Einstieg in den biblischen Abschnitt und erste Beobachtungen
Und ich würde gerne aus 1. Mose 24 zunächst einmal den letzten Vers lesen, da geht es um seine Ehe:
„Und Isaak führte sie, Rebekka, in das Zelt seiner Mutter Sarah, und er nahm Rebekka, und sie wurde seine Frau, und er hatte sie lieb, und Isaak tröstete sich nach dem Tod seiner Mutter.“
Und dies sind die Geschlechter Isaaks, des Sohnes Abrahams. Abraham zeugte Isaak, und Isaak war vierzig Jahre alt, als er sich Rebekka zur Frau nahm, die Tochter Betuels, des Aramäers, aus Paddan-Aram, die Schwester Labans, des Aramäers.
Und Isaak bat den Herrn für seine Frau, denn sie war unfruchtbar. Und der Herr ließ sich von ihm erbitten, und Rebekka, seine Frau, wurde schwanger. Die Kinder stießen sich in ihr, und sie sprach: Wenn es so ist, warum bin ich dies? Und sie ging hin, den Herrn zu befragen, und der Herr sprach zu ihr.
Danach, Vers 27:
Und die Knaben wuchsen heran, und Esau wurde ein jagdkundiger Mann, ein Mann des Feldes; Jakob aber war ein sanfter Mann, der in den Zelten blieb. Und Isaak hatte Esau lieb, denn Wildbret war nach seinem Mund; Rebekka aber hatte Jakob lieb.
So weit.
Erinnern wir uns an die verschiedenen Symbole, die man sich merken kann, einmal zum Leben Abrams, Isaaks und Jakobs. Bei Abram finden wir Zelt und Altar; darüber haben wir gestern gesprochen. Bei Isaak finden wir, dass er immer wieder mit Brunnen in Berührung kommt, Brunnen aufsucht oder auch Brunnen gräbt. Die Brunnen spielen in seinem Leben eine große Rolle. Die finden wir auch bei Abraham, aber nicht so oft wie bei Isaak.
Auch in der Szene, die wir nicht gelesen haben, wo er seine Braut oder Frau Rebekka zum ersten Mal trifft, da ist er ebenfalls an einem Brunnen, in 1. Mose 24,62: „Isaak war aber von einem Gang nach dem Brunnen Lachai-Roi gekommen.“ Also denkt bitte daran: Die Brunnen spielen im Leben Isaaks eine große Rolle.
Er hat manche gegraben, auch die seines Vaters, die er gegraben hatte, hat er wieder aufgegraben. Und ich denke, das ist auch ein schönes Thema für ein Bibelstudium: Wovon könnten diese Brunnen ein Bild sein, wenn wir das anwenden auf unser Leben? Brunnengräber in der Wüste, Brunnen, die Wasser spenden, lebensnotwendig für jeden Menschen damals in dieser Gegend, für uns natürlich auch.
Was ist unser Brunnen, was ist unser Wasser, warum müssen wir graben, warum werden die manchmal verschüttet? Richtig, das Wort Gottes. Das ist auch mit Arbeit verbunden. Manchmal muss man diese Brunnen verteidigen, das finden wir im Leben Abrams auch. Isaak war da leider nicht so ein Kämpfer. Wenn die Philister kamen und diese Brunnen, die er gegraben hat, verstopften, da machte er sich auf, schlug dann sein Zelt woanders auf und grub wieder einen Brunnen.
Aber gerade bei Abraham finden wir, dass er jemand war, der sich diese Brunnen nicht so ohne Weiteres nehmen ließ. Also das ist auch etwas, was wir bewahren müssen, damit wir dieses frische, lebendige Wasser zu uns nehmen können.
Prima!
Bei Jakob finden wir weniger einen Altar. Hier und da hat er mal einen gebaut, ich glaube nur einmal oder zweimal. Wir finden auch nicht viele Brunnen, sondern wir finden immer wieder Denkmäler, die er aus Steinen aufbaut, die ihn erinnern an die Treue und an die Gnade Gottes. Auch das ist ein recht schönes Bibelstudium.
Nun, heute sind wir hier bei Isaak und wollen uns mit seinen Charakterschwächen ein wenig befassen.
