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Gefühle - zerstörerische Verachtung

Psalm 31,12-1415.11.2015
Serie•Teil 10 / 16(Negative) Gefühle
Spott trifft tiefer, als viele denken: Er isoliert, macht dich klein und frisst sich ins Selbstbild. Die Frage ist, wie du damit umgehst – als Opfer oder selbst als Teil des Problems.

Ein persönlicher Ausgangspunkt

Thema heute wird sein: Ich werde das gleich merken. Verachtung also, richtig negativ. Und ich dachte, ich fange einfach mal mit meiner eigenen Geschichte an.
Ich bin nach der Scheidung meiner Eltern bei meinen Grosseltern gross geworden, in einem kleinen Dorf in Franken, das ist in Nordbayern. 1979 ist mein Grossvater gestorben. Das war für meine Grossmutter der Startpunkt, sich dem Alkohol zu ergeben. Ich habe dann, weil das einfach nicht mehr ging, als Teenager bei einer Mutter oder Grossmutter zu leben, die trinkt, meinen Vater angerufen. Der hat mich zu sich genommen.
Ihr müsst euch vorstellen: Der Jahreswechsel 1979 hiess für mich, aus einem kleinen Dorf in Nordbayern, wo man auf das städtische Gymnasium in der Nachbarstadt ging, der Wechsel nach Frankfurt am Main auf eine katholische Privatschule für Jungs aus besserem Elternhaus. Mein Vater hat sich da etwas ganz Tolles gedacht, dass er mich dahin steckt. Es war aber, wie ihr euch vorstellen könnt, eine herbe Erfahrung. Es hat genau eine Woche gedauert, dann hatte ich meinen Spitznamen weg. Ich war der Bayer.
Und ich weiss nicht, ob du das kennst: wenn man so eine Gruppe sieht, die hinter deinem Rücken tuschelt und dann plötzlich loslacht, und du weisst, sie haben über dich gelacht. Wenn du der bist, der nicht in ist, über den man spottet, auf dessen Kosten man Scherze macht. Du bist der kleine Dicke. Also, ich war wirklich damals klein und dick. Ich bin innerhalb von zwei Jahren zwanzig Zentimeter gewachsen, das war gut. Aber als ich da ankam, war ich der kleine Dicke und stand so in der Hackordnung noch unter dem Klassenclown.
Ich weiss, wie sich das anfühlt. Ich weiss, dass Verachtung und Spott meiner Mitschüler mich geprägt haben. Ich will mal sagen: Mein Glück war, das ist natürlich alles kein Glück, aber in dieser Situation empfinde ich es doch als Glück, dass mein Leben davor schon kein Zuckerschlecken war. Und deswegen habe ich auf Verachtung einfach mit Ehrgeiz reagiert.
Das heisst, ich habe mich entschieden: Okay, ich werde nicht am Spott der Menschen zerbrechen. Und das kann Spott machen. Verachtung hat das Potenzial, dich kaputt zu machen. Ich werde diesem Typen auch nicht die Kontrolle über mein Leben geben. Ich werde nicht mit den Wölfen heulen, sondern ich will alles daransetzen, mein eigenes Leben zu leben.
Ehrgeiz hat mich herausgefordert. Und so blöd das klingt, mein einziges Abi ist wahrscheinlich auch die Folge dieser Situation. Einfach zu sagen: Freunde, wisst ihr was? Ihr werdet mich nicht unterkriegen.
Aber nicht jeder muss so auf Verachtung reagieren. Ein anderer will einfach nur in sein, ein anderer zieht sich einfach nur zurück, ein anderer wird vielleicht depressiv, ein anderer kriegt einen Knacks fürs Leben. Vielleicht habe ich den auch.
Warum ist Verachtung so wirkungsvoll? Warum verletzt es uns eigentlich so sehr, wenn man über uns lacht, wenn man uns verhöhnt, wenn wir plötzlich zum Gespött der Leute werden? Ich glaube, das ist gar nicht so schwer zu verstehen, die Frage, oder? Warum Verachtung einfach so eine gemeine Sache ist.
Ich glaube, jeder von euch hat das schon erlebt, oder? Wenn man mal so die Augen schliesst und einfach mal überlegt: Wann hat mich jemand mal verachtet? Wann bin ich mal in der Situation gewesen, dass ich so richtig eine reingewürgt bekommen habe? Das tut heute noch weh. Selbst wenn das zwanzig, dreissig, vierzig Jahre lang her ist.

