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Prinzipien des Gemeindebaus im Buch Esra

Esra 1,1-10,4401.09.1996
Warum wirkt geistlicher Aufbruch oft erst, wenn du Altar und Alltag neu ordnest? Ohne klare Hingabe bleibt vieles halb fertig – und genau daran scheitert so manches Glaubensleben.

Historischer Rahmen und geistliche Ausgangslage

Einen Überblick über das Buch Esra: Ich muss etwas ausholen.
Gott hatte sich unter allen Nationen ein Volk erwählt, und das waren nicht die Chinesen, auch nicht die Griechen, nicht die Römer und schon gar nicht die Germanen, sondern das kleine Volk Israel. Er hatte sich diesem Volk auf wunderbare Weise offenbart. Er hatte es aus Ägypten heraufgeführt, er hatte ihm ein Gesetz gegeben, ein sehr hochstehendes, sittlich-ethisch gutes Gesetz. Er hatte Israel in das Land Kanaan geführt, und später hatte er ihm unter Salomo den Tempel gegeben, jenen prachtvollen Bau, den Gott mit seiner Herrlichkeit erfüllt hatte.
Aber Israel fiel immer wieder von dem lebendigen Gott ab und verstrickte sich in jeder erdenklichen Art von Götzendienst. Gott warnte sein Volk durch die Propheten. Er ließ ihm die Wegführung in fremde Länder androhen. Aber Israel hörte dennoch nicht auf Gottes Stimme. Und so kam, was kommen musste: Im Jahr 722 vor Christus wurden die zehn Stämme des Nordreichs Israel durch Tiglat-Pileser in die assyrische Gefangenschaft geführt. Diese zehn Stämme gingen völkergeschichtlich völlig unter und sind heute nicht mehr identifizierbar.
Glaubt nicht irgendwelchen Zeitungsberichten und auch nicht dem Buch Mormon der Mormonen, die ebenfalls meinen, sie seien heute eine Fortsetzung dieser zehn Stämme Israels. Glaubt diesen Dingen nicht. Die zehn Stämme Israels sind untergegangen, sie haben sich völkergeschichtlich assimiliert, sie sind nicht mehr auffindbar. Das ist eindeutig.
Im Südreich Juda, das aus den zwei übrigen Stämmen Juda und Benjamin bestand, geschahen in den nächsten Jahrhunderten unter den Königen Hiskia und Josia noch einmal verheißungsvolle Aufbrüche. Aber es gelang auch dort keine durchgreifende Reform des Volkes mehr. Und so ließ Gott auch das Südreich in die angekündigte siebzigjährige babylonische Gefangenschaft führen.
Es ist interessant zu sehen, dass die Wegführung Judas in die Gefangenschaft in drei Etappen geschah: 606 unter Jojakim, da war Daniel dabei, der Prophet Daniel, der dann ein langes Leben am heidnischen Königshof in Babylon führte. Dann 598 unter Jojachin, da war der Prophet Hesekiel mit dabei. Und 586, das war die Hauptwegführung durch Nebukadnezar, wo auch Jerusalem samt dem Tempel völlig zerstört wurde, dem Erdboden gleichgemacht wurde usw.
Israel war also komplett mit allen Stämmen in der Gefangenschaft: die einen im Nordreich in Assyrien und jetzt auch das Südreich in Babylonien. Aber exakt siebzig Jahre später hat sich Gott über das Volk erbarmt, wie er es durch seine Propheten angekündigt hatte, dass er wieder gnädig sein würde.
Übrigens: Diese siebzig Jahre babylonische Gefangenschaft haben Israel völlig gereinigt von Götzendienst. Danach finden wir keinen Götzendienst mehr in Israel. Das hat schon seine Wirkung gehabt. Von Götzendienst waren sie gründlich kuriert durch diese siebzig Jahre Gefangenschaft.
Auch die Rückführung wieder in das Land Israel war eigentlich in drei Etappen. 536 unter Serubbabel und Jeschua kamen die ersten 50 Juden zurück aus der Gefangenschaft, dann 458 unter Esra noch einmal etwa 1800 Juden, und 445 vor Christus unter Nehemia dann der Rest.
Das ist die grobe geschichtliche Einführung. Und jetzt schlagen wir das Buch Esra im Alten Testament auf, hinter den Geschichtsbüchern, hinter den Chronikbüchern finden wir Esra, und da wollen wir die ersten Verse lesen: Esra 1,1-4.
