Einleitung
Ich möchte auch dieses Jahr einmal zu Ihnen predigen über den Urlaub.
Manche von ihnen, die haben ihn schon hinter sich, andere, die können gar
keinen haben. Ich denke, das was wir aus dem Wort Gottes entdecken, das
passt trotzdem für uns, auch in den ganz verschiedenen Lagen. Da denkt man
sich mal kurz, wo kommt denn Urlaub in der Bibel vor. In der Konkordanz
gibt es dieses Wort noch nicht. Das Wort Urlaub ist überhaupt ein Wort
unseres Jahrhunderts. Früher sagte man Sommerfrische. Urlaub kam erst in
diesem Jahrhundert auf, überhaupt der Urlaubsanspruch, der gesetzliche
Urlaubsanspruch. Aber dann lesen wir vom Apostel Paulus zwei Verse:
Apostelgeschichte 20 - Paulus auf der dritten Missionsreise, auf dem Weg
nach Jerusalem, vor seiner Verhaftung. Bevor er die Ältesten in Milet
trifft und diese denkwürdige Rede hält, an sie vom Abschied. Wie es ihn
innerlich aufwühlt und bewegt, dass er sie trifft. Dort wird vorher erzählt
in Kapitel 20, das ist Vers 13: Wir aber zogen voraus zum Schiff und fuhren
nach Assos und wollten dort Paulus zu uns nehmen; denn er hatte es so
befohlen, weil er selbst zu Fuß gehen wollte. 14 Als er uns nun traf in
Assos, nahmen wir ihn zu uns und kamen nach Mitylene.
Die Geschichte vorher handelt in Troas:
6 Wir aber fuhren nach den Tagen der Ungesäuerten Brote mit dem Schiff von
Philippi ab und kamen am fünften Tag zu ihnen nach Troas und blieben dort
sieben Tage. 7 Am ersten Tag der Woche aber, als wir versammelt waren, das
Brot zu brechen, predigte ihnen Paulus, und da er am nächsten Tag
weiterreisen wollte, zog er die Rede hin bis Mitternacht. 8 Und es waren
viele Lampen in dem Obergemach, wo wir versammelt waren. 9 Es saß aber ein
junger Mann mit Namen Eutychus in einem Fenster und sank in einen tiefen
Schlaf, weil Paulus so lange redete; und vom Schlaf überwältigt fiel er
hinunter vom dritten Stock und wurde tot aufgehoben. 10 Paulus aber ging
hinab und warf sich über ihn, umfing ihn und sprach: Macht kein Getümmel;
denn es ist Leben in ihm. 11 Dann ging er hinauf und brach das Brot und aß
und redete viel mit ihnen, bis der Tag anbrach; und so zog er hinweg. 12
Sie brachten aber den jungen Mann lebend herein und wurden nicht wenig
getröstet.
Herr, Du willst uns in deinem Wort viel zeigen, öffne uns für dein Reden
die Augen. Amen.