Warum Spott so tief trifft

Verachtung ist deshalb so wirkungsvoll, weil in uns der Wunsch steckt, und er ist gerechtfertigt, geliebt zu werden und Bedeutung zu haben. Genau an dieser Stelle greift Verachtung an.
Was wollten mir meine Klassenkameraden eigentlich zu verstehen geben? Sie wollten mir zu verstehen geben: Jürgen, wir wollen dich nicht, wir brauchen dich nicht, hau einfach ab! Und wenn du das nicht willst, dann unterwirf dich, werde einer von uns, oder du erlebst Tag für Tag, was es heißt, am Pranger zu stehen.
Verachtung ist deshalb so wirkungsvoll, und ich werde drei Dinge skizzieren. Die erste Sache ist: Verachtung isoliert Menschen, indem ich einen anderen als nicht mehr liebenswert abstemple, indem ich ihm sage: Du bist eine Lachnummer. Wir würden schon dein Freund sein? Nein, gar keiner! Und wenn man sich einmal anschaut, wie sich Opfer von Verachtung fühlen, dann stellt man fest: Sie fühlen sich eigentlich immer isoliert, immer allein.
Ich zeige euch das mal in der Bibel. Das ist ja nun kein Phänomen, das die Bibel nicht irgendwo auch aufgreift. Da heißt es in Psalm 31, da ist einer, der verachtet wird, und achtet mal darauf, wie er diesen Moment der Isolation, des Alleinseins beschreibt. Psalm 31, die Verse 12 und 13 und dann Vers 14. Da heißt es in Psalm 31,12: Vor allen meinen Bedrängern bin ich zum Hohn geworden. Das ist dieser Moment: Hohn, Spott, Verachtung, das ist so ein Thema. Vor allen meinen Bedrängern bin ich zum Hohn geworden, auch meinen Nachbarn gar sehr und zum Schrecken meinen Bekannten. Die mich auf der Straße sehen, fliehen vor mir. In Vergessenheit bin ich geraten, aus dem Herzen fort wie ein Toter, wie ein verloren gegangenes Gefäß. Denn ich höre das Tuscheln vieler, Schrecken ringsum. Indem sie sich miteinander gegen mich zusammentun, sinnen sie darauf, mir das Leben zu nehmen.
Ja, die einen, Vers 12, die lachen über ihn. Die anderen hauen ab, weil sie nicht mit ihm zusammen gesehen werden wollen, Vers 13. Alle haben ihn irgendwie vergessen, und was dann übrig bleibt, das ist Tuscheln. Das ist es, was Verachtung macht. Sie zieht so eine unsichtbare Linie. Dort sind die, die lachen. Kurz hinter der Linie sind die, die zwar nicht mitlachen, die sich aber auch nicht trauen, sich auf meine Seite zu stellen. Und hier stehe ich ganz allein.
Das macht Verachtung. Hier stehe ich ganz allein, der, den keiner braucht und den keiner mag. Das Schlimme an Verachtung ist: Es bleibt nicht an dieser Stelle stehen. Verachtung geht noch viel weiter. Und deswegen ein zweiter Punkt, warum Verachtung so wirkungsvoll ist.

Wie Verachtung das Innere angreift

Verachtung schürt nämlich Selbstzweifel. Das, was die Jungs mir in der Klasse sagen, ist nicht weg, wenn ich nach Hause komme. Es heilt einfach immer noch nach. Die Worte, mit denen man versucht, mich fertigzumachen, sind zwar akustisch schon lange verklungen, aber ich höre sie immer noch in meinem Inneren. Sie verfolgen mich.
Und dann taucht irgendwie noch eine zweite Frage auf. Die Frage lautet: Warum werde ich diese Worte eigentlich nicht los? Ja, Verachtung schürt Selbstzweifel. Was ist eigentlich mit mir los, dass so ein bisschen Spott mir so zusetzt? Kann es nur möglich sein, dass an diesen hässlichen Bemerkungen, die mich verletzen, etwas Wahres dran ist? Bin ich vielleicht wirklich so dumm oder so hässlich oder so wenig liebenswert, wie sie das sagen?
Bin ich vielleicht einfach nur naiv, wenn ich mir wünsche, dass man mich mag, wie ich bin? Wenn ich mir wünsche, dass man das Gute in mir erkennt, dass man sieht, was ich einer Beziehung zu geben habe, auch wenn ich nicht perfekt bin? Sollte ich vielleicht einfach akzeptieren, dass mich keiner mag? Oder schlimmer noch: Sollte ich vielleicht einfach die Seiten wechseln, tun, was sie sagen, damit ich meine Ruhe habe?
Arrogante Menschen benutzen Verachtung ganz gezielt, um Schwächere zu manipulieren. Du bist es nicht wert, geliebt oder gesehen zu werden. Aber ha ha, wenn du meiner Clique angehörst, wenn du auf meiner Seite stehst, wenn du mit mir heulst, dann bist du sicher. Und das funktioniert nur, wenn vorher in meinem Herzen dieser Selbstzweifel geschürt wurde, der mir einreden will: Du bist es nicht wert, du selbst zu sein.
Verachtung isoliert. Verachtung manipuliert. Und dann redet sie uns ein, und das möchte ich euch auch in der Bibel zeigen, dass wir nicht mehr sind als ein schlechter Scherz. Psalm 22. Hört euch das an. Ihr kennt den Psalm, weil er beschreibt, wie sich Jesus am Kreuz gefühlt hat. Ihr könnt euch vorstellen, wie viel Verachtung Jesus entgegengeschlagen ist, als er am Kreuz hing. Und da beschreibt der Psalmist in den Versen sieben und acht, wie er sich im Angesicht von massiver Verachtung, Spott und Demütigung fühlt. Er sagt: Ich aber, Psalm 22,7-8, ich aber bin ein Wurm und kein Mensch, ein Spott der Leute und verachtet vom Volk. Alle, die mich sehen, spotten über mich, sie verziehen die Lippen, schütteln den Kopf.
Man liest ja vielleicht schnell darüber hinweg, aber das, was der Psalmist eigentlich sagen will, ist: Unter dem Druck der Verachtung fühle ich mich schon gar nicht mehr wie ein Mensch. Ich fühle mich wie ein Wurm. Und wenn Verachtung an der Stelle angekommen ist, dass ich mich gar nicht mehr als Mensch fühle, wenn quasi alle menschliche Würde weg ist, die Würde, die Gott mir gegeben hat, weil ich Krone der Schöpfung bin, dann hat Verachtung gewonnen.

