"Geistesgaben: Kunst und Musik"
04.11.2012
Serie•Teil 14 / 17Gaben in der Gemeinde
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Die Frage nach Begabung in der Gemeinde
Sind nur die begabt, die vorne stehen und predigen? Oder vielleicht noch ein paar Musiker oder Leute, die an der Technik arbeiten? So, wie man es manchmal sieht, sind das die begabten Leute, und alle anderen sind es eben nicht. Ist es so? Oder ist es so, dass genau das die Botschaft der Bibel wäre: dass Gott jeden, der gläubig wird, jeden, der diesen Schritt wagt, von ganzem Herzen dem Herrn Jesus nachzufolgen, tatsächlich begabt und jeden will? Wir glauben das.
Ich glaube, dass es im Neuen Testament so ist. Ich lese das noch einmal vor: 1. Petrus 4,10. Ich glaube, dass jeder eine Gabe hat. Und das heißt in 1. Petrus 4,10 dann auch für uns, die wir begabte Mitarbeiter in der Gemeinde sind: Wie jeder eine Gnadengabe empfangen hat, so dient einander als gute Verwalter der verschiedenartigen Gnade Gottes.
Also: Jeder hat etwas. Und jetzt geht es darum, das, was man hat, richtig einzusetzen. Das ist das neutestamentliche Ideal von Gemeinde. Jeder bringt sich mit seinen Gaben ein.
Gab es so etwas schon im Alten Testament? Ich sage: ja. Es gab auch im Alten Testament Gläubige, die, begabt durch den Heiligen Geist, bestimmte Aufgaben erfüllt haben. Der Unterschied ist vielleicht: Im Neuen Testament gehört die Begabung zur Standardausrüstung oder zur Standardausstattung des Christen, im Alten Testament war es eher den Sondermodellen vorbehalten. Also: Priester hatten so etwas, Könige hatten so etwas und noch ein paar andere. Es gibt im Alten Testament geistbegabte Menschen, aber nicht jeder ist es. Und es gibt im Neuen Testament geistbegabte Menschen, da ist es tatsächlich jeder.
Ich möchte heute aber, wenn wir über Geistesgaben nachdenken, die unter uns vertreten sein können, einmal ins Alte Testament schauen. Dahinter steckt folgende Idee: Wenn der Geist Gottes Menschen begabt, und wenn wir im Neuen Testament Listen von Gaben haben, dann können wir diese Listen durchgehen. Was wir nicht machen dürfen, ist zu sagen, es gibt nur und genau die Gaben, die wenigstens einmal im Neuen Testament erwähnt sind, so als hätte das Neue Testament einen Ausschließlichkeitsanspruch auf die Verteilung der Gaben.
Ich möchte mit euch heute einmal ins Alte Testament gehen und zwei Gaben heraussuchen, die wir so explizit im Neuen Testament eigentlich nicht finden, die aber, denke ich, weit verbreitet sind und die gerne unter den Tisch fallen, wenn man über Geistesgaben in der Gemeinde nachdenkt.
Eine Gabe für Gestaltung und Schönheit
Die erste Stelle dazu findet sich in 2. Mose, Kapitel 31. Und ich lese die Verse 1 bis 5.
Wollt ihr hier vorne vielleicht doch eine Bibel haben? Also, jetzt ist noch die Chance. Ich würde euch noch ein letztes Mal einladen. Drei, zwei, eins, meins. Okay, wir brauchen drei Bibeln.
Also, ich mache schon mal weiter. Du kannst ihnen ruhig die grossen geben, die können ... ja, ja, okay, die sind eigentlich für unsere Fünfzig-plus-Generation. Ja, aber ihr könnt auch tauschen mit ...
2. Mose 31,1-5. Ich erkläre gleich, worum es geht. Ich lese es erst mal nur vor.
Da heisst es: Und der Herr redete zu Mose und sprach: Siehe, ich habe mit Namen berufen, jetzt kommt so ein Name, den man heute auch nicht mehr so oft verwendet, Bezalel, den Sohn des Uri, des Sohnes Hur, vom Stamm Juda. Und ich habe ihn mit dem Geist Gottes erfüllt, mit Weisheit, Verstand und Können, und für jedes Kunsthandwerk Pläne zu entwerfen, um in Gold, Silber und Bronze zu arbeiten, auch mit der Fertigkeit zum Schneiden von Steinen, zum Einsetzen. Und mit der Holzschnitzerei habe ich ihn begabt, damit er in jedem Handwerk arbeiten kann.
Also, ihr merkt, hier ist ein geistbegabter Mensch, Bezalel.
Der Hintergrund ist: Mose bekommt folgenden Auftrag. Gott zeigt ihm ein himmlisches Heiligtum und sagt: Mach doch mal so etwas Ähnliches auf der Erde. Was brauche ich dafür? Na ja, ich brauche Leute, die Kunsthandwerker sind, die in der Lage sind, etwas schön zu machen. Ich brauche Leute, die begabt sind, vielleicht nicht nur als Kunsthandwerker, sondern ganz allgemein. Leute, die da, wo etwas noch nicht ist, wo etwas so ein bisschen durcheinander ist, etwas daraus machen können, wo man sagt: Boah, das sieht aber cool aus.
Und darüber möchte ich mit euch nachdenken, dass es eine geistliche Gabe gibt, Dinge schön zu machen. Einen Sinn für das Schöne. Die Kraft, die Vorstellungskraft, die man braucht, und die Fähigkeit, Schönes entstehen zu lassen.
Und da spielt es in meinen Augen keine Rolle, ob das ein alttestamentliches Priestergewand ist, wie hier bei Bezalel, oder, ich weiss nicht, ob ihr das mal gesehen habt, beim Kindermusical, so ein schönes, fettes, grosses Bühnenbild, wo du sagst: Boah, passt richtig gut. Oder ob da jemand ist, der es einfach schafft, aus ein paar Blättern, drei Kerzen und ich weiss nicht, so ein bisschen Krimskranz, plötzlich ein Herbstgesteck zu machen und du denkst dir: Wahnsinn. Ja, das waren doch einfach nur so ein paar, ja, ein bisschen Draht, ein bisschen Kerzen, ein bisschen Blätter, so Zeugs, ja.
Irre. Oder Leute, die in der Lage sind, aus so einem plumpen Kuchen so ein Kunstwerk zu machen. Bei Hochzeitstorten hat man das immer wieder, wo man dann davor steht und sagt: Hey, wer hat denn das Ding gemacht? Das ist ja total schick.
