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Der Sündenfall

Franken JuGo 2024 #2
1. Mose 3,1-2421.01.2024
EventTeil 2 / 4Franken JuGo 2024
Wir erleben Sünde in unserem Alltag: wie wir sind, wie unsere Mitmenschen handeln, wie so vieles kaputt geht. Sünde macht uns kaputt, Sünde macht Familien kaputt. Und das tut weh. Aber wieso? Wieso leide ich - selbst als Christ? Wieso geht vieles in meinem Leben schief? Wieso fühle ich mich manchmal wie der letzte Verlierer? Und wie kann ich damit umgehen?

Ein Vorrecht, das leicht zur Gewohnheit wird

Einen schönen guten Abend von meiner Seite.
Wenn es euch so geht wie mir und ihr vielleicht auch in der Gemeinde aufgewachsen seid, dann habt ihr dieses Lied sicher schon ganz, ganz oft gehört und gesungen. Manchmal habt ihr euch vielleicht ganz auf den Inhalt konzentriert, manchmal vielleicht auch eher halb abwesend. Ich kenne das, ich kann es auswendig, hat ja auch in erster Linie ganz gut funktioniert.
Aber ich denke, es ist schön, wenn wir uns das vor Augen halten: Jesus, zu dir darf ich so kommen, wie ich bin. Und vor allem bei dem Thema, das wir uns heute anschauen, wird uns hoffentlich bewusst, dass wir das singen dürfen und dass es nicht selbstverständlich ist, dass wir das singen dürfen. Wir sind es vielleicht gewöhnt, aber es ist eigentlich ein enormes Vorrecht. Es ist so eine grosse Gnade, dass wir zu diesem Gott, zu unserem Herrn, kommen dürfen, dass wir überhaupt Zugang zu ihm haben dürfen.
Vor zwei Wochen haben wir von Markus gehört, wie Gott die Himmel und die Erde erschaffen hat. Wir haben gesehen, dass wir auch wissenschaftlich betrachtet sehr viele gute Gründe haben, darauf zu vertrauen, dass die Bibel Gottes Wort ist und dass sie von der ersten Seite an auf jeden Fall glaubwürdig ist, egal wie unsere Gesellschaft das vielleicht belächelt oder ins Lächerliche zieht.
Dazu lesen wir eben auch und haben auch gehört, dass Gott seine Schöpfung im Schöpfungsbericht selbst bewertet. Wir haben davon gelesen, dass er am dritten Tag die Pflanzenwelt geschaffen hat, am vierten Tag die Sonne, den Mond und die Sterne, am fünften Tag die Meerestiere und die Vögel und am sechsten Tag die Landlebewesen. Und jedes Mal sehen wir nach diesen Tagen: Und Gott sah, dass es gut war.
Ich denke, wenn wir uns das ein bisschen vorstellen, dann können wir dem wohl zustimmen. Zumindest grösstenteils. Wenn wir uns die Natur anschauen, an so schönen Tagen wie heute oder gestern, wenn wir uns die Tierwelt ansehen, Tierdokus oder die Tiere, die uns auch hier begegnen können, die wir beobachten und studieren können, dann können wir alle auf jeden Fall sagen: Es ist einfach faszinierend. Es ist wunderschön. Es ist einfach genial, wie Gott das geschaffen hat.
Aber auch da mit dieser Einschränkung, zumindest aus unserer Perspektive heute, grösstenteils nur. Und als Gott dann auch noch am sechsten Tag den Menschen geschaffen hatte und sich die gesamte Schöpfung betrachtete, lautet sein Urteil nicht nur: Und siehe, es war gut, sondern es war sogar sehr gut.
Ich weiss nicht, wie es euch damit geht. Natürlich können wir unzählig viel Schönes entdecken, besuchen, bestaunen, untersuchen, erleben, erforschen, bereisen, fotografieren, essen, was auch immer. Und dann können wir natürlich sagen: Wow, stimmt, es ist echt richtig gut, es ist sehr gut, es ist wunderschön.
Aber ich habe gerade schon zweimal gesagt: Ja, wir können dem wohl nur bedingt zustimmen und sagen: Ja, grösstenteils. Denn wir haben auch eine andere Seite davon. Wenn ihr euch umseht, wenn ihr euch die Nachrichten anschaut, wenn ihr das Leid und die Katastrophen in dieser Welt seht, wenn ihr in die sozialen Medien schaut, wo andere Menschen dafür bewundert und gefeiert werden, dass sie egozentrisch sind und sich selbst ebenso feiern, und dass die Menschen, die die anderen Menschen bewundern, am Ende auch selbst so werden wollen, wenn wir einfach sehen, was in dieser Welt nicht so läuft, dann können wir da schon ins Grübeln kommen und fragen: Okay, was ist denn da los?
Und wenn wir uns das anschauen, so wie wir die Welt heute beobachten können, dann ist die Frage: Wie wäre denn unser Urteil heute? Können wir dem zustimmen? Ich meine, Gott hat von einem Zustand gesprochen, der vor Tausenden von Jahren war. Würde unser Urteil heute auch noch lauten: sehr gut? Wäre es so wie damals eine glatte Eins, fünfzehn Punkte, nicht zu toppen? Könntet ihr das sagen, wenn ihr euch die Welt anschaut, selbst wenn ihr die Natur anschaut oder die Tierwelt? Ich denke, selbst dann können wir es nicht uneingeschränkt so sagen.
Aber wir müssen nicht nur in die Welt blicken, nicht nur nach aussen, sondern wir können uns die Frage stellen: Wie steht es denn mit uns selbst? Natürlich können wir das, was ausserhalb von uns ist, betrachten und sagen: Ja, könnte schon alles besser sein. Aber das müssen wir gar nicht. Wir können auch bei uns anfangen, denn jeder von uns, du und ich, wir alle tragen eben zu diesem verzerrten Bild von dieser genialen Schöpfung bei.
Du und ich, ich denke, wir haben Leid erlebt, aber nicht nur erlebt, sondern wir haben auch Leid verursacht. Wir wurden enttäuscht, viele Male, vielleicht schwer, aber genauso haben auch wir enttäuscht. Ja, du und ich, wir wurden sicherlich auch schon auf die eine oder andere Weise bösartig behandelt. Aber auch wir haben, denke ich, andere schon bösartig behandelt oder tun es vielleicht sogar immer noch.
Wir haben andere beneidet, und wir provozieren auch, dass Leute uns beneiden. Stichwort auch wieder soziale Medien oder was auch immer wir vielleicht tun, dass wir bewundert werden wollen, dass wir im Mittelpunkt stehen. Und wenn wir uns das alles so anschauen, dann sehen wir: An dieser Wertung hat sich wahrscheinlich etwas verändert.
