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Matthäus 25,14-30: Von den anvertrauten Talenten
Matthäus 25 Vers 14 bis 30 Von den anvertrauten Talenten
Talent, das war eine Geldeinheit, hat bei uns aus diesem Gleichnis heraus einen übertragenen Sinn bekommen. Jesus erzählt:
Gleich wie ein Mensch, der über Land zog, rief er seine Knechte und vertraute ihnen seine Habe an. Und einem gab er fünf Zentner Silber, dem anderen zwei, dem dritten einen, einem jeden nach seiner Tüchtigkeit, und zog hinweg.
Alsbald ging der hin, der die fünf Zentner empfangen hatte, und handelte mit denselben und gewann andere fünf. Desgleichen gewann auch der, der die zwei Zentner empfangen hatte, zwei andere.
Wer aber den einen empfangen hatte, ging hin und machte eine Grube in die Erde und verbarg seines Herrn Geld.
Über eine lange Zeit kam der Herr dieser Knechte und hielt Rechenschaft mit ihnen. Da trat zu ihm, der die fünf Zentner empfangen hatte, und legte andere fünf Zentner dazu und sprach: Herr, du hast mir fünf Zentner anvertraut; siehe, da habe ich damit andere fünf Zentner gewonnen.
Da sprach sein Herr zu ihm: Ei, du frommer und getreuer Knecht, du bist über wenigem getreu gewesen, ich will dich über viel setzen; gehe ein zu deines Herrn Freude.
Da trat auch er zu, der die zwei Zentner empfangen hatte, und sprach: Herr, du hast mir zwei Zentner anvertraut; siehe, da habe ich mit denselben zwei andere gewonnen.
Sein Herr sprach zu ihm: Ei, du frommer und getreuer Knecht, du bist über wenigem getreu gewesen, ich will dich über viel setzen; gehe ein zu deines Herrn Freude.
Da trat auch er zu, der einen Zentner empfangen hatte, und sprach: Herr, ich wusste, dass du ein harter Mann bist. Du schneidest, wo du nicht gesät hast, und du sammelst, wo du nicht ausgestreut hast. Und ich fürchtete mich, ging hin und verbarg deinen Zentner in der Erde. Siehe, da hast du das Deine.
Sein Herr aber antwortete und sprach zu ihm: Du böser und fauler Knecht, wusstest du, dass ich schneide, wo ich nicht gesät habe, und sammele, wo ich nicht ausgestreut habe? So solltest du mein Geld zu den Wechslern getan haben. Und wenn ich gekommen wäre, hätte ich das Meine zu mir genommen mit Zinsen.
Darum nehmt von ihm den Zentner und gebt ihn dem, der die zehn Zentner hat. Denn wer da hat, dem wird gegeben werden, und er wird die Fülle haben. Wer aber nicht hat, dem wird auch, was er hat, genommen werden. Und den unnützen Knecht werft in die Finsternis hinaus; da wird sein Heulen und Zähneklappen.
Herr, rede zu uns durch dein Wort. Amen.
Ein Blick auf Arbeit, Last und verborgene Spannungen
Die kostbaren Stickereien dort im Raum St. Gallen erzählte mir einmal von seiner Jugend. Er kam aus ganz ärmlichen Verhältnissen. Dann starb der Vater, und es war klar, dass er sofort nach der Volksschule Geld verdienen musste, um der Mutter beizustehen. Das war für ihn eine Ehrensache.
Er arbeitete dort im Akkord als Scherlibub, wie man das nennt. Dabei musste man die Enden von einer Bindfaden- oder Zwirngeschichte abschneiden. Er rannte, was er konnte, sogar noch in der Mittagspause, um Geld für die arme Mutter zu verdienen.
Dann, so sagte er, kam der Chef. Er stoppte das mit der Uhr und setzte den Akkord um die Hälfte herunter, weil er meinte, dass der Bub sonst zu viel verdiene. Wenn ich das jetzt erzähle, wird einer sagen: typisch Unternehmer. Dabei merkt er gar nicht, dass das nicht einfach eine Frage des Unternehmers ist. Denn das hat mir ein Unternehmer erzählt, dem das keine Ruhe ließ. Er sagte: Ich will mit meinem ganzen Leben anders wirken, und ich merke, es gelingt mir nicht.