Also, mir ist jetzt Wurst. Nicht, dass ihr jetzt immer nur denkt: Ich muss ein Heiligtum bauen. Darum geht es nicht. Es geht darum, dass Leute in der Lage sind, oder dass manche Menschen besonders begabt sind, besonders ein Auge für das Schöne haben. Besonders begabt sind, andere Menschen schönzumachen. Die starten mit etwas Hässlichem oder die starten mit nichts, und am Ende ist da was, und du sagst: Toll.
Und das sind oft Leute, die die Muse haben, sich stundenlang hinzusetzen, um zum Beispiel kleine Herzchen zu schneiden, ja? Wo du sagst: Okay. Oder Herbstgestecke hatte ich schon, ja, Herbstgestecke, Tischdeko bauen. Also solche Sachen, wo nicht nur eine Vorstellung ist, was man alles tun kann, sondern auch die Bereitschaft, sich da zu investieren. Und dann entsteht daraus was. Ich finde das toll.
Also, ich habe das so nicht. Ich bin da ein bisschen grobmotorischer veranlagt. Ich sehe dann, was rauskommt, und finde das ... Also, ich betrete dann zum Beispiel so einen Raum, so einen Hochzeitsraum, den jemand geschmückt hat. Und manchmal gibt es so Momente, da sind wir Hammer, da finden wir die kleinen roten Herzchen und was man da alles hört, die sitzen da überall, und es passt, eins kommt zum anderen.
Aber ich selber habe das nicht. Aber es gibt Leute, die sind so. Die können quasi aus nichts etwas Schönes machen. Und es spielt keine Rolle, ob sie dabei geschickt sind, was weiss ich, mit Stricknadeln. Oder was für mich noch weiter weg ist: so Window-Color-Fläschchen. Ich weiss nicht, ob ihr das mal gesehen habt, was man da so machen kann. Oder ob sie den Umgang mit Tonpapier beherrschen oder allgemein so dieses Zusammenspiel verstehen aus Farben, aus Formen, aus ... Ja, ich hatte da schon so ein bisschen im Moment wieder gerade Blätter und Kerzen, wie das zusammengehen kann.
Da gibt es Leute, die haben ein Händchen, einen Raum zu gestalten. Das ist einfach so. Du kommst rein und du fühlst dich gleich wohl. Es gibt Leute, die machen dir einen Garten, wo du reingehst und sagst: Boah, sieht das cool aus. Also, ich meine jetzt so einen Garten, wo man nicht nur drüber mäht und das war es dann, sondern wo du reingehst und sagst: Ja, da hat jemand wirklich mitgedacht. Und nicht nur mitgedacht, dass das, ja, sondern es einfach ... du fühlst dich gleich wohl. Es hat so einen romantischen Flair und es hat einfach einen praktischen Flair.
Solche Typen, Leute, die in der Lage sind, was weiss ich, in einem Kleid mit der passenden Kette den richtigen letzten Schliff zu geben. Also, vorher sahst du auch schon schick aus, und dann legt dir jemand so ein Kettchen an und du denkst: Boah. Oder die richtigen Ohrringe dazu, keine Ahnung. Solche Typen meine ich jetzt, die einfach in der Lage sind, etwas zu schaffen, sich etwas auszudenken, kreativ zu sein. Von mir aus irgendwie ein ... Es ging an so kleine hippe Computer, die man ja auch irgendwann mal konstruiert haben muss. Irgendjemand muss sich da mal den Kopf gemacht haben: Wie bauen wir so kleine hippe Computer?
Ich suche die Kreativen, die handwerklich Geschickten, die man vielleicht Designer nennt. Und diese Typen sind Leute, die begabt sind. Was ich sagen will, ist: Es ist eine Gabe, wenn man kreativ ist und wenn man unter der Leitung des Heiligen Geistes seine Gabe einsetzt für Gemeinde.
Und ich glaube, es ist eine Gabe, die schnell hinten runterfällt. Es ist vielleicht sogar eine Gabe, die ein bisschen belächelt wird. Ich weiss noch meine manchmal fiesen Sprüche über Bastelkreise. Ich weiss nicht, ob ihr den Spruch kennt. Wisst ihr, wie Frauenfrühstück und Bastelkreis zusammengehören? Erst isst man die Frauen, dann bastelt man sich eine.
Okay, gut, er ist nicht angekommen.
Gott liebt Schönheit. Darf ich das noch mal sagen? Gott liebt Schönheit, und er begabt Menschen damit, dass man ihn als einen kreativen Gott erleben kann.
Wenn jetzt jemand sagt: Wo fängt die natürliche Gabe an, und wo fängt die geistliche Gabe an? Ich kann das nicht sauber voneinander trennen. Ich will das auch gar nicht. Was ich machen möchte, ist: Ich möchte Mut machen, dass die unter uns, die kreativ sind, dass sie das als eine Gabe verstehen und als eine Gabe, mit der sie anderen nützlich werden können.
Und wie funktioniert das? Wie werde ich mit dieser Gabe anderen zum Segen? Auf folgende Weise: Wenn es stimmt, dass Gott kein sachlicher Gott ist, also nicht so ein nüchterner Gott, der sagt: Ich schaffe eine Welt in Schwarz-Weiss, das reicht. So wie uns die ersten Fernseher, die auf den Markt kamen, das hätte ja auch gereicht. Und ich mache den Menschen. Da gibt es so eine Sorte, und damit man die unterscheiden kann, kriegen die so einen Prägestempel, und den nummerieren wir einfach durch. Wäre ja auch eine Option gewesen. Dann hätten wir, weiss ich nicht, dann wäre Boris immer noch Boris, ja, und er würde halt aussehen wie ich. Oder andersrum. Und wir hätten einfach eine Nummer.
Das macht Gott nicht. Gott ist nicht in dieser Weise sachlich. Er ist tatsächlich ein absolut verschwenderischer Gott. Du gehst durch diese Welt. Hast du dir mal angeschaut, wie das mit den Farben und den Formen in dieser Welt funktioniert? Also, wie Gott auf der einen Seite mit Gegensätzen arbeitet. Du hast da so einen Paradiesvogel, du schaust hin, und es flimmert nur noch vor deinen Augen, so bunt ist das Ding. Und auf der anderen Seite hast du so diese Experimente Ton in Ton, jetzt so ein Spaziergang durch einen Herbstlaubwald. Wo das so anfängt, so ganz langsam so ein bisschen zu verfliessen. Es ist noch ein bisschen grün, und es wird schon langsam braun und geht vielleicht ins Gelb-Rot, und du denkst dir: Boah, das wäre der Hammer. Also, ich finde das so irre. Paradiesvogel, Herbstwald, und dazwischen gibt es alles. Es gibt einfach alles.
