Serie•Teil 23 / 64Apostelgeschichte
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Einführung und Lesung des Bibeltextes
Also Apostelgeschichte 12,1-17.
Heute machen wir Folgendes: Wir lesen einmal gemeinsam den ganzen Text, damit jeder von euch ihn vor Augen hat und weiß, worum es geht. Danach sprechen wir darüber: Wenn ich den Text heute Morgen in meiner stillen Zeit gelesen hätte, was hätte ich damit gemacht? Und wenn wir damit fertig sind, geht es in den letzten fünf Minuten um die Frage: Warum hat Lukas den Text an dieser Stelle in der Bibel geschrieben? Das wird so die Predigt heute sein.
Aber am Anfang möchte ich ihn einmal lesen. Er ist ein klassischer Kinderstundentext, aber eigentlich kennt man ihn. Man hat ihn vielleicht nur nicht in allen Details völlig vor Augen.
Apostelgeschichte 12 ab Vers 1:
Um jene Zeit aber legte Herodes – das ist nicht Herodes der Große, den man kennt, sondern einer seiner Herodes-Nachfolger – um jene Zeit also legte Herodes, der König, Hand an einige von der Gemeinde, um sie zu misshandeln. Er tötete aber Jakobus, den Bruder des Johannes, mit dem Schwert, also enthauptet. Und als er sah, dass es den Juden gefiel, ließ er weiterhin auch Petrus festnehmen.
Es waren aber die Tage der ungesäuerten Brote, deswegen konnte er ihn nicht gleich umbringen lassen. Den setzte er auch, nachdem er ihn ergriffen hatte, ins Gefängnis und übergab ihn an vier Abteilungen von je vier Soldaten zur Bewachung, wobei er beabsichtigte, ihn nach dem Passa dem Volk vorzuführen.
Petrus nun wurde im Gefängnis verwahrt, aber von der Gemeinde geschah ein anhaltendes Gebet für ihn zu Gott.
Als aber Herodes ihn vorführen wollte, schlief Petrus in jener Nacht zwischen zwei Soldaten, mit zwei Ketten gebunden, und Wächter vor der Tür verwahrten das Gefängnis. Und siehe, ein Engel des Herrn stand da, und ein Licht leuchtete im Kerker. Er schlug Petrus an die Seite, weckte ihn und sagte: Steh schnell auf! Und die Ketten fielen ihm von den Händen.
Und der Engel sprach zu ihm: Gürte dich und binde deine Sandalen unter. Er aber tat es. Und er spricht zu ihm: Wirf dein Oberkleid um und folge mir. Und er ging hinaus und folgte, und wusste nicht, dass es Wirklichkeit war, was durch den Engel geschah; er meinte aber, eine Erscheinung zu sehen.
Als sie aber durch die erste und die zweite Wache gegangen waren, kamen sie an das eiserne Tor, das in die Stadt führte. Das tat sich ihnen von selbst auf, und sie traten hinaus und gingen eine Straße entlang. Und zugleich schied der Engel von ihm.
Und als Petrus zu sich selbst kam, als er so richtig wach wurde, sprach er: Nun weiß ich in Wahrheit, dass der Herr seinen Engel gesandt und mich gerettet hat aus der Hand des Herodes und aller Erwartungen des Volkes der Juden.
Und als er das erkannte, kam er an das Haus der Maria, der Mutter des Johannes mit dem Beinamen Markus – den kennen wir vom Markusevangelium –, wo viele versammelt waren und beteten. Als er aber an die Tür des Tores klopfte, kam eine Magd mit Namen Rode herbei, um zu horchen. Und als sie die Stimme des Petrus erkannte, öffnete sie vor Freude das Tor nicht. Sie lief aber hinein und verkündete: Petrus stehe vor dem Tor!
Sie aber sprachen zu ihr: Du bist von Sinnen! Sie aber beteuerte, dass es so sei. Sie aber sprachen: Es ist sein Engel.
Petrus aber fuhr fort zu klopfen. Als sie aber aufgetan hatten, sahen sie ihn und waren außer sich. Er aber winkte ihnen mit der Hand zu schweigen und erzählte ihnen, wie der Herr ihn aus dem Gefängnis herausgeführt habe. Und er sprach: Berichtet dies Jakobus.
