Serie•Teil 26 / 37Matthäus-Evangelium
Generierte Mitschrift
Die nachfolgende Mitschrift wurde automatisch mit KI-Technologie erstellt und kann Fehler enthalten. Im Zweifel gilt das gesprochene Wort.
Ein Einstieg mit einer überraschenden Wendung
Spät an einem Sommerabend fährt in Broken Bow, das ist ein kleiner Ort in Nebraska, ein müder Trucker mit seinem Laster an einen Truckstop. Er ist müde und hungrig und bestellt, sobald er sich gesetzt hat, einen richtig großen Topf Kaffee, einen Hamburger – so einen, wie es ihn in Amerika gibt, also etwas Größeres als bei McDonalds – und ein großes Stück Apfeltorte.
Und während die Bedienung gerade dabei ist, ihm seine Bestellung auf den Tisch zu stellen, kommen drei große, am ganzen Körper tätowierte, finster dreinblickende Mitglieder der Hells Angels herein. Das ist eine früher recht bekannte und gefürchtete Rockergang. Und kaum sehen die drei diesen müden Trucker an seinem Tisch sitzen, beschließen sie, ihm den Aufenthalt hier im Lokal gründlich zu vermiesen, und nehmen an seinem Tisch Platz.
Sie fangen damit an, ihm wüste Beleidigungen an den Kopf zu werfen. Dann nimmt der Erste seinen Hamburger, beißt davon ab und legt ihn wieder zurück, mit einem Grinsen. Der Zweite nimmt den Topf Kaffee, nimmt einen großen Schluck, spuckt hinein und stellt ihn wieder zurück. Und der Dritte packt mit seiner ölverschmierten Hand das Stückchen Apfeltorte und zerquetscht es vor den Augen dieses müden Lastwagenfahrers, bis die Brocken über den ganzen Tisch verteilt sind.
Die Reaktion des Truckers auf diese Provokation ist legendär geworden. Er sagt nämlich gar nichts. Er steht ruhig auf, geht nach vorne an die Kasse, bezahlt die Rechnung und verschwindet.
Die Bedienung in diesem Truckstop hatte die Szene die ganze Zeit mit klopfendem Herzen verfolgt und schaut nun durchs Fenster, wie dieser riesige Laster wieder in die Nacht davonfährt. Und als sie an den Tisch kommt, wo die Rocker immer noch sitzen, um die Bestellung aufzunehmen, sagt einer von ihnen: „Was für ein Schlappschwanz! Wie kann der abends noch in den Spiegel schauen, ohne sich zu schämen?“ Die Bedienung antwortet: „Keine Ahnung. Und Lastwagen fahren kann er auch nicht. Beim Losfahren eben hat er mit seinem Laster drei Motorräder überrollt.“
Wenn ich so eine Geschichte höre – und wie gesagt, diese Geschichte ist in vielen Witzen verpackt worden –, dann gibt es einen Teil in mir, der am Ende sagt: Ja, er hat ihn gegeben.
Wir wollen uns heute mit dem Thema Rache beschäftigen und sehen, dass diese Haltung vom Neuen Testament her komplett falsch ist. Ich bitte jetzt Till, die Predigtnotizen zu verteilen. Wer keine Bibel hat: Ich habe keine Folien, kann von Martin eine Bibel bekommen. Ihr werdet sie brauchen. Wir werden uns etwas durch das Neue und Alte Testament bewegen.
Und ansonsten: Wer seine Bibel dabei hat, wir sind immer noch in der Bergpredigt, Matthäus 5,38 folgende. Matthäus 5,38, dort heißt es: Ihr habt gehört, dass gesagt ist: Auge um Auge und Zahn um Zahn.
Der alte Grundsatz und seine eigentliche Funktion
Bei dieser Formulierung handelt es sich um ein Zitat aus dem Alten Testament. Diese Formulierung findet sich wenigstens zweimal, nämlich im zweiten Buch Mose. Dort geht es um das große Thema: Was ist, wenn zwei miteinander eine Schlägerei haben und einem davon etwas passiert? Wie muss dann der andere bestraft werden? Da geht es eben um Auge um Auge, Zahn um Zahn. Und auch an anderer Stelle: Wenn einer einem anderen absichtlich einen Schaden zufügt, wie ist damit dann im Gericht umzugehen? Wie soll ein Richter diesen Fall bemessen?
Das Alte Testament zeigt mit diesem Grundsatz Auge um Auge, Zahn um Zahn, und das kann man ja fortsetzen, zwei Dinge erst einmal ganz klar auf. Erstens: Straftaten müssen bestraft werden. Also wenn ich Leute, die straffällig werden, nicht bestrafe, und zwar nicht adäquat bestrafe, dann führt das dazu, dass sie tatsächlich nichts lernen.
Und in 5. Mose 19,20-21, in einem bestimmten Zusammenhang, den ich jetzt nicht näher erläutern will, heißt es: Und die übrigen sollen es hören und sich fürchten und nicht mehr länger eine solche böse Sache in deiner Mitte begehen. Ja, was sollen sie hören? Sie sollen hören, was vorher geschehen ist, nämlich dass man das Böse aus der Mitte Israels weggeschafft hat. Wenn ich also von dem Bösen, das gerichtet wird, höre, dann bewahrt es mich davor, dasselbe Böse auch zu tun. Und dann heißt es auch an der Stelle: Du sollst nicht schonen. Wie gesagt, das ist ein bestimmter Sachverhalt hier, den ich nicht auslegen will, aber: Du sollst nicht schonen. Leben um Leben, Auge um Auge, Zahn um Zahn, Hand um Hand, Fuß um Fuß.