Wenn wir also uns selbst ehrlich diese Fragen stellen, dann merken wir, denke ich, recht schnell: Es ist nicht nur irgendetwas dort draussen in dieser Welt, was nicht passt, in der Gesellschaft oder in den Medien oder sonst wo. Nein, wir selbst sind betroffen. Du und ich, wir selbst sind Teil von dem, was sich mit diesem Urteil, das Gott direkt nach der Schöpfung gefällt hat, beisst. Wir müssen sagen: Dem können wir eben nicht ganz zustimmen, selbst wenn wir uns selbst hinterfragen.
Dann müssen wir uns die Frage stellen: Wie konnte Gott das also damals so sagen? Wie konnte er sagen, dass alles sehr gut war? Und vor allem die Frage: Was ist seither passiert? Und das ist auch das Thema, mit dem wir uns heute auseinandersetzen wollen: der Sündenfall.
Bevor wir uns aber anschauen können, was es bedeutet, dass der Mensch in Sünde gefallen ist, ist es, denke ich, vor allem wichtig zu sehen, wie der Mensch davor war. Also weshalb Gott, der ohne jegliche Form von Sünde ist, sagen konnte, dass die gesamte Schöpfung einschliesslich der Menschen sehr gut war.
Das bringt uns zum ersten Punkt. Wenn ihr eure Bibeln dabei habt, könnt ihr gern mit aufschlagen: 1. Mose 1,26-28 und 1. Mose 1,31. Der erste Punkt heisst: geschaffen in Gottes Bild.
Wir können den Sündenfall nur verstehen, wenn wir uns zumindest annähernd eine Vorstellung davon machen können, was es bedeutet, dass der Mensch vorher nicht in Sünde gefallen war. Nur dann können wir das Ausmass erkennen, weil wir alle unter den Folgen des Sündenfalls leiden. Wir alle kommen als Sünder auf die Erde.
Ihr könnt es ja mal versuchen, euch vorzustellen, wie es wäre, kein Sünder zu sein. Wäre mal interessant, ob jemand von euch das kann. Ich habe es schon oft versucht, und ich habe gemerkt: Ich kann es mir nicht einmal vorstellen, wie es wäre, wie die Welt ohne Sünde aussehen würde. Ich kann es mir nicht einmal vorstellen.
Ich lese mal die Verse 26 bis 28 und 31:
Und Gott sprach: Lasst uns Menschen machen nach unserem Bild, uns ähnlich; die sollen herrschen über die Fische im Meer und über die Vögel des Himmels und über das Vieh und über die ganze Erde und über alles Gewürm, das auf der Erde kriecht. Und Gott schuf den Menschen in seinem Bild, im Bild Gottes schuf er ihn; als Mann und Frau schuf er sie. Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehrt euch und füllt die Erde und macht sie euch untertan; und herrscht über die Fische im Meer und über die Vögel des Himmels und über alles Lebendige, das sich regt auf der Erde. Und Gott sah alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut.
Wir sehen hier also, dass Gott den Menschen geschaffen hat. Es war sehr gut, und Gott hat den Menschen mit einem klaren Auftrag erschaffen. Er hat ihm gleich gesagt, der Mensch sollte herrschen, und zwar über die gesamte Schöpfung.
Ich weiss nicht, wie ihr euch das vorstellt, wie der Zustand vor dem Sündenfall war, im Paradies, so ganz chillig. Das war so eine Art All-inclusive-Urlaub, wo man den halben Tag verpennen konnte, den anderen halben Tag mit einem Cocktail schön im Pool sitzen, abends dann Löwenbabys kuscheln und dann in den Schlaf fallen.
Was war das Leben? Wie sah die Erde aus vor dem Sündenfall? Und wir sehen hier ganz klar: Gott schuf den Menschen in seinem Bild, damit der Mensch, damit die Menschen in seinem Sinn über die Schöpfung herrschen, fruchtbar sind, sich mehren und die Erde füllen.
Das war ihr Auftrag, das ist eine Aufgabe, und das ist Arbeit, wenn ihr euch das überlegt. Es waren zwei Menschen, das ist viel Arbeit. Die Erde war damals nicht kleiner, man muss sogar davon ausgehen, dass die Landfläche deutlich grösser war als heute. Also: viel Arbeit.
Und für all die von euch, die vielleicht nicht ganz so arbeitswütig sind, also nicht verstehen: Ich bin kein Workaholic, aber die, die vielleicht an das andere Extrem neigen, Arbeit ist keine der Folgen des Sündenfalls. Arbeit gab es schon davor. Dazu wurden wir geschaffen, wenngleich natürlich die Bedingungen für die Arbeit und auch leider das Ziel sich oft verändert haben.
Aber was war eben das Ziel, was war der Auftrag des Menschen? Ziel war es, dass der Mensch in seiner Gottesebenbildlichkeit sich die Erde untertan macht, Nachkommen zeugt und mit diesen Nachkommen eben die Erde füllt. Es beinhaltet eben, dass der Mensch die Nachkommen hier hat und sie entsprechend prägt, auch im Sinne eben von dieser Gottesebenbildlichkeit, in der er geschaffen wurde.
Jetzt müssen wir uns die Frage stellen: Okay, wo besteht denn die Gottesebenbildlichkeit? Was bedeutet es denn, dass der Mensch in Gottes Ebenbild geschaffen wurde, dass Adam und Eva in seinem Bild geschaffen waren?
Da gibt es unterschiedliche Aspekte. Einerseits kann man sagen, setzt uns die Gottesebenbildlichkeit von der gesamten übrigen Schöpfung ab. Das ist dieses eine Kriterium, was wir auch im Schöpfungsbericht selbst sehen können, das uns von allen anderen Lebewesen unterscheidet: dass wir in Gottes Bild geschaffen sind.
Wir sind dazu geschaffen worden, in Beziehung zu Gott zu leben, als unserem Schöpfer und Herrn eben zu seiner Ehre zu leben und ihn zu verherrlichen mit dem, was wir sind. Direkt damit verknüpft ist eben auch der Auftrag, von dem ich eben gesprochen habe, der Auftrag, den Gott Adam und Eva gegeben hat. Denn sie sollten sozusagen an Gottes Stelle in seinem Sinn die Erde beherrschen, sich mehren und füllen. Und Gott hat sie dazu eingesetzt. Das war der Sinn und Zweck von Adam und Eva, das war der Auftrag, den sie hatten, noch vor dem Sündenfall.