Jetzt ist ja am Anfang der Geschichte ein Jakobus umgebracht worden. Der ist immer noch tot. Ja, das ist jetzt ein anderer Jakobus, das ist der Halbbruder des Herrn Jesus, der in Jerusalem einer der führenden Leiter war. Dies berichtet Jakobus und den Brüdern. Und er ging hinaus und zog an einen anderen Ort.
Man kann beim Bibellesen auf sehr unterschiedliche Weise vorgehen. Es gibt eine Art, die muss in meinen Augen jeder Christ beherrschen, und das ist das Lesen, während man beim Lesen Ausschau hält nach einer Anwendung. Damit meine ich Folgendes:
Die Bibel lässt keinen Zweifel daran, dass es gut ist, viel in der Bibel zu lesen. Von mir aus auch – wir sind ja eine moderne Gesellschaft – zu hören. Ob man jetzt Bibel liest oder Bibel hört, sagt, das wäre mir egal. Aber Paulus betont: Das Wort des Christus wohne reichlich in euch. Wenn wir nicht überdurchschnittlich viel Zeit mit der Bibel verbringen, dann wird sie uns auch nicht prägen.
Wir brauchen, und das kann man tatsächlich nicht oft genug betonen, Gottes Wort in unserem Leben. Aber wir brauchen das Wort Gottes eben nicht nur im Kopf. Es geht nicht nur darum, eine bestimmte Menge an Zeit für die Beschäftigung mit der Bibel zu reservieren. Es geht nicht nur darum, planvoll Bibel zu lesen. Das ist gut, einen Plan zu haben. Also wenn ihr da noch Fragen dazu habt mit Bibelleseplan, wie mache ich das, was ist da sinnvoll am Anfang, fragt mich.
Es ist gut, planvoll und regelmäßig in Ruhe die Bibel zu lesen. Aber es darf nicht dabei bleiben, dass ich einfach nur lese. Sondern ich muss über das, was ich lese, nachdenken, und das, was ich lese, muss mein Handeln prägen. Das muss meine Anbetung verändern.
Wie Bibellesen den Alltag prägen soll
Und deswegen ist es so wichtig, dass wir nicht einfach nur jeden Tag unser bestimmtes Pensum Bibel lesen, so wie wir sagen: Ich putze mir die Zähne. Ich weiss nicht, wie du Zähne putzt, aber bei mir ist Zähneputzen etwas, das fast ohne Nachdenken geht. Also ja, man steht dann halt da und schruppt. Und während man da so vor sich hinschrubbt, denkt man an irgendetwas anderes.
Und es kann passieren, wenn man länger Christ ist, dass man auf die gleiche Weise Bibel liest. Man liest, aber während man liest, während man quasi sein vom schlechten Gewissen verordnetes Pensum an Bibellese macht, ist man in Gedanken schon ganz woanders. Man fliegt förmlich nur noch über den Text. Und wenn man am Ende angekommen ist und sich überlegt: Was habe ich jetzt hier eigentlich gelesen?, dann bleibt nicht viel übrig.
Und davor möchte ich ein Stück weit warnen. Ich möchte euch bitten, dass ihr, wenn ihr die Bibel lest, mit der Intention lest, dass dieser Text, den ich heute lese, ein Text ist, der heute mein Leben verändern will. So wie es in Psalm 1 heisst: Glücklich der Mann, der seine Lust hat am Gesetz des Herrn und über sein Gesetz sinnt Tag und Nacht. Nachsinnen.
Und das muss man nicht in der Tiefe eines grossen Gelehrten machen. Wenn du jetzt denkst: Ich bin aber nicht so derjenige, der in der Schule schon immer Schwierigkeiten mit Gedichtinterpretationen hatte und nie auf das gekommen ist, was der Lehrer hören wollte, und mit Fremdsprachen war das auch nie so meins, darum geht es mir nicht.
Es geht mir darum, dass wir begreifen: Das Wort Gottes ist ein lebendiges Wort, das dir etwas zu sagen hat. Und deswegen bete, bevor du liest, dass Gott zu dir spricht. Und dann lies, bis deine Seele satt ist und bis du einen guten Gedanken hast, der dein Leben heute prägen kann.
Erste praktische Konsequenz: Fürbitte für Verfolgte
Nehmen wir an, du hättest heute Morgen diesen Text gelesen. Welche Anwendungen wären darin enthalten gewesen, wenn man ihn jetzt gelesen hätte und darüber nachgedacht hätte: Herr, ich möchte gerne, dass ich, wenn ich den Text lese, heute mit einer Anwendung herausgehe.
