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Das Entscheidende passiert im Kopf

Thronfall - Jerobeams Absturz
EventTeil 2 / 4Kraftstoff Bibeltag 2025
Wenn dein Kopf lauter wird als Gottes Wort, kippt alles: erst wird’s nur pragmatisch, dann ersetzt du Gott durch eigene Lösungen. Jerobeam zeigt, wie ein kleiner Kompromiss ganze Leben und Wege zerstören kann.

Einleitung und persönliche Korrektur

Erst noch eine kleine, nicht eine kleine Entschuldigung: Der Satz, dass der schönste Teil des Tages zu Ende ist, wenn ich nach Hause komme, das war Quatsch, was ich da gesagt habe. Dafür möchte ich mich entschuldigen, weil es wirklich zu Hause viel schöner ist als in der Schule. So, ja.
Es ist alles angerichtet, das haben wir gesehen. Gott hat Jerobeam ein Sorglos-Rundumpaket angeboten und gesagt: Halte dich nur an meine Satzungen und vergiss nicht, dass in Jerusalem der Tempel ist. Dann hast du ganz viele Möglichkeiten, und ich garantiere dir, dass ich dir eine stabile Dynastie aufbaue und dein Leben segnen werde.
Marc Aurel hat einmal gesagt: Das Glück deines Lebens hängt von der Beschaffenheit deiner Gedanken ab. Und vielleicht ein etwas aktuelleres Zitat von Djokovic, dem großen Altmeister des Tennis: Egal, wie gut du bist, wenn du nicht mental stark bist, kannst du keine Höchstleistung erbringen.
Der fatale Fehler von Jerobeam ist total nachvollziehbar. Ich habe hundertprozentiges Verständnis für das, was Jerobeam falsch macht, und das wollen wir uns heute angucken.
Ihr müsst euch jetzt die Situation so vorstellen. Vielleicht erinnert ihr euch noch an die erste Predigt, was Gott zweimal betont hat. Also: In Jerusalem wohnt mein Name, da habe ich meine besondere Präsenz. Das Problem, das jetzt existiert, ist, dass Jerobeam ja gar nicht in Jerusalem regiert. Jerobeam regiert über das Nordreich. Wir haben gelesen, dass zehn Stämme ihm nachfolgen. Aber Jerusalem ist im Südreich, in Juda, wo Rehabeam noch über einen Stamm regiert, nämlich über Juda.
Und jetzt fängt es in Jerobeams Kopf an zu kreisen, und er erinnert sich an seine Kindheit. Er überlegt, was die Highlights meines Lebens waren. Und er erinnert sich an die Feste, zu denen sie in großen Scharen nach Jerusalem gezogen sind, mit seinen Freunden, die liturgischen Gesänge, die ausgelassene Stimmung, das fröhliche Beisammensein, dieses unglaubliche Gemeinschaftserlebnis. Und zwar nicht nur beim Passafest, sondern auch beim Laubhüttenfest und beim Wochenfest. Die unglaublich beeindruckenden Gesänge, die er da gehört hat.
Und er macht sich klar: Das alles werde ich den Leuten in meinem Reich nicht bieten können. Und deshalb kommt er zu einer Entscheidung.

