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Apostelgeschichte 4,1-22

Apostelgeschichte 4,1-4,2222.01.2015
Serie•Teil 8 / 64Apostelgeschichte
Jesus ist nicht nur eine Option unter vielen. Wer echte Rettung sucht, muss sich fragen: Traust du ihm wirklich – oder schweigst du lieber, wenn es darauf ankommt?

Rückblick auf das bisherige Geschehen

Wir stehen immer noch in der Apostelgeschichte. Das werden wir vermutlich auch die nächsten vier Jahre noch tun, je nachdem, wie lange ihr mich noch bei euch predigen lasst. Also, das geht ja noch so ein Weilchen.
 Apostelgeschichte Kapitel 4, und da wollen wir uns heute die Verse 1 bis 22 anschauen.
Für alle, die sagen: Ich weiß gar nicht mehr, was war da eigentlich? Hinter uns liegt in der Apostelgeschichte die Pfingstpredigt, dann die Entstehung der Gemeinde. Dann gibt es noch eine Predigt von Petrus, die haben wir uns letztes Mal angeschaut. Und am Anfang dieser Predigt eine Heilung, die Heilung eines Mannes, der von Mutterleibe an nicht laufen konnte. Das liegt hinter uns.
Alles ganz positiv, es geht voran. Vor uns liegt Widerstand, und zwar nicht etwa von den einfachen Gläubigen. Die einfachen Gläubigen im Tempel sind total begeistert. Die sehen: Hier ist ein Wunder passiert, so eins, das man nicht alle Tage hat. Die kannten den Typen, der da an der Pforte zum Eingang vom Tempel saß. Der saß da schon Jahrzehnte, und jetzt springt der unter ihnen herum, und alle loben Gott.
Also: Für die einfachen Gläubigen eine super Zeit, für die geistlichen Autoritäten im Land ein Riesenproblem.
 Apostelgeschichte 4,1-3: Während sie aber zu dem Volk redeten, kamen die Priester, wir würden sagen: die Hauptamtlichen, und der Hauptmann des Tempels, das ist so eine Art Ordnungsdienst, und die Sadduzäer. Das ist die politische Partei, die hinter dem ganzen Tempel steht. Wenn man sie irgendwo einsortieren würde, dann so zwischen konservativ und liberal. Die Sadduzäer sind die Liberalen. Es sind die, die mit der Zeit gehen, und die, die sich entschieden haben: Es gilt das, was opportun ist, was mir etwas bringt.
Also diese drei Gruppen, die Priester, der Hauptmann des Tempels und die Sadduzäer, die kommen auf sie zu. Die es verdross, dass sie das Volk lehrten und in Jesus die Auferstehung aus den Toten verkündigten. Und sie legten Hand an sie und setzten sie in Gewahrsam, also sperrten sie ein, bis an den Morgen, denn es war schon Abend.
Da kommen also Leute, die hören die Apostel predigen. Und weil die Apostel über Jesus reden, und weil sie über Auferstehung reden – ich sagte ja schon, die Sadduzäer sind eher die Liberalen, und Auferstehung, das war nicht das, was man so glaubte. Ja, Sadduzäer und Auferstehung, das passte irgendwie nicht so zusammen.
Deswegen beschließen sie, und ihr merkt: Es geht manchmal einfach nur um Macht. Wer hat Recht? Wer hat den längeren Arm? Strong arm of the law. Und die kommen hier und sagen: Ey, ihr hört mal auf! Und damit ihr auch wirklich aufhört und nicht zuhause weitermacht, sperren wir euch ein!

