wenn dann nichts mehr übrigbleibt, ist das auch einfach Nonsens.

Oder anders gesagt: Wenn die Nebelmaschine so wichtig wird, dass man ohne sie keinen Lobpreis machen kann, oder wenn ein bestimmtes Lautstärkeniveau nötig ist, damit der Heilige Geist wirken kann, dann ist das problematisch.

Persönliche Erfahrungen und Humor in der Gastfreundschaft

Ja, das ist wirklich interessant zu lesen. Ich habe das Buch gelesen und musste oft schmunzeln über die Erfahrungen, die du gemacht hast. Ich hoffe, das klingt nicht zu kritisch oder verurteilend, aber ich muss hier einfach anfangen.

Du hast ja auch einen Werdegang hinter dir. Du kamst aus einer relativ charismatischen Richtung und hast deine Erfahrungen gemacht, die du nun so niederschreibst. Ich finde das positiv: Es ist selbstkritisch, reflektierend und auf jeden Fall sehr unterhaltsam. Darüber bin ich froh. Vielleicht hilft es dem einen oder anderen, einfach mal ein bisschen früher hinzuschauen und zurückzukommen zu den Wichtigsten, die immer cool sind.

Nicola, du schreibst auch von vielen Geschichten, in denen ihr Gäste zu Hause hattet. Wie hat die gelebte Gastfreundschaft deiner Eltern deine eigene Gastfreundschaft beeinflusst? Du hattest ja auch manche negative Erfahrungen mit Gästen, die sich total daneben benommen haben. Man weiß ja nie, ob man einen Engel beherbergt – und der kann auch negativ sein.

Ich würde sagen, früher hatten wir viel mehr Gastprediger. Wir dachten, man macht es so: Der Gastprediger bringt immer die Salbung, die Erweckung und das, was uns gefehlt hat. Aber wir haben natürlich, wie alle anderen, gelernt: Du musst es eigentlich selbst machen. Du kannst nicht erwarten, dass eine große Veranstaltung alles regelt. Natürlich kann sie Impulse geben, und das haben wir nach wie vor.

Aus Unterhaltung habe ich ein paar lustige Anekdoten erzählt. Ja, Open House, wenn irgendwie möglich. Wir leben jetzt in einer kleinen Wohnung, haben uns stark auf 65 Quadratmeter reduziert, seit die Kinder das Haus verlassen haben. Aber im Gemeindegebäude gibt es Tage der offenen Tür. Nach dem Gottesdienst wird immer ein Snack angeboten, und wir versuchen, einfach Menschen lieb zu haben, neugierig zu sein auf andere und neue Menschen willkommen zu heißen.

Als wir noch in einem größeren Haus wohnten, gab es viel hin und her. Auch die Kinder brachten ihre Freunde mit, das war mir wichtig. Aber Gastfreundschaft sollte keinen Stress machen. Wir sind so, wie wir sind, und so müsst ihr uns nehmen.

Dazu gab es lustige Erfahrungen mit Predigern, die extrem hohe Ansprüche hatten. Sie erwarteten eine perfekte Pastorenfrau. Damals war das furchtbar, aber inzwischen kann ich darüber lachen.

Die Rolle der Frauen in der Gemeinde und Evangelisation

Ja, aber du schreibst so echt und ehrlich, das ist einfach herrlich. Nicola, du schreibst auch: Nichts belebt die Atmosphäre einer Gemeinde mehr als fröhliche, erfüllte Frauen. Frauen bringen Herzlichkeit, Fürsorge, Kreativität, eine Menge guter Rezepte, Mahlzeiten in der Gemeinde und sind oft die besten Evangelisten und Missionare. Das könnte man ja auf Seite 183 nachlesen.

Es ist eine starke Aussage, deine Erfahrung. Aber siehst du da nicht eine Gefahr, dass wir Männer uns dadurch noch mehr aus der Verantwortung, gerade für den evangelistischen Dienst, zurückziehen und denken: Ja, das machen die Frauen eh schon?