Die innere Logik des Fehlers

Wir lesen 1. Könige 12 ab Vers 25.
Und Jerobeam baute Sichem im Gebirge Ephraim und wohnte darin. Dann zog er von dort aus weiter und baute Pnuel.
Und Jerobeam sprach in seinem Herzen: Nun wird das Königreich an das Haus Davids zurückkommen. Wenn dieses Volk hinaufziehen wird, um im Haus des Herrn in Jerusalem Schlachtopfer zu opfern, so wird das Herz dieses Volkes sich zu ihrem Herrn zurückwenden, zu Rehabeam, dem König von Juda, und sie werden mich töten und sich zu Rehabeam, dem König von Juda, zurückwenden.
Da beriet sich der König und machte zwei goldene Kälber. Und er sprach zum Volk: Es ist zu viel für euch, nach Jerusalem hinaufzuziehen. Siehe da, Israel, deine Götter, die dich aus dem Land Ägypten herausgeführt haben. Und er stellte das eine in Bethel auf, und das andere brachte er nach Dan. Und diese Sache wurde zur Sünde, und das Volk ging vor das eine bis nach Dan.
Er baute auch ein Höhenhaus und machte Priester aus dem gesamten Volk, die nicht von den Kindern Levi waren. Und Jerobeam machte ein Fest im achten Monat, am fünfzehnten Tag des Monats, wie das Fest, das in Juda stattfand. Er opferte auf dem Altar, ebenso tat er in Bethel, indem er den Kälbern opferte, die er gemacht hatte. Und er stellte in Bethel die Priester der Höhen an, die er gemacht hatte. Und er opferte auf dem Altar, den er in Bethel gemacht hatte, am fünfzehnten Tag im achten Monat, in dem Monat, den er aus seinem Herzen erdacht hatte. Er machte den Kindern Israel ein Fest und opferte auf dem Altar und räucherte.
Ich bin überzeugt, dass das auch für uns heutzutage ein Schlüsselproblem ist: das, was Jerobeam jetzt in seinem Kopf klarkriegen muss. Und es ist auffällig, wie oft in dem Text, den wir gelesen haben, so etwas vorkommt wie: Jerobeam sprach in seinem Herzen. Oder dass dreimal gesagt wird, dass man den Kälbern opferte, die er gemacht hatte. In Vers 32 bis 33 kommt das dreimal vor. Auch das Fest, das er aus seinem Herzen erdacht hatte, wird hervorgehoben.
Und wir sollten jetzt auf keinen Fall leichtfertig über Jerobeam urteilen. Ich finde die Situation unglaublich nachvollziehbar. Denn das Entscheidende, wenn er jetzt als König regiert, ist ja, dass das Volk in irgendeiner Form zufrieden ist. Und die werden natürlich immer zum Südreich gucken und denken: die schönen Feste. Und klar, Gott hat ja sogar befohlen, dass man zu diesem Fest nach Jerusalem gehen sollte. Und er hat ja vorher noch einmal gesagt: Da wohnt mein Name.
Und Jerobeam denkt: Die Zerreißprobe ist zu groß. Das Volk wird immer begeistert nach Jerusalem wandern, und sie werden mit dem Südreich, mit Juda, das Positive assoziieren. Und bei mir ist es todlangweilig, ich habe nichts zu bieten. Und er denkt und er denkt, und am Ende kommen zwei goldene Kälber dabei heraus, zwei neue Gottesorte, Bethel und Dan, neue Priester und ein neues Fest. Das Ganze macht er möglichst parallel zu dem, was man aus Jerusalem gewohnt war.
Dieses neue Fest, das er erfindet in Vers 32, ein Fest im achten Monat, am fünfzehnten Tag des Monats, ist genau einen Monat nach dem Laubhüttenfest. Das war nämlich immer am fünfzehnten des siebten Monats. Also kopiert er das. Und er überlegt: Ich muss einfach ein Gegenstück bieten, denn sonst wird, und das sagt er ja auch, das Herz des Volkes sich abwenden, und sie werden wieder zum Haus David zurückkehren.
So weit, so gut. Was steckt dahinter? Und das ist die zentrale Frage, die wir heute behandeln müssen. Und die ist, glaube ich, fundamental wichtig.

Gottes Gedanken und menschliche Einschätzung

In diesem Sinne gebe ich Marc Aurel absolut recht: Das Glück deines Lebens hängt von der Beschaffenheit deiner Gedanken ab.
Die Frage ist, wie wir das Thema meiner Erkenntnisse und Gottes Gedanken heute im einundzwanzigsten Jahrhundert leben. Ich kenne sehr, sehr viele junge Menschen, und ich weiß, wie ihr Informationen an euch heranlasst, wie viele Kanäle ihr habt und wie alles auf euch einströmt. Und dann ist da halt noch die Bibel.
Das große Fragezeichen ist: Wie gehe ich mit diesem Spannungsfeld um? Ich will vorweg ganz deutlich sagen, wie Gott es selbst in der Bibel befohlen hat, wie es zu sein hat. Gott sagt ganz eindeutig: Ordne deine Einschätzung, deine Intelligenz, deine taktischen Erwägungen meinen Gedanken unter. Das ist fundamental wichtig.
Vertraue auf den Herrn. 1. Korinther 5,3-12 mit deinem ganzen Herzen und stütze dich nicht auf deinen Verstand. 2. Korinther 10,5 Indem wir jeden Gedanken gefangen nehmen unter den Gehorsam des Christus.
Ich habe Naturwissenschaften studiert, und ich liebe das logische Denken. Die Bibel sagt an keiner Stelle: Schalte deinen Verstand aus. Die Bibel sagt: Ordne ihn unter. Gottes Gedanken müssen über deinen Erkenntnissen stehen, und ich glaube, dass das bei sehr vielen von uns im Grunde der kritische Punkt in unserem Glaubensleben ist.
Und wie macht Jerobeam es? Jerobeam macht es ganz anders. Wenn Gottes Gedanken und seine Erkenntnisse kollidieren, dann sagt er: Gottes Gedanken sind schön und gut, aber ich ballere sie weg mit meinen Erkenntnissen. Er wird jetzt ganz konkret verschiedene Sachen machen, aber am Anfang passiert das Entscheidende. Der erste Fehler ist der entscheidende, und dann folgt es wie eine Lawine, wie ein Dammbruch. Wenn du den ersten Stein rausgenommen hast, dann bricht alles zusammen.
Der erste Fehler, den Jerobeam begeht, ist, dass er seiner Einschätzung mehr Gewicht gibt als Gottes Wort. Und auch wenn das hart klingt, und ich habe zu Beginn der ersten Predigt gesagt, dass ich nicht sehr optimistisch bin: Ich habe hier meine Söhne unter euch sitzen, und ich kenne viele von euch, und ich kenne mich selbst. Und ich glaube, dass wir sehr stark in der Gefahr stehen, das zu machen. Vielleicht merken wir es nicht, aber ich glaube, dass wir unserer eigenen Einschätzung ein unglaublich hohes Gewicht geben.