Eine adäquate Strafe verhindert weitere Straftaten.
Zweitens: Dieses Prinzip Auge um Auge, Zahn um Zahn, verhindert auch übertriebene Strafen. Es grenzt also auch Strafe ein. Wir haben in der Bibel sehr früh ein Verhalten, welches wir heute vielleicht als Rache bezeichnen würden. Das findet sich schon in 1. Mose 4. Dort spricht einer der Nachkommen Kains, ein gewisser Lamech, 1. Mose 4,23, so ein bisschen angeberisch würden wir sagen, zu seinen Frauen. Er sagt: „Ada und Zilla, hört meine Stimme, Frauen Lamechs, hört auf meine Rede!“ Und jetzt kommt’s: „Fürwahr, einen Mann erschlug ich für meine Wunde und einen Knaben für meine Strieme.“
„Einen Mann erschlug ich für meine Wunde und einen Knaben für meine Strieme.“ Jemand tut mir etwas, und ich habe eine Strieme, und ich erschlage jemanden dafür. Wir merken: Das ist total unangemessen. Aber eigentlich ist genau das das natürliche Bestreben eines nicht erlösten Herzens: Rache, Vergeltung und, wenn irgendwie möglich, dem anderen noch mehr antun, als er mir angetan hat. Und damit natürlich ganz bewusst in Kauf nehmen, dass sich die Spirale der Gewalt immer weiter dreht. Der eine fängt an, der andere macht etwas zurück. Es war ein bisschen viel, der andere sagt: Okay, das war zu viel, jetzt kriegst du auch wieder eins drauf. Und so dreht sich das einfach immer weiter.
Und wenn wir hier im Alten Testament diesem Prinzip Auge um Auge, Zahn um Zahn folgen, dann sollen uns diese zwei Ziele vor Augen stehen. Einmal: Es ist ein Prinzip, das für Richter gilt. Es ist, wir würden vielleicht heute sagen, ein elementarer Bestandteil der Strafprozessordnung des Alten Testaments. Es war für Richter, damit sie ein Strafmaß festlegen konnten. Und das Ziel war einmal, überhaupt eine Bestrafung zu haben, um weitere Vergehen einzudämmen. Und zum Zweiten, um sicherzustellen, dass nicht irgendwie Willkür herrscht und jeder den anderen so bestraft, wie er es will oder auch wie er es kann.
Manche Leute sind ja ein bisschen betuchter, und die müssen dann womöglich selbst weniger Strafe einstecken. Und wenn jemand gegen sie klagt, dann wird der richtig ausgenommen. Das soll nicht geschehen, es soll Gerechtigkeit herrschen.
Warum persönliche Vergeltung nicht gemeint ist
Im Alten Testament ist es trotzdem niemandem erlaubt, sein Recht in die eigene Hand zu nehmen. Wenn wir also lesen: Auge um Auge, Zahn um Zahn, dann richtet sich das an einen Richter, an jemanden, der Recht spricht.
Wenn ich nun hingehe und sage: Schöne Sache, der hat sich mir gegenüber das und das erlaubt, Auge um Auge, Zahn um Zahn, dem zahle ich heim, dann benutze ich das Wort in einer ganz falschen Weise.
Im Hinblick auf Leute, die sich so in persönlicher Weise an mir vergehen, wo man vielleicht innerlich sagt: Ja, die drei Motorräder sind meine, 30 Tonnen über drei Motorräder, da bleibt nichts übrig, ist das Wort Auge um Auge und Zahn um Zahn auch im Alten Testament nicht zu verstehen und darf auch nicht angewendet werden.
Da gilt vielmehr das, was wir in Sprüche 24 lesen, und zwar Sprüche 24,29, wo Gott das Thema Rache und Vergeltung auch im Alten Testament klärt. In Sprüche 24,29 heißt es: Sage nicht – das ist etwas, was Gott nicht hören will aus unserem Mund –: Wie er mir getan hat, so will ich ihm tun, will jedem vergelten nach seinem Tun.
So ein Denken, sagt Gott, möchte ich von den Leuten, die zu mir gehören, gar nicht mitkriegen. Das ist das Alte Testament.
Staat, Recht und die Grenzen persönlicher Selbsthilfe
Jetzt, wie sah es im Neuen Testament aus? Wurden diese Regeln im Neuen Testament angewandt? Und soweit wir sagen können: Nein, die Gerichte zur Zeit des Neuen Testaments haben diese alttestamentliche Regel eigentlich kaum angewandt. Man hat häufig als Strafe einen bestimmten Geldbetrag festgesetzt.