Manche andere haben schnell eine Lösung bei der Hand und sagen, man müsse eben die Privatindustrie in eine staatliche überführen, als ob dort die Akkordfestsetzungen humaner wären. Nein, da ist ein ganz tiefes Gespräch notwendig darüber, warum überhaupt unsere Berufsarbeit so belastet, so schwer und so leidvoll ist.
Wenn Sie jetzt aus Ihrer Arbeit erzählen würden, dann ergäbe das viel. Was Sie in der vergangenen Woche durchmachen mussten, das muss schon ein naives Gemüt sein, das noch sagen kann: Ich weiß, woran es liegt. In Wirklichkeit liegt es viel, viel tiefer als in den äußeren Ursachen, die wir meist sehen.
Ganz am Anfang der Bibel steht schon davon, dass über unserer Berufsarbeit ein Fluch liegt, ein Fluch, den Gott ausgesprochen hat, von den Dornen und Disteln. Und da reiben wir uns die Finger wund, wenn wir den Acker auch in Ordnung bringen wollen und dafür sorgen wollen, dass etwas Gutes wachsen kann. Und dann ärgert man sich.
Man fragt sich ja, wie das überhaupt bei uns wäre, wenn diese ganzen Aufregungen, diese menschlichen Spannungen, nicht da wären. Da könnte man sicher manches an Krankenkassenbeiträgen und so weiter einsparen. Denn die meiste Kraft lässt man doch bei der Arbeit in unnützen Dingen.
Der Werktag unter Gottes Herrschaft
Ich sehe außer diesem Fluch Gottes noch mehr über unserer Arbeit, was diese ganzen Verhältnisse erst verursacht. Wir haben den Werktag säkularisiert, verweltlicht. Und wir haben aus all unseren Berufsaufgaben den Herrn, den lebendigen Gott, herausgenommen.
Ja, es ist sogar so weit bei uns allen gekommen, dass wir gesagt haben: Ich kann mein Leben selber führen. Und gerade in der jugendlichen Begeisterung über unsere Zeugnisse, die wir haben, über das, was wir fertigbringen und schaffen, haben wir uns gerade von Gott losgesagt.
Wir haben gesagt: Du musst Verständnis haben, lieber Gott, aber jetzt müssen wir gerade zuerst mal die Prüfung fertig machen, und jetzt haben wir wirklich keine Zeit mehr für Dich. Wir kümmern uns gern wieder um Deine Anliegen, aber jetzt ist Wichtigeres dran.
Und dann wundern wir uns, wenn eines Tages diese Berufsarbeit in unserem Leben selbständig geworden ist, ja, uns plötzlich beherrscht. Sie kennen doch aus der Literatur das schöne Gedicht von Goethe vom Zauberlehrling, der da spielt und meint, er könnte auch das, was der Meister kann. Und dann erschrickt er plötzlich, wie aus dem Spiel Ernst wird und wie das plötzlich läuft und läuft und läuft und immer besser läuft.
Und ich sehe darin ein Bild unserer Berufsarbeit, die sich selbständig gemacht hat: Ach, er läuft und bringt behände, wehrst du doch, alter Besen, immer neue Güsse, bringt er schnell herein, ach, und hundert Flüsse stürzen auf mich ein. Und dann ist diese Arbeit, der man sich mit Leib und Seele, mit Haut und Haar verschrieben hat, plötzlich ein Herrscher über uns geworden, und wir können uns nicht mehr dagegen wehren. Wir werden getrieben, und wir werden gejagt.
Ganz am Ende kommt beim Zauberlehrling der schöne Vers: Ach, da kommt der große Meister! Herr, die Not ist groß. Die ich rief, die Geister, werde ich nun nicht los.
Die Ordnung des anvertrauten Lebens
Wenn wir heute Gottesdienst haben, hat uns dieser Predigttext das Thema gegeben, dass wir heute vom Beruf, von Zeit und Geld und von unseren Aufgaben in der Welt reden müssen. Und das ist gut so. Wir wollen das tun, indem wir wieder Ordnung in unseren Werktag bringen.
