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Das Gleichnis vom einen Pfund – Teil 4

Jesu Leben und Lehre, Teil 671/697
27.01.2026Lukas 19,11-27
SERIE - Teil 671 / 697Jesu Leben und Lehre

Gott wird Mensch – Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter, Weg, Wahrheit und Leben ist.

Episode 671: Das Gleichnis vom einen Pfund, Teil vier

Einführung in die eschatologische Betrachtung des Gleichnisses

Wenden wir uns heute der eschatologischen Auslegung des Gleichnisses vom einen Pfund zu. Noch einmal möchte ich an dieser Stelle betonen, dass ich mich irren kann. Ich präsentiere einfach den aktuellen Stand meines Denkens und freue mich auf wohlwollende Einwände und Ergänzungen.

Für mich ist Gemeinde immer ein Kollektiv von Denkern. Es tut einfach gut, so etwas wie einen intellektuellen Indoor-Spielplatz zu betreiben, auf dem sich theologisches Denken entwickelt, indem man sich an sekundären Fragen reibt. Ganz im Sinn der Sprüche Salomos: Eisen schärft Eisen.

Kommen wir also zum Gleichnis vom einen Pfund. Von wem redet Jesus? Er redet von sich selbst. Er ist der hochgeborene Mann – ich denke, das ist klar.

Worauf bezieht sich sein Weggehen in ein fernes Land, um ein Reich zu empfangen und zurückzukommen? Fangen wir mit dem Weggehen an.

Tod und Himmelfahrt als Beginn der Königsherrschaft

Mit dem Weggehen sind hier der Tod und die Himmelfahrt Jesu gemeint. Jesus verlässt diese Welt und geht zum Vater. Vom Vater erhält er das Königtum und erfüllt die Verheißung an David, dass sein Nachkomme auf dem ewigen Thron sitzen wird.

Schauen wir uns das im Detail an. So heißt es in Psalm 2,6: „Habe doch ich meinen König geweiht auf Zion, meinem heiligen Berg.“ Hier wird prophetisch die Kreuzigung beschrieben und was dabei geschieht, nämlich die Inthronisation. Derselbe, der sich erniedrigt hat und sich abschlachten lässt, erhält vom Vater den höchsten Ehrentitel. Er wird zum Herrn der Herren und zum König der Könige.

In Lukas 1,32 heißt es: „Dieser wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden. Und der Herr, Gott, wird ihm den Thron seines Vaters David geben, und er wird über das Haus Jakobs herrschen in Ewigkeit, und seines Königtums wird kein Ende sein.“ Jesus setzt sich also auf den Thron seines Vaters David. Dieser Thron steht nicht auf der Erde, sondern im Himmel, wohin Jesus aufgefahren ist, um sich zur Rechten Gottes zu setzen.

So wie Petrus formuliert in Apostelgeschichte 2,34-35: „Denn nicht David ist in den Himmel aufgefahren, er sagt aber selbst: ‚Der Herr sprach zu meinem Herrn, setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde lege zum Schemel deiner Füße.‘“

So weit zum Weggehen. Tod und Himmelfahrt bringen Jesus auf den Thron.

Die Ablehnung des Königs durch sein Volk

Nächste Frage: Wer sind in dem Gleichnis die Bürger, die nicht wollen, dass Jesus König wird?

Das sind genau die Juden, die vom Hohen Rat angestachelt irgendwann skandieren, Jesus solle gekreuzigt werden. Es sind diejenigen, die unter dem Kreuz stehen, um über Jesus zu lästern und zu spotten.

Es sind dieselben, die die römischen Soldaten bestechen und später die Apostel verfolgen.

Das zweite Kommen des Königs und seine Bedeutung

Wann kommt der König wieder? Diese Frage hat mich selbst lange beschäftigt. Im Gleichnis kehrt der König zurück, um seine Herrschaft anzutreten. Deshalb habe ich mich auf die Suche gemacht, was die Bibel über das Kommen des Messias sagt.

Für mich wurde dabei eine Stelle im Propheten Maleachi besonders wichtig. Dort wird Johannes der Täufer beschrieben, und dann das Kommen des Messias angekündigt. Allerdings ist es ein Kommen zum Gericht, nicht zur Rettung. Maleachi 3,1-2 lautet:
„Siehe, ich sende meinen Boten, und er wird den Weg vor mir her bereiten. Und plötzlich kommt zu seinem Tempel der Herr, den ihr sucht, und der Engel des Bundes, den ihr herbeiwünscht. Siehe, er kommt, spricht der Herr der Heerscharen. Wer aber kann den Tag seines Kommens ertragen? Und wer wird bestehen bei seinem Erscheinen? Denn er wird wie das Feuer eines Schmelzers und wie das Laugensalz von Wäschern sein.“