Wenn Gott kreativ ist, dann findet er das einfach ... Ich finde, seine Kreativität ist absolut unerschöpflich. Wenn du mir nicht glaubst, schau dir einen Tierfilm an. Also, ich bin jetzt nicht so der grosse Tierfilmfanatiker, aber schauen Sie sich die einfach mal an, ja. Ab und zu kann man sich das mal geben, und dann sieht man da ... du schaust dir nur so ein komisches Ding an, ja, Hammer, einfach der Hammer. Du siehst das, und du kannst das dümmste Tier nehmen, was dir einfällt, ja, was weiss ich, Spatzen. Er hat irgendwas genommen, was uns vielleicht nicht so ins Auge sticht. Und in dem Moment, wo ich mich mit ihnen beschäftige, in dem Moment, wo ich sie mir genauer anschaue, in dem Moment, wie ich erlebe, wie die miteinander ... Wahnsinn! Einfach nur, ja, da hast du dann wieder so Nahaufnahmen im Nest, weisst du, wenn die Kleinen ... und dann kommen die alle da. Du wirst richtig sentimental, wenn du das mitbekommst.
So kreativ macht Gott das. Gott schafft absolut Beeindruckendes. Er zeichnet Bilder, die sich ganz tief in die Seele brennen. Ich glaube, jeder von uns hat das schon wenigstens einmal erlebt. So ein ganz simpler Sonnenuntergang. Du hast schon tausend Sonnenuntergänge gesehen, aber es gibt so Sonnenuntergänge, wenn du gerade mal Luft hast und du kannst dich da hinsetzen, und dann geht die Sonne unter wie die letzten Tage auch. Sie geht unter, und du siehst dieses Bild. Und vielleicht magst du rote Sonnenuntergänge, vielleicht magst du sie mit tief hängender Wolken ... denke, oder keine Ahnung. Du siehst das und sagst: Boah. Eigentlich sagst du gar nichts mehr. Du fängst an zu staunen, und du merkst: Da packt mich was. Und da will mich etwas nicht nur packen, es will mich nicht nur faszinieren, sondern ich merke: Hinter diesem Bild, hinter dem, was ich da an Schönheit erlebe, dahinter begegne ich eigentlich noch einer grösseren Dimension.
Schönheit will, wenn man sie richtig geniesst, uns eigentlich direkt in die Anbetung bringen, weil Schönheit ein Ausdruck der Majestät Gottes ist. Es geht beim Erleben von Schönheit nie nur darum, einfach etwas schön zu finden, sondern es geht immer auch darum, Gott selber und Gottes Herrlichkeit und damit Gott zu geniessen. Das ist eigentlich: Wenn wir Schönheit sehen, sehen wir etwas von Gott.
Und deswegen sind Menschen, die in der Lage sind, die von Gott begabt sind, etwas schön zu machen, die aus einem Frühstückstisch ... also wenn ich meinen Frühstückstisch decke, ist das relativ simpel. Ich packe das alles in die Mitte, und ich türme das auch übereinander, wenn es sein muss, weil ich der funktionale Typ bin. Bei mir müssen bestimmte Sachen da stehen, und wenn sie da stehen, ist gut. Punkt.
Und dann gibt es Leute, die machen das einfach so, dass du dich da dransetzen und sagst: Boah, ist das herrlich. Das ist irgendwie noch mehr. Und diese Menschen, die dazu in der Lage sind, etwas schön zu machen, die bringen Gottes Herrlichkeit in unser Leben.
Und jetzt wird vielleicht der eine oder andere sagen: Jürgen, mal ganz ehrlich, bist du nicht der Typ gewesen, der sich immer bei diesen kitschigen Karwohl-Postkarten ... also kennt ihr diese Postkarten aus dem Karwohl-Verlag, Bibelfers, gruseliges Bild dahinter? Nicht bei allen, aber bist du nicht der, der da immer abgelästert hat? Da sage ich: Ja.
Wenn ich davon rede, dass es die Gabe gibt, etwas schön zu machen, wenn ich sage, Kunst kann geistlich inspiriert sein, Kunst ist dazu da, Gott Gott zu zeigen. Wenn das so ist, dann gibt es neben Kunst auch Kitsch. Ja, das ist halt einfach so.
Wenn du sagst: Wo ist Anita? Anita, du hattest mal so einen Tiger bei dir in der Wohnung hängen, der war so Malen nach Zahlen, nicht wahr? Also, ich wollte jetzt niemandem zu nahe treten, aber wenn Tinker sich hinstellt und sagt: Ich habe auch schon mal einen Tiger gemalt. Ja, genau. Also vielleicht nicht jedes Bild, was man per Malen nach Zahlen zu Ende gebracht hat, ist ein Beleg dafür, dass man ein verkannter Rembrandt ist.
Und trotzdem, weil es Leute gibt, die sich vielleicht für begabt halten, aber es nicht sind, heisst das noch lange nicht, dass es die Gabe nicht gibt. Und nur weil jemand vielleicht so tut, als ob, heisst das nicht, dass es nicht Menschen gibt, die Gott ganz bewusst in Gemeinden hineinsetzt, um Dinge schönzumachen.
Und wir merken das ja auch. Ich meine, da kommt Linda jeden Sonntag und bringt uns Blumen mit. Ich glaube nicht, dass sie übermässig viel Dankeschön dafür kassiert hat in letzter Zeit, weil wir sind sowieso an dieser Stelle nicht so euphorisch. Und das ist so ein Dienst, den zieht man so: Aha, jetzt kommen wieder die Blumen, ja, gut dran.
Der Punkt ist: Warum macht man sowas? Also warum werden die meisten von uns wahrscheinlich an einem Blumenladen vorbeilaufen können, ohne sich die Frage zu stellen, sollte ich am Sonntag noch mal was in die Gemeinde mitbringen? Also, ich habe mich das noch nie gefragt, gebe ich offen zu. Und es hat was mit dieser grundsätzlichen Einstellung zu tun. Will ich etwas? Habe ich ein Händchen? Habe ich einen Wunsch dafür, etwas schön zu machen?
Und immer, wenn ich sowas spüre, wenn ich merke: Boah, ich bin da anders gepolt als die anderen, dann ist das etwas, wo ich darüber nachdenken kann, ob Gott mich an der Stelle begabt.
Erste geistliche Gabe für heute: Kunsthandwerk.
Ich will eine zweite noch vorstellen, die auch im Alten Testament steht und von der wir im Neuen Testament ein bisschen mehr lesen, aber auch nicht so wirklich viel.