Würde, Gottesbild und geistlicher Kampf

Deswegen möchte ich Verachtung heute einmal definieren, und zwar vielleicht ein Stück anders, als ihr es bislang gehört habt. Ich möchte sagen: Verachtung ist ein Angriff auf die Herrlichkeit, auf die Majestät, auf das Wunder und auf die Gottesebenbildlichkeit, die Gott in die Menschen hineingelegt hat.
Ich sage das noch einmal: Jedes Mal, wenn Menschen verachtet werden, wenn andere Menschen verachten, ist das ein Angriff auf die Herrlichkeit, auf die Majestät, auf das Wunder und auf die Gottesebenbildlichkeit, die Gott selbst in die anderen hineingelegt hat.
Woher haben wir Würde als Menschen, und was für eine Würde haben wir? Ich weiß nicht, ob du das verstehst, aber deine Würde, die du als Mensch hast, ist eine Reflexion der Herrlichkeit Gottes. Wenn wir anfangen, den Menschen in seiner Einzigartigkeit als Krone der Schöpfung zu feiern, wenn wir uns an der Herrlichkeit freuen, die Gott in uns hineingelegt hat, wenn wir uns das gegenseitig zusprechen, dass wir Wunder sind, dann möchte ich das von hier vorne sagen: Du bist ein Wunder. Du bist wunderbar gemacht.
Wenn wir das tun, wenn wir die Herrlichkeit feiern, die Gott uns gegeben hat, wenn wir das Wunder feiern, das Gott in uns hineingelegt hat, wenn wir einander zusprechen und einander sagen, dass wir das sind, dann passiert etwas in unseren Herzen. Wisst ihr, wann immer wir einander sagen, dass wir großartig sind, weil Gott uns großartig gemacht hat, weil unsere Identität in Christus eine großartige Identität ist, einfach weil wir nach Gott geschaffen sind, wann immer wir das einander sagen, passiert etwas in unseren Herzen.
Unser Herz möchte sich in diesem Moment fast automatisch vor Gott beugen und ihm dienen. Ich kann dich nicht in deiner Herrlichkeit feiern, in dem, was Gott dir gegeben hat, ohne dass dein Herz sich wünscht, dieses Lob und diesen Dank zu nehmen und gleich wieder zu dem zu bringen, der dich großartig gemacht hat. Ich kann Markus mit seinem Eifer für Türken nicht feiern und sagen, was er mir für ein Vorbild ist und wie ich sein Ausharren einfach begeisternd finde, ohne dass in seinem Herzen etwas anfängt zu sagen: Ja, stimmt, das habe ich vielleicht nicht mehr so gesehen, vielleicht ist mir das ein bisschen aus dem Blick geraten. Aber mit dieser Haltung möchte ich jetzt zu Gott kommen und ihn feiern für das, was er in mir ist. Denn wir sind das ja nie selber.
Also, wenn wir einander von dem Wunder berichten, das wir in dem anderen sehen, dann machen wir uns ja nur klar, dass das etwas von Gottes Herrlichkeit ist, die sich in uns widerspiegelt. Wir zeigen dem anderen ja nur, wo unsere Gottesebenbildlichkeit steckt. Und immer wenn das passiert, führt uns das eigentlich direkt in die Anbetung. Wer das Wunder seiner eigenen Existenz und wer die Herrlichkeit des Menschen feiert, der feiert Gottes Herrlichkeit, die Herrlichkeit Gottes, wie sie sich in ihm und durch ihn offenbart.
Und wisst ihr, wenn es eine Sache gibt, die der Teufel hasst, dann das. Der Teufel, was liebt der Teufel? Habt ihr euch mal Gedanken gemacht, was der Teufel mag, also womit man ihm an Nikolaus eine Freude machen könnte? Der Teufel liebt es, Menschen runterzuputzen, Menschen in ein schlechtes Licht zu rücken. Deswegen hat er auch diesen Namen: Verkläger, Offenbarung 12,20.
Was macht denn ein Verkläger? Ein Verkläger ist einer, der immer auf die Schwachstellen von anderen hinweist. So nach dem Motto: Hast du schon gesehen, was der wieder gemacht hat? Das ist einer, der auf Fehler hinweist, auf Sünden hinweist, der uns damit konfrontiert, der uns demoralisieren möchte, der uns entmutigen möchte. Dazu ist dem Teufel jedes Mittel recht, und Verachtung ist einfach nur ein extrem wirkungsvolles. Verachtung greift uns da an, wo jemand uns sagt: Du hast keine Würde.
Und Gott möchte eigentlich, dass wir genau das Gegenteil glauben. Dass wir glauben, dass unsere Würde von ihm kommt, dass wir letztlich Spiegel seiner Herrlichkeit sind. Und diesen Spiegel, den möchte der Teufel mit Verachtung ausknipsen. Also: Verachtung ist böse.