Hier wird beschrieben, dass der Messias zum Gericht kommen wird. Wichtig ist, dass das Kommen Gottes zum Gericht nicht zwingend bedeutet, dass Gott selbst persönlich erscheinen muss. In Jesaja 19,1 heißt es:
„Siehe, der Herr fährt auf einer schnellen Wolke und kommt nach Ägypten, da beben die Götzen Ägyptens vor ihm, und das Herz Ägyptens zerschmilzt in seinem Innern.“

Hier kommt Gott auf einer schnellen Wolke nach Ägypten. Tatsächlich kommt er aber nicht persönlich, sondern in Form von innenpolitischen Verwerfungen und einem Bürgerkrieg in Ägypten. Das Kommen Gottes kann also auch eine bildhafte Umschreibung für das Gerichtshandeln Gottes sein.

Diese Idee finden wir auch im Neuen Testament, zum Beispiel im Sendschreiben an die Gemeinde in Ephesus. Dort heißt es in Offenbarung 2,4-5:
„Aber ich habe gegen dich, dass du deine erste Liebe verlassen hast. Denke nun daran, wovon du gefallen bist, und tue Buße und tue die ersten Werke. Wenn aber nicht, so komme ich zu dir und werde deinen Leuchter von seiner Stelle wegrücken, wenn du nicht Buße tust.“

Habt ihr das gehört? „Wenn aber nicht, so komme ich zu dir.“ Natürlich kommt Gott hier nicht persönlich auf die Erde, sondern er kommt zum Gericht. Das heißt, er bleibt im Himmel, aber auf der Erde verschwindet eine Gemeinde.

Ganz ähnlich heißt es in Psalm 50,3-4:
„Unser Gott kommt, er wird nicht schweigen, Feuer frisst vor ihm her, und rings um ihn stürmt es gewaltig. Er ruft dem Himmel droben und der Erde zu, um sein Volk zu richten.“

Ich zeige diese Stellen, damit wir verstehen: Wenn in Maleachi 3 vom Kommen des Messias zum Gericht die Rede ist, dann muss er nicht persönlich erscheinen. Es könnte auch eine Armee sein, die vor den Toren Jerusalems steht und Gottes Gericht an dem ungläubigen Israel vollzieht. So wird für jeden sichtbar das Ende des Alten Bundes besiegelt.

Genau das denke ich, ist gemeint. Merkt ihr, wie das zu unserem Gleichnis passt? Im Gleichnis kommt der König zurück, um seine Herrschaft anzutreten. Zwei Dinge passieren: Erstens werden seine Knechte teilweise gelobt und zu Mitherrschern gemacht, zweitens werden seine Feinde umgebracht.

Ich denke, dass das Gericht an den Feinden eine Vorhersage auf die Zerstörung Jerusalems im Jahr 70 nach Christus durch die Truppen des Titus ist. Jesus führt hier gedanklich nur fort, was auch Johannes der Täufer angedeutet hat, als er seine Zeitgenossen davor warnte, dass ein Feuer Gottes auf die Unbußfertigen wartet. Matthäus 3,10-12 sagt:
„Schon ist aber die Axt an die Wurzel der Bäume gelegt. Jeder Baum nun, der nicht gute Frucht bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen. Ich taufe euch zwar mit Wasser zur Buße, der aber nach mir kommt, ist stärker als ich, dessen Sandalen zu tragen ich nicht würdig bin. Er wird euch mit heiligem Geist und Feuer taufen. Seine Worfschaufel ist in seiner Hand, und er wird seine Tenne durch und durch reinigen und seinen Weizen in die Scheune sammeln. Die Spreu aber wird er mit unauslöschlichem Feuer verbrennen.“

Merkt ihr, der Messias selbst wird die Zuhörer von Johannes dem Täufer mit heiligem Geist oder Feuer taufen. Das Feuer ist hier ganz klar Gericht, und die Axt, die schon an die Wurzel der Bäume gelegt ist, beziehungsweise die Worfschaufel in der Hand, sind Bilder für ein kurz bevorstehendes Gericht.

Ich behaupte also: Indem die Römer den Tempel zerstören, die Stadt Jerusalem in Schutt und Asche legen und Zehntausende deportieren, erfüllt sich die Verheißung aus Maleachi 3 vom plötzlichen Kommen des Messias zu seinem Tempel. Dieses Kommen ist also nicht wörtlich zu verstehen, sondern als Kommen zum Gericht.