Aber es ist etwas anderes passiert, nämlich genau das, was ich sagte, was nicht passieren soll. Die rabbinische Tradition, das heißt das, was den Leuten damals gelehrt wurde, war zu diesem Zeitpunkt: „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ ist nicht nur für den Richter da, damit er ein vernünftiges Strafmaß festsetzt. Sondern wenn du in deinem persönlichen Umfeld jemanden hast, der dir so richtig eins auswischt, dann hast du das Recht, zurückzuschlagen. Das war die Auslegung von „Auge um Auge und Zahn um Zahn“. Und damit wird dieses Wort umgemünzt zu einer vermeintlich biblischen Rechtfertigung für Rachsucht.
Man hat sich also so gedacht: Auf der einen Seite gibt es die Gerichte, die hat niemand in Frage gestellt. Das haben wir gesehen bei dem Thema Töten. Wenn du tötest, dann ist das Gericht zuständig. Ja, hier sind die Gerichte. Aber dann gibt es ja noch so einen Bereich, einen privaten Bereich, wo das Gericht nicht zuständig ist. Wo mir jemand ein bisschen schräg und krumm kommt. Wo ich nicht gleich sagen kann: Ich werde hier mal ein Verfahren gegen mich anstrengen. Da, wo jemand mir auf eine persönliche Weise wehtut, und genau in diesem Bereich beginnt Rache. Und damals begann auch die Legitimation für Rache mit dem Wort „Auge um Auge, Zahn um Zahn“.
Bevor wir uns anschauen, warum das falsch ist, möchte ich noch etwas ganz Allgemeines zum Thema Rechtssystem sagen. Wie hat sich Gott eigentlich Recht auf dieser Erde gedacht? Und soweit wir sehen können, hat sich Gott Recht verwirklicht gedacht in einem Staat. Das heißt: Für die Aufrechterhaltung von Recht und Ordnung ist der jeweilige Staat, in dem ich lebe, zuständig. Für uns ist das die Bundesrepublik Deutschland. Und als Teil dieses Staates habe ich bestimmte bürgerliche Rechte und Pflichten. Gott will, dass der Staat das Gute fördert und das Böse bestraft. Das findet sich im Römerbrief, 13,4.
Kein Christ gibt seine bürgerlichen oder staatsbürgerlichen Rechte dadurch auf, dass er Christ wird. Wir sind immer noch Teil dieses Staates. Und wenn wir gleich lesen werden: „Widersteht nicht dem Bösen“, dann heißt das erst einmal nicht, dass wir einfach mit uns machen lassen müssen, was irgendeinem anderen gefällt. Das kann man sich ja sehr grob vorstellen. Das ist nicht nötig, denn wir leben in einem System, in dem wir auch ein gewisses Maß an Schutz vom Staat erfahren, und wir dürfen auf diesen Schutz auch zurückgreifen.
Beispiele für legitime Rechtsansprüche
Ich will euch zwei Beispiele aus der Bibel zeigen, wo Paulus das macht.
Paulus ist in Jerusalem, und er wird dort von einem jüdischen Mob fast gelyncht. Die römischen Soldaten schreiten ein und holen ihn gerade noch aus der Menge heraus. Und jetzt stehen sie da. Sie verstehen nicht, warum die anderen Juden diesen Paulus umbringen wollen. Sie haben diesen Paulus da, und sie denken sich: Wir müssen hier irgendwie der Wahrheit auf den Grund gehen.
In der damaligen Zeit ging man der Wahrheit dadurch auf den Grund, dass man eine Peitsche nahm, in deren Lederstriemen Knochen, Splitter und Bleistücke eingewebt waren. Das nennt man Geißel. Man hängte denjenigen, den man zur Wahrheit bringen wollte, dann ausgestreckt irgendwo hin und geißelte ihn, bis er eben die Wahrheit sagt.
Und während man Paulus also ausstreckt, um dann mit ihm diesen Prozess der Wahrheitsfindung einzuleiten, meldet sich Paulus zu Wort und sagt: Ihr Soldaten, hört mal ganz kurz zu. Ist es wirklich erlaubt, einen Menschen, der Römer ist, zu geißeln, und zwar unverurteilt?
Und als der römische Soldat das hört, geht er zu seinem Vorgesetzten und sagt: Ey, weißt du, was du da machst? Du lässt unverurteilt einen römischen Bürger geißeln. Du weißt, dass das nicht in Ordnung ist, und du weißt, dass wir, wenn wir das hier machen, einen furchtbaren Ärger kriegen.
Der sagt sofort: Nein, ich wusste ja gar nicht, dass das ein römischer Bürger ist. Wo hat der das denn her? Und er fängt dann an, Paulus anzusprechen: Wie bist du dazu gekommen? Du siehst ja ganz normal wie ein Jude aus. Ich dachte gar nicht, dass du ein römischer Bürger bist. Und Paulus sagt: Ja, ich bin das sogar schon seit Geburt. Und der zuständige Hauptmann muss dann zugeben: Ja, ich habe es mir nur nachträglich gekauft.
Römischer Bürger sein, das war etwas. Paulus sagt nicht: Widersteht nicht dem Bösen, na ja, ich lasse mich hier mal durchgeißeln, und danach werde ich sie halt aufklären. Das tut er nicht. Sondern da, wo er als römischer Bürger das Recht hat, eine bestimmte, auch andere, vorteilhaftere Behandlung einzufordern, tut er das.