Im ersten Jahr des Kyrus, des Königs von Persien, erweckte der Herr, damit das Wort des Herrn aus dem Mund Jeremias erfüllt würde, den Geist des Kyrus, des Königs von Persien, dass er durch sein ganzes Reich einen Ruf ergehen ließ, und zwar auch schriftlich: So spricht Kyrus, der König von Persien: Alle Königreiche der Erde hat der Herr, der Gott des Himmels, mir gegeben. Nun hat er selbst mir den Auftrag gegeben, ihm in Jerusalem, das in Juda ist, ein Haus zu bauen, den Tempel. Wer immer unter euch aus seinem Volk ist, mit dem sei sein Gott, und er ziehe hinauf nach Jerusalem, das in Juda ist, und baue das Haus des Herrn, des Gottes Israels. Er ist der Gott, der in Jerusalem ist. Und jeden, der übrig geblieben ist an irgendeinem Ort, wo er sich als Fremder aufhält, den sollen die Leute seines Ortes unterstützen mit Silber und mit Gold und mit Habe und mit Vieh, neben den freiwilligen Gaben für das Haus Gottes in Jerusalem.
Wenn jetzt jemand fragt: Wie ist das denn möglich, dass dieser mächtige heidnische König Kyrus, der immerhin damals Weltherrscher war, den Befehl zum Wiederaufbau des jüdischen Tempels gibt, dann möchte ich folgende Antwort geben: Zum einen waren die persischen Könige grundsätzlich sehr religiös und hatten einen gewissen Respekt auch vor den Göttern anderer Völker. Und zum anderen dürfen wir nicht vergessen, dass der Prophet Daniel noch lebte, als dieser Kyrus an die Macht kam in Persien. Höchstwahrscheinlich hat gerade dieser Prophet Daniel dem Kyrus gezeigt, was der Prophet Jesaja schon zweihundert Jahre zuvor über ihn, Kyrus, geschrieben hatte, nämlich dass er einmal den Befehl geben würde zum Wiederaufbau Jerusalems und des Tempels.
Ich kann mir vorstellen, dass der Prophet Daniel die Jesaja-Rolle in der Hand gehabt hat. Er hat sie aufgerollt und gesagt: Kyrus, schau mal, was hier steht über dich. Hier steht dein Name in dieser Rolle, die schon vor zweihundert Jahren geschrieben wurde. Hier steht, dass du es bist, der den Befehl geben wird, dass der Tempel in Jerusalem wieder gebaut werden soll. Und er wird gestaunt haben und gesehen haben: Das muss der lebendige Gott sein, der so etwas voraussagt, der schon meinen Namen wusste vor zweihundert Jahren. Und dann war er davon tief betroffen und hat diesen Befehl gegeben. Er hat einfach erkannt: Das ist Wahrheit, und hat sich so diesem Gott als Werkzeug ergeben.
Übrigens: Derselbe Gott, der damals diesen Weltherrscher gebraucht hat, damit in seinem Volk wieder etwas in Gang kommt, derselbe Gott hat auch in unseren Tagen die gleiche Macht. Er hat vor einigen Jahren aus dem Nichts einen Michael Gorbatschow erstehen lassen, durch den sich die ganze Weltlage verändert hat. Das hat auch Auswirkungen gehabt auf sein Volk Israel. Seitdem ist schon eine große Anzahl Juden aus Russland nach Israel zurückgegangen, seit Gorbatschow und seiner Perestroika damals. Gott ist souverän, er kann tun, was er will.
Wir lesen weiterhin Esra 1,5-6: Da machten sich die Familienoberhäupter von Juda und Benjamin auf, und die Priester und die Leviten, jeder, dessen Geist Gott erweckte, hinaufzuziehen, um das Haus des Herrn in Jerusalem zu bauen. Das hat mich so gefreut, diese Formulierung. Ich habe sie dick rot unterstrichen: jeder, dessen Geist Gott erweckte. Nur Gott kann erwecken. Nur Gott kann wirklich Aufbrüche schenken, geistliche Aufbrüche zu ihm hin. Und wir sehen hier, er erweckt Familienoberhäupter, Väter, Priester und Leviten und darüber hinaus viele andere.
Und dann sehen wir in Vers 6 ein wichtiges Kennzeichen in jeder Erweckung: Und alle, die um sie herum wohnten, griffen ihnen unter die Arme mit silbernen Geräten, mit Gold, mit Habe, mit Vieh und mit Kostbarkeiten, abgesehen von den freiwilligen Gaben. Freigiebigkeit ist ein Kennzeichen in jeder Erweckung, die von Gott kommt. Menschen bekommen einen Blick für die Anliegen Gottes, für den Bau seines Hauses, und sie geben mehr als das Normale. Sie geben einfach, weil Gott ihnen das aufs Herz legt.

Der erste Schwerpunkt: der Altar als geistliches Zentrum

Wir wollen jetzt den Rest des Buchs Esra unter drei Stichworten betrachten. Erstes Stichwort: Altarbau.