Im Gleichnis ist es ein tatsächliches Kommen, so wie es ein tatsächliches Weggehen in ein fernes Land war. In der eschatologischen Übertragung ist weder das Weggehen noch das Zurückkommen wörtlich zu verstehen – so meine These, der gern widersprochen werden darf. Aber immerhin passt die Sache mit dem Gericht, oder?

Denn im Gleichnis kommt der neu gekrönte König zurück und richtet seine Feinde. Am Ende heißt es ja Lukas 19,27:
„Doch jene, meine Feinde, die nicht wollten, dass ich über sie König würde, bringt her und erschlagt sie vor mir.“

Genau das ist im Jahr 70 nach Christus passiert. Die Generation, die Jesus abgelehnt hat, wurde gerichtet, er hat die Spreu verbrannt.

Und noch etwas ist im Jahr 70 nach Christus geschehen: Jesus hat seine Herrschaft angetreten. Das klingt jetzt vielleicht etwas ungewohnt, wenn ich es so schreibe, aber hier geht es nicht um die ewige Herrschaft Gottes über die Welt. Vielmehr geht es, wenn man so will, um die Erfüllung der Wüstenwanderung.

Im Alten Testament gibt es viele prophetische Vorentwürfe auf das, was im Neuen Testament passieren wird. Einer dieser Vorentwürfe ist die Rettung aus Ägypten. Das Volk Israel wird aus Ägypten befreit, geht mit Gott einen Bund ein, wird in der Wüste gereinigt und beginnt vierzig Jahre später damit, Kanaan einzunehmen.

Dieser ganze Prozess nimmt prophetisch-illustrativ die Ereignisse zur Zeit Jesu vorweg. Jesus ist das Passalam, das geschlachtet wird, damit ein Volk Gottes aus der Macht des Teufels befreit wird. Bei diesem Volk handelt es sich zunächst um den gläubigen Überrest des Volkes Israel.

Die knapp vierzig Jahre in der Wüste spiegeln die Zeit von der Kreuzigung – wahrscheinlich am 7. April 30 nach Christus – bis zur Zerstörung Jerusalems im Jahr 70 nach Christus wider. In dieser Zeit entsteht ein neues Israel, also ein neues Gottesvolk.

Um mit dem Bild von Paulus aus Römer 11 zu sprechen: Israel ist der Ölbaum. Die ungläubigen Zweige, also die ungläubigen Juden, werden ausgebrochen, und die gläubigen Heiden werden in diesen Ölbaum Israel eingepfropft.

Genau wie in der Wüste die ungläubigen Israeliten starben, so werden in den vierzig Jahren zwischen Kreuzigung und der Zerstörung Jerusalems die ungläubigen Juden aus dem Ölbaum ausgebrochen. Es findet eine geistliche Reinigung des Gottesvolkes statt.

Und was kommt am Ende der vierzig Jahre? Das gereinigte Gottesvolk beginnt mit der Herrschaft über die Heiden Kanaans.

Was das mit dem Gleichnis vom einen Pfund und mit Offenbarung 11 zu tun hat, das besprechen wir in der nächsten Episode.

Eine Bitte: Wenn du meine Auslegung in Frage stellen willst, argumentiere bitte kurz und liebevoll und gehe davon aus, dass ich die Standardauslegung kenne. Ich möchte keine Links zu Predigten anderer Prediger.

Der Herr segne dich, erfahre seine Gnade und lebe in seinem Frieden. Amen.

Das Gleichnis im Kontext der Zerstörung Jerusalems

Und genau das denke ich, ist gemeint. Merkt ihr, wie das zu unserem Gleichnis passt?

Im Gleichnis kommt der König zurück, um seine Herrschaft anzutreten. Dabei passieren zwei Dinge: Erstens werden seine Knechte teilweise gelobt und zu Mitherrschern gemacht. Zweitens werden seine Feinde umgebracht.

Ich denke, dass das Gericht an den Feinden eine Vorhersage auf die Zerstörung Jerusalems im Jahr siebzig nach Christus durch die Truppen des Titus ist. Jesus führt hier gedanklich nur fort, was auch Johannes der Täufer angedeutet hat, als er seine Zeitgenossen davor warnte, dass ein Feuer Gottes auf die Unbußfertigen wartet.

In Matthäus 3,10-12 heißt es:
„Schon ist aber die Axt an die Wurzel der Bäume gelegt. Jeder Baum nun, der nicht gute Frucht bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen. Ich taufe euch zwar mit Wasser zur Buße, der aber nach mir kommt, ist stärker als ich, dessen Sandalen zu tragen ich nicht würdig bin. Er wird euch mit heiligem Geist und Feuer taufen. Seine Worfschaufel ist in seiner Hand, und er wird seine Tenne durch und durch reinigen und seinen Weizen in die Scheune sammeln. Die Spreu aber wird er mit unauslöschlichem Feuer verbrennen.“

Merkt ihr, der Messias selbst wird die Zuhörer von Johannes dem Täufer mit heiligem Geist oder Feuer taufen. Das Feuer ist hier ganz klar Gericht. Die Axt, die schon an die Wurzel der Bäume gelegt ist, beziehungsweise die Worfschaufel in der Hand, sind beides Bilder für ein kurz bevorstehendes Gericht.