An anderer Stelle, ein bisschen weiter hinten, gibt es eine ähnliche Situation. Paulus ist immer noch Gefangener des römischen Statthalters und soll nach Jerusalem gebracht werden, um dort vor dem Hohen Rat zu seiner Verteidigung zu erscheinen. Er weiß in dem Moment schon, dass er diese Reise nicht überleben würde, weil man einen Anschlag auf ihn geplant hat. Und er wehrt dieses Angebot, oder eigentlich diese Aufforderung, dadurch ab, dass er sagt: Nö, ich berufe mich auf den Kaiser.
Oder anders ausgedrückt: Als römischer Bürger habe ich das Recht, in jedem Strafverfahren den obersten Gerichtshof anzurufen. Und wenn du, lieber Festus, hier nicht mehr weiter weißt und so ein mit meinen Worten linkes Ding mit mir drehen willst, dann möchte ich bitte schön vor den Kaiser geführt werden.
Und wenn man danach die Kapitel liest, dann merkt man, wie der Statthalter anfängt zu zappeln und wie er versucht, irgendwie doch noch eine Anklage herauszubringen und alles Mögliche aufzunehmen, weil er gar nicht weiß, was er mit diesem komischen Gefangenen machen soll. Aber eines kann er nicht: Er kann sich nicht hinstellen und sagen: Kriegst du nicht, Paulus? Paulus ist römischer Bürger, er hat das Recht, und er beruft sich auf dieses Recht.
Wenn staatlicher Schutz fehlt
Was ist, wenn der Staat seiner Funktion als Träger von Ordnung und Recht nicht mehr nachkommt, wenn er anfängt, die Christen zu verfolgen? Wenn es so weit kommt, dann haben wir ein Problem, ein ernstes Problem. Denn dann wird uns passieren, was über die Jahrhunderte immer wieder den Christen passiert ist: Man wird sie in die Arena führen und öffentlich abschlachten, man wird sie enteignen, ihnen die Häuser wegnehmen, man wird ihnen die Kinder wegnehmen. Das kann so weit kommen, und dann sind wir tatsächlich ein Stück weit rechtlos.
Aber, und ich hoffe, wir sind alle miteinander an dieser Stelle dankbar: Im Moment ist es so nicht. Wir leben in einem Rechtsstaat. Und ich denke, wir leben in einem der besten dieser Erde. Zumindest geht es mir so, wenn ich darüber nachdenke. Und ich bin dankbar dafür. Ich bin wirklich von Herzen dankbar, dass ich hier meine Kinder großziehen darf, dass ich relativ wenig Sorge haben muss, dass in der nächsten Ecke jemand mit einer Knarre steht und meine Kinder entführt, und, und, und. Ich bin wirklich dankbar dafür.
Und es ist so: Wenn jetzt jemand zu mir kommt und so einen Bibelvers nimmt. Also, es gibt da einen ganz tollen Bibelvers. Lukas 6,30 heißt es: Gib jedem, der dich bittet, und von dem, der dir das Deine nimmt, fordere es nicht zurück. Jetzt könnte jemand kommen und sagen: Jürgen, glaubst du? Ja. Glaubst du an die Bibel? Ja. Glaubst du an den Vers? Ja. Haha, weißt du was? Fordere es nicht zurück, und zwar von dem, der dir das Deine nimmt. Schön, ich hätte gern deinen Computer. Pack ihn mal ein, ich nehme ihn mit. Was machst du dann?
Dann würde ich wahrscheinlich sagen: Weißt du was, kein Problem, pack ihn ein, ich rufe inzwischen die Polizei. Ich muss nicht dastehen mit den Fäusten und mein Eigentum verteidigen. Ich lebe in einem Staat, wo ich, wenn das wirklich passiert, dass eine Sache einfach mitgenommen wird, ja, 110 rufe. Ist okay. Muss ich mich nicht darum kümmern. Ich habe das Vorrecht, in einem solchen Staat zu leben, wo der Staat sagt: Nein, das ist nicht in Ordnung.
Es mag Zeiten geben, wo der Staat diese Funktion nicht erfüllt, und das hat es oft gegeben. Aber im Moment leben wir in einem solchen Staat, und lasst uns wirklich dafür dankbar sein.
Bleibt aber auch für uns die Frage: Was ist in den Fällen, wo die Polizei nicht wirklich zuständig ist oder sich nicht darum kümmert? Kann ich dann mein Recht in die eigene Hand nehmen? Wisst ihr, dass auf dieser Idee jeder zweite Actionfilm basiert? Irgendwie ist die staatliche Gewalt nicht da, und dann verschafft sich der Held den Revolver, und dann geht er alleine gegen das Böse an. Am Ende sind links und rechts alle tot, und er steht alleine da, der Sieger. Und das ist auch meist dann die letzte Szene. So funktionieren Actionfilme.
Und innerlich sind wir genau so getrimmt. Ich nehme mir meinen Dreißigtonner, und von euren Motorrädern bleibt nichts über als ein Klumpen Schrott. Das unterdenken. Ganz natürlich wird man auf eine Beleidigung oder wenn man sich ausgenutzt fühlt oder wenn man meint, hier schränkt mich einer in meiner persönlichen Freiheit ein, genau so reagieren. Kann doch nicht sein, was erlaubt der sich? Und wird sofort anfangen. Da muss man sich gar nicht anstrengen, das ist wie so ein Automatismus, zu überlegen: Was kann ich tun, damit er das nie wieder tut? Wie kann ich ihm heimzahlen?
