Serie•Teil 12 / 44Johannes-Evangelium
Generierte Mitschrift
Die nachfolgende Mitschrift wurde automatisch mit KI-Technologie erstellt und kann Fehler enthalten. Im Zweifel gilt das gesprochene Wort.
Ein neuer Rhythmus für die Gemeinde
Die Corona-Krise scheint uns noch ein Weilchen zu begleiten. Also schwenken wir als Gemeinde jetzt aus dem Krisenmodus in den Corona-Verwaltungsmodus ein. Das bedeutet einerseits, dass wir mit den Online-Gottesdiensten erst einmal weitermachen, andererseits aber auch, dass wir die Arbeit auf mehr Schultern verteilen, sodass wir sie problemlos noch ein paar Monate leisten können.
Für mich bedeutet das, dass ich zurückkehre, und zwar zu meiner Predigtreihe über das Johannesevangelium. Lasst uns deshalb heute gemeinsam Johannes 2,18-22 betrachten. Wir kehren zurück zu einem Jesus, der im Tempel gerade den Tempel gereinigt hatte. Die Jünger hatten das gesehen, und sie wurden an ein Bibelwort erinnert: Der Eifer um dein Haus verzehrt mich.
Und wir können uns vorstellen: Wenn Jesus diesen Tempel reinigt, dann gibt es nicht nur Zustimmung. Davon scheint es zwar genug gegeben zu haben, denn die Tempelwache schreitet nicht ein. Aber es gibt auch Stimmen, die diesem Wanderprediger aus Galiläa gern einmal ein wenig auf den Zahn fühlen wollen.
Da heißt es in Johannes 2,18: Die Juden nun antworteten und sprachen zu ihm: Was für ein Zeichen der Vollmacht zeigst du uns, dass du dies tust?
Wie wir schon wissen, ist der Begriff „die Juden“ im Johannesevangelium eine Formulierung, mit der die politische Elite beschrieben wird, also die führenden Männer der Stadt. Die sind also anwesend, mindestens nachdem die ganze Sache vorbei ist. Sie bekommen diesen wütenden Jesus mit, und sie wollen wissen, mit welchem Recht er so auftritt.
Wie ich finde, nicht ganz zu Unrecht. Sie gehen davon aus, dass nicht jeder einfach so, nur weil ihm danach ist, den Tempel reinigen darf. Wer so einen Aufruhr verursacht, wer die Abläufe so durcheinanderbringt und letztlich auch dafür sorgt, dass die Gewinne einbrechen, der sollte wissen, wer ihm dazu das Recht, die Vollmacht erteilt hat. Und ein Zeichen, also ein Wunder, das wäre genau das, was sie jetzt gern sehen würden, einfach nur um zu wissen, dass Jesus mit Vollmacht handelt, also wirklich im Auftrag Gottes unterwegs ist.
Sie sagen so viel wie: Beweise uns durch ein Wunder, dass du nicht nur ein religiöser Spinner bist. Darum geht es.
Was macht Jesus? Er antwortet ihnen, aber eine wirkliche Antwort kann man das, was er da sagt, eigentlich nicht nennen. Es ist eher ein Rätsel.
Johannes 2,19: Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Brecht diesen Tempel ab, und in drei Tagen werde ich ihn aufrichten.
Wenn wir das hören, dann haben wir eine Idee davon, was Jesus meint. Ich glaube, seine Zuhörer hatten keine Chance. Für sie hört sich die Antwort völlig, völlig bescheuert an. Und das merkt man auch an ihrer Reaktion.
Johannes 2,20: Da sprachen die Juden: Sechsundvierzig Jahre ist an diesem Tempel gebaut worden, und du willst ihn in drei Tagen aufrichten?
Der Tempel war für die Juden das, was der BER für Berlin ist: eine Dauerbaustelle. Sechsundvierzig Jahre vor dieser Begebenheit hatte Herodes der Große angefangen, den Tempel zu renovieren und das Tempelgelände erweitern zu lassen. Er hatte damit die größte Tempelanlage im antiken Mittelmeerraum geschaffen, aber es wurde immer noch weitergebaut.
Und jetzt tritt Jesus auf und sagt: Brecht diesen Tempel ab, und in drei Tagen werde ich ihn aufrichten. Es ist völlig logisch, dass man diese Aussage in den falschen Hals bekommen muss, wenn Jesus sie tut, während er selbst im Tempel steht.
Warum drückt Jesus sich nicht klarer aus? Die Frage kann man übrigens öfter stellen, wenn man sich seine Antworten auf Fragen seiner Gegner anschaut. Warum diese kryptisch-geheimnisvollen, doppeldeutigen Formulierungen?