Der erste Stein im Dominoeffekt

Der Fehler, der daraus resultiert, ist, dass Jerobeam anfängt, pragmatisch zu werden. Wenn seine Einschätzung mehr Gewicht hat als Gottes Wort, dann macht es ja nur Sinn, solche Entscheidungen zu treffen, dass eine möglichst große Erfolgswahrscheinlichkeit für sein Königtum gegeben ist. Die Dinge, die er jetzt konkret macht, machen menschlich gesprochen absolut Sinn.
Und das konkretisiert sich dann in verschiedenen Punkten. Erstens: Es muss nicht der Tempel sein. Er erfindet zwei neue Orte, Bethel und Dan, wo Gottesdienste gefeiert werden, obwohl Gott mehrfach gesagt hat: Jerobeam, denk immer daran, in Jerusalem habe ich meinen Namen gesetzt.
Dann sagt er: Dinge können Gott vertreten. Er baut da zwei Kälber und sagt, das sind die Kälber, die dich aus Ägypten befreit haben. Und der dritte Punkt, also der Fehler fünf, aber von den praktischen Konsequenzen her ist es der dritte, ist, dass er sagt: Verantwortlichkeiten und Feste können flexibel gehandhabt werden. Er findet ein neues Fest, habe ich gerade schon gesagt, nicht mehr am 15. des siebten Monats, sondern jetzt am 15. des achten Monats.
Neue Personen kommen in den Gottesdienst. Er hat ein ganz praktisches Problem. Auch das können wir total verstehen: Warum hat er die Leviten denn überhaupt nicht als Priester genommen? Die Erklärung finden wir, und ich möchte kurz vorlesen, damit der Hintergrund auch klar ist. Er hatte wirklich ein handfestes Problem.
In 2. Chronika 11 lesen wir, was passierte, als Jerobeam an die Macht kam. Ich lese das einmal vor. Also, wir sind jetzt gerade in der Phase: Rehabeam, der Sohn Salomos, wohnt in Jerusalem und regiert über den Stamm Juda, Jerobeam hat die zehn Stämme. Und dann lesen wir in 2. Chronika 11:
Und die Priester und die Leviten, die in ganz Israel waren, stellten sich aus allen ihren Gebieten bei Rehabeam ein. Denn die Leviten verließen ihre Bezirke, ihr Besitztum, und zogen nach Juda, nach Jerusalem. Denn Jerobeam und seine Söhne hatten sie aus dem Priesterdienst ausgeschlossen. Ja, das kommt gleich noch, da komme ich gleich zu. Das heißt, ihnen folgten aus allen Stämmen Israels die, die ihr Herz darauf richteten, den Herrn, den Gott Israels, zu suchen; sie kamen nach Jerusalem.
Das heißt, was soll der Jerobeam jetzt groß machen? Okay, er will irgendwie auch Gottesdienste feiern, er muss dem Volk auch irgendetwas bieten, aber die Leviten sind halt alle ins Südreich gezogen. Und das macht ja auch Sinn: Die sind natürlich im Südreich, weil im Tempel in Juda die Feste gefeiert werden. Was soll er machen?
Und am Ende sagt er: Komm, wir lassen einfach andere Leute die Opfer bringen. Und er selbst fängt auch an zu opfern. Das ist alles so verständlich und so logisch. Und bitte hütet euch davor, leichtfertig über ihn zu urteilen!