Tatsächlich spricht das Predigtwort in die Welt hinein. Die alltäglichen Dinge, die ganz weltlichen Dinge, werden vom Predigtwort berührt. Aber nicht, indem wir hier oben von der Kanzel her ein paar billige Ratschläge geben, sondern indem wir den Herrn verkünden, dem wir gehören und dem unser Leben gehört.
Ich habe unsere Predigt heute überschrieben: Unsere Verantwortung für unser Leben, für Zeit und Geld vor Gott.
Ein erster Punkt: Wir leben mit anvertrauten Gaben.
Das erzählt Jesus in dieser Geschichte von dem reichen Gutsbesitzer, der viel hat und dann, bevor er auf eine lange Reise geht, seinen Knechten das alles überträgt und sagt: Kümmert euch mal darum. Ich gebe es euch in die Hand und sorge dafür, dass das nicht bloß weiterläuft, sondern dass es weiter wächst und gut verwaltet wird.
Und mit diesem Bild, mit diesem Gleichnis, hat Jesus uns ja gemeint. Der Herr, der die Gaben austeilt, das ist er, und wir haben die Gaben zu verwalten. Und jetzt merken wir auf einmal: Jetzt werden die Dinge wieder klargerückt, die bei uns im Werktag durcheinandergekommen sind.
Gott sagt: Deine Berufsarbeit, die kann sich ja nur mit Dingen beschäftigen, die mir gehören. Und ich will, dass du in diesen Dingen mir dienst. Oder du beschäftigst dich und kümmerst dich um deine Gesundheit, deinen Körper. Der gehört mir. Ich habe ihn dir für eine gewisse Zeit in dieser Welt anvertraut. Handle damit, verwalte das Gut.
Das Geld, das uns Gott in die Hand legt, gehört auch dazu. Ebenso diese Zeit, über die wir uns so oft beschweren, dass sie so kurz ist. Das sieht jetzt plötzlich ganz anders aus, wenn wir hören: Diese Stunden dieses Sonntags heute sind uns von Gott anvertraut. Das ist einmal eine Gabe, die man aus seiner Hand nimmt. Und er sagt: Jetzt verwalt das mal schön, fang mal an.
Und vielleicht hängen wir morgen noch den Montag dran. Auch den darfst du neu verwalten. Und den Dienstag und den Mittwoch. Kümmere dich mal um diese Dinge, sie gehören mir, sagt Gott.
Verschiedene Gaben, klare Grenzen und der Mut zur eigenen Aufgabe
Ich denke jetzt an meine Kinder. Sie sind nicht meine Kinder, sondern anvertraute Gaben. Das wissen die Eltern. Wo die Kinder schon aus dem Haus sind, geht das ganz schnell, dann sind sie weg. Manchmal will man sie festhalten, aber das ist ja nicht unser Recht. Wir dürfen sie ja gar nicht festhalten, wir dürfen sie nicht einmal an uns binden. Sie gehören Gott ganz allein, nur anvertraut hat er sie für eine bestimmte Zeit.
Die Menschen, die mit uns leben, all das gehört dazu. Hier steht, dass Gott verschieden austeilt. Das ist gut so. Wir haben nicht alle die gleichen Gaben mitbekommen. Wir sind ganz verschieden gebaut und konstruiert in unserer Veranlagung. Aber damit wird ausgedrückt: Der große Herr hat einen Plan, und ich habe eine ganz spezielle, kleine Aufgabe nur in seinem großen Plan. Er hat gewusst, warum er mir ausgerechnet diese Aufgabe gibt und nicht andere.
Aber wie ist das denn mit unserem Beruf? Haben wir das überhaupt einmal mit Gott besprochen? Herr, ich will das aus deiner Hand nehmen. Wie geht das denn, wenn man heute einen Beruf ergreift? Da geht man irgendwo in ein Büro, bewirbt sich, und dann kriegt man die Stelle oder kriegt sie nicht. Aber das, was Jesus sagt, ist verbindlich für uns. Ich kann in meinem Beruf nur wirken, wenn ich das begreife als eine Gabe, die mir Gott anvertraut hat.