Die zweite Generation und ihre geistliche Prägung
Isaak ist ein typischer Vertreter der „zweiten Generation“. Das hatte ich, glaube ich, vorgestern auch schon kurz erwähnt. Man kann das Leben der Patriarchen auch unter diesem Gesichtspunkt studieren.
Die erste Generation zeichnet sich durch Pioniergeist aus. Das finden wir bei Abraham sehr, sehr deutlich. Abraham war ein Kämpfer. Er verkörperte den aktiven Glauben. Er hatte keine Vorbilder, an denen er sich anlehnen konnte, sondern er musste alles selbst erfahren und selbst erproben. Deswegen finden wir auch viele Prüfungen in seinem Leben.
Isaak dagegen ist ein Erbe. Er hat den ganzen Reichtum Abrahams, den dieser sich mühevoll gesammelt hat oder den er von Gott bekommen hat, empfangen. Ihm wurde alles geschenkt. Wir lesen in seinem Leben nicht von vielen Kämpfen, die er ausgetragen hat. Er war eher ein passiver Typ und verkörpert auch den passiven Glauben. Er hat alles übernommen. Er war auch ein sehr gehorsamer Sohn, das stellen wir positiv fest. Aber er war kein Original.
Und das finden wir oft in der zweiten Generation, auch bei Christen: Sie übernehmen alles, aber sie machen auch nicht die Höhen und Tiefen ihrer Väter der ersten Generation mit. Oft sind das keine Originale, sondern nur Kopien ihrer geistlichen Väter. Ich denke, diese Beobachtung machen wir bei uns selbst und auch in unserer Umgebung.
Selbst die Sünde, die er tat, oder eine seiner Sünden, war nicht mehr das Original, sondern ebenfalls von seinem Vater abgeguckt, könnte man sagen. Wir haben gestern darüber gesprochen, dass er auch seine Frau praktisch verrät und sagt, sie sei seine Schwester. Das finden wir bei Isaak.
Er war ein etwas weicher Typ, er war ein Genießer. Das war seine Schwachheit. Darüber werden wir heute ein wenig nachdenken und auch morgen Vormittag. Besonders in der zweiten Lebenshälfte wurde ihm diese Charakterschwäche zu einer ganz verheerenden Charaktersünde mit großen Folgen für seine Familie.
Abraham war derjenige, der das Land eroberte oder erkundete. Isaak war derjenige, der im Land wohnte. Und Jakob, das war derjenige, der das Land verließ, zumindest für zwanzig Jahre, um dann wiederzukommen. Das lehrt uns auch etwas über den Charakter der Generationen.
Noch einmal: Erste Generation, Pioniere. Zweite Generation, Erben. Dritte Generation? Tja, die hält schon oft gar nichts mehr davon oder sie hält es nicht mehr in dem Land, sie reißt aus.
Ihr kennt alle diese alte Weisheit: Die erste Generation hat die Wahrheit Gottes in ihrem Herzen. Die zweite Generation hat sie in den Köpfen. Die dritte Generation hat sie im Bücherschrank. Und die vierte Generation fragt: Was ist Wahrheit?
Das finden wir im Leben der Nachkommen Abrahams sehr deutlich. Abraham hatte die Wahrheit Gottes in seinem Herzen, das kann man sagen. Er kämpft. Isaak hat sie in seinem Kopf. Er wusste das alles von seinem Vater, gute Erinnerungen. Bei Jakob steht sie im Bücherschrank; er musste ganz neu wieder studieren, durch ziemlich schwere Prüfungen und Erfahrungen. Und seine Söhne, die haben wirklich gefragt: Was ist Wahrheit?
Ein ganz dunkles Kapitel, wenn wir das Leben von einigen seiner Söhne studieren und sehen, wohin sie gekommen sind. Das finden wir leider auch in unseren Gemeinden so, vielleicht auch in unseren Familien so.
Isaak als Bild auf Christus und die Bedeutung der Liebe
Also Isaak, die zweite Generation: Dennoch finden wir zwei Kapitel in seinem Leben, in denen er ein wunderschönes Bild unseres Herrn Jesus ist. Diese beiden Kapitel kennen wir alle sehr gut. Abraham symbolisiert ja auch Gott den Vater in manchen Eigenschaften und in manchen Geschichten, etwa in der Geschichte, in der er seinen Sohn opfert. Bei Isaak sehen wir den Sohn in zwei Kapiteln als ein wunderschönes Bild auf den Herrn Jesus. Und in Jakob finden wir das Werk des Heiligen Geistes, der uns verwandeln möchte in das Bild Christi.