Ich denke, die Antwort ist relativ einfach: Weil Jesus nicht auf Anhieb verstanden werden will. Klingt komisch, aber Jesus ist schlau. Er weiß, was er tut. Er weiß, dass man ihn falsch verstehen kann. Er weiß, dass niemand in diesem Moment verstehen kann, dass er nicht von dem Jerusalemer Tempel aus Stein und Gold redet, sondern von seinem eigenen Körper.
Warum also diese geheimnisvolle Formulierung? Warum geht Jesus das Risiko ein, dass man ihn komplett missversteht?
Die Antwort auf diese Frage geht etwa so: Weil er hier als Prophet spricht. Lesen wir kurz weiter in Johannes 2,21-22: Er aber sprach von dem Tempel seines Leibes. Als er nun aus den Toten auferweckt war, gedachten seine Jünger daran, dass er dies gesagt hatte, und sie glaubten der Schrift und dem Wort, das Jesus gesagt hatte.
Wenn Jesus von einem Tempel spricht, dann meint er seinen eigenen Leib. Von Anfang an ist sich Jesus der Tatsache bewusst, dass die Leute mit Einfluss ihn ablehnen würden. Er ist sich darüber im Klaren, dass sie ihn irgendwann umbringen würden. Sie würden tatsächlich seinen Tempel abbrechen, und er würde seinen Tempel nach drei Tagen wieder aufrichten. Sie würden ihn töten, und er würde auferstehen.
Schon ganz am Anfang seines Predigtdienstes weiß Jesus, was auf ihn zukommt. Und weil Jesus das alles weiß, formuliert er jetzt so, dass sich seine Jünger einige Jahre später an diesen merkwürdigen ersten Moment der Kritik an ihrem Herrn erinnern können. Darum geht es ihm. Wie heißt es hier? Als er nun aus den Toten auferweckt war, gedachten seine Jünger daran, dass er dies gesagt hatte.
Jesus spricht hier also weniger als einer, der die Frage seiner Kritiker beantwortet, auch wenn er das bei aller Unverständlichkeit natürlich tut, sondern er spricht als Prophet. Und Propheten haben die Tendenz, so zu reden, dass man sie nicht gleich versteht.
Habt ihr euch einmal gefragt, welche Funktion eine Prophetie hat? Jesus erklärt es seinen Jüngern so in Johannes 13,19: Von jetzt an sage ich es euch, ehe es geschieht, damit ihr, wenn es geschieht, glaubt, dass ich es bin.
Und in Johannes 14,29 findet sich ein ganz ähnlicher Gedanke: Und jetzt habe ich es euch gesagt, ehe es geschieht, damit ihr glaubt, wenn es geschieht.
Propheten reden über die Zukunft, damit man rückblickend, wenn sich erfüllt, was sie prophezeit haben, Glauben findet. Prophetien wollen Glauben wecken. Das ist ihre wesentliche Funktion. Und genau das erreicht Jesus bei seinen Jüngern.
Nochmal Johannes 2,22: Als er nun aus den Toten auferweckt war, gedachten seine Jünger daran, dass er dies gesagt hatte, und sie glaubten der Schrift und dem Wort, das Jesus gesprochen hatte.
Das ist es, was Jesus sich von seinen Jüngern wünscht: dass sie der Schrift, also für Jesus erst einmal dem Alten Testament, und dem Wort, das er gesprochen hat, glauben.
Jesus nimmt die verdutzte Rückfrage seiner Kritiker, die kein Stück verstehen, wovon er redet, in Kauf, um seine Auferstehung zu prophezeien. Er weiß nämlich, dass es im Leben seiner Jünger nach der Auferstehung einen Moment geben wird, in dem sie sich zurückerinnern an den Konflikt im Tempel und an seine komische Antwort. Und diese Erinnerung würde ihnen dabei helfen, an die Schrift und an all das, was Jesus gesagt hatte, zu glauben.
Und das ist wirklich wichtig. Jesus wünscht sich für seine Jünger, dass sie ihm glauben. Und das gilt irgendwie bis heute. Jesus wünscht sich für uns, dass wir der Schrift, also der Bibel, und vor allem dem, was er gesagt hat, glauben.
Ich weiß, dass sich das in einer postmodernen Gesellschaft irgendwie schräg anhört. Ich glaube an die Bibel. Tue ich wirklich? Warum? Weil es genau das ist, was Jesus will. Das Christentum ist eine Buchreligion. Gott arbeitet von Anfang an mit dem geschriebenen Wort. Es ist deshalb absolut wichtig, dass wir für uns klären, wie wir zur Bibel stehen.