Ja, wenn es zu extrem zu einem Punkt gemacht wird. Ich weiß, ich glaube, ich habe das im Zusammenhang mit der Deckelung der Frauen, des Weiberschweigens, gesagt. Ich glaube, es war in dem Zusammenhang, dass eine Gemeinde, die zu sehr die Frauen unterdrückt, sehr viel an evangelistischer Kraft verliert. Ich glaube, von dieser Richtung kam ich.

Das kann sein, ja. Genau. Und dann das Gegenpol: Wenn es zu viel Frauenpower gibt, militante Frauenpower, nicht nur evangelistische, dann hast du laute, schweigende Männer, die lieber mit dem Wehr vom Fußball sitzen, als dass sie zum Gebetstreffen kommen. Ich glaube, ich habe versucht, den richtigen Ton zu treffen. Ich hoffe, dass es mir gelungen ist, was beide Extreme betrifft.

Aber es ist ja eine Herausforderung. Ich meine, die Frauen sind viel kommunikativer, sie haben den Nächsten mehr im Blick, sie sind mehr Kümmerer und so weiter. Wir sind da eher zurückhaltender. Und das ist ja etwas, wie können wir Männer, wie können wir Brüder da mehr aus der Reserve locken? Dass sie sagen: Ja, ich mache das auch zu meinem Dienst, und ich möchte gerne da mitmachen und das Leben mitgestalten.

Es ist beides. Je weniger man ein Thema daraus macht, desto normaler wird es. In Christus gibt es an der Stelle weder Mann noch Frau, wir sind alle Evangelisten. Natürlich gibt es dann je nach Gemeinde Rollenverteilungen, aber niemand kann mich als Frau daran hindern, zu schwärmen über Jesus, genauso wie ein Mann.

Das meine ich jetzt auch gar nicht negativ. Ich frage nur, weil ich das ja auch kenne, ich kenne die Not, weißt du, im eigenen Leben. Ich bin da viel träger, weißt du, ich arbeite hier in dem Missionswerk, ich habe Gemeindeverantwortung, meine Kinder sind, glaube ich, die Hälfte meiner Nachbarn. Ich muss mir ganz gezielt Menschen suchen, bei denen ich sage: Da will ich investieren, in Beziehungen, um Menschen irgendwie einen Schritt näher zu Jesus zu bringen.

Ich sehe, meine Frau ist da viel kommunikativer, wie sie mit Nachbarn ins Gespräch kommt, hier Möglichkeiten und da Möglichkeiten. Ich lerne davon, ich bewundere sie, ich finde das toll. Aber ich sage mir: Ich will mich nicht zurückziehen, ich sage nicht: Ja, sie macht das schon, verstehst du? Und wie können wir Männer da ermutigen? Weil wir nicht gemeint haben wollen, dass Frauen nur Frauen gewinnen und das Männervolk schrumpft — das ist die Gefahr.

Ich denke, Frauen haben viel natürlichere Berührungspunkte oder Kommunikationspunkte in der Nachbarschaft, Kindergarten, Schule. Du bist vielmehr in der natürlichen Umgebung mit Menschen zusammen. Männer, ja, okay, im Beruf, bei der Arbeit auch. Aber ich glaube, die Evangelisationskultur muss die ganze Gemeinde durchziehen. Das Thema Mann oder Frau sollte man ein bisschen den Ball flach halten. Denn sobald es ein Thema wird, wird es kompliziert.

Wir haben ja Männeraktionen, Männerabende, Stammtische. Räume, wo die Männer ohne das Weibergeschnatter zusammen sind, dann kommen sie mehr ins Haus. Das Weibergeschnatter, nehm’s gut! Respektieren!

Es gibt auch diesen neuen Trend des frommen Feminismus, der alle Unterschiede einfach deregulieren will und alles als Sexismus sieht. Alles, was ein bisschen Frau als anders darstellt als Mann, wird negativ gesehen. Aber ich finde das total wichtig: Männer brauchen ihre Räume, wo sie unter sich sind. Das hat nichts mit Sexismus oder Anti-Frau zu tun.