An welche beiden Kapitel denke ich, wenn ich an Isaak als einen Hinweis, ein Vorbild auf den Herrn Jesus, denke? An Kapitel 22 und 24: einmal, wo er geopfert wird oder sich opfern lässt. Auch da ist Isaak der Passive. Er lässt sich auf diesen Berg führen und auf den Altar legen. Und dann bei der Brautwerbung, wo ihm in Kapitel 24 Rebekka zugeführt wird. Auch da ist er völlig passiv; ihm wird alles geschenkt. Abraham hat für ihn gesorgt, den Eliezer losgeschickt, und Isaak ist praktisch nur derjenige, der irgendwann seine Augen aufmacht, sie erblickt und dann auch feststellt, dass es eine schöne Frau ist. Das wird uns dann hinterher auch berichtet. Aber zunächst lesen wir einmal, dass er sie lieb hatte.
Und gerade der Anfang seiner Ehe ist wirklich ein Vorbild für alle, die wir hier verheiratet sind. Ein Vorbild für jeden Ehemann. Ich finde es so ergreifend, dass hier so schlicht und einfach steht: Er führte sie in das Zelt seiner Mutter Sarah, er nahm Rebekka, sie wurde seine Frau, und er hatte sie lieb. Und das ist ja leider nicht selbstverständlich, und leider auch nicht selbstverständlich in christlichen Familien.
Dreimal müssen im Neuen Testament die Männer ermahnt werden, ihre Ehefrauen zu lieben. Nur einmal wird die Frau ermahnt, ihren Mann zu lieben, weil sie vielleicht in Gefahr steht, in manchen Fällen ihre Kinder mehr zu lieben als ihren Mann. Warum also 3 zu 1 gegen die Männer? Warum müssen die Männer das dreimal hören: Liebt eure Frau! Das größere Problem ist selbstverständlich. Das ist so klar, dass das hier gar keiner zu beantworten sagt. Wir Männer haben keine Ahnung, was Liebe ist. Wir müssen das erst im Laufe eines langen Lebens lernen.
Bei den Frauen ist das nicht so ein Problem. Von ihrer Veranlagung her sind sie zur Liebe irgendwie doch vorbereitet. Ihnen fällt das nicht schwer, deswegen müssen sie auch nicht so oft ermahnt werden. Aber wir Männer sind totale Egoisten, und wenn wir von Liebe sprechen, dann meinen wir meist Sexualität. Und wir müssen erst einmal im Laufe des Lebens lernen, was wirklich Liebe ist.
Und ich finde es großartig, dass wir hier in der Geschichte Isaaks wirklich gute Hilfen bekommen.
Selbstlose Hingabe, eheliche Praxis und die Frage nach echter Liebe
Das erste Mal finden wir das Wort Liebe, den Begriff, wo? Sehr gut, schön. Also dem Alexander braucht man da gar nichts zu erzählen über Liebe. Da finden wir die Liebe eines Vaters zu seinem Sohn: Nimm deinen Sohn, deinen einzigen, den du liebst, und geh hin und opfere ihn. Da wird also Liebe in Verbindung gebracht womit? Mit einem Opfer, mit Hingabe. Und das ist ein Bild der göttlichen Liebe, der Agape, die selbstlos ist, die nicht für sich behalten möchte, sondern die hingibt.
Das zweite Mal finden wir das Wort Liebe in dieser Geschichte hier, dass ein Mann seine Frau liebt. Das dritte Mal, das haben wir auch gelesen, finden wir auch in diesem Kapitel 26. Da ist es allerdings die Liebe von Isaak zu seinem Sohn Esau und die Liebe Rebekkas zu Jakob. Also: Die erste Liebe, eine selbstlose Liebe eines Vaters zu seinem Sohn in Verbindung mit einem Opfer. Das zweite Mal Liebe: die Liebe eines Mannes zu seiner Frau. Und das dritte Mal Liebe: die Liebe eines Vaters zu seinem Sohn. Aber was ist da, ja ... oder der Inhalt der Liebe, was ist das für eine Liebe? Warum liebte er den Esau? Weil Wildbret nach seinem Munde war.