Musik als geistliche Ausdrucksform
1. Chronik 25
Manchmal wäre ich gerne König. Dann könnte man sich nämlich viele Vollzeitler einfach leisten, die Musik machen können.
Und ich lese euch jetzt mal vor, was der gute David an dieser Stelle einfach macht. Der will auch Gottesdienst, und er braucht im Gottesdienst ein bisschen Musik. Also stellt er halt so ein paar Leute dafür an, um genau zu sein 288.
Also wenn ihr dachtet, wir hätten heute viele auf der Bühne: 288 Leute, die im Gottesdienst etwas machen?
1. Chronik 25,1 Und David und die Obersten des Heeres sonderten die Söhne Asafs und Hemans und Jeduthuns zum Dienst aus, die auf Zimbeln, Harfen und Zithern geisterfüllt spielten.
Da haben wir es wieder: Leute, die unter der Leitung des Heiligen Geistes Musik machen, geisterfüllt spielen.
Und ich lese weiter in Vers 6:
Alle diese spielten unter der Leitung ihrer Väter, Asaph und Jeduthun und Heman, beim Gesang im Haus des Herrn, auf Zimbeln, Harfen und Zithern, für den Dienst im Haus Gottes nach der Anweisung des Königs. Und es war ihre Zahl mit ihren Brüdern, also davor stand noch etwas in Vers 5 von den Töchtern, deswegen: mit ihren Brüdern, und es war ihre Zahl mit ihren Brüdern, die im Gesang für den Herrn geübt waren, alles Meister, zweihundertachtundachtzig.
Wow, das ist schon etwas. Du willst gerne ein bisschen Gottesdienst machen, und du bringst ein ganzes Heer von Musikern in Stellung.
In einem doppelten Sinn bringen diese Leute Qualität mit. Das soll euch jetzt noch nicht frustrieren, aber es ist so eine Perspektive. Erstens: Die konnten ihr Instrument spielen, es waren Meister. Zweitens: Sie waren erfüllt vom Heiligen Geist. Das heißt, sie waren so aufgestellt, geistlich aufgestellt, dass der Geist Gottes durch sie hindurch spielen konnte.
Wenn wir uns das Thema kurz anschauen: Lieder und Gesang sind etwas, worüber man selten predigt. Und ich dachte, ich kann einfach mal fünf bis zehn Minuten darauf verwenden, darüber etwas zu sagen.
Lieder und Gesang spielen in der Bibel eine riesige Rolle. Und nicht nur, weil wir über hundertfünfzig Lieder, nämlich die Psalmen, überliefert bekommen haben.
Lieder sind ein Zeugnis von der Stärke Gottes.
Wenn du dich fragst, wo tauchen in der Bibel Lieder auf, dann zum Beispiel in 5. Mose 31,19. Mose ist dabei, sich von dem Volk Israel zu verabschieden. Und was hinterlässt Mose dem Volk? Er möchte sie warnen. Er weiß, das ist nicht so einfach, dass sie den Weg zu Ende gehen. Was hinterlässt er ihnen?
5. Mose 31,19 Und nun schreibt euch dieses Lied auf und lehre es die Söhne Israel, lege es in ihren Mund, damit dieses Lied mir zum Zeugen gegen die Söhne Israel wird.
Spannend, oder? Mose weiß: Ich werde sterben, das Volk soll sich an das erinnern, was ich will. Und er sagt, Gott gibt ihm den Auftrag: Schreib ein Lied und bring dem das Lied bei.
Oder an anderer Stelle in Richter 5,1: Gerade ein Riesensieg errungen worden gegen eine Invasionsarmee. Und was macht man, damit man das nicht vergisst? Was kann ich tun, wenn Gott auf eine ganz großartige Weise seine Stärke in meinem Leben oder im Leben unserer Gemeinde, wenn Gott da seine Stärke offenbart, was kann ich tun?
Debora und Barak sangen an jenem Tag folgendes Lied.
Die haben ein Lied geschrieben und haben das dann gesungen. Spannend, oder?
Ein Lied ist dazu da, dass wir uns immer daran erinnern, wer Gott ist und was Gott von uns möchte.
Ein Lied ist dazu da, und das ist ein zweiter Punkt, wofür Lieder da sind: ein Ausdruck von Freude und Lob. Ist eigentlich logisch, oder? Also ich singe ja ein Lied meistens nicht so, sondern irgendwie, ja, da ist dann eher so: mach ein bisschen lauter, ein bisschen mehr Drums und ein bisschen, ja, lass mal ein bisschen die Gitarre singen, ja, lass mal ein bisschen ...
Das ist ja die Richtung. Und das ist auch in der Bibel so.
1. Chronik 13,8 lesen wir das zum Beispiel, ganz tolle Sache: Der König David möchte die Bundeslade, das ist so ein Stück aus dem Tempel oder ein Stück aus dem Heiligtum, so ein Kasten, der eine besondere Rolle spielt, möchte er nach Hause bringen, wieder zurückholen. Die war verloren gegangen.
1. Chronik 13,8 Und David und ganz Israel tanzten vor Gott mit aller Kraft, mit Liedern und mit Zithern und mit Harfen und mit Tamburin und mit Zimbeln und mit Trompeten.
Da gibt es etwas zu feiern, und die richtige Antwort auf Feiern lautet, das steht übrigens im Text mehrfach laut: Die Antwort auf Freude ist, lass es krachen, mach richtig Musik! Nicht nur so mit so einer kleinen Blockflöte geht einer vorne weg, sondern richtig, hier habt ihr gelesen: Tamburine, Pauken, Trompeten, damit man es auch richtig weit hört.
Das ist die Funktion von Liedern. Lieder sind dazu da, dass wir uns freuen, dass wir Freude zum Ausdruck bringen.
Entsprechend heißt es in den Sprüchen auch:
Sprüche 25,20 Einer, der das Oberkleid ablegt am Tag der Kälte oder Essig auf Natron, so ist es, wenn einer einem traurigen Herzen Lieder singt.
Sprüche 25,20
Es ist einfach absolut sinnlos und absolut blöd. Wenn jemand einem traurigen Herzen, wenn du niedergeschlagen bist, du hängst da gerade in deiner Depristimmung und möchtest eigentlich ein bisschen vor dich hin trauern, und dann kommt einer und sagt: „Komm, lass mal richtig Party machen!“
Das heißt: Nein, das ist jetzt in diesem Moment nicht passend. Es mag Situationen geben. Es gibt zum Beispiel auch Lieder, die eine seelsorgerliche Bedeutung haben.