Persönliche Illustration und Übertragung

Ist der Wilhelm hier? Wilhelm Evonbley? Wo bist du?
Dein Vater hat mich mal belehrt. Ich war auf einer Schoppenfreizeit und auch in der Phase, ja, in der Phase bin ich immer noch, dass mein Verstand eine sehr große Rolle spielt. Und ich erinnere mich noch ganz genau: Ich habe an vielem gezweifelt, was in der Bibel steht. Der Vater von Willem Evonle war mit mir auf der Freizeit, und er ist ein paar Jahre älter als ich und war mir ein großes Vorbild. Ich habe ihn gefragt: Simon, gibt es wissenschaftliche oder historische Fakten, die belegen, dass es möglich ist, dass ein Mensch drei Tage im Bauch eines Fisches überleben kann?
Wisst ihr, was der Simon mir geantwortet hat? Es ist möglich, dass ein Mensch drei Tage im Bauch eines Fisches überlebt, weil es in Jona steht. Er hat nichts weiter dazu gesagt, und ich habe genau verstanden, was er mir sagen wollte, denn das ist genau der Fehler. Ich habe gesagt, ich brauche aus der Wissenschaft irgendetwas, was mich dazu animiert, der Bibel vertrauen zu können, und habe letztendlich meine Intelligenz, das menschliche Erfahrungswissen, über die Bibel gestellt. Und er hat meine Denkkonstruktion mit einem Satz eingerissen.
Der erste Fehler ist der entscheidende: Meine Einschätzung hat mehr Gewicht als Gottes Wort. Und ich glaube, dass wir alle hier dazu tendieren, letztendlich unsere Einschätzung über Gottes Wort zu stellen. Ich möchte es an vier Bereichen konkretisieren.
Fangen wir mit der Partnerwahl an, moralische Standards. Von wie vielen Jugendlichen habe ich schon gehört: Gott möchte, dass ich dieses ungläubige Mädchen zur Partnerin nehme, weil er möchte, dass sie durch mich zum Glauben kommt. Du weißt es besser als Gott. Gott hat ganz klar im 2. Korinther 6,14 gesagt: Welche Gemeinschaft hat Licht mit Finsternis? Zieht nicht an einem ungleichen Joch mit den Ungläubigen. Und du denkst irgendwie, und ich glaube, dass viele das sogar glauben, dass Gott irgendwie dazu ein Ja geben kann.
Und was machst du im Grunde? Du stellst deine Einschätzung und deinen Willen über das, was Gott sagt. Wir werden eh in ein paar Monaten heiraten, und dann werden wir eh die Sexualität ausprobieren. Warum soll ich das nicht schon vorher machen? Das macht überhaupt keinen Sinn. Deine Einschätzung ist im Grunde der Gott und wichtiger als das, was Gott gesagt hat.

Konkrete Lebensbereiche als Prüfstein

Materialismus ist ein ganz, ganz wunder Punkt. Ich werde nachher noch ein paar Bilder zeigen.
Wir fliegen immer einmal pro Jahr nach Kuba und besuchen die Christen dort. Es ist zum Heulen, wie die Leute da leben. Es sind Familien, wo die Eltern mit den Kindern den Kühlschrank aufmachen und sagen: Papa, warum ist da nichts drin? Und die Eltern hoffen, dass irgendetwas kommt. Aber das Land ist in einer unglaublichen Krise. Es gibt stundenlange Stromausfälle, jeden Tag, und das Leben ist so bedrohlich. In den Apotheken gibt es noch nicht einmal Paracetamol oder Ibuprofen, wenn so ein tropisches Fieber rumgeht.
Wie legitimierst du deinen Lebensstil? Was für ein Auto fährst du? Wie viel Geld gibst du für ein Fahrrad aus? Wie stattest du deine Wohnung aus? Wie kann es sein, dass wir alle bei diesem dekadenten Lebensstil, den wir führen, überhaupt kein schlechtes Gewissen haben? Das ist total verrückt.
Was machst du mit so einem Bibelvers, der sagt: Wenn wir Nahrung und Bedeckung haben, so wollen wir uns daran genügen lassen? Was für ein iPhone kaufst du dir? Man könnte jetzt so viel erzählen. Warum haben wir kein schlechtes Gewissen, obwohl wir wissen, dass auf der anderen Hälfte der Erde die Christen fast sterben, weil keiner sie unterstützt? Wie viele Autos stehen bei dir auf dem Parkplatz? Welche Marke ist ein Auto?
Mein Vater hat zu Recht vor Gesetzlichkeit gewarnt, und trotzdem weiß ich nicht, wie wir das legitimieren, dass wir so leben, wie wir leben. Wenn Gott sagt, eigentlich, wenn wir einen Schlafplatz und ein Dach über dem Kopf haben, dann sollte uns das schon reichen, wer wird sich denn an diese Ansage von Gott halten? Wer würde sagen: Da ordne ich mich dem unter?
Ich habe in den letzten Monaten mit einigen Jugendlichen über das Gottesbild diskutiert, und da merke ich genau das Gleiche. Uns gefallen einfach die Stellen nicht, wo von Gottes Zorn gesprochen wird. Und wir denken mit unserer Intelligenz: So kann Gott einfach nicht sein. Und dann ist es ganz egal, wenn da steht: Um dieser Dinge willen kommt der Zorn Gottes über die Söhne des Ungehorsams. Und: Wer an den Sohn nicht glaubt, der wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt auf ihm.
Es ist so offensichtlich, wie einige versuchen, das zu relativieren und zu sagen, es kann keinen Zorn Gottes geben, weil Gott Liebe sein muss. Was du machst, ist, dass du deine Einschätzung, wie Gott zu sein hat, über die Offenbarung Gottes stellst.
Wie viele Stunden investierst du jeden Tag oder in der Woche, um dein Selbstporträt in den sozialen Netzwerken aufzupolieren, um gute Fotos reinzustellen, um dich irgendwie wichtig darzustellen? Jesus hat gesagt: Wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt werden. Er muss wachsen, nicht aber abnehmen, sagt Johannes der Täufer.