Und da sehen wir schon, wie sich hier der Begriff Liebe verändert. Wenn wir die Liebe Gottes vor Augen haben, eine selbstlose Liebe, die gibt, die nichts für sich behalten möchte, dann sind wir Männer in der Lage, auch unsere Ehefrau zu lieben. Und ich denke, das können wir lernen aus der Geschichte Isaaks. Diese Liebe des Vaters, die hatte er erfahren. Und wenn wir als Ehemänner die Liebe Gottes wirklich kennenlernen und lieben lernen, schätzen lernen, uns darin sonnen, dann haben wir eine gute Hilfe und auch einen Maßstab, unsere Ehefrau selbstlos zu lieben. Aber das ist ein Prozess, der uns allen, oder wenn ich jetzt an mich denke, gar nicht so selbstverständlich ist. Das muss man im Laufe des Lebens üben und lernen. Ich weiß nicht, wie die anderen Ehemänner hier, welche Erfahrungen ihr gemacht habt, aber bei mir war das auf jeden Fall so.
Ja, das ist sehr schön. Er hatte sie lieb. Es gab vor Jahren in einer bekannten deutschen Zeitung eine Umfrage, welches das unbeliebteste Wort für Männer ist. Und da kam dann die Auswertung in der ersten Januarausgabe: die Frage „Hast du mich lieb?“ Die unangenehmste Frage für Männer, genau von Frauen gestellt natürlich. Warum ist das so? Also ich kann das leider nachempfinden, denn wenn ich an meine jungen Ehejahre denke, dann hat meine Frau Ulla mir des Öfteren in Abständen diese Frage gestellt: Hör mal, hast du mich lieb? Und ich habe dann innerlich gekocht, sage ich euch. Ich habe es schwerfertig gebracht, über meine Lippen zu bringen, auch heute muss ich mich dazu überwinden, in Abständen zu sagen: Hör mal, ich habe dich lieb. Warum? Das ist wirklich komisch.
Und ich habe dann immer gekaut, innerlich gekocht und habe dann gesagt: Hör mal, hör doch auf mit diesen Worten. Liebe ist doch nur ein Wort, Liebe, das ist doch eine Tat. Ich mache jeden Morgen Frühstück, ich gehe auch zum Aldi einkaufen, und ja, der Mülleimer kommt auch alle vierzehn Tage auf die Straße. Dann kannst du doch erkennen, dass ich dich lieb habe. Das muss man doch nicht sagen, das muss man doch sehen. Wir wollen Taten sehen. Na ja, aber meine Frau, die möchte keine Taten sehen, sie sagt: Ich will nicht deine Taten, sondern ich möchte deine Liebe wirklich hören und erfahren und sehen.
Also das müssen wir wirklich lernen: einmal das zu sagen, aber natürlich auch wirklich Liebe zu üben, die nicht etwas haben will, sondern die etwas geben möchte. Und wenn ich hier die jungen Damen zu meiner Linken sehe, wenn ihr hört, dass irgendein junger Mann zu euch sagt: Ich liebe dich, und dabei die Augen verdreht, dann nehmt euch Zeit. Und dann denkt daran, dass er möglicherweise noch nicht gelernt hat, was wirklich Liebe ist, und vielleicht möchte er von euch nur etwas haben. Wenn er es bekommen hat, dann lässt er euch leider oft sehr links liegen.
Aber hier, das ist wunderschön: ein Mann, von dem wir lesen, er hatte sie lieb.
Der schmerzliche Verlust von Nähe und die geistliche Verantwortung in der Ehe
Leider ist der Anfang dieser Ehe schöner als das Ende dieser Ehe, und diese wirklich vorbildlich begonnene Ehe endet nicht so schön, sondern ziemlich traurig. Ich habe im Laufe der letzten Jahre mit vielen Ehefrauen Gespräche geführt, die gläubig sind und die lange bekehrt sind. Ich denke an einen guten Freund von mir. Er war Jugendleiter einer riesigen Gemeinde und hat viele Erfahrungen mit dem Herrn gemacht. Wenn ich mich recht entsinne, hat er mit seiner Frau acht Kinder. Seine Frau erzählte mir dann, als das achte Kind kam, dass ihr Mann ihr gesagt habe, er hätte sie noch nie in ihrer Ehe wirklich geliebt. Das ist furchtbar für eine Frau, wenn sie eine Gebärmaschine ist, aber wirkliche Liebe und Anerkennung nie erfahren hat. Dann hat dieser Mann eine andere Frau kennengelernt, sich scheiden lassen, seinen ganzen Dienst aufgegeben und war unbrauchbar für den Herrn. Und das ist keine Seltenheit.