Wenn die Urlaubszeit anbricht, die Schulferien kommen, da erlebt man das ja
ganz intensiv. Sie haben auch bestimmt Erinnerungen an Kinderzeit, an
Ferienzeit. Unsere Mutter machte das immer besonders schön, wenn man dann
an einem heißen Sommertag so am Ende des letzten Schultags zurück kehrte,
dann wurde in einer feierlichen Zeremonie der Schulranzen begraben. Wurde
natürlich so deponiert, dass man ihn zur nötigen Zeit nach den Ferien auch
wieder fand. Wir hätten den am liebsten so versenkt, dass man ihn gar nie
mehr finden kann, aber das war so wunderbar. Der Ferientanz, wo man herum
gehopst ist und sich gefreut hat. Eine Zeit, wo der Druck von einem weicht
und man endlich all das tun kann, wo man sonst nicht dazu kommt und wenn
Sie jetzt älter sind, wie empfinden Sie dann Ferienzeit, Urlaubszeit? Sieht
ja oft ganz anders aus. Sie sehen jetzt die Bilder im Fernsehen, in der
Zeitung: Von kilometerlangen Verkehrsstaus, wie die da stehen am Brenner,
weil die Straße blockiert ist. Man hört dann die Berichte: "Au das war
schlimm. Alles überfüllt an den Stränden", und dann schimpfen die Leute,
wie teuer das war mit den Preisen und der Dollar so hoch und da war der
Wechselkurs so schlecht und da wurde man bestohlen und da hat man alles
verloren im Urlaub. Warum ist das eigentlich so? So merkwürdig
widersprüchlich. Wir belegen ja den Urlaub mit unerreichbaren
Wunschträumen. Horchen Sie sich mal um: Viele Leute erwarten vom Urlaub,
dass sie all das finden, was ihnen sonst im Leben versagt bleibt. Sie
sagen: "Da möchte ich mal richtig mich selbst verwirklichen. Da möchte ich
mal wirklich bloß genießen und bloß freuen." Und dann wundern sie sich
schon, dass sie nicht das Zimmer kriegen, dass sie wünschen und dass die
Verkehrsstraße am Hotel vorbei führt und dass der Wirt so unfreundlich ist,
wo sie die Unterkunft haben. Das ist ja alles ganz anders in dieser Welt,
es gibt nicht das, wonach wir träumen. Und unsere Wunschträume, unsere
idealen Wunschträume, die wir in den Urlaub hinein verlegen lassen sich
auch dort nicht erfüllen. Oft ist es nur vielleicht ein nicht fertig werden
mit den Problemen zu hause, die uns fliehen lassen. Weg, nur weg. Das kann
die Urlaubszeit alles nicht leisten, sondern es gibt so viele enttäuschte,
wenn sie den Urlaubserfolg an der Bräune messen, da kann man's noch am
ehesten feststellen, ob der Urlaub gut war oder nicht. Ich möchte Ihnen aus
dieser kleinen Episode aus dem Leben des Paulus einmal zeigen, wo uns die
Bibel helfen kann. Wozu ein Urlaub gut sein kann.
Mein erster Punkt:
Einmal Abstand von allem zu bekommen.
Also keine Angst,
ich will Ihnen den Urlaub nicht vermiesen, ich möchte, dass Sie ihn
genießen können aus vollen Zügen und Sie haben ihn ja verdient. Paulus hat
auch den Urlaub verdient. Er hatte nicht nur anstrengende Wochen und Monate
hinter sich, er hatte Jahre der harten Arbeit durchlebt. Paulus war ein
Arbeiter, der ran gehen konnte und nicht bloß einer, der mit dem Mund
gearbeitet hat, oder mit dem Kopf, sondern er war ja von Beruf Sattler,
Zeltmacher. Und er hat in diesem Beruf schon in Korinth tüchtig gearbeitet.
Und damals hat man noch mehr Stunden gebraucht und tüchtig hat er sich dann
der Arbeit unterzogen, aber er hat auch anstrengende Reisen gemacht. Er mit
seinem geschwächten Körper. Man schätzt ja, dass er da allein etwa auf
diesen Missionsreisen 15.000 Kilometer zu Fuß gegangen ist, das war ja
schon eine enorme körperliche Strapaze. Und nun trifft er in Troas ein. Sie
kennen Troas vielleicht, weil sich dort ja einst eine ganz wichtige
Weichenstellung ereignet hat. Einst hat ja in Troas Paulus diesen Traum
gehabt, wo Paulus dieser Mazedonier erschienen war: "Komm herüber zu uns
und hilf uns. Er wusste zuerst gar nicht was ist das. Dann hat er gemerkt,
das ist der Ruf Gottes. Ich soll hinüber und nun hat er dieses große
Arbeitsfeld Europa gefunden. Die erste Gemeinde in Philippi gegründet, die
nächste in Thessalonich, die dritte in Korinth. Dann waren die schweren
nervenaufreibenden Kämpfe, wegen der Spaltung in Korinth. Das alles lag
hinter ihm. Er kommt zurück nach Troas. In der Nähe ist die ausgegrabene
Stadt Troja. Heinrich Schliehmann hat da ja seine großen Entdeckungen
gemacht. Zur Zeit des Paulus war Troas etwas südlicher von der
archäologischen Stadt Troja eine große Weltstadt, weil dort der Hellespont
ist, das ist die Einfahrt in das Mittelmeer, das ist der Übergang nach
Asien. Und das war auch für den Paulus ein Wendepunkt. In Troas fand er
eine Gemeinde und er hat gepredigt, jetzt erschrecken Sie nicht, ich will's
dem Paulus nicht nachtun, Paulus hat die ganze Nacht lang gepredigt und hat
nicht aufgehört und der Eutychus ist eingeschlafen und ist vom Balkon
gekippt und war tot. Und Paulus hat ihn zum Leben auferweckt. Das ist alles
dort in Troas passiert. Und am frühen Morgen, als der Tag beginnt sagt der
Paulus endlich Amen bei seiner Predigt, die Versammlung ist zu Ende. Paulus
ist erschöpft, Paulus ist müde und er macht Pause. Er macht eine
Fußwanderung nach Assus. Warum so etwas überhaupt in der Bibel drin steht.