Der Konflikt mit den religiösen Autoritäten

Die Apostel predigten. Und man muss sich das vor Augen malen: Die Priester, allen voran der Hohepriester, hatten den Messias Israels kreuzigen lassen. Jetzt stellt euch einmal vor, was passiert, wenn immer mehr Juden anfangen, das zu glauben. Was bedeutet das für die Priester?
Es bedeutet, dass in dem Maß, in dem die Leute sagen: Ihr Priester habt einen Riesenfehler gemacht, wie konntet ihr nur?, sie an Autorität und Einfluss verlieren würden. Und genau das geschah. Das war das Problem, und dieses Problem wurde tatsächlich von Tag zu Tag größer.
Vers 4: Viele aber von denen, die das Wort gehört hatten, wurden gläubig. Und die Zahl der Männer kam auf etwa 5. Sorry, ihr lieben Frauen, dass hier nur die Männer gezählt werden, aber ihr seid natürlich auch gläubig geworden. Das ist nur eine, na ja, so hat man halt gezählt, Punkt. Es ist ja auch bei der Speisung der 4 und 5 werden ja auch immer nur die Männer gezählt. Ihr seid aber da, und deswegen ist das Problem für die Priester viel größer.
Es sind nicht nur 5, das wäre schon eine ordentliche Portion in so einer Stadt. Aber es sind vielleicht eher 10, 15, die zum Glauben gekommen sind. Und es wird langsam Zeit für die Priester, etwas zu unternehmen. Also erst einmal die Apostel ins Gefängnis. Und dann kommen sie vor das, was man den Hohen Rat nennt, oder das Synedrium.
Jetzt überlegt euch Folgendes: Überlegt dir mal, was du vor zwei Monaten gemacht hast, ungefähr. Kriegst du das so hin? Jetzt haben wir Anfang November. Einen Monat zurück: Anfang Oktober. Einen Monat weiter zurück: Anfang September. Bist du ungefähr da, was du so gemacht hast? Also, wir hatten so miteinander eine Bibelwoche, das war nicht ganz zwei Monate, aber so ungefähr, ja, so die Woche vor der Bibelwoche ungefähr. Geh mal so weit zurück: Was hast du da gemacht? So weit ungefähr ist emotional die Kreuzigung Jesu zurück, ungefähr zwei Monate zurück. Das heißt, vor zwei Monaten ungefähr haben dieselben Leute, auf die die Apostel hier treffen, ihren Herrn, den Herrn Jesus, zum Tode verurteilt.
Und in dieser Situation, Vers 5: Es geschah aber am folgenden Tag, dass ihre Obersten und Ältesten und Schriftgelehrten sich in Jerusalem versammelten, und Hannas, der Hohepriester, und Kaiphas und Johannes und Alexander und so viele vom hohenpriesterlichen Geschlecht waren. Und nachdem sie sie in die Mitte gestellt hatten, fragten sie — achtet mal auf die Frage —: In welcher Kraft oder in welchem Namen habt ihr dies getan?
Merkwürdige Frage, oder? Wir kennen die Antwort doch schon. Ja, warum hat man die denn überhaupt eingesperrt? Na ja, weil sie das Volk lehrten und in Jesus Auferstehung aus den Toten. Die wussten die Antwort schon. Warum stellen sie die Frage so, wie sie sie hier stellen, wenn sie eigentlich schon wissen, dass die Antwort Jesus heißt?
Und die Antwort ist ganz schön. Es ist wie so eine Art Ausweg für die Apostel. Es ist klar: Wenn die Apostel sich hier hinstellen und Jesus bekennen, dann kann der Hohe Rat fast nichts anderes tun, als sie auch zu verurteilen. Sie hatten ja Jesus verurteilt, was sollen sie jetzt machen? Sagen: Oh stimmt, wir haben damals einen Fehler gemacht, das war ganz gruselig, wir haben alles falsch gemacht, tut uns auch leid? Das wird nicht kommen.
Also stellt man eine Frage, die die Apostel theoretisch auch beantworten könnten, so ein bisschen allgemeiner, ohne auf Jesus einzugehen. Vielleicht haben wir dieses Wunder getan im Namen Gottes, der alle Menschen liebt, und da ist auf wundersame Weise durch uns etwas Gutes passiert. Mit so einer Antwort hätten alle leben können. Niemand, auch der Hohe Rat, hat etwas dagegen, dass irgendein Kranker gesund wird. Niemand hat etwas dagegen, wenn der Gott Israels Wunder tut. Das ist nicht das Problem.
Und jetzt ist die Frage: Wie gehen die Apostel in so einer Situation mit so einem Angebot um? Schlawinern sie sich einfach aus der Situation wieder raus? Wenn ich ein bisschen weniger sage, kann mir auch ein bisschen weniger passieren.

Das mutige Zeugnis des Petrus

Und die Antwort, die sie geben, ist natürlich ganz anders. Verse 8 bis 10:
Da sprach Petrus, erfüllt mit Heiligem Geist, zu ihnen: Achtung, das sind die Leute, die vor zwei Monaten den Herrn Jesus zum Tode verurteilt haben. Das ist der Petrus, der in der gleichen Situation es nicht einmal gewagt hatte, gegenüber einer Magd zuzugeben, dass er ein Jünger Jesu ist. Er war aus der Situation verschwunden, weil Jesus ihn angeschaut hat und er merkte: Boah, das ist mir alles viel zu viel hier.
Der Petrus stellt sich mitten in diese Gruppe und sagt: Oberste des Volkes und Älteste, wenn wir heute über die Wohltat, also über die Heilung an einem kranken Menschen, verhört werden, wodurch dieser geheilt worden ist, so sei euch allen und dem ganzen Volk Israel kund: Im Namen Jesu Christi des Nazareters, den ihr gekreuzigt habt, den Gott auferweckt hat aus den Toten, in diesem Namen steht dieser gesund vor euch.
Kannst du dir vorstellen, wie du im Raum eine Stecknadel fallen hören kannst? Wie es ganz still wird? Und dabei sind die Apostel noch nicht einmal darum bemüht, den Hohen Rat zu demontieren. Also: Die Apostel wollen keine Revoluzzer sein, sie wollen keinen Aufstand anzetteln. Der Herr Jesus hatte ihnen selbst in Matthäus 23 gesagt, dass das Amt des Hohen Priesters zu respektieren sei. Ich will euch das nur kurz vorlesen: Matthäus 23, Verse 2 und 3.
Das ist ein Gebot. Es gilt, die Autorität des Hohen Rates zu achten. Auch später wird das Paulus tun. Was sagt Jesus? Auf Moses Lehrstuhl haben sich die Schriftgelehrten und die Pharisäer gesetzt. Alles nun, was sie euch sagen, das tut und haltet. Aber handelt nicht nach ihren Werken, denn sie sagen es und tun es nicht.
In dem, was die Pharisäer und die Schriftgelehrten und auch die Priester und der Hohe Priester tun und sagen, steckt Autorität. Man darf nur nicht ihrem Vorbild folgen. Also: Ihre Worte sind schon gut. Petrus möchte den Hohen Rat nicht demontieren, aber Respekt vor einer Autorität, Respekt vor der Regierung, bedeutet nicht, dass man vor ihr kuscht. Wahrheit ist nämlich tatsächlich wichtig.
Und die Wahrheit hier ist, dass die Heilung dieses Lahmen untrennbar verbunden ist mit der Kreuzigung und der Auferstehung eines Mannes, nämlich Jesus von Nazareth. Und deswegen auch dieses nicht ganz so freundliche, aber sehr wahre: den ihr gekreuzigt habt. Es ist euer Problem, ihr lieben Priester und Obersten und Schriftgelehrten.
Konnte es wirklich sein, dass die Experten in Sachen Religion, die unangefochtenen geistlichen Autoritäten im Volk, einen so großen Fehler gemacht haben, dass sie erstens den Messias nicht erkennen, wenn er vor ihnen steht, und zweitens ihn dann auch noch kreuzigen lassen? War so etwas überhaupt denkbar?
Und Petrus nimmt die Antwort vorweg, wenn er in Vers 11 sagt, und er zitiert hier Psalm 118: Das ist der Stein, der von euch, den Bauleuten, für nichts geachtet, der zum Eckstein geworden ist. Psalm 118,22.
Petrus zitiert diesen Vers und zeigt: Ja, natürlich ist das möglich. Das steht sogar im Alten Testament. Es steht dort, dass die Bauleute, das sind die Verantwortlichen, das ist der Hohe Rat, dass sie bei einem Bauprojekt, es geht hier im Zusammenhang bei Psalm 118 um den Tempel, den Messias, den Stein, erst verachten würden. Sie würden gar nicht merken, dass der etwas taugt. Und dann würde Gott ihnen diesen Stein, den sie nicht wollten, zum Eckstein machen, zum Fundament machen, zum wichtigsten Stein machen, an dem alles sich ausrichtet, der die ganze Last des Gebäudes trägt, zum Eckstein für seinen neuen Tempel. Und das ist die Gemeinde.