David ist einer, der vor Saul, wenn so ein Geist über ihn kam, der ihn geängstigt hat, wenn er Angst bekam, er hatte da anscheinend so innere Angstmomente, da hat es geholfen, dass David mit der Harfe spielt.
Lieder haben eine psychologische Bedeutung. Wenn wir singen, wenn wir Musik hören, das tut uns gut. Und trotzdem gibt es auch Momente, wo man sagt: Jetzt möchte ich kein Lied haben, weil wenn ich so richtig traurig bin, dann passt es nicht.
Es passt deshalb nicht, weil ein Lied im Allgemeinen in der Bibel ein Ausdruck von Freude und Lob ist. Wir feiern Gott für das, was er tut. Lieder bringen Freude zum Ausdruck.
Und jetzt haben wir ein Problem. Vielleicht steinigt ihr mich für das Problem, aber es ist halt trotzdem da.
Das Problem geht etwa so: In den letzten hundert Jahren ist das Singen als Ausdruck von Freude verloren gegangen.
Was denkt ihr? Was ist in den letzten hundert Jahren in der Musik anders geworden? Einmal das Kommerzding, richtig. Aber was ist davor passiert?
Wir haben in den letzten hundert Jahren einen Switch. Vorher hat man ganz selten Musik gehört, man hat eher selber Musik gemacht. Man hat selber gesungen, man hat selber ein Instrument gespielt, man hat zu Hause miteinander musiziert. Und irgendwann fing das dann an. Da kam so eine schwarze Scheibe, so Schallplatte. Irgendwann wurde aus der schwarzen Scheibe eine silberige Scheibe, CD, und irgendwann wurde aus der silberigen Scheibe bunte kleine Vierecke oder so Kästen, ja, MP3-Player.
Diese Entwicklung in den letzten hundert Jahren hat mit uns etwas gemacht. Man hat immer weniger selber gesungen, und man hat immer mehr angefangen, Musik zu konsumieren. Man ist immer passiver geworden. Aus dem Sänger ist ein Hörer, ein Zuhörer geworden. Und damit ist etwas ganz Grundlegendes verlorengegangen, nämlich Singen als Ausdrucksmittel unserer Freude.
Ich glaube, wir singen nicht mal mehr in der Badewanne richtig oft. Es wird einfach kaum mehr richtig gesungen. Und wenn ich dann mit Leuten rede: Wie geht es dir mit dem Singen? Ich kann nicht singen.
Und ich denke, es ist irgendwie schade. Stimmt es denn, dass man nicht singen kann?
Darf ich dir eine Frage stellen: Wenn du diese Haltung hast, ich kann nicht singen, würdest du singen, wenn ich dir zeigen könnte, dass Gott es will und dass es dir gut tut? Würdest du, wenn ich dir das von der Bibel her zeigen könnte, dass Gott möchte, dass du singst und dass es dir richtig gut tut, würdest du dann singen?
Das Problem ist nämlich: Du hast gar nicht so viele, du hast nicht unendlich viele Möglichkeiten, deiner Freude Ausdruck zu verleihen im Leben. Und Singen ist da eine Möglichkeit.
Und ich möchte dich jetzt nicht frustrieren, und ich habe auch keine Lust, so einen Zeigefinger zu erheben und zu sagen, du musst aber. Aber ich möchte dir zeigen, dass es in der Bibel ein Singegebot gibt.
Ich hoffe, ich erschrecke euch nicht, es gibt ein Gebot zu singen. Vielleicht dachtest du immer, es ist ein Gebot, nicht zu lügen, nicht zu klauen und solche Sachen. Es gibt ein Gebot zu singen.
Und alle die, die so wie ich, wenn sie den Mund aufmachen und singen, immer gern jemanden neben sich stehen haben, an dem man sich orientieren kann, wenn man ein bisschen rüberhören kann und sagen: Was macht der denn da?
Manche Gebote erschrecken uns, das ist so ein Gebot, wo ich persönlich sage: Aber ich zeige es euch trotzdem.
Da heißt es in Jakobus 5,13: Leidet jemand unter euch, er bete! Ist jemand guten Mutes, er gehe in die Dönerbude. Nein, das steht nicht da. Ist jemand guten Mutes, er singe Psalmen.
Das Gebot, was hier steht, ist: Du leidest, fang an zu beten. Also wenn es dir nicht so gut geht, nimm dir die Zeit zum Beten. Du bist gut drauf? Okay, Freund, wenn du gut drauf bist, dann lass es raus. Fang an zu singen!
Hm, was soll ich sagen? Hier steht das ja. Was soll ich tun?
Wenn wir das tun, stellen wir fest, dass die Bibel dem Singen noch mehr Bedeutungen zuordnet. In Kolosser 3 gibt es eine ganz enge Verbindung zwischen Singen, zwischen Liedern und Lehre. Lieder und Lehre gehören ganz eng zusammen.
Da heißt es in Kolosser 3,16: Das Wort des Christus wohne reichlich in euch in aller Weisheit, lehrt und ermahnt euch gegenseitig mit Psalmen, Lobliedern und geistlichen Liedern; singt Gott in euren Herzen in Gnade.
Ich traktiere euch nie mit Griechisch, aber an dieser Stelle ist ziemlich schwierig, von der Auslegung her genau zu sehen, ob die Funktion der Lieder nicht auch Lehre enthält. Das heißt: Lehre, ich will etwas lernen, ich gebe einen Inhalt weiter. Und Lieder, ich bringe das auf eine Weise rüber, die richtig Spaß macht.
Lehre und Lieder gehören ganz eng zusammen. Ich habe das mal gehört, dass die Feinde von Luther mehr Angst vor seinen Liedern als vor seinen Predigten hatten. Und es ist klar: Wenn du eine Botschaft in den Liedtext verpackst und da drumt, ja, das ist einfach super.
Also, wenn wir vor dem Schlafengehen, in der U-Bahn, eine Predigt kannst du manchmal nicht hören, aber so ein Lied, das funktioniert einfach. Und wenn du dann einfach so eine schöne Botschaft bringst, Hammer!
Und deswegen: Lied und Lehre und noch mehr auch Lied und Heiliger Geist.
Wenn wir voll Heiligen Geistes werden wollen, wenn wir Gott und wenn wir seinem Geist Raum geben wollen in uns, in Epheser 5, da heißt es in Vers: Werdet voll heiligen Geist. Ja, wie mache ich das denn? Wie schaffe ich das, dass ich quasi offen dafür bin, dass der Geist Gottes durch mich hindurch wirken kann? Was braucht es quasi für eine Voraussetzung dafür?