Gemeinde, Ordnung und geistliche Prioritäten

Ich hoffe, dass wir in vielen Punkten genau den Fehler Jerobeams begehen und unsere Einschätzung über die Ansage Gottes stellen, was daraus folgt. Meine Entscheidung treffe ich so, dass eine möglichst große Erfolgswahrscheinlichkeit für mein Königtum gegeben ist. Dann macht alles, was Jerobeam macht, plötzlich Sinn. Ja, das macht Sinn: Einfach alle Leute können auch mal am Gottesdienst mitwirken und opfern. Die schön glänzenden Götzenbilder, diese Kälber, das funkelt und glitzert in der Sonne. Das neue Fest, das er sich ausgedacht hat, das wird ein prunkvolles Fest gewesen sein, feierlich, so sagt es der Text.
Und so sind wir auch. Wenn wir erst einmal anfangen, unsere Einschätzung an Gottes Stelle zu setzen, dann werden wir ganz pragmatisch. Und das sind alles Tendenzen, die erkennen lassen: Gott will, dass ich gesund bin, Gott will, dass ich erfolgreich bin, Gott will, dass ich mich selbst verwirkliche. Wir müssen dem Gottesdienstbesucher etwas bieten, auch mal neue Elemente hineinbringen. Hauptsache, der Besucher fühlt etwas und hat ein gutes Gefühl, wenn er nach Hause geht. Aber das sind alles nur Konsequenzen von dem ersten Fehler, dass ich meine Gedanken nicht dem unterordne, was Gott sagt.
Und dann die drei konkreten Sachen, in denen das Ganze gipfelt:
Das Erste: Es muss nicht der Tempel sein. Ich möchte euch heute ganz vehement mitgeben: Ihr braucht eine lokale Ortsgemeinde. Ihr braucht den Bruder oder die Schwester neben dir, der vielleicht nach Schweiß stinkt, der total wortkarg ist. Ihr braucht die aus eurer Sicht mittelmäßigen Predigten. So ist das Leben, und Gott hat sich das ausgedacht. Gott hat gesagt, das ist mir besonders wichtig. Und ich weiß, dass ihr bei YouTube und auf den Kanälen viel bessere Predigten findet und dass ihr aus der ganzen Welt irgendwie neue Gedanken in euren Kopf lasst. Und trotzdem sagt Gott: Mir ist die Gemeinde wichtig.
Und natürlich wird das keiner von euch so sagen, aber wie viele? Und ich gehöre selbst dazu: Wie oft denke ich verächtlich über die Gemeinde. Ich kenne einen Mann, der wirklich behauptet: Ich gehe nicht mehr in die Gemeinde, weil ich alles gehört habe, was man hören kann. Nimm aus diesem Jugendtag mit, dass Gott seinen besonderen Segen verheißt für diejenigen, die sich wirklich einer Gemeinde anschließen und versuchen, da mit den anderen Geschwistern zusammen den Leib abzubilden, den Gott sich ausgedacht hat, und ihn das Zentrum des Leibes sein zu lassen.
Ihr denkt vielleicht: Wie kann das Volk damals darauf reingefallen sein? Das ist ja so offensichtlich. Sie wussten ja, dass Gott sie aus Ägypten befreit hat. Wie kann das klappen, dass so ein Jerobeam einfach zwei goldene Kälber hinstellt und alle fangen auf einmal an, die goldenen Kälber anzubeten? Sei nicht so vorschnell mit deinem Urteil, du machst genau das Gleiche.
Und klar, wir singen jetzt gleich noch das Lied, glaube ich, „You are my all in all“, und wir kennen diese Lieder und singen die am so guten Jugendtag auch begeistert mit. Aber seien wir doch mal ehrlich: Wer von euch wird denn wirklich sagen können, mit gutem Gewissen, Gott ist mein Ein und Alles? Und wie viele von euch, mich selbst eingeschlossen, haben auch Dinge an die Stelle Gottes gesetzt: dein Auto, dein Haus, dein Körper, dein Konto, bei vielen die Intelligenz, was wir wie einen Gott füttern und wo unser Herz viel mehr mitschwingt, als wenn wir uns irgendwie mit Gott beschäftigen.
Wir haben überhaupt kein Recht, Jerobeam leichtfertig zu verurteilen, sondern ich glaube, dass das der kritische Punkt heutzutage ist: dass wir mit dem ersten Fehler anfangen und unsere Einschätzung über das, was Gott gesagt hat, stellen. Und dann kommen ganz, ganz viele Sachen nach.