Eine Anwendung ist etwas, das ich heute tue, weil ich einen Text gelesen habe. Also etwas, das ich nicht getan hätte, wenn ich den Text nicht gelesen hätte. Eine Anwendung beginnt, vergebt mir die Einfachheit, aber christlich ist es nun einmal einfach, mit den Worten: Ich will heute tun.
Das ist eine Anwendung: Gibt es irgendetwas, was ich heute anders machen möchte, weil dieser Text mir Ideen gibt, in bestimmte Richtungen zu denken? Ich zeige euch einfach mal vier Anwendungen, die mir kommen würden, wenn ich den Text lese. Jetzt wird der eine oder andere sagen: Boah, da wäre ich nie draufgekommen. Kann sein. Du brauchst auch gar nicht vier. Du brauchst eine gute Anwendung.
Und wenn du in dem Text, den du liest, keine findest, dann lies einfach weiter. Apostelgeschichte 12,1-17. Ich sage: Dann lies bei 18 weiter, geh in Kapitel 13 hinein und lies, bis Gott dich an einer Stelle berührt und du merkst: Hier finde ich etwas, wo Gott mir heute eine Idee mitgibt, wie ich mein Leben anders gestalten kann. Darum geht es.
Das Wort Gottes ist entweder ein lebendiges Wort, dann muss es zu dir reden und deinen Alltag prägen, oder du brauchst es eigentlich nicht zu lesen. Das, was du in den Losungen sagst, 2. Korinther 5,17: Wir sind eine neue Kreatur, Gott hat uns neu gemacht. Und jetzt geht es darum, dieses Neue zu entfalten.
Ja, wie entfalte ich denn das Neue? Indem ich das Wort Gottes lese, darüber nachdenke und in kleinen, manchmal homöopathischen Dosen, die man gar nicht so richtig mitkriegt, das anwende, was ich verstanden habe. Bitte macht es bloß nicht kompliziert.
Verfolgung, Gebet und kleine Schritte
Also, mal eine Anwendung: Was könnte man hier finden?
Man liest diesen Text und trifft sofort auf ein Thema. Das Thema heißt Verfolgung. Herodes lässt erst Jakobus umbringen, dann Petrus gefangen nehmen. Und was tut die Gemeinde? In Vers 5 heißt es: Von der Gemeinde geschah ein anhaltendes Gebet für ihn, für Petrus, zu Gott. In Vers 12 steht dann noch einmal, dass viele versammelt waren und beteten.
Und bitte denkt daran: Das stand da zu einer Zeit, in der es eigentlich Nacht war. Der Engel kommt nachts und weckt Petrus, und die treffen sich nachts zum Beten.
Wie könnte man, wenn man das liest, wenn man merkt, die ersten Christen haben auf Verfolgung mit Gebet reagiert, eine ganz einfache Anwendung für den heutigen Tag formulieren?
Na ja, ich könnte sagen: Ich möchte mir heute bewusst, weil ich das hier so sehe, noch einmal eine Zeit nehmen, in der ich für verfolgte Christen bete. Das wäre eine ganz konkrete Anwendung. Ich möchte heute, was weiß ich, heute Nachmittag mir noch einmal zehn Minuten nehmen und mich ganz bewusst noch einmal hinknien und für verfolgte Christen beten, weil ich merke, wie wichtig das ist. Und weil mir der Text zeigt, dass mir das so ein Stück aus dem Blick gerutscht ist. Das habe ich vielleicht gar nicht so präsent. Vielleicht gibt es verfolgte Christen, die uns näher sind, als uns das manchmal klar ist.
Ich könnte auch formulieren, das wäre eine andere Anwendung, auch mit dem Thema Verfolgung: Ich möchte mich grundsätzlich mal mit dem Thema Verfolgung beschäftigen. Ich habe vielleicht über verfolgte Christen noch gar keine Ahnung, und ich werde heute Nachmittag mal eine kleine Recherche machen im Internet: Wie sieht das eigentlich aus?
Ich könnte mir auch vornehmen, dass ich mir das Gebetsheftchen von Open Doors mitnehme. Es gibt eine Gebetsbroschüre von Open Doors, habt ihr bestimmt auch draußen liegen, vermute ich mal. Ja? Ist so, oder? Ja, liegt draußen. Liegt nicht draußen, weiß ich nicht. Also wenn, dann sollte es draußen liegen. Gebetsbroschüre. Und da ist innen drin so ein kleiner Gebetskalender, also eine Gebetsliste: ein Gebet für jeden Tag, ein Gebet für verfolgte Christen für jeden Tag im Monat. Wirklich zwanzig Sekunden pro Tag für Geschwister, die verfolgt sind.