Und die Antwort ist: Werdet voll heiligen Geist, indem ihr zueinander in Psalmen und Lobliedern und geistlichen Liedern redet und dem Herrn mit eurem Herzen singt und spielt.
Also irgendwie: Unser Gespräch miteinander, ich weiß jetzt nicht, wie ich mit dir mit Psalmen, also ich singe dich an, hallo, hoho, und du singst zurück. Wahrscheinlich geht es ja ein Stück mehr um die Inhalte. Aber wir merken, dass die Inhalte dieser Lieder, dass dieser Umgang mit Liedern und dieses innerlich auf Singen und Spielen getrimmt sein, also durchs Leben gehen.
Und ich fasse mal so ein bisschen sowas Leichtes: Das sind jetzt nicht nur die Künstlertypen, die hier gemeint sind, sondern wir alle dürfen so ein bisschen beschwingt und nicht nur, weil wir einen MP3-Player drin haben, sondern im Herzen soll das sein, nicht im MP3-Player. Es darf in uns sein und es darf so ein bisschen mitgehen. Es darf so ein bisschen ein ganz kleines bisschen easy busy, Friede, Freude, Eierkuchen, einfach ein bisschen Nettigkeit.
Und wo das der Fall ist, wo wir so ein bisschen beschwingt durchs Leben gehen, weil uns Lieder prägen, weil uns Musik und Poesie und Schönheit für die Ohren umgibt, an der Stelle, warum auch immer, gelingt es dem Geist Gottes mehr, uns zu erfüllen, mehr zu gebrauchen, mehr so zu verwenden, wie er das möchte.
Vielleicht ist es so ähnlich wie bei David und Saul, dass tatsächlich da, wo wir anfangen, Lieder in unser Leben hineinzuholen, das Böse einfach keinen Raum mehr hat. Weil wenn ich mir anfange, über schöne Dinge Gedanken zu machen, dann mache ich mir in dem Moment keine Gedanken über die Dinge, die mich ängstigen, die nicht so schön sind. Vielleicht geht es in die Richtung.
Ich kann es euch noch nicht genau erklären, aber ich merke einfach: Wenn ich mir die Frage stelle, wo wohnt Gottes Kraft, dann in einem Herzen, das singt und spielt.
Und was hier anfängt, wir könnten jetzt in die Offenbarung reinschauen, ja, du schaust dir in der Offenbarung an, was machen die Heiligen da? Die stehen bei Gott vor dem Thron und sie singen.
Ja, also für den Fall, dass du sagst, ich kann nicht singen: Du wirst es lernen. Die Frage ist, ob jetzt oder später.
Und deswegen schlag mal bitte Psalm 33 auf. Deswegen kann im Psalm 33 der Psalmist auch Folgendes formulieren im Blick auf Lieder. Er kann sagen:
Jubelt, auch wieder so ein Singegebot, jubelt ihr Gerechten über den Herrn. Schön, jubelt über den Herrn. Also jubelt, jubelt den Aufrichtigen ziemt Lobgesang. Wenn du ein Aufrichtiger, ein Gerechter bist, wenn du einer bist, der zu Gott gehört, dann ist es richtig, dann ziemt es sich, dann gehört es sich, dass du Gott singst.
Ist das ein komisches Ding? Also fand ich merkwürdig, als ich das das erste Mal gelesen habe. Aber dann habe ich weiter gelesen.
Das war Psalm 33,1. Vers 3: Singt ihm ein neues Lied.
Das fand ich gut. Singt ihm ein neues Lied. Also, die Gläubigen sind Leute, die singen in der Bibel, aber sie singen keine alten Kamellen. Mindestens fünfmal in der Bibel heißt es: Singt dem Herrn ein neues Lied.
Ich habe mich gefragt, warum. Mag Gott diese alten Lieder nicht, die überall drinstehen? Ist das ein Problem? Wahrscheinlich nicht. Ich glaube, es ist so, dass wenn es stimmt, dass ein Lied, das ich singe, Ausdruck meiner persönlichen Gotteserfahrung ist, dann muss ich aufpassen, dass die Lieder, die ich singe, auch wirklich mein Leben widerspiegeln.
Von guten Mächten wunderbar geborgen, erkennt er, ja, über fünfzig Jahre alt, Bonhoeffer-Text, geschrieben im KZ. Sorry, ich mag das Lied, aber die damit verbundene Emotion, wie sich jemand fühlt, der alleine Weihnachten feiert, in einer kleinen Zelle, und der weiß, dass draußen seine Familie ist und dass er womöglich das nächste Weihnachten nicht mehr erlebt. Sorry, das ist nicht meine Emotion.
Ich mag das Lied und ich mag die Vertonung, aber das bin nicht ich. Ich kann das mitsingen und ich kann irgendwo versuchen, mir da so ein bisschen was rauszuziehen. Aber wenn ich ganz ehrlich bin, ich wünsche mir Lieder, die mein Leben widerspiegeln. Die das widerspiegeln, was wir heute, ein halbes Jahrhundert später, nach einer Wiedervereinigung erleben, die am letzten Ende nur eines bewirkt hat: dass ein Aufbruch, der in den Kirchen gestartet ist, in einem gruseligen Atheismus gelandet ist.
Ich wünsche mir diese Situation in Liedern aufgegriffen. Ich wünsche mir die Hoffnungslosigkeit unserer Generation eingefangen in Lieder, eine Hoffnungslosigkeit von Menschen, die glauben, alles besser zu wissen, und die es nie sehen können, dass ihr Leben Stück für Stück den Bach runtergeht, die mit langen, ausgestreckten Fingern auf die letzten Fundamentalisten zeigen und ihnen auch noch versuchen, alles madig zu machen, überhaupt nicht begreifen, dass sie dabei sind, ein Erbe zu verspielen.
Wo am anderen Ende, wenn man den Weg zu Ende denkt, etwas total Gruseliges lauert, wo ich mir denke: Boah, wir laufen auf etwas zu. Wenn sich das manifestiert, wenn das Gestalt gewinnt, dann hoffe ich persönlich, dass ich und meine Nachkommen nicht mehr auf dieser Erde leben.
Ich habe wirklich Respekt vor der Zukunft, ich habe Angst vor dem, was kommt, weil ich merke, wir kriegen diese bösen Ströme, wir kriegen sie einfach nicht gepackt. Es wächst und wächst, und es wird dunkler und dunkler. Worüber man vor zwanzig Jahren noch geschrien hat: Das kann man doch nicht tun! Heute wird es offen diskutiert, und morgen wird es getan werden.