Ist da, wo solche Situationen auftreten, wo die Staatsgewalt nicht hilft, wirklich die Erlaubnis da, Rache zu üben? Und die Antwort lautet: Nein.
Gottes Antwort auf den Wunsch nach Vergeltung
Rache ist nicht deine Angelegenheit. Um es deutlich zu sagen: Es wird eine Vergeltung geben für alles Böse dieser Welt. Aber es ist nicht unser Job, dafür zu sorgen, dass sie geschieht, und auch nicht, wann sie geschieht.
Lesen wir dazu Römer 12. Und dort in Vers 19 heißt es: Recht euch nicht selbst, Geliebte, sondern gebt Raum dem Zorn; denn es steht geschrieben: Mein ist die Rache, ich will vergelten, spricht der Herr.
Recht euch nicht selbst, Geliebte. Wir sind für die Aufgabe, Rache zu üben, einfach nicht geeignet. Wir sind in Gottes Augen die Falschen.
Er ist es, der das Böse einmal richten wird. Er wird entscheiden, wann sein Zorn und seine gerechte Rache die Menschen wie trifft.
Wisst ihr, warum das Alte Testament, wenn man es so schnell darüber liest, blutrünstiger wirkt als das Neue Testament? Das Alte Testament wirkt deshalb ein bisschen blutiger und vielleicht an manchen Stellen auch ein Stück erschreckender, weil wir dort mehr mit dem sichtbaren Zorn Gottes im Leben von Menschen und Völkern konfrontiert werden.
Gottes Sache ist der Zorn und die Rache, und er entscheidet, wann es wen, wo und wie trifft. Niemand kommt davon. Ob er sich durch Selbstmord aus dem Leben schleicht, versucht, die Dinge zu vertuschen, oder sonst irgendetwas: Nichts wird einen Menschen vor der Rache Gottes retten, es sei denn, das Blut Christi bedeckt seine Schuld.
Und im Alten Testament erfahren wir etwas von einem Gott, der sichtbar seinen Zorn über einzelne Menschen und über ganze Völker ausgießt, und wir erschrecken innerlich. Und trotzdem gilt im Alten Testament im Umgang mit den Feinden für den einzelnen Gläubigen dasselbe, was im Neuen Testament gilt.
Feindesliebe als durchgehendes biblisches Prinzip
Hier heißt es in Römer 12,20, also im Vers danach: Wenn nun dein Feind hungert, so speise ihn; wenn er dürstet, so gib ihm zu trinken; denn wenn du das tust, wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln.
Ist das jetzt eine neutestamentliche Errungenschaft, wo man sagt: Boah, das ist eine Weiterentwicklung des Alten Testaments, endlich die Liebe? Nein!
Wenn ihr genau schaut, dann werdet ihr feststellen, dass diese Stelle aus Römer 12,20 ein Zitat aus dem Buch der Sprüche ist. Ich lese euch mal das alttestamentliche Gegenstück vor, und ihr werdet fast keinen Unterschied finden. Da heißt es dann in den Sprüchen: Wenn dein Hasser Hunger hat, gib ihm Brot zu essen, und wenn er Durst hat, gib ihm Wasser zu trinken; denn glühende Kohlen häufst du auf sein Haupt. Und der Herr wird es dir vergelten.
Merkt ihr was? Im persönlichen Umgang mit den Menschen, die mich nicht mögen und die mich dazu reizen, sie auch nicht zu mögen, ist das Alte und das Neue Testament immer gleich. Und ich könnte euch viele andere Stellen bringen, wo das drinsteht.
Die Liebe zu den Feinden ist keine neutestamentliche Errungenschaft.
Wie Jesus die Logik der Vergeltung durchbricht
Tja, wie sollen wir uns jetzt verhalten? Kommen wir zurück zu Matthäus 5 und schauen uns an, wie der Text weitergeht.
Matthäus 5: Ihr habt gehört, das Gesagte ist: Auge um Auge und Zahn um Zahn. Ich aber sage euch: Widersteht nicht dem Bösen!
Es ist nicht ganz leicht, auf Anhieb zu sehen, was Jesus damit meint, wenn er sagt: Widersteht nicht dem Bösen. Ich habe schon gezeigt: Wir müssen nicht jede Ungerechtigkeit erdulden. Es heißt auch nicht, dass jeder, der sich in dieser Gemeinde irgendwie bösartig aufführt, von nun an sagen kann: Vor mir kann ja keiner mehr was haben. Oder dass jeder irre Lehrer sagen kann: Du kannst mir doch gar nichts anhaben, du sollst dem Bösen nicht widerstehen, ich bin hier der böse irre Lehrer, du darfst mir gar nichts sagen. Das passt hinten und vorne nicht.
Jakobus 4,7 heißt es: Widersteht aber dem Teufel. Da werden wir dazu aufgefordert, dem größten Bösen zu widerstehen. Und hier sagt Jesus: Auge um Auge, Zahn um Zahn, ich aber sage euch: Widersteht nicht dem Bösen. Was er damit meint, ist: Widersteht dem Bösen nicht in diesem Bereich der persönlichen Rache, der persönlichen Vergeltung.