Wir blättern in Kapitel 3 und lesen die ersten drei Verse. Wir haben gesehen, dass Gott diesen heidnischen Herrscher Kyrus gebraucht, damit er den Befehl gibt: Die Juden dürfen zurückkehren, und sie dürfen den Tempel bauen. Aber hier lesen wir nun: Bevor sie den Tempel bauen, fangen sie an, den Altar zu bauen.
 Esra 3: Und als der siebte Monat herankam, da die Söhne Israel in den Städten wohnten, versammelte sich das Volk wie ein Mann nach Jerusalem. Und Jeschua, der Sohn Jozadaks, und seine Brüder, die Priester, und Serubbabel, der Sohn Schealtiels, und seine Brüder machten sich auf und bauten den Altar des Gottes Israels, um Brandopfer darauf zu opfern, wie es geschrieben steht im Gesetz des Mose, des Mannes Gottes. Und sie errichteten den Altar auf seinen alten Fundamenten, obwohl ein Teil der Bevölkerung der Länder in Feindschaft mit ihnen lebte. Und sie opferten darauf Brandopfer dem Herrn, die Morgen- und Abendbrandopfer.
Als Erstes, noch bevor der Tempel wiedererrichtet wurde, bauten Jeschua und Serubbabel den Altar. Was heißt das? Schaut: Der Altar ist das wichtigste Symbol eines echten Gottesdienstes. Damals, bei Abraham, war es ein Altar aus Stein. Wir sehen, dass Abraham in Haran noch keinen Altar baute, sondern erst in Kanaan. Als er im Unglauben nach Ägypten hinabging, sehen wir ihn keinen Altar bauen; erst später wieder in Kanaan, in Israel.
Abraham diente Gott, und das sichtbare Zeichen dafür war der aufgerichtete Altar an der richtigen Stelle. Als Israel in der babylonischen Gefangenschaft war, lesen wir nirgendwo, dass sie während dieser siebzig Jahre einen Altar gebaut hätten. Wir finden sie zwar an den Flüssen zum Gebet und Gesang versammelt, aber das Zeichen eines echten Gottesdienstes fehlte während der Zeit der Gefangenschaft. Sie bauten nirgendwo einen Altar.
Doch jetzt, wo sie dank der Gnade Gottes wieder zurückgekehrt waren in das Land ihrer Väter, bauten sie als Erstes den Altar und brachten Brandopfer.
Ihr lieben Geschwister, die Übertragung dieser Wahrheit auf uns heute ist nicht schwer. Unser Brandopferaltar ist heute der Tisch des Herrn. Brandopfer ist nicht gleich Sündopfer. Am Brandopferaltar geschieht Dank, Anbetung und Hingabe unseres Lebens an Gott.
Versteht ihr, warum es uns vor sechs Jahren so wichtig war, einen Altar zu haben? Ich habe es neulich schon einmal gesagt beim Brotbrechen, als wir damals zu viert bei Wunschicks im Wohnzimmer saßen. Im Monat September vor sechs Jahren haben wir begonnen, uns dort zum Brotbrechen zu treffen, am Tisch des Herrn. Das Erste, was wir aufrichten durften, war damals der Brandopferaltar.
Wir verstanden uns als Keimzelle einer neu entstehenden Gemeinde und hatten den Tisch des Herrn in unserer Mitte. Nirgendwo steht, dass man zwanzig sein muss oder fünfzig oder hundert, um zusammen Abendmahl zu feiern. Wir waren zu viert, und wir hatten unseren Altar in der Mitte. Und während wir uns um den Altar versammelten, baute der Herr seine Gemeinde. Er tat Menschen hinzu, die gläubig wurden, und die Zahl der Anbeter wuchs.
Ich weiß noch, wie Elfi zum ersten Mal dazustieß, und so kam einer nach dem anderen dazu.
Versteht ihr von dieser Schriftwahrheit her, warum es dem Herrn so wichtig ist, dass wir nicht nur sonntags eine Predigt hören, sondern dass wir auch am Freitagabend bei den Anbetern sind, am Altar? Wer das verstanden hat und die richtigen Prioritäten setzt, der ist dabei. Für den ist es keine Pflichtveranstaltung mehr, sondern Quelle der Freude und der Kraft.
Ich meine nicht, dass eine Gemeinde schon dadurch wirklich wächst, dass mehr Gläubige unter der Predigt sitzen. Ich bin davon überzeugt, dass die wahre Gemeindegröße am Altar erkannt wird. Bitte denkt einmal darüber nach.