Wir sind eine kleine Kraft als Christen, wir sollten Salz und Licht sein. Ich habe den Eindruck, es geht langsam vorbei mit dem Salz-und-Licht-Sein. Ich weiß nicht, woran es liegt. Vielleicht ist dieses christliche Abendland erledigt, vielleicht hat Gott gesagt: Die nächsten vierhundert Jahre Dunkelheit. Ich weiß es nicht.
Ich wünsche mir Erweckung bis zum, also ich wünsche es mir wirklich. Ja, ich habe am Samstag vor einer Woche mit jemandem gesprochen, der sagt, im Mai 2015 findet Erweckung in Deutschland statt. Und ich dachte mir: Boah, ich möchte es glauben. Und ich freue mich darauf, wenn du recht hast. Ich werde dafür beten, dass du recht hast. Ich habe mir aber vorsichtshalber auch eine Notiz gemacht für Ende 2015, wenn es nicht passieren sollte, nochmal nachzufragen, was das dann war.
Erweckung heißt, dass ganz viele Leute zum Glauben kommen, dass nicht so wie heute die Kirchen leer sind, sondern dass die Kirchen voll sind, dass du Stadien füllen kannst mit Menschen, die Gott begeistert anbeten.
Wir brauchen neue Lieder. Wir brauchen sie, weil wir in einer anderen Zeit leben. Und ich möchte eigentlich ein Stück weit unsere Musiker herausfordern, neue Lieder zu schreiben.
In Psalm 98,1 heißt es: Singt dem Herrn ein neues Lied, denn er hat Wunder getan. Gott tut heute Wunder. Wunder im Herzen von Menschen, Wunder in Gemeinden, und wir brauchen Lieder, die das widerspiegeln.
Und ich möchte euch ein Zeugnis geben. Ich habe diese Predigt gestern vorbereitet, und ich habe gemerkt: Boah, die letzte Woche war irgendwie eine ganz wilde Woche. Ich hatte zu wenig Zeit mit Gott. Und dann bin ich, es gibt für mich so ein Gebet, das heißt Hackepeter-Brötchen beten.
Also, ich laufe dann von mir aus los hoch nach Niederneuendorf, kaufe mir auf der Hälfte meiner Gebetsstrecke drei Hackepeter-Brötchen und dann gehe ich wieder zurück. Hackepeter-Brötchen beten.
Ich habe dann so zweieinhalb, drei Stunden alleine mit Gott im Wald und kann einfach mal in Ruhe alles das sagen, was ansteht. Und dann habe ich mittendrin, weil ich ja diese Predigt geschrieben habe, gedacht: Ich habe lange nicht mehr für mich gesungen, beim Beten gesungen.
Jetzt bin ich echt nicht der Begeisterte, also nicht, dass jemand denkt: Ja klar, wenn Jürgen singt, vergiss es. Ich bin dann immer froh, wenn keiner so richtig zuhört. Aber ich habe dann so angefangen, für mich die Dinge zu singen, die mir in den Kopf gekommen sind, keine Lieder, die ich mal gelernt habe, sondern das, was ich in diesem Moment gedacht habe, einfach mal rauszulassen.
Und es war so befreiend für meine Seele, einfach Gott zu singen. Und deswegen wünsche ich mir, dass wir zu Menschen werden, die dem Singen selber eine große Bedeutung beimessen, so wie es dann in Psalm 144 auch heißt:
Gott, ein neues Lied will ich dir singen, auf der Harfe von zehn Saiten will ich dir spielen.
Und dann, wenn der Gleiche, der das sagt, ich will dir ein neues Lied singen, der sagt zwei Verse danach: Reiß mich heraus und errette mich.
Merkt ihr: Ich singe ein Lied nicht nur im Rückblick auf das, was Gott alles getan hat, sondern neue Lieder haben eine Kraft, die mich beflügeln, nach vorne zu schauen und zu sagen: Herr, ich sing dir jetzt ein neues Lied, weil ich will mich an dir freuen, und jetzt, Herr, bitte rette mich.
Das ist die Idee von Liedern in der Bibel. Lieder wollen mehr sein als Lehre, sie wollen mich doppelt ansprechen, intellektuell auf der einen Seite und emotional.
Ich genieße Lieder, ich genieße gute Lieder. Wenn mich so ein Lied richtig packt, nimmt es mich mit und fasziniert mich auf eine viel stärkere Weise, als es eine Predigt alleine kann.
Und deshalb, damit das in Gemeinden passiert, dass Menschen so auch angesprochen und belehrt werden und gepackt werden, hirn- und herzmäßig, deshalb brauchen wir begabte Christen, die uns mit ihrer Gabe das Singen beibringen, die uns zum Singen animieren, die uns die Erfahrungen, die wir machen, in Worte und Musik zusammenfassen, indem sie ein paar neue Lieder schreiben.
Und so etwas Ähnliches vermute ich hinter 1. Korinther 14,26. Da wird beschrieben, wie in Korinth ein Gottesdienst stattfindet. Und da heißt es:
1. Korinther 14,26 Was ist nun, Brüder, Geschwister gemeint, was ist nun, Geschwister, wenn ihr zusammenkommt, so hat jeder einen Psalm.
Also die Leute treffen sich, und sie bringen etwas zum Gottesdienst mit. Alles andere, was hier in dem Vers steht, an anderen Dingen, die Leute mitbringen, sind bekannte Geistesgaben, sogar besondere Geistesgaben, auffällige Geistesgaben, nämlich Sprachenrede, Offenbarung, Auslegung, diese Dinge, Lehre.
Und dann steht in dem Psalm, und ich glaube, dass das, was hier gemeint ist, dass Leute unter der Leitung des Heiligen Geistes, weil sie die Gabe haben, neue Lieder zu schreiben, in den Gottesdienst kommen und der Gemeinde diese Lieder vorstellen.
Ich denke, dass mit dem Wort Psalm das gemeint ist, was an anderer Stelle mit Psalmen, Lobliedern und geistlichen Liedern beschrieben wird. Jemand schreibt ein Lied und bringt es mit. Und es ist nicht ein Lied, das groß vielleicht für alle ist, sondern es ist ein Lied für die eine Gemeinde, vielleicht sogar für den einen Gottesdienst. Das ist ein Lied, wo man merkt, da steckt wirklich der Heilige Geist dahinter, und er hat uns durch dieses Lied etwas zu sagen.
Wir brauchen solche Leute, die das können, die uns da mit hineinnehmen in Musik als einen Ausdruck von Freude.