Der einzige Weg zur Rettung

Aber damit ist es natürlich noch nicht genug über Jesus von Nazaret gesagt, nur weil er einfach zeigt, dass ihr diesen Fehler gemacht habt. Bis jetzt beantwortet Petrus nur die Frage: In welchem Namen macht ihr das eigentlich, oder in welcher Kraft? Das heißt: Wer hat euch den Auftrag dafür gegeben? Wer gibt euch die Autorität, euch hier in den Tempel zu stellen und zu lehren oder einfach Wunder zu tun?
Jetzt geht Petrus einen entscheidenden Schritt weiter, den wir verstehen müssen. Und dieser Schritt hat damit zu tun, dass die Heilung des Lahmen im Tempel natürlich mehr ist als nur der Beweis dafür, dass Gott Kranke gesund machen kann. Die Heilung des Lahmen im Tempel ist ein Zeichen dafür, dass, so wie ein Krüppel gesund werden kann, auch jede Form von Heilung und Erlösung gefunden werden kann, wenn man diesem Jesus begegnet.
Und dann kommt dieser markante Vers 12. Wenn ihr euch einen Vers auswendig lernen wollt aus dieser Predigt, dann bietet sich dieser Vers an. Ja, der ist wirklich schön, der ist so bam, ja, ich mag ihn. Und es ist in keinem anderen das Heil. Das heißt: Wenn du Errettung, Erlösung, Vergebung deiner Sünden suchst, dann gibt es das genau an einer Stelle, und es ist in keinem anderen das Heil. Denn auch kein anderer Name unter dem Himmel ist den Menschen gegeben, in dem wir errettet werden müssen.
Errettung ist das, was jeder Mensch im umfassenden Sinn braucht. Vor allem, wie wir bei der Pfingstpredigt schon gesehen haben: Errettung von der Schuld deiner Sünde, davon, dass du ein Lügner bist und ein Dieb bist und deine Gedanken dreckig sind und man dir nicht vertrauen kann und es andere Dinge in deinem Leben gibt, wo du sagst: Hoffentlich kriegt die nie jemand mit. Errettung davon, von deinen Sünden, ist mit dieser einen Person, Jesus, verbunden.
Es gibt ihn, sagt Petrus, oder es gibt keinen. Es gibt nicht viele Wege zu Gott, und einer davon ist Jesus. Es gibt Jesus, und alle anderen Wege sind Irrwege. Ich weiß, das klingt sehr exklusiv, und das möchte Petrus auch. Es ist nämlich exklusiv gedacht, und es ist tödlich für alle, die nicht glauben. Petrus wiederholt hier nur, was Jesus vorweg gesagt hat.
Jesus sagt ja auch nicht: Es gibt fünfzehn Wege zu Gott, und ich bin einer davon. Jesus sagt: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater als nur durch mich. Wenn du sagst: Ich möchte meine Beziehung mit Gott ins Reine bringen, dann brauchst du Jesus. Du brauchst ihn, oder du wirst es nicht schaffen.