Jetzt ist diese Formulierung vielleicht mit „in Ebenbild geschaffen“, „im Bild geschaffen“ etwas, was eher ungewöhnlich ist. Zumindest ist das jetzt kein Ausdruck, der heute mehr so gängig ist. Aber wenn wir in die Geschichte schauen, dann begegnet uns dieses Konzept immer wieder, sowohl im Alten Testament, aber auch in der jüngeren Geschichte, wenn wir gar nicht allzu weit zurückblicken.
Denn es war üblich, dass mächtige Herrscher Standbilder oder Statuen von sich in ihrem gesamten Reich verteilt aufstellen liessen, um zu zeigen: Dort ist ihr Machtbereich. Das begegnet uns beispielsweise, euch ist es wahrscheinlich bekannt, in Daniel 3. Nebukadnezar liess ein monströses goldenes Standbild von sich aufstellen, und dieses Standbild nicht anzubeten, wurde gleichgesetzt damit, den König selbst zu ehren.
Also es repräsentierte ein Stück weit den König. Es war natürlich nicht der König selbst, und es sah höchstwahrscheinlich auch anders aus als der König, ihm vielleicht ein Stück weit ähnlich, aber es repräsentierte ein Stück weit den König. Und es ist uns eben bekannt auch von anderen Herrschern in der Geschichte, auch von römischen Herrschern selbst bis ins Dritte Reich hinein: Dort, wo die Bilder oder die Standbilder der Herrscher standen, war ihr Herrschaftsbereich. Diese Bilder repräsentierten ihre Macht, ihre Herrlichkeit, ihre Pracht, ihren Reichtum, ihre Erfolge, wie auch immer.
Und Adam und Eva sollten eben in ähnlicher Weise so sein. Sie waren in Gottes Ebenbild geschaffen worden, und sie sollten genau das tun. Sie sollten die Herrlichkeit, die Genialität, die Kreativität, die Gott ihnen geschenkt hat als ihr Schöpfer, weitergeben und in diesem Rahmen eben die Erde beherrschen und sich ausbreiten und Nachkommen zeugen.
Und wir sehen auch, dass Adam diesen Auftrag direkt wahrgenommen hat, als Gott die Tiere zu ihm sandte und er die ganzen Tiere gleich benannt hat und ihnen Namen gegeben hat, wo er gleich diesen Herrscherauftrag über die Schöpfung wahrgenommen hat, gleich von Anfang an. Und so sollten eben Adam und Eva Gottes Herrlichkeit, Gottes Genialität, die in seiner Schöpfung eben schon zum Ausdruck kam, seine Kreativität widerspiegeln und das eben auch ihren Nachkommen weitergeben.
Gott hat sie also als Herrscher über seine Schöpfung eingesetzt und sie mit allem Nötigen ausgestattet, was dafür nötig war, und sie mit allem Nötigen gesegnet. Und wenn wir uns das so anschauen, dann müssen wir uns die Frage stellen: Okay, was konnte denn dann noch passieren? Also was war das denn dann, dass all das kaputt gemacht wurde, dass dem heute in der Form zumindest nicht mehr so ist? Und welche Auswirkungen hat das, was eben passierte, auf uns heute?
Und was mir hier an der Stelle echt besonders wichtig ist, ist, dass wir jetzt nicht, wenn wir uns den Sündenfall anschauen und es durchlesen, so auf Adam und Eva gucken und sagen: Wie bescheuert kann man denn sein? Also ich hätte natürlich der Schlange was ganz anderes gesagt. Ich hätte ja gesagt, wo es lang geht. Ich hätte es ja gewusst. Adam und Eva haben sich ganz schön blöd angestellt.
Also man neigt vielleicht manchmal dazu, so Texte zu lesen im Alten Testament, Leute zu betrachten und zu sagen: Sind die alle so naiv? Und genau darum geht es mir, dass es eben jetzt nicht unsere Denkweise ist, wenn ihr das anschaut, sondern ich will euch dazu ermutigen und auffordern, wirklich mitzudenken, euch selbst zu prüfen, ob euch da vielleicht so manche Dinge aus eurem eigenen Leben und aus eurer eigenen Denkweise bekannt vorkommen.
Das bringt uns zum zweiten Punkt, dem Sündenfall, und wir schauen uns die Verse 1. Mose 2,16-17 an. Sie hatten also einen Auftrag und sie hatten auch ein Gebot, das sie dafür beachten sollten.
Und Gott der Herr gebot dem Menschen und sprach: Von jedem Baum des Gartens darfst du nach Belieben essen; aber von dem Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen sollst du nicht essen, denn an dem Tag, da du davon isst, musst du gewisslich sterben.
Das war das Gebot, das Gott ihnen eben gegeben hat, unter dessen Beachtung sie eben herrschen sollten. Und an genau dieser Stelle setzt die Schlange an, in 1. Mose 3,1-6:
Aber die Schlange war listiger als alle Tiere des Feldes, die Gott der Herr gemacht hatte; und sie sprach zu der Frau: Sollte Gott wirklich gesagt haben, dass ihr von keinem Baum im Garten essen dürft? Da sprach die Frau zur Schlange: Von der Frucht der Bäume im Garten dürfen wir essen; aber von der Frucht des Baumes, der in der Mitte des Gartens ist, hat Gott gesagt: Esst nicht davon und rührt sie auch nicht an, damit ihr nicht sterbt. Da sprach die Schlange zur Frau: Keineswegs werdet ihr sterben, sondern Gott weiss: An dem Tag, da ihr davon esst, werden euch die Augen geöffnet, und ihr werdet sein wie Gott und werdet erkennen, was gut und böse ist. Und die Frau sah, dass von dem Baum gut zu essen wäre und dass er eine Lust für die Augen und ein begehrenswerter Baum wäre, weil er weise macht. Und sie nahm von seiner Frucht und ass, und sie gab davon auch ihrem Mann, der bei ihr war, und er ass.
Zweimal spricht die Schlange an dieser Stelle, und dreimal lügt sie dabei. Zweimal ausdrücklich und einmal eher ein bisschen implizit. Erstens hatte Gott gesagt, dass sie von allen Bäumen essen dürfen, bis auf diesen, und nicht, dass sie von keinem der Bäume essen dürfen im Garten. Zweitens sagte Gott sehr deutlich, dass sie auf jeden Fall sterben werden, wenn sie von diesem Baum essen.