Man kann fragen, was hat das für eine Bedeutung. Nun es ist interessant,
bei den Zeugen des Glaubens auch solche Kleinigkeiten zu beobachten. Vor
allem will ja Paulus alleine sein und er schickt seine Gefährten mit dem
Schiff. Er hätte also auch ganz bequem mit dem Schiff reisen können, aber
Paulus sucht den Abstand von den Dingen, er will sich einmal zurückziehen.
Er will einmal raus aus der Arbeit und es ist nicht so, dass man sagt: "Ja
nun, der muss doch immer weiter predigen." Im Gegenteil. Wir brauchen auch
wieder Stunden, wo wir Kraft schöpfen und da muss man etwas ganz anderes
sehen und vielleicht auch weg sein von Menschen. Nicht dauernd gefragt
werden, nicht dauernd reden müssen, nicht dauernd gefordert sein, sondern
lasst mich einmal ganz in Ruhe. Lasst mich einmal allein. Darf ich Ihnen
einen Rat geben für Ihren Urlaub. Sie dürfen ausspannen, Sie dürfen los
lassen, Sie sollen weg aus Ihrer Arbeit, einmal nicht mehr im Büro und die
alten ärgerlichen Gesichter sehen und den Chef und…Au. Jetzt bin ich einmal
im Urlaub, jetzt bloß weg. Das ist gut so. Sie dürfen abschließen. Sie
dürfen weg. Aber machen Sie es richtig. Gehen Sie in die Stille, gehen Sie
wie Paulus in die Einsamkeit. Und dann ist es gar nicht so wichtig welches
Ziel wir wählen. Wissen Sie, wenn man ja immer wieder so sieht, wie
Urlauber die Prospekte wälzen, da können manche sich ja gar nicht
entscheiden, sollen sie in die Karibik fahren, oder soll es dieses Jahr
Cylon sein, oder ist das zu gefährlich? Soll man lieber nach Indonesien? Es
hängt ja wahrscheinlich gar nicht so am Urlaubsziel. Vielleicht wählt er,
das ist gar nicht schlecht, nur einen Liegestuhl im Garten, aber einen
Platz, wo man einmal abschalten kann. Wo man weg ist vom anderen. Ein
Spazierweg oben am Bärensee, ein Fußmarsch nach Assus, wie Paulus ihn
macht. Ich hab die Reiseführer, die mir zugänglich waren in den
Buchhandlungen durchgestöbert und habe das gesucht, ob das vielleicht eine
touristisch besonders schöne Gegend war. Nein, es findet sich nirgendwo
über den Fußweg von Troas nach Assus, etwa 35 Kilometer, auch nur ein
Hinweis. Das ist heute die Bucht von Etremith. Nein, das ist nichts
besonders schönes. Das ist die Ebene, die Paulus durchwandert hat. Und doch
war es ein herrlicher Urlaubstag, weil Paulus Kraft schöpfen konnte, weil
Paulus alleine war, weil Paulus einmal Abstand hatte nach Jahren harten
Arbeitens. Nur ein kurzer Tag und doch ein herrlicher Urlaubstag. Es kommt
gar nicht darauf an, wohin man fährt, es ist gar nicht wichtig, ob man
überhaupt Urlaub machen kann. Es ist auch gar nicht wichtig, was man dort
erlebt und was man unterwegs sieht. Aber vielleicht einmal raus und dann
bloß in die Stille gehen. Allein sein. Und dann reden, was Gott zu einem
sagen will. Ich bin beim zweiten Punkt.