Und schaut: Diese zurückgekehrten Juden errichteten den Altar sogar im Angesicht ihrer Feinde. Da waren Feindseligkeiten, da waren noch Samariter und andere, die ihnen zu schaffen machten. War es nicht durch alle Jahrhunderte der Verfolgung so, dass die Jünger Jesu sich zum Brotbrechen versammelten, und zwar sogar im Angesicht ihrer Feinde, sogar in Verfolgungszeiten? Hat ihnen nicht gerade der Blick auf die Liebe des gekreuzigten Heilands die Kraft zum Überwinden gegeben?
Paulus schreibt: Aber in dem allen überwinden wir weit durch den, der uns geliebt hat. Und auf ihn schauen wir beim Brechen des Brotes. Wenn wir den Kelch durch unsere Reihen geben, dann haben wir die Liebe Jesu so richtig handgreiflich, und das stärkt.

Persönliche Weihe und tägliche Hingabe

Noch etwas zum Stichwort Altarbau. Es gibt einen gemeinsamen Altar in der Gemeinde, aber es gibt auch, wie wir eben schon bei Abraham gesehen haben, einen persönlichen Brandopferaltar.
Für mich ist das jede Zeit der Anbetung und Weihe vor dem Herrn, besonders am Morgen jedes Tages in meiner Stille vor Gott. Diese Anbetungszeit mündet oft in eine neue Hingabe und Weihe meines Lebens an den Herrn. Ich glaube, dass wir unser Leben jeden Tag neu dem Herrn weihen sollten.
Vorbild ist mir dabei das alttestamentliche Brandopfer. Von meinem Freund und Bruder Hans Daud aus Karlsruhe weiß ich, dass das Brandopfer täglich gebracht wurde, ganz dargebracht werden musste und zerbrochen sein musste. Drei Merkmale dieses Brandopfers.
Und so möchte ich dem Herrn täglich zur Verfügung stehen und mich ihm ausliefern. Mein Herz soll ihn lieben, mein Mund und meine Hände sollen ihm dienen, und mein Leib soll ein Tempel des Heiligen Geistes sein. Der ganze Tag soll dem Herrn geweiht werden. Ich glaube, das ist es, was der Apostel in Römer 12 meint, wenn er an die Römer schreibt, dass wir unsere Leiber zum Opfer geben sollen als einen vernünftigen Gottesdienst.
Praktizierst du das, oder stolperst du morgens mit Radiogedudel und der Zeitung in den Tag? Probier es doch mal aus, am Morgen deinen persönlichen Brandopferaltar aufzurichten. Du wirst sehen, wie das dein Leben verändern wird.

Vom Altar zum Haus Gottes

Ein zweites Stichwort: Nach dem Altarbau kommen wir zum Tempelbau. Wir lesen weiter in Esra 3, ein ganz wichtiges Kapitel im Esra-Buch, Esra 3,8.
Und im zweiten Jahr nach ihrer Ankunft, also zurück in Israel, zurück in Jerusalem, beim Haus Gottes in Jerusalem, im zweiten Monat, begannen Serubbabel, der Sohn Schealtiëls, und Jeschua, der Sohn Jozadaks, und ihre übrigen Brüder, die Priester und Leviten.
Womit begannen sie? Mit dem Tempelbau. Sie legten den Grundstein zum Tempel des Herrn. Der Tempel des Hausgottes wurde wieder aufgebaut. Zuerst der Altar, wie wir gesehen haben, aber dann auch der Tempel. Der Altar allein wäre zu wenig gewesen.
Neutestamentlich gesprochen: Gott wollte nicht nur das Kreuz aufrichten auf dem Hügel Golgatha, Gott wollte Gemeinde bauen. Er wollte aus allen Nationen Menschen herausrufen, die an ihn glauben, die ihn lieben und die mit ihm leben. Er wollte eine Gemeinde herausrufen. Seine Kinder bilden heute sein Haus, seine geistliche Wohnstätte. Gott wohnt heute nicht mehr in einem Tempel, der mit Steinen gemauert ist, sondern in einem Tempel aus lebendigen Steinen, wo er der Mittelpunkt ist. Das ist seine Gemeinde, da wohnt Gott heute.
Wir lesen noch weiter in Esra 3, die Verse 12 und 13. Sehr interessant ist hier, was bei der Grundsteinlegung an jenem Tag geschah:
Viele aber von den Priestern und den Leviten und den Familienoberhäuptern, den Alten, die noch das erste Haus gesehen hatten, also den früheren salomonischen Tempel in seiner Pracht und Herrlichkeit, die weinten, während man vor ihren Augen den Grundstein zu diesem Haus legte. Mit lauter Stimme weinten sie. Viele aber erhoben ihre Stimme mit freudigem Jauchzen, so dass niemand vom Volk vor der Stimme des freudigen Jauchzens die Stimme des Weinens im Volk erkennen konnte. Denn das Volk jauchzte mit gewaltigem Jauchzen, so dass die Stimme bis in die Ferne gehört wurde.