Und drittens, ja, das ist eben dieses bisschen Versteckte: Ihnen wurden die Augen geöffnet, und sie konnten Gutes und Böses erkennen. Aber die Schlange verkaufte ihnen diese Erkenntnis als eine Freiheit. Eine Lüge, wo sie gemeint hat: Hey, ihr wollt unabhängig von Gott sein, ihr wollt losgelöst von Gott sein. Und gleichzeitig, wie wir dann auch vielleicht sehen werden, war es die allergrösste Knechtschaft überhaupt, in der Adam und Eva letztlich dann geendet sind, nachdem sie von der Frucht gegessen hatten.
Nur hier kurz am Rande: Hier sehen wir schon einige Grundmuster davon, mit welchen Taktiken und Lügen Satan arbeitet, und seine Arbeitsweise hat sich in den Jahrtausenden kein bisschen verändert. Er macht als Erstes Gott selbst und sein Wort madig, macht uns die Unabhängigkeit von Gott attraktiv, stellt es irgendwie als etwas Superschönes und Tolles dar und will uns dabei nur noch mehr und mehr von Gott fernhalten.
Es sind eben dieselben Lügen und dieselben Versprechen. Und ihr müsst euch nur ein bisschen umgucken, was vielleicht so auf die Gesellschaft einprasselt, aber was wohl auch auf euch einprasselt, in den Filmen, die ihr euch gebt, in den Social-Media-Posts, in denen was so verkauft wird: Sei du selbst, mach dein eigenes Ding, mach das, was dir gut tut. Es sind ganz genau die gleichen Lügen.
Nicht, dass ich sage, dass man nicht etwas tun kann, was einem guttut, aber die Frage ist immer: Lässt sich das eben einsortieren unter das grösste Ziel überhaupt, nämlich zu Gottes Ehre zu leben, oder löse ich mich davon und sage: Nein, das ist mein Bereich. Und wenn ich wieder Bock habe, dann lebe ich weiter für Gott.
Also die Taktik der Schlange und die Lügen der Schlange, die haben sich kein bisschen verändert über die ganze Zeit hinweg, über die Kulturen hinweg, über die Jahrtausende hinweg. Es ist ein und dasselbe. Und das können wir immer und immer wieder sehen.
Aber wenn wir uns eben die Frage stellen, wie Eva darauf reagiert hat, dann sehen wir auch ein paar recht besorgniserregende Punkte. Denn in Vers 2 sehen wir eben:
Da sprach die Frau zur Schlange: Von der Frucht der Bäume im Garten dürfen wir essen; aber von der Frucht des Baumes in der Mitte des Gartens hat Gott gesagt: Esst nicht davon und rührt sie auch nicht an, damit ihr nicht sterbt.
Also entweder hat Adam ihr das Gebot von Gott nicht richtig weitergegeben, oder sie hat Gottes Worte vergessen, oder die Zweifel, die Satan gesät hat mit dieser Falschinformation bezüglich dessen, was Gott angeblich gesagt hat über die Bäume, fing schon an, erste Früchte zu tragen, dass Eva an der Stelle schon gleich anfing, an Gottes Güte zu zweifeln und dann schon gleich dieses Bild, diese Maske, diesen Filter auf Gott gelegt hat.
Denn Gott hat nicht nur gesagt, dass sie von allen Bäumen des Gartens essen dürfen, sondern er hat sogar gesagt, dass sie reichlich davon essen sollen, dass sie nach Belieben davon essen sollen. Also dieser Punkt, wo wir sehen: Gott ist grosszügig, Gott hat seine Geschöpfe, Gott hat die Menschen beschränkt, er hat gesagt: Esst reichlich und nach Belieben davon. Aber sie macht gleich diese erste Einschränkung.
Jetzt kommt euch das vielleicht vor wie eine Kleinigkeit, eine unbedeutende Sache. Sie sagen essen, er darf reichlich essen. Aber das kann durchaus schon ein erster Indikator dafür sein, dass sich Evas Bild von Gott ein Stück weit verändert hatte. Mag er vielleicht doch nicht unser Bestes? Ist er vielleicht doch ein bisschen geizig? Hat er vielleicht doch ein bisschen Angst?
Zweitens hat Gott nicht gesagt, dass sie die Frucht nicht anrühren dürfen, sondern er hat gesagt, sie sollen sie nicht essen. Und drittens hat Gott nicht nur gesagt, dass sie sterben werden, sondern er hat gesagt, dass sie gewisslich, dass sie ganz sicher sterben werden. Auch das ist wieder ein Unterschied.
Merkt ihr, wie sich das Bild Evas höchstwahrscheinlich von Gott in diesen paar Aussagen, in diesem Minidialog, wahrscheinlich schon ein bisschen verändert hatte? Die Zweifel, die kamen. Ist Gott wirklich grosszügig? Will er wirklich unser Bestes? Oder hat er vielleicht nur Angst, dass wir wirklich werden wie er? Die Schlange hat ja gesagt, dass wir werden wie er. Was enthält Gott uns denn vielleicht vor?
Kommen euch diese Gedanken vielleicht bekannt vor aus eurem eigenen Leben, wenn ihr davon hört, was vielleicht sinnvoll ist, als Christ zu tun oder nicht sinnvoll ist, dass man gleich diese ganzen Gedanken durchdenkt und dann natürlich die Frage: Wäre es nicht besser, wäre es nicht top, wenn wir einfach selbst sagen könnten, was gut und böse ist? Ich meine, wir sind doch Erwachsene. Wir sind als Erwachsene geschaffen worden. Das wäre doch sowieso das Praktischste, oder? Sie sind ja schliesslich keine kleinen Kinder, sie sind doch vielleicht unabhängig, oder es wäre zumindest schön, unabhängig von Gott zu sein.
Wir wissen nicht genau, was in Evas Kopf abging. Wir wissen auch nicht, was in Adams Kopf abging, aber wir können mit Sicherheit sagen, dass Adam und Eva nicht mehr geglaubt haben, dass sie sterben werden, und stattdessen sein wollten wie Gott.
Und was sie bei alledem nicht getan haben, war diesem einen Auftrag nachzukommen, den Gott ihnen von Anfang an gegeben hatte, wozu er sie geschaffen hat, nämlich dass sie den Garten bewahren sollen und über die Schöpfung herrschen. Und das beinhaltet auch die Schlange. Ihr Auftrag wäre gewesen, über die Schlange zu herrschen und nicht die Schlange über sie herrschen zu lassen. Und genau das ist an dieser Stelle passiert, denn nur in zwei kurzen Sätzen, die die Schlange so gestreut hat, hat sich das komplett gewendet, und der Mensch liess sich von dem Geschöpf beherrschen, anstatt das Geschöpf zu beherrschen, wozu er aufgetragen war, wozu er geschaffen wurde.