Ich könnte mir heute vornehmen, einfach weil ich sehe, dass das eine Priorität hat im Leben dieser ersten Christen. Dass da Leute nachts beten, weil andere im Gefängnis sitzen. Klammer auf: die schlafen. Klammer zu. Aber dazu kommen wir später.
Ich könnte mir heute vornehmen: Ich möchte damit einsteigen. Ich möchte mitkämpfen an der Stelle.
Es ist egal, welche Form von Anwendung du formulierst. Wichtig ist, dass du mit offenen Augen die Bibel liest und sagst: Ich möchte, dass dieser Text mich heute prägt. Dass etwas von dem Christusgedanken, etwas von der Gottesebenbildlichkeit, die mir in dem Verhalten der Geschwister hier entgegenschwappt, davon ein klein bisschen was in meinem Leben findet.
Und jetzt wirst du vielleicht schmunzeln und sagen: Jürgen, das ist doch gar nichts. Wenn ich jetzt heute einmal noch zehn Minuten, was weiß ich, für verfolgte Christen bete, dann ist das doch lächerlich.
Stimmt, aus der Perspektive von heute ist das ein Lacher. Es sind zehn Minuten. Das sind zehn Minuten, die du nicht Formel 1 geschaut hast, zehn Minuten, die du früher vom Mittagsschlaf aufgestanden bist, zehn Minuten, in denen du nicht irgendwas gemacht hättest, was du sonst in den zehn Minuten gemacht hättest.
Stimmt. Aber jetzt stell dir Folgendes vor, und das hat mein junges Christsein nachhaltig geprägt. Ich meine das total ernst: Stell dir vor, du siehst deine persönliche Entwicklung. Und stell dir vor, du würdest heute diesen kleinen Schritt nach vorne gehen. Ja, dieses Zehn-Minuten-Gebet.
Und stell dir vor, du würdest morgen beim Bibellesen wieder etwas finden, wo du sagst: Da schraube ich ein ganz kleines bisschen an meinem Verhalten. Nicht dolle. Nicht dieses: Ich werde für alle Verfolgten dieser Welt die nächsten vier Jahre betend und fastend auf dem Bauch liegen. Das wird nicht funktionieren.
Aber stell dir vor, du hast morgen wieder eine Kleinigkeit, und du gehst wieder so einen kleinen Schritt. Stell dir vor, du gehst jeden Tag nur so einen ganz winzig kleinen Schritt, der von außen betrachtet: Lache, zehn Minuten, ich bitte dich, ja. Aber jetzt stell dir vor, das würde funktionieren, und du würdest dich langsam vorwärts entwickeln. Und du schaust nach einem Jahr, nach dreihundert Anwendungen, zurück und du denkst dir: Boah, ich bin ja richtig weitergekommen.
Da hat sich ja ein Verhalten, also nicht nur ein Denken in meinem Kopf breitgemacht. Ja, ja, es wäre gut, wenn man für verfolgte Christen beten würde, sondern da ist ein Verhalten in mir entstanden. Da hat sich Christus in mir, das Wort heißt, inkarniert. Ich habe quasi: Lehre ist Fleisch geworden, Lehre ist lebendig geworden. Ich bin irgendwie so geworden wie diese komischen Typen in der Bibel.
Und darum geht es.
Zweite praktische Konsequenz: Vertrauen in Gottes Unvorhersehbarkeit
Eine zweite Anwendung: Was könnte man noch nehmen? Man kann nicht nur Fürbitte leisten, sondern was in dieser Geschichte deutlich wird, ist das, ich nenne es mal, die Unvorhersehbarkeit des Lebens. Also, der Apostel Jakobus kommt ins Gefängnis, und ich glaube, wir dürfen davon ausgehen, dass die Geschwister bei Jakobus auch gebetet haben, und nicht nur bei Petrus. Aber er wird enthauptet. Dann kommt Petrus ins Gefängnis, und Gott schickt einen Engel, um ihn zu befreien. Frage: Wo ist bitteschön an der Stelle die Logik? Wie soll ich das verstehen? Der eine wird den Kopf kürzer gemacht, und der andere kriegt diesen total coolen Engel. Wie passt das zusammen?