Ich denke an einen anderen, auch aus meiner Umgebung, ebenfalls Vater vieler Kinder, der mir dann auch einmal sagte, als die Ehe kriselte, dass er seine Frau nie wirklich geliebt habe. Nach außen hin schien das immer ein gutes Bild abzugeben, aber in Wirklichkeit war nie die Liebe wirklich zu erkennen. Und ich fürchte, dass das in vielen christlichen Ehen auch der Fall ist. Ich bitte mich und uns alle, die wir Ehemänner sind, da auch ehrlich zu sein und dafür zu beten, dass der Herr uns verändert und dass wir uns wirklich am Vorbild Gottes des Vaters orientieren, uns diese Liebe schenken lassen, die eben nicht etwas haben möchte, sondern die gibt.
Das Zweite, was wir von Isaak lesen, ist auch sehr schön. Er war vierzig Jahre alt, als er heiratete. Aber ein großes Problem war in ihrer Ehe: Seine Frau gebar keine Kinder. Das war damals für eine Frau im Alten Testament natürlich eine große Schmach und eine Schande. Und wir lesen von Isaak in Vers 21: Und Isaak bat den Herrn für seine Frau, denn sie war unfruchtbar.
Hier können wir also einen Blick in das Gebetsleben dieses Mannes oder auch dieser Ehe werfen. Zuerst einmal war es für Isaak wichtig, dass seine Frau fruchtbar war. Das können wir auch auf unser Leben anwenden. Es ist uns ein Anliegen, ich denke jetzt nicht an die Kinderzahl, sondern daran, dass unsere Frau geistlich auch fruchtbar ist, Frucht bringt zur Ehre Gottes und ein Segen für andere ist. Das war für Isaak damals wirklich eine Last und eine Not, und es sollte für uns heute, für uns Ehemänner, auch wirklich ein großes Anliegen sein, dass unsere Ehefrauen auch für Gott fruchtbar sind.
Wir sehen, dass diese beiden hier neunzehn Jahre lang gewartet und gebetet haben, dass Frucht sichtbar wird. Also ein anhaltendes, andauerndes Gebet um Fruchtbarkeit. In einigen Bibelübersetzungen lesen wir: Und Isaak betete in Gegenwart seiner Frau. Daraus kann man schließen, dass die beiden gemeinsam gebetet haben.
Gebet, Erhörung und die geistliche Entwicklung in der Familie
Und hier möchte ich dann auch wieder einen Punkt ansprechen, der auch in meinem Leben und im Leben vieler Ehemänner doch ein Problem ist: Beten wir noch gemeinsam mit unseren Ehefrauen?
Damit meine ich nicht das Gebet beim Frühstück und beim Mittagessen, wo wir für das Essen danken und wo die Frau dann Amen sagt, sondern haben wir eine Zeit, in der wir auch gemeinsam, Mann und Frau, auf die Knie gehen und unsere Anliegen, unsere Nöte, unsere Sorgen und unsere Wünsche gemeinsam dem Herrn sagen?
Hier tut das der Isaak wahrscheinlich neunzehn Jahre lang. Darin ist er mir ein ganz großes Vorbild.
Ich erinnere mich gut an die Zeit der Verlobung. Wenn ich mich mit meiner Braut getroffen habe, haben wir immer zusammen gebetet. Das fiel nicht schwer. Als wir dann geheiratet haben, ließ das langsam nach. Dann war es einmal in der Woche, und nach einigen Jahren haben wir gar nicht mehr gemeinsam intensiv gebetet, sondern jeder für sich. Und dann muss Gott manchmal Probleme in die Familie schicken, damit wir wieder lernen, gemeinsam auf die Knie zu gehen und gemeinsam die Anliegen vor Gott auszubreiten.
Ich weiß nicht, wie da eure Erfahrung ist, aber ich bin sicherlich da kein gutes Vorbild. Aber leider finden wir das oft gerade bei christlichen Männern auch, dass irgendwie nach einem guten Beginn auch in dieser Beziehung des gemeinsamen Gebets das nachlässt. Da müssen wir daran arbeiten, oder Gott wird dafür sorgen, dass Nöte in unser Leben kommen, die uns dann wieder auf die Knie bringen.