Aber die Frauen auch, aber das ergibt sich eher. Die Frauen finden sich eher zusammen. Bei den Männern muss man es halt ein bisschen mehr pushen und ermutigen. Und das ist nicht schwierig. Die kommen dann, zum Beispiel zu Spieleabenden oder Fußballabenden. Männer sind nicht so die Stuhlkreistypen, die eine Kerze in der Mitte haben und ihre Seele dann entblößen.

Stimmt, hast du Recht. Das ist gut so. Und auch nicht alle Frauen sind so. Von dem her bin ich dafür, dass man einfach kein Thema daraus macht. Dann entwickelt sich eine Natürlichkeit, die wir auch in der Bibel finden. Das ist einfach gesund.

Man ergänzt sich gegenseitig und spielt sich nicht gegeneinander aus. Aber klar, ich glaube, der Unterschied ist: Frauen müssen nicht dazu motiviert werden, Beziehungen zu pflegen, weil sie eher die Räume haben und das Bedürfnis danach. Männer muss man eher wahrscheinlich ermutigen dazu.

Genau.

Umgang mit Vorurteilen gegenüber der Gemeinde und dem Glauben

Nicola, wie gehst du damit um, wenn Nichtchristen biblische Überzeugungen oder Vorurteile gegen die Gemeinde als Grund gegen den Glauben an sich anführen? Zum Beispiel sagen sie, die Bibel sei homophob, Gottesdienste seien langweilig oder das Christentum sei frauenfeindlich. Es gibt viele Themen, etwa Sexualität, Gemeinde, Gottesdienststrukturen oder die Rolle der Frau, die du ja schon angesprochen hast. Diese Themen haben eigentlich wenig oder gar nichts mit dem Evangelium an sich zu tun, aber sie sind oft das Erste, was genannt wird.

Je nachdem, wie sehr die Leute wirklich zuhören wollen, stellt sich heraus, ob ihre Vorurteile stimmen. Viele pflegen ihre Vorurteile absichtlich und wollen nicht, dass diese in Frage gestellt werden. Wenn es Menschen sind, die offen sind, sich selbst in Frage stellen zu lassen, dann muss man seine eigenen Argumente gelernt haben. Man muss die Bibel kennen und zum Beispiel verstehen, dass die biblische Sexualethik – ein großes Thema im Moment – nicht beklemmend, sondern befreiend ist.

Das andere, also beliebiger Sex, ist eine Zwangsjacke, die Unglück bringt. Das sieht man überall. Man muss nicht fromm sein, um den Sinn in der biblischen Vorstellung von „ein Mann, eine Frau, ein Leben lang“ zu erkennen – für die Gesundheit und das Wohl. Und dann gibt es auch die Herrlichkeit, wenn Sünde war und andere Wege gegangen wurden: Es gibt immer einen Neuanfang in Christus. Besser kann man es nicht haben als in ihm – ein Reset, Heilung und Wiederherstellung.

Die Bibel ist nicht homophob. Menschen, die ihre Sünde bekennen, finden in der Nachfolge Jesu Glück und eine Identität, die viel tiefer geht als die gefühlte Sexualität oder Orientierung. Es geht nicht nur um dieses Thema, auch wenn es gerade groß in Mode ist. Die Bibel erhebt keinen Zeigefinger, sondern sagt: In Christus haben wir etwas Besseres, eine tiefere Liebe. Hier sind wir wieder bei der Frage nach Identität – in ihm werden wir heil.

Ich freue mich immer, wenn ein Gespräch so weit kommt. Was war noch die andere Sache? Homophobie? Es gibt ja viele solcher Vorurteilsthemen. Meine Frage ist: Wenn Menschen so über uns und die Gemeinde denken, warum sollten wir sie trotzdem in die Gemeinde einladen? Erst recht! Vor allem bei jungen Leuten müssen wir unsere Antworten haben und sie herausfordern: Ist es wirklich so?

War Paulus wirklich frauenfeindlich? Gar nicht! Im Gegenteil, für die damalige Zeit war die Frauenfreundlichkeit des Neuen Testaments absolut skandalös. Auch Jesus begegnete Frauen auf Augenhöhe. Sogar im Alten Testament gab es Beispiele für Frauenrechte: Die Töchter Zelophets zum Beispiel erhielten ein gleichwertiges Erbteil wie ihre Brüder. Hiob, der ganz am Anfang stand – irgendwo zwischen Noah und Abraham –, hatte Töchter, die gleichberechtigt waren.