Also wurden sie sterblich. Das waren sie zuvor eben nicht. Aber dass sie sterblich wurden, das war bei weitem nicht alles. Sie hatten sich gegen Gott aufgelehnt, wo sie doch geschaffen waren, um ihn zu verherrlichen und ihn zu ehren. Sie haben die Güte dessen geleugnet, dessen Güte sie über alle Generationen hinweg über die gesamte Erde hätten verbreiten sollen.
Der Mensch ist geschaffen, um Gott anzubeten, und mit dem Sündenfall hat der Mensch den Fokus seiner Anbetung von Gott weg auf sich selbst gerichtet, von Gott, dem Gütigen, dem Perfekten, dem Weisen, dem wunderbaren und grosszügigen Schöpfer, auf sich selbst gerichtet. Nicht mehr er ist anbetungswürdig, sondern ab jetzt dreht es sich um mich, um meine Bedürfnisse, um das, was mir Spass macht, wonach ich mich fühle.
Ihr müsst verstehen, was dort geschah, geht weit darüber hinaus, dass Gott gesagt hat, ihr dürft nicht von der Frucht essen. Sie haben doch gegessen und Gott sagt: Ach, na. Machen wir nochmal, fangen wir nochmal neu an, machen wir nochmal, jetzt denkt ihr euch mal ein bisschen mehr an. Nein, das war weit, weit mehr als dieser kleine Ungehorsamsschritt, sondern sie sind wirklich gestorben. Das ist in verschiedener Hinsicht, wie wir gleich sehen werden.
Wir sehen in dem Sündenfall, wir sehen in dieser Entscheidung, dass sie gegessen haben, die wirklich grösste Katastrophe der Menschheit: der Anwendungswechsel eben weg von Gott zu uns selbst, die wir selbst Gott sein wollen, die wir sein wollen wie Gott.
Und das bringt uns in den nur grössten denkbaren Konflikt und damit auch zum dritten Punkt, zu dem Punkt zwei Reiche. Genau genommen sind es mehr als zwei, aber dazu gleich mehr.
Was war die Folge des Sündenfalls? Wie ich gerade schon gesagt habe, es war dieser Anbetungswechsel. Der Mensch war geschaffen, in diesem einen Reich zu Gottes Ehre, um seine Herrlichkeit zu verbreiten, um seine Herrlichkeit über Generationen weiterzugeben. Aber jetzt waren zwei weitere Reiche entstanden. Jetzt war es nicht nur mehr das Reich Gottes, in dem alles zu seiner Ehre ausschliesslich und zu seiner Herrlichkeit dient, sondern jetzt gab es das Reich Adams, das Reich der Eva und unzählige Reiche seither.
So viele Menschen wie es gibt, jeder von uns, die wir hier sitzen, von Geburt an arbeiten wir an unserem eigenen Reich, arbeiten wir an unserem eigenen Traum, an unserer eigenen Verwirklichung, daran, unsere eigenen Ziele umzusetzen, die wir uns selbst gesteckt haben. Das ist die Folge des Sündenfalls: dass wir nicht den anbeten, der allein anbetungswürdig ist, sondern dass wir uns um uns selbst drehen oder um Dinge in unserem Leben, denen wir eben den Stellenwert einräumen, der allein nur Gott gebührt.
Und indem sie nun nicht mehr für Gott, sondern für ihr eigenes Reich gelebt haben und meinten, selbst entscheiden zu können, was gut und böse ist und worin der Zweck ihrer Existenz besteht, haben sie und alle Menschen seit Adam und Eva eben die Herrlichkeit verfehlt, die sie bei Gott haben sollten. Davon lesen wir in Römer 3,23:
Denn alle haben gesündigt und verfehlen die Herrlichkeit, die sie vor Gott haben sollten.
Das ist der Fluch, unter dem die gesamte Menschheit steht, seit dem Sündenfall. Wir waren geschaffen, ihn zu verherrlichen, aber alle, jeder von uns, hat gesündigt, und wir alle verfehlen von Natur aus, von Geburt an eben die Herrlichkeit, die wir vor Gott haben sollten oder das, was eben vor Gott wirklich zählt.
Und dass das der Fall ist und wie sich das Blatt gewendet hat, es wird in den Versen 7 bis 13 in 1. Mose 3 sehr deutlich:
Da wurden ihnen beiden die Augen geöffnet, und sie erkannten, dass sie nackt waren; und sie banden sich Feigenblätter um und machten sich Schurze. Und sie hörten die Stimme Gottes des Herrn, der im Garten wandelte, als der Tag kühl war; und der Mensch und seine Frau versteckten sich vor dem Angesicht Gottes des Herrn hinter den Bäumen des Gartens. Da rief Gott der Herr den Menschen und sprach: Wo bist du?
Nur kurz: Gott hätte das nicht in dieser Form machen müssen. Sie hörten seine Stimme schon von fern. Wir wissen nicht, was Gott geredet hat, wir wissen nicht, ob er mit ihnen gesprochen hat oder was das war. Sie hörten seine Stimme von fern, und es hat die beiden offensichtlich ordentlich aufgeschreckt, so dass sie sich eben den nächstbesten Baum gesucht haben und sich da versteckt haben.
Und Gott kommt trotzdem weiter und ruft Adam. Er hätte Adam nicht rufen müssen, er hätte nicht fragen müssen, er wusste längst, wo sie waren, er wusste auch längst, was sie getan hatten. Er hätte auch nicht nur hingehen müssen, sondern er hätte auch einfach direkt neben ihnen in der Scheine stehen können und sagen: Hey, was ist los? Was ist passiert? Ich weiss, was passiert ist. Ich erzähle euch mal, was passiert ist.
Nein, wir sehen, dass Gott von der Ferne kam. Wir sehen, dass Gott dem Menschen schon direkt nach dem Sündenfall in Gnade auf eine liebevolle Art und Weise begegnet. Sie haben gemerkt, er kommt, sie hatten Zeit zu überlegen: Was tun wir jetzt? Verstecken wir uns? Oder stellen wir uns und sagen wir: Ja, wir haben versagt, ja, wir haben dein Gebot gebrochen.
Also Gott hätte einfach zack auftauchen können und sie völlig überrumpeln können. Aber stattdessen kommt Gott von der Ferne, sie hören ihn, stattdessen ruft Gott Adam. Und wenn wir uns das Gesamtbild anschauen, dann war es kein: Adam, was hast du gemacht?, sondern es war in Gnade, es war in Liebe. Gott kam hier nicht schäumend vor Wut und hat sie bewusst auflaufen lassen. Nein, er kommt, sie merken es, und sie haben sich Zeit eben zu überlegen, wie reagieren sie darauf.