Wir lesen hier: „Und Gott ließ sich von ihm erbitten.“ Wenn das interessiert: Wir finden diese Bemerkung sieben Mal im Alten Testament, „Und Gott lässt sich erbitten“. Das ist ein ganz großer Trost für uns, für unsere Ehen, auch für unsere Kinder. Wenn wir beten, Gott lässt sich erbitten. Deswegen höre nicht auf zu beten, egal wie es in der Ehe aussieht, egal welche Sorgen du um deine Kinder hast. Wir haben hier wirklich eine große Ermutigung. Gott lässt sich erbitten, vergiss das bitte nicht.
Meine Erinnerung an meine Eltern
Ich bin in der Nachkriegszeit aufgewachsen, 1946 geboren. Der Krieg war zu Ende, Deutschland lag in Trümmern. Das sind meine ersten Eindrücke in meiner Kindheit: ein Trümmerhaufen um mich herum. Ich wohnte in einer Vorstadt von Wuppertal, die damals furchtbar zerbombt wurde. Unsere Stadt auch. Und meine Eltern hatten nicht viel Zeit für ihre sechs Kinder. Sie mussten aufbauen. Wir hatten eine Drogerie zu Hause, Vater und Mutter mussten dort arbeiten, sie hatten wenig Zeit für ihre Kinder.
Ich bin mit meinem Vater, ich kann mich nicht erinnern, nur auch mal einen Tag unterwegs gewesen oder im Urlaub gewesen. Mit meiner Mutter bin ich, glaube ich, in den ganzen Jahren einmal oder zweimal eine Woche weg gewesen. Und so habe ich eigentlich nicht sehr viel von meinen Eltern gehabt, indem sie aktiv an mir gearbeitet hätten.
Aber ich werde nicht vergessen: Sie haben jeden Morgen und Abend gebetet und die Bibel gelesen. Morgens jeder für sich im Wohnzimmer. Mein Vater saß in einem Sessel, und meine Mutter, das war still, das sah ich. Und abends dann haben sie gemeinsam gebetet.
Gerade in der Zeit, in der ich absolut kein Interesse hatte für geistliche Dinge und ich dann mit meinem älteren Bruder des Nachts unterwegs war. Meine Eltern gingen immer früh zu Bett, um zehn Uhr war für sie der Tag zu Ende, und für uns fing dann der Tag erst an. Da haben wir uns buchstäblich abgeseilt oben aus unserem Dachzimmer. Wir hatten ein dickes Seil, und dann sind wir dann verschwunden, um all die Dinge zu tun, wovon unsere Eltern uns bewahren wollten. Und dann waren wir dann bis zwölf, ein Uhr unterwegs.
Ich war immer zuständig für Alkohol. Ich war in der Drogistenlehre, da wusste man, wie man so etwas herstellt. Und gut, meine Freunde, mein älterer Bruder Gerd und der andere Fritz, die waren natürlich immer ein bisschen misstrauisch. Ich musste dann immer den ersten Schluck nehmen. Wenn ich nach zwei Minuten noch auf den Beinen stand, dann haben die auch getrunken, denn die wussten ja nie so ganz genau, was ich da zusammengebraut hatte.
Na ja, und dann geschah es ab und zu, dass meine Eltern bei einem Besuch waren und später nach Hause kamen. Es wurde auch mal zwölf Uhr bei ihnen. Und wenn ich dann zurückkam, weil wir zurückkamen, dann konnten wir nicht ein Seil da hochhangeln, dazu reichten die Kräfte nicht. Da mussten wir uns durch das Treppenhaus über den Flur in unser Zimmer schleichen.
Das war nicht so einfach. Holztreppen, das wisst ihr auch, da geht man entweder links oder rechts, da knarrt man sich so, oder man hangelt sich am Geländer hoch. Das habe ich dann meist getan. Und dann kam die schwerste Passage, dann über den Flur zu robben in mein Zimmer. Denn da war links das Wohnzimmer meiner Eltern, rechts das Schlafzimmer. Und wenn ich dann ab und zu darüber robbte, dann hörte ich, dass meine Eltern zusammen gebetet haben.