Eine eigenartige Sache. Viele sind am Jauchzen, hier kommen die Emotionen voll durch. Die einen jauchzen vor Freude, und die anderen weinen laut. Und das vermischt sich so, dass man es gar nicht mehr richtig auseinanderhalten kann.
Die Alten weinen. Und die Jüngeren, die den früheren Tempel nicht kannten, für die war das eine unwahrscheinliche Freude. Aber die Alten konnten vergleichen mit dem früheren Tempel und merkten: Was jetzt da aufgebaut wird, das ist ja viel kümmerlicher, das ist ja viel dürftiger als der frühere Tempel. Und die hatten eine Träne im Knopfloch. Die weinten, weil es nicht mehr so war wie in der Herrlichkeit des früheren Tempels.
Und wisst ihr, wenn wir das mal übertragen: Es gibt einige von uns, die jung zum Glauben gekommen sind. Die kennen vielleicht noch nicht viele Gemeinden, vielleicht kennen sie sogar nur diese. Und die freuen sich riesig, dass es so eine Gemeinde gibt, dass Gott so eine Gemeinde hier gebaut hat. Und ich denke, wir alle sollten uns darüber wirklich von Herzen freuen.
Aber die Älteren unter uns und die Reiferen, die das Wort Gottes besser kennen, sie merken, dass da ein großer Unterschied ist, eine große Diskrepanz zu der Gemeinde, die Gott früher gebaut hat. Wenn wir die Apostelgeschichte lesen, wenn wir das Neue Testament lesen, wenn wir sehen, was für ein Leben in der ersten Gemeinde früher war, und das mit unserem Bauwerk heute vergleichen, dann können wir eigentlich nur weinen, auch über die Kümmerlichkeit und Schwachheit, in der das alles geschieht.
Versteht ihr, was ich sagen will? Es ist so eine ambivalente Sache, würde der Bernd sagen. Ja, es ist so eine zweischneidige Geschichte. Also wir haben zwei Augen: ein lachendes und ein weinendes Auge. Und das müssen wir haben. Wir freuen uns über das, was Gott heute in unseren Tagen baut, aber wenn wir es vergleichen mit der Apostelgeschichte, dann müssen wir weinen über die Schwachheit, die da ist.
Das soll uns nur noch mehr ermutigen, uns daran auszurichten und nach der Schrift zu bauen.

Widerstand, Unterbrechung und neue Ermutigung

In Kapitel 4 wird dann geschildert, wie sich der Feind aufmacht. Es war schon immer so: Da, wo für den Herrn gebaut wird, da macht sich auch der Feind auf. Lasst uns das nie vergessen, auch wir, die wir in Käfertal bauen, oder wenn ihr euch anschickt, in Wallstadt zu bauen, oder in Ilvesheim oder in Ludwigshafen, wo wir bauen, da wird sich der Feind aufmachen.
Damals war es das samaritanische Mischvolk, das die assyrischen Könige nach der Wegführung Israels dort angesiedelt hatten, die Samariter. Zerubabel und Jeshua waren auf der Hut, sie wiesen sie ab. Als die Feinde merkten, dass sie nicht mitbauen können, verlegten sie ihre Taktik aufs offene Verhindern und Zerstören. Durch einen raffinierten, verleumderischen Brief an den neuen Machthaber Artaxerxes erreichten sie tatsächlich, dass der Tempelbau, der mit so viel Schwung und Enthusiasmus angefangen hatte, völlig eingestellt werden musste. Das hat der Feind erreicht: Der Bau des Tempels wurde völlig eingestellt.
Dietmar, hast du das auch schon mal erlebt, dass eine Baustelle eingestellt wurde, weil die Behörde irgendwie einen Strich durch die Rechnung gemacht hat und gesagt hat: Halt, ihr habt noch nicht den roten Punkt oder was es da gibt, einstellen? So war das bei dem Tempelbau. Auf einmal kam hier eine große Unterbrechung, und es durfte nicht mehr gebaut werden. Sogar unter Waffengewalt durfte nicht mehr weitergemacht werden.
Wir lesen am Ende von Kapitel 4, Vers 24: Damals wurde die Arbeit am Haus Gottes in Jerusalem eingestellt, und sie blieb eingestellt bis zum zweiten Jahr der Regierung des Königs Darius von Persien. Eine ganze Zeit der Unterbrechung.