Gottes Rettung und menschlicher Widerspruch

Und jetzt kann man sich so einen Satz vorstellen wie: „Niemand kommt zum Vater als nur durch mich.“ Das ist einer der Verse, an denen die Bauleute, die Obersten im Volk, sich gestoßen haben. Und man kann verstehen, warum.
Wenn man sich fragt, oder wenn man einen Juden damals gefragt hätte: Wie wird man eigentlich gerettet? Wie bekommt man ewiges Leben? Was muss ich tun, damit ich nicht ins Gericht komme? Dann hätte dieser Jude wahrscheinlich Jesaja zitiert. Also, wenn ich so ein Jude gewesen wäre, ich hätte Jesaja zitiert, weil Jesaja an dieser Stelle einfach großartig ist. Und vielleicht hätte ich einen Vers vorgelesen wie Jesaja 43,11.
An dieser Stelle spricht nämlich Gott, und er sagt etwas über Rettung. Gott spricht über Rettung. Er sagt: „Ich, ich bin der Herr, und außer mir gibt es keinen Retter.“ Also, wenn du Rettung suchst, wenn du merkst, in meinem Leben stimmen Dinge nicht, dann hätte der Jude gesagt: Du brauchst Gott, weil Gott sagt, es gibt außer mir keinen Retter.
Und Gott lädt auch ein. In Jesaja 45,22 heißt es: „Wendet euch zu mir und lasst euch retten, alle Enden der Erde; denn ich bin Gott und keiner sonst.“ Das heißt: Wenn du Rettung brauchst von deinen Sünden, wenn du nicht verloren gehen willst, brauchst du einen Gott, der dich rettet, weil ein anderer einfach nicht die Macht dafür hat. Und es gibt nur einen, und das ist der Gott, der sich Jesaja offenbart hat. Und das wäre die Botschaft der Juden gewesen. Juden waren strikte Monotheisten. Rettung ist Gottes Sache.
Und jetzt kommen die Apostel und verkünden förmlich eine Revolution. Sie behaupten: Rettung gibt es nur bei Jesus. Ja, was denn jetzt? Rettung bei Gott, diesem Herrn im Alten Testament, der sich Mose mit dem Namen Jachwe offenbart, oder Rettung bei Jesus? Na, wo denn jetzt?
Die Antwort ist ganz einfach: Na ja, du musst das Istgleich dazwischen machen. Dieser Jesus, der ist Gott. Der Gott, den man im Gottesdienst in Anbetungsliedern gesungen hat, dessen Wort, dessen Bibel vorgelesen wurde, den man in Gebeten anrief, dieser Gott war tatsächlich als Besucher auf die Erde gekommen, in der Gestalt Jesu von Nazareth.
Natürlich bleibt Gott der Retter, nur dieser Retter hat einen Namen. Dieser Retter ist Mensch geworden, und er heißt Jesus. Und wenn diese Gleichung stimmt, dann stimmt auch die Gleichung: Wenn ich Gott ablehne, komme ich nicht in den Himmel. Wenn ich Jesus ablehne, komme ich nicht in den Himmel. Gott und Jesus ist eins, richtig? Wenn ich Jesus ablehne, lehne ich auch Gott ab.
Und in dem Moment, als Petrus das sagt, war das für die meisten Leute, die im Raum saßen, genau der Fall. Der Hohe Rat hatte Jesus abgelehnt, hatte ihm einen unfairen Prozess gemacht, und sie hatten sich tatsächlich gegen Gott gestellt. Trotz all ihrer Titel, trotz ihres Ansehens in der Bevölkerung, trotz der Verantwortung ihres Amtes, auch trotz ihres theologischen Wissens waren sie in diesem Moment, wo Petrus vor ihnen steht, nicht gerettet. Sie hatten keine Vergebung ihrer Sünden, Gott war ihr Feind, sie waren verloren.
Ich möchte das noch einmal sagen, weil das so ein wichtiger Punkt ist. Man kann höchste religiöse Ämter innehaben. Man kann sich in seinem Dienst mit Ritualen und Liturgie, vielleicht sogar mit Prunkbauten, umgeben. Das Ganze kann schon eine jahrhundertelange Tradition haben. Man kann sogar, wie diese Leute, formal bekennen, an den einen wahren Gott zu glauben, und bei alledem nicht gerettet sein.
Das ist das, was die Apostel glaubten, und das gab ihnen irgendwie den Mut, es auch zu sagen.