Ordnung, Politik und Randfiguren

Verantwortlichkeiten und Hierarchien können flexibel gehandhabt werden. Jerobeam sagt: Bei mir darf jeder räuchern. Und das steht wirklich an einer Stelle, dass er aus allen Dörfern Leute nahm, und die wurden neue Priester. Und am Ende, wir werden das noch sehen in der nächsten Predigt, fängt er selbst an zu räuchern. Es wird alles relativiert.
Wie sieht das heute bei uns aus? Ich möchte drei Bereiche ansprechen. Und ich möchte es euch nicht so einfach machen. Natürlich könnte ich jetzt auch einfach auf die Frauenfrage zu sprechen kommen und dann sagen: Hier vielleicht 50, ich lebe ja noch in der bibeltreuen Gemeinde, wir halten die Ordnung Gottes noch ein. Ich glaube, dass wir auch alle dazu neigen, Verantwortlichkeiten und Hierarchien, die biblisch klargestellt sind, zu relativieren oder auszuhebeln.
Der erste Punkt, den ich ansprechen möchte, ist dein Verhältnis zu deinen Eltern. Es ist ein Prinzip, das sich durch die ganze Bibel zieht, im Alten wie im Neuen Testament, dass Gott sagt: Gehorcht euren Eltern, ehre deinen Vater und deine Mutter, vor einem grauen Haupt sollst du aufstehen, fahre einen älteren Mann nicht hart an, ihr Jüngeren ordnet euch den Älteren unter.
Wie ist dein Verhältnis zu deinen Eltern? Was ist, wenn die am Wochenende sagen: Jetzt räum mal dein Zimmer auf oder, keine Ahnung, und du hättest viel mehr Lust, jetzt irgendwie die neuesten Videos auf TikTok anzugucken? Und ich kenne wirklich einige Jugendliche, die auf Freizeiten wunderbare Mitarbeiter abgeben, aber zu Hause den Eltern das Leben zur Hölle machen. Hier ist eine Hierarchie, die Gott gesetzt hat: Ordne dich deinen Eltern unter, ehre deine Eltern.
Wann hast du zum letzten Mal deiner Mutter irgendetwas Liebes gesagt? Vielleicht, weil man versucht, ihr einen schönen Abend zu machen mit irgendeiner Überraschung. Vielleicht ist hier ein Bereich, wo du sagen musst: Hier ist eine Hierarchie, die Gott gegeben hat, die ich neu anpacken muss, wo ich mich Gottes Gedanken nicht untergeordnet habe.
Das zweite Beispiel, das ich bringen möchte, ich hoffe, dass ich da mit den Verantwortlichen hier vom Kraftstoff kein Problem kriege, aber ich sage es einfach, ist unser Verhältnis zur Politik. Meine Beobachtung ist: Wir können gerne darüber streiten, dass bei vielen Christen, wenn irgendwie die Bundestagswahl oder die Landtagswahl ist, sie nachmittags irgendwie am Computer oder Radio sitzen und die ersten Hochrechnungen abwarten, dass das Herz mehr ausschlägt als bei der spannendsten Predigt an irgendeinem Sonntag, und man die ganzen Emotionen und die ganze Leidenschaft darin legt, dass man hofft, dass irgendeine Partei vielleicht besonders viel Prozente kriegt.
Und unsere Idole sind mittlerweile die, die sich vielleicht auch politisch stark engagieren. Wie haben das denn die Glaubensvorbilder in der Bibel gemacht? Warum hat Abram, was wird von ihm gesagt? Er hat in Zelten gewohnt. Was war die Botschaft? Abram war sehr reich, und sein Sohn auch, Isaak auch und Jakob auch. Die waren reicher als alle anderen. Aber wodurch sind sie aufgefallen? Alle anderen Völker haben immer gesehen: Hier sind Leute, die keine bleibende Wohnung auf der Erde haben. So wird es im Hebräerbrief gesagt. Die Botschaft war: Sie suchen die zukünftige Stadt. Sie haben gelebt: Ich bin hier nur ein Fremdling, das Entscheidende kommt im Himmel.
Wie stark geht dir das aktuelle Tagesgeschehen, das, was politisch und so weiter in Deutschland oder in Amerika passiert, wie stark nimmt dich das mit? Ja, wir müssen uns als Christen positionieren, und manchmal müssen wir uns auch stärker positionieren. Aber Gott hat hier auch eine ganz klare Zuständigkeit geäußert: Trachtet nach dem, was oben ist, Kolosser 3, nicht nach dem, was auf Erden ist, denn ihr seid gestorben, euer Leben ist verborgen mit Christus in Gott. Was hat Jesus gesagt, als Pilatus ihn fragt: Bist du ein König? Mein Reich ist nicht von dieser Welt.