Und an der Reaktion, an der Entscheidung, die sie getroffen haben, sehen wir, dass die Sünde schon mit voller Wucht eingeschlagen hatte. Und wir sehen das eben in den Versen 10 bis 13:
Und er antwortete: Ich hörte deine Stimme im Garten und fürchtete mich, denn ich bin nackt; darum habe ich mich verborgen. Da sprach er: Wer hat dir gesagt, dass du nackt bist? Hast du etwa von dem Baum gegessen, von dem ich dir geboten habe, du sollst nicht davon essen? Da antwortete der Mensch: Die Frau, die du mir zur Seite gegeben hast, die gab mir von dem Baum, und ich ass. Da sprach Gott der Herr zu der Frau: Warum hast du das getan? Die Frau antwortete: Die Schlange hat mich verführt. Da habe ich gegessen.
Ihr habt es sicher schon oft gehört, wir kennen das vielleicht sogar einigermassen auswendig, aber wenn ihr euch das anschaut, dann ist es eine einzige Tragödie. Es ist so traurig zu sehen, was in dieser Beziehung zwischen Gott und Menschen an dieser Stelle passiert ist.
Gott kam dem Menschen entgegen, und er fragte ihn auch noch: Hast du davon gegessen, von dem du nicht hättest davon essen sollen? Und der Mensch sagt nicht: Ja, ich habe davon gegessen, sondern der Mensch sagt: Die Frau, die du mir zur Seite gestellt hast, die gab mir von dem Baum.
Weisst du, Gott, letztlich bist du selbst dran schuld. Du hast mir schliesslich die Frau in mein Leben gestellt, und die hat mich verführt. Merkt ihr, was die Sünde direkt auslöst? Nein, ich war das doch nicht, ich kann gar nichts dafür. Gott, weisst du, eigentlich bist du wirklich selbst daran schuld.
Und ja, Adam hat ja ein Stück weit Recht, also nicht, dass er keine Schuld daran hat. Eva gab ihm die Frucht. Aber Adam wusste ganz genau, was Gott dazu gesagt hat, und es war seine Aufgabe, völlig egal, womit Eva ankam, Gott gehorsam zu sein. Aber er weicht nicht nur der Frage Gottes aus, wo Gott ihm eine Steilvorlage dafür gegeben hat, zuzugeben: Ja, ich habe versagt, ja, ich war ungehorsam, sondern er belügt auch noch Gott. Aber er belügt nicht nur Gott, sondern er stellt auch noch Eva, seine Frau, von der er kurz zuvor noch in höchsten Tönen geschwärmt hat, ja, endlich Gebein von meinem Gebein, Fleisch von meinem Fleisch, als Sündenböckin und als Verantwortliche für sein Versagen.
Merkt ihr, die Beziehung zwischen Gott und Mensch war kaputt, und augenblicklich die Beziehung zwischen den einzigen beiden Menschen, die Gott geschaffen hat. Wo Adam seine Frau hier sagt: Nee, sie schuld, hier, sie ist die Verantwortliche, nicht ich, ich bin völlig fein raus. Wie zerstörerisch die Sünde ist, wie zerstörerisch diese Abkehr davon ist, wozu Gott uns eigentlich geschaffen hat, von seinem Willen, von seinem Ebenbild, wie stark es davon abweicht.
Und die Frage ist: Wieso tut Adam das? Weil jetzt nicht mehr Gottes Reich im Fokus stand, weil er nicht mehr zu seiner Verherrlichung lebte, sondern für sein eigenes, kleines, erbärmliches Reich. Obwohl er offensichtlich versagt hatte, konnte er es keinesfalls zugeben.
Kommt euch das bekannt vor? Und ich frage jetzt nicht, ob euch das vielleicht von Freunden oder Arbeitskollegen oder Klasskameraden oder Lehrern oder Politikern bekannt vorkommt, sondern kommt es dir aus deinem eigenen Leben bekannt vor, dass du genauso wie Adam Entschuldigungen, Ausreden und sonst was suchst, und es, wo Gott doch sagt und uns die Möglichkeit gibt zu sagen: Was war los?, und wir versuchen uns vor einem Gott zu verstecken, wo es nur lächerlich und erbärmlich ist, weil wir uns niemals vor diesem allmächtigen und allwissenden Gott in irgendeiner Form verstecken könnten.
Aber Gott spielt dieses Spiel auch noch mit, er lässt sich auch noch herab und redet weiter mit ihnen und gibt ihnen noch eine Steilvorlage. Merkt ihr, wie verrückt das ist, was für eine Gnade, was für eine Liebe trotz dieser Rebellion gegen ihn Gott immer noch wieder diesen Menschen entgegenbringt, nicht nur Adam und Eva, sondern auch dir und mir heute.
Und was war mit Eva? Anstatt zu sagen: Ja, ich habe von der Frucht gegessen, von der ich wusste, dass ich sie nicht essen soll, und ja, ich habe nicht über die Schlange geherrscht, von der ich wusste, dass es meine Aufgabe gewesen wäre, über sie zu herrschen, schiebt sie es letztlich auf die Schlange und sagt: Ja, nee, ich kann da auch nicht wirklich was dafür, die hat mich ja schliesslich verführt. Und bastelt somit auch an ihrem kleinen Reich weiter, das nur eben aus Schuldzuweisung und Ausreden besteht, genau wie Adam.
Und auch das ist eine Tendenz, die heutzutage durchaus ein grosses Revival erlebt: Ja, nicht wir sind an unserem Versagen schuld, es ist die Gesellschaft, es ist das Umfeld, es sind die Umstände, aber wir selbst auf gar keinen Fall. Es war ein unglücklicher Zufall, statt einfach zu sagen: Ja, ich habe versagt, ja, ich habe gelogen, ja, ich habe böse gemeint. Wieso? Weil ich egoistisch bin. Weil ich mir von Gott nicht sagen lassen wollte, was wirklich sein Wille ist und was ich tun soll.
Ihr merkt, diese Muster, die wir hier bei Adam und Eva sehen, die ziehen sich heute durch, und ich kenne es aus meinem eigenen Leben auch. Und wir müssen da aufmerksam sein, wir müssen studieren, um zu sehen, okay, wo sind eben diese Muster, wo sind diese Gewohnheiten, wo haben sich die Folgen des Sündenfalls eben in unserem Verhalten, auch nach unserer Wiedergeburt, nachdem wir uns bekehrt haben, trotzdem immer noch irgendwo festgebissen.