Mich fordert das heraus, ich habe gemerkt, ich singe zu wenig, wir müssen das ändern. Wir haben vorgenommen, mir ein paar Liederbücher zu kaufen, um wieder mal ein bisschen zu singen. Okay, ich weiß nicht, was ihr damit macht.
Risiken für begabte Künstler und ein Gebetsanliegen
Ich möchte zum Schluss noch sagen: Wo liegen die Gefahren bei diesen Typen? Ich habe euch zwei begabte Gemeindeleute vorgestellt. Da ist einmal der Kunsthandwerker, der etwas schön macht, da ist einmal der Musiker. Beides sind Künstler. Wo liegt die Gefahr bei Künstlern? Vier kleine Gefahren, ganz schnell.
Erstens: Die große Gefahr ist, dass jemand, der Künstler ist und etwas gut kann, es nicht zur Ehre Gottes macht, sondern irgendwann so ein bisschen zum Star wird. Dann geht es weniger darum, Gott zu dienen und der Gemeinde zu dienen, sondern mehr um sich selbst. Dann wird die Gabe zum Götzen. Man strebt vielleicht Perfektion an, statt einfach Exzellenz. Und dann geht auch sehr viel Zeit in Dinge, also auch ins Üben und Vorbereiten. Da kann man sich schon ein bisschen die Frage stellen: Ist es dann zu viel? Das ist eine große Gefahr, dass man zum Star werden will.
Zweite große Gefahr: Künstler allgemein wollen Dinge richtig gut machen. Also ich kenne kaum einen, der sagt: Der Gitarrensolo hat nicht so funktioniert, ist halt so. Das ist nicht so. Du willst es richtig gut machen. Das heißt aber auch, dass du abhängig wirst von deinen Gefühlen. Einer, der Musik macht oder einer, der etwas schön machen will, der macht es und erlebt dabei, dass er sich gut fühlt. Und dieses Gutfühlen führt zu einer gewissen Zufriedenheit. Ich mache gute Musik und ich fühle mich gut. Aber was ist, wenn es nicht klappt? Was ist, wenn Gott kein Gelingen schenkt?
Du hast geübt mit deiner, nehmen wir mal euer, ihr habt mit der Teenieband geübt. Ihr habt wirklich geübt, und dann kommt der Moment, und du weißt: Hier kommt keine zweite Bridge mehr, und es ist wieder schiefgegangen. Was ist dann? Da ist die Gefahr bei Künstlertypen, dass sie dieses Emotionale einfach zu wichtig nehmen, dass sie sich davon runterziehen lassen, dass sie da in so ein Loch reinfallen, dass Emotionalität zu stark für sie ein Gradmesser für Erfolg wird. Da muss man aufpassen, das kann passieren. Eine Sache klappt nicht, irgendein Ding, du verspielst dich einmal hier irgendwie, und du gehst nach Hause und denkst: Das war total doof. Du hast acht Lieder richtig gespielt, aber einmal. Das ist die Gefahr, dass man sich zu sehr emotional darunter ziehen lässt.
Dritter Punkt: Künstler tun sich schwer, Kritik von Laien anzunehmen. Und ich weiß ja auch nicht, wie man es ihnen sagen soll. Da gehe ich zu Flo und sage: Das Lied ist schwierig, oder ich fand das Lied schwierig zu singen. Na, was soll er denn damit machen? Man kann ja noch mal ganz freundlich nachfragen: Was war es denn? Aber das weiß ich ja auch nicht. Ich weiß nur, ich stand da hinten und habe versucht mitzukommen, habe es aber nicht geschafft. Das ist ein Problem, dass Künstlertypen und Kritik nicht immer so richtig gut zusammenpassen.
Und ein letzter Punkt: Künstler sind kreativ, und bitte glaubt mir, dass kreative Typen, wenn es um Sünde geht, auch kreativ sein können. Wenn du viel Phantasie hast, dann kann die auch im Negativen genutzt werden. Und das ist ein Problem. Wer sich schnell etwas ausdenkt, kann sich auch Blödsinn ausdenken. Und von daher lasst uns bitte Folgendes machen: Ich habe euch wieder so ein Zettelchen mitgebracht, da sind auch noch mal so Selbstreflexionsfragen drauf. Wenn du nicht genau weißt, ob du so ein Typ sein wirst, lege ich das da drüben hin, ihr könnt es euch mitnehmen. Gaben in der Gemeinde, Nummer 14, Kunsthandwerk und Musik.
Haben wir schon Gebetszeit jetzt? Oh ja, gut, ich ziehe die jetzt vor. Ich würde gerne, dass wir jetzt für unsere Künstler beten. Also, dass wir uns jetzt mal kurz sammeln und dann in die zweite Gebetszeit starten. Für alle Gäste: Wir haben zwei Gebetszeiten. Die erste ist Anbetung, die zweite ist so ein bisschen: Was steht nächste Woche an? Ich würde mir wünschen, dass wir für alle Künstlertypen in der Gemeinde beten, von Deko bis Schlagzeug, dass wir das mit reinkriegen.
Zwei, drei Leute, die sagen: Ja, ich möchte einfach mal dafür beten, für diese Leute beten. Zwei, drei? Eins? Eins habe ich. Zwei, drei? Gut, dann würde ich gerne, dass wir dafür beten, dass wir eine Gemeinde werden, die singt. Ich weiß, das hört sich komisch an, weil wir ja schon singen, aber noch mehr singt. Dass wir eine durch Gesang anbetende Gemeinde werden. Dass wir dieses Potenzial, das in Liedern drinsteckt, ausschöpfen. Und dass wir, ich sage mal den Sohn, genau, erst mal bis dahin. Wer würde dafür beten wollen? Oder wer kann sich vorstellen, dafür zu beten? Es ist ein ungewöhnliches Gebetsanliegen, aber dass wir eine singende Gemeinde werden. Eins, zwei? War das eine Meldung, Emilia? Nein, drei.
Ich habe noch ein Anliegen. Wer traut sich, dafür zu beten, dass wir, und da hört jetzt keine Kritik raus bei dem, was ich jetzt bete, aber dass unser Lobpreis, dass wir geistgewirkten Lobpreis machen und dass alles, was uns davon abhält, das zu tun, weg ist? Eins? Einen noch. Du hattest schon. Merkt ihr, wem es wichtig ist? Das ist total spannend zu sehen, wer für sowas betet. Das sind die Musiker, das sind die, die es verstehen. Machst du es? Brauchst du dich? Okay, gut. Ja oder nein? Nein, gut. Okay, dann mache ich das. Ja, ihr müsstet euch jetzt ein Mikro geben lassen, und ich glaube, da fängt es an.
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