Anders als alle anderen.
Es ist schon
außergewöhnlich, wie Paulus Urlaub macht. Nun wissen Sie unsere Sitten, wie
wir heute Urlaub machen, die sind noch ungewöhnlicher, das ist ja eine
Errungenschaft unserer Moderne. Man muss sich mal vorstellen. Millionen und
Abermillionen Menschen unseres Volkes auf der Flucht. Wie wenn der
Atomkrieg ausgebrochen, in riesigen Autoschlangen wälzen sie sich über das
Land und verlassen Haus und Hof, manche auch Weib und Kind und irgendwohin.
Bloß Sie suchen etwas und wenn man hin kommt, dann ist der Urlaub
langweilig. Das Hauptproblem, wie man das interessant gestalten kann. Dann
braucht man Unterhaltung und dann braucht man Animateure, so heißen die
Boys, die dann dafür sorgen, dass einem nicht langweilig wird, dass die
Zeit wie im Flug vergeht. Das ist eine ganze Tourismusindustrie geworden,
die man braucht. Das ist ja eine Krankheit in unserem Volk und wir müssen
nur aufpassen, dass wir anders Urlaub machen, als die anderen. Ich weiß
nicht wie die römischen Villenbesitzer damals Urlaub machten. In ihrem
Tuscullum, in ihren Landhäusern. Prunk und mit üppigen Festen. Es ist
sicher wichtig, dass ich zu mir selber komme. Und wenn Sie das im Urlaub
suchen, dann müssen Sie anders als die anderen Urlaub machen. Egal wo Sie
hin fahren. Sie dürfen nicht kucken, wie die anderen das wollen, es ist
nicht einmal wichtig, ob die anderen Sie nachher richtig braun finden. Sie
müssen einfach mal kucken, ob Sie zu sich selber kommen und das war dem
Paulus wichtig. Ich möchte zu mir kommen. Ich will in den Text nichts
hinein legen, aber dieser Wanderweg nach Assus, der hat Bedeutung für das
Leben des Paulus und für alles, was nachher folgt. Wir wissen ja, was
Paulus sonst die Bruderschaft bedeutet hat. Paulus hat sich sonst nie von
den Brüdern gelöst, er war immer bei ihnen, er hat für die anderen gesorgt.
Aber hier heißt es: "Er befahl ihnen, dass sie allein ohne ihn reisen
sollten." Die anderen waren zuerst überrascht und sagten: "Bist du
verstimmt?" Haben wir dich verletzt? Liegt etwas zwischen uns?" So denken
wir doch in einer Gemeinschaft, wenn da ein anderer sagt: "Lass mich einmal
allein durch den Wald gehen." Nein gar nichts, sondern jeder Mensch braucht
Stille. Übrigens ihre Ehe braucht das auch, dass sie einmal allein sind und
dort nur reden und sagen: "Wir brauchen nur Zeit füreinander." Ihre Kinder
brauchen das, wo Sie mit ihnen reden. Aber Sie brauchen auch wieder Stille
und Sammlung. Was liegt hinter dem Paulus zurück? Und bei der großen
Arbeit, die er geleistet hat, eben so wie bei Ihnen. Sie haben viel
geschafft. Da sind auch Fehler passiert. Da geht die Unruhe mit, da war
Streit, es sind verletzende Worte gefallen, man ist schuldig geworden. Sie
brauchen doch den Frieden Gottes wieder, Sie müssen doch das Alte irgendwo
abschließen können. Das ist ganz unwichtig, wo Sie Urlaub machen, sondern
wie Sie Urlaub machen. Anders als die anderen. Sie brauchen Stille mit
Gott. Mich bedrückt, dass die meisten Christen, wenn sie Urlaub machen,
geistlich verlottern. Plötzlich haben sie keine Zeit mehr für die Stille.