Wenn Verachtung aus uns selbst spricht

Okay, haben wir. Traurigerweise ist das bei der Verachtung aber so, dass wir nicht immer nur Opfer sind.
Ja, ich habe euch jetzt ein bisschen auf die Opferschiene geführt mit meiner rührseligen Geschichte, und jetzt denkt ihr vielleicht: Oh ja, stimmt, hat Recht, ist mir auch schon passiert. Hm ja, und dann habt ihr wahrscheinlich irgendeinen Buddy, der euch mal geärgert hat in der Schule, oder irgendjemandem, der irgendwie, fällt einem hier schon was ein.
Das Problem ist: Wir sind nicht immer nur Opfer. Wir sind manchmal bei diesem Thema auch Täter, sprich Handlanger des Teufels. Und das heißt nicht, dass du jetzt überlegen musst: Wann habe ich das letzte Mal jemanden mit beißendem Spott und Hohn überschüttet? Das fängt kleiner an. Es gibt so die Embryonalphase der Verachtung, so die kleinen Niedlichen mit den großen Augen, wo du gar nicht so denkst, dass da so viel Böses dahinter steckt.
Und ich zeige euch mal vier Bereiche im Leben, wo sich so ein ganz normaler christlicher Alltag ein Stückchen Verachtung verstecken kann.
Ich sage mal Punkt eins: Verachtung getarnt als Tratsch.
Tratsch, kennt ihr das Wort, oder? Tratsch, Klatsch, das biblische Wort dafür heißt Lästerei. Wer lästert, redet über andere. Und natürlich geht es beim Lästern nicht darum, dass ich die Stärken des anderen feiere, dass ich allen erzähle, was für tolle Taten der tut, damit wir uns alle an ihm ein Vorbild nehmen können. Beim Lästern geht es darum, dass wir so die schmutzigen kleinen Details im Leben von anderen, den Kummer, ihr Versagen, die Dinge, für die sie sich schämen sollten, dass wir die herausholen und anderen weitergeben.
Und dabei, das muss immer noch ein bisschen mitkommen, klopfen wir uns selbstgerecht auf die Schulter und denken, wie toll es doch ist, dass wir nicht so sind. Das ist Lästerei. Ich schaue mir an, was im Leben des Anderen schlecht läuft, und ich berede das mit anderen.
Gott hasst Lästerei, habt ihr euch wahrscheinlich schon gedacht. Und weil man das so selten vorliest: 1. Korinther 5,11, es ist ein Ausschlussgrund. Also jemand, der permanent über andere Leute schlecht redet, der soll eigentlich aus der Gemeinde ausgeschlossen werden. Macht keiner, keine Frage. Aber es ist trotzdem schön, das immer mal wieder zu betonen, um einfach nur zu zeigen, wie grob die Sache vor Gott ist.
Es geht eben nicht nur darum, zu sagen: Ja, ich tue mir da auch manchmal schwer, im Gespräch über andere immer objektiv zu bleiben, ja, und manchmal passiert da schon, dass man mal eine Sache sagt, die den anderen vielleicht nicht immer nur in ein gutes Licht rückt. Vorsicht!
Die Bibel sagt in 1. Korinther 5,11: Nun aber habe ich euch geschrieben, keinen Umgang zu haben, wenn jemand, der Bruder genannt wird – also wenn jemand sich hinstellt, sagt: Ich bin Christ – und dann kommt die ganze Latte: ein Unzüchtiger ist oder ein Habsüchtiger oder ein Götzendiener oder ein Lästerer. Also ob du fremdgehst, ob du Geschwister finanziell ausnutzt, ob du zu Hause deine kleine Buddha-Statue hast, wo du deinen Parallelgottesdienst machst, oder ob du ein Lästerer bist: Das ist alles auf einer Ebene. So grob sieht Gott das.
Deswegen müssen wir als Christen tatsächlich darauf achten, dass wir Tratsch vermeiden.
Wie macht man das? Ein einfaches Prinzip, was mir hilft, weil ich das durchaus auch kenne. Ich weiß genau, wovon ich hier rede. Wisst ihr, wie es in den Sprüchen heißt? Sprüche 18,8, da wird Tratsch und Klatsch verglichen mit Leckerbissen. Also da heißt es: Sprüche 18,8. Die Worte des Ohrenbläsers und der Ohrenbläserin – das ist ein Wort, das man selten hört, also der Ohrenbläser, das wäre die Tratschtante, das Klatschmaul, die Lästerbacke, das ist der Ohrenbläser.
Warum Ohrenbläser? Es ist halt dieses, man macht das ja manchmal so ein bisschen heimlich, und dann hast du schon gehört, was der und der gemacht hat. Man geht ganz nah ans Ohr ran und man wispert so ins Ohr hinein, und aus dieser Geste heraus kommt dieses Wort Ohrenbläser.
Der Ohrenbläser, was der sagt, das sind wie Leckerbissen. Das hört man so gerne! Wenn dir jemand einen Vortrag hält über die Disziplin des Betens, dann denkst du dir: Boah ey. Aber wenn dir jemand sagt, was Schwester XY gestern Nacht wieder gemacht hat, ja, lass hören, wie Leckerbissen gleitet das hinab in die Kammern des Leibes!
Du hast vielleicht schon lange vergessen, was der Prediger letzte Woche gesagt hat. Da weißt du noch, was Prinz Charles vor 15 Jahren irgendwo angestellt hat, und das hast du nur beim Zahnarzt in der Gala kurz gelesen. Aber es glitt hinab in die Kammern des Leibes und bleibt da und liegt da gut, weil es einfach so nett ist.
Und deswegen, weil ich das auch kenne, dass man manchmal an Dingen Interesse hat, die einen eigentlich gar nichts angehen und die zutiefst, wenn man das mal durchdenkt, ja nichts mit Wertschätzung und Würde für den anderen zu tun haben – noch nicht mal das mit Prinz Charles. Ich will das ja nicht wissen, um ihn danach zu feiern, um besser für ihn beten zu können oder so, sondern das ist einfach nur noch so ein Punkt in meiner grundsätzlichen Abneigung gegen Leute aus königlichem Geschlecht. Ja, keine Ahnung.
Deswegen ein einfaches Prinzip, nur hier kurz eingestreut: Rede über eine abwesende Person so, wie du auch reden würdest, wenn sie anwesend wäre.
Das ist immer so ein Trick, und fang da mal mindestens an. Stell dir einfach vor, während du über sie redest, sie sitzt nebendran. Wenn du dann noch lästerst, dann würde ich sagen: Such dir einen guten Seelsorger. Denn wenn du dich das wirklich traust, schlecht über jemanden zu reden, während er dabei sitzt, dann hast du so ein ganz grundsätzliches Problem. Da würde ich dann die Frage stellen: Hast du wirklich ein neues Herz? Weil irgendwo muss auch mal schlechtes Gewissen anfangen.
Es gibt noch Epheser 4,29, da heißt es: Kein faules Wort komme aus eurem Mund, sondern nur eines, das gut ist, zur notwendigen Erbauung, damit es den Hörenden Gnade gebe.
Ja, also, du kannst dir immer mal fragen: Ist das, was ich sage, nicht gerade gut? Muss ich das jetzt wirklich sagen? Ist das notwendig? Und wenn ich das sage, gibt das dem, der mich hört, eigentlich irgendwas Gutes?
Also: Tratsch als eine Verachtung, die sich tarnt.