Doch dann lesen wir gleich weiter in Kapitel 5 die ersten beiden Verse, die mich sehr gefreut haben. Das ist etwas Köstliches hier. Da heißt es: Und der Prophet Haggai und Sacharja, der Sohn Iddos, die Propheten, weissagten den Juden, die in Juda und Jerusalem waren, im Namen des Gottes Israels, der über ihnen war. Also, die waren entmutigt, die waren verzagt, die saßen da, sahen den halbfertigen Tempel, und es ging nicht weiter. Und jetzt kamen diese beiden Propheten von Gott mit wunderbaren Botschaften, mit Ermutigung, aber auch mit Spiegelvorhalten und mit allem, wie es weitergehen soll.
Da machten sich Zerubabel, der Sohn Schealtiels, und Jeshua, der Sohn Jozadaks, auf und fingen an, das Haus Gottes in Jerusalem wieder neu zu bauen. Mit ihnen waren die Propheten Gottes, die sie unterstützten. Das finde ich großartig, dieses Bild. Die zwei Führer Zerubabel und Jeshua bekamen neuen Mut, und die Propheten standen ihnen zur Seite. Haggai und Sacharja flankierten diesen Dienst mit prophetischen Botschaften, machten Mut und brachten die Sache wieder neu in Gang.
Ich kann nicht anders, wir müssen hier an der Stelle wenigstens einen kleinen Abschnitt lesen, damit wir mal sehen, was diese beiden Propheten da geredet haben, dass die Sache wieder in Gang kam, wie sie Mut gemacht haben oder auch wie sie da getadelt haben, unter Umständen. Lass uns den Propheten Haggai kurz aufschlagen. Ganz am Ende des Alten Testamentes finden wir ihn, Haggai 1. Das war also ein Zeitgenosse hier dieses Baus. Haggai 1, und ein paar Verse aus diesem Kapitel, Haggai 1, ab Vers 2: „So spricht der Herr der Heerscharen“, sagten sie hier dem Jeschua und dem Serobabel: Dieses Volk sagt, die Zeit ist noch nicht gekommen, das Haus des Herrn zu bauen, also weiterzumachen. Und das Wort des Herrn geschah durch den Propheten Haggai: Ist es für euch selber an der Zeit, in euren getäfelten Häusern zu wohnen, während dieses Haus verödet daliegt?
Die haben diese Pause schnell genutzt und haben gesagt: Na ja, beim Tempel geht es nicht weiter. Bauen wir erst mal unser Häusle! Und haben sich schöne Häuschen gebaut. Getäfelte Häuser heißt hier schöne Schmuckbauten. Sie haben gedacht: Na ja, das kommt uns gerade recht, bauen wir erst mal unser Häusle. Das waren die ersten Schwaben so, schaffe, schaffe, Häusle baue, und da haben sie da weitergemacht.
Und nun spricht der Herr der Heerscharen: Richtet euer Herz auf eure Wege! Ihr habt viel gesät, aber wenig eingebracht. Ihr esst, aber werdet nicht satt. Ihr trinkt, aber seid noch durstig. Ihr kleidet euch, aber es wird keinem warm. Und der Lohnarbeiter erwirbt zwar Lohn, aber er legt ihn in einen durchlöcherten Beutel. So spricht der Herr der Heerscharen: Richtet euer Herz auf eure Wege! Steigt hinauf ins Gebirge und bringt Holz herbei und baut das Haus, nämlich den Tempel, Gottes Haus. Dann werde ich Gefallen daran haben und mich verherrlichen, spricht der Herr. Ihr habt nach vielem ausgeschaut, und siehe, es wurde wenig. Und ihr brachtet es heim, so blies ich hinein. Weshalb das? Spricht der Herr der Heerscharen: Wegen meines Hauses, das verödet daliegt, während ihr lauft, jeder für sein eigenes Haus.
Merkt ihr, diese Propheten, die kamen von Gott, die haben ungeschminkt geredet, in göttlicher Autorität und Vollmacht. Sie haben den Spiegel vorgehalten, aber auch ermutigt, und dann ging es weiter. Es tröstet mich irgendwie, dass es damals auch schon so ähnlich war wie heute. Aber dann muss ich denken, dass die Juden damals, die sich so schnell an ihre eigenen Häuser machten, noch nichts wussten von einem Gott, der aus Liebe zu ihnen an einem grausamen Kreuz verblutet ist. Sie hatten noch nicht die Liebe Jesu, wie wir sie kennen. Und dann möchte ich auch gerne ein Haggai sein, der uns heute zuruft: Bringt Holz herbei und baut das Haus des Herrn.
Bleibt hier nur nachzutragen, dass der Tempel im Jahr 516 v. Chr. nach insgesamt zwanzig Jahren fertiggestellt und eingeweiht wurde. Aber eines berichtet die Schrift nicht: Dieser nachexilische Tempel von Serobabel und Jeshua wurde nie mehr von der Herrlichkeit Gottes erfüllt, wie wir es bei Salomos Tempeleinweihung gelesen hatten. Ihn haben wir gesehen, seine Herrlichkeit gesehen, eine Herrlichkeit des Eingeborenen vom Vater.