Denken Sie jetzt bei Beruf nicht an meinen schönen Beruf, der ist wirklich schön, wo man von den Herren so direkt wirken kann, sondern nehmen Sie jeden irdischen Beruf dafür: die Gabe des Wirkens in dieser Welt als eine von Gott verliehene Gabe. Und jetzt auf einmal kann ich in meinen Beruf, in mein weltliches Geschäft, eine Ordnung hineinbringen, wenn ich weiß, was der Herr von mir will.
Das ist ja das Einzige, was diese Knechte bei ihrem Dienst erfüllen soll, wenn der Herr wiederkommt: dass ich auch in meinem Beruf für ihn gewirkt habe. Dass wir dieses Wort Jesu, das so eindeutig ist, so leicht vergessen konnten, dass wir das auf die Seite geschoben haben. Gerade weil so viele auf uns einreden. Da kommen viele und sagen: Du musst das auch noch machen. Und schließlich musst du auch da noch weitergehen. Und die bringen lauter Anforderungen an uns, auch an meinen Beruf.
Und dann muss ich zurückfragen und sagen: Herr, es interessiert mich, was meine Gaben sind. Und der Herr sagt: Ich habe dir bloß ein paar Gaben gegeben, nicht alle, und dein Beruf richtet sich nach deinen Gaben. Wie viel Überlastung könnte man vermeiden in seinem eigenen Leben, wenn man dieser guten Ordnung Gottes gehorsam wäre. Er hat mir Gaben gegeben, ich brauche nur meinen Gaben gerecht werden, und mehr brauche ich nicht tun.
Und wir sollten uns eine Sturheit angewöhnen, dass wir sagen: Das geht mich nichts an, dafür bin ich nicht hingestellt in dieser Welt. Und das ist nicht mein Auftrag, und das hat mir Gott nicht geboten. Und wenn die Menschen mich noch so sehr belästigen und sagen, mach das doch auch noch, wer ist denn für mich verbindlich? Der Herr hat Gaben ausgeteilt, und uns sagt der Handel. Wir sollten uns konzentrieren und eine Ordnung in unser Leben hineinbringen, was die Aufgaben sind, die er uns gibt.
Es ist ja auch ein Stück Selbstüberschätzung, was da immer mitspielt, wenn man mehr sein will. Ich wollte so gern jetzt auch mit jungen Menschen reden, die spüren, dass sie gewissen Leistungen nicht gerecht werden in der Schule. Ist das nicht ein deutliches Signal Gottes, dass ich nicht nach Gaben streben brauche, die ich nicht habe? Gott will mir ganz bestimmte Gaben geben. Es ist niemand da, der keine Gaben hat, und diesen Gaben entsprechend muss ich wirken. Ich brauche mich doch nicht dauernd in ein anderes Leitbild hineinzwängen lassen.
Wenn ich weiß, welche Gaben er mir gegeben hat, dann kann ich recht kühn, mutig Aufgaben übernehmen, weil ich weiß, er will mich auch dafür ausrüsten, und er wird mich auch in diesen Aufgaben, auch in schweren Belastungen, durchbringen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man als Christ in seinen Berufsaufgaben drinsteht, in seinen weltlichen Aufgaben, wenn man das nicht im Gebet fortwährend mit seinem Herrn bespricht.
Und dann wird ganz von allein der Ehrgeiz wegfallen, und dann werden die anderen Stimmen unwichtig, die auf uns hineinreden, sondern dann werden wir fragen: Herr, was ist jetzt das, was du mir aufträgst? Und dann gibt es nur noch, und ich nenne das altmodische Wort, die Pflicht, dass mich der Herr hier nötigt und sagt: Das habe ich dir geboten, und das ist wichtig.
Der stille Dienst und die Bewährung im Alltag
Wenn man heute die Klagen von Frauen hört, die nicht mehr die Kraft haben, zwischen Beruf, Haushalt und Familie zu pendeln, dann sage ich: Wann haben sie eigentlich den Mut, vor Gott eine klare Entscheidung zu treffen, dass Gott ihnen bestimmt nicht so viele Gaben anvertraut hat, dass sie drei Dinge voll erfüllen können?
Dann müssen sie sich entscheiden: entweder für die Familie, oder für den Beruf, oder für das, was sie wählen. Wer es kann, den bewundere ich. Ich könnte es nicht.