Paulus, und wenn ihr euch das anschauen könnt, ihr könnt ihm glaube ich sehr wohl zustimmen, beschreibt den Grundzustand des Menschen, der in Sünde gefallen ist, mit folgenden Versen in Römer 1,22-23 und 25. Und es war genau die Motivation, die Eva hatte, wenn ihr euch erinnert: Sie hat gesagt, es ist doch schön, wir werden weise, wenn wir von diesem Baum essen, und Ähnliches hat ja auch die Schlange ihr verkauft.
Da sie sich für weise hielten, sind sie zu Narren geworden. Und sie haben die Herrlichkeit des unvergänglichen Gottes vertauscht, der Anbetungswechsel, mit einem Bild. Wir haben hier auch wieder dieses Ebenbild, das wieder aufgegriffen wird, das dem vergänglichen Menschen, den Vögeln und vierfüssigen und kriechenden Tieren gleicht. Sie, welche die Wahrheit Gottes mit der Lüge vertauschten und dem Geschöpf Ehre und Gottesdienst erwiesen, anstatt dem Schöpfer, der gelobt sei in Ewigkeit.
Genau das ist der Kern des Sündenfalls. Unserem natürlichen Wesen nach tendieren wir dazu, Gott von dem ihm gebührenden Thron zu stossen und uns selbst auf diesen Thron zu platzieren, anstatt den anzubeten und für den zu leben, der es allein würdig ist, der uns das Leben geschenkt hat. Leben wir für uns selbst, drehen uns um uns selbst, um unsere eigene Bequemlichkeit, um unsere Wünsche, damit wir es angenehm haben und wir selbst im Fokus stehen.
Ich habe mal ein paar Fragen mitgebracht, die ihr für euch so bewegen können, die ich auch immer wieder von mir selbst bewegen muss und mich fragen muss: Okay, wie viel habe ich denn davon verstanden?
Wie leicht wirst du, wie leicht werde ich ungehalten, wenn Dinge nicht so laufen, wie wir es gerne hätten? Rasten wir aus, fangen wir, wenn auch nicht äusserlich, wir sind ja vielleicht christlich sozialisiert, wir fluchen vielleicht nur im Stillen vor uns hin, da wo es keiner mitbekommt. Wir haben gelernt, das nicht auszusprechen, aber deswegen heisst es nicht, dass es nicht innerlich kocht und dass wir uns versündigen. Und genau das ist ja auch der Punkt, wo Sünde anfängt, ja nicht erst da, wo ich es tue oder wo ich es ausspreche, sondern hier in unserem Herzen.
Wie gehen wir dann um? Was läuft in uns ab? Haben wir uns auch antrainiert vielleicht, haben wir uns antrainiert zu erwarten, es muss so passieren, wie ich es möchte, und wenn nicht, raste ich aus, egal, ob ich es mir anmerken lasse oder nicht, wenigstens denke ich mir, die Leute, die hier verantwortlich sind, sind die grössten Vollpfosten? Oder lebe ich in dieser Situation zu Gottes Reich und tue das, was er möchte? Lebe ich für mein Reich an der Stelle und lasse meinen Gefühlen, meiner Sünde freien Lauf, oder frage ich: Was würde in dieser Situation Gott die grösste Ehre bereiten?
Was sind wir alles bereit zu tun, um unseren Willen zu bekommen? Wie leicht fällt es uns, blitzschnelle Ausreden zurechtzulegen, nur damit wir weiter im Rampenlicht stehen und auf gar keinen Fall eigene Fehler zugeben müssen. Wie gern lassen wir uns vielleicht bewundern für unser Aussehen, unsere Talente, unser Wissen, unsere, ja, sogar Frömmigkeit, für unsere langen, top theologisch einwandfreien Gebete, über unser krasses Bibelwissen. Wie sehr ehren wir wirklich Gott damit? Und wie sehr ehren denn vielleicht wir uns selbst damit?
Wir können diese Liste an Fragen, denke ich, beliebig fortführen. Aber die Frage ist: Worum dreht sich alles? Worum dreht sich alles in deinem Leben, deine Entscheidungen, deine Wünsche, deine Ziele? Deine Reaktionen? Dreht es sich um dein kleines, trauriges, rebellisches Reich, das vielleicht sogar einen sehr frommen Anstrich haben kann?
Kennst du das? Also ich kenne diese Punkte durchaus von mir selbst und eben auch nach meiner Bekehrung heute auch noch. Ich habe Gott sogar immer und immer wieder versucht, sogar zum Handlanger für mein Reich zu machen, zu sagen: Ich habe meine Anliegen und ich lege sie dir, Gott, hin, und wenn Gott mir hilft, dann ist Gott richtig gut, dann passt es. Wenn aber die Gebete nicht erhört werden, dann habe ich schon echt zu kämpfen, und dann suche ich halt wieder meinen eigenen Weg, dann will Gott wohl, dass ich es mir doch selbst erkämpfe.
Wo wir Gott zu unserem Diener machen, anstatt dass wir Gott dienen von ganzem Herzen auf die Weise, wie er es von uns möchte, anstatt unser Reich aufzugeben und ganz für ihn zu leben.
Nun, es kann sehr niederdrückend sein, wenn wir unser eigenes Leben so vielleicht durchleuchten und feststellen, wie sehr wir vom Sündenfall betroffen sind. Wie sehr wir mit Sünde zu kämpfen haben, wie tief Sünde in unserem Leben reicht, und das eben nicht nur in Taten, sondern auch schon in den Gedanken, in den Wünschen, in dem, was uns motiviert, zu tun, was wir tun. Und es kann eben auch sehr niederdrückend sein, dass es genauso wie bei Adam und Eva der Fall war, dass wir diese Trennung eben von Gott dafür verdienen.
Aber Gott lässt weder Adam und Eva an diesem Punkt stehen noch uns. Gott weiss, wie sehr wir Rettung aus diesem Zustand brauchen. Und da wir nun mal selbst Sünder sind, kann unsere Errettung nicht von uns selbst kommen. Das bringt uns zum letzten Punkt: die gute Nachricht.
Bereits bei Adam und Eva sehen wir, dass Gott ihnen trotz ihres Versagens voller Gnade, voller Geduld, voller Liebe begegnet ist, sie ja bekleidet hat. Und gleichzeitig sehen wir aber auch, dass der Sündenfall eben nicht ohne Folgen bleibt. Aber in Vers 15 kündigt Gott bereits an, dass die Sünde ein für alle Mal besiegt werden wird, wo wir davon lesen:
Und ich will Feindschaft setzen zwischen dir und der Frau, zwischen deinem Samen und ihrem Samen; er wird dir den Kopf zertreten, und du wirst ihm in die Ferse stechen.