Und das Schöne ist: Ich gebe euch mal zwei Verse mit aus dem Buch Prediger. Die Idee, wir könnten Gottes Geschichte verstehen, ist absurd. Das mögen wir nicht gerne hören. Wir sind wie so kleine Kinder, wir bestehen eigentlich immer darauf, mehr wissen zu wollen, als Gott uns sagt. Aber wenn wir mal ganz ehrlich sind: Was sagt der Prediger über die Vorhersehbarkeit des Lebens?
Prediger 8,17: Es ist ein sehr schöner Vers, den man auswendig lernen kann, zum Prediger. Ich lese jetzt zwei gute Verse zum Auswendiglernen vom Prediger vor. Prediger 8,17: Da sah ich, am Ganzen des Werkes Gottes, also bei all dem, was Gott macht, dass der Mensch das Werk nicht ergründen kann, das unter der Sonne geschieht. Wenn du manchmal den Eindruck hast, Leben ist nicht logisch, das ist das, was der Prediger hier sagt. Und wenn du es versuchst, es wird dir nicht gelingen. Ist das nicht schön? Es wird dir nicht gelingen. Du kriegst das Warum und die Logik dahinter nicht raus. Wie sehr der Mensch sich auch abmüht, es zu erforschen, so ergründet er es nicht. Und selbst wenn der Weise behauptet, es zu erkennen, er kann es doch nicht ergründen. Schön!
Also, ich verstehe es nicht genau. Warum ist das jetzt eine Anwendung? Ich gebe euch noch einen Vers: Prediger 3,14. Denn bei all dem, was Gott tut und was wir nicht verstehen, möchte Gott uns nicht verwirren. Sondern Gott möchte, dass wir ihm vertrauen, und Gott möchte, dass wir uns vor ihm fürchten. Weil Gott sagt: Weißt du, ich habe alles im Blick. Das steht in Prediger 3,14. Es ist ihm, das ist das, was Gott tut. Ich erkannte, dass alles, was Gott tut, für ewig sein wird. Es ist ihm nichts hinzuzufügen und nichts davon wegzunehmen. Und Gott hat es so gemacht, damit man sich vor ihm fürchte.
Und jetzt merken wir: Die Geschichte in der Apostelgeschichte ist ja dazu angetan, uns auf diesen Aspekt hinzuweisen. Du weißt nicht, was kommt. Der eine geht ins Gefängnis, es wird gebetet, und er ist tot. Der andere geht ins Gefängnis, es wird gebetet, und er kommt frei. Ja, was mache ich denn damit?
Und eine Anwendung wäre: Ich möchte heute Gott dafür anbeten, dass er meine Zukunft kennt, und ich möchte neu mein Herz diesem Gott weihen, der weiß, was kommt, der keinen Fehler macht. Es ist dem Tun Gottes nichts hinzuzufügen und nichts wegzunehmen. Wir werden am Ende nicht sagen: Da hätte man noch eins drauflegen können, und das hätten wir nicht gebraucht. Gott würde dir bei jedem einzelnen Punkt sagen können: Das war genau richtig. Und Gott macht es, damit man sich fürchtet.
Es wäre eine Anwendung Richtung Gebet. Ich möchte heute Gottes Souveränität anbeten. Ich möchte mir bewusst Zeit nehmen für diesen Aspekt in Gottes Charakter, der in dieser Geschichte so offenbar wird: dass er seine Geschichte schreibt, wie er das möchte, und es nicht nötig hat, mir das zu erklären, und dass ich das auch nie herausfinden werde. Ich muss einfach nur Teil dieser Geschichte sein. Ich muss einfach nur treu mitgehen. Das möchte ich anbieten. Es wäre eine tolle Anwendung, noch eine Anwendung.
Dritte praktische Konsequenz: Gelassenheit im Alltag
In Kapitel 7 versteckt sich die Anwendung Gelassenheit.
Apostelgeschichte 12,7: Und siehe, ein Engel des Herrn stand da, und ein Licht leuchtete im Kerker. Und jetzt kommt das, wo ich immer schmunzeln muss: Und er schlug Petrus an die Seite und weckte ihn.