Ich möchte aus Hebräer vorlesen, was über die alten Glaubensvorbilder gesagt wird, das so selbstredend ist, wo ich auch denke: Wir müssen uns mal überprüfen, wie stark ist unser Leben wirklich mittlerweile mit dem, was hier in unserem Vaterland passiert, verwurzelt. Durch Glauben hielt sich Abraham in dem Land der Verheißung auf wie in einem Fremden und wohnte in Zelten mit Isaak und Jakob, dem Miterben derselben Verheißung. Denn er erwartete die Stadt, die Grundlagen hat, deren Baumeister und Schöpfer Gott ist. Diese alle sind im Glauben gestorben, haben nicht die Verheißung empfangen, sondern sahen sie von fern und begrüßten sie und bekannten, dass sie Fremde und ohne Bürgerrecht auf der Erde seien. Denn die, die solches sagen, zeigen deutlich, dass sie ein Vaterland suchen.
Und vielleicht wäre unser politisches Statement heutzutage manchmal viel, viel klarer und viel, viel wirkungsvoller, wenn wir die Botschaft leben würden: Wir haben eine andere Heimat, wir warten auf das, was kommt. Unser Herz ist nicht verkettet mit dem, was hier passiert.
Und ein letzter Bereich, den ich ansprechen möchte, sind die Randfiguren der Gesellschaft. Da möchte ich euch auch herausfordern, auch wenn das euch jetzt vielleicht ein bisschen ärgert: Wie viele Drogenabhängige, wie viele Alkoholiker, wie viele Obdachlose sind bei euch in den Gemeinden? Ist es für euch selbstverständlich, dass ihr euch um diese Leute kümmert? Ich komme durch relativ viele Gemeinden, und ich finde, dass in den Gemeinden nur Spießer sitzen, nur Leute, die ein Auto haben, die gut gekleidet sind, alles Leute, die eine gewisse Bildung haben. Wo sind die Randfiguren der Gesellschaft?
Könnt ihr da vielleicht sagen: Die Ältesten aus unserer Gemeinde machen da nichts. Aber warum fängst du nicht so etwas an? Wie hat Jesus die Prioritäten gesetzt? Jesus wurde immer der Freund der Zöllner und Sünder genannt. Die Pharisäer und ihre Schriftgelehrten murrten und sprachen zu seinen Jüngern: Warum esst und trinkt ihr mit den Zöllnern und Sündern? Jesus sprach: Die Gesunden bedürfen des Arztes nicht, sondern die Kranken. Ich bin nicht gekommen, Gerechte zu rufen, sondern Sünder zur Buße.
In meiner Gemeinde gibt es ein Team von fünf Männern. Bei uns gibt es in der Nachbarschaft ein Haus, wo die Stadt alle reinpackt, die irgendwie nicht gesellschaftskompatibel sind. Da sind Obdachlose drin, da sind Drogenabhängige drin, da sind Alkoholiker drin, da sind latent Kriminelle drin, alle in einem Haus eingepfercht. Und diese fünf Leute aus unserer Gemeinde gehen einmal pro Woche dahin, bringen etwas zu essen mit, versuchen Kontakte zu knüpfen, versuchen mit den Leuten zu sprechen, Vertrauen aufzubauen, ihnen zu helfen und am Ende über Jesus zu sprechen.
Als diese fünf Leute zum ersten Mal bei dem Haus waren, mit einem Vertreter der Stadt, ging das Fenster auf, und ein Italiener hat oben vorm Fenster geschrien: Kommt nicht in dieses Haus, wir sind der Abschaum, ihr habt ein gutes Leben, ihr habt hier nichts zu suchen. Und ein junger Mann hat dem Team gesagt, als sie zum ersten Mal in dem Haus waren: Ihr seid die ersten Menschen, die freiwillig in dieses Haus gehen.
Warum akzeptieren wir, dass in unseren Städten solche Menschen leben, und wir kümmern uns nicht um die? Und es ist so offensichtlich, dass Jesus seinen Schwerpunkt da gesetzt hat. Ja, das ist unbequem, das kann auch gefährlich sein, und trotzdem hat Jesus gesagt: Wenn aber irgendjemand irdischen Besitz hat und sieht seinen Bruder Mangel leiden und verschließt sein Herz vor ihm, wie bleibt die Liebe Gottes in ihm? Wenn du siehst, dass da Leute sind, die Mangel leiden, und du gehst einfach dran vorbei, wie bleibt die Liebe Gottes in ihm? Die Ansage ist klar.

Die Folgen des ersten Fehlers

Und dann ist das wie ein Domino-Spiel. Der erste Stein fällt um, und dann fällt immer mehr um. Erst wird der Priesterdienst relativiert, dann sogar ausgegrenzt, denn die Leviten verließen ihre Bezirke, ihr Besitztum, und zogen nach Juda, nach Jerusalem. Denn Jerobeam und seine Söhne hatten sie aus dem Priesterdienst des Herrn verstossen.
Ganz interessant: Am Anfang ist es Pragmatismus. Wir brauchen irgendwie Ersatz. Aber am Ende wird es richtig krass. Und er wollte die Leviten überhaupt nicht mehr haben, sondern er hat ganz bewusst gesagt: Die Leviten nehme ich nicht, ich will andere.
Und wie viele Biografien habe ich vor Augen, die so angefangen haben: die die ersten kleinen Sachen relativieren. Das kann ich nicht so machen wie Gott, das ist mir zu unlogisch, und ich bin mir ganz sicher, dass ich es besser weiß. Und was ist am Ende daraus geworden?
Und deshalb abschließend die Frage: Wie fatal war der erste Fehler?
Der erste Fehler war, dass Jerobeam sagte: Wenn ganz offensichtlich mein Verstand mir sagt, da kann Gott nicht recht haben, dann werde ich meinem Verstand gehorchen und ein bisschen von Gottes Vorgaben Abstriche machen. Wie fatal war das? Wie fatal ist das, wenn du das machst?
Die erste Konsequenz ist, dass der Sohn von Jerobeam sterben muss. Das werden wir heute nicht behandeln, das ist die Geschichte in 1. Könige 14. Die zweite Konsequenz ist, dass sein Königtum keinen Bestand hat. Das will ich doch vorlesen: 1. Könige 14,11. Ein Prophet kommt zu Jerobeam, und der sagt: Wer von Jerobeam in der Stadt stirbt, den sollen die Hunde fressen, wer auf dem Feld stirbt, den sollen die Vögel des Himmels fressen, denn der Herr hat es geredet.
Das ist unglaublich dramatisch. Ich weiß nicht, ob euch das schon bewusst war. Die Geschichte Israels wäre wahrscheinlich anders gelaufen, wenn Jerobeam diesen Fehler nicht gemacht hätte. Vielleicht gäbe es das Nordreich noch, weil Gott ganz eindeutig sagt: Weil du diesen einen Fehler gemacht hast.
Was sagt Gott? Und der Herr wird sich einen König über Israel erwecken, der das Haus Jerobeams ausrotten wird an jedem Tag. Und was soll ich sagen: Schon jetzt beginnt es. Der Herr wird Israel schlagen, dass es wie das Rohr im Wasser schwankt, er wird Israel herausreißen aus diesem guten Land, das er ihren Vätern gegeben hat, er wird sie zerstreuen jenseits des Stroms, weil sie ihre Ascherin gemacht haben, wodurch sie den Herrn reizen.
Diese Weichenstellung von Jerobeam ist der Grund, warum es das Nordreich einige Jahre später nicht mehr gab und die Assurer kamen und haben die Leute vor dem Südreich in die Gefangenschaft deportiert. Ansonsten das, was wir gerade schon in der ersten Predigt hatten: Er zieht eine Furche, und die Furche ist so tief, dass keiner seiner Nachfolger rauskommt. 14 nachfolgende Könige, keiner kommt raus, sie schaffen es nicht, auszuweichen.
Und so möchte ich dich bitten, in diesem Punkt wirklich dein Herz und deinen Kopf auf den Prüfstand zu stellen: Wie positionierst du dich zu dem, was Gott gesagt hat?
Das Schöne ist: Gott gibt nicht so schnell auf. Wir werden in der nächsten Predigt sehen, dass Gott erhebliche Mühen unternimmt, um Jerobeam zurechtzubringen.