Die Reaktion des Rates

So, und jetzt würde man an der Stelle doch eigentlich erwarten, dass der Hohe Rat in die Luft geht, oder? Da hat er diese ganzen Honoratioren sitzen, und da steht Petrus so in der Mitte und sagt einfach nur: Wisst ihr was, Freunde, ihr habt ein Riesenproblem, ja?
Aber sie gehen nicht in die Luft. Und das ist erstaunlich. Da sind Leute, die haben in ihrem Leben schon x Verhöre durchgeführt. Die wussten genau, wie man Menschen einschüchtert. Aber dieser Petrus und auch Johannes, die passten irgendwie nicht in ihr Schema. Die verhielten sich einfach nicht richtig. Die sagen die falschen Sachen, und die tun die falschen Sachen. Die haben nämlich keine Angst.
Vers 13 in Apostelgeschichte 4: Als sie aber die Freimütigkeit des Petrus und Johannes sahen und bemerkten, dass es ungelehrte und ungebildete Leute seien, verwunderten sie sich; und sie erkannten, dass sie mit Jesus gewesen waren.
Für die Theologen im Hohen Rat waren Petrus und Johannes ungelehrte und ungebildete Leute. Das heißt, sie hatten keine theologische Ausbildung. Klar, hätte Petrus etwas über Fischerei gefragt, wie geht denn das mit dem Fischefangen hier in Galiläa, da oben in dem See Genezareth? Er hätte gesagt: Kann ich. Das hätte auch keinen überrascht. Aber dass dieser galiläische Fischer, unter Druck gesetzt von der höchsten Autorität, eben mal so Psalm 118 aus dem Ärmel schüttelt und alle sagen: Stimmt ja eigentlich, können wir jetzt gar nichts dagegen sagen, das ist schon merkwürdig.
Woher kam diese Freimütigkeit? Die müssen doch irgendwann mal anfangen, zittrige Knie zu kriegen, irgendwann mal. Hallo, wo kommt das her?
Und die einzige Antwort, die diese hohen Herren finden, und das ist noch nicht mal die richtige oder nur halbrichtig, war die, dass sie sagen: Das muss was damit zu tun haben, dass sie mit Jesus unterwegs waren. Na ja, fast richtig.
Was ist denn die richtige Antwort? Wo kommt es denn her, dass Menschen im Gericht mit Freimütigkeit Jesus bezeugen können? Jesus hat das in Lukas 12,10-12 seinen Jüngern so verheißen. Er hat ihnen gesagt:
 Lukas 12,10-12: Und jeder, der ein Wort sagen wird gegen den Sohn des Menschen, dem wird vergeben werden; dem aber, der gegen den Heiligen Geist lästert, wird nicht vergeben werden. Wenn sie euch aber vor die Synagogen und die Obrigkeiten und die Machthaber führen, so sorgt nicht, wie oder womit ihr euch verantworten oder was ihr sagen sollt; denn der Heilige Geist wird euch in jener Stunde lehren, was ihr sagen sollt.
Also, du musst dich heute Nachmittag nicht hinsetzen und überlegen, was hätte ich gesagt. Und schon mal so eine kleine Verteidigungsrede vorbereiten, nur für den Fall, dass nach 25 Jahren Mauerfall die Zeiten mal wieder anders werden. Muss man nicht machen. Jesus sagt: Wenn es so weit kommt, wird etwas passieren. Der Geist Gottes selber wird euch die richtigen Worte eingeben.
Mich hat das fasziniert. Ich weiß nicht, wer von euch Eta Linnemann kennt. Das ist eine inzwischen verstorbene Professorin für Theologie, die als Professorin zum Glauben findet. Also viele Theologieprofessoren sind nicht gläubig, und sie war eine ungläubige Theologieprofessorin. Teil ihrer Bekehrungsgeschichte, sie hat das dann aufgeschrieben, war, dass sie in einer Gemeinde davon hört, wie in Indien ein völlig ungebildeter Christ sich in so einer Situation verteidigt, wie er vor einem Gericht, wo er angeklagt ist, Dinge sagt, wo sie als Professorin sofort sagen konnte: Das kam nicht aus ihm, das konnte der nicht, das ist einfach intellektuell über dem, was ihm möglich ist.
Und für sie machte das dann Klick, und sie meinte: Wenn das an der Stelle stimmt, dann ist Gott auch heute noch real. Und das hat ihr geholfen, den Weg zu einer lebendigen Gottesbeziehung zu finden, wo Gott nicht nur Studienobjekt ist, sondern persönliches Gegenüber, der persönliche Retter.

Drohung statt Einsicht

Was kann denn der Hohe Rat noch sagen? 14-16 Und da sie den Menschen, der geheilt worden war, bei ihnen stehen sahen, konnten sie nichts dagegen sagen. Schon schwierig. Nachdem sie ihnen aber befohlen hatten, aus dem Hohen Rat zu gehen, überlegten sie miteinander und sagten: Was sollen wir diesen Menschen tun? Denn dass wirklich ein deutliches Zeichen durch sie geschehen ist, ist allen offenbar, die zu Jerusalem wohnen, und wir können es nicht leugnen.
Was macht man, wenn man nichts mehr zu sagen hat? Was macht man dann? Na ja, im Allgemeinen spielt man die Machtkarte. Warte, kennt ihr das so, die Macht? Du hast zwar Recht, manche Eltern machen das auch, und das ist ein bisschen blöd. Das darf man in der Erziehung nicht machen. Wenn das Kind Recht hat, hat es Recht. Dann darf man nicht sagen: Du hast zwar Recht, aber ich verwalte dein Taschengeld oder so. Das ist blöd. Aber das passiert immer wieder.
Statt einzusehen und zu sagen: Hier ist wirklich ein Wunder passiert im Namen Jesu, und irgendwie passt das alles zusammen, was die Apostel sagen, vielleicht haben wir wirklich einen Fehler gemacht, spielen sie die Machtkarte und bedrohen die Apostel. Hier, Vers 17: Aber damit es nicht weiter unter dem Volk ausgebreitet werde, lasst uns sie ernstlich bedrohen, dass sie nicht mehr in diesem Namen zu irgendeinem Menschen reden, also dass sie aufhören, über Jesus zu predigen.
Und als sie sie gerufen hatten, geboten sie ihnen, sich überhaupt nicht in dem Namen Jesu zu äußern noch zu lehren. So, das ist das Äußerste, was sie tun können. Ich sage dir, Petrus, ich sage dir, Johannes: Wenn du dich wagst, noch einmal eine Predigt zu halten, wo es um Jesus geht, dann legst du dich mit uns an, und du weißt, was deinem Herrn passiert ist. Wir haben die Macht, dich genau so umzubringen, wie wir es bei ihm getan haben. Ihr hört jetzt an dieser Stelle auf.
Das ist ihre Taktik, aber sie geht nicht auf. Ich glaube, wenn jemand voll heiligen Geistes ist und du kommst mit so einem billigen Ding, dann musst du ja auch damit rechnen, dass dir so jemand wie Petrus Folgendes sagt.