Warum muss ich schmunzeln? Stell dir das vor: Du bist ein Engel, du bekommst den Auftrag, Petrus zu befreien, und denkst dir: Cool, das mache ich. Du gehst in diese Zelle, trittst dort ein in Macht und Herrlichkeit und fängst an zu strahlen. Und du denkst dir: Na, jetzt muss er doch langsam aufwachen. Aber er schläft. Du machst es vielleicht ein bisschen heller, aber er schläft weiter. Und du musst als Engel hingehen und ihm so einen in die Seite geben, damit der Kerl endlich aufwacht.
Von daher meine ich das mit Gelassenheit. Diese Geschichte strahlt etwas aus. Da ist einer, der eigentlich hätte wissen können: Ich bin bald tot. Das ist die Nacht vor seiner Hinrichtung, die Nacht vor seiner geplanten Hinrichtung, und er schläft.
Und wir können das durchgehen: Wann immer Paulus im Gefängnis sitzt, ist er sehr, sehr entspannt. Egal, ob hier oder dann später in Philippi oder in Caesarea. Entweder schläft er oder er singt. Und in Caesarea ist es noch lustiger: Da gibt er so freimütig Zeugnis, dass der König Agrippa, der das hört, fast erschrocken zu diesem Gefangenen Paulus sagt: „Es fehlt nicht viel, so wirst du mich noch überreden und einen Christen aus mir machen.“
Huch, huch. Diese Gelassenheit, die im Angesicht einer absolut ungewissen Zukunft Paulus ausstrahlt. Mann, Mann, Mann, Mann, Mann.
So, Frage: Wie kann ich das ummünzen? Habe ich etwas falsch gesagt? Du hast recht, ich habe gerade Paulus und Petrus verwechselt. Ich habe zweimal Paulus und Petrus verwechselt. Okay, dann werde ich jetzt korrigieren. Vielen Dank, also ihr müsst mir das sagen, ich bin mir gar nicht aufgefallen. Du hast natürlich recht, ich habe jetzt völligen Mumpitz erzählt. Die zwei Beispiele waren überhaupt nicht Petrus, sie waren beide Male Paulus, sowohl in Philippi als auch in Caesarea.
Richtig. Nichtsdestotrotz bleibe ich bei meiner Anwendung, weil sowohl Petrus als auch Paulus uns zeigen, wie sie im Gefängnis sind. Vielen Dank, es ist mir echt durchgerutscht. Ich war die Woche ziemlich krank, es ist mir echt durchgerutscht.
Also, cool ist: Wie mache ich daraus eine Anwendung? Na ja, ich kann mir überlegen, in welchen Situationen mir Gelassenheit fehlt. Vielleicht ist es mein Problem, dass ich zu wenig gelassen bin. Dann könnte ich formulieren: Herr, ich weiß, heute gibt es, was auch immer in der Situation ist, heute möchte ich in dieser Situation eine Extraportion Gelassenheit praktizieren.
Das heißt nicht, dass ich von heute an kein Problem mehr damit haben werde, dass ich mal aufbrausend bin. Sondern heute möchte ich, weil ich sehe, wie er mit dieser schwierigen Situation umgeht, ihn an einer Stelle imitieren. Vielleicht weiß ich schon jetzt, von mir aus heute Abend, wenn die Kinder ins Bett gehen, oder auf Arbeit, wenn jener Kollege oder jene Kollegin vorbeikommt: Ich habe vielleicht so Momente, wo es mir oft an Gelassenheit fehlt. Das möchte ich mir heute vornehmen. Das wäre eine Anwendung.
Vierte praktische Konsequenz: Dank für Gottes Schutz
Dritte und letzte Anwendung: Wozu sind Engel da?
Hebräer 1,14
Diese Geschichte ist eine der wenigen Geschichten in der Bibel, mit denen man belegen kann, dass es Schutzengel gibt. Ich zeige euch das erst einmal. Hebräer 1,14 schauen wir uns mal an: Wozu sind Engel da? Sind sie nicht alle dienstbare Geister, ausgesandt zum Dienst um derer willen, die das Heil erben sollen?
Engel sind von Gott ausgesandt. Sie sind dienstbare Geister für uns.
Und jetzt lesen wir zurück in die Apostelgeschichte, davon, was die Gemeinde dachte, wer vor der Tür steht. Und da heißt es, wenn ihr euch noch erinnert, in Vers 15: Rhoda klopft, sie rennt rein, kann gar nicht sein. Apostelgeschichte 12,15: Sie aber sprachen zu ihr: Du bist von Sinnen! Sie aber beteuerte, dass es so sei. Sie aber sprachen: Und jetzt ist es ganz wichtig: Es ist nicht ein Engel, sondern sein Engel. Total spannend.