Letzter Schwerpunkt: Ordnung, Heiligkeit und Abgrenzung

Lasst mich zum Schluss nur noch ein drittes Stichwort kurz erwähnen. Wir haben gesehen: Altarbau. Wir haben gesehen: Tempelbau. Lasst mich zum Schluss noch kurz etwas sagen zum Mauerbau.
In den ersten sechs Kapiteln des Buches Esra, wo es um Altar- und Mauerbau ging, waren Serubbabel und Jeschua die Aktivposten. Im zweiten Teil des Buches Esra, in den Kapiteln sieben bis zehn, steht nun der Priester Esra, der dem Buch seinen Namen gegeben hat, im Mittelpunkt des Geschehens. Und das war ein gewaltiger Mann. Es lohnt sich, ihn einmal näher kennenzulernen.
In Kapitel sieben kann man ihn genau studieren. Das fasst sein Leben zusammen. Sein Urgroßvater Hilkija hatte damals das verlorengegangene Gesetzbuch wiedergefunden, und irgendwie scheint sich die Liebe zum Wort Gottes in dieser Familie des Esra fortgesetzt zu haben, bis in sein Leben hinein. Er war auf jeden Fall ein Mann, der das Gesetz nicht nur außergewöhnlich gut kannte, er lebte es auch. Und weil er es lebte, konnte er es auch lehren.
Kapitel sieben und acht beschreiben, wie Esra unter der guten Hand Gottes nach Jerusalem zurückkommt. Dort erwartet ihn aber eine Hiobsbotschaft: Viele Juden hatten ausländische Frauen geheiratet, was verboten war. Auf diese Weise war das Volk Gottes mit Heidentum vermischt worden.
Esra reagierte ungeheuer erschüttert. Er ging auf die Knie, er beugte sich unter die Schuld seiner Volksgenossen. Und dann zeichnet uns die Schrift ein sehr seltenes, aber schönes Bild in Esra 10. Wenn wir das als letzte Schriftstelle noch aufschlagen wollen: Esra 10,1. Da heißt es: „Und während Esra betete und weinend vor dem Haus Gottes daliegend die Schuld bekannte stellvertretend – er hatte keine Schuld auf sich geladen, aber die Schuld des Volkes bekannte er weinend –, da versammelte sich um ihn eine sehr zahlreiche Versammlung aus Israel, Männer und Frauen und Kinder, denn auch das Volk weinte unter vielen Tränen.“
Großartig, dieses Bild. Es entstand eine Bußbewegung im Gottesvolk, und die ausländischen Frauen wurden samt ihren Kindern zurückgeschickt, dahin, wo sie herkamen. Das klingt uns sehr hart, aber hier musste eine Reinigung geschehen, damit das Gottesvolk wieder ein heiliges Volk war, wie es Gott wollte.
Wie oft hat sich das inzwischen schon wiederholt, dass ein Mann oder eine Frau zerbrochen vor dem heiligen Gott auf den Knien lagen, und der Höchste sah es an und schenkte eine Bußbewegung, eine Erweckung. Da, wo Gottes Volk über seine Sünden weint, da ist Erweckung. Da ist Erweckung. Nicht, wo ein paar Halleluja rufen, da ist noch lange keine Erweckung, sondern da, wo Gottes Volk weint über seine Sünden.
Eine letzte Lehre wollen wir noch daraus ziehen heute Morgen. Serubbabel und Jeschua gaben dem Volk Altar und Tempel zurück, zuerst den Altar, dann den Tempel. Das jüdische Volk hatte wieder seinen geistlichen Mittelpunkt. Das war sehr wichtig. Esra gab dem Volk das Gesetz und das Bewusstsein der Heiligkeit Gottes zurück. Das war sein Dienst. Er war ein Mann, der eine Bußbewegung in Israel von innen brachte. Da wurde nicht nur äußerlich gebaut: ein Altar, ein Haus. Da musste innerlich gebaut werden. Die Heiligkeit Gottes kehrte zurück in das Volk, und ein Weinen über die Sünden.
Aber Esras Reform blieb dennoch stecken. Obwohl der Tempel widerstand, lag die Stadt Jerusalem mit ihren zerstörten Mauern schutzlos preisgegeben da. Es fehlte noch etwas. Der Altar war da, der Tempel war da. Die Mauer fehlte. Die Mauer, ohne Mauer, sprich ohne Abgrenzung des Volkes Gottes von Sünde und der Welt, kann die Heiligkeit im Volk Gottes nicht aufrechterhalten werden. Darf ich das noch einmal sagen? Ohne Mauer, sprich ohne Abgrenzung von Sünde und Welt, kann die Heiligkeit Gottes im Volk, auch in der Gemeinde Jesu, nicht aufrechterhalten werden.