Gehorsam gegenüber Gott

Vers 19: Petrus aber und Johannes antworteten und sprachen zu ihnen: „Tja, ob es vor Gott recht ist, auf euch mehr zu hören als auf Gott, urteilt selbst; denn es ist uns unmöglich, von dem, was wir gesehen und gehört haben, nicht zu reden.“
Man hätte es auch kürzer sagen können: Nö, machen wir nicht. Aber es ist schon irgendwie klar, was hier steht. Es ist uns unmöglich. Das geht nicht, was ihr von uns verlangt.
Warum ist das unmöglich? Warum konnten die Apostel nicht einfach den Mund halten? Na ja, wenn die Apostel geschwiegen hätten, wenn sie dem Hohen Rat gehorcht hätten, dann hätten sie Gottes Auftrag missachtet. Und das war ihnen, angesichts der zurückliegenden Ereignisse, angesichts dessen, was sie mit Gott erlebt haben, absolut unmöglich.
Die Erinnerung an das, was sie gesehen und gehört hatten, war so stark in ihnen, dass sie nicht schweigen konnten. Wenn Jesus wirklich nur ein Reformer gewesen wäre oder ein Prophet oder ein Rabbi, dann hätte das vielleicht funktioniert. Irgend so ein Mensch mit einem halbwegs klaren Blick auf die aktuellen Missstände in der Jerusalemer Priesterschaft. Wenn er nur so jemand gewesen wäre, dann hätten sich die Apostel vielleicht kaltstellen lassen.
Aber Jesus war es nicht. Und da sagt Petrus schon am Ende der ersten Predigt, die er hält: Er war der Christus, er war der Retter und er war der Herr. Er war Gott. In ihm war der Gott des Alten Testaments mensch geworden. In ihm wird der ganzen Menschheit Rettung angeboten. Und jetzt kommt so ein popeliger kleiner Hoher Rat und traut sich zu sagen, das darf man niemandem mehr sagen. Hallo? Das geht einfach nicht. Die Apostel konnten unmöglich aufhören, über ihn zu reden.
Das war doch überhaupt der Grund, warum sie noch da waren. Es gibt für uns keinen Grund, auf dieser Erde zu bleiben, außer seine Zeugen zu sein. Wir bauen doch nicht hier unser kleines eigenes Reich auf, unseren beschaulichen, hübschen Garten, wo wir uns wohlfühlen. Wir sind seine Zeugen, deswegen sind wir hier. Wir müssen den Mund aufmachen.
Es ist unmöglich. Wenn du sagst: Hör auf, darüber zu reden, wie soll das gehen? Wie soll das gehen? Apostelgeschichte 1,8, nochmal dieser klare Auftrag: „Aber ihr werdet Kraft empfangen, wenn der Heilige Geist auf euch gekommen ist, und ihr werdet meine Zeugen sein.“ Ihr seid Zeugen, macht den Mund auf!
Stell dir mal vor, du hast da so einen Zeugen im Gerichtssaal, und der Richter fragt ihn: Wie war denn das bei dem Autounfall? Und der sagt: Sag ich nicht. Dann kannst du es gleich knicken. Den brauchst du nicht mal einladen, dafür brauchst du ihm keinen Euro zu geben, dass er da erscheint.
Und deswegen: Es geht einfach nicht. Es war ihr Auftrag, von dem, was sie gesehen und gehört hatten, zu reden. Schweigen war ihnen eine Unmöglichkeit. Und sie sind sich der Konsequenzen bewusst und bereit, die Konsequenzen zu tragen.

Das Schweigen der Gegner

Vers 21: Denn der Hohe Rat konnte natürlich jetzt nur eines tun: Er konnte nur noch eine Schippe nachlegen, also Bedrohung auf Bedrohung. Sie bedrohten sie noch mehr und entließen sie dann, da sie nicht fanden, auf welche Weise sie sie bestrafen sollten.
Glücklicherweise war es damals kein strafbares Vergehen, jemanden gesund zu machen. Sonst hätten sie das sicher noch irgendwo ausgegraben. Aber sie haben es nicht geschafft, und zwar um des Volkes willen. Denn alle verherrlichten Gott um dessen willen, was geschehen war.
Denn es geht jetzt um den Geheilten aus der letzten Predigt: Der Mensch war mehr als vierzig Jahre alt, an dem dieses Zeichen der Heilung geschehen war. Überlegt einmal: Vierzig Jahre konnte er nicht laufen. Das sind fast zwei Generationen, die an ihm vorbeigelaufen sind und ihm ihr Almosen gegeben haben.
Und er steht da. Ich kann mir vorstellen, wie er den Hohen Rat anfunkelt und denkt: Freunde, wenn ihr jetzt irgendeinen Fehler hier macht, ich stehe hier. Ich kann jetzt laufen. Das war früher. Ich kann sogar treten. Also ...