So, was machen wir denn damit? Kann das sein, dass wir Schutzengel haben? Ja, ich glaube schon. Vielleicht nicht so billig, wie wir uns das manchmal denken, aber doch so, dass Gott weiß, an welcher Stelle wir besonderen Schutz brauchen, besondere Unterstützung brauchen.
Da gab es hier mal eine Predigt im Jahr 2014. Die Technik stellt euch die bestimmt noch mal zur Verfügung. Da haben wir uns nur über Engel unterhalten. Und da habe ich auch diese Stelle gebracht.
Eine letzte Anwendung wäre aus diesem Text, nachdem wir erst eine Anwendung zum Thema Fürbitte hatten, dann eine zum Thema Gebet, dann eine Anwendung zum Thema Bitte für mich. Eine letzte wäre, ein Dankesanliegen zu formulieren und zu sagen: Herr, ich möchte dir dafür danken. Ich möchte mir heute Zeit dafür nehmen, dafür zu danken, dass mein Engel für mich da ist und dass du ihn losschickst für mich. Auch das wäre eine Anwendung.
Ich weiß nicht, wie oft du das betest. Wahrscheinlich ganz selten, denn man kommt auf diese Themen ja nicht, es sei denn, man liest so einen Bibeltext. Und jetzt merkt ihr: Gutes, intelligentes Gebet braucht tiefe Bibellese. Also wenn du schlau beten willst, dann brauchst du eigentlich vorher erst einmal einen tiefen Blick in die Bibel, damit du neue Gedanken hast, Gedanken, die auch wirklich wahr sind. Und oft kommt aus einer guten Bibellese dann auch gutes Gebet.
Warum Lukas diese Geschichte hier erzählt
So, das wollte ich euch zeigen: wie man eine Geschichte liest, wie man bestimmte Themen identifiziert und wie man nachsinnt und einfach überlegt: Okay, Herr, ich möchte heute in meinem Leben etwas anders machen. Ich möchte, dass dieser Tag eine Veränderung bringt.
Ich habe jetzt die Bibel gelesen, ich habe Themen gefunden, ob das das Thema Verfolgung ist, Souveränität, ob es Gelassenheit ist oder wie Gott mich beschützt mit seinen Engeln. Das spielt gar keine Rolle, da sind noch viel mehr Themen drin. Vielleicht denkst du: Mir ist aber etwas ganz anderes jetzt wichtig geworden, als das vorhin vorgelesen wurde. Ja, das ist in Ordnung. Aber komm dahin, dass du formulierst: Herr, ich will heute an irgendeiner Stelle einen kleinen Schritt nach vorne gehen, weil dein Wort mich herausfordert und begeistert und dahin bringt, etwas zu verändern.
Das war der eine Block. Und jetzt zum Schluss die Frage: Warum steht der Text in der Bibel, und warum gehe ich heute auf Anwendungen ein und lasse den Text eigentlich ein bisschen links liegen? Der Grund ist der: Der Grund für den Text an der Stelle ist, dass der uns nicht viel zu sagen hat. Ich zeige euch mal, an welcher Stelle der Schwerpunkt dieses Textes liegt. Der liegt nämlich in Vers 11, da formuliert Petrus: Und als Petrus zu sich selbst kam, er tritt raus auf die Straße, und als Petrus zu sich selbst kam, sprach er: Nun weiß ich in Wahrheit, dass der Herr seinen Engel gesandt und mich gerettet hat aus der Hand des Herodes und aller Erwartungen des Volkes der Juden.
Das ist der sprachliche Schwerpunkt des Textes, und das ist die Parallele zu der anderen Geschichte in Apostelgeschichte, wo es in Vers 34 sehr ähnlich heißt: Petrus aber tat den Mund auf und sprach: In Wahrheit begreife ich. Also immer dieses: In Wahrheit, jetzt bin ich durchgerutscht, jetzt habe ich es verstanden.
Frage: Was hat Petrus verstanden? Um das zu erklären, müssen wir einen Schritt zurückgehen und das Selbstverständnis des Judentums begreifen. In Apostelgeschichte 10 versteht Petrus, dass das Evangelium von Jesus Christus etwas ist, was nicht nur eine Botschaft für das jüdische Volk ist, sondern eine Botschaft für die ganze Welt, dass jeder gerechte Heide zu Jesus kommen kann. Da sagt er: In Wahrheit begreife ich, dass alle Menschen Gott angenehm sind. Er ist so richtig: Aha.