Ich sage nicht, dass es sich bei der Bibel um das leichteste Buch handelt, das man lesen kann. Sie ist alt, ihre Sprache ist schwierig, ihre Themen sind manchmal merkwürdig. Man kann sie wirklich ganz leicht als Schnee von gestern betrachten. Also etwas, womit ich mich nicht tiefer beschäftigen muss, weil ich aufgeklärt bin, oder vielleicht weil mir der Heilige Geist reicht, oder weil sich die liberale Theologie über meine Bibelgläubigkeit lustig macht.
Aber eins muss uns klar sein: Gott benutzt Prophetie im Alten und im Neuen Testament ganz bewusst, damit es bei Jesu Jüngern Klick macht und sie verstehen, Christsein geht nicht ohne Glauben an die Schrift. Und Schrift, das ist für uns das Alte und das Neue Testament.
Und jetzt könnte jemand fragen: Stop, woher weißt du eigentlich, dass die ersten Christen auch das Neue Testament als Schrift aufgefasst haben? Spannende Frage. Ich würde auf 1. Timotheus 5 verweisen. Da geht es inhaltlich darum, dass man predigende Älteste besonders gut entlohnen soll, und dann heißt es in 1. Timotheus 5,18: Denn die Schrift sagt.
Also: Die Schrift. Jetzt kommen zwei Zitate. Du sollst dem Ochsen, der da drischt, nicht das Maul verbinden, und: Der Arbeiter ist seines Lohnes wert.
Die Schrift sagt, und dann kommen zwei Zitate. Erstes Zitat: Du sollst dem Ochsen, der da drischt, nicht das Maul verbinden. Das ist ein Zitat aus dem Alten Testament, aus 5. Mose 25,4. Und dann ein zweites Zitat: Der Arbeiter ist seines Lohnes wert. Und wisst ihr, wo das steht? Genau, das steht nicht im Alten Testament, sondern im Neuen Testament, in Lukas 10,7.
Und daran sehe ich, dass für Paulus „Schrift“ als Begriff ein Sammelbegriff für das Alte und das Neue Testament ist, und das bereits zu einer Zeit, als das Neue Testament noch nicht abgeschlossen war.
Noch einmal: Worum geht es mir jetzt? Für Jesus ist es von allergrößtem Interesse, dass seine Jünger nach seiner Auferstehung an die Schrift und an das, was er gesagt hat, ganz fest glauben. Und dafür ist er wirklich bereit. Er ist wie so ein typischer Prophet unterwegs. Er ist bereit, Dinge zu sagen, die man erst rückblickend richtig einordnen und verstehen kann.
Das, was ich eben gesagt habe, ist übrigens grundsätzlich für die Auslegung von Prophetentexten wichtig. Man kann bildhafte Prophetien eigentlich nie aus der Situation heraus verstehen, in die sie hineingesprochen wurden, sondern am besten immer im Rückblick.
Und noch etwas ist grundsätzlich wichtig: Prophetien spielen mit Begriffen. Jesus macht es hier mit dem Wort Tempel. Wir müssen also, wenn wir prophetische Texte auslegen, ganz stark darauf achten, dass wir uns das Recht erhalten, oder besser: dass wir den Propheten, die das geschrieben haben, das Recht zubilligen, Begriffe bildhaft zu verstehen.
Der Leib als heiliger Ort
Bei aller Bildhaftigkeit hat Jesus natürlich recht. Es ist nichts Falsches daran, wenn er seinen Leib mit dem Tempel vergleicht. Der Tempel ist der Ort, wo Gott wohnt, wo man Gott begegnen kann. Und was man über den Leib des Herrn Jesus sagen kann, das kann man tatsächlich auch über uns sagen.
Also: Jesus begegnen heißt Gott begegnen. Sein Leib ist der Tempel, der Wohnort Gottes. Und dasselbe gilt für uns. Wir sind als Gemeinschaft Tempel Gottes, aber wir sind auch als einzelne Gläubige Tempel Gottes. Und zwar deshalb, weil Gott durch seinen Geist in uns wohnt.
Man kann das schnell vergessen. Paulus muss die Gläubigen in Korinth etwas vorwurfsvoll fragen: 1. Korinther 6,19. Oder wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist, den ihr von Gott habt, und dass ihr nicht euch selbst gehört? Gute Frage! Wissen wir das? Haben wir das verstanden, dass wir nicht uns selbst gehören?
Paulus fährt fort: 1. Korinther 6,20. Denn ihr seid um einen Preis erkauft worden. Verherrlicht nun Gott mit eurem Leib.