Zwei Fragen an die Gemeinde

Was macht dieser Text mit uns? Es ist ja ein Text, der als Geschichtstext weit weg ist. Wie können wir diesen Text erst einmal auf uns anwenden? Welche Fragen werden für uns relevant?
Ich glaube, es sind zwei Fragen, die mich in besonderer Weise herausfordern. Wobei die erste Frage eher für die gedacht ist, die in ihrem Glaubensleben an einem Punkt stehen, wo sie noch nicht genau wissen, ob ihr Glaube echt ist, die vielleicht diese ganz persönliche Beziehung noch nicht so recht haben. Und deswegen ist die erste Frage: Ist mein Glaube echt?
Ich komme dahin, weil die Mitglieder des Hohen Rats, allen voran der Hohepriester, sich im Blick auf ihre Beziehung zu Gott irrten. Sie konnten das Offensichtliche nicht sehen, weil sie nicht sehen wollten. Sie hatten den Messias übersehen. Sie hatten den Messias gekreuzigt, und nun hatten sie seine Zeugen bedroht. Und das, obwohl Gott ein offensichtliches Wunder unter ihnen getan hatte.
Sag mal, was soll denn Gott noch mehr tun, um sie zu gewinnen, als dass er ihnen Zeugnis gibt von seiner Liebe, dass er ihnen zeigt, wie ihr Fehlverhalten von ihm schon im Alten Testament vorhergesagt worden ist, und dass da Laienprediger, die offensichtlich von ihm auf eine übernatürliche Weise begabt wurden, ihnen ins Gewissen reden? Was soll denn Gott noch mehr tun?
Wenn man das Zeugnis der heilenden Liebe Gottes, das Zeugnis der prophetischen Schrift und das Zeugnis des Heiligen Geistes missachtet, was bleibt dann im Leben eines Menschen? Und was bleibt, ist Warten. Warten auf das Gericht Gottes.
Mehr kann Gott nicht tun, als dass er in deinem Leben Erfahrungen bringt, wo du sagst: Hier muss Gott im Spiel sein. Dass er dir in seinem Wort zeigt, was er für dich persönlich hat. Und dass du Menschen begegnest, die Zeugnis ablegen von dem, was sie gesehen, gehört und erlebt haben mit Gott.
Wenn du diesem dreifachen Zeugnis Gottes vorbeigehst, dann bist du tatsächlich in einer ganz schlimmen, in einer ganz, ganz schlimmen Situation.
Und jetzt weiß ich: Wenn ich das sage, dann treffe ich oft die Falschen. Wenn man so sagt: Mach dir noch mal Gedanken, ob dein Glaube echt ist, gibt es Geschwister, die haben einen ganz tiefen, sensiblen Glauben. Und wenn man dann so ein bisschen kritisch nachfragt, denken die gleich: Boah, hoffentlich ist bei mir alles in Ordnung.
Und deswegen muss ich noch etwas nachschieben. Dieses Versagen des Hohen Rats muss dich nicht irre machen. Es gibt nämlich ein Kennzeichen dafür, dass dein Glaube, dass damit alles in Ordnung ist. Und dieses Kennzeichen, dass du einen Glauben hast, mit dem alles in Ordnung ist, dieses Kennzeichen kann man auch hier in der Geschichte sehen.
Das Kennzeichen ist die Art und Weise, wie Jesus, wie Petrus und Johannes auftreten. Sie sagen: Ich kann nicht anders, als von Jesus zu reden. Das, was er in der Geschichte, aber dann eben auch in meinem Leben getan hat, das ist so überwältigend, das geht mir so nahe. Das ist eben nicht nur eine Theorie, ein Bekenntnis, was man irgendwann mal am Eingang zur Kirchenmitgliedschaft gesprochen hat, sondern das ist etwas, wo ich heute mit ihm unterwegs bin.
Und das überwältigt mich heute so sehr, dass Gott es gut mit mir meint. Die Güte Gottes heute zu schmecken, zu sehen, was das mit mir macht, überwältigt mich so sehr, ich muss davon reden.
Und deswegen: Wenn du wissen willst, ob dein Glaube echt ist, schau dir die Worte an, die du redest. Worüber redest du? Was kommt aus deinem Mund heraus? Was sind die Themen, die dich beschäftigen? Was ist das, was dich begeistert?
Ein echter Glaube hat immer Jesus zum Zentrum. Er ist Christus und Herr, er ist Retter und Gott. Er ist der, über den ich gerne rede, weil er mich so fasziniert. Und er ist der, über den ich gerne rede, weil ich verstanden habe, dass jeder von ihm hören muss, wenn er mit mir ewige Herrlichkeit teilen will.
Versteht ihr, achtet mal auf das, was ihr redet. Und wenn du merkst: Boah, Jesus ist mir so, so nah und so wichtig, und ich rede so gerne mit anderen Leuten über Jesus, dann mach dir keinen Kopf.
Aber wenn das nicht so ist, wenn Jesus nur ein Abstraktum ist, etwas, wo du sagst: Na ja, irgendwo, ich kann es auch nicht so richtig fassen, dann rate ich dir, doch noch mal nachzudenken: Ist das, was ich glaube, echt?
Gerade weil wir es hier erlebt haben, dass Menschen dachten, es wäre so. Aber es ist nicht so. Und das ist wichtig, das haben wir auch in der Bibelwoche zum ersten Petrusbrief gesehen.