Weitere Masken der Geringschätzung

Zweiter Punkt: Auch so etwas kann man im Leben von Christen immer wieder sehen: Verachtung steckt hinter Angeberei.
Ein Angeber ist im Grunde immer jemand, der andere Menschen verachtet. Das muss er auch sein, denn seine ganze Angeberei zielt auf eine Sache ab. Er möchte sagen: Schau her, wie toll ich bin. Schau dir an, was für ein Auto ich fahre, wie viel Geld ich verdiene, wie hübsch meine Freundin ist. Oder, etwas geistlicher: wie viele Menschen sich schon durch mich bekehrt haben. Wo ich in Urlaub hinfahre, was ich mir für Gadgets und Klamotten leisten kann, wie viel ich in der Gemeinde mitarbeite. Schau her, was ich weiß, was ich leiste, wen ich kenne, schau her, was andere für mich tun.
Merkt ihr, worum es geht? Es geht immer darum, dass der Angeber sagen will: Schau her, ich möchte das Zentrum der Aufmerksamkeit werden. Ich möchte, dass sich der ganze Kosmos um mich dreht. Das möchte ich.
Und diese ganze grundsätzliche Haltung funktioniert nur, wenn ich andere verachte. Du kannst also nicht in Selbstbeweihräucherung, Imponiergehabe und Prahlerei schwelgen, ohne dass du gleichzeitig dich für den Größten hältst. Und wenn du das tust, garantiere ich dir: Du verachtest den Rest. Deshalb steckt dort, wo sich Angeberei in unserem Leben findet, immer auch ein bisschen Verachtung dahinter. Man merkt es vielleicht gar nicht so deutlich, aber sie ist da.
Noch so ein Punkt, den ich total fies finde. Da merke ich: Das ist etwas, es gibt ja im geistlichen Leben so Herausforderungen, vor denen man steht und sich denkt: Da bin ich echt noch ganz schön am Anfang. Und hier ist so eine Herausforderung, bei der ich mich selber immer wieder ertappe, wie ich mit Vollgas hineinbrettere.
Verachtung als Begleiter von Kritik.
Kritik ist das, was man sagt, wenn man einem anderen mitteilen möchte, dass er etwas falsch gemacht hat. Aber ist dir schon mal aufgefallen, dass sehr, sehr viel Kritik, die man so von sich gibt, immer ein bisschen nach Verachtung riecht? Also nicht so stark, dass man es sofort merken würde.
Da sagt die Frau zum Mann: Warum hast du den Müll nicht rausgebracht? Du warst doch vorhin am Auto.
Was hört der Mann? Na ja: Du Dummkopf, du hast doch gesehen, dass der Müll raus muss, oder? Du bist echt kein bisschen effizient. Oder willst du wirklich, dass ich noch mehr Arbeit habe? Du könntest echt mehr mitdenken.
Das hat sie vielleicht nicht so gemeint. Oder vielleicht nur zu fünf Prozent so gemeint. Vielleicht wollte sie, nachdem sie schon verletzt war, weil er den Müll nicht rausgebracht hat, jetzt nicht noch verletzlicher werden. Stattdessen hätte sie einfach nüchtern sagen können: Hey, ich hätte mir gewünscht, dass du den Müll rausbringst. Du würdest mir echt eine Freude machen, wenn du es vielleicht bis zum Abendbrot noch machst.
Das wäre gewaltfrei, ganz nett formuliert, so dass jeder sagen kann: Hey, super, wegoffen, ja. Gerade für Männer ist das wichtig, dass man nicht sagt: Du machst das jetzt, sondern dass man sagt: Hey, das würde ich mir so und so wünschen. Und dann können Männer Ritter sein und den Müll rausbringen, und alles ist gut.
Aber nein, so formuliere ich das nicht. Ich sage: Warum hast du den Müll nicht rausgebracht, du warst doch vorhin am Auto, ha?
Und es schwingt so ein ganz kleines bisschen mit: Du Dödel, du ineffizienter Dummkopf, der mir einfach noch mehr Mühe macht. Siehst du nicht, wie es mir geht? Das schwingt einfach so ein bisschen mit, nicht so, dass man es greifen könnte.
Also versuch mal, mit deiner Frau darüber zu reden, dass das vielleicht ein bisschen zu scharf war. Das ist total schwierig. Es ist nur so, dass da etwas mitschwingt. Das ist so ein, wie würden die Schwaben sagen, ein Geschmäckle.
Das ist nicht ausgewachsene Verachtung, aber doch schon ein bisschen.
Also, Hand aufs Herz: Wer hat sich wiedererkannt? Genau.
Und jetzt stellt euch mal vor: Wenn ich bei fremden Fehlern schon zur Verachtung neige, wie viel mehr dann, wenn es um meine eigenen Fehler geht? Wie viel mehr wird sich dieses Konzept zeigen, wenn ich mich dabei ertappe, dass ich einen Fehler mache? Deshalb findet sich Verachtung auch öfter, als uns lieb ist, dort, wo wir mit unseren eigenen Fehlern umgehen.