So wie wir es vorhin gelesen haben in Sprüche 24,29: Sage nicht: Wie er mir getan hat, so will ich ihm tun; ich will jedem vergelten nach seinem Tun. Das sollen wir nicht sagen. An anderer Stelle heißt es in den Sprüchen: Sage nicht: Ich will Böses vergelten. Nein, das ist nicht unsere Aufgabe. Obwohl die natürliche Tendenz unseres Herzens genau dahin geht, ist das nicht unsere Aufgabe. Er will, um es noch einmal zu sagen, dass wir diejenigen sind, die an der Gewaltspirale nicht weiterdrehen.
Und ihr merkt: Widerstehen ist hier eigentlich so viel wie heimzahlen, wie wieder eins drauflegen. Wenn hier steht: Widersteht nicht dem Bösen, dann können wir das übersetzen mit: Zahlt das Böse nicht heim. Es gibt so viele Geschichten von Bluträchern, wo dann ganze Familien ausgelöscht werden, weil einer vielleicht durch einen dummen, tragischen Unfall irgendeinen anderen zu Tode bringt. Und dann muss der wieder jemanden umbringen, und dann geht das so hin und her, bis einfach niemand mehr übrig ist. Mit so einem bösen Tun sollen wir einfach nichts zu tun haben.
Und was Jesus macht, ist: Er bringt jetzt vier Beispiele, wie das aussehen kann. All diese Beispiele stammen aus einem ganz persönlichen Bereich. Ich kann dafür, für das, was hier geschieht, niemanden verklagen, obwohl sie unangenehm sind und obwohl sie in mir Opposition produzieren, sogar provozieren. Und ich würde vielleicht im einen oder anderen Bereich wirklich auf Rache sinnen. Und Jesus sagt: Nein, lass es sein.
Drei Beispiele für ein anderes Verhalten
Wir schauen uns die vier Dinge mal an. Die ersten drei sind zusammengehörend.
Matthäus 5,39, der zweite Teil: „Sondern widersteht nicht dem Bösen, sondern wenn jemand dich auf deine rechte Backe schlagen wird, dem biete auch die andere dar.“
Ja, was heißt das denn bitteschön? Boris, komm mal her, stell dich mal hier vorne hin. Ich will euch etwas zeigen. Boris, zeig uns deine rechte Wange. Gut, das ist die rechte Wange. Wenn ich ihn angreifen würde, dann würde ich ihm, die Bibel geht meist von Rechtshändern aus, hier eine reingeben. Das ist die linke Wange, okay? Ein Faustschlag geht gegen die linke Wange.
Wenn ich ihn, und das ist das, worum es hier geht, beleidigen will, dann kriegt er einfach so zack eins auf die rechte Wange. Danke.
Das heißt, Jesus spricht in diesem Wort von dem Schlag auf die rechte Wange nicht davon, dass jemand dir nachts auflauert und sich dann in einen wüsten Kampf verwickelt. Sondern was er damit zum Ausdruck bringt: Er benutzt das Bild des Schlags auf die rechte Wange als eine sehr grobe Form der persönlichen Beleidigung, und zwar das Äußerste, was dir jemand antun kann.
Du kannst jemanden beschimpfen, aber ein Schlag auf die rechte Wange, das war etwas, was man nur mit Sklaven gemacht hat. Mit einem freien Bürger war das eine richtig böse, grobe Sache.
Und Jesus sagt: Wenn dich jemand beleidigt, nicht wenn dich jemand angreift, hier geht es nicht um Selbstverteidigung, es geht um Rache. Wenn dich jemand beleidigt, dann halte die andere Wange hin. Das heißt, wenn dich jemand mit Worten angreift und dir alle möglichen abfälligen Dinge um die Ohren haut, dann fallen dir natürlich auch ein paar abfällige Dinge ein, die du dem anderen jetzt um die Ohren hauen könntest. Lass sie stecken, bring sie nicht.
Und wenn du einer bist, der im Kopf sehr schnell ist, es gibt, ich bin es nicht, also wenn mich jemand beleidigt, dann brauche ich mal einen halben Tag, bis mir eine gute Antwort einfällt. Aber es gibt andere Leute. Die werden beleidigt, und die schießen. Da kommt ein Wort hin, und es kommen fünf Sätze zurück. Und der, der sich gewagt hat, so eine kleine Beleidigung auszusprechen, der liegt irgendwo ganz tief in einem Krater von Gegenargumenten begraben.
Wenn du so einer bist, dann hast du mit den Worten ein Problem. Weil Jesus sagt: Lass es sein. Wenn jemand dich beleidigt, selbst wenn es eine grobe Beleidigung ist, schlag nicht zurück. Steck lieber nochmal eine Beleidigung ein, als dass du hier die Gewaltspirale weiter drehst. So wie es in 1. Petrus 3,9 heißt: „Und vergeltet nicht Böses mit Bösem und Scheldwort mit Scheldwort, sondern im Gegenteil segnet, weil ihr dazu berufen worden seid, dass ihr Segen erbt.“
Das ist unser Ziel, unsere Aufgabe. Ein Angriff auf meine Ehre, da, wo dieser Angriff stattfindet, wo es in mir rumort, wo ich sage: Oh, dem gebe ich es zurück. Lerne damit umzugehen, lass es sein, steck zurück.