Und weil Gott gerecht ist, kann er all die Sünde eben nicht ungestraft lassen. Die Schuld muss bezahlt werden, und daher sandte er eben seinen Sohn Jesus Christus, den letzten Adam, den Adam, der das ausgeführt hat, wozu er gesandt wurde, der Adam, der den Auftrag in Gänze erfüllt hat, den der erste Adam nicht ausgeführt hat.
Das ist ein Punkt, den könnt ihr euch gerne mal anschauen, es würde hier leider viel zu weit führen, diese Parallelen zwischen dem ersten Adam und Jesus Christus, dem, der den Auftrag eben in Vollkommenheit erfüllt hat.
Und davon lesen wir auch, und das sind auch wieder die Stichworte, die wir schon hatten, in Hebräer 1,3:
Dieser, nämlich Christus, ist die Ausstrahlung seiner Herrlichkeit und der Ausdruck seines Wesens und trägt alle Dinge durch das Wort seiner Kraft. Er hat sich, nachdem er die Reinigung von unseren Sünden durch sich selbst vollbracht hat, zu Rechten der Majestät in der Höhe gesetzt.
Und er vollbrachte die Reinigung unserer Sünden, indem er sie auf sich selbst nahm und die Strafe trug, nämlich den Tod. Der allmächtige Gott, der uns geschaffen hat, damit wir seine Herrlichkeit verbreiten, dass wir ihn ehren, wird Mensch, damit wir, die wir zurückgewiesen haben, gegen ihn rebelliert haben, ohne ihn leben wollten, unabhängig von ihm, damit wir nicht sterben müssen, sondern ewiges Leben haben dürfen, ja sogar mehr, dass wir Frieden haben dürfen mit unserem Schöpfer.
Und das ist eben das, was noch so viel wunderbarer ist. Er tat alles, damit nicht nur unsere Sünde weggenommen wird, sondern dass wir auch wieder in den Grundzustand versetzt werden, der nötig ist, um wieder dafür zu leben, wozu wir geschaffen wurden, nämlich zu seiner Herrlichkeit, indem er uns neues Leben schenkt, indem er uns seinen Geist schenkt und wir für ihn leben. Nur durch ihn können wir wieder eine lebendige Beziehung zu unserem Schöpfer haben, und seine Liebe zu uns wird dann auch der Ansporn für unsere Liebe zu ihm und zu den Menschen um uns herum.
Und deswegen habe ich auch in dem Teaser gesagt, dass es so wichtig ist, den Sündenfall mit all seiner Härte zu verstehen. Und ja, es ist hart zu verstehen, aber nur wenn wir verstehen, in was für einem hoffnungslosen Zustand wir sind, werden wir die Rettung, die Gott bereitgestellt hat, werden wir seine Gnade, werden wir seine Geduld mit uns nur beginnen zu begreifen. Wir werden sie niemals begreifen, wir werden hoffentlich in unserem Glaubensleben weiter und weiter wachsen und immer tiefer hineingeführt und unsere Bewunderung immer weiter zunehmend für Gott, für sein Wesen, für das, was er getan hat. Aber wir werden sie wohl auf dieser Erde nie ganz begreifen können.
Aber dennoch ist das die Liebe, die uns eben anspornen soll, und ich will eben schliessen mit den Versen weiter aus 2. Korinther 5,14-15:
Denn die Liebe des Christus drängt uns, da wir von diesem überzeugt sind: Wenn einer für alle gestorben ist, so sind alle gestorben. Und er ist deshalb für alle gestorben, damit die, welche leben, nicht mehr für sich selbst leben, sondern für den, der für sie gestorben und auferstanden ist.
Er starb, damit wir wiederhergestellt werden und von ganzem Herzen sagen können: Meine grösste Freude besteht darin, dass Gott maximal geehrt wird, allem voran in meinem eigenen Leben, aber auch sonst in dieser Welt, egal was es mich an Ansehen oder Bequemlichkeit kosten mag. Was mich dann eben motiviert, von unserem Gott und unserem Schöpfer weiterzuerzählen, davon, dass er uns von dieser vermeintlichen Freiheit, die die Schlange versprochen hat, selbstbestimmt leben zu können, dass er uns davon befreit zu wahrer Freiheit.
Ich möchte schliessen mit einem Lied. Ich werde es nicht vorsingen, keine Angst. Leider gibt es das Lied noch nicht auf Deutsch. Es ist auch ganz, ganz schwer, das Lied zu übersetzen, weil es im Englischen einfach so viel kürzere und treffendere Worte gibt. Aber das Lied bringt eben diese Hingabe und die Reaktion einfach sehr, sehr schön auf den Punkt, die Freude und die Dankbarkeit, die damit verbunden ist, was Gott getan hat, und auch die Freude daran, wirklich zu sagen: Herr, ich will nicht mehr für mich leben. Ich will nicht mehr für dieses erbärmliche Reich leben, sondern ich will, dass du allein alles bist und ich nichts.
Und ich lese mal kurz die Verse und den Chorus, und dann hören wir es uns noch zusammen an mit den Lyrics auch, also auf YouTube auch:
Wäre ich nur bedeutungslos und bescheiden, sanftmütig, unbemerkt und unbekannt, für Gott aber ein heiliges Gefäss, das mit Christus und Christus allein gefüllt ist. Wie gross ist Gott, wie endlos seine Erhabenheit, wie schwach trete ich vor seinen Thron. Seine unermüdliche Liebe kann ich nicht fassen, dass Christus wirklich alles sei und ich sein Eigen.
Christus sei alles und ich selbst nichts, seine Herrlichkeit strahlt in schwachen Gefässen. Christus sei alles und ich gar nichts, das ist meine Hoffnung: Christus in mir, nicht ich.
Ich bin arm, ich habe nichts zu bringen, alle meine Werke können nicht bestehen. Doch Christus trug den Zorn des Vaters, er neigte sein Haupt, als Gnade blutete, damit Frieden siegt. Er neigte sein Haupt, als Gnade blutete, damit Frieden siegt.
Mache mich demütig, mein Herr, immer demütiger, damit deine Gnade meinen Stolz nimmt. Mögen diese Worte laut wieder klingen, bis jede Nation und Sprache singt! Wenn ich dann einst erlöst bin, werde ich rennen, um einen König zu sehen, frei von aller Scham und jeder Anklage. Er gibt sich selbst, und ich werde nichts zu bringen haben.