Das wäre eigentlich ein Thema, über das man eine ganze Predigt halten könnte: Wie gehen wir mit unseren Fehlern um? Ich will nur einen Aspekt herausgreifen, wo es so offensichtlich wird.
Was machst du, wenn du dich dabei ertappst oder wenn du von einem anderen dabei ertappt wirst, dass du etwas krass falsch gemacht hast?
Eine Sache, die immer wieder gerne passiert, und jetzt beneide ich unsere Englischsprechenden: Es gibt nämlich kein deutsches Wort für das, was da passiert. Deswegen muss ich jetzt ein englisches Wort nehmen, um ein Konzept zu erklären. Das Konzept, das man sehr gerne macht, wenn man selber einen Fehler macht und dabei ertappt wird, ist Blameshifting.
Blameshifting. Es gibt kein deutsches Wort dafür. Wenn man es übersetzen würde, müsste man es mit „anderen die Schuld in die Schuhe schieben“ übersetzen. Ihr merkt: Das ist ein Wort mit, ich weiß nicht wie vielen Wörtern und Bindestrichen. Wenn man es im Deutschen schreibt, ist es: anderen die Schuld in die Schuhe schieben. Ganz schön lang. Die Engländer machen das kürzer: Blame shifting. Ja, blame = Schuld, to shift = schieben. Blameshifting. Ganz super.
Ja, das ist so eine Sache, die passiert. Ich bin schuld an einer Sache, jemand ertappt mich dabei, und statt einfach zu sagen: Okay, Mann, ich, Bobbo in Hose, ich war’s, das wäre eine Option, zu sagen: Ja, hast mich dabei ertappt, ich war schuld. Stimmt. Was soll ich machen? Kann nichts dran drehen. Hier stehe ich. Punkt. Hast recht. Was soll ich tun?
Statt das zu tun, fangen wir an zu schauen: Wen gibt es denn noch? Wer ist denn noch Mitspieler in diesem Spiel? Und wir finden jemanden, der auch schuld sein könnte. Und bevor wir darauf hinweisen, dass durchaus Schuld an unseren Händen klebt, verweisen wir auf die Schuld, die an anderen Händen klebt.
Ein wirklich klassisches Beispiel. Man muss es nur bringen, weil es an dieser Stelle einfach so schön ist: der Sündenfall.
Gott kommt in den Garten. Und er hat ja da einen Chef eingesetzt, das ist der Adam. Und er fragt Adam: Du sag mal, nach dem Sündenfall, was ist eigentlich los bei euch? Ihr verhaltet euch so ein bisschen komisch.
Und was macht Adam? Also ich sage, was er nicht macht. Was er nicht macht, ist: Er stellt sich hin und sagt: Wir haben gesündigt. Ich trage die Verantwortung. Haupt der Familie, hier stehe ich. Wie geht es jetzt weiter?
Oh, das wäre cool, oder?
Also, wir hören das mal aus 1. Mose 3,12. Und du musst die Verachtung merken, dass er einfach andere Menschen nimmt und für seine Schuld instrumentalisiert. Er benutzt sie einfach als Blitzableiter für seine eigene Frustration. Schlag nicht mich, schlag die. Und wo er anfängt, ist der Hammer.
 1. Mose 3,12: Die Antwort. Also fragt Gott in Vers 11: Wer hat dir erzählt, dass du nackt bist? Hast du etwa von dem Baum gegessen, von dem ich dir geboten habe, du solltest nicht davon essen?
Vers 12: Da sagte der Mensch, Adam: Die Frau, die du mir gegeben hast.
Cool, oder? Die Frau, die du mir zur Seite gegeben hast, sie gab mir von dem Baum, und ich aß.
Also schauen wir uns die Reihenfolge an. Erstens: Gott, du bist selber schuld, denn du hast dich entschieden, mir diese Frau zu geben. Fangen wir mal bei den wirklich problematischen Leuten hier in der ganzen Geschichte an.
Zweitens: Die Frau gab mir. Du weißt ja, wie das ist in der Ehe: Wenn sie dir etwas gibt, da kannst du nicht Nein sagen. Ich meine, das geht einfach nicht. Du musst ja irgendwie auch sehen, wie du mit dir klarkommst im Paradies.
Und drittens: Man kann es ja nicht ganz wegstreichen. Okay, zugegebenermaßen, ich habe gegessen.
Das ist klassisch Blameshifting. Weißt du was? Gott, du bist schuld. Die Frau ist schuld. Und wenn da noch irgendwelche Schuld übrig bleibt, so das letzte Furzchen, das bin ich.
Blameshifting. Eine Form davon, statt über meine Fehler zu trauern, mich meinem Versagen wie ein Mann zu stellen, missbrauche ich die Fehler von anderen, die auch passiert sind, oder das, was ich nicht verstehe. Oder ich schiebe ihnen gleich noch die Fehler zu. In meinem Verhältnis zu Gott: Gott, du bist schuld. Ich benutze andere Menschen, um von mir selber abzulenken.
Auch das ist eine Form von Verachtung.