Gut, man hat so ein großes Pensum an Kilometern, das man leiste will. Fällt
deshalb die Stille Zeit und das Gebet aus? Man hat Sonntags keine Zeit mehr
zum Wort Gottes, für die Gemeinschaft. Gut man hat so viel vor zu sehen.
Verkümmern wir da nicht an der entscheidenden Stelle, wo Gott mit uns reden
will. Und ich bin überzeugt, Paulus hat sich diese Zeit genommen, dass Gott
reden kann. Er hat mit Gott noch einmal alles durch gesprochen. Zurück lag
eine zerrissene Gemeinde in Korinth, wie fiel es ihm schwer weg zu gehen.
Dort waren Sektierer eingebrochen, haben die ganze Gemeinde durcheinander
gebracht. Und jetzt hat er im Gebet Gott seine Sorgen abgelegt. Wie hat er
das alles empfunden, was auch vor ihm stand? Wir sind alle menschliche
Kreaturen. Das heißt anfällige Leute. Wir haben eine unstabile Seelenlage.
Wir schwanken zwischen himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt. Noch keine
krankhafte Depression, aber das muss in der Stille vor Gott aufgefangen
werden. Das Schwere, das uns nieder drückt. Das muss bewältigt werden, dass
wir wieder durchatmen können. Die Sorgen, die Ängste. Anders als die
andern. Urlaubszeit soll dazu dienen, dass ich den Frieden Gottes wieder
habe. So wie ich es bei diesen Menschen im Libanon erlebt habe, die die
ganze Zeit des Bürgerkriegs nicht geflohen sind. Diese kleine Schar der
evangelischen Gläubigen, dort in den Gemeinden. Die sagen: "Wir haben das
in diesen Tagen machtvoll erlebt, der Herr war bei uns mit seiner
schützenden Hand. Das sollen Sie auch an Ihrem Urlaub erleben. Gottes
Erfahrungen machen. Und das wir ganz neu hören, er hat seine Hand auf mich
gelegt, er segnet mich. Im Römerbrief Kapitel 15 schreibt Paulus von seinen
großen Plänen, die er noch hat. Er will bis Spanien, er will ja noch die
adriatische Küste hoch. Er will überall das Evangelium predigen. In Troas
lagen im sicheren Hafen Schiffe. Nicht nur von Rom, sondern auch von
Spanien, womöglich von Britannien. Er hat doch die Idee, ich muss der Bote
des Evangeliums sein, aber dann sagt er in Römer 15: "Wenn ich komme, dann
will ich mit dem vollen Segen Gottes kommen. Wenn Sie aus dem Urlaub zurück
kommen, sollen Sie mit dem vollen Segen Gottes kommen. Darin, ich weiß Gott
ist bei mir. Dass Sie Geborgenheit haben, Nähe Gottes, Frieden Gottes.
Noch ein letzter Punkt:
Vor neuen Aufgaben.
Ja, Paulus stand, als er diesen
Fußmarsch machte, vor schwierigen Wegstrecken. Er wusste, dass das Leiden
kommen wird. Es traf ja auf ihn später der Prophet Agabus und hat ihm
vorgemacht, wie Paulus gebunden werden wird und gefangen weggeführt und
Paulus sagt: "Du brauchst mir das nicht sagen, ich weiß es." Wird es uns
nicht manchmal Angst? Wir sollten im Urlaub keine Träumer sein. Es ist ja
heute in unserer Welt so merkwürdig, dass wir alle Träumer sind. Menschen
am Ende des 20. Jahrhunderts sind keine Realisten mehr. Reden Sie mal mit
Freunden und fragen Sie die, was das Lebensziel ist, dann sagen die: "Ich
möchte ganz alt werden." Ja und dann? "Schön soll es sein, möglichst
problemfrei." Das sind so Träumer, das gibt es doch gar nicht. Wo gibt's
das, problemfreies Leben? Aber nehmen wir auch eine Urlaubszeit, um uns auf
die nächsten Bewährungsproben zu rüsten? Ich will Ihnen die Urlaubsfreude
nicht weg nehmen, aber Paulus weiß, dass Gott der Herr über sein Leben