Wo waren denn die Leitbilder, die die Menschen hier verrückt gemacht haben, als ob man all das auch noch können müsse? Und die den Menschen auch den Mut zum kleinen Dienst im Verborgenen genommen haben?
Es geht ja bei den Aufgaben, die Gott mir verordnet, gar nicht darum, ob ich dabei Lust empfinde. Im ganzen Gleichnis steht nie da, ob die Knechte Lust dazu haben. Es steht von gebotenen Dingen da. Wir wissen, dass auf dem, was der Herr uns gebietet, ein Segen liegt.
Ich denke an so viele Menschen, die an einem stillen Platz ihren Dienst tun. Es wird heute wenig von Müttern gesprochen, die in ihrem Haushalt arbeiten, weil das angeblich zu wenig ist. Der Herr sagt: Ich habe Gaben verteilt, wo dann auf einmal wieder Häuser heranwachsen und gebaut werden, wo Kinder erzogen werden, wo Menschen zugerüstet werden.
Was muss denn bei uns noch in unserem Volk geschehen, bis wir wieder wichtige Aufgaben erkennen, was die Erziehung junger Menschen bedeutet? Diese Verwirrung kann nur dort entstehen, wo man nicht mehr in der Stille auf den Ruf Gottes hört und auf das, was er mir an Aufgaben gibt.
Die Heiligung unseres Christenlebens geschieht nicht auf Kirchenbänken, sondern in der Bewährung, in der Berufsarbeit, dort, wo uns der Herr hingestellt hat, an den Plätzen, wo wir die Nöte und die Lasten mit ihm tragen und ihm allein gehorsam sind.
Mein erster Punkt war: Wir leben mit anvertrauten Gaben. Wir haben eine Fülle von Gaben, die er uns gibt, und wir dürfen jetzt sagen: Ich begnüge mich mit diesem Raum, den er mir gibt, und ich will diesen Raum ausfüllen.
Frucht, Rechenschaft und der Ernst des Handelns
Der zweite Punkt: Es muss etwas erwirtschaftet werden. Nun sind wir wieder bei dem notvollen Wort von der Leistung, das so vielen Not macht. Jetzt muss ich also doch etwas aus meinem Beruf herauswirtschaften und etwas hervorbringen.
Ganz genau, und nicht bloß: Menschen warten auf dich. Das wäre noch einfacher. Es ist viel ernster: Der heilige Gott wartet auf mich. Und das kann man aus der Bibel nicht herausradieren. Wenn man all die Seiten herausreißen will, wo vom Endgericht die Rede ist, dann bleiben immer noch viele Blätter in der Bibel drin, dass der Herr Menschen verwerfen kann in die Nacht, wo sein Wort heulen und Zähne klappern lässt.
Und darum soll mir das eine Unruhe sein: Was erwirtschafte ich in meinem Beruf? Ich will mich nicht einfach damit beruhigen und sagen: Das sieht man nicht. Ich möchte Sie fragen: Was haben Sie mit Ihrem Leben erreicht? Es kommt ja eines Tages die Zeit des Ruhestandes, jene schön gepriesene Zeit nach unserer heute herrschenden Ideologie, die Zeit, wo man Reisen machen kann. Denken Sie bitte daran: Wenn Sie einmal im Ruhestand sind, werden Sie voll Wehmut zurückdenken, was Sie versäumt haben im Leben und was Sie nicht fertiggebracht haben. Und Sie können nicht mehr zurück. Man will Sie nimmer haben, man kann Sie nimmer haben, weil die Gaben fehlen.
Nur jetzt ein Wort zur Klärung für alle, die im Ruhestand leben: Ich bin überzeugt, dass ihnen Gott auch für diese Zeit ihres Lebens eine wichtige Aufgabe gibt. Aber wo Schuld in unserem Leben war, da können wir es nicht reparieren, indem wir wehmütig von früher träumen. Schuld muss vergeben sein, auch das, was wir im Leben versäumt haben.
Wir wollten das den jungen Menschen zurufen und sagen: Verspielt nicht die Zeit eures Lebens! Lauft nicht ehrgeizig euren Träumen nach, sondern sucht mit Entschlossenheit das eine, das Gott in euer Leben hineinlegt, für das er euch in der Schöpfung konstruiert hat, für das er euch begabt hat. Und dann muss etwas herauskommen, es muss etwas erwirtschaftet werden, es muss sich lohnen.