Der Weg aus der Verachtung

Ich fasse mal kurz zusammen. Ich habe gesagt: Verachtung wirkt so brutal, weil sie uns isoliert, sie schürt Selbstzweifel, sie raubt uns die Würde. Sie ist ein direkter Angriff auf Gottes Herrlichkeit, wie wir sie als die Krone der Schöpfung widerspiegeln. Verachtung will uns einreden, dass wir nichts wert sind, mindestens nicht es wert sind, geliebt zu werden, dass keiner uns will, keiner uns braucht.
Frage: Jetzt kommen wir zum Anwendungsteil der Predigt. Das war eben schon ein bisschen Anwendung, ich will noch ein bisschen weitergehen. Was mache ich, wenn ich feststelle, dass ich arrogant bin? Das kann ja passieren. Stell dir vor, du gehst beten im Wald, hast deine Zeit mit Gott und stellst Gott die Frage: Wer bin ich eigentlich? Was möchtest du mir zeigen? Wo in meinem Leben sind noch Schwachstellen? Stell dir vor, Gott würde sagen: Du bist arrogant. Du hältst dich für den Größten. Du glaubst, so alleine durchzukommen, unabhängig zu sein. Schau dir mal an, wie oft du über andere Leute schlecht denkst. Schau dir mal an, wie leicht es dir fällt, in jedem anderen Leben alles zu finden, was da nicht stimmt, was da nicht reingehört, was da sündig ist, was da verquer ist, was da dumm ist. Machst du das eigentlich bei dir selber auch? Bist du da genauso, hinterher zu finden, all das, was kleinlich, verkehrt, dumm, sündig ist? Weißt du was? Du bist arrogant.
Nehmen wir an, Gott hätte uns das gesagt. Oder nehmen wir an, du sitzt jetzt hier und hast dieses unangenehme Gefühl, dass der Heilige Geist dir sagt: Gib mir heute Nachmittag noch mal eine halbe Stunde, da müssen wir noch mal drüber reden. Das ist jetzt vielleicht ein bisschen schnell, aber gib mir heute Nachmittag noch mal eine halbe Stunde, wo wir einfach kurz drüber reden.
So, was mache ich denn dann, wenn ich dazu neige, andere Menschen zu verachten? Und ja, das fängt in Gedanken an. Und erst später kommt dann der Tratsch. Oder es kommen Formen von Desinteresse, von Respektlosigkeit, von Manipulation. Also, was muss ich tun, wenn ich merke, dass ich ein Mensch bin, der andere Menschen nicht liebt? Denn darum geht es ja eigentlich. Verachtung ist das Gegenteil von Liebe.
Die Antwort ist relativ simpel. Und ich bitte dich: Wenn du jetzt merkst, ich habe da etwas gespürt in dieser Predigt, ich bin nicht nur Opfer, ich bin manchmal Täter, dann gönne dir das, was in 1. Johannes 1,8-9 steht. Gönne dir, die Sünde zu bekennen. Wenn wir, wie heißt es da, 1. Johannes 1,8 und dann Vers 9, wenn wir sagen, dass wir keine Sünde haben, das wäre der Versuch, die Sünde unter den Teppich zu kehren. Nein, das ist schon nicht so schlimm. Doch, vielleicht ist es das. Wenn wir sagen, dass wir keine Sünde haben, betrügen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns.
Lasst es zu! Es gehört zu den Kennzeichen und zu den Privilegien des Christseins, dass wir ehrlich sein dürfen, dass wir ehrlich sein wollen, dass wir ins Licht wollen. Wenn wir sagen, dass wir keine Sünde haben, betrügen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns.
Stell dir diese Frage: Wen mag ich nicht? Bei wem merke ich, den verachte ich? Und wenn du dann Namen hast, wenn du dann Momente hast, wo du über Leute schlecht gedacht hast, wo du sie verurteilt hast, wo du dich von ihnen zurückgezogen hast, wo du schlecht über sie geredet hast oder was auch immer, dann heißt es in Vers 9: Wenn wir unsere Sünden bekennen, ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt.
Es ist ganz einfach: Wir dürfen unsere Sünden bekennen, und Gott ist treu. Gott hat einmal ein Ja und Amen zu dir gesagt, und immer wenn du als sein Kind zu ihm kommst und sagst: Herr, ich habe da ein Problem, dann wird er dir vergeben, weil er treu ist und weil er gerecht ist. Die Schuld für diese Sünde ist nämlich schon bezahlt. Die musst du nicht zahlen. Du musst dir einfach nur die Vergebung, die ganz praktische Vergebung, die Gemeinschaft mit Gott, wieder abholen. Er ist treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von jeder Ungerechtigkeit.
Also, selbst wenn du jetzt feststellen solltest: Ich traue mir das gar nicht einzugestehen, das ist ein größeres Problem, als ich das wahrhaben will. Im Grund meines Herzens bin ich einer, der immer auf andere runterschaut. Ich kann mich überhaupt nicht daran freuen, dass ein anderer etwas richtig gut kann. Ich kann gar nicht den anderen in seiner Qualität feiern. Ich habe eigentlich gar keinen Bock darauf, den anderen aufzubauen, für den anderen da zu sein. Wenn du das merkst, egal wo du da stehst, Gott möchte dir vergeben.
Und dann, wenn du das hast und wenn du einen Moment innegehalten hast am Kreuz, um dich selber trösten zu lassen, dann dürfen wir anfangen, dass wir das Böse mit dem Guten ersetzen. An der Stelle, wo sich Verachtung in unserem Leben findet, dann muss tatsächlich an die Stelle von Desinteresse und Respektlosigkeit der Wunsch treten, andere kennenzulernen, sie zu ehren.
Wenn du jemand bist, dessen Leben von Tratsch oder von Angeberei geprägt ist, dann musst du lernen, andere zu loben, wirklich aktiv auf sie zuzugehen, ihnen E-Mails zu schreiben, sie zu loben und zu erbauen. Und wenn du so bösartige Kritik von dir gibst, dann brauchst du intelligente Kritik. Ich kann das leider nicht ausführen, aber es gibt auf Frogwords einen Ehekurs. Gib einfach nur Ehekurs ein, dann kommst du auf die Seite. Das sind sieben Abende für die Liebe. Und der dritte Abend dreht sich um die Frage: Wie kritisiere ich meinen Partner, ohne dass es zum Streit kommt?
Es gibt nämlich eine intelligente Form von Kritik. Die hat damit zu tun, dass man keine Verallgemeinerungen benutzt, dass man Gefühle und Situationen beschreibt, dass man Ich-Botschaften sendet, dass man nicht erwartet, dass der Partner die Gedanken lesen kann, dass man höflich ist, dass man einen Bezug schafft zu früheren guten Erfahrungen, um einfach auch in die Kritik Mut hineinzulegen, dass man nicht herausplatzt usw. Und ich rate dir einfach: Da ist ein Vortrag über „Wie schaffe ich das als Ehepaar? Konflikte, die da sind, nicht in einem Streit eskalieren zu lassen.“ Gib dir den Vortrag. Wenn du sagst, ich weiß überhaupt nicht, wie das gehen soll, gib dir diesen Vortrag. Nutz diese Erfahrungen, die andere Leute gemacht haben, um auf eine intelligente Weise Kritik zu üben.
Und wenn du merkst, du bist einer, der zu Blameshifting neigt, dann ist die Botschaft ganz einfach: Sei ein Mann! Ganz simpel, auch wenn du Frau bist. Auch Frauen sollen ja mannhaft sein, ja, an der Stelle sei ein Mann. Steh zu deinen Fehlern. Wenn du etwas zu verantworten hast, dann sind es nicht die anderen. Die anderen können ja selber zu ihren Fehlern stehen. Wenn Adam sagt: Ich war es, kann ja danach Eva aus dem Hintergrund schreien: Ich bin da aber auch mit dabei gewesen, und ich habe das mit der Schlange und so, das war ganz doof. Und die kann ja noch was sagen danach. Aber erst mal muss jeder sich für seine Sache verantworten. Das ist das, wenn du Täter bist.