Was ist das Aha hier? Die jüdische Religion ist eine Staatsreligion, also Judentum ist Staatsreligion. Das bedeutet, dass der jüdische König die Pflicht hatte, die Religion zu beschützen und für die rechte Lehre zu kämpfen. Der jüdische König war qua Amt Hüter des rechten Glaubens. Und jetzt stand im Raum die Frage: Das Judentum ist aufs Engste mit der jüdischen Politik, mit dem Königtum verknüpft, das ist quasi eins. Die Frage ist: Ist diese Verknüpfung, wie sie im Judentum mit dem jüdischen Staat da ist, eine Verknüpfung, die beim Christentum aufrechterhalten bleibt? Also: Wie viel Recht und wie viel Pflicht hat der jüdische König dafür zu sorgen, dass das Christentum irgendwie beschützt und bewahrt bleibt? Wie viel Recht hat er, da mitzusprechen? Ist das Christentum etwas, was am jüdischen Staat genauso hängt wie vorher das Judentum?
Und das, was Petrus hier versteht, und das ist ein großes Aha-Erlebnis, das wir in dieser Größe nicht nachzeichnen können, weil es uns völlig egal ist. Wir sind so an die Idee einer Staatsreligion gewöhnt, dass uns das so unheimlich fremd ist, dass wir das gar nicht begreifen. Warum ist er denn so begeistert davon? Er merkt jetzt, dass Gott ihn aus der Hand des Königs, aus der Hand der Erwartungen des Volkes befreit hat. Was ist denn so groß dabei?
Es ist deshalb so groß, weil das Christentum an dieser Stelle jeglichen Bezug, jegliche Bindung, jegliche politische Bindung an den jüdischen Staat, an den jüdischen König verloren hat. Und mit einem Mal haben wir eine Religion, die eine Botschaft für die ganze Welt hat und die nicht mehr verwurzelt ist in einem Staat. Und ihr merkt: Boah, dann könnte man ja überall hingehen und allen Völkern das Evangelium predigen. Und man müsste ja überhaupt nicht mehr Rücksicht nehmen darauf, wo die wohnen.
Stimmt, und deswegen geht es in Kapitel 13 auch mit der ersten Missionsreise los, weil jetzt plötzlich die Fesseln, an denen das Judentum hing, nur für Juden, immer unter dem jüdischen Staat, da macht es plopp, plopp, und plötzlich ist das Christentum frei. Und Petrus merkt das hier wie: Es gibt ja überhaupt keinen Zugriff mehr von oben. Stimmt, gibt es nicht.
Und deswegen schreibt uns Lukas das. Und ich habe mir erlaubt, weil ich glaube, dass diese Botschaft für uns vielleicht nicht ganz so prickelnd ist, mal die Anwendung in den Vordergrund zu schieben.
Schluss: Die tägliche Praxis der Veränderung
So, was sollt ihr mitnehmen? Eine Sache:
Wenn du morgen früh deine stille Zeit machst, und wenn du sie nicht machst, dann fang damit an. Hol deine Bibel heraus und beginne zu lesen. Und wenn du noch keinen Plan hast, besorg dir einen Plan. Und wenn der Plan ist, bei 1. Mose 1,1 anzufangen, ist mir das völlig egal. Ich habe auch so einen Plan. Ich lese einfach von vorne nach hinten.
Lies so lange, bis zwei Dinge passieren: Zum einen merkst du, meine Seele ist satt. Und zweitens habe ich einen guten Gedanken. Sei es ein Gedanke für die Fürbitte, ein Gedanke fürs Gebet, ein Gedanke für die Bitte, wo ich für mich selber bete, oder ein Dankesanliegen. Ich habe einen guten Gedanken, auf dem ich eine Weile herumkauen kann, bis ich weiß, was ich heute tun kann. Eine ganz kleine Veränderung will ich heute.
Und das machst du einfach die nächsten 365 Tage. Und dann schaust du, wie das, was wir in den Losungen gehört haben, dass wir eine neue Schöpfung sind, sich handgreiflich, augenfällig, nachweisbar und sichtbar in deinem Leben verwirklicht.
Das wäre mein Wunsch. Vielen Dank. Amen.
Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!
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