verfügt. Er will nur sich führen lassen. Er möchte die Stimme Gottes
vernehmen und da muss er das Schwere in seinem Leben auch unter die Füße
kriegen und nach diesem Fußmarsch nach Assus, nach diesen 35 Kilometer
Wanderung hat er den Frieden Gottes wieder. Suchen Sie solche stillen
Zeiten in ihrem Leben. Und selbst wenn einer gelähmt in seinem Bett liegt,
Zeiten der Ruhe und der Erquickung, wo Gott wieder redet und Kraft gibt für
die Wegstrecke, die vor einem liegt. Paulus war ja wenig später mit den
Ältesten von Ephesus in Milet zusammen getroffen und da passiert etwas, was
wir so gar nicht verstehen. Da heult Paulus plötzlich los und hängt sich an
den Hals dieser Ältesten. Und wir spüren, dieser Paulus war ein Mensch von
Fleisch und Blut. Der Abschied fällt ihm unheimlich schwer. Nicht nur die
Gefangenenzeit, dass er da eingekerkert ist, über Monat hinweg, sondern
dass er sie nicht mehr sehen wird, seine Freunde. Trophimus und Euchynus
und wie sie alle hießen. In Galatien, das ist ja dieses Gebiet, da hatte er
so viele Gemeinden. Wie gerne wäre er überall noch vorbei gegangen und er
muss weiter ziehen und da ist sein Herz aufgewühlt. Aber in diesem
Fußmarsch kriegt er wieder neuen Mut auch einen unbequemen Weg zu gehen.
Sehen Sie, wie Christen Urlaub machen, das ist anders als andere. Da lässt
man sich wieder neu senden. Da nimmt man auch eine schwere Lebensführung
gerne wieder auf sich und dann geht man seinen Weg fröhlich mit Gott unter
seinem vollen Segen. Und als Paulus in Assus wieder auf seine Begleiter
trifft, da wird nicht mehr viel gesprochen, von dem, was sein Herz bewegt.
Wir brauchen auch nicht jedem alles offenbaren. Der Herr weiß es. Und da
ist er erquickt. Ist Ihnen nicht aufgefallen, dass Paulus auf die Nachtruhe
verzichtet hat? Offenbar hat er diesen Fußmarsch angeschlossen an die
Nachtpredigt von Troas. Man kann ruhig hier und da einmal auf die Nachtruhe
verzichten, nicht aber auf die Stille vor Gott. Nicht aber auf das Reden
Gottes. Nicht aber auf das neue Zurechtbringen. Sie brauchen das. Ich
wollte Ihnen das heute mahnend zusagen. Es ist richtig, wenn man sagt: "Ich
möchte einmal Abstand kriegen, ich möchte einmal zu mir kommen. Aber Sie
können nur zu sich selber kommen, wenn Sie wieder Zuflucht finden unter den
ewigen Armen Gottes. Und Paulus weiß: "Mein Leben ist begrenzt, zeitlich."
Hoffentlich halten Sie nichts von diesen merkwürdigen Urlaubsträumen, von
diesen völlig wirklichkeitsfernen Träumen, wo man das Paradies erwartet, da
wo man hin kommt. Ach nein. Nehmen wir das Geschenk einer freien Zeit,
eines Abstands doch um neu zu entdecken, eine Station auf meinem Leben,
eine Station, wo ich wieder neu ordnen kann und weiß mein Leben ist ein
Wandern zur großen Ewigkeit. Ich will meine Wegstrecke fröhlich ziehen,
wenn nur jedes Stück meines Lebens Frucht bringt für Gott. Jetzt ist es
interessant, dass die Bibel nie extreme Positionen zeichnet. Da ist es
nicht: "Nur in die Stille und weg von den Menschen." Und die anderen sagen:
"Nur nicht in die Stille, immer nur zu den Menschen." Sondern alles zu
seiner Zeit. Der Urlaub zu seiner Zeit, die Arbeit zu ihrer Zeit. Und da
ist jede Wegstrecke das, was Gott mir darin schenken kann. Ich wünsche
Ihnen eine gesegnete, reiche Urlaubszeit.
Amen.