Vergebung und neue Identität

Was mache ich, wenn ich Opfer bin? Was mache ich, wenn ich verachtet werde? Zwei Dinge sind an dieser Stelle wichtig.
Punkt eins: Du musst tatsächlich vergeben, auch wenn dir das nicht leicht fällt. Ich weiß, Verachtung gehört zu den Erfahrungen, die so weh tun, dass man sich zehn, zwanzig Jahre später noch daran erinnern kann. Und trotzdem: Vergebung.
Geh in Gedanken durch dein Leben hindurch und überleg dir mal: Wer hat mir am öftesten eins, sei es verbal oder auch physisch, in die Fresse gegeben? Wer hat mir seine Achtung so richtig gezeigt? Und dann stell dir die Frage: Habe ich demjenigen tatsächlich schon vergeben? Stell dir doch mal die Frage. Auch da kann man einfach einen kleinen Spaziergang machen, Gott fragen: Hey, wen gab es da? Und es gibt immer irgendeinen Dödel in jeder Klasse, der das schafft. Hast du vergeben? Das ist die erste Frage, auch wenn es tierisch wehtut. Aber es führt bei Gott keinen Weg an Vergebung vorbei.
Und dann, wenn du das getan hast, sage ich dir: Fang an, dich nicht länger über das zu definieren, was du von anderen Menschen gesagt bekommst. Versuch dich nicht über das zu definieren, was andere Menschen in dir sehen, sondern fang an zu verstehen, wer du in Christus bist. Oder provokativ: Feiere deine gottgegebene Herrlichkeit als Kind Gottes.
Wie macht man das? Man macht das dadurch, dass man sich erst einmal vergegenwärtigt, wer man überhaupt in Christus ist. Dass ich mir erst einmal vergegenwärtige: Ich bin Kind Gottes, ich bin Tempel des Heiligen Geistes, ich bin Gottes Kunstwerk, ich bin tatsächlich gerecht, ich bin erlöst, ich bin geheiligt, ich bin sicher, ich bin Miterbe Christi. Egal, wie du jetzt da stehst, der Kosmos wird dir irgendwann gehören, jedenfalls ein Teil davon. Ich bin begabt, ich bin gewollt, ich bin berufen, ich bin erwählt. Denk über diese Begriffe nach.
Und wenn du die Bibel liest, erweitere diese Liste. Das ist nur ein Anfang gewesen. Da steht noch viel mehr, was du alles in Christus bist. Und dann, wenn du das hast, fang an, dafür zu danken in deiner Gebetszeit: Herr, ich freue mich darüber, dass ... Und dann nimm die Liste und fang an, dafür zu danken für all das, womit Gott dich beschenkt hat. Und das ist eben nicht nur ein voller Kühlschrank oder, was weiß ich, dein Lieblingsschlafanzug, sondern das ist deine ganze Art, das sind deine Talente, das ist deine Identität in Christus. Feier das!
Bring das vor Gott und sag: Vater im Himmel, ich finde es absolut faszinierend, wer ich in dir sein darf. Denn in dem Moment, wo ich das feiere, wo ich zu Gott komme und mich bei ihm für das bedanke, was er an Grandiosität in mich hineingelegt hat, in dem Moment feiere ich den Gott, der sich in mir offenbart und verherrlicht. Und darum geht es. Auf der einen Seite zu verstehen: Alles, was ich habe und alles, was ich bin und jemals haben werde und jemals sein werde, bin ich alleine durch Gott. Und ich feiere ihn nur dann, wenn ich ihm für das, was ich bin, auch danke. Und dazu muss ich verstehen, wer ich bin.
Und wenn du aus einer Kultur der Verachtung kommst, wo Leute dir nur Respektlosigkeit, Desinteresse, Tratsch, Ablehnung, wenn du immer der Einsame warst, mit dem keiner spielen wollte, der sich immer durchbeißen musste, der sich immer beweisen musste, dass er doch irgendwie es wert ist, geliebt zu werden, wie auch immer, mit welchen Tricks du das auch immer gemacht hast, womöglich jemand, der noch andere Lebensentscheidungen getroffen hat, weil er das erfahren hat, dann bitte ich dich, dass du anfängst, dich selber kennenzulernen und Gott dafür zu danken und die Identität zu entwickeln und das so lange zu machen, bis du wirklich aufrecht vor Gott stehst.
Kein Problem, ihr habt nur die letzten zwei Minuten verpasst.

Ein Ausblick auf den zweiten Teil

Letzter Punkt. Bis hierher habe ich über Verachtung nichts Gutes gesagt. Und jetzt wirst du vielleicht denken: Verachtung ist immer böse. Na, oder? Falsch!
Und jetzt wird es spannend: Gott ist ein Gott, der spottet und verachtet, jedenfalls wenn ich meine Bibel lese. Gott ist ein Gott, der spottet und verachtet.
Frage: Wie kann das sein? Hat Verachtung eine gute Seite? Und wenn du das wissen möchtest, musst du in zwei Wochen wiederkommen, denn dann gibt es Teil zwei zum Thema Gefühle: Verachtung.
Thank you, sir.

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

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