Und darum berief Gott den Nehemia, und das Buch Nehemia wird uns in den Hauskreisen zeigen, dass es ohne Mauer im Volk Gottes damals und heute nicht geht. Und wie diese Mauer gebaut wurde und wie wir sie heute bauen sollen, das werden wir im Buch Nehemia betrachten.
In gewisser Weise, wenn wir das einmal kirchengeschichtlich sehen, gab uns Martin Luther den Altar und den Tempel zurück. Er war es, der neu das schlichte Evangelium vom Kreuz Christi und von Gottes Erlösungstat auf den Leuchter stellte, sodass wir im Glauben an Jesus Christus errettet werden dürfen. Er gab uns Altar und Tempel zurück. Und viele Menschen kamen zum Glauben, und die Gemeinde wurde gebaut.
Aber durch seine Entscheidung damals für die Staatskirche fehlte die Mauer. Und durch sein Beibehalten der Kindertaufe wurde jede Menge Welt vermischt mit dem Gläubigen und mit der Gemeinde Jesu. Es fehlte einfach die Mauer der Abgrenzung zwischen der Gemeinde der wahren Gläubigen auf der einen Seite und dem Namenschristentum auf der anderen Seite. Altar war da und Tempel, aber die Mauer fehlte. Und fehlende Mauer bringt automatisch Vermischung. Versteht ihr diese Zusammenhänge?
Der Pietismus brachte daraufhin manches tiefe geistliche Leben hervor. Aber wegen der Anbindung an die Staatskirche baute er ebenfalls keine Mauern.
Doch dann schenkte der treue Herr im letzten Jahrhundert etwas, was ich nicht anders als die weltweite Brüderbewegung nennen kann. Darby, Kelly, Groves in Großbritannien, Watchman Nee in China, in diesem Jahrhundert Bhakt Singh in Indien und viele, viele andere gebrauchte Gott, um die Wahrheit von der Gemeinde neu ans Licht zu bringen. Und jetzt waren nicht nur Altar und Tempel da, was uns Luther zurückgegeben hat. Jetzt war auch eine klar definierte und abgegrenzte Gemeinde da, die eine Mauer gebaut hat.
Keine Frage, auch wir hier in der Edisonstrasse, wir wollen eine Gemeinde mit Mauer sein. Aber keine Sorge, wir wollen uns nicht einmauern, ja? Die Mauer hat Tore zum Rein- und zum Rausgehen. Das werden wir sehen, wenn wir Nehemia durchnehmen.
Ich muss jetzt wirklich schließen. Es gäbe noch einige Anwendungen dieser Mauer auf unser persönliches Leben, aber das machen wir in den Hauskreisen. Da werden wir noch viel über diese Mauer zu reden haben.
Lasst uns über dem, was wir gehört haben, was uns vielleicht auch wichtig wurde aus dem Buch Esra, noch einmal still werden. Wir stehen auf und beten zusammen.
Ja, Herr, unser Gott und Vater, du lebendiger und heiliger Gott, wir danken dir, dass du der Souveräne bist, der immer wieder in der Geschichte Menschen einfach beschlagnahmt hat für seine Ziele, ja sogar Heiden, heidnische Politiker wie diesen König Kyrus hast du damals gebraucht, damit in deinem Volk eine Erweckung geschehen konnte. Danke, Herr, dass du auch Männer wie Serubbabel und Jeschua, auch einen Esra, einen Nehemia gebraucht hast und viele andere mit, die sich da haben einreihen lassen, dass der Altar gebaut werden konnte und der Tempel und auch die Mauer.
Herr, wir haben das auch übertragen auf unsere Zeit. Danke, dass wir auch einen Altar haben, das Kreuz von Golgatha und den Tisch des Herrn, wo dieses Kreuz im Mittelpunkt steht. Danke, Herr, dass wir einen Tempel haben, die Gemeinde, die du baust, dein geistliches Haus. Aber lass uns diese Gemeinde auch mit einer Mauer bauen, wie du es haben willst, damit deine Wohnstätte wirklich heilig sein kann und nicht vermischt mit der Welt und anderen religiösen Dingen.
Herr, wir danken dir, dass dein Wort so klare Linien zeigt, schon im Alten Testament, auch über den Bau deiner Gemeinde. Wir möchten dich bitten für die Hausbibelkreise nähe mir im nächsten halben Jahr, dass wir da viel, viel geistlichen Gewinn haben beim Studium deines Wortes, beim Austausch darüber. Segne uns, Herr, wenn wir diese Dinge betrachten, und lass sie zum Wohl deiner Gemeinde sein. Amen.