Es ist nicht schwierig, diese Vorurteile zu entkräften. Wir müssen durch unser Verhalten und unsere Freude zeigen, dass wir nicht so sind. Ich glaube, der beste Weg, Vorurteile zu bekämpfen, ist einfach durch unser Leben. Wir sollten uns nicht zurückziehen in eine defensive Haltung, sondern erst recht hinausgehen und ein Christsein vorleben, das all dem trotzt, was die Leute über uns denken. Das ist der beste Weg, um hoffentlich ins Gespräch zu kommen.

Echtes Feuer versus künstliches Feuer im Glauben

Nicola, du schreibst, wer für Jesus brennt, der brennt nicht aus. Was hat sich in deinem Verständnis von geistlicher Leidenschaft verändert? Was ist der Unterschied zwischen dem künstlichen Feuer, das du in deinem Buch beschreibst – basierend auf deiner damaligen Gemeindepraxis, der charismatischen Bewegung und so weiter – und dem echten Feuer, nach dem du heute noch suchst?

Früher habe ich Feuer sehr stark mit Erlebnissen verwechselt. Wenn ich etwas fühle, dachte ich, das sei geistliches Feuer. Heute sehe ich geistliches Feuer anders: Ich fühle es nicht immer, und ich muss es auch nicht immer fühlen. Es muss eine Grundeinstellung, eine Basis sein, zu der ich immer wieder zurückkehre.

Unsere Tochter hat einen dieser Roboter, der den Boden putzt. Er fährt durch das Haus, wischt den Boden nass und saugt ihn. Irgendwann sagt er: „Zurück zur Basis, Wasser ist ausgegangen.“ Der Roboter ist ständig mit der Basis in Kommunikation und muss immer zurückkehren, wenn ihm Wasser fehlt oder Ähnliches. Das finde ich richtig lustig.

Ich denke, es ist ähnlich bei mir: Die Basis ist das Kreuz Jesu, das, was er für mich getan hat. Nicht meine Leidenschaft für ihn – die kann mal stark sein, mal schwach, mal fühle ich sie, mal nicht. Ich erlebe Höhenflüge des Eifers, aber auch Tiefpunkte. Auch heute noch erkenne ich am Kreuz: Es geht um seine Leidenschaft für mich. Ende der Diskussion.

Vorbild Missionar C.T. Studd und seine Familie

Was hat C.T. Studd gesagt, der Missionar, der für mich ein richtiges Vorbild war?

"If Christ be God and died for me, no sacrifice is too great for me to bring for him."
Auf Deutsch: "Wenn Christus Gott ist und für mich gestorben ist, ist kein Opfer zu groß, als dass ich es ihm bringen würde."

Wenn ich an C.T. Studd und seine Geschichte denke, war es wirklich beeindruckend, was er geleistet hat – auch mit seiner Familie, oder? Das ist genau so.

Ich habe in Cambridge studiert, und das war der Ort, an dem die Erweckung begann. Wir haben dort sein Hundertjähriges Jubiläum gefeiert, als ich noch dort war. Zu dieser Gelegenheit wurde auch ein Buch veröffentlicht. Ihr könnt sehen, wie oft ich es lese – es war das Jubiläumsbuch zu seinem hundertjährigen Gedenken.

In diesem Buch gibt es ein Bild von seinen fünf Töchtern, wunderschön dargestellt. Einmal haben wir das Buch in unserem Studentenkreis angeschaut. Ich hatte die Frage in den Raum geworfen: „Ich frage mich, was aus seinen Töchtern geworden ist.“

Daraufhin sagte ein junger Mann, der Leiter der Christian Union war: „Ich kann es dir sagen, eine von ihnen war meine Großmutter.“ Er war der Enkel, also wäre seine Urgroßmutter eine dieser Töchter gewesen. Alle vier Töchter dienten dem Herrn. Sie waren mit Missionaren verbunden. Ich glaube, Norman Grubb, der das Buch geschrieben hat, war sogar ihr Schwiegersohn.