Wenn der Chef zurückkommt, dann sagt er: Tu Rechnung von deinem Haushalten, komm mal her, ich will deine Bücher sehen. Und dann wird geprüft. Und da geht es doch einfach darum: Was kann ich mit meinem Leben vorzeigen? Was war mein Amt? Sagen Sie doch bitte nicht, dass man das jetzt nicht so klar sagen könne. Ich muss doch jetzt meinem Nebensitzer auch eine Antwort geben können und sagen können: Meine Lebensaufgabe vor Gott, die ich übernommen habe, ist das und das.
Wenn der Herr zurückkommt, fragt er uns: Was war dein Ziel in deinem Leben? Was wolltest du? Wir sollten unruhig fragen: Herr, jetzt lass mich den Raum deutlich erkennen, den ich füllen soll. Du hast mir nicht alles und jedes gegeben.
Darf ich mal ein ganz einfaches Beispiel nehmen? Das betrifft mich auch in meinem Dienst, auch hier in der Kirchengemeinde. Wie leicht ist die Versuchung für uns da, dass wir die Nöte in Südamerika lösen und Südafrika, die auch mich bedrängen. Und der Herr sagt: Lass, das geht dich nicht an. Ich habe dir andere Dinge unter deine Verantwortung gelegt. Und da hat er uns einen Bezirk gegeben, für den wir ganz einfach einmal Verantwortung tragen, und Menschen.
Und jetzt fragt er uns: Was hast du hier denn gewirtschaftet? Du kannst wunderbare Programme gemacht haben. Darf ich dir die gesammelten Gemeindebriefe der letzten sieben Jahre vorlegen? Er wird sagen: Nein, Papier ist mir noch zu wenig, das vollgeschrieben wurde. Was ist denn herausgekommen?
Jetzt, bei der Frage, was eigentlich das Ergebnis sein sollte, beschäftigen wir uns ja damit, was aus meinem Beruf herauskommen sollte: dass ein Stück dieser Welt unter der Herrschaft Gottes steht. Und das ist für unseren Gott genug. Und dass in diesem Feld, wo Sie nun wirken, an seiner Schöpfung, an Menschen, mit denen Sie umgehen, auch an ganz irdischen Dingen, der Wille Gottes geschieht.
Paulus war das nicht zu wenig, Zeltweber zu sein. Und wenn in unseren Büros oder in Fabriken oder wo Christen heute tätig sind, ein Stück der Nähe Gottes sichtbar wird in ganz irdischen Verrichtungen, ist das bedeutsam. In Verwaltungen und in der Öffentlichkeit, weil der Herr das will, dann wollen wir Menschen prägen. Wir wollen Menschen unter den Einfluss unseres Herrn bringen.
Ich habe Ihnen am Anfang gesagt, es ist ein ganz übles Ding, dass wir den Werktag verweltlicht haben. Wir brauchen wieder eine Leidenschaft, dass wir wollen, dass die Woche und der Platz, wo wir stehen, von der Nähe Gottes gekennzeichnet ist, dass in unseren alltäglichen Gesprächen etwas sichtbar wird von der Nähe Gottes.
Ich bin selber gespannt, wie das unser Herr macht. Der Herr Jesus konnte das so gut: bei ganz alltäglichen Gesprächen, bei Unterhaltungen am Brunnenrand konnte er mit Menschen so wunderbar reden. Bei ihm waren sogar selbst Dinge, wo wir gar keinen Wert darauf legen, wesentliche Taten. Er sprach sogar von einem Becher Wasser, der auf einmal gebraucht wird und ihm zur Ehre dienen kann.
Verschiedene Talente, ein gemeinsamer Auftrag
Wenn unser Werktag wieder unter seine Herrschaft kommt
Dieses Gleichnis steht ja zweimal in der Bibel. Das eine Mal erzählt Jesus, dass alle gleich viel Talente bekommen haben, und hier erzählt er, dass alle verschiedene Talente bekommen haben. Ich sehe in beiden Gleichnissen auch einen unterschiedlichen Punkt. Es geht nämlich um eine ganz andere Ausrichtung in diesem Gleichnis, in dem von den verschiedenen Gaben gesprochen wird.