Das hat mich irgendwie beeindruckt. Ich konnte das damals nicht verstehen, sie hatten überhaupt keine Beziehung zum Herrn, aber irgendwie hat mich das doch tief ergriffen. Und das ist eine meiner schönsten Erinnerungen an meine Eltern: dass die dort auf den Knien lagen und für ihre Kinder gebetet haben. Ich bin sicher, dass diese Gebete mich auch vor Schlimmerem damals bewahrt haben.
Schön, wenn wir solche Erinnerungen haben an betende Eltern. Und schenken wir daher, dass wir Ehemänner, die wir hier sind, solche sind, die mit unseren Frauen wirklich auf den Knien liegen, um zu beten, Gott anzubeten, aber auch für die Kinder und für die anderen Anliegen gemeinsam zu beten. Neunzehn Jahre lang.
Persönlicher Glaube der Ehefrau und die Spannung der kommenden Generationen
Interessant ist, dass in dem Moment, in dem Gott das Gebet erhört, Probleme entstehen. Es sind Zwillinge in ihrem Leib. Sie stoßen sich und kämpfen miteinander. Das ist schon ein Vorgeschmack auf das, was in den nächsten Jahren auf die Mutter und auf den Vater zukommt: der Kampf der beiden Kinder miteinander.
Da lesen wir von ihr, dass sie sprach: Wenn es so ist, warum bin ich dies? Und sie ging hin, den Herrn zu befragen. War es verkehrt, dass sie jetzt allein den Herrn befragte? Nein, ich denke, daraus können wir auch eine gute Lektion lernen. Rebekka hatte gelernt, nicht nur aus zweiter Hand geistlich zu leben, sondern sie führte auch ein persönliches Gebetsleben.
Und ich glaube, dass das bei manchen christlichen Ehefrauen eine Gefahr ist: dass sie den geistlichen Bereich ihren Ehemännern überlassen. Die Männer sind dann zuständig für Bibellesen und Gebet, und sie selbst sind für die Küche und für die Kindererziehung zuständig. Den geistlichen Teil überlassen sie mehr oder weniger ihren Ehemännern.
Da müssen wir auch aufpassen, auch als Ehemänner, dass wir darauf achten, dass unsere Ehefrauen ebenfalls ein persönliches Leben mit dem Herrn leben. Und hier finden wir also, dass Rebekka gelernt hat, auch ganz persönlich stille Zeit zu machen und ihre Sorgen dem Herrn zu sagen. Der Herr redet zu ihr und sagt dann schon, was mit diesen beiden Kindern in ihrem Leib geschehen wird, dass der Ältere dem Jüngeren dienen wird.
So, jetzt kommen wir zum zweiten Teil in diesem Kapitel. Und es ist traurig zu sehen, dass diese Ehe, die so wunderschön begonnen hat, gerade dann, wenn Frucht sichtbar wird, wenn Gebete erhört werden, in eine Krise gerät. Das ist unheimlich schade.
Gegensätze der Söhne und die Verschiebung der Zuneigung
Wir lesen zunächst einmal in Vers 27 von Esau: Er wurde ein jagdkundiger Mann, ein Mann des Feldes, während Jakob ein sanfter Mann war, der in den Zelten blieb. Dann wird die Liebe der Eltern geschildert: Isaak hatte Esau lieb, denn Wildbret war nach seinem Mund, Rebekka aber hatte Jakob lieb.
Esau wurde ein Jäger, ein Mann des Feldes, der die Freiheit liebte, die Weite. Wenn wir sein ganzes Leben ein wenig betrachten, dann stellen wir fest, dass er charakterlich völlig anders war als Jakob. Er liebte die Weite, das Feld, die Jagd. Vielleicht war Nimrod, der große Jäger, sein Vorbild. Er war ein leidenschaftlicher Typ, aber auch ein sehr großzügiger Typ, der schnell vergeben konnte. Einer, der sich mordsmäßig aufregen konnte, Mordspläne schmieden konnte, der sich aber auch sehr schnell wieder beruhigen konnte.