Ich behaupte also, dass sich mit der Zerstörung des Tempels durch die Römer, die Stadt Jerusalem in Schutt und Asche gelegt und Zehntausende deportiert wurden, die Verheißung aus Maleachi 3 vom plötzlichen Kommen des Messias zu seinem Tempel erfüllt hat. Dieses Kommen ist nicht als wörtliches Erscheinen zu verstehen, sondern als Kommen zum Gericht.

Im Gleichnis ist es ein tatsächliches Kommen, so wie es ein tatsächliches Weggehen in ein fernes Land war. In der eschatologischen Übertragung sind weder das Weggehen noch das Zurückkommen wörtlich zu verstehen – so meine These, der gern widersprochen werden darf.

Aber immerhin passt die Sache mit dem Gericht, oder? Denn im Gleichnis kommt der neu gekrönte König zurück und richtet dann seine Feinde. Am Ende heißt es ja in Lukas 19,27:
„Doch jene, meine Feinde, die nicht wollten, dass ich über sie König würde, bringt her und erschlagt sie vor mir.“

Genau das ist siebzig nach Christus passiert. Genau die Generation, die Jesus abgelehnt hat, ist gerichtet worden. Er hat die Spreu verbrannt.

Die Herrschaft Jesu nach der Zerstörung Jerusalems

Und noch etwas ist im Jahr siebzig nach Christus geschehen: Jesus hat seine Herrschaft angetreten.

Das klingt vielleicht etwas ungewöhnlich, wenn man es so ausdrückt. Doch hier geht es nicht um die ewige Herrschaft Gottes über die Welt. Vielmehr handelt es sich, wenn man so will, um die Erfüllung der Wüstenwanderung.

Im Alten Testament gibt es zahlreiche prophetische Vorentwürfe auf das, was im Neuen Testament geschehen wird. Einer dieser Vorentwürfe ist die Rettung aus Ägypten. Das Volk Israel wird aus Ägypten befreit, schließt mit Gott einen Bund, wird in der Wüste gereinigt und beginnt etwa vierzig Jahre später mit der Eroberung Kanaans.

Dieser gesamte Prozess spiegelt prophetisch und illustrativ die Ereignisse zur Zeit Jesu wider. Jesus ist das Passalam, das geschlachtet wird, damit ein Volk Gottes aus der Macht des Teufels befreit wird. Dieses Volk ist zunächst der gläubige Überrest des Volkes Israel.

Die knapp vierzig Jahre in der Wüste entsprechen wahrscheinlich der Zeitspanne von der Kreuzigung Jesu, vermutlich am siebten April dreißig nach Christus, bis zur Zerstörung Jerusalems im Jahr siebzig nach Christus. In dieser Zeit entsteht ein neues Israel, also ein neues Gottesvolk.

Um das Bild von Paulus aus Römer 11 zu verwenden: Israel ist der Ölbaum. Die ungläubigen Zweige, also die ungläubigen Juden, werden ausgebrochen, und die gläubigen Heiden werden in diesen Ölbaum Israel eingepfropft.

So wie in der Wüste die ungläubigen Israeliten starben, werden in den vierzig Jahren zwischen Kreuzigung und Zerstörung Jerusalems die ungläubigen Juden aus dem Ölbaum ausgebrochen. Es findet eine geistliche Reinigung des Gottesvolkes statt.

Und was geschieht am Ende dieser vierzig Jahre? Das gereinigte Gottesvolk beginnt mit der Herrschaft über die Heiden Kanaans.

Ausblick auf die nächste Episode

Und was das mit dem Gleichnis vom einen Pfund und mit Offenbarung 11 zu tun hat, das besprechen wir in der nächsten Episode.

Abschluss und Segenswünsche

Was könntest du jetzt tun? Bete für die Gemeinde Gottes, dass sie sich über Endzeitthemen nicht zerstreitet.

Das war es für heute.

Eine Bitte: Wenn du meine Auslegung in Frage stellen möchtest, argumentiere bitte kurz und liebevoll. Gehe dabei davon aus, dass ich die Standardauslegung kenne. Ich möchte keine Links zu Predigten anderer Prediger erhalten.

Der Herr segne dich, lass seine Gnade erfahren und lebe in seinem Frieden. Amen.

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