Ich hoffe, das haben wir verstanden. Gott hat für mich bezahlt mit seinem Leben, und dann ist er durch seinen Heiligen Geist mit mir eine ganz besondere Beziehung eingegangen. Ich bin ein Geist mit Gott, also der Geist Gottes lebt in mir. Und auf dieser unsichtbaren Ebene des Geistlichen verschmelzen mein menschlicher Geist und Gottes Geist zu einer Einheit, zu einer Einheit, die ich nicht mehr trennen kann. Gott wohnt wirklich ganz real in mir, und deswegen ist mein Körper auch ein Tempel des Heiligen Geistes.
Und aus der Berufung, Tempel zu sein, erwächst die Verpflichtung, Gott mit meinem Leib zu verherrlichen. Man könnte ja denken, dass es nicht so wichtig ist, wie man lebt, vor allem dann, wenn man daran denkt, dass der Körper eh stirbt und wir nach der Auferstehung einen neuen Körper bekommen. Aber weit gefehlt, weit gefehlt: Verherrlicht nun Gott mit eurem Leib. Es macht für Gott einen Unterschied, wirklich einen Unterschied, wie wir ganz praktisch leben.
Als Jesus auf der Erde war, hat er den Tempel gereinigt. Er wollte nicht, dass aus einem Ort der Anbetung eine Shopping Mall wird. Kommerz und Anbetung können einfach nicht Hand in Hand gehen. Entweder geht es ums Geld oder es geht um Gott. Und deshalb treibt Jesus die Händler aus dem Tempel.
Und aus demselben Grund formuliert Paulus im Blick auf einen anderen Tempel, nämlich im Blick auf meinen Körper als Tempel Gottes, Folgendes: Römer 6,12-13. So herrsche nun nicht die Sünde in eurem sterblichen Leib, dass er seinen Begierden gehorche. Stellt auch nicht eure Glieder der Sünde zur Verfügung als Werkzeuge für die Ungerechtigkeit.
Die Glieder, das sind die unterschiedlichen Organe unseres Körpers: die Augen, die Ohren, der Mund, die Hände, die Füße. Und der Auftrag, den Gott mir hier gibt, der besteht ganz konkret darin, dass ich meinen Gliedern verbiete, zu sündigen. Also wenn ich versucht werde, zu lügen, dann verbiete ich meinem Mund, eine Lüge auszusprechen. Wenn ich versucht werde, neidisch zu werden, dann verbiete ich meinen Augen den neidischen Blick. Wenn ich versucht werde, mein Recht mit einer bösen E-Mail durchzusetzen, dann verbiete ich meinen Händen das Schreiben dieser bösen E-Mail. Und so weiter.
Verherrlicht nun Gott mit eurem Leib! Ich kann nicht sündigen, wenn ich meinen Gliedern nicht erlaube, der Sünde zur Verfügung zu stehen, um ein Werkzeug für Ungerechtigkeit zu sein. Es macht für Gott wirklich einen riesigen Unterschied, wie wir leben.
Jesus hat den Tempel gereinigt, weil Gott sich nach geistlicher Schönheit sehnt. Bitte lasst uns das nie vergessen. Ich will das zweimal sagen: Heiligkeit ist Anbetung. Heiligkeit, dieses: Ich schmeisse die Sünde aus meinem Leben raus, ich werde schön für Gott, ist Anbetung. Ich kann heilig leben, weil es einfach logisch ist. Ja, warum sündigen, wenn ich es nicht muss?
Ich kann heilig leben, weil Sünde mein missionarisches Zeugnis kaputt macht, und ich möchte das nicht. Ich möchte nicht, dass Leute, die Gott nicht kennen, über mich zu Recht ablästern. Oder ich kann heilig leben, weil Gott Heiligkeit belohnt und Sünde bestraft.
Aber wisst ihr, welches Argument mich persönlich am meisten fasziniert, am meisten motiviert, heilig zu leben, Sünde hinauszuschmeißen, meinen Tempel für Gott zu reinigen? Es ist das Argument, dass sich Gott nach der Schönheit seiner Braut verzehrt.
Warum soll ich meinen Tempel reinigen? Warum soll ich meinen Gliedern verbieten zu sündigen? Warum soll ich auf meine Worte, meine Taten, meine Gedanken achten? Weil ich in einen Gott verliebt bin und er in mich.
Die Braut Christi und das Wort
Und jetzt binden wir die unterschiedlichen Gedanken dieser Predigt einfach einmal zusammen. Da ist zum einen der Gedanke vom Umgang mit dem Wort Gottes, und auf der anderen Seite der Gedanke: mein Leben als Tempel Gottes.