Die zweite Prüfung: Gehorsam und Zeugnis

Zweite Frage, die dann vielleicht uns alle angeht. Sie geht zumindest mich an. Ich habe mich da wiedergefunden, ertappt gefühlt. Das ist immer doof, wenn man am Ende einer Predigt, die man schreibt, merkt: Gilt mir. Na gut, ist halt so.
Also, die Frage lautet: Wem gehorche ich? Es geht ja um Loyalität. Was mache ich, wenn sich Autoritäten zwischen meinen Gott und mich stellen wollen?
Jetzt stehen wir nicht vor Gericht, das ist mir auch klar. Wir müssen uns nicht für Jesus oder für den Hohen Priester, den Kaiser oder irgendeinen Führer entscheiden. Aber ich habe den Eindruck, obwohl man das nicht muss, gelingt es unserer Gesellschaft, Christen zum Schweigen zu bringen, sie irgendwie einzuschüchtern, sie mundtot zu machen.
Für uns muss deshalb dieser Blick auf den Auftrag, den wir haben, immer nahe sein. Jesus hat gesagt: Geht hin in diese Welt und predigt das Evangelium. Das ist unser Auftrag. Und die Frage ist: Gibt es Einflüsse in meinem Leben, die mich ganz praktisch davon abhalten, das Evangelium zu predigen?
Was hält mich davon ab, meinen Freunden zu sagen, dass sie verloren gehen, dass Jesus der einzige Weg ist und dass man sich ganz tragisch irren kann, selbst wenn man religiös ist? Vielleicht ist es nur die Angst davor, als engstirniger Fanatiker, als ewig gestriger Dummschwätzer hingestellt zu werden. Vielleicht ist das schon alles.
Ich bekenne euch das von hier vorne: Ich merke, dass ich heute weniger evangelisiere als vor zehn Jahren. Das ist mir blöderweise an der Stelle so richtig deutlich geworden. Also, ich rede heute weniger mit anderen Menschen über das Evangelium, als ich das noch vor zehn Jahren gemacht habe.
Brauchen die Menschen Jesus noch? Na klar. Hat sich mein Auftrag geändert? Wahrscheinlich nicht. Ist Jesus noch mein Herr? Logisch. Und trotzdem hat sich da bei mir etwas geändert.
Und ich möchte dir einfach diese Frage heute mitgeben: Wie ist das bei dir? Hat sich in den letzten Jahren etwas verändert? Ist da vielleicht so eine Ladehemmung eingetreten, wo du früher mit mehr Freimütigkeit gesagt hast: Jesus ist es? Und jetzt hältst du dich vielleicht ein Stück zurück?
Was hemmt dich? Ist es die Ablehnung, die du erfahren hast? Oder ist es vielleicht der Frust darüber, dass sich so viele einfach gar nicht für das Evangelium interessieren? Oder sind es andere Prioritäten, die sich vor diesen Auftrag geschoben haben, sodass plötzlich andere Dinge in deinem Leben deine Gedanken bestimmen, deine Zeit bestimmen, dich in einen Trott hineinzwingen, wo am Ende vielleicht zu wenig Platz ist, um mit Menschen über das Evangelium zu reden?
Ich glaube, es braucht oft gar nicht so viel, dass Christen aufhören, über Jesus zu reden. Manchmal ist das auch ein schleichender Prozess, es ist keine bewusste Entscheidung. Also, in meinem Leben war es keine bewusste Entscheidung. Ich habe mich nicht vor fünf Jahren hingesetzt und gesagt: Ich höre auf. Es ist einfach irgendwie passiert. Es ist weniger geworden.
Und es spielt auch keine Rolle, wenn das bei dir so sein sollte wie bei mir, warum das so ist. Wichtig ist, dass wir uns heute Morgen durch das Vorbild der Apostel herausfordern und ermutigen lassen.
Schaut mal, es waren ungelehrte, ungebildete Menschen, die das römische Reich in die Knie gezwungen haben. Und ich bin davon überzeugt: Es werden auch 2014 die Normalos sein, die, mit denen man nicht gerechnet hätte, die den Unterschied machen. Es werden Leute sein wie du und du und du und du und du und du und du und du, vielleicht auch ich, die hier in Oberkrämer den Unterschied machen, wenn sie sich trauen, das Evangelium zu predigen.
Und deswegen mein Wunsch von hier vorne: Lasst euch nicht den Mund verbieten! Nicht durch einen abschätzigen Blick des Nachbarn, nicht durch die Häme eines gegen Evangelikale gerichteten Spiegelartikels, nicht durch die 124. Ablehnung meiner besten Freundin, zum Alphakurs mitzukommen, nicht durch das Tuscheln der Arbeitskollegen. Lass dir nicht den Mund verbieten!
Und nimm das Vorbild dieser einfachen Leute, die sich vor den Hohen Rat gestellt haben und die gesagt haben: Es ist unmöglich. Wir können nicht anders. Wir haben da etwas erlebt, wir haben etwas gesehen, erfahren, mit uns ist etwas passiert, und ich muss mit dir darüber reden. Warum? Denn kein anderer Name unter dem Himmel ist den Menschen gegeben, in dem wir errettet werden müssen. Genau deshalb. Amen.

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

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