Wenn Besitz und Freiheit auf dem Spiel stehen
Zweitens: Angriff auf meine Lebensumstände
Matthäus 5,40: Und dem, der mit dir vor Gericht gehen und dein Unterkleid nehmen will, dem lass auch den Mantel.
Okay, das ist jetzt etwas, womit wir uns vielleicht schwer tun, es uns vorzustellen. Aber stellt euch vor, ich hätte nur zwei Sachen an: ein langes Unterhemd und darüber einen langen Mantel, so ein Obergewand. Einen Mantel, den ich auch verwende, um mich nachts zuzudecken, weil er so eine Art Bettdeckenersatz ist.
Das Alte Testament regelt ganz klar, man darf diesen Mantel eigentlich nicht pfänden. Wenn man ihn pfändet, dann muss man ihn mir sogar für die Nacht zurückgeben. Und jetzt stehe ich in der Schuld eines anderen. Dieser andere kommt und sagt: Freund, du hast zwar nichts mehr, aber ich werde dir jetzt das Letzte nehmen, was du noch hast, nämlich dein Unterkleid. Sprich: das, was du auf dem Leib trägst.
Und er geht mit mir vor Gericht. Es war damals üblich, dass man Geldstrafen eben auch in Form von Kleidung bezahlen konnte, weil es nicht das Letzte war, was jemand noch an Wert hatte. Und der Richter verurteilt mich. Und ich bin jetzt dazu aufgefordert, das Letzte, was ich noch auf meinem Leib trage, außer dem Mantel, der mich dann verhüllt, dem anderen zu geben.
Und ich merke: Auf der einen Seite hat er schon recht, dass er mich verurteilt. Er hat einen legalen Titel in der Hand, der Richter macht keinen Unsinn. Aber irgendwie fühle ich mich in dem Moment total ausgenutzt, und ich kann nicht verstehen, warum der andere nicht merkt, was er mir da antut, dass er wirklich zu weit geht. Und alles, was an Recht da ist, verschwindet von meinem Denken, und ich kann nur noch darüber nachdenken, warum er diese Situation jetzt ausnutzt.
Sondern jetzt sagt Jesus etwas. Das müsst ihr euch bildhaft vorstellen, damit ihr merkt, dass Jesus in der ganzen Sache ein klein wenig mit Übertreibung arbeitet. Er sagt: Wenn dir das passiert, dann gib ihm nicht nur dein Unterkleid und ärgere dich innerlich und überlege, wie du es ihm das nächste Mal heimzahlst, dass er sich da so wenig in deine Situation hineinversetzt hat und dass er jemand ist, der das jetzt so komplett ausnutzt.
Weißt du was? Damit der andere sieht, dass du es wirklich ernst meinst, die Strafe zurückzuzahlen oder den ausstehenden Geldbetrag, gib ihm auch den Mantel. Das heißt: Zieh dich nackt aus. Das war in der damaligen Zeit undenkbar, dass jemand nackt irgendwie dasteht. Aber das ist das Bild, das Jesus gemacht hat. Nimm dir das hoch und gib ihm alles und geh splitterfasernackt aus dem Gericht raus.
Und alle, die dich sehen, sagen: Was ist mit dir los? Na ja, da hinten steht er, der wollte es haben. Merk dir was: Da ist ein bisschen Humor drin. Die Leute, die sich das vorstellen, sagen: Das geht doch gar nicht.
Und obwohl wir das so sagen können, das geht doch eigentlich gar nicht, was macht er sich da eigentlich, wenn er nackt durch die Gegend läuft? Was macht er den Ankläger, wenn er nackt durch die Gegend läuft? Wird doch die Delektion klar: Wenn du dich ausgenutzt fühlst, ist es besser, du legst noch etwas drauf, als gerade nur das zu geben, was der andere will, und auf Rache zu sinnen.
Und vielleicht gelingt es dir sogar dadurch, indem du noch eines drauflegst, das zu erreichen, was auch in Römer 12,21 steht, wo es heißt: Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit dem Guten.
Vielleicht ist manchmal, wenn du noch eines drauflegst, genau der Punkt erreicht, wo du den anderen überwindest, wo er sagt: Nee, das geht jetzt nicht mehr, dass ich dich hier nackt aus dem Gericht laufen lasse.
Ein drittes Bild für den Umgang mit Zumutungen
Dritter Punkt: Matthäus 5,41. Der Angriff auf die persönliche Freiheit.
Und wenn jemand dich zwingt, eine Meile zu gehen, so geh mit ihm zwei.
Das römische Recht gab einem römischen Soldaten die Erlaubnis, einen Zivilisten, der gerade dort stand, zu zwingen, sein Gepäck eine Meile zu tragen. Und dadurch, dass die Römer die Besatzungsmacht waren, kann man sich leicht vorstellen, dass dieses Gebot sich nicht allzu großer Beliebtheit erfreute.
Und was sagt Jesus hier? Er sagt: Wenn dich ein römischer Soldat anhält und du hast gerade etwas ganz anderes vor, und er sagt: Hier ist mein Päckchen, ungefähr anderthalb Kilometer geht es da lang, eine Meile ungefähr, wenn man grob rechnet, also anderthalb Kilometer, dann geh zwei. Konkret heißt das: Geh den vierfachen Weg. Dann musst du auch wieder zurück, aber dann geh zwei Meilen.