Das waren eben andere Zeiten. Ich meine, ich erzähle ja auch in meinem Buch von Missionaren, die extreme Opfer gebracht haben. Die Kinder wurden oft von Verwandten zu Hause erzogen. Manche dieser Kinder sind später selbst in die Mission gegangen. Man kann das nicht mit heute vergleichen oder mit Internatsgeschichten.

Ich werde oft gefragt: „Wie konnten deine Eltern dich ins Internat schicken?“ Es waren andere Zeiten, die Zeit großer Missionsbewegungen in den sogenannten Drittweltländern.

Ich weiß nicht genau, was ich davon halten soll, Christian. Ich sehe Menschen, die nach modernen deutschen Vorstellungen alles richtig gemacht haben, aber deren Kinder sind ganz weg vom Glauben. Und ich sehe andere, die alles falsch gemacht haben, und deren Kinder brennen für Jesus. Ein klares Schema kann ich da absolut nicht erkennen.

C.T. Studd ist kein Beispiel für Kinder, die gelitten haben. Seine Frau hat ihn von England aus gemanagt, die Töchter wurden bei Verwandten erzogen, aber offensichtlich sehr kompetenten Verwandten. Sie hielten viel von ihrem Vater.

Ob das gut oder schlecht war, weiß ich nicht. Ich lasse die Frage offen. Als ich das vor Jahren gelesen habe, dachte ich: „Echt krass, ich glaube, das nehme ich mir nicht zum Vorbild, wie ich mit meiner Familie umgehen will.“ Aber seine Hingabe, sein Eifer – das ist Wahnsinn, fast verrückt.

Auch ich würde so etwas nie machen. Trotzdem muss ich riesigen Respekt haben. Offensichtlich wurden die Kinder sehr gut erzogen. Es kommt eben auch darauf an, ob die erweiterte Großfamilie eingebunden ist.

Wir selbst waren im Internat, aber unsere Großeltern waren unsere Vormünder in der Zeit, in der unsere Eltern für Emergency-Einsätze oder Notfälle unterwegs waren. Das Dorf hat das Kind ein Stück weit mit erzogen – das steckte dahinter. Natürlich gab es auch Brüche und Schwierigkeiten.

Begegnung mit Russell Brand und die Herausforderung der Glaubensvermittlung

Nicola, du schreibst um Seite 150 herum über den jung bekehrten Russell Brand, einen britischen Hollywoodstar. Du erwähnst auch, was du von ihm über die Begeisterung für Gottes Menschwerdung gelernt hast. Er ist zum Glauben an Jesus Christus gekommen. Vielleicht kannst du kurz zusammenfassen, wer Russell Brand ist und was er gesagt hat.

Russell Brand hat eine absolut skandalöse Vergangenheit. Man weiß immer noch nicht, ob er irgendwann im Gefängnis landet oder nicht. Er hat wirklich ein dekadentes Leben geführt. Deshalb sehe ich ihn nicht als Vorbild für jedes Leben – nur als Disclaimer. Aber er hat sich radikal bekehrt. Politisch weiß ich nicht genau, wo er steht, das ist egal. Wichtig ist: Er ist Jesus begegnet.

Dann wurde er gefragt, was er von der Kirche hält. Ich glaube, das ist die Stelle, die du meinst. Er war sehr zögerlich, aber auch sehr lustig – so wie ein Frischbekehrter, der frei von kirchlichem Jargon spricht. Auf die Frage, was er von der Kirche hält, antwortete er, dass er erstaunt sei über den Fleiß und Eifer der Christen, die die dramatischste, sensationellste Botschaft aller Zeiten so langweilig machen. So etwas sei hinterrücks.

Seine erste Reaktion war, dass er nicht respektlos sein wolle, sich aber frage, ob Christen absichtlich welterschütternde Ereignisse wie das Auftauchen Gottes auf dieser Erde so langweilig darstellen. Das erfordere viel Anstrengung. Das hat mich einerseits beschämt, andererseits musste ich lachen. Ich dachte: Absolut, so fühlt sich ein Totalaussenseiter – eine echte Herausforderung.