Da meint Jesus zweifellos die verschiedenen natürlichen Gaben und geistigen Fähigkeiten, die wir mitbekommen haben, menschliche Charaktereigenschaften. Der eine knüpft schneller Kontakt, der andere tut sich schwerer. Aber jeder hat seine Gaben, und jeder wird an seinem Platz gebraucht.
Das andere Gleichnis, das in Lukas 19 steht, wo es heißt, dass alle gleich viel bekommen haben, bezieht sich ja auf die geistlichen Gaben. Wir haben das Evangelium von unserem Herrn anvertraut bekommen, und wir sollen nun mit dieser Gabe wuchern.
Wir alle wissen doch, dass über den Menschen, denen wir in der Woche begegnen, der Name Eigentum Gottes steht. Und wir dürfen das den Menschen sichtbar machen. Wir wissen um die Kraft, die ein Leben erneuern kann, und wir sollen sie ihnen weitergeben. Wir haben diesen Schatz des Evangeliums anvertraut bekommen.
Es ist uns doch zu wenig, dass sonntags hier das Evangelium verkündigt wird. Wir wollen, dass Menschen herausgerissen werden aus dem Einflussbereich der Finsternis und unter die Herrschaft Gottes kommen. Ich würde meinen, dass das jetzt ein klares Ziel ist, das erwirtschaftet werden muss, ob in unseren Berufsaufgaben, in denen wir stehen, oder in unseren Diensten, die wir für das Reich Gottes tun. Es geht immer um diese heilige Leidenschaft.
Ich will etwas tun, und ich will etwas wirken. Ich will nichts für mich wirken, es geht nicht um meine Ehre, aber ich will nicht vergeblich gelebt haben. Ich will etwas ganz, ganz Entscheidendes wirken. Ich will nichts Großes, aber ich will etwas Ganzes. Ich will nichts Bedeutsames, aber ich will etwas Echtes. Ich will den Platz ausfüllen, an dem ich stehe, damit es lohnt, dass ich da war.
Unter vier Milliarden Menschen soll es eine Lücke geben, wenn ich sterbe, weil ich von Gott Gaben habe, die nicht umsonst gegeben sein wollen. Ich bitte Sie, dass Sie diesen Auftrag mitnehmen: diese Leidenschaft für den Herrn, etwas zu wirken.
Keine Ausrede vor dem Herrn
Jetzt sind wir gerade beim Dritten: Kein Einsatz ist vergeblich. Jetzt geht es um diesen Mann, der sich nichts zutraut, um dieses Mauerblümchen, diesen Burschen, der Angst hat, er könnte alles falsch machen. Und mit diesem Bild hat er Jesus uns alle wunderbar gemalt, uns Christen.
Wir haben so eine Eigenart, zu sagen: Herr Jesus, du weißt, ich bin in meinem Leben so kompliziert. Und wie viel wird unter Christen über die Schwächen gesprochen? Das ist nicht im Sinn Jesu, dass wir über unsere Sünden fortwährend reden und das als Entschuldigung nehmen, damit wir nichts wagen können. Wir sagen: Herr, es tut uns furchtbar leid, aber du weißt ja selbst, was ich für ein schlechter Mensch bin, und darum habe ich gar nie angefangen zu wirken.
Der Mann kann alle einleuchtenden Gründe hier nennen und sagen, warum es nicht geht. Ich bin ein Versager, und du hast schon oft gemerkt, und das hat einfach keinen Sinn. Er meint es ja ganz gut, er bewahrt das alles, was er empfangen hat, und er hütet es ganz kostbar, dass ja nichts damit geschieht. Und doch verfährt der wiederkommende Herr mit ihm grausam hart, unmenschlich hart. Keiner von uns wird so mit ihm umspringen. Aber der Herr verfährt so hart.