Jakob dagegen war ein häuslicher Mann, ein sanfter Mann. Er wohnte im Zelt, hing der Mutter an der Schürze, würden wir sagen. Er blieb beim Vorbild seiner Väter, er wohnte in Zelten. Und wir können annehmen, dass er noch etwa fünfzehn Jahre lang seinen Vater Abraham gekannt hatte. Denn wir lesen im Hebräerbrief, dass Abraham mit Isaak und Jakob in Zelten wohnte. Wenn man die Lebensjahre so ein wenig verfolgt, dann stellt man fest, dass Abraham also noch etwa fünfzehn Jahre gelebt hat. Jakob hat vielleicht manche Geschichte des Glaubens und der Erfahrung mit dem Herrn von seinem Großvater gehört. Auch das war eine schöne Erfahrung für ihn.
Aber wenn ich hier die Mädchen fragen würde: Wenn ihr wählen müsstet zwischen diesen beiden Männern, die um euch werben, Esau, Pferde, Reiten, Weite, ein haariger Mann, Muskelprotz, braun gebrannt, großzügig, leidenschaftlich, und dann so ein Jakob da im Zelt, immer bei der Mama, Würfel kochen und dergleichen mehr – wen würdet ihr wählen? Natürlich diesen Marlboro-Typ, den Esau.
Und wenn man diese beiden Charaktertypen, wenn man die beiden miteinander vergleicht, dann ist das schon interessant zu sehen, wie verschieden sie sind und auch, wie sich ihr weiteres Leben entwickelt.
Die gefährliche Verschiebung von Vorlieben und geistlichen Maßstäben
Was ich aber betonen möchte, und was hier sehr ernst ist, ist, dass die Liebe des Isaak zu seiner Frau nachlässt und sich seine Liebe ausgerechnet zu Esau verlagert. Wenn er Jakob geliebt hätte, könnte man sagen: Ja, irgendwie gleich und gleich gesellt sich gern. Denn eigentlich entspricht Jakob charakterlich viel mehr dem Isaak als Esau. Esau war nun wirklich das Gegenteil dieses sanften, netten, freundlichen, passiven Isaak. Aber interessanterweise sehen wir, dass Isaak ausgerechnet diesen Esau liebte. Und warum? Tja, weil Wildbret, also ein gutes Essen, nach seinem Munde war.
Esau, der im Hebräerbrief ein Ungöttlicher und Hurer genannt wird, stellen wir uns das einmal vor, zog die Liebe seines Vaters auf sich. Was macht unsere Liebe zu unseren Kindern aus? Hier bei Isaak waren es gemeinsame irdische Interessen. Nun ist das ja nichts Schlimmes, wenn man gutes Essen liebt. Gott, das lesen wir im 1. Timotheus 4,3-5, hat uns das geschenkt, damit wir es mit Danksagung nehmen und uns darüber freuen, solch einen Schöpfer zu haben, der uns eine solche Vielfalt an Nahrung schafft. Darin sehen wir auch die Großzügigkeit und die Liebe Gottes. Wenn wir an die vielen Früchte denken, wenn wir an die vielen Gemüsesorten denken, und ich denke jetzt nicht gerade an Knoblauch und Zwiebeln, wenn man sich an die vielen Düfte, Farben und Geschmäcker erinnert, dann sehen wir doch etwas von dem Reichtum und von der Freundlichkeit Gottes. Er möchte, dass wir das wirklich mit Dankbarkeit zu uns nehmen und uns daran erinnern, welch einen wunderbaren, herrlichen Gott wir haben.
Das sagt uns der 1. Timotheusbrief angesichts von Vegetariern oder anderen Leuten, die verbieten, bestimmte Speisen zu essen: Nein, Gott hat sie geschaffen, damit wir sie mit Danksagung nehmen. Und in Kapitel 6 schreibt Paulus an Timotheus, dass Gott uns alles reichlich darreicht zum Genuss. Ich habe das lange Zeit irgendwie nicht verstanden. Darf man wirklich genießen? Ist das mit der Jüngerschaft vereinbar? Aber das dürfen wir wirklich. In dem Moment, wo wir das, was Gott uns schenkt, auch an irdischen Segnungen mit Dankbarkeit annehmen, dürfen wir uns darüber freuen, dürfen es genießen, aber immer daran denken, dass es aus seiner Hand kommt.
Also, das war nicht das Schlimmste. Aber hier sehen wir, wie doch das Essen, also irdische Genüsse, sein Leben bestimmen und seine geistlichen Interessen verlagern. Und das war das große Problem.
Schluss und Ausblick
Und ich glaube, hier müssen wir aufhören, weil die halbe Stunde vorbei ist. Dann würden wir morgen Vormittag weitermachen.