Friedrich Nietzsche hat etwas Ähnliches gesagt. Von ihm stammt das Zitat: „Genau, ihr aber, wenn euer Glaube euch selig macht, so gebt euch auch selig. Eure Gesichter sind immer eurem Glauben schädlicher gewesen als unsere Argumente.“ Wenn die frohe Botschaft euch wirklich ins Gesicht geschrieben wäre, müsstet ihr den Glauben an die Autorität der Bibel nicht so halsstarrig verteidigen.

Das finde ich krass, und ich halte es für wichtig, dass wir uns herausfordern lassen. Das heißt nicht, dass wir jetzt noch mehr Halligalli in Gottesdienste bringen oder eine Disco daraus machen. Es muss eine echte Freude sein, die sich in Worten wie „I was glad when they said to me, ‘Let us go to the House of the Lord’“ ausdrückt. Ich freute mich, als sie mir sagten: „Lass uns ins Haus des Herrn gehen.“

Dabei geht es nicht um den Druck, eine Performance zu liefern oder eine Show zu machen oder Freude vorzutäuschen. Ich denke, es geht tiefer. Es muss dieses „Wow“ sein. Ich habe einen Enkelsohn, der bei den kleinsten Erfolgen anfängt, vor Freude herumzuhüpfen. Wenn er einen Turm gebaut hat, ist er begeistert über das, was passiert ist. Er läuft nicht einfach irgendwo hin, er hüpft wie ein Gummiball.

Das ist ein banaler Vergleich, aber ist es nicht genau das, was der Glaube in uns bewirken soll? Dieses „Wow, wen kann ich als Nächstes davon erzählen?“ Es geht nicht darum, Freude vorzutäuschen, die nicht da ist, sondern darum, sie zu entdecken. „Wow, das ist skandalös, was da passiert ist: Gott kommt zur Erde wegen mir, kennt meinen Namen, gibt sein Leben für mich hin, setzt alles daran, dass es schwierig ist, ihn nicht zu finden, nimmt wahnsinnigen Aufwand auf sich.“

Wenn man die Bibelgeschichten betrachtet – zum Beispiel Rahab im Alten Testament – sieht man, wie viel Aufwand sich Gott macht, um diese Frau aus der brennenden Stadt zu retten. Oder wie viel Aufwand er betreibt, um Ruth nach Bethlehem zu bringen. Und er macht das auch für mich.

Wieder in Staunen zu kommen, in Staunen zu leben – und wenn das unseren Gottesdienst prägt, dann hängt die Atmosphäre nicht mehr von der Instrumentenwahl ab, von der Anzahl der Schlagzeuge oder dem Licht auf der Orgel. Sondern von der Atmosphäre, von dieser Freude, diesem Summen von Leben, Kraft und Wärme füreinander.

Gebetsleben und geistliche Haltung

Ja, Nicola, wir kommen langsam zum Schluss. Du hast in deinem Buch eine ganze Reihe von Gestalten aus dem Alten Testament erwähnt, darunter auch Daniel. Von Daniel können wir lernen, was wahre Fürbitte ist. Sie hat mit einer inneren Haltung des Schauens, des Bittens, des Wissenwollens, des Darübernachdenkens, des Suchens und des Hörens zu tun.

Wie spiegelt sich diese Erkenntnis so auch in deinem persönlichen Gebetsleben wider?

Oh, viel zu wenig. Da denke ich an Wolfgang Bühne. Er hat ja hier auch das Vorwort wirklich witzig geschrieben. Wolfgang Bühne hat mir einmal gesagt: „Wenn du jemanden beschämen willst, dann sprich ihn auf sein Gebetsleben an.“ Also, ich wollte dich jetzt nicht beschämen, aber ganz ehrlich, die Frage darf man ja stellen.

Da darf man gerne sagen, dass es nie so etwas sein soll, aber bei uns allen, Christian, oder? Ich denke, allein sich dem zu stellen: Ich habe kein diszipliniertes Gebet. Es ist unmöglich in meinem Leben, es ist so unregelmäßig. Als ich Lehrerin war, dachte ich: „Mensch, diese alten Missionare stehen um vier Uhr auf und beten sechs Stunden, bevor sie in den Tag gehen.“ Das würde mich umbringen. Ich wäre dann gleich wieder ins Bett gegangen. Ich wüsste nicht, was ich beten soll.

Was es für mich ist, ist, mich herausfordern zu lassen von diesen Beispielen. Wolfgang Bühner hat ein tolles Buch darüber geschrieben, wie Jesus betet. Extrem herausfordernd sind auch die Missionare, die stundenlang gebetet haben. Das schaffe ich nie. Ich bin zu zappelig, habe zu viel um mich herum, zu viele Kinder, als sie klein waren. Wie soll ich das schaffen? Das darf aber nicht zu Verdammnis führen.

Es ist eher so, dass ich mit dem Wort Gottes denke und betend die Bibel lese. Das mache ich sehr wohl. Daniel fordert mich heraus. Es ist nicht ein strukturiertes Gebetsleben, sondern ein inneres Zermürbtsein. Ich denke mit dem Herrn, Zeitung in einer Hand, aber auch wichtiger: die Bibel in der anderen.

Es ist einem etwas wichtig, dass man mit Gott zusammen denkt, im Lesen des Wortes, in allererster Linie angewandt aufs eigene Leben. Wo gibt es Korrektur? Darf er mir etwas sagen? Wo pikst mich der Heilige Geist? Wo sind meine Haltungen falsch?

Eine Zeit lang hatte ich diese mega Treffen, kam nach Hause und habe die Sau rausgelassen. Ich war so müde, mein Mann angewächt. Und dann wieder: Was ist wichtiger? Dass ich über die Früchte des Geistes einen Vortrag halte für die lieben Frauen, und die sind alle total beeindruckt und bewegt. Dann komme ich nach Hause und muss mich selber anpredigen.

Und das war meine Baustelle: Wie denkt Gott? Er ist völlig unbeeindruckt von meinem tollen Vortrag. Wie ich mit meiner Familie umgehe, ist für mich Gebetsleben. Es ist konstant Gottes Korrektur, Heiliger Geist, der hier vorne drin pieksen darf, die Ampel auf Rot stellen darf.

Und dann, im Auto, beim Spaziergehen, wenn ich auf einer Konferenz bin – den Nachmittag brauche ich immer frei – gehe ich einfach spazieren und rede mit dem Herrn. Es ist extrem ungeplant, unstrukturiert, aber die Sehnsucht ist da. Und die Herausforderung, die ich mir selbst immer an meine Adresse richte.

Schlussgedanken: Bedingungslose Liebe und leidenschaftlicher Dienst

Ja, danke, dass du das so offen teilst. Nicola, du schreibst weiter über den Propheten Daniel, der tief in die geistliche Welt hineinschaute und am Boden zerstört war von dem, was er sah. Aber Gott sagt ihm dreimal: Du bist ein viel Geliebter. Daraus ziehst du die Schlussfolgerung, und da zitiere ich kurz: „Der, der sich bedingungslos geliebt und aus den Fängen des Feindes erlöst weiß, der kann es sich leisten, dem Herrn leidenschaftlich, treu und konsequent bis zu seinem Lebensende zu dienen.“

Ja, ich fand das ein schönes Schlusszitat, wenn du dem nichts mehr hinzuzufügen hast. Nur die eine Sache: Ich werde oft gefragt: Was hast du mit Gott erlebt? Die Frage hat mich irgendwann genervt, und inzwischen dachte ich, das Wichtige sei doch, was er mit mir erlebt hat, oder? Und da dreht es sich um seine Leidenschaft für mich. Seine Sicht über mich ist der definierende Faktor. Und nichts, was ich bringen kann, ist sowieso nichts, es bleibt nichts – nur das, was er tut. Und ich glaube, wir müssen das jeden Tag lernen.

Ja, genau, ja.

Danke, Nicola, für das ermutigende Gespräch und die starke Erinnerung. Du hast mehrmals gesagt, das Kreuz wieder in den Mittelpunkt zu rücken und sich an ihm festzumachen, auf ihn ausgerichtet zu sein. Dann verbrennt man auch nicht, sondern bleibt brennend an ihm. Genau.

Gnädig, beschenkt und dankbar für alles.

Abschluss und Verabschiedung

Bevor wir zu den letzten Fragen an Nicola kommen: Wenn dir der Podcast gefallen hat, teile ihn gerne mit deinen Freunden. So bekommen auch sie Unterstützung in ihrer Alltagsmission.

Jetzt kurz zur Überraschung, die ich am Anfang angekündigt habe: Wir verschenken drei Exemplare von "Leidenschaft in einer kalten Welt". Schickt uns bis zur nächsten Folge eine kurze Nachricht an machbar@holkebach.org. Ihr könnt natürlich auch gerne in die Kommentare schreiben. Erzählt uns, in welcher Situation ihr gemerkt habt, dass eure Leidenschaft für den Herrn oder für euren Nächsten nachlässt und was euch geholfen hat, wieder neu zu brennen.

Wir suchen drei Einsendungen aus und schicken euch das Buch zu. Also: Ran an die Tasten, macht mit!

Nun zu den letzten Fragen, Nicola: Welches Buch zum Thema Leidenschaft, Mission oder Gemeinde hat dich in den letzten Jahren besonders geprägt? Hast du eine Buchempfehlung für uns?

Ich habe es eigentlich schon empfohlen, oder? Das Buch "City Start" finde ich extrem, extrem toll. Es gibt es auf Deutsch. Es gibt etwas Ähnliches, das ich nachgeschlagen habe: "Der Draufgänger Gottes". Das ist von Janet und Jeff Banger. Es wurde wohl auf Englisch geschrieben und dann übersetzt. Ich weiß nicht, ob es genau dasselbe Buch ist, aber auf jeden Fall geht es um sein Leben und seine wichtigsten Zitate.

Das ist cool. Wir werden euch das in den Shownotes verlinken.

Ja, genau. Es gibt viele Bücher, aber das ist eines, das gerade mit diesem Thema zu tun hat.

Was ist deine persönlich größte Herausforderung, um deine Leidenschaft umzusetzen? Das ist ja viel. Gibt es da etwas, wo du sagst: "Boah, das ist meine größte Herausforderung"?

Natürlich ist es eine Herausforderung, als erstes und nicht als letztes auf Gott zu schauen. Wie sieht er Rückschläge? Sieht er sie als Rückschläge oder als Einladungen zur Heiligung und Nähe zu ihm? Wenn ich enttäuscht oder frustriert bin und mich von Menschen im Stich gelassen fühle, ist das wirklich eine Enttäuschung oder eine Einladung, meine Fülle und Sättigung in ihm zu suchen? Das bleibt eine Herausforderung, aber ich stelle mich ihr.

Schön, danke.

Und die letzte Frage: Welchen Tipp hast du für unsere Hörer, den sie gleich diese Woche umsetzen können?

Viel singen! Hol dein Lieblingslied raus, sing es laut und eifrig. Sing zum Herrn! Unsere Lieder erinnern uns an diese andere Geschichte, die Heilsgeschichte, die uns definiert. Sie nimmt uns raus aus dem Hamsterrad der Selbstbeschäftigung und Selbstbesessenheit und richtet unseren Blick auf ihn. Also: Laut singen!

Sehr gut. Nicola, vielen herzlichen Dank für deine Zeit und die wertvollen Impulse. Ich bin sicher, das wird viele unserer Hörer motivieren.

Ihr denkt dran: Das Buch gibt es natürlich auch im Handel. Weißt du, was es kostet?

Ich glaube, zwölf Euro fünfundneunzig.

Okay, gut. Es gibt es im Handel, und bei uns gibt es drei Exemplare. Schreibt uns schnell, dann seid ihr ganz nah dran, ein Exemplar zu bekommen.

Ich sage ganz herzlichen Dank fürs Mitmachen und Zuschauen. Auch dir, Nicola, liebe Grüße nach Hause.

Danke euch, danke dir. Bis wir uns wiedersehen, tschüss und bis zum nächsten Mal!

Tschüss!

Stiftung Missionswerk Werner Heukelbach

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