Weil das das Schlimmste ist: wenn man vor dem Herrn seine Aufgaben nicht wahrnimmt. Es genügt nicht, dass man im Herzen glaubt, nicht einmal das. Es genügt nicht. Der Herr will, dass wir etwas umtreiben für ihn. Und das ist jetzt so frech, wenn wir ihm das immer wieder vorwerfen als Abhaltungsgrund. Ist Ihnen das bewusst? Wenn wir bei Diensten, die uns geboten sind, sagen: Herr, du weißt, ich bin so kompliziert und ich bin so schwach. Er hat doch in seinem Kreuz die Schwäche besiegt. Wollen wir ihn denn schmähen? Er hat die Schwächsten in seinen Dienst gerufen. Er hat gesagt, dass er keine Körperkraft und keine Schenkel braucht, sondern dass er mit zerbrochenen Menschen seine Wunder tut und dass er die Sünder ruft und die Verlorenen.
Und dann stehen wir noch hin und sagen: Ja, wir sind eben doch so schlecht. Was soll denn das, wenn wir es ihm immer und immer wieder entgegenschleudern? Er hat uns deshalb gerufen, weil wir vor ihm nichts bringen können. Und gerade der Einsatz unseres Lebens wird ja erst bedeutsam durch sein Opfer, das er für uns gebracht hat. Und er sagt: Jetzt lohnt es sich, wenn einer sein Leben hergibt. Er kann das Leben des Verfolgers Saulus gebrauchen, und er kann das Leben einer Dirne gebrauchen, so steht es im Neuen Testament, und eines Menschen, der mit Geld die schmutzigsten Geschäfte getrieben hat.
Genau solche Leute kann er gebrauchen, wenn sie allein auf ihn schauen und ihm trauen und mit seinen Wundern rechnen. Es gibt gar niemand, es gibt keinen noch so kranken und noch so armen Geist, der nicht brauchbar wird zum Wirken in dieser Welt, in ganz einfachen Alltagsarbeiten und im Dienst für das Reich Gottes. Das Schlimmste ist nur, jetzt zu sagen: Herr, es tut mir schrecklich leid, aber ich war doch nicht geeignet.
Er ruft mich zum Dienst, und wisst doch, dass eure Arbeit nicht vergeblich ist in dem Herrn. Es ist ganz anders gegangen, als wir heute gedacht haben, am Volkstrauertag. Es war dieser Predigtabschnitt, der uns hier geholfen hat, einen Bezug zu finden zu unseren Berufsaufgaben in der Welt. Der Herr will Herr sein über unser ganzes Leben. Und er will, dass wir Freude finden, Befriedigung finden über diesem Dienst, ja, dass unser Leben nicht vergeblich gelebt war, sondern viel Frucht trägt, bleibende Frucht für ihn. Amen.
Bitte um Klarheit, Treue und Segen
Wollen beten, Herr, gib du uns jetzt Klarheit, ganze Klarheit, wozu du uns berufen hast und für welche Gaben wir dich preisen dürfen. Gib du jedem von uns auch diese Entschlossenheit, mit Dingen zu brechen, die du uns nicht als Aufgabe vorlegst, damit wir uns wieder auf Wesentliches konzentrieren können und das Belanglose ausscheiden. Dass wir mit unserer Zeit fertig werden und auch darin dich preisen können, dass wir die Gabe unseres von dir wunderbar geschaffenen Leibes preisen können und die nicht lernbaren Dinge.
Gib uns auch in allen werktäglichen Aufgaben diese Übersicht, die sich nicht erdrücken lässt von den Anforderungen. Wir danken dir, dass wir da so auch durch deine Herrschaft frei werden von all den falschen Verpflichtungen, auch von den falschen Herren, die über uns bestimmen wollen. Gib du auch deiner christlichen Gemeinde wieder diesen Einblick, was Gabe und was Aufgabe ist. Gib den Mut, alles andere wegzulassen, damit wir nur dir treu sein können.
Hilf auch all denen, die in deinem Dienst stehen, in der Diakonie, in der Mission, im Evangelisationsdienst, überall jenen klaren Blick, dass sie das Vorrangige vor allem anderen erkennen und dass wir auch in diesen Tagen Menschen herausreißen dürfen aus der Macht der Finsternis und unter deine Herrschaft bringen können. Dazu segne uns, Herr, auch heute an diesem Tag.
Lasst uns gemeinsam beten: Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.
Nun wollen wir um den Segen des Herrn bitten. Herr, segne uns und behüte uns. Herr, lass dein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig. Herr, hebe dein Angesicht auf uns und gib uns deinen Frieden.