Paulus formuliert das Verhältnis zwischen Jesus und der Gemeinde mit folgenden Worten in Epheser 5,25-27:
Ihr Männer, liebt eure Frauen, wie auch der Christus die Gemeinde geliebt und sich selbst für sie hingegeben hat, um sie zu heiligen, sie reinigend durch das Wasserbad im Wort, damit er die Gemeinde sich selbst verherrlicht darstellte, die nicht Flecken oder Runzel oder etwas dergleichen habe, sondern dass sie heilig und tadellos sei.
Jesus gibt sich aus Liebe für seine Braut, die Gemeinde, hin. Und damit wird er zu einem Vorbild für Ehemänner. Ehemänner sollen ihre Frauen so selbstlos lieben, wie der Christus die Gemeinde geliebt hat, in dem Moment, als er für sie am Kreuz starb.
Das Ziel des Kreuzes war aber eben nicht nur die Errettung der Gemeinde, sondern auch ihre Heiligung. Der Christus will nicht nur irgendeine Braut, er wünscht sich eine schöne Braut. Und er benutzt für diesen Heiligungsprozess das Wasserbad im Wort. Das Wort Gottes ist wie ein Wasserbad, mit dem ich den Dreck abwasche.
Und jetzt verstehen wir auch, warum es dem Herrn Jesus so wichtig ist, dass wir an die Schrift glauben. Wir brauchen die Bibel, um in puncto Heiligung nicht in die Bibel das hineinzulesen, was wir uns wünschen oder was uns wichtig ist. Wir brauchen die Bibel und einen festen Glauben an die Bibel, um aus dem Wort herauszulesen, was der Herr Jesus sich für uns wünscht. Er definiert, was Heiligkeit ist. Er weiß, wo die wirklichen Dreckecken unseres Lebens sind. Er will eine schöne Braut, eine ohne Flecken, ohne Runzel, eine, die heilig und tadellos ist.
Gott liebt die Schönheit seiner Braut. Und weil dieser Gedanke so schön ist, ja, ich will heilig leben, um für meinen Herrn schön zu sein, lege ich jetzt noch eine Bibelstelle dazu. Und für alle, die gleich vielleicht nur noch den Kopf schütteln: Ich bin in meiner Ehe der Romantiker, also kümmere ich mich bei uns zu Hause um den Wein, die Kerzen und die Musik. Und als Romantiker möchte ich euch zum Schluss eine Bibelstelle zeigen, die einfach nur schön ist und die mich persönlich ermutigt, heilig zu leben.
Vorbemerkung: Wir sagen, und das sagen wir zu Recht, Jesus ist König. Das stimmt, Jesus ist sogar der König der Könige, und die Gemeinde ist seine Braut. Für uns ist das Verhältnis eines Königs zu seiner Braut nicht wirklich verständlich. Aber zum Glück gibt es die Psalmen, und es gibt Psalmen, die den König besingen. Und was ich dann tue: Ich frage mich, was mir diese Psalmen, die einen König besingen, zu sagen haben. Und eine Anwendung ist die: Ich sehe in dem König, der besungen wird, meinen Herrn Jesus.
Und jetzt komme ich zu dieser wunderschönen Stelle. Psalm 45,11-12:
Höre, Tochter, und sieh, und neige dein Ohr und vergiss dein Volk und deines Vaters Haus. Und wird der König deine Schönheit begehren, denn er ist dein Herr; so neige dich vor ihm.
Ich bin davon überzeugt, dass das, was hier in Poesie gegossen wird, unser Verhältnis als gläubige Christen zu unserem Herrn beschreibt. Wie die Königstochter das Ohr neigt, auf das hört, was der König zu sagen hat, ihr altes Leben hinter sich lässt, um nur noch Augen als Braut für den König zu haben, so stehen wir Tag für Tag vor unserem König. Und wir hören auch seine Stimme, wenn er uns ruft, weil er unsere Schönheit begehrt. Und wir gehen zu ihm und neigen uns vor ihm, denn er ist unser Herr.
Ich weiß nicht, ob du mit Poesie und romantischen Bildern etwas anfangen kannst. Aber was ich dir am Ende dieser Predigt wünsche, das ist ein tiefer Glaube an die Schrift. Und ich wünsche dir ein heiliges Verlangen danach, schön zu sein für deinen Gott. Und ich wünsche dir den Mut, dass, wenn er anfängt, deinen Tempel zu reinigen, weil er deine Schönheit begehrt, du ihm vertraust, ihn machen lässt und ihm folgst, bis seine Schönheit in uns sichtbar wird. Amen.
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