Warum? Was soll das?
Ich habe mir gedacht: Stellt euch die Situation vor nach der ersten Meile. Du nimmst das Päckchen und gehst los. Und die ganze Zeit wartet der römische Soldat auf die Beschimpfungen, die er immer kriegt von den Leuten, die sein Gepäck tragen. Und du unterhältst dich einfach ganz freundlich mit ihm.
Und nach der Meile bleibt der römische Soldat stehen und denkt sich: Na ja, jetzt muss ich mir wieder ein neues Opfer suchen. Und du gehst weiter. Ey, was ist denn los? Die Meile ist vorbei, ich gehe noch eine Weile. Komm, das ist okay. Ja, komm, wir machen noch eine Meile.
Ich sage euch: So etwas hat ein römischer Soldat in seinem ganzen Leben noch nie erlebt. Der wird mit solchen Augen vor dir stehen und wird sagen: Wie, du gehst noch eine Meile mit? Warum denn bitteschön?
Und wenn deine ungläubige Mutter sagt: Kannst du den Müll runterbringen? Und du sagst: Den Müll, Mami? Klar, kann ich auch noch die Küche putzen. Ich sage dir: Sie wird mit solchen Augen dastehen und dich fragen: Bist du noch gesund? Warum machst du das?
Und natürlich können wir uns innerlich an der Stelle aufregen. Aber Jesus gibt uns den Tipp, die Momente unseres Lebens, die wie hier mit solchen Unannehmlichkeiten verbunden sind, nicht als Anlass zu nehmen, uns zu rächen, sondern als Chance, aufzusehen, ein Zeugnis zu sein in einer Welt, die nur Rache kennt, die nur Motzen und Murren und all diese Sachen kennt.
Wir können einen Unterschied machen in dieser Welt, wisst ihr das? Durch unser Leben. Wir können einen ganz gewaltigen Unterschied machen. Und eigentlich ist es das, was Jesus von uns verlangt.
Und dreimal ist in diesen drei Beispielen derjenige, der angesprochen wird, der Loser. Einmal muss er die Beleidigung einstecken, einmal wird ihm quasi alles weggenommen, und beim dritten Mal ist es dann derjenige, der seinen Termin nicht einhält, weil er gerade mit dem römischen Soldaten einen Spaziergang macht.
Wenn man selbst die stärkere Position hat
Manchmal sind die Seiten umgedreht. Manchmal bin ich derjenige, der auf der anderen Seite steht.
Und in einer Gesellschaft wie damals in Israel, wo man auf das gegenseitige Leihen und Borgen angewiesen war, weil es eben nicht den Supermarkt mit 24 Stunden gab und auch nicht jeder so eine Haushaltsführung hatte wie wir, na ja, wenn noch jemand vorbeikommt: Was gibt die Tiefkühltruhe denn noch her? Das hatte man damals nicht.
Da konnte es dann passieren, dass du abends Besuch bekommst und zu deinem Nachbarn gehen musst. Und wie der Mann in Lukas 11,5-8 sagst du: Freund, leihe mir drei Brote, da mein Freund von der Reise bei mir angekommen ist und ich nichts habe, was ich ihm vorsetzen soll.
Und jetzt stellt euch doch mal die Situation vor: Gestern noch beleidigt er mich auf dem Marktplatz. Und heute Abend steht er vor meiner Tür und will drei Brote haben. Wisst ihr, was mir da sofort in den Sinn kommt? Ein herzliches Nein.
Und was sagt Jesus, wenn wir mal auf der anderen Seite stehen, wenn wir unsere Macht mal ausspielen können, wenn wir mal im total legitimen Sinn, du kannst ja niemanden zwingen, dir etwas geben zu müssen? Wenn wir mal die Möglichkeit haben, die Winner zu sein, dann sagt Jesus in Matthäus 5,42: Gib dem, der dich bittet, und weise den nicht ab, der von dir borgen will. Sogar wenn es derjenige ist, der dir vor kurzem an einer anderen Stelle viel Übles eingebrockt hat.
Rache und Vergeltung sind überhaupt nicht unsere Sache.
Schlussgedanken zur christlichen Haltung
Kommen wir zum Schluss. Ich fasse noch einmal zusammen:
Das Thema heute war Rache. Mein Ziel ist, dass wir erkennen: Als Kinder Gottes leben wir den Unterschied. Wenn wir wirklich umgekehrt sind in unserem Leben, wenn wir wirklich mit Gott leben, wenn es wirklich so ist, dass wir dem Herrn Jesus vertrauen, wenn es wirklich so ist, dass Gott unser Herz erneuert hat und wir neue Leute sind, dann beenden wir die Gewaltspirale überall dort, wo wir ihr begegnen.
Sei es, dass wir Beleidigungen auf uns nehmen, sei es, dass wir Unannehmlichkeiten ertragen: Wenn es irgendwie geht, überraschen wir unser Gegenüber durch Entgegenkommen, durch Hilfsbereitschaft, und wir tun einfach alles außer Rache.
Rache ist süß und